Ein Musikvideo macht die Runde. Siba & Monkyman, Berlin, syrische Wurzeln. Und wer es ansieht, spürt etwas, das sich in keiner UN-Resolution, keiner NGO-Pressemitteilung und keiner Gedenkveranstaltung westlicher Hauptstädte einfangen lässt: Die akkumulierte Wut von Generationen.
Nicht die kuratierte Wut. Nicht die entschärfte, für westliche Feuilletons verdaulich gemachte Variante. Sondern die echte. Die, die entsteht, wenn Grosseltern von Bomben erzählen, die nicht aus dem Nichts kamen. Wenn Eltern erklären müssen, warum ihre Heimat auf Karten einen Namen trägt, den andere ihr gegeben haben. «Naher Osten» – nah wofür, für wen? Für London. Für Paris. Für Washington. Für alle anderen: Westasien. Eine Geografie der Arroganz, eingefroren in Schulatlanten, die niemand korrigiert, weil die Korrektur unbequeme Folgefragen aufwürfe.
Die Geschichte des europäischen Kolonialismus ist keine Geschichte der Vergangenheit. Sie ist eine Geschichte der Gegenwart, die sich in Fluchtwegen, Waffenexporten, Ressourcenverträgen und Stellvertreterkriegen täglich fortschreibt – während die Nachfahren der Täter Gedenkminuten abhalten und sich auf die Schulter klopfen für ihre historische Aufarbeitung.
Was Siba & Monkyman in drei Minuten ausdrücken, braucht keine Erklärung für die, die es verstehen. Und für die anderen – für jene, die «Herrenmenschenbarberei» für ein abgeschlossenes Kapitel halten – wird auch diese Hymne spurlos vorbeigehen. Das ist das eigentliche Verbrechen. Nicht dass sie singen. Sondern dass die richtigen Leute nicht zuhören.






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