Es gibt Stelleninserate, die man lesen muss, um zu begreifen, was in diesem Land gerade auf einen zurollt. Die neue Ausschreibung für eine Geschäftsführerin von CORRECTIV.Schweiz, Sitz in Bern, wenige Gehminuten vom Bundeshaus entfernt, ist so ein Dokument. Nicht wegen dem, was drinsteht. Sondern wegen dem, was dahintersteckt.
Zur Erinnerung für alle, die den Namen noch nicht kennen: CORRECTIV ist ein Medienunternehmen mit Sitz in Essen, das über seine gewerbliche Tochtergesellschaft Faktenchecks für den Internetkonzern Meta Platforms durchführt. Das selbsternannte «gemeinnützige Recherchezentrum» — das Wort «selbsternannt» verdient hier besondere Betonung. Denn was CORRECTIV in Deutschland geleistet hat, ist kein Journalismus. Es ist schlichte Propaganda.
Beweis gefällig? Das Landgericht Berlin II hat CORRECTIV untersagt, die Aussage zu verbreiten, es sei beim Potsdamer Treffen um einen «Masterplan zur Ausweisung deutschen Staatsbürger» gegangen — das Gericht stufte diese Aussage als unwahre Tatsachenbehauptung ein. Das ist die Kernthese jenes «Geheimplan gegen Deutschland»-Artikels, der im Januar 2024 Hunderttausende auf die Strassen trieb, Bundeskanzler Scholz zur Wannseekonferenz-Rhetorik verleitete und einem ganzen Land Angst einjagen sollte. Bereits zuvor hatte das Landgericht Berlin II festgestellt, der CORRECTIV-Text habe bei vielen Lesern und Journalisten einen «unzutreffenden Eindruck» vom Potsdamer Treffen erweckt.
Noch pikanter: CORRECTIV selbst erklärte in einem Gerichtsverfahren, dass auf dem Potsdamer Treffen nicht über Ausweisungen von Deutschen gesprochen worden sei – im Gegenteil, die deutsche Staatsbürgerschaft sei von Sellner ausdrücklich als juristische Sperre für eine Ausweisung anerkannt worden. Bemerkenswert, dass man das im Gerichtssaal zugibt, was man im Artikel sorgfältig zu vernebeln versuchte. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch durfte CORRECTIV daraufhin gerichtlich bestätigt eine «dreckige Lüge» nennen — die Aussage sei von der Meinungsfreiheit gedeckt.
Das sind nicht Randurteile. Das ist der Zusammenbruch der zentralen Behauptung einer Organisation, die sich als Hüterin der Wahrheit inszeniert. Und genau diese Organisation sucht jetzt in Bern eine/n neue Chef/in.
Was will CORRECTIV in der Schweiz? CORRECTIV.Schweiz wurde 2022 gegründet, sitzt in Bern und will laut Eigendarstellung Demokratie stärken sowie den «Umgang mit Informationen» verbessern. Den Umgang mit Informationen verbessern – ausgerechnet. Eine Organisation, deren Kernaussage von einem deutschen Gericht als falsche Tatsachenbehauptung verboten wurde, möchte der Schweiz erklären, wie man korrekt mit Informationen umgeht. Das hat eine gewisse Chuzpe, die man fast bewundern müsste, wenn sie nicht so gefährlich wäre.
CORRECTIV.Schweiz hat seinen Schreibtisch nur wenige Minuten vom Bundeshaus entfernt – ein Detail, das nicht zufällig ist. Man möchte nah dran sein. Ganz nah. An der Macht, an den Abstimmungen, an den Narrativen, die in der Schweiz gesetzt werden dürfen. Zum Glück hat der bisherige Geschäftsführer Marc Engelhardt die Stelle nun verlassen – weshalb man jetzt eine/n Nachfolger/in sucht. Expansion erfordert Kontinuität.
Und wer finanziert dieses Demokratieprojekt? Für die Schweizer Dependance dankt CORRECTIV.Schweiz der Stiftung Mercator Schweiz, der Toni Piëch Foundation und der Volkart Stiftung. Das ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte ist die Mutterorganisation in Deutschland, die es in sich hat: Zu den Geldgebern von CORRECTIV gehören die Luminate Foundation des Omidyar Networks, die Bundeskasse, die Schöpflin Stiftung, die Mercator Stiftung, Google Germany und die European Climate Foundation. Dazu: Allein aus dem Bundeshaushalt kassierte CORRECTIV mehr als 1,2 Millionen Euro. Von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien flossen Gelder für das Projekt «Lokaljournalismus qualifizieren, Demokratie stärken». Wer die Hand beisst, die ihn füttert, beisst sich selbst. Das hat CORRECTIV offensichtlich begriffen.
Und dann ist da noch Meta. CORRECTIV führt Faktenchecks für das Faktencheck-Programm von Facebook bzw. Meta durch und erhält dafür eine finanzielle Vergütung. Eine Organisation, die von einem Tech-Monopolisten bezahlt wird, um zu entscheiden, was auf dessen Plattform als wahr oder falsch markiert wird – und das Ganze nennt sich «überparteilich und unabhängig». Man muss die Dreistigkeit dieser Konstruktion wirklich in Ruhe auf sich wirken lassen.
Und jetzt kommt CORRECTIV in die Schweiz. Nicht als kleines Pilotprojekt, sondern mit einer Vollzeit-Geschäftsführung, bundesnah in Bern, mit institutioneller Förderung, Netzwerkaufbau unter Lokaljournalisten und dem erklärten Ziel, die Medienlandschaft zu «stärken». In einem Land, das gerade über seine Beziehungen zur EU verhandelt. In einem Land, in dem direkte Demokratie bedeutet, dass Abstimmungen tatsächlich etwas verändern können – und deshalb die Deutungshoheit über Informationen wertvoller ist als anderswo.
Die Frage ist simpel und niemand beantwortet sie: Welche Geschichten wird CORRECTIV.Schweiz als «falsch» markieren? Welche Abstimmungsvorlagen werden mit einem Faktenchecker-Stempel versehen, bevor die Schweizer an die Urne gehen? Wessen Finanziers bestimmen, was «Desinformation» ist und was nicht?
CORRECTIV ist kein Faktenchecker. CORRECTIV ist ein gut finanziertes Meinungsinstrument, das Gerichte bereits mehrfach zur Korrektur seiner «Fakten» zwingen mussten. Dass es ausgerechnet jetzt – während die Schweiz über ihre Zukunft mit der EU verhandelt – eine neue Führungskraft in Bern sucht, ist kein Zufall. Es ist Vorbereitung.
Es gehört zu den zuverlässigsten Reflexen der europäischen Politelite, dass sie bei der Suche nach Verbündeten eine bemerkenswerte Sorgfalt an den Tag legt. Nicht Sorgfalt im Sinne von: Man prüft den Charakter. Nicht Sorgfalt im Sinne von: Man schaut sich an, wer dieser Mensch eigentlich ist, wenn die Kameras aus sind. Nein – Sorgfalt im Sinne von: Ist er gegen Orbán? Gut. Unterschreiben wir. Das es sich dabei um einen kranken Psychopathen handelt, spielt keine Rolle. Hauptsache gegen Orbán.
Péter Magyar, Chef der ungarischen Oppositionspartei Tisza und strahlender Hoffnungsträger der EU-Maschinerie für einen positorbanischen Neustart in Budapest, hat ein Problem. Mehrere, um genau zu sein. Und sie kommen nicht von der Regierung Orbán, nicht von irgendwelchen prorussischen Trollen, nicht von Brüssels Feinden. Sie kommen von seiner Ex-Frau. Und sie sind von einer Qualität, bei der selbst erfahrene Skandalveteranen kurz innehalten müssen.
