Wo viele Menschen sind wird viel geredet. Während eines Konzerts ist es aber mehr als störend, wenn die Besucher über Nichtigkeiten labern. Leider hat heutzutage das Publikum es scheinbar verlernt zuzuhören. Sehen und gesehen werden und vorallem der Smalltalk scheint wichtiger, als Künstlern bei Momenten zuzuhören, in denen sie ihre Seele öffnen. Konzerte werden leider immer mehr zu Plauderstunden, die eigentlich niemand wirklich interessiert. Daher liebe Plaudertaschen, Plappermäuler und Tratschtanten, bleibt doch lieber zuhause oder in eurem achso geilen Club und lässt uns das Konzert geniessen!
Egal ob an Festivals mit Tausenden Menschen oder an intimen Clubkonzerten mit kleinem Publikum, von überall her dringen dem interessierten Zuhörer Nichtigkeiten ins Ohr. Während viele im Publikum die Songs mitsingen, gibt es tatsächlich Menschen, links, rechts, vorne und hinten, die über alles mögliche reden. Zwei unterhalten sich über die Arbeit, eine andere jammert über ihren Ex-Freund und ein dritter ist so dicht, dass er einen unverständlichen Schwachsinn von sich gibt, der nicht einmal sein Kumpel versteht. Es wird sogar minutenlang lautstark telefoniert: «Ich bin in der Mitte, wo bist du?» Das Gespräch artet vielfach in eine längere Diskussion aus, deren banaler bis dümmlicher Inhalt auch in einem ruhigen Zugabteil peinlich wäre. Fordert man die Person auf, etwas leiser zu sein, erntet man verständnislose Blicke. Weshalb können Leute nicht vor dem Konzert abmachen, wo sie sich treffen wollen, um gemeinsam die Show zu sehen? Es bringt nichts, ins Telefon zu brüllen und jemand unter Zehntausenden von Menschen zu finden und dabei andere zu nerven.
Vor einigen Jahren hat Büne Huber von Patent Ochsner während eines Konzerts sein Lied «Domino», in welchem er sentimental vom Leben seines Vaters erzählt, unterbrochen und die Menge aufgefordert, «bitte seid ruhig und hört zu, ihr stört». Der Lärmpegel im Publikum ist kein neues Phänomen, nach meinem Eindruck, hat es in den letzten Jahren aber massiv zugenommen. Das Rumgequatsche ist nicht nur für Menschen störend, die den Konzertmoment geniessen wollen, sondern drückt vor allem auch eine Respektlosigkeit den Künstlern gegenüber aus. Weshalb treffen sich Menschen auf ein Konzert, nur um dann während der Show Alltagsbanalitäten auszutauschen? Nonsense und Nichtigkeiten, an die sie sich wahrscheinlich schon einige Minuten später selbst nicht mehr erinnern können. Klar, ein Rockkonzert ist keine Opernaufführung, in der vom empfindlichen Publikum bereits Husten oder Räuspern, ja sogar das Atmen als störend empfunden und mit ernsten Blicken entgegnet wird. So steif und gekünstelt soll es an einem Rockkonzert selbstverständlich nicht sein. Besucher sollen und dürfen sich ab und zu mit der Begleitung, den Freunden oder dem Kumpel austauschen über die Show, die Performance, über das Dargebotene. Ein regelmässiger kurzer Austausch über die Freude des gemeinsamen Erlebens und des Feierns, sind völlig in Ordnung. Wer sich aber an Konzerten jedoch dauerhaft und abendfüllend über seinen Alltag, Beziehungs- und Arbeitsprobleme austauschen will, ist definitiv am falschen Ort!
An vielen Konzerten werden wegen der lauten Musik Ohrstöpsel verteilt, doch wer schützt das Ohr des interessierten und zum Zuhören gewillten Konzertbesuchers vor quasselndem Publikum? Wären nicht auch Konzertveranstalter in der Pflicht, das Publikum vor Beginn darauf hinzuweisen, einfach die Show zu geniessen und die Klappe zu halten? Veranstalter könnten eigentlich bereits auf Facebook und anderen sozialen Plattformen ihre Besucher für das Thema sensibilisieren. Im Zeitalter von Social Media und der permanenten Reizüberflutung des 24-Stunden-Entertainments scheint Aufmerksamkeitsdefizit eine kollektive Krankheit unserer Gesellschaft zu sein. Jedes Video und jeder Post ist nur einen Klick vom nächsten Miniabenteuer entfernt. Alles was länger dauert als ein zweiminütiges Youtube-Video fällt für viele aus dem Aufmerksamkeitsraster heraus. Anderthalb Stunden ein Konzert zu geniessen und sich auf die Künstler einlassen? Für viele offenbar nicht mehr auszuhalten. Vielleicht ist das Defizit an Aufmerksamkeit und die Gleichgültigkeit gegenüber der Kunst ein weiteres Phänomen unserer Zeit. Es geht dem Einzelnen, egal ob jung oder alt, nicht mehr um den konkreten Anlass, sondern nur noch darum, dabei gewesen und voralle,m gesehen worden zu sein. Ein Foto auf Instagram reicht, um zu zeigen, seht, ich war mit dabei. Konzerte sind kein Kulturgut mehr, bei dem es um die Kunst und den künstlerischen Inhalt geht, sondern nur noch ein sozialer Treffpunkt, bei dem man sich austauschen und plaudern kann und nebenbei – zur Unterhaltung – noch jemand auf der Bühne performt. Wir sollten wieder lernen, zuzuhören und uns in Geduld üben. Also, nächstes Mal bitte Klappe halten. Danke!









«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








