Das grösste Erstaunen, so heisst es, sei immer dann, wenn jemand sagt: «Die Anlagen sind nicht angeschlossen.» Dann stehen Menschen davor wie vor einem Toaster aus dem 14. Jahrhundert und fragen: «Umspannwerke? Wieso Umspannwerke?» Als müsste Strom sich per guter Absicht teleportieren. Oder per Hashtag. Oder per Regierungs-Pressekonferenz.

Es ist ein erstaunlich stabiler Glaube: Wenn man nur genug Windräder aufstellt, wird irgendwo dazwischen schon ein funktionierendes Netz entstehen. So wie bei IKEA: Du kaufst fünfzehn Billy-Regale und plötzlich steht das Haus von selbst. Der Unterschied ist nur: Bei Billy fehlt am Ende eine Schraube. Bei der Energiewende fehlt das Rückgrat der Infrastruktur.

Aber gut. Das Problem ist nicht, dass Windräder schlecht aussehen, die Landschaft zerstückeln oder den Himmel mit blinkenden Masten dekorieren, bis selbst die Sterne kündigen. Das Problem ist simpler und peinlicher: Es fehlt das Verteilnetz. Es fehlen Umspannwerke. Es fehlen Leitungen. Es fehlt das, was man braucht, wenn man Energie nicht in Gedichtform erzeugen will, sondern in der Realität. Ein Stromsystem ohne Netz ist wie ein Herz ohne Adern: Du kannst pumpen, bis du blau wirst, aber es kommt nichts an.

Trotzdem wird gebaut. Weil Bauen Rendite erzeugt. Nicht Strom. Rendite.

Denn da ist dieses geniale Gesetzeskonstrukt, in dem aus Technik ein Geschäftsmodell wurde: Du stellst eine Anlage hin, meldest sie an und selbst wenn sie keinen einzigen verwertbaren Kilowattstunden-Bissen ins Netz spuckt, fliesst Geld. Fiktiver Strom, echte Auszahlung. Das ist nicht mal mehr Kapitalismus, das ist literarische Fantasie mit Dauerauftrag.

Und hier wird es richtig hübsch: Es ist nicht einfach ein «Fehler im System». Es ist das System. Ein Investorenmodell, das sich als Klimarettung verkleidet, weil «Klima» ein magisches Wort ist. Wenn du «Klima» sagst, darfst du Wälder roden, Biotope zerlegen, Ortschaften beschallen und jede Kritik als moralisches Verbrechen behandeln. Alles im Namen der Rettung. Für das gute Gefühl. Für die gute Rendite.

Die Leute merken es erst, wenn die Masten stehen und man ihnen erklärt: «Ach übrigens, angeschlossen sind die nicht.» Dann kommt dieses kollektive Blinzeln. Wie nach einem überteuerten Seminar, bei dem man plötzlich merkt, dass «Transformation» nur ein anderes Wort für «du zahlst» war.

Also wird weiter aufgerüstet. Noch mehr Anlagen. Noch höher. Noch grösser. Gigantismus als Ersatzreligion. Man baut, bevor die Bevölkerung wach wird und fragt: Wo sind die Kabel? Wo sind die Umspannwerke? Wo ist das Netz? Wo ist die Logik?

Und währenddessen laufen Genehmigungsprozesse wie am Fliessband. Baugenehmigung? Zügig. Emissionsschutz? Irgendwie. Netzanschluss? «Später.» Später ist ein sehr nützliches Wort. Es ist die Allzweck-Wolldecke für politische Projekte: Warm genug, um Fragen zu ersticken und dehnbar genug, um Jahrzehnte zu überbrücken.

Damit niemand auf die Idee kommt, es könnte vielleicht sinnvoll sein, zuerst Speicher und Netze zu bauen, bevor man die Landschaft in eine Spargelplantage mit Rotoren verwandelt. Aber Speicher sind unbequem. Speicher sind technisch. Speicher sind teuer. Und vor allem: Speicher liefern keine sofortige Rendite mit garantiertem Geldfluss pro Monat.

Und wenn du dann doch fragst, wieso das so lange funktioniert, kommt der Stoff, aus dem Verschwörungsbegriffe geboren werden: «70% aller Bundestagsabgeordneten hätten Anteile an Windparks.» Ob diese Zahl stimmt oder nicht: Allein dass so etwas plausibel klingt, sagt bereits alles über die Glaubwürdigkeit dieses Theaters. Man muss keine Beweise lieben, um zu spüren, dass hier sehr viele Leute sehr gut verdienen, während sie dir erklären, dass du «mitziehen» musst.

Denn natürlich wird Kritik sofort politisch eingerahmt: Wer Windkraft kritisiert, ist rechts. Oder ein Leugner. Oder 2gegen die Zukunft». Das ist praktisch, weil man dann nicht über Netze sprechen muss, nicht über Umspannwerke, nicht über Abrieb, nicht über Wartung, nicht über die Tatsache, dass «installierte Leistung» und «verlässliche Versorgung» zwei grundverschiedene Dinge sind. Man muss nur die Schublade zuziehen, und schon ist das Problem gelöst: Kritiker verschwinden im Etikett.

Dabei ist die technische Frage so banal, dass sie fast weh tut: Null Wind ist null. Egal ob du hundert Anlagen hast oder tausend. Bei Null bleibt Null. Das ist keine Meinung, das ist Mathematik. Und Mathematik ist bekanntlich rechtsradikal, wenn sie nicht ins Narrativ passt.

Aber lassen wir das Netz einmal kurz beiseite und gehen dahin, wo es richtig unromantisch wird: Abrieb. PFAS. Teflon. Die «Ewigkeitschemikalien» als Bonusinhalt im grünen Überraschungsei. Während man dem Bürger erklärt, er müsse jetzt beim Plastikstrohhalm Busse tun, verteilen Rotorblätter Jahr für Jahr feinste Partikel über Wald, Feld und Wasser. Nicht abbaubar, nicht «wegzuatmen», nicht «wegzuwünschen». Ewigkeitsschäden, nennt man das. Klingt fast poetisch, ist aber eher ein toxischer Vertrag mit der Zukunft.

Und dann wird es grotesk: Dieselben Leute, die jede CO₂-Zahl wie eine religiöse Kennzahl behandeln, haben offenbar kein Problem damit, dass sich fluorierte Stoffe in Umwelt und Organismen anreichern. Weil es schwer ist, damit Schlagzeilen zu bauen. Und weil man PFAS nicht so gut in ein «Wir retten die Welt»-Poster drucken kann.

Die Ironie: Windkraft kann sinnvoll sein. Wirklich. Dort, wo sie passt. Dort, wo Netze existieren. Dort, wo sie nicht wie ein Siedlungsprojekt über Landstriche gestülpt wird. Dort, wo man ehrlich sagt, was sie kann und was sie nicht kann. Aber im aktuellen Modell ist sie oft nicht Energiewirtschaft, sondern Flächenwirtschaft: Ein System, das Landschaft in Rendite verwandelt und Strom als Nebenprodukt behandelt.

Am Ende steht ein Land, das sich «Energiestadt» nennt und im Nebel versinkt. Nebel ist übrigens eine schöne Metapher: Du siehst die Anlagen nicht richtig, du siehst die Folgen nicht richtig, du siehst die Rechnungen sehr deutlich, aber du siehst nicht, wie das alles zusammen eine stabile Versorgung werden soll. Und wenn du fragst, bekommst du Moral statt Antworten.

Vielleicht ist das die grösste Leistung dieser Ära: Es ist gelungen, Infrastruktur durch Gesinnung zu ersetzen. Netzplanung durch PR. Physik durch Haltung. Und wenn die Realität dann doch mal anklopft, nennt man sie «Gegenwind».

Der Strom muss transportiert werden. Das ist keine Ideologie. Das ist das kleine Einmaleins der Zivilisation. Und dass so viele Menschen bei «Umspannwerk» immer noch fragen «Wieso?», ist nicht ihr Versagen. Es ist das Ergebnis eines Systems, das lieber Anlagen zählt, als Lösungen baut.

Aber hey: Hauptsache, die Spargel stehen.

Windbarone, Nebel und Bürger: Wenn Energiewende Landschaft frisst
Windbarone, Nebel und Bürger: Wenn Energiewende Landschaft frisst

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