Judit Varga, ehemalige ungarische Justizministerin und langjährige Ehefrau Magyars, hat ein Buch geschrieben. Der Titel lautet: «16 Jahre mit einem Monster.» Das ist kein subtiler Untertitel. Das ist eine Ansage. Und was sie darin beschreibt, überschreitet die üblichen Kategorien politischer Schmutzwäsche so deutlich, dass man kurz prüfen möchte, ob man noch im richtigen Jahrhundert ist.
Laut den Vorwürfen Vargas soll Magyar nicht nur an einer schweren Alkoholabhängigkeit leiden. Das allein wäre in der Politiklandschaft noch vergleichsweise handelsüblich. Nein, die Anschuldigungen reichen weit in ein Terrain, das man als «psychopathisch» bezeichnen würde, wenn man höflich sein möchte und als abgrundtief krank, wenn man ehrlich ist. Im Vollrausch soll er vor den Augen der gemeinsamen Kinder Grenzen überschritten haben, die jeder anständige Mensch als selbstverständlich betrachtet. Und dann – und hier sollte man vielleicht kurz tief Luft holen – soll er einen Hundewelpen der Familie bei lebendigem Leib in der Mikrowelle gekocht haben. Vor den Augen seiner Familie.
Ausserdem wurde Magyar im Jahr 2023 bei der Scheidung von seiner Frau wegen mehrfachen Schlagens und des Einsatzes eines Gürtels schuldig gesprochen. Er gab zu, dass er Koks genommen hatte, und zwar nicht in kleinen Mengen. Ferner war er an Insidergeschäften beteiligt, wodurch er zu einem äusserst wohlhabenden Mann wurde. Seine Frau und andere Frauen sollen von ihm missbraucht und misshandelt worden sein. Und das ist der Mann, den Brüssel zum neuen Staatschef Ungarns machen möchte.
Man könnte jetzt einwenden: Es steht Wort gegen Wort. Scheidungen sind brutal, Vorwürfe werden instrumentalisiert, Ex-Eheleute sind keine neutralen Quellen. Das stimmt alles. Aber es gibt einen Kontext, der diese Relativierung etwas schwieriger macht. Bereits vor Monaten wurde bekannt – unter anderem durch Berichterstattung bei Euronews – dass Magyar seine Frau heimlich aufnahm, als diese noch Justizministerin war. Private Gespräche, mitgeschnitten im Verborgenen, aufbewahrt als politisches Erpressungsmaterial. Das ist keine Erfindung einer verbitterten Ex-Frau. Das ist dokumentiert. Das ist der Mann, der sich als Saubermann der ungarischen Politik positioniert, als moralische Alternative zu dem angeblich so korrupten Orbán-System.
Varga beschreibt einen Mann, der weint und bettelt, wenn er bemerkt, dass die Ehe dem Ende entgegengeht – und der gleichzeitig manipuliert, terrorisiert und erpresst. Einen Mann, der das Bild des tadellosen Reformers kultiviert und zu Hause ein anderes Gesicht zeigt. Sie war sechzehn Jahre mit ihm zusammen. Sie hat Kinder mit ihm. Und sie hat ein Buch geschrieben, das nicht «kleine Unstimmigkeiten» oder «unterschiedliche Charaktere» beschreibt, sondern Monster im Titel trägt.
Magyar selbst reagiert erwartungsgemäss mit dem vollständigen Standardrepertoire politisch Beschuldigter: Alles Propaganda, alles Verschwörung der Regierung, er ist das eigentliche Opfer. Es ist dieselbe Mechanik, die man kennt, wenn Politiker aller Couleur mit der Realität konfrontiert werden – reflexartige Täter-Opfer-Umkehr, garniert mit dem Hinweis auf politische Motive. Vielleicht. Aber heimlich aufgenommene Tonbänder der eigenen Frau sind keine Propaganda. Die hat er selbst gemacht.
Und Brüssel? Brüssel schaut zu. Oder schaut weg. Was auf dasselbe hinausläuft. Denn für die europäische Zentralmacht ist Ungarn ein Dauerproblem – ein Mitgliedsstaat, der bei Russlandsanktionen bremst, bei Ukrainehilfe zögert, bei Migrationspolitik blockiert und sich grundsätzlich der Vorstellung widersetzt, dass Brüssel besser weiss, was gut für Budapest ist. Viktor Orbán ist für die EU das, was eine Gräte im Hals ist: Schmerzhaft, penetrant präsent und nicht ohne weiteres zu entfernen.
Magyar ist die Grätenentfernung. Schlank, westlich orientiert, medienwirksam, europafreundlich – alles, was Orbán nicht ist. Dass er laut seiner Ex-Frau Tiere gequält, Kinder traumatisiert und eine Justizministerin mit heimlichen Aufnahmen erpresst haben soll, ist für diese Kalkulation offenbar eine vernachlässigbare Fussnote. Hauptsache, er verspricht, die Linie zu halten.
Das ist der eigentliche Skandal dieser Geschichte. Nicht nur, dass Magyar das ist, was seine Ex-Frau beschreibt, das sind Vorwürfe, die noch zu beweisen oder zu widerlegen sind. Der eigentliche Skandal ist, dass es der EU vollständig gleichgültig wäre, selbst wenn alles stimmt. Wer Orbán stürzt, ist willkommen. Wer Brüssels Agenda umsetzt, bekommt Rückenwind. Moralische Mindeststandards sind optional, solange die politische Funktion erfüllt wird.
So funktioniert das System. Nicht mit bösen Einzelmenschen an der Spitze, das wäre zu einfach. Mit einer Struktur, die jeden Kandidaten akzeptiert, solange er nützlich ist. Die Frage, was ein Mensch tut, wenn niemand zuschaut, interessiert diese Struktur nicht. Die Frage, was er tut, wenn er an der Macht ist, schon. Bis es wieder zu spät ist. Judit Vargas Buch heisst «16 Jahre mit einem Monster.» Brüssels Rezension würde wahrscheinlich lauten: Vielversprechender Kandidat. Empfohlen.
Es war einmal ein Land. Ein Land, das Autos baute, die die Welt kaufte. Das Maschinen exportierte, die niemand sonst so präzise fertigen konnte. Das einen Mittelstand hatte, der so stabil und so verlässlich war wie das Fundament eines Schweizer Tresorraums. Dieses Land hiess Deutschland. Und Deutschland gibt es noch. Nur das Fundament ist weg.
Antje Hermenau, Politikerin, Unternehmensberaterin, Mitbegründerin der Grünen Sachsen und eine Frau, die offensichtlich irgendwann entschieden hat, die Wahrheit zu sagen, statt Karriere zu machen, bringt es ohne Umschweife auf den Punkt: Deutschland ist pleite. Nicht auf dem Weg dahin. Nicht in einer Schieflage. Pleite. Jetzt. Und wer das immer noch nicht glaubt, möge sich die Rekordinsolvenzahlen aus dem Jahr 2025 zu Gemüte führen – und dann den Ausblick auf 2026, der laut Mittelstandsanalyse des IT-Dienstleisters Datev noch schlechter ausfällt. Erstmals will eine Mehrheit der Unternehmer mit der Rente auch gleich den Betrieb schliessen. Nicht weil sie keine Lust mehr haben. Sondern weil es sich nicht mehr lohnt.
