Es gibt sie also noch, wahre Filmperlen und «Primal Rage» ist so eine. Ein blutrünstiger Splatter-Horror mit hohem Bodycount, kreativen Kills, handgemachten Effekten, dem ignorieren von Humor und Klischees wie aber auch einer tollen Atmosphäre und Aufmachung. «Primal Rage» ist laut, spannend, toll gefilmt, mit einem coolem Monster und guten Schauspielern. «Primal Rage» ist der bessere Hatchet!

Regisseur Patrick Magee war sieben Jahre alt, als er «American Werewolf» sah und die Liebe zum Monsterfilm in dem Jungen geweckt war. Und weil sieben Jahre ein ziemlich zartes Alter für eben jenen Film ist, musste aus dem mittlerweile zum regelrechten Hünen gewachsenen Kerl ganz offenbar ein Effektspezialist werden. Als solcher war er kreativ beteiligt an Filmen wie «Alien vs. Predator», «Jurassic Park III» oder «Men in Black 3». Nun debütiert er mit dem Creature-Horrorfilm «Primal Rage», in dem er Motive von Predator mit der BigFoot-Legende und Hexen-Sagen vereint. Selbstverständlich ist für Magee, dass er die Effekte allesamt handgemacht hat, was gerade bei Horrofilm-Fans die Herzen höher schlagen lässt. Denn, mal ganz ehrlich: Blut- und Splatter-Effekte aus dem Rechner sehen immer noch ziemlich künstlich und wenig überzeugend aus.

Ganz im Gegensatz zu dem, was «Primal Rage» schon mit dem ersten Opfer abliefert. Der Mann, den Ashley und Max mit dem Jeep anfahren, ist ziemlich drastisch verunstaltet und jede einzelne Wunde sieht äußerst gelungen aus. Und das ändert sich auch im weiteren Verlaufe nicht. Was der Jäger aus dem Wald hier an Splatter und Gore veranstaltet, wird auch echte Hardcore-Fans des Genres beeindrucken. Zumal die erste Stunde komplett am Tag spielt und selbst die Kreatur vollumfänglich und nicht nur in dunklen, schemenhaften Details zu sehen ist. Letztere ist zwar kein neuer Predator, liefert aber genug eigenständige Merkmale, um überzeugen zu können. Während Magee bei Masken und Effekten überzeugen kann, fehlt es ihm noch ein bisschen an Gespür für Kameraeinstellungen und Nähe zu den Darstellern. Die plötzliche Integration eines zweiten Themas, das nach etwa 65 Minuten einsetzt, hätte man überdies ein bisschen frühzeitiger ankündigen können. so wirkt «Primal Rage» an dieser Stelle etwas unentschlossen und wirr. Auf der anderen Seite sorgt es für stimmige und atmosphärische Bilder, wenn für gut zehn Minuten Dialoge vollkommen ausbleiben und rituelle Prozedere das Zepter übernehmen. Die anfänglichen Dialoge der Rednecks wirken authentisch machohaft und die späteren Worte, die über das Monster im Wald gesprochen werden, hätten auch in eine grössere Falle aus Albernheit und Esoterik-Quark tappen können. Und weil Stimmung und Maskeneffekte so gut funktionieren, drücken wir gerne auch mal ein Auge im Bezug auf die Schauspielerleistungen zu.

Bilder von "Primal Rage"

«Primal Rage» ist ein blutiger Monster-Splatter aller erster Güte, der rein gar nichts mit der gleichnamigen Prügel-Reihe zu tun hat, die 1994 in den Arcade-Hallen und anschliessend für Spielkonsolen veröffentlicht wurde. Regisseur Patrick Magee vermischt in der ersten Regiearbeit Elemente aus der erfolgreichen «Predator»-Reihe mit Bigfoot-Schauer und Hexen-Horror zu einem schwer unterhaltsamen Horrorstreifen, der obendrein auch noch ziemlich brutal ist. Trotz altbekannter Geschichte um ein Monster in den Wäldern ist «Primal Rage» ganz kurzweilig geraten – auch wenn die Filmkreatur dann doch etwas sehr früh in ganzer Pracht vor der Kamera gezeigt wird. Doch Mankos im Drehbuch werden mit hochwertigen Gore-Effekten wettgemacht. Die sind hier der eigentliche Star und dürften jeden Horrorfilmfan zum Schwärmen bringen. Weil der Film nach der Halbzeit auch noch einen plötzlichen Richtungswechsel wagt und mit einem Twist verblüfft, sprechen wir an dieser Stelle für «Primal Rage» eine klare Empfehlung aus. «Primal Rage» erfindet das Monster-Genre keineswegs neu. Dennoch gehört er Dank atmosphärischer Bilder, düsterer Stimmung und deftigen Gewaltmomenten zu den besseren Creature-Features, die man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat – und dass glücklicherweise ungeschnitten.

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