Creed ist das, was eigentlich Rocky V schon hätte sein sollen. Bereits zum siebten Mal schlüpft Sylvester Stallone in den Trainingsanzug von Rocky Balboa, nun jedoch als Mentor, der sein Wissen und Vermächtnis an einen überaus motivierten Michael B. Jordan weitergeben will. Sein schwerster Kampf steht Rocky jedoch noch bevor und dieser wird nicht im Ring ausgetragen. Regisseur Ryan Coogler hat die richtige Mischung aus Ehrerbietung an das Original und einer frischen Optik gefunden.
Eigentlich hätte Ryan Coogler den Film einfach „Rocky 7“ taufen können, denn es ist wahrscheinlich der beste Teil der Franchise seit dem Original «Rocky» von 1976. Zum einen ist dieser Verdienst Coogler selbst zu verdanken, der den Film mitgeschrieben, gedreht und coproduziert hat. Andererseits harmoniert die Kombination Stallone und Jordan wunderbar auf der grossen Leinwand und bringt dieses mitreissende Gefühl des Underdogs zurück, das wir beim ersten «Rocky» so geliebt haben. «Creed» verbindet zwei grosse Handlungsstränge: Zum einen ist da der gealterte Rocky Balboa als Mentor, dessen ikonenhafter Status zwar noch über seiner Person schwebt, gleichzeitig aber auch langsam zu verblassen droht. Zum anderen ist da der aufstrebende, aber wütenden Adonis, der im Film hin zu einem smarten und ernstzunehmenden Boxer wächst. Dass ein solcher Film dabei nicht um einige Klischees herum kommt, stört wenig und wird grösstenteils von den wunderbar gespielten Figuren aufgefangen – Sylvester Stallone hat nicht ohne Grund einen Golden Globe für seine Rolle als bester Nebendarsteller gewonnen.
Und während Michael B. Jordan als Adonis Creed seinen Anspruch als neue Hoffnung im Filmbusiness – insbesondere nach dem Flop mit Fantastic Four – eindrücklich unterstreicht, ist es Sylvester Stallone, der mit seiner Interpretation eines gealterten Rocky Balboa von allen am meisten zu glänzen vermag. Die Chemie zwischen ihm und seinem Co-Star stimmt perfekt und macht einen Grossteil des Reizes aus. Die Rückbesinnung auf die besten Eigenschaften des legendären Originals, insbesondere bei seiner feinen Ausbalancierung zwischen Momenten der Pein und jenen des Triumphs, kann das Rocky-Spin-off punkten. Wer darauf gehofft hatte, die Franchise würde unter Cooglers gänzlich neue Wege einschlagen, könnte enttäuscht werden. Die Handlung erzählt die altbewährte Underdog-Story mit den üblichen Ritualen – von den aufgedrehten Trainingmontagen, die von zahlreichen Rückschlägen begleitet werden, bis zum emotionalen Titelkampf, in dem in jeder Runde eine irrwitzige Anzahl an Schlägen abgedonnert und eingesteckt wird. So ist «Creed» in seiner über zweistündigen Spielzeit auch für Zuschauer, die keine Fans des Boxsports sind, zu keiner Zeit langweilig oder langatmig und sorgt für so manche überraschende Momente. Rocky’s Geist lebt in diesem Film weiter!








«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