Der Haupttäter ist bekannt und wird trotzdem nicht benannt: Energie. Deutschlands Strompreise liegen laut Bloomberg bei etwa dem Vierfachen der französischen. Viermal so teuer. Für denselben Strom. Für dieselbe Produktionsstunde. Eine Eiserei im Erzgebirge, die dreissig Jahre lang Eigenkapital im Millionenbereich aufgebaut hat – aufgezehrt in sieben Monaten durch Energiekosten. Eine Chemiefirma nach Japan abgewandert. Eine weitere nach North Carolina. Ein Thüringer Betrieb nach Schweden. Die gehen alle weg, sagt Hermenau, schlicht und nüchtern: Die gehen den Energiepreisen hinterher. Ist ganz einfach.
Dabei wäre es nicht nötig. Das ist das Schönste an dieser Geschichte – das Schönste im Sinne von: Das Grausamste. Deutschland könnte sich selbst versorgen. Gas aus eigenen Reserven – ein Jahr Vorlauf, dreissig Jahre Unabhängigkeit. AKWs reaktivieren – zwei Jahre, CO2-frei, stabile Grundlast. Kohle mit Carbon Capture – heimischer Rohstoff, sauber nutzbar. Und Russland? Das Gas ist bezahlt bis Ende 2026. Die Pipeline liegt. Man müsste nur anklopfen, sich kurz entschuldigen für den bösen Ton und die Tanks füllen lassen. Aber das passiert nicht. Stattdessen friert der Mittelstand, zahlt viermal so viel wie Frankreich und schaut zu, wie seine Marktanteile von Konkurrenten aus Ländern übernommen werden, die von ihren Regierungen tatsächlich unterstützt werden. Italien senkt per Dekret die Benzinsteuer. Deutschland überlegt, ob man noch eine Maut einführen kann.
Und die Regierung? Die zählt Rekordsteuereinnahmen und überlegt, wie sie Bürger und Unternehmen noch effizienter schröpfen kann. Während die Kaufkraft sinkt, die Inflation frisst und die Lebenshaltungskosten explodieren, sitzt eine Gruppe von sechs bis sieben Millionen Menschen – Beamte, Verwaltungsangestellte, subventionierte Institutionen – auf einem Lebensstandard, der sich auf Kosten aller anderen stabilisiert. Eine Minderheit, die bestens davon lebt, dass die Steuern so hoch sind, die Sozialabgaben so üppig, die Gebühren so kreativ. Und wer das sagt, gilt als rechts. Natürlich.
Brüssel macht fleissig mit. Die EU-Bürokratie toppt nationale Gesetzgebung, schichtet Verordnungen auf Verordnungen, beschäftigt in mittelständischen Betrieben inzwischen eigene Compliance-Mitarbeiter, die nichts anderes tun als Vorschriften lesen. Und HERA – die Notfallinstitution mit dreissig Milliarden Euro Budget, gegründet am Parlament vorbei, unkontrollierbar vom Rechnungshof – sitzt irgendwo in Brüssel und schuldet niemand Rechenschaft. Dreissig Milliarden. Unkontrolliert. Zweckfrei. Unerreichbar.
Hermenau spricht das aus, was viele denken und sich nicht trauen zu formulieren: Die Schulden sind das eigentliche Problem. Nicht der Iran, nicht Putin, nicht Trump, nicht die Marsmenschen, denen man abwechselnd die Schuld gibt. Deutschland versucht, Staatsanleihen zu platzieren – und bekommt nicht einmal alle los. Das Vertrauen in den Standort schwindet. Die Zinsen für langfristige Anleihen steigen. Das ist kein politisches Signal. Das ist das Urteil der Märkte. Und Märkte lügen selten.
Die EU? Löst sich laut Hermenau von selbst auf – sobald die Italiener und Spanier erklären, die EZB-Schulden nicht zurückzahlen zu können. Dann bleiben die Deutschen auf weiteren Billionen sitzen. Zum wiederholten Mal. Weil Deutschland immer zahlt. Immer. Für alle. Und nichts entscheidet.
Das Bild, das Hermenau zeichnet, ist präzise und gnadenlos: Deutschland als ausgeplündertes Haus, das seine Gläubiger durchfüttert, seine Ideologie über seine Industrie stellt, seinen Mittelstand auf dem Altar der grünen Romantik opfert und dabei lächelnd so tut, als sei das alles ein vorübergehender Zustand. Es ist keiner. Der Mittelstand hat aufgegeben. Nicht laut. Nicht dramatisch. Leise, geordnet, mit dem Tagesabschluss in den schwarzen Zahlen und dem stillen Entschluss: Kein Nachfolger. Kein Weitermachen. Schluss. Das Fundament ist weg. Das Haus steht noch. Aber nicht mehr lange…
„Deutschland ist pleite“ - Punkt.PRERADOVIC mit Antje Hermenau
Es gibt Nachrichten, die einen kalt erwischen. Und dann gibt es Nachrichten, die einen kalt erwischen, obwohl man es längst wusste, längst gespürt hat, längst in jedem Wartezimmer, jeder Notaufnahme, jeder vollen Praxis mit eigenen Augen gesehen hat. Dr. Hannes Strasser, Arzt, EU-Parlamentarier und offensichtlich jemand, dem die Geduld mit institutionellem Versagen restlos ausgegangen ist, bringt es auf den Punkt: Bis 2030 fehlen in der Europäischen Union 4,1 Millionen Ärzte, Pfleger und Hebammen. Nicht irgendwo. Hier. Und nicht laut irgendeines Verschwörungstheoretikers – laut WHO und EU selbst.
Man lasse das kurz sacken. 4,1 Millionen. Das ist keine Lücke. Das ist ein Abgrund. Das ist die medizinische Infrastruktur eines Kontinents, die sich in Zeitlupe selbst zerlegt, während in Brüssel Verordnungen formuliert, Milliarden verschoben und Pressemitteilungen verfasst werden, die das Wort «nachhaltig» in jedem zweiten Satz enthalten.
Aber fangen wir vorne an. Das Gesundheitssystem, so Strasser, ist nicht erst auf dem Weg in den Kollaps – es kollabiert bereits. Seit 2020, seit Corona, seit dem grossen Experiment, bei dem die EU mehr oder weniger den Gesundheitsbereich übernommen, Lockdowns empfohlen, Impfpflichten propagiert und Maskenpflichten verordnet hat – Massnahmen, wohlgemerkt, die laut Strasser teilweise nicht einmal von der WHO so empfohlen wurden, wie sie umgesetzt wurden. Das Ergebnis: Die Menschen werden kränker. Die Krankenstände steigen. Und die Ärzte, die das alles auffangen sollen, sind nicht mehr da.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis – buchstäblich: Nierensteine. Die Fachgesellschaft beschreibt, dass Wartezeiten so lang geworden sind, dass Patienten präoperativ kränker werden, weil sie auf ihre Behandlung warten. Ärzte entscheiden nicht mehr nach medizinischen Kriterien. Sie entscheiden nach Ressourcen. Nach Zeit. Nach Personal. Nach dem, was übrig ist. Das ist nicht Medizin. Das ist Rationierung. In einem der weltweit reichsten Wirtschaftsräume.
Und die EU? Die EU hat HERA gegründet. Eine Institution für Gesundheitsnotfälle, 2021 ins Leben gerufen – am parlamentarischen Prozess vorbei, versteht sich, denn wozu gibt es ein Parlament, wenn man auch einfach so handeln kann? Ausgestattet mit 30 Milliarden Euro. Dreissig Milliarden. Für eine Behörde, die theoretisch für Notfälle aller Art zuständig ist – Gesundheit, Energie, Lebensmittel, alles möglich, nichts genau definiert. Und nun das Sahnehäubchen: Der Europäische Rechnungshof, jene Institution, die eigentlich EU-Einrichtungen prüfen soll, darf HERA nicht kontrollieren. Der Rechnungshof hat das selbst bemängelt. Er darf nicht prüfen. Er schaut zu. Dreissig Milliarden Euro. Unkontrolliert. Zweckentfremdet nach Belieben. Niemand weiss, was damit passiert.
