Es gibt eine Ebene politischer Kommunikation, die sich nicht in Reden, Gesetzen oder Verträgen erschöpft. Sie liegt darunter – oder darüber. In Gesten, Symbolen, Ritualen. In Zeichen, die nicht erklärt, sondern gezeigt werden. Wer sie sieht, gilt schnell als paranoid. Wer sie ignoriert, nennt sich aufgeklärt. Doch beide Haltungen greifen zu kurz.

Seit Jahrhunderten nutzen Machtstrukturen Symbole, um Zugehörigkeit, Hierarchie und Ordnung sichtbar zu machen. Nicht für die Masse, sondern für Eingeweihte. Das ist keine Spekulation, sondern kulturhistorisch belegt. Von religiösen Insignien über militärische Zeichen bis hin zu politischen Gesten: Macht spricht nie nur in Worten.

In diesem Kontext taucht immer wieder ein Motiv auf, das viele irritiert: Das umgekehrte Dreieck. Eine Form, die in alten Kulturen mit Herrschaft, Opferlogik und Umkehrung natürlicher Ordnung verbunden war. Wer sich mit ägyptischer Symbolik, mit hermetischen Lehren oder mit freimaurerischer Bildsprache beschäftigt hat, weiss, dass geometrische Formen dort keine Dekoration sind, sondern Bedeutung tragen.

Dass Politiker verschiedenster Länder und Ideologien über Jahrzehnte hinweg dieselbe Geste zeigen – Hände zu einem nach unten gerichteten Dreieck geformt –, ist zumindest bemerkenswert. Donald Trump tut es. Angela Merkel tut es. Recep Tayyip Erdoğan tut es. Adolf tat es. Historische Fotografien zeigen ähnliche Gesten auch bei totalitären Führungsfiguren des 20. Jahrhunderts. Man kann das als Zufall abtun. Man kann es auch als unbewusste Körpersprache erklären. Oder man stellt die unbequeme Frage: Warum gerade diese Form – immer wieder, in genau diesem Kontext von Macht, Kontrolle und Autorität?

Symbole wirken nicht, weil alle sie verstehen, sondern weil sie auf einer Ebene ansprechen, die unterhalb rationaler Analyse liegt. Sie schaffen Ordnung, Zugehörigkeit und Abgrenzung. Für diejenigen, die sie kennen, sind sie Signale. Für alle anderen bleiben sie unsichtbar.

Die These, dass solche Zeichen Ausdruck einer tieferliegenden Machtarchitektur sind, ist unbequem. Sie widerspricht dem modernen Selbstbild demokratischer Transparenz. Doch Geschichte lehrt etwas anderes: Macht war nie nur institutionell. Sie war immer auch rituell.

Problematisch wird es dort, wo jede Geste automatisch als Beweis gelesen wird und keine Differenzierung mehr stattfindet. Symbole sind vieldeutig. Sie können bewusst eingesetzt werden – oder übernommen, ohne verstanden zu werden. Sie können Teil einer Tradition sein – oder schlicht erlernte Körpersprache in Machtpositionen. Wachsamkeit bedeutet nicht, alles zu glauben. Sie bedeutet, nicht alles reflexhaft auszuschliessen.

Der entscheidende Punkt ist nicht, ob ein bestimmtes Handzeichen «das umgekehrte Dreieck des Todes» ist oder nicht. Der entscheidende Punkt ist, dass moderne Gesellschaften verlernt haben, über Macht jenseits von Schlagzeilen und Parteiprogrammen zu sprechen. Über Rituale. Über Codes. Über die psychologische Wirkung von Symbolik.

Wer Symbole vollständig lächerlich macht, schützt nicht die Vernunft – er schützt bestehende Strukturen vor kritischer Betrachtung. Wer sie absolut setzt, verliert sich im Totalverdacht. Zwischen diesen Extremen liegt etwas Wertvolles: Symbolische Mündigkeit.

Zeichen lügen nicht. Aber sie sagen auch nicht eindeutig die Wahrheit. Sie offenbaren Zusammenhänge, Haltungen, Traditionen – keine Beweise im juristischen Sinn, sondern Hinweise im kulturellen. Offene Augen bedeuten nicht, überall Feinde zu sehen. Sie bedeuten, Macht nicht nur dort zu suchen, wo sie offiziell erklärt wird. Denn wer glaubt, Herrschaft sei heute ausschliesslich rational, transparent und wohlmeinend, glaubt an einen Mythos – einen sehr modernen.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Warnung…

Inverted Triangle of Death
Inverted Triangle of Death

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