Man muss den Schweden lassen: Wer zwei Jahrzehnte lang mit Doppelbass und Wikinger-Gebrüll ganze Festivalwiesen in Schildwall-Formation gebracht hat, kann sich den Luxus leisten, das Brett einmal beiseitezulegen. Amon Amarth haben mit «Upphaf» ihre erste rein akustische Nummer vorgelegt – und ausgerechnet die Band, die sonst klingt wie ein Langschiff beim Rammen, dreht die Verstärker auf null.
Was übrig bleibt, ist kein weichgespülter Lagerfeuer-Kitsch, sondern das nackte Skelett eines nordischen Epos. Die Wut des melodischen Heavy Metal ist weg, das uralte Gerüst darunter tritt hervor: Hypnotische Melodien, Chöre, die einen in Trance singen und die schwere Feierlichkeit einer mündlich überlieferten Sage. So, wie man sie sich unter dem Dach eines Langhauses erzählt hat – geflüstert im Schatten des Allvaters, während draussen der Met schwappte.
Und siehe da: Odin lässt sich offenbar auch ohne Blastbeats beschwören. Die Faszination der Band für den einäugigen Göttervater sitzt am Herdfeuer genauso tief wie auf der Stadionbühne, nur ohne Pyro und Pappmaché-Hammer. «Upphaf» ist der leise Moment vor dem Sturm, der Atemholer, bevor das nächste Studioalbum die Türen wieder aus den Angeln reisst. Man geniesse die Stille, solange sie hält – die Schweden haben das Aufwärmen zum Ritual erklärt und man ahnt schon, dass danach kein Stein auf dem anderen bleibt…






«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