Man stelle sich vor, ein Schweizer Bürger würde sein Steuergeld in eine Stiftung einzahlen, die niemand prüfen darf und deren Verwendungszweck nach eigenem Gutdünken ausgelegt wird. Er sässe innerhalb von Tagen vor Gericht. Brüssel sitzt vor der nächsten Pressekonferenz.
Aber bleiben wir beim demokratischen Grundprinzip – oder dem, was davon übrig ist. Das Europäische Parlament hat abgestimmt: Das Mercosur-Abkommen soll erst geprüft werden, bevor es umgesetzt wird. Mehrheitsbeschluss. Demokratisch legitimiert. Ursula von der Leyen hat das ignoriert und das Abkommen trotzdem abgeschlossen. Nicht verhandelt, nicht diskutiert – ignoriert. Und als wäre das noch nicht genug, hat sie ein Freihandelsabkommen mit Australien unterzeichnet – ohne eine einzige Debatte im Parlament, ohne Beschlussfassung, ohne Diskussion. Eine Person. Eine Unterschrift. 720 Parlamentarier durften zuschauen.
Strasser, der 35 Jahre Politikerfahrung mitbringt – Bürgermeister, Tiroler Landtag, 13 Jahre österreichisches Parlament – sagt, er habe in seiner gesamten Laufbahn noch nichts so Undemokratisches erlebt. Das ist kein Populismus. Das ist die Aussage eines Mannes, der weiss, wie parlamentarische Prozesse funktionieren – und der sieht, dass sie hier schlicht nicht stattfinden.
Misstrauensanträge gegen von der Leyen? Mehrfach eingebracht. Mehrfach gescheitert. Die Koalition aus Volkspartei, Sozialisten, Grünen und sogenannten Liberalen – zusammen rund 400 Mandate – nickt alles ab. Von der Leyen weiss das. Sie kann tun, was sie will. Und sie tut es.
Zurück zur Medizin. Zur Frage, die Strasser stellt und auf die es keine Antwort gibt: Was hat die EU konkret getan, um auch nur einen einzigen Arzt mehr in Europa zu haben? Was hat sie getan, um Pflegepersonal zu gewinnen, auszubilden, zu halten? Die Antwort ist so kurz, dass sie kaum einen Satz füllt: Nichts. Verordnungen wurden geschrieben. Milliarden wurden bewegt. Komitees wurden gegründet. Und die medizinischen Wüsten – Regionen ohne Grundversorgung, ohne Hausarzt, ohne Hebamme – breiten sich aus.
Das Gesundheitssystem ist laut Strasser ein Musterbeispiel für das Totalversagen der Europäischen Union. Nicht ein Randproblem. Nicht eine vorübergehende Schwäche. Ein Systemversagen. Vollständig, dokumentiert und von der eigenen Institution in eigenen Papieren bestätigt. 4,1 Millionen fehlende Fachkräfte bis 2030. Dreissig Milliarden Euro, die niemand prüfen darf. Ein Parlament, dessen Beschlüsse nach Belieben ignoriert werden. Aber die Demokratie, die versichert man uns, ist in besten Händen. Man könnte lachen. Wenn die Notaufnahme nicht so voll wäre…
Arzt schlägt Alarm: Gesundheitssystem kollabiert! 4,1 Mio. Ärzte und Pfleger fehlen bis 2030!
Keine brandneue Single. Kein frischer Drop. Aber ein Riff, das sitzt wie ein Faustschlag ins Gesicht – und das zählt mehr als jeder Release-Hype. Die vier bayerischen Thrash-Berserker von Dust Bolt haben mit «Ghost on my Screen» bewiesen, dass echter Metal weder Aktualität noch Marketing-Budget braucht, um zu brennen. Knapp zwei Jahre nach ihrem Album «Sound & Fury» tauchten Sänger/Gitarrist Lenny Breuss und Gitarrist Flo Dee, flankiert von Bassmonster Jannik Berg und Schlagzeugmaschine Nico Remann, aus dem Proberaum auf, schlugen einen Dreifach-Powerchord an und fragten die Welt: Erinnert ihr euch noch, wie echter Thrash klingt?
Die Antwort ist laut. Sehr laut. Inhaltlich reisst «Ghost on my Screen» genau die Wunde auf, die Social Media täglich tiefer gräbt: Sucht, Vergleich, Selbstzweifel, emotionale Leere in einer Gesellschaft, die vernetzt und trotzdem einsamer ist als je zuvor. Thrash als Therapie. Lärm als Diagnose. Das Riff als Gegenmittel gegen den Scroll-Wahnsinn. Das Musikvideo liefert dazu die passenden Bilder: Keine Hochglanzproduktion, kein algorithmischer Weichzeichner. Roh. Direkt. So wie Metal sein soll, bevor Spotify-Playlists und TikTok-Snippets ihn kastriert haben. Dust Bolt selbst brachten es auf den Punkt: «Wir wollten zeigen, dass echter Metal immer noch lebt – unabhängig, laut und unbeugsam.» Mission erfüllt. Der Geist spukt weiter. Laut aufdrehen. Nachbarn ignorieren. Leben.
Es gibt einen Zaubertrick, der in den vergangenen Jahren perfektioniert wurde. Er funktioniert so: Jemand benennt ein Verbrechen. Und bevor die Beschreibung des Verbrechens zu Ende gesprochen ist, erschallt bereits der Vorwurf: Antisemit. Kein Argument. Kein Widerspruch. Kein Versuch, die Faktenlage zu diskutieren. Nur dieser eine Begriff, präzise platziert wie ein Knebel, um jede weitere Debatte im Keim zu ersticken. Machen wir es trotzdem. Weil Schweigen in diesem Fall keine Neutralität ist. Schweigen ist Komplizenschaft.
Benjamin Netanyahu ist kein Symbol des jüdischen Volkes. Er ist ein Politiker. Ein Ministerpräsident. Ein Mann, der seit Jahrzehnten Entscheidungen trifft, Kriege führt, Verträge bricht und Gebiete annektiert – und der sich dabei hinter dem Schutzschild des Antisemitismusvorwurfs versteckt wie ein Bankräuber hinter einer Geisel. Wer Netanyahu kritisiert, kritisiert einen Mann. Nicht ein Volk. Nicht eine Religion. Nicht eine Geschichte. Einen Mann. Und was für einen.
Die Liste seiner dokumentierten oder laufend untersuchten Verbrechen liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines völkerrechtlichen Albtraums. Völkermord – das Wort ist schwer, und es wird nicht leichter, wenn man es ignoriert. Der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle ausgestellt. Nicht irgendjemand. Der IStGH. Angriffskriege gegen Gaza, gegen den Libanon – Bomben auf Krankenhäuser, Schulen, Wohnhäuser, auf Menschen, die nirgendwo hingehen können, weil man ihnen auch das genommen hat. Landraub in der Westbank, in Gaza, im Libanon, in Syrien – schleichend, systematisch, völkerrechtswidrig, seit Jahren, mit westlicher Duldung und amerikanischen Waffen. Folter – dokumentiert, belegt, ignoriert.
