Es gibt ein Wort, das scheinbar alles umfasst und doch kaum jemand wirklich befragt: Wir. Es gleitet leicht über die Lippen, klingt warm, verbindend, fast tröstlich. Doch wenn man innehält und lauscht, beginnt dieses Wort zu flimmern. Wer spricht hier eigentlich? Und aus welcher Tiefe?

Das «Wir», das heute so selbstverständlich benutzt wird, ist oft kein lebendiger Raum, sondern ein Nebel. Es ist ein Echo, gespeist aus Gewohnheit, Angst vor Trennung und dem alten Wunsch, nicht allein zu sein. In diesem Nebel verliert das Ich seine Konturen. Entscheidungen werden nicht mehr gefühlt, sondern übernommen. Gedanken nicht mehr geboren, sondern wiederholt. Das «Wir» wird dann nicht zur Gemeinschaft, sondern zur Umarmung ohne Herzschlag.

Spirituell betrachtet ist das kein Zufall. Der Mensch sucht seit jeher Zugehörigkeit. In frühen Zeiten bedeutete sie Schutz, Überleben, Wärme. Doch jede Kraft hat ihre Schattenseite. Wo Zugehörigkeit nicht aus Bewusstsein erwächst, sondern aus Flucht, entsteht Herdenbewusstsein. Kein heiliges Miteinander, sondern ein kollektiver Schlaf, in dem Verantwortung verdunstet und Wahrheit sich anpasst.

Ein wahres «Wir» kann nicht aus Verschmelzung entstehen. Es wächst aus Klarheit. Aus Menschen, die sich selbst kennen, die ihr inneres Territorium betreten haben und wissen, wo ihre Grenzen verlaufen. Erst dort, wo ein Mensch sein eigenes Licht erkennt, kann er es teilen, ohne sich zu verlieren. Erst dort, wo das Ich nicht mehr verteidigt werden muss, kann es sich öffnen.

Mystisch gesprochen ist das Ich kein Gegner des Wir. Es ist dessen Quelle. Jede Seele ist ein eigener Ton im grossen Akkord des Seins. Wird ein Ton unterdrückt, entsteht keine Harmonie, sondern Dissonanz. Ein Kollektiv, das Individualität fürchtet, ist kein Chor, sondern ein Gleichschritt ohne Musik.

Das Paradox liegt darin: Je klarer ein Mensch in sich ruht, desto weniger muss er sich an ein diffuses «Wir» klammern. Er weiss, wann er spricht und wann er lauscht. Wann er sich verbindet und wann er sich zurückzieht. Er erkennt, dass Gemeinschaft kein Zustand ist, sondern ein lebendiger Prozess. Ein Tanz zwischen Nähe und Eigenständigkeit.

Vielleicht ist das der eigentliche spirituelle Reifeprozess unserer Zeit. Nicht die Frage, zu wem wir gehören, sondern wie bewusst wir uns verbinden. Nicht das Aufgehen im Kollektiv, sondern das bewusste Nebeneinander, in dem Unterschiedlichkeit nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum erfahren wird.

Ein echtes «Wir» ist kein Schlachtruf und kein moralischer Schutzschild. Es ist ein stiller Kreis. Menschen stehen darin nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Jeder bringt seine Wahrheit mit, seine Verantwortung, seine innere Ordnung. Niemand verliert sich. Niemand wird verschluckt.

Vielleicht beginnt dieses neue «Wir» nicht draussen, in Parolen oder Identitäten, sondern innen. In der leisen Entscheidung, sich selbst ernst zu nehmen. In der Bereitschaft, nicht zu verschmelzen, sondern zu begegnen. Dort, wo das Selbst endet und der andere wirklich beginnt, öffnet sich kein Abgrund – sondern ein heiliger Raum.

Und vielleicht ist genau das die Einladung: das Wort «Wir» nicht länger gedankenlos zu benutzen, sondern es wieder zu verdienen. Durch Bewusstsein. Durch Präsenz. Durch die Rückkehr zu uns selbst.

Vom flüchtigen "Wir" und der Rückkehr zum inneren Kreis


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