Man muss Hollywood ja lassen, was man ihm lassen muss: Wenn eine Marke tot ist, wird sie so lange wiederbelebt, bis wirklich nichts mehr übrig ist. Knochenmark ausgesaugt, Nostalgie verdampft, Fanbase traumatisiert. Der Predator war auf diesem Weg schon mehrfach klinisch tot. Und dann steht er plötzlich wieder auf, klopft sich den Staub von der Rüstung und sagt sinngemäss: Entschuldigung, ich war kurz falsch geschrieben.

«Predator: Badlands» ist nämlich verdammt gutes Action-Kino. Ja, wirklich. Kein ironisches Schulterzucken, kein «besser als erwartet», kein «für Fans ganz nett». Sondern ein Film, der verstanden hat, warum der Predator überhaupt je funktioniert hat – und warum er zwischendurch so grandios gescheitert ist.

Zur Beruhigung der nervösen Nostalgie-Fraktion: Nein, das hier ist keine Spoiler-Orgie. Alles, was folgt, ist Trailerwissen oder offensichtliche Prämisse. Der Film lief seit Anfang November im Kino. Wer danach überrascht sein will, sollte jetzt aufhören zu lesen. Wer verstehen will, warum dieser Film weh tut – im positiven Sinn – liest weiter.

Der Predator gehört zu diesen Kinofiguren, die man nicht totkriegt. Nicht mit Kugeln, nicht mit Jahrzehnten, nicht mit schlechten Crossovers. Seit Arnold Schwarzenegger 1987 schwitzend durch den Dschungel stolperte und den legendären Satz sagte: «If it bleeds, we can kill it», war klar: Dieses Ding ist mehr als nur ein Monster. Es ist ein Mythos. Ein Mythos, der später mit Alien gekreuzt, mit CGI überfüttert und fast zu Tode erklärt wurde.

Und dann kam Dan Trachtenberg. 2022 mit «Prey», zuletzt mit «Killer of Killers» und jetzt mit «Badlands». Der Mann hat offenbar verstanden, was vielen Produzenten bis heute ein Rätsel ist: Ein Predator ist kein Maskottchen. Kein Action-Spielzeug. Kein Meme. Er ist ein Jäger mit Kodex. Punkt.

«Predator: Badlands» macht nun etwas, das Hollywood normalerweise vermeidet wie intellektuelle Eigenleistung: Es dreht die Perspektive um. Nicht der Mensch ist das hilflose Opfer. Nicht der Predator der überlegene Alphakiller. Sondern: Der Predator ist der Schwächste seines Clans.

Ja. Der