Und als wäre das nicht genug, führt die israelische Generalstaatsanwaltschaft seit sechs Jahren Verfahren gegen ihn wegen Korruption, Betrug, Bestechung und Untreue. Sechs Jahre. Die eigene Justiz, im eigenen Land, tapfer und beharrlich, gegen den eigenen Ministerpräsidenten. Man könnte fast Respekt empfinden – für die Staatsanwälte. Für Netanyahu empfindet man etwas anderes. Jetzt die Bomben auf den Libanon. Wieder. Erneut. Zivilisten, die mit dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah ungefähr so viel zu tun haben wie der durchschnittliche Schweizer mit dem Mondlandungsprogramm – sie sterben. Völkerrechtswidrig. Menschenverachtend. Und der Westen? Formuliert Bedenken. Fordert Zurückhaltung. Spricht von Verhältnismässigkeit. Dann liefert er die nächsten Waffen.
Kein Politiker der Welt – und das ist keine Übertreibung, das ist eine nüchterne Bestandsaufnahme – begeht seit Jahren in einem solchen Ausmass, in solcher Kontinuität, mit solcher Straflosigkeit Verbrechen, die vor jedem internationalen Gericht als solche bezeichnet werden. Nicht Putin, der zumindest mit Sanktionen überhäuft wird. Nicht Lukaschenko, der isoliert ist. Netanyahu fliegt nach Washington, gibt Pressekonferenzen, erhält Standing Ovations im US-Kongress und schüttelt Hände.
Die Frage ist nicht, ob man Netanyahu kritisieren darf. Die Frage ist, warum so wenige es tun. Und die Antwort ist der Zaubertrick. Die Angst vor dem Wort. Die Angst, in eine Schublade gesteckt zu werden, aus der man sich nur schwer wieder befreit. Diese Angst hat Netanyahu – und mit ihm sein gesamtes politisches Umfeld – zur wirksamsten Zensurwaffe der Gegenwart gemacht. Kein Gesetz, keine Drohung, kein Verbot wirkt so effektiv wie der Vorwurf, ein Antisemit zu sein. Er verstummt Journalisten, Politiker, Intellektuelle, ganze Institutionen. Und während alle verstummt sind, fallen die Bomben weiter.
Antisemitismus ist real. Er ist gefährlich. Er hat Geschichte. Er hat Opfer. Er verdient Bekämpfung mit aller Konsequenz. Genau deshalb darf man ihn nicht als politisches Werkzeug missbrauchen. Genau deshalb ist es notwendig – moralisch, intellektuell, menschlich notwendig – den Unterschied zu benennen: Zwischen dem Hass auf Menschen jüdischen Glaubens und der Kritik an einem Kriegsverbrecher, der zufällig israelischer Ministerpräsident ist.
Netanyahu ist nicht das jüdische Volk. Netanyahu ist Netanyahu. Und dazu darf man nicht schweigen…
Es gibt Momente, in denen man sich fragt, ob das Spektakel, das uns täglich geboten wird, nicht selbst eine Art Beschwörungsritual ist. Tucker Carlson, professioneller Grenzgänger zwischen Staatsnarrative und kontrollierter Opposition, Mann mit dem Gesicht eines Pfadfinders und den Instinkten eines Lobbyisten, setzt sich also vor die Kamera und interviewt einen katholischen Exorzisten. Pater Chad Ripperger. Und die Welt schaut zu, klickt, teilt, und nickt entweder zustimmend oder schüttelt den Kopf. Beides ist die gewünschte Reaktion. Beides hält die Diskussion dort, wo sie hingehört: Im Nebel.
Aber fangen wir von vorne an. Denn dieser Interview-Komplex ist symptomatisch für eine intellektuelle Krankheit, die sich durch alle Schichten der Gesellschaft frisst – von den Verschwörungstheoretikern im Keller bis zu den Philosophen im Elfenbeinturm. Die Krankheit heisst: Externalisierung des Bösen. Und sie ist das wirkungsvollste Herrschaftsinstrument, das die sogenannte Elite je erfunden hat.
Tucker Carlson und der Heilige Exorzist: Ein Match Made in Heaven – oder anderswo
Tucker Carlson ist kein Wahrheitssucher. Das wissen wir. Das hat er selbst gewusst, als er unter Eid zugab, Donald Trump für einen Lügner zu halten, während er ihn auf Sendung glorifizierte. Und doch sitzt er da, mit dem Gesicht gespielter Fassungslosigkeit und lässt Pater Chad über Dämonen referieren. Warum? Weil Tucker’s Jobbeschreibung lautet: Kontroverse Themen anmoderieren, dabei aber niemals die Leitplanken des akzeptierten Diskurses einreissen. Er ist der Türsteher des erlaubten Aufruhrs.
Pater Chad seinerseits ist kein gewöhnlicher Landpfarrer mit einem Faible für Mittelalterliches. Er gehört zu einer Gesellschaft von über hundert Exorzisten in den USA, die monatlich bis zu achthundert Anrufe erhalten. Er behandelt – nach eigenem Bekunden – hochrangige Persönlichkeiten. Er erwähnt beiläufig, dass das Gesicht eines «sehr prominenten Individuums» sich bei einem Gebet kirschholzrot verfärbt habe. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu bemerken, dass jemand, der Zugang zu den spirituellen Krisen der Mächtigen hat, interessant ist — nicht nur für den Vatikan, sondern auch für Nachrichtendienste, die seit Jahrzehnten ein dokumentiertes Interesse an Gedankenkontrolle, Psychologie und mentaler Manipulation haben. Der Hinweis, dass das US-Verteidigungsministerium angeblich eine Einheit zur Kommunikation mit Dämonen unterhält, ist dabei weniger überraschend als er klingen mag. Wer die Geschichte der CIA-Programme wie MKUltra kennt, wundert sich über nichts mehr.
Die Elite: Böse, dämonisch oder einfach nur konsequent?
Kommen wir zur eigentlichen Frage. Zur Frage, die sich viele stellen, die irgendwann aufgehört haben, die Tagesschau für bare Münze zu nehmen: Was sind diese Menschen — diese Milliardäre, Technokraten, Politiker, Konzernlenker, Globalisten, wie auch immer man sie nennen möchte? Sind sie vollständig menschlich? Werden sie von nicht-menschlichen Entitäten gesteuert? Sind sie die Marionetten von Dämonen?
Die ehrliche Antwort ist unbequemer als jede Dämonentheorie: Sie sind vollständig menschlich. Und genau das ist das Problem.
Denn das Böse benötigt keine übernatürliche Erklärung. Es braucht nur Macht, Straflosigkeit und eine Gesellschaft, die bereit ist, wegzuschauen. Die Geschichte liefert dafür Belege im Überfluss – von den Sklavenhändlern der Antike über die Kolonisatoren des 19. Jahrhunderts bis zu den Architekten der modernen Finanzordnung, die ganze Volkswirtschaften ruinieren und dabei Renditeprognosen präsentieren. Kein Dämon erforderlich. Nur Menschen, die entschieden haben, dass ihre Interessen wichtiger sind als die Würde anderer.
Dass Pater Chad und Tucker gemeinsam die dämonische Natur der Politikerbesprechen – und Tucker dabei beiläufig einräumt, manchmal zu lügen, dabei aber Reue zu empfinden, im Gegensatz zu diesen anderen, wirklich bösen Lügnern – ist ein Meisterwerk der Selbstabsolution in Echtzeit. Tucker lügt professionell und wird dafür bezahlt. Dass er Reue empfindet, macht ihn nicht zum Wahrheitssucher. Es macht ihn zum Lügner mit gutem Gewissen, was möglicherweise noch gefährlicher ist.
Das Externalisierungsprinzip: Wie die Elite die Debatte über die Elite kontrolliert
Hier liegt der Kern des Problems, und er ist von beinahe teuflischerEleganz –— wenn man Teufel als Metapher für maximale menschliche Schläue versteht. Die Elite hat kein Interesse daran, dass wir sie als das sehen, was sie ist: Eine Gruppe von Menschen, die aus freiem Willen entschieden hat, Macht, Ressourcen und Kontrolle auf Kosten aller anderen zu akkumulieren.
