«The Ritual“ ist ein von Netflix eigenproduzierter «Horrorfilm» aus dem Jahr 2018. Der Film ist keine Offenbarung, schraubt aber an den richtigen Stellen mit den Versatzstücken des Genres. So sehen wir hier keine nervigen Teenies, sondern eine Gruppe aus Freunden, die auf die 40 zugehen und eigentlich nur einen schönen Urlaub verbringen wollen. Dieser wird durch eine Tragödie überschattet. Nicht nur in diesem Zusammenhang hat der Name eine tiefere symbolische Bedeutung. Rituale durchziehen die ganze Handlung des Films. Dabei sind die düsteren Erscheinungen im Wald nur das offensichtlichste.
Drehbuch-technisch wurde hier durchaus solide Arbeit geleistet. Die Dialoge sind zwar nicht immer vollends überzeugend, was aber auch an der deutschen Synchro liegen mag. Dafür sind aber einige Passagen am Anfang mit Witz, aber sobald es ernster wird, verschwindet dieser Humor sinnvollerweise. Die Story hingegen weisst zwar ein paar Überraschungen auf, verläuft aber letztlich trotzdem ziemlich linear und manchmal auch vorhersehbar. Dennoch sollten einige Ideen und Überraschungen nicht ausser Acht gelassen werden und diese steigern das filmische Niveau im Vergleich zu anderen Genrevertretern schon nennenswert. Regisseur David Bruckner, der schon einige andere Genrevertreter gedreht hat, leistet meiner Meinung nach gute Arbeit. Die Szenen wirken überzeugend und es wird sowohl inszenatorisch, als auch dramaturgisch eine durchwegs tolle Stimmung und Atmosphäre erzeugt. Allerdings sind die Horrorelemente bei weitem nicht so schockierend, wie bei anderen Horrorfilmen.
Schauspielerisch überzeugen alle Protagonisten, wobei Sam Troughton in seiner Rolle des Dom am meisten überzeugt und die Figur sehr authentisch spielt. Insgesamt sind aber alle Schauspieler in ihren Rollen toll und stimmig und schaffen es die Atmosphäre mit ihren Emotionen zu untermauern. Dom ist etwas zu nervig, Phil ein wenig zu sehr Nebenrolle. Doch insbesondere Rafe Spall und Rob James-Collier können überzeugen. Beide könnten gut und gerne ihre besten Rollen gespielt haben – und das in einem Horrorfilm, wo man so etwas doch eher selten erwartet! Ich meine, Spall ist bisher irgendwie immer der Loser vom Dienst gewesen, der hier nun einen zerrissenen Haudrauf zeigt, der an sich wächst. Und James-Collier, der in «Downton Abbey» die ziemlich eindimensionale des bösen Butlers Thomas innehatte, überzeugt hier als ein launiger, abenteuerlustiger, aber auch besonnener Anführer-Typ, der im Übrigen optisch sehr an Christian Bale erinnert. Auch die Kameraarbeit gefällt mir überaus gut. Die Landschaftaufnahmen sind grossartig und der Zoom der Kamera wird unfassbar gut in Szene gesetzt. Die Aufnahmen im Wald verdeutlichen die bedrückende Atmosphäre und die vielen totalen Perspektiven sind sinnvoll gesetzt.
Zum Szenenbild und Kostüm muss nicht viel gesagt werden, da sich der Hauptteil des Films im Wald abspielt. Die Hütten, die auftauchen sehen exakt gleich aus und unterscheiden sich nicht grossartig. Die Kostüme der Protagonisten sind einfache, normale Wanderkleidung. Auf der Tonebene wird überraschend wenig für einen Horrorfilm gearbeitet. Klar hat man viele klassische Szenen, wie Stille und dann laute, schrille Töne, aber die Jumpscares halten sich in Grenzen. Allerdings sind die Horrorelemente, wie schon oben gesagt, nicht besonders gruselig, was es auch «Angsthasen» erträglich macht den Film zu schauen. Viele haben ja das Ende beklagt, aber genau da fand ich den Film wieder interessant. Wir erfahren mehr über die Hintergründe, haben einen tollen Showdown und ein fantastisches Monsterdesign. Das Setting könnte man vielleicht etwas infrage stellen, doch funktioniert verdammt gut. Der Wald, in dem das alles spielt, wirkt erstaunlich «normal» und wirkt gerade dadurch bedrohlich.
«The Ritual» ist ein Horrorfilm der besseren Sorte, der zwar der üblichen Formel folgt, aber diese an entscheidenden Momenten ausreizt bzw. mit den richtigen Zutaten würzt. Insgesamt halte ich «The Ritual» für einen durchaus gelungenen Horrorfilm, wobei man als eingefleischter Horrorfetischist sich möglicherweise langweilen wird. Aber Genreeinsteiger bzw. kleine Angsthasen können mit dem Film ziemlich viel Spass haben.










«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







