In vielerlei Hinsicht geht Kevin Smith mit «Red State» neue Wege. Nach seinem Flop «Cop Out – Geladen und entsichert» drehte er Hollywood den Rücken und widmete sich ganz diesem Projekt, dass mit minimalem Budget wieder ganz aus seiner Hand stammt. Wie zu Beginn seiner Karriere stammen Drehbuch, Schnitt und Regie von ihm. Allerdings hat sich seit seinen frühen Tagen einiges geändert. Vor «Red State» war Kevin Smith bekannt für seine Independent-Komödien, die weitestgehend in seiner Heimat New Jesey spielten und durch gemeinsame Personen wie Jay und Silent Bob verbunden waren. Hier ein fesselnder Psychohorror, welcher sich schlagartig zum furiosen Actionspektakel entwickelt, ein unvorhersehbarer und origineller Streifen, welchen man so noch nicht gesehen hat.
Zu Kevin Smith und seinen Independent-Komödien Klassiker wie «Clerks – Die Ladenhüter», «Mallrats», «Chasing Amy» oder «Dogma» muss man nichts mehr sagen und obwohl auch «Red State» bei seiner alten Produktionsfirma View Askew entsteht, ist sein langjähriger Wegbegleiter Scott Mosier nicht als Produzent am Film beteiligt. «Red State» zeigt, dass Kevin Smith auch andere Filme machen kann als nur (Buddy) Komödien in denen ausschliesslich über Sex und Star Wars geredet wird. Wenn man das Buch von Kevin Smith liest, erfährt man auch, was für eine Herzensangelegenheit ihm dieser Film war, vor allem da er endlich mit Michael Parks arbeiten konnte. Auch wenn der Film hier und da schwächelt überzeugt er doch durch unvorhersehbare Wendungen, brachiale Gewalt und einem überzeugenden Michael Parks. Der Cast funktioniert überhaupt hervorragend, wie erwähnt ist da Parks, welcher in die Rolle des wahnsinnigen Sektenführers schlüpft, wie auch John Goodman, der einen lässigen Special Agent des ATF spielt.
Der sparsam und geschickt platzierte schwarze Humor, welcher im übrigen aus dem Film noch lange keine Komödie macht (wie man andererorts liest), bildet das Sahnehäubchen in Kevin Smiths Werk. Ein gelungener Sektenthriller mit seinen Längen und wer noch nie mit Sekten zutun hatte, stört sich sicher an den vielen Bibelzitaten. Man hätte aus dieser Story sicherlich mehr rausholen können und im Mittelteil wird mir ein bisschen zu viel geredet und unlogisch gehandelt. Aber die Grundthematik die Smith hier anspricht find ich echt interessant. Typisch für den Geist, der in den Staaten vielerorten und auch bei uns herrscht, ist die Tatsache, dass sicherlich existenten, aber zahlenmässig unbedeutenden radikalen Auswüchsen des Christentums vor einem johlenden Kinopublikum mit Hass begegnet wird, während anderen, in ihren Extremitäten viel gefährlicheren Religionen der Hof gemacht wird. Zudem wird in «Red State» filigran und perfide seitens Kevin Smith agiert, denn er verwendet die zur Zeit bei den Hirnwäschern gern genutzte Taktik, ihm konträre politische Ansichten und Statements dem ekligen und verwerflichen Bösewicht in den Mund zu legen, um die Sache zu diskreditieren. Und das funktioniert bei willfährigen oder unreflektierten oder auch unterbelichteten Konsumenten ganz wunderbar.
Egal um welche Religion es sich schlussendlich handelt, mit Fundamentalisten ist keine vernünftige Argumentation möglich. Zumal solche Gruppierungen auf der einen Seite ihren Gott loben und preisen aber auf der anderen Seite in seinem Namen töten um die Welt von allem schlechten und bösen zu befreien, was sie ja dann eigentlich selbst auch zu was bösen macht und sie sich dann auch umbringen müssten. Langer Rede gar kein Sinn, Kevin Smith Fans sollten sich den Film anschauen und wenn auch nur um zu sehen was der Mann noch alles darauf hat. Herrlich krank und unsagbar grandios… aber genug gepredigt, seht einfach selbst! Das wars. Halleluja gepriesen sei der Herr!









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