Also sorgt sie dafür, dass wir die Debatte anderswo führen. Stufe eins: Eine kleine, klar definierte Gruppe von «Bösen» wirdbenannt – Globalisten, Freimauer, Jesuiten, Rothschilds, pick your flavor. Diese Gruppe bekommt cartoonhafte Züge, wird monolithisch und omnipotent dargestellt, sodass jede differenzierte Analyse unmöglich wird. Stufe zwei: Die Debatte wird ins Paranormale verschoben. Dämonen. Reptilien. Alien-Hybride. Plötzlich diskutieren wir nicht mehr über Steueroasen und Lobbyismus, sondern darüber, ob Nancy Pelosi von einem gefallenen Engel besessen ist. Stufe drei: Alle, die nach Beweisen fragen, werden entweder als naiv oder als Agenten des Systems abgetan.
Das Resultat ist eine Opposition, die sich selbst neutralisiert. Wer die Mächtigen kritisiert, aber gleichzeitig Dämonenbesessenheit als Erklärungsmodell akzeptiert, hat der Diskussion einen Bärendienst erwiesen. Nicht weil die Fragen falschwären – die Fragen nach der Natur der Macht, nach den Mechanismen der Kontrolle, nach der psychologischen Beschaffenheit von Menschen, die Kriege führen und Millionen von Toten billigend in Kauf nehmen – sondern weil die Antworten in die falsche Richtung gelenkt werden.
Fjodor Dostojewski hat in seinem Roman «Dämonen» – den Pater Chad übrigens genauso gut kennen sollte wie die Rituale seines Handwerks – gezeigt, wie das Böse nicht aus dem Jenseits einsickert, sondern wie es in den Herzen von Menschen entsteht, die sich selbst für Erleuchtete halten. Die Bolschewisten seines Romans sind keine Besessenen. Sie sind Ideologen – Menschen, die eine Vision haben und bereit sind, jeden Preis dafür zahlen zu lassen, den andere entrichten müssen.
Kommunismus, Totalitarismus und der ewige Zyklus der Mächtigen
Pater Chad macht einen interessanten Punkt, wenn er Bolschewismus und dämonische Besessenheit als identische Gedankenrahmen beschreibt. Interessant, weil er damit etwas Richtiges berührt und es gleichzeitig in die falsche Richtung dreht. Totalitäre Systeme funktionieren tatsächlich nach einer Logik, die das Individuum auslöscht, die Realität neu definiert und jeden Widerspruch pathologisiert. Das ist keineDämonologie – das ist politische Psychologie, gut dokumentiert, gut verstanden.
Undja – Kommunismus und Bolschewismus entstehen historisch am Ende imperialer Zyklen. Wenn die Ressourcen knapper werden, wenn die Legitimität der herrschenden Klasse erodiert, greift die Elite nach dem letzten Strohhalm: Maximale Zentralisierung. Nicht weil sie böse ist – obwohl viele es sind – sondern weil es das ist, was Machtstrukturen tun, wenn sie unter Druck geraten. Das beobachten wir gerade in den USA, in Europa, in der Symbiose von Konzernmacht und staatlicher Kontrolle, die sich in den vergangenen Jahren mit einer Geschwindigkeit etabliert hat, die jeden klassischen Totalitarismus alt aussehen lässt.
Palantir sammelt deine Daten. Facebook zensiert deine Meinung. BlackRock kauft dein Haus. Pharmakonzerne bestimmen die Gesundheitspolitik. Und wir diskutieren darüber, ob der Zuckerkonsum dämonischen Ursprungs ist. Tucker und Pater Chad sind sich einig: Ein Dämon hat ihm gestanden, dass er «Pop» — also Softdrinks — mag. Die Schlussfolgerung für die gesundheitsbewusste christliche Gemeinschaft liegt auf der Hand. Betet über euren Coca-Cola-Vorrat. Das Ergebnis wird, meteorologisch betrachtet, befriedigend sein.
Die Mittäter: Schuld, Verantwortung und die Banalität des Gehorsams
Aber hier wird die Diskussion wirklich unbequem. Denn es ist einfach, auf die Elite zu zeigen. Auf Soros, Gates, Schwab, auf die WEF-Clique, auf die Technokraten in Davos. Es ist erheblich schwieriger, die Frage zu stellen, die Hannah Arendt nach dem Eichmann-Prozess gestellt hat: Was ist mit all den anderen?
Was ist mit dem Arzt, der mRNA-Impfungen an Kinder vorgenommen hat, obwohl er die Datenlage kannte oder kennen konnte? Mit der Lehrerin, die dreijährige Kinder dazu zwang, Stoff vor dem Gesicht zu tragen? Mit dem Polizisten, der friedliche Spaziergänger terrorisiert und weggeräumt hat? Mit dem Journalisten, der jeden, der Fragen stellte, als Verschwörungstheoretiker abtat? Mit dem Bankmanager, der Konten von politisch unerwünschten Personen gesperrt hat? Mit dem IT-Techniker, der die Zensurfilter implementiert hat?
Diese Menschen sind keine Elite. Sie sind Hanna Arendts «Banalität des Bösen» in Reinform. Menschen, die keine Monster sind, die vielleicht sogar nette Nachbarn sind, die ihre Kinder lieben und Weihnachten feiern – und die trotzdem in Positionen kleiner Autorität konsequent das Falsche getan haben, weil es bequem war, weil es karriereförderlich war, weil der Druck von oben gross und der innere Kompass schwach war.
Sie als reine Opfer zu betrachten, ist falsch. Sie als Monster zu verdammen, ist ebenfalls falsch. Die Wahrheit ist komplizierter und deshalb für das schnelle Urteil eines Twitter-Threads ungeeignet: Sie sind Menschen, die eine Wahl hatten und die falsche getroffen haben. Viele von ihnen immer wieder, über Jahre, trotz wachsender Evidenz über die Konsequenzen ihrer Handlungen.
Und genau hier liegt der Unterschied zwischen einem intellektuell ehrlichen Ansatz und dem, was Tucker und Pater Chad anbieten: Wenn das Böse dämonischen Ursprungs ist, dann sind auch diese Mittäter letztlich Opfer. Die Verantwortungskette bricht. Die Elite wird zum Werkzeug übermenschlicher Kräfte. Die Mitläufer werden zu naiven Täuschungsopfern. Und wir alle schauen auf eine Wolke abstrakten Bösen, die niemanden wirklich verantwortlich macht.
Jeder ist sein eigener Exorzist
Es gibt einen Gedanken in diesem Interview-Komplex, der tatsächlich wertvoll ist — und er kommt, bezeichnenderweise, nicht von Tucker. Die östlich-orthodoxe Tradition, die erwähnt wird, hat eine andere Sichtweise auf das Böse: Jeder Gläubige ist verantwortlich für seine eigene tägliche Auseinandersetzung mit Versuchung und moralischem Versagen. «Erlöse uns von dem Bösen» ist kein einmaliges Grossereignis, das eines Spezialisten bedarf – es ist ein täglicher Akt der Bewusstwerdung.
Das klingt weniger dramatisch als eine Exorzismus-Session mit einem hochrangigen Politiker, dessen Gesicht sich verfärbt. Es ist aber erheblich nützlicher. Denn die einzige wirkungsvolle Gegenstrategie gegen Elite-Kontrolle, Überwachungsinfrastruktur, Datenmissbrauch und politische Manipulation ist nicht, auf einen Erlöser zu warten — weder einen menschlichen noch einen übernatürlichen. Sie besteht darin, täglich, konsequent und ohne Selbsttäuschung zu fragen: Was ist wahr? Was ist Propaganda? Wo weiche ich einer unbequemen Erkenntnis aus, weil sie mein Leben komplizierter machen würde?
