Ein Freitag auf Arbeit, 16 Uhr, Zvieri Pause. Vier gestandene Herren sitzen beisammen und philosophieren über Gott, die Welt, den Arbeitgeber, das kommende Wochenende – und Poker.
«Wow, hat jemand die World Championship mit 12 Millionen Preisgeld gesehen?» fragt der eine. «War cool, wie der schlussendliche Champion die Tische durchmarschiert ist und sich am Final Table den Pot geholt hat.» meint der andere. «12 Millionen, dass wär was…» sagt der Themengeber: «Mir würden 100’000 schon reichen, um einwenig sorgloser durch die Welt gehen zu können.» «Da reichen mir schon 10’000» sind meine Worte und ein einstimmiges Nicken durchgeht die Runde. «Aber ich würde auch 12 Millionen nehmen, so ist es dann auch nicht. Und Poker spiel ich auch meisterlich – nämlich, überhaupt und sowieso! Schon in der Schulzeit, in der Landschulwoche, in Schul- und Skilagern und auf Ausflügen, haben wir gepokert wie die Könige. Zwar damals nur um 10er, 20er und mit 5 Karten in den Händen, aber war doch recht erbaulich und für mich meist gewinnbringend.» Ich komm aus dem fabulieren und schwelgen gar nicht mehr raus.
Die tollen Kommentatoren bei den im Moment überall gezeigten Pokershows sind teilweise absolut neunmalklug und versuchen, Glück als Wissen und Können darzustellen. Dabei weiss doch jeder, dass es beim Pokern um Kombinationsgabe, Voraussicht, starke Nerven, viel Glück und einwenig Cleverness geht. Die Herren Sprecher dieser besagten Shows tun aber so, als wäre alles voraussehbar, jeder Schritt der Gegner mit Überlegung und Täuschung manipulier und lenkbar.
Doch so funktioniert es nicht, werte Klugscheisser in den Plüschsesseln! Man kann sich lange tausend Kartenkombinationen des Gegners durch den Kopf gehen lassen, geschickt mit dem Einsatz des Geldes spielen und (heraus)fordern, ordentlich bluffen und selbst gute Karten haben, ohne Glück geht das Spiel nicht lange gut und man findet sich schneller am Loser Table wieder, als einem lieb ist. Die Plauderpokerer (par)lieren an der Glotze aber bei jedem aufdecken der Karten in der Weltgeschichte rum. «Würde, hätte und täte! Wenn aber blablabla» – Tja, wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär ich schon lange Millionär.
Möchtegern schlau wird daher geredet, am TV, so wie in der Kantine. Doch in der Kantine ist es eher das Scharren des Vorderhufs eines Stiers vor dem Angriff. Da ist das Schlagen des Rads eines Pfaus ne einfältige und prunklose Angelegenheit. Bald sehen sich die vier, nach eigenen Angaben absolut hervorragenden Pokerspieler wieder. Leider fehlt noch das entsprechend gediegene Equipment, welches man aber problemlos im Poker Shop Schweiz erstehen kann.






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