Über Rechtspositivismus, sanktionierte Staatsanwälte und die verblüffende Effizienz einer Wertegemeinschaft beim Schutz der falschen Leute.
Zeitlinie: Wie eine internationale Gemeinschaft einen Staatsanwalt zerstört, der Kinder schützte
2011 – In Guatemala wird Kinderpornografie mit NS-Hintergrund aufgedeckt. Im selben Monat zieht eine aus Israel ausgewiesene jüdische Sekte nach Guatemala. Diese Koinzidenz findet in der internationalen Berichterstattung kaum Erwähnung – was später relevant wird.
Jahrzehnte davor – Das System funktioniert still und effizient. Internationale Adoption, Haager Übereinkommen, NGO‑Strukturen – alles sauber juristisch abgesichert. Was dahintersteckt, nennt sich in der Fachsprache Rechtspositivismus: Was legal ist, ist legitim. Was vom System genehmigt wurde, kann kein Verbrechen sein. Die Opfer wurden deportiert. Man nannte es Adoption.
April 2024 – Rafael Curruchiche, guatemaltekischer Staatsanwalt, lässt die Büros von «Save the Children» durchsuchen. Sein Büro hat Hinweise auf Menschenhandel und sexuellen Missbrauch erhalten. Laut Quellen soll die Zahl der Betroffenen rund 150’000 Menschen umfassen. Websites dokumentieren vermisste Kinder der letzten 15 Jahre – öffentlich zugänglich, für jeden einsehbar. Das Muster ist bekannt: Schwangere Frauen werden in das Umfeld der Organisationen gelockt. Mutter und Kind werden isoliert. Die Mutter erfährt, das Kind sei gestorben. Das Kind verschwindet in einer Kette, die international abgesichert ist.
Unmittelbar danach – Curruchiche wendet sich an Generalstaatsanwalt Ken Paxton in den USA. Er geht auf Social Media, weil die Lieferketten von Kindern öffentlich gemacht werden müssen. Er kämpft auf mehreren Ebenen gleichzeitig – juristisch, politisch, öffentlich. Die internationale Gemeinschaft der Werte reagiert – mit Sanktionen gegen Curruchiche.
2024 und Folgemonate – Die EU führt die Sanktionen an. Die USA folgen. Die UN, vertreten durch den österreichischen Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk, übernehmen eine koordinierende Funktion – in der Aufrechterhaltung der bestehenden Strukturen. Curruchiche wird international geächtet. Seine offizielle Regierungswebsite – inklusive der Fotos vermisster Kinder – wird nicht mehr zugänglich. Die Bilder werden auf eine private Notfallwebsite gerettet. Die Rückführung der in den USA aufgefundenen Kinder wird durch die Sanktionen faktisch unmöglich gemacht.
Dezember 2024 – 160 Kinder werden innerhalb einer jüdischen Sekte gefunden. Die internationalen Medien berichten. Fast niemand erwähnt, dass die Ermittlungsbehörde, die diesen Erfolg überhaupt ermöglichte, kurz zuvor international sanktioniert worden war. Fast niemand berichtet, dass dieselbe Sekte aus Israel ausgewiesen worden war, nach Kanada zog und erst 2011 nach Guatemala kam – im selben Monat, in dem dort der erwähnte Kinderpornografiefall aufgedeckt wurde.
Was das System schützt – und wen
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Menschenhandel existiert. Das ist dokumentiert, juristisch verfolgt, in Einzelfällen bestraft. Die Frage ist, warum die Strukturen, die ihn ermöglichen, so dauerhaft unberührt bleiben.
Der Haager Übereinkommensrahmen schützt grenzüberschreitende Kindesvermittlung durch internationale Rechtsinstrumente. Was als humanitäres System konzipiert wurde, schafft gleichzeitig juristische Schutzmechanismen für Netzwerke, die das System missbrauchen. Wenn ein Staatsanwalt diese Netzwerke aufdeckt, trifft er damit auch die rechtlichen Strukturen selbst – und genau da beginnt der Widerstand.
NGOs mit internationaler Struktur, UNO-Mandaten und steuerfinanziertem Goodwill-Budget sind schwer angreifbar. Nicht weil sie unfehlbar sind, sondern weil die institutionelle Architektur so gebaut ist, dass Angriffe von innen – also von nationalen Staatsanwälten – als Systembedrohung gelesen werden. Curruchiche bedrohte kein Kind. Er versuchte, Kinder zu schützen. Die internationale Gemeinschaft entschied: Das darf er nicht so.
Rechtspositivismus als Betäubungsmittel
Was bleibt, ist eine unbequeme Erkenntnis über das Verhältnis von legal und legitim. Das NS-System war legal. Deportation war juristisch geregelt. Kindesentnahme war prozessual abgesichert. Was legal ist, hat die Tendenz, als legitim akzeptiert zu werden – nicht weil es richtig ist, sondern weil das System, das es legal macht, auch das System ist, das über Legitimität entscheidet.
Wenn internationale Gerichte, UN-Behörden und Wertepartner gemeinsam einen Staatsanwalt sanktionieren, der 150’000 potenzielle Opfer schützen wollte, und wenn kurz darauf 160 Kinder in einer Sekte gefunden werden, deren Ermittlung auf seiner Arbeit basierte – dann ist das kein Einzelfall, keine Fehlfunktion, kein schlechtes Timing. Das ist das System, das funktioniert. Nur nicht für die Kinder.
Interpol schützt.
Die UN koordiniert.
Die Wertegemeinschaft sanktioniert.
Und Curruchiche kämpft weiter – mit einer Notfallwebsite und ohne internationalen Rückhalt.
Das nennt man multilateralen Menschenrechtsschutz.


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