Sie sind inzwischen überall.
Die Guten.
Die Korrekten.
Die Selbstgerechten in ihren blütenreinen Westen aus moralischer Vollkommenheit.
Die meisten von ihnen sind im Grunde harmlos. Es geht ihnen ums Image und sie sind zufrieden, wenn sie es mit möglichst wenig Anstrengung aufpeppen können. Ab und zu packen sie ihre Schilder und gehen protestieren – gegen irgendetwas, was vorher durch die Medien gehyped wurde. Proteste im sorgsam vorgesteckten Feld des gesellschaftlichen und politischen Zuspruchs; das trendige Spiessertum von heute rebelliert medienkonform. Und wenn die Show vorbei ist, dann gehen sie nach Hause und vergessen, worum es eigentlich ging. Hauptsache, sie haben eine weitere bunte Flagge gehievt und ihrer politischen Identität ein Sternchen hinzugefügt. Hauptsache, sie haben gezeigt, dass sie dazugehören zum Kreis der Erlauchten.
Bissig werden sie meiner Erfahrung nach nur auf Social Media. Aussen gut – innen Wut. Nichts lässt tiefer in die kollektive Psyche blicken als die sozialen Medien. Wer noch nie einen «Shitstorm der Selbstgerechten» abbekommen hat, dem empfehle ich durch die Kommentarspalten dieses Beitrags zu scrollen und wünsche jetzt schon fröhlichen Brechreiz.
Richtig gefährlich wird es, wenn solche Menschen an einflussreichen Schalthebeln der Bürokratie sitzen. Nicht genug, dass sie in ihrer elitären Abgehobenheit den Schutzlosen unserer Gesellschaft jeden Schutz entziehen und sich dann stolz auf die Schultern klopfen. Mittlerweile haben sie all ihre Hemmungen abgelegt und rufen in den Staatsmedien zur Diskriminierung auf. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: es ist inzwischen erlaubt, diejenigen, die sich gegen ihr ethisch verdrehtes Konstrukt wehren, öffentlich zu verhöhnen, zu beschimpfen und ihren gesellschaftlichen Ausschluss zu fordern. Nach der Einführung des Impfzertifikats wird nun darüber diskutiert, ob es nicht eine tolle Idee wäre, ungeimpftes Pflege- und Betreuungspersonal sichtbar mit einem Sticker zu markieren, damit man sofort sieht, ob man es mit potentiellen Gefährdern zu tun hat. Das ist Faschismus in Reinform und erinnert an ein düsteres Kapitel unserer Geschichte.
Was mit gesundem Menschenverstand betrachtet erschreckend erscheint, gehört in einer kranken Gesellschaft zum guten Ton. Diese Welt hat ihre Seele verkauft – die Superreichen und selbsternannten Philanthropen, welche die Krise erst verursacht haben und jetzt als die grossen Gewinner daraus hervorgehen, lachen sich ins Fäustchen. Da sag ich nur noch eins: Rette sich, wer kann.

(via Andrea Yoki Pfeifer)

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







