Tattoo-Panik dank Mäuse-Experiment: 20 Minuten entdeckt das Immunsystem – und verliert den Rest. Die mediale Empörungslust hat wieder zugeschlagen. Wieder einmal rettet uns der Boulevard vor der eigenen Dummheit. Dieses Mal basierend auf einer «Studie», in der – halt dich fest – Mäuse tätowiert wurden. Ja, Mäuse. Und bevor jemand vor Panik nun seine eigenen Tattoos mit dem Schrubbschwamm abträgt: Es gibt keine Maus-Tattoo-Maschine. Keine Mini-Spirale, kein Mini-Liner, kein Mikro-Shader, keine winzige Clipper-Station, die aussieht wie ein Barbie-Accessoire.

Stattdessen haben die Forschenden das getan, was man offensichtlich heutzutage «wissenschaftlich» nennt: Sie haben den Mäusen Farbe unter die Haut gedrückt, gekratzt, gestochen und gespritzt, wie ein mittelmässiger Teenager in der Pause mit dem Zirkel «I love Anime» auf seinen Unterarm ritzt. Das hat mit einem echten Tattoo ungefähr so viel zu tun wie eine Schultafelzeichnung mit der Deckenmalerei der Sixtina. Mit dem Artikel wird Weltuntergangsstimmung gegen Tattoo-Farbe aufgebaut und die mediale Empörung läuft auf Hochtouren. «Tattoo gefährlich! Tattoo belastet Immunsystem! Tattoo macht… irgendwas!» Der Klassiker: Angst erzeugen, Denken auslagern.

Natürlich fehlt der entscheidende Punkt: Das Entfernen eines Tattoos ist deutlich belastender für den Körper als das Stechen. Laser jagt gebündelte Energie direkt in die Haut, sprengt Pigmente, produziert dabei chemische Reaktionsprodukte, überlässt Lymphsystem und Leber den ganzen Aufräumjob – aber darüber liest man… natürlich nichts. Vermutlich, weil die Mäuse bei einem Lasertest einfach spontan verdampft wären. Tattoos sind seit über 100 Jahren sicher – wenn sie unter professionellen Bedingungen gestochen werden. Saubere Maschinen, sterile Nadeln, kontrollierte Farben, Hygiene auf Level «Operationssaal, aber mit besserer Musik». Und – Überraschung – Menschenhaut ist keine Mäusehaut.

Während Tattoo-Studios akribisch darauf achten, dass keine Tierversuche hinter ihren Farben stecken, kommt die Forschung jetzt auf die brillante Idee, selbst welche zu machen. Und das für Ergebnisse, die realistischer ausfallen würden, wenn man einfach mal einen tätowierten Menschen fragt – Spoiler: Es gibt Millionen davon. Alle freiwillig. Alle lebendig. Viele sogar begeistert. Die Vorstellung, man könne aus verstümmelten Mäusen Erkenntnisse über menschliche Tattoos ableiten, ist weniger Fortschritt als intellektuelle Rückwärtsrolle. Eine, bei der man sich den Genickwirbel auskugelt. Vielleicht ist das die eigentliche Headline: «Studie beweist: Wer Mäuse tätowiert, versteht Tattoos genauso wenig wie jemand, der einen Ferrari testet, indem er ein Bobbycar anzündet.»

Aber klar: Das wäre zu ehrlich, zu kritisch – und es würde den Klick-Bedarf nicht decken. Also wird lieber das altbewährte Rezept serviert: Panikfirst, Faktenlast. Tattoos schädigen nicht das Immunsystem. Hysterische Clickbait-Schlagzeilen hingegen schädigen die Hirnzellen – und zwar zuverlässig. Wer ein Tattoo will, das nicht nur schön aussieht, sondern von Menschen gemacht wird, die wissen, wie menschliche Haut – echte Haut – reagiert, sich verhält, heilt und lebt… der weiss ohnehin, wohin er geht. Spoiler: Nicht ins Mäuselabor.

Am Ende bleibt nur eine Frage: Wenn Medien aus Mäusen Menschen machen – müssen wir dann in Zukunft auch damit rechnen, dass sie aus Klicks Erkenntnis machen?

Ich würde es ihnen zutrauen.
Und genau das ist das eigentlich Gefährliche…

Schlagzeile für Narren: Das Tattoo-Märchen von 20 Minuten


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