Das Regiedebut von Adam Alleca, der sonst als Autor in Erscheinung tritt (The last House on the Left), hat hier einen kleinen feinen soliden Low Budget Film gedreht. «Standoff» entwickelt sich von einer kleinen einfachen Geschichte zu einem soliden Katz und Maus Kammerspiel. Beide Hauptdarsteller, allen voran Laurence Fishburne hat gute Dialoge und wirkt genauso überzeugend wie sein Gegenpart Thomas Jane. Mehr braucht es nicht um eine spannende Story in Gang zu setzen, die bei Freunden von Action Filmen sicherlich keinen Anklang finden wird. Hier geht es um Moral und Werte.
Lässt man sich aber auf die Situation ein, bekommt man einen spannenden Thriller serviert der die Zeit wie im Flug vergehen lässt. Die Hintergrundgeschichte der einzelnen Personen wird nach und nach durchleuchtet und auch die Dialoge bannen einen an den Schirm. Ein kleines Budget, zwei grossartige Darsteller und Ella Ballentine, welch ein klassischer Name, als Jungdarstellerin die sicherlich noch eine glänzende Kariere vor sich hat, gepaart mit einem grundsoliden Drehbuch, mehr benötigt es nicht um 90 spannungsvolle Minuten zu generieren. Adam Alleca schafft es die Geschichte auf engsten Raum spiele zu lassen, was positiv von den Darstellern unterstützt wird. Thomas Jane und Laurence Fishburne spielen hervorragend, man nimmt ihnen jederzeit den Charakter des Bösen und des Retters ab. Sicherlich ist nicht alles rund, hier und da sind mal kleine Schwächen. Aber dennoch bekommt man im Ganzen gesehen einen soliden Thriller geboten, der gut unterhalten kann.
Im Prinzip wirkt der Film wie ein klassischer Western, der nur zufällig in der aktuellen Zeit spielt. Das Duell der beiden «Cowboys» reicht aber in jedem Fall, um bestens zu unterhalten: Es wird provoziert, beleidigt und sich so gut es geht überlistet. Dank cleverer Einfälle ist das einfach gestrickte Szenario dabei auch noch durchgängig spannend. Dabei bleibt Alleca fast durchgängig auf dem Grundstück von Carter. Thomas Jane und Laurence Fishburne sind schon länger nicht mehr wirklich in der A-Liste Hollywoods zu finden, was aber keinesfalls bedeutet, dass sie die Schauspielerei verlernt hätten. Jane spielt den vom Leben enttäuschten Alkoholiker und Ex-Soldaten Carter, der mit der Rettung von Bird seine Chance sieht, Fehler aus der Vergangenheit wieder auszubügeln. Zwischen Tragik, Zynismus und Kampfgeist entwickelt Jane hier einen erstaunlich nachvollziehbaren Anti-Helden. Laurence Fishburne ist nicht unbedingt bekannt dafür, regelmässig Fieslinge zu spielen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Zuschauer hier seine Spielfreude fast schmecken kann. Als Auftragskiller Sade ist er immer ein wenig «Over the Top», was den Unterhaltungswert eigentlich nur steigert. Ihm gelingt es dabei aber auch, die nötige Bedrohlichkeit auszustrahlen, die der Film benötigt hat, damit seine Prämisse funktioniert.
Adam Alleca hat mit seinem Regie-Erstling «Standoff – Die einzige Zeugin» angedeutet, dass durchaus noch mehr von ihm kommen kann. Mit recht geringen Mitteln kreiert er einen fesselnden Plot, der trotz kleiner Fehler zu durchgängig vergnüglicher Thriller-Unterhaltung wird. Neben der auch nicht völlig von der Hand zu weisenden Faszination für den wortgewandten Bösewicht, ist es dann vor allem die Ersatzvater/Ersatzkind Beziehung von Carter und Bird, die das Herz des Filmes bildet und ein Bangen um deren Sicherheit, zur Selbstverständlichkeit macht. Intensiv gestaltetes Kammerspiel, dem ein anderes, weniger optimistisches Ende vermutlich besser gestanden hätte. Mir hat das Ganze jedenfalls gut gefallen, auch wenn man dem Film hier und da anmerkt das er nicht zu den Big-Budget Produktionen gehört. Aber ich liebe Independent Filme und somit ist dies kein Negativ-Faktor für mich. Die Dialoge und perfiden Psychospielchen sind Klasse, der Plot recht simpel, aber spannend und kurzweilig. Selten hat man mit einem solch konzentrierten und aufs Wesentliche destillierten Drehbuch eine ähnlich bedrohliche, unterhaltsame und höchst spannende Geschichte inszeniert. Und, ganz nebenbei, erzählt der Film ja im Subtext auch noch eine Story von Erlösung, die zwar nicht sonderlich vielschichtig oder originell daherkommt, dafür aber perfekt in die Geschichte passt. Fans des Genres sollten der kleinen Perle unbedingt eine Chance geben.




«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