Wahrheit, wie Pater Chad es in einem seiner wenigen wirklich treffenden Momente definiert, ist Kohärenz mit der objektiven Realität. Das ist keine religiöse Aussage. Das ist Erkenntnistheorie in ihrer einfachsten Form. Und sie ist gefährlicher für die Elite als jede Verschwörungstheorie — weil sie nicht ablenkbar ist. Weil sie keine Dämonen braucht als Erklärung. Weil sie den Blick richtet auf das, was tatsächlich passiert, wer tatsächlich handelt und welche Entscheidungen tatsächlich getroffen werden könnten.
Das Böse hat kein Jenseits — es hat eine Adresse
Die Elite — diese unscharfe, je nach Kontext anders definierte Klasse von Menschen, die Entscheidungen treffen, die andere betreffen, ohne selbst die Konsequenzen zu tragen — ist keine dämonische Entität. Sie ist eine menschliche Institution. Sie funktioniert nach den Prinzipien von Machtakkumulation, Straflosigkeit und systematischer Verdummung der Bevölkerung, die ihr dient und von der sie abhängig ist.
Das Gefährlichste an Tucker Carlsons Interview mit einem Exorzisten ist nicht der Inhalt. Es ist die Funktion. Es verschiebt die Debatte genau dorthin, wo sie der Mächtige haben will: Ins Ungreifbare, ins Nicht-Anfechtbare, ins Transzendente. Solange wir über Dämonen diskutieren, diskutieren wir nicht über Steueroasen. Solange wir über Alien-Hybride streiten, streiten wir nicht über Lobbyismus. Solange die Opposition sich in Paranormalen verirrt, muss die Elite sich keine Sorgen machen.
Gestapo und Stasi brauchten Spitzel. Die moderne Elite braucht Tucker Carlson und das algorithmisch optimierte Kaninchenloch des Internets. Die Technologie hat sich verbessert. Das Prinzip ist dasselbe. Das Böse hat keine Hörner. Es hat einen Kalender, ein Budget und eine PR-Abteilung. Und solange wir das nicht verstehen, braucht es auch keinen Exorzisten…
Exorcist Fr. Chad Ripperger: Possessed Politicians, Occult Activity, and Speaking to Satan Himself
Dieser Satz stammt aus dem Anfang der Smaragdtafel und umfasst das gesamte System der traditionellen und modernen Magie, das Hermes Trismegistos in kryptischen Worten auf die Tafel geschrieben hat.
Die Bedeutung dieses Satzes liegt darin, dass er angeblich den Schlüssel zu allen Geheimnissen enthält. Alle Systeme der Magie sollen nach dieser Formel funktionieren. «Was oben ist, ist dasselbe wie das, was unten ist.» Der Makrokosmos ist dasselbe wie der Mikrokosmos. Das Universum ist dasselbe wie Gott und Göttin, Gott und Göttin sind dasselbe wie der Mensch, der Mensch ist dasselbe wie die Zelle, die Zelle ist dasselbe wie das Atom, das Atom ist dasselbe wie … und so weiter, ad infinitum. Das bedeutet, dass alles miteinander verbunden ist.
«Wie innen, so aussen» bedeutet, dass wir eine göttliche Schöpfung in uns und ausserhalb von uns haben, dass wir mit der Natur und dem Universum, mit Gott und Göttin verbunden sind, dass sie sowohl in uns als auch ausserhalb von uns existieren, dass wir eins sind mit allem, vom kleinsten Atom bis zum grössten Stern.
So funktioniert Magie: Wir nutzen unseren inneren Willen, um eine Wirkung ausserhalb von uns zu erzeugen, wir verbinden uns mit den Energien, mit denen wir verbunden sind. Wir nutzen unsere Verbundenheit mit der Natur, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen, wir nutzen die Schwingungsfrequenz in Farben, Kräutern, Kristallen, Steinen, Wasser, Feuer, Luft, Erde, Metallen, Kerzen, Gesängen, Siegeln usw.
Es ist wie das Sprichwort «Wie man sät, so wird man ernten». Dies ist auch als Gesetz von Ursache und Wirkung oder Karma bekannt. Was auch immer wir ins Universum hinausgeben, kommt zu uns zurück. Wenn wir Glück, Frieden, Freundschaft, Liebe wollen, dann sollten wir glücklich, friedlich, liebevoll und freundlich sein. Negative Energie, die wir aussenden, kommt ebenfalls zu uns zurück…
Myrath sind fleissig wie ein Gitarrentechniker drei Minuten vor Showtime: «Karma», «Reflections», und jetzt ballert «Wilderness Of Mirrors» aus den Boxen – die Tunesier bauen Momentum auf wie ein Doublebass-Pedal im Sturzflug. Der Haken: Wer orientalische Exotik und progressiven Wahnsinn erwartet, wird stellenweise ernüchtert. Die Band schleift ihre schärfste Klinge – die Eigenständigkeit – auf dem Altar des Melodic Metal glatt. «The Clown» klingt wie ein generischer Power-Metal-Track, der sich verlaufen hat. Schade drum.
Doch dann: «Breathing Near the Roar» — und plötzlich ergibt alles wieder Sinn. Hier brennen Myrath auf allen Zylindern, die Riffs greifen wie Sandstürme, Zaher Zorgatis Stimme trägt diesen Song wie ein Muezzin-Ruf über verzerrten Gitarren. Das ist der Moment, wo die Wüste spricht und der Spiegel endlich etwas Interessantes reflektiert. «Wilderness Of Mirrors» zündet nicht sofort — es braucht Zeit, doch beim dritten Durchlauf mutiert das Album zum Ohrwurm. Kein Meisterwerk, aber weit entfernt vom Totalabsturz. Für Fans Pflichtprogramm — für den Rest: Laut aufdrehen und etwas Geduld mitbringen…
MYRATH - Breathing Near the Roar (Official Video) | New Album 'Wilderness Of Mirrors' Out March 27th
Irgendwann hat irgendjemand in irgendeinem Ministerium beschlossen, dass die Zukunft digital ist. Vollständig, kompromisslos, ausnahmslos digital. Apps, Portale, QR-Codes, Online-Formulare, digitale Signaturen, Zwei-Faktor-Authentifizierung – und wer damit nicht zurechtkommt, hat in dieser glänzenden, optimierten, benutzungsfreundlichen Zukunft schlicht nichts verloren. Das nennt man Innovation. Das nennt man Fortschritt. Das nennt man, in der Fachsprache der Bürokratie, Modernisierung. Was man es nicht nennt: Verachtung. Obwohl es genau das ist.
Wir schreiben das Jahr 2026. Wer einen Arzttermin vereinbaren will, benötigt eine App. Wer eine Behörde kontaktieren will, benötigt ein Portal. Wer eine Rechnung bezahlen, ein Formular einreichen, eine Leistung beantragen will, benötigt einen Account, ein Passwort, eine verifizierte E-Mail-Adresse und im Idealfall einen technikaffinen Enkel, der am Wochenende vorbeikommen und das alles erledigen kann. Für jemanden, der in den 1940ern geboren wurde und dieses Land mit Händen aufgebaut hat, die heute zittern – für den ist das System nicht mehr zugänglich. Nicht weil er zu dumm wäre. Sondern weil das System nie für ihn gebaut wurde. Das ist keine Nachlässigkeit. Das ist Methode.
