Über eine Militärmacht, die seit 20 Jahren auf diesen Krieg trainiert hat, eine Weltordnung die gerade neu verhandelt wird – und einen Waffenstillstandsappell, den Teheran als Fake News bezeichnete.
Tag 1–25: Das Drehbuch, das nicht aufging
Der Plan war bekannt. Schnelle Luftüberlegenheit und gezielte Infrastrukturschläge sollen den Iran innerhalb von Tagen in die Knie zwingen. Dasselbe Drehbuch, das schon beim Irak 2003 verwendet wurde – mit bekanntem Ergebnis. Der Iran hatte 20 Jahre Zeit, dieses Drehbuch zu lesen. Und zu üben.
Tag 26: Was tatsächlich passiert
Die Lage am 25. März 2026 lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Der Iran eskaliert, während Trump von Fortschritten spricht – und Teheran jeden Verhandlungsansatz als Fake News bezeichnet. Punkt für Punkt:
Die USA verlegen die 82. Luftlandedivision in die Region – offenbar zur Vorbereitung auf Bodenoperationen rund um Hormus. Grossbritannien kündigt eine internationale Koalition zur Wiedereröffnung der Strasse an. B-52-Bomber greifen iranische Ziele nun auch von britischem Boden aus an. Der Iran antwortet: Raketen- und Drohnenwellen gegen Israel. Direkte Treffer in Tel Aviv. Und eine Warnung an die heranrückenden US-Truppen, die an Direktheit nichts zu wünschen übrig lässt: Kommt näher.
Der Mythos der Unbesiegbarkeit
Teheran hat eine Botschaft an die Welt formuliert, die man nicht missversteht: Der Mythos der Unbesiegbarkeit der USA und Israels sei gebrochen. Das ist Propaganda – teilweise. Aber es ist auch eine Beobachtung, die sich auf Tatsachen stützt. 26 Tage Krieg. B-52-Bomber. 82. Luftlandedivision. Und der Iran ist noch da. Er schiesst zurück. Er trifft. Er blockiert Hormus – jene Meerenge, durch die täglich rund 20 Millionen Barrel Öl fliessen, und die der Iran nun de facto kontrolliert. Einige Schiffe zahlen bereits Millionenbeträge für sichere Passage. Teheran erwägt, Transitgebühren zu erheben – mit Einnahmen von bis zu 80 Milliarden Dollar jährlich. Das ist keine Niederlage. Das ist ein Geschäftsmodell.
Die Frontlinie, die breiter wird
Was am 25. März sichtbar wird, ist die geografische und politische Ausweitung eines Konflikts, den niemand mehr fassen kann. Israel greift erstmals eine russisch-iranische Versorgungsroute im Kaspischen Meer an. Das ist nicht mehr Naher Osten. Das ist der Versuch, Russlands Lieferkette in den Iran zu unterbrechen – ein Schritt, der die Eskalation auf eine neue Ebene hebt. Der Irak mobilisiert 250’000 paramilitärische Kräfte zur Unterstützung. Pro-iranische Kräfte greifen US- und israelische Ziele in Jordanien mit Drohnen an. Israel plant die Mobilisierung von bis zu 400’000 Reservisten – und erwägt die Besetzung des Südlibanons bis zum Litani-Fluss als Sicherheitszone. Sicherheitszone. Das Wort, mit dem jede Besatzung beginnt, die sich nicht so nennen will. Israel mobilisiert 400’000 Reservisten. Für einen Krieg, der nach Plan in drei Tagen enden sollte.
Die Wirtschaft, die mitbrennt
Shell warnt: Europa könnte bereits im nächsten Monat mit Treibstoffknappheit konfrontiert sein. QatarEnergy ruft höhere Gewalt aus – die globalen LNG-Lieferketten wackeln. Russland stoppt Düngemittelexporte. Dünger. Das Wort, das in keiner Kriegsberichterstattung vorkommt und das die gefährlichste Kettenreaktion auslöst. Kein Dünger, keine Ernte. Keine Ernte, kein Brot. Kein Brot – Geschichte zeigt, was dann kommt. Und das alles mitten in der Pflanzsaison.
Die Risse im antiwestlichen Lager
Inmitten der Eskalation ein unerwarteter Akzent: Chinas Aussenminister drängt auf Verhandlungen. Türkei, Ägypten und Pakistan versuchen, kurzfristige Gespräche zu organisieren. Erste Risse werden sichtbar – nicht im westlichen Lager, sondern im antiwestlichen. China hat fast eine halbe Billion Dollar in den Iran investiert. Es sieht zu, wie seine Assets niedergebombt werden. Das erzeugt irgendwann Druck – auch in Peking. Trump spricht von Fortschritten. Möglichen Deals. Der Iran bezeichnet Verhandlungen als Fake News und schickt die nächste Drohnenwelle. Wer hat recht? Beide lügen – mit unterschiedlichen Zielen.
Was 26 Tage zeigen
Der Iran hat seit über 20 Jahren gezielt für eine mögliche US-Bodeninvasion trainiert. Das ist keine Behauptung Teherans – es ist die logische Schlussfolgerung eines Landes, das gesehen hat, was mit dem Irak und Libyen passiert ist und das entschieden hat: Mit uns nicht. Asymmetrische Kriegsführung. Drohnen, die Carrier-Gruppen bedrohen. Raketen, die Tel Aviv treffen. Eine Meerenge, die zum Hebel wird. Eine Volkswirtschaft, die unter Sanktionen funktioniert hat – weil sie musste. 26 Tage Krieg. Und die 82. Luftlandedivision ist gerade erst angekommen.
Trump spricht von Fortschritten. Teheran schiesst.
Und irgendwo in Europa beginnt der Treibstoff knapp zu werden…


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