Manche Bands veröffentlichen Alben. Supralunar lassen ihre Alben auferstehen. Ihr drittes Full-Length-Monster «Dead Come To Dance», erschienen am 6. Februar 2026 über ihr eigenes Label Supralunatic Records, ist weniger eine Platte als eine Beschwörung. Nach «A New Hope» (2014), «Ghosts» (2018) und der «Lost & Found-Trilogie» (2022) war klar: Die Toten ruhen hier nicht. Sie warten nur auf den nächsten Takt.
Dieses Album hat länger gebraucht als manche politische Karriere und ist vermutlich ehrlicher. Nicht, weil die Band es nicht schneller konnte, sondern weil sie sich geweigert hat, etwas Halbfertiges auf die Welt loszulassen. Frontmann Petri Tuulik nennt es liebevoll ihr eigenes «Chinese Democracy». Ein Vergleich, der irgendwo zwischen Selbstironie und einer Warnung liegt: Gute Dinge benötigen Zeit. Schlechte Dinge erscheinen sofort und gewinnen Preise.
Der grösste Bruch kam mit dem Abgang ihres langjährigen Drummers Johann Enoksson, dessen Schläge noch immer durch die meisten Tracks geistern wie ein mechanischer Herzschlag. Doch dann, irgendwo im digitalen Nirwana von Facebook, erschien sie: Akane Delle Fave. Eine japanische Drummerin, die Rainbow spielte, als wäre Gravitation optional. Petri sprang buchstäblich vom Sofa. Ein Moment, der beweist, dass grosse Entscheidungen heute nicht in Studios fallen, sondern zwischen Katzenvideos und Weltuntergangsmeldungen.
Als Akane zur Band stiess, brauchte es angeblich nur 30 Sekunden im Proberaum, um zu wissen: Das ist kein Ersatz. Das ist ein Upgrade. Trotz Sprachbarrieren – sie spricht weder Englisch noch die übliche Industriefloskel-Dialektik – liefert sie Backing Vocals und eine Präsenz, die mehr sagt als tausend Interviews.
Musikalisch ist «Dead Come To Dance» Supralunars bisher breitestes Schlachtfeld. Massive Riffs, detailverliebte Produktion und Harmonien, die sich wie Neonlichter durch den Nebel schneiden. Petri beschreibt einen Hauch von Def Leppard in «Picture In Your Head», aber keine sterile Perfektion. Eher dieses schelmische Funkeln, als würde die Band wissen, dass sie gerade etwas Gefährliches tut.
Textlich wird es dunkler. Politische Spannungen, globale Unsicherheit, diese leise Ahnung, dass die Welt auf einem rostigen Fundament steht. Doch statt daran zu zerbrechen, machen Supralunar genau das, was jede gute Rockband tun muss: Sie drehen den Verstärker auf. Denn wenn die Welt schon brennt, kann man wenigstens dazu tanzen.

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