Denn die Entscheidung, sämtliche Zugänge zu Gesundheit, Verwaltung und gesellschaftlicher Teilhabe hinter digitale Barrieren zu legen, ist keine technische Entscheidung. Sie ist eine Politische. Und sie trifft dieselbe Generation mit präziser Konsequenz, die niemals für sich selbst auf die Strasse geht, die nicht demonstriert, nicht viral geht, nicht twittert und keine Lobby finanziert. Die Alten beschweren sich beim Nachbarn, beim Arzt, bei der Familie – nicht in der Öffentlichkeit, nicht in den Medien, nicht dort, wo es unbequem wird. Sie sind die perfekte Zielgruppe für politische Gleichgültigkeit: maximal betroffen, minimal laut.
Der Mensch, der diese digitalen Barrieren entwirft, hält sich für ein Innovationsgenie. Er sitzt in einem Grossraumbüro mit Stehtischen und Smoothie-Bar, spricht über User Experience und Customer Journey und hat in seinem gesamten Berufsleben noch nicht erlebt, was es bedeutet, mit 83 Jahren vor einem Bildschirm zu sitzen und nicht zu wissen, wo man klicken soll. Für ihn sind Senioren eine Randnotiz in der Nutzerstatistik – zu klein, zu unrentabel, zu analog. Also lässt man sie weg. Elegant, geräuschlos, unter dem Deckmantel des Fortschritts.
Das Perverse daran ist die Sprache, in der das alles verkauft wird. Digitalisierung ist Erleichterung. Vereinfachung. Effizienz. Alles schneller, alles einfacher, alles besser. Für wen? Für denjenigen, der mit dem System bereits vertraut ist. Für jeden anderen ist es eine Zulassungsprüfung – für das Recht auf Gesundheitsversorgung, für das Recht auf Behördenzugang, für das Recht auf Würde im Alltag. Wer diese Prüfung nicht besteht, fällt durch. Still, unsichtbar, ohne dass irgendjemand eine Statistik dazu veröffentlicht.
Und die Politik? Die feiert sich selbst. Digitalisierungsindex verbessert. Bürgerportale ausgebaut. E-Government vorangetrieben. Irgendwo gibt es eine Pressemitteilung, irgendwo eine Auszeichnung, irgendwo einen Staatssekretär, der erklärt, wie zukunftsfähig das alles ist. Was er nicht erklärt: Wie die 79-jährige Frau, die keine Verwandten in der Nähe hat, ihren Hausarzt kontaktieren soll, seit die Praxis auf Online-Terminbuchung umgestellt hat und die Telefonleitung nur noch als Notfallkontakt gilt.
Das ist kein Randproblem. Das ist strukturelle Aussortierung einer gesamten Generation – jener Generation wohlgemerkt, deren Renteneinzahlungen das System jahrzehntelang finanziert haben, deren Arbeit den Wohlstand ermöglicht hat, von dem alle anderen heute profitieren. Der Dank dafür ist ein Bildschirm, ein Passwort und die implizite Botschaft: Komm damit zurecht, oder bleib zurück.
Technologie ist dann ein Werkzeug, wenn sie allen dient. Wenn sie nur denjenigen dient, die sie ohnehin schon beherrschen, ist sie kein Fortschritt. Sie ist Selektion. Mit freundlichem Interface…
Der Westen hat eine lange, ruhmreiche Tradition darin, anderen Ländern zu erklären, was mit ihnen nicht stimmt. Seit Jahrzehnten exportiert er Demokratie, Freiheit und gelegentlich auch Streubomben in Regionen, die das alles nicht bestellt haben. Der Iran steht dabei traditionell weit oben auf der Wunschliste derer, die einen «Regimewechsel» für überfällig halten. Die Mullahs müssen weg. Das Regime ist korrupt, rückständig, gefährlich. Soweit der Konsens in den Hauptstädten des zivilisierten Westens.
Und dann schaut man sich an, wer diesen Konsens vertritt – und das Lachen bleibt einem im Hals stecken.
Auf der einen Seite: Brigadegeneral Ebrahim Zolfaghari, Sprecher des iranischen Militärhauptquartiers. Master-Abschluss. Doktorat in Strategischen Studien. Mathematischer Hintergrund. Fliessend in Farsi, Arabisch, Englisch und Hebräisch. Ein Mann, der Sprache als Präzisionsinstrument versteht und weiss, wie man eine Botschaft so platziert, dass sie sitzt. Man muss seine politischen Positionen nicht teilen — man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass ihm jemand gegenübersteht, der das Format des Amtes versteht.
Auf der anderen Seite: Pete Hegseth, US-Verteidigungsminister. Kolleginnen und Kollegen beschreiben exzessiven Alkoholkonsum als Muster. Er hat Untreue in mehreren Ehen selbst eingeräumt. Ein Vorwurf sexueller Übergriffe aus dem Jahr 2017 steht im Raum. Ein Familienmitglied hat ihn wegen missbräuchlichen Verhaltens angezeigt. Aus Veteranenorganisationen wurde er wegen Fehlverhaltens und Misswirtschaft entfernt. Und seine rhetorische Nähe zu den Ereignissen vom 6. Januar sowie zu Wahlverschwörungstheorien ist aktenkundig. Dieser Mann verfügt über das Nukleararsenal der grössten Militärmacht der Erde.
Man stelle sich kurz vor, ein iranischer General würde vor laufender Kamera diese Biografie vorlesen – als Beschreibung eines US-Regierungsvertreters. Die westlichen Redaktionen würden sich überschlagen. Breaking News. Demokratie in der Krise. Handlungsbedarf. Aber weil es der eigene Mann ist, nennt man es Führungsstärke, kontroverse Vergangenheit oder politischen Mut.
Das ist nicht Heuchelei. Heuchelei setzt voraus, dass die Beteiligten noch wissen, dass sie lügen. Das hier ist etwas Tieferes: Institutionelle Blindheit, zementiert durch Jahrzehnte des selbstverordneten Exzeptionalismus. Wir sind die Guten — also ist, was wir tun, gut. Wer uns kritisiert, ist entweder Feind oder Propagandist. Dass ein akkreditierter iranischer General in jedem akademischen Vergleich glänzender dasteht als der aktuelle US-Verteidigungsminister, ist dabei keine Pointe. Es ist eine Diagnose.
Die Frage, welches Land einen Regimewechsel braucht, beantwortet sich von selbst. Man muss nur hinschauen wollen…
Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs.
— Ernesto Guevara de la Serna, genannt Che Guevara
Draven präsentiert Geschichten aus der Gruft mit allerlei Geheimnisvollem aus den unheimlichen Tiefen des Netzes und aus jeder Ecke der Welt. Seit dem Jahre 2007 wird Dir hier ein cooler Weblog-Mix aus Musik, Movies, Comics, Horror, Games, Kunst, Radio, Trash, Punk und Heavy Metal geboten – genau so wie es sein soll! Denn glaube mir, nichts ist trivial.
When there’s no more room in hell, the dead will dance on earth! Freunde, die Gruft präsentiert: Dravens Radio from the Crypt! Hier wird Euch ein handverlesenes Musikprogramm geboten, welches von Draven speziell für die besten Leser des Internetz zusammengestellt wurde. Von Punk bis Rock, von Folk- bis Thrash-Metal, für jeden finsteren Musikgeschmack das Richtige. Natürlich immer noch ein Stückchen lauter und besser!
Duldest du Leugner auf deiner Seite?
Nein.
Immunitätsleugner, Impfschädenverharmloser und diejenigen, die das unendliche Leid von Kindern und alten Menschen negieren, sicher nicht!
Stubenhockers WICHTIGER Beitrag zu Politik, Kultur, Wissenschaft und Popeln
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