Es wird mal wieder Zeit, ein Coronanarrativ zu zerbrechen, diesmal die völlig überstrapazierte «Solidarität». Der Begriff wurde vollkommen missbraucht in den letzten zwei Jahren und ist dadurch leider kaum noch zu gebrauchen.
Solidarität bedeutet, dass Menschen gemeinsame Werte oder Interessen teilen und sich dafür einsetzen. Prominent geworden ist der Begriff durch die Arbeiterbewegung, die sich politisch zusammengeschlossen und in Form von Streiks solidarisch gegenüber dem Kapital organisiert hat. Daran wird deutlich, dass Solidarität auch oft zugleich exklusiv ist: Man schliesst sich zusammen und gleichzeitig andere aus. Die Solidarität der Arbeiter geht mit dem Konflikt zwischen Arbeit und Kapital einher.
In der Pandemie haben wir es nun mit einem vollkommen überschiessenden Solidaritätbegriff zu tun: Die Solidarität wird den Bürgern staatlich aufgezwungen. Diese sind nur noch passive Zurichtungsobjekte von Disziplinierungsmassnahmen. Gut, wir kennen auch die Solidarsysteme der Sozialversicherung, aber diese wurden wenigsten von aktiven Bürgern erkämpft und werden auch nicht als gelebte Solidarität, sondern eben als System bezeichnet. Von freiwilliger Solidarität in der Pandemie kann also nicht die Rede sein, aber auch diese aufgezwungene Solidarität geht mit einem Ausschluss einher, nämlich dem der Ungeimpften, die teils übelst beschimpft wurden.
Fun Fact: Man kann sich durchaus auch als Geimpfter solidarisch mit den Ungeimpften erklären, indem man freiwillig den 2G-Unsinn nicht mitmacht. DAS wäre tatsächlich Solidarität im positiven Sinne! Ein weiterer Umstand, der die Corona-Solidarität zur Farce werden lässt, ist die teils völlige Einseitigkeit der Solidarität. Am meisten mussten Kinder und Jugendliche in der Pandemie leiden, die aber am wenigsten von Corona gefährdet sind. Und was hat diese gesellschaftliche Gruppe von der Solidargemeinschaft zurückbekommen? NICHTS! Ausser noch mehr Masken und noch mehr Tests und eine medizinisch für diese Gruppe fragwürdige Impfung! Jetzt wird ja heute, wo die Massnahmenfreaks das letzte Gefecht führen, oft von «Schattenfamilien» geredet, also Vulnerablen, die sich jetzt im Stich gelassen fühlen, weil G-Regeln und Maskenpflicht weitgehend entfallen sind. Diese Schattenfamilien fordern nun die Rückkehr der Masken und anderer evidenzfreier Massnahmen – aus Solidarität. Dazu ist Folgendes zu sagen:
Der Begriff «Schattenfamilien» wurde eigens zu dem Zweck erfunden, das letzte Coronagefecht zu führen. Menschen, die anfälliger gegenüber Infekten sind, gab es schon immer und wird es immer geben. Das, was diese Leute fordern, ist keine Solidarität, sondern utopischer Gesundheitskommunismus. Fakt ist: Materielle Güter können natürlich theoretisch beliebig verteilt werden. Ein Kommunismus, in dem jeder Mensch den gleichen Anteil am BIP bezieht, ist möglich, aber nicht wünschenswert (die praktischen Konsequenzen kennen wir). Vertreter der «Schattenfamilien» fordern nun etwas Ähnliches wie der Kommunist, jedoch keine Gleichverteilung von Gütern, sondern von gesundheitlichen Risiken! Das mag zwar durchaus wünschenswert sein, aber im Gegensatz zum Kommunismus der Güter vollkommen unmöglich! Selbst wenn wir alle Klone wären, hätten wir aufgrund unterschiedlicher Lebensumstände unterschiedliche Gesundheitsrisiken. Gesundheit ist nun mal ungleich verteilt, und zwar jederzeit. Das ist bedauerlich, aber ist das ein Grund, von anderen einseitig permanente Massnahmen einzufordern? Mit dem Argument «Schattenfamilien» liesse sich das Massnahmenregime doch endlos fortsetzen!
Ein Extremfall von Schattenfamilien ist der als Bubble Boy bekannt gewordene Junge: Ein Junge, der ohne Immunsystem geboren wurde und sein ganzes Leben isoliert wurde. Theoretisch hätte der Junge fordern können, dass sich alle anderen isolieren, damit ER frei draussen herumspazieren kann. Natürlich ist der Gedanke absurd, aber er zeigt, dass wir den Punkt definieren müssen, an dem die Solidarität endet und zu purem Egoismus seitens der Risikogruppe wird. Ich frage also konkret: Wann ist dieser Punkt erreicht? Wo endet diese völlig einseitige Solidarität? Man darf zu guter Letzt nicht vergessen, dass jeder von uns, einschliesslich der Impfgegner, ein hohes Mass an Solidarität zwangsweise bereits aufgebracht hat – alleine die Impfstoffe wurden von staatlichen Steuergeldern, die wir alle bezahlen, finanziert. Und die sozialen und ökonomischen Folgen der Lockdowns trägt auch die berühmte Solidargemeinschaft, also wir alle!
Wir sollten jetzt vielmehr aufpassen, dass das Gerede von «Solidarität» uns nicht noch weiter spaltet und der Begriff schliesslich so entleert wird von seiner eigentlichen Bedeutung, dass jener am Ende bedeutungslos und hohl geworden ist. Dann wird «Solidarität» das gleiche Schicksal wie der Begriff der Verschwörungstheorie oder das Gerede von «der Wissenschaft» ereilen: Allesamt Wörter, die man mittlerweile kaum noch ernst nehmen kann, weil sie von autoritär denkenden Schwachsinnsjournalisten missbraucht wurden.



«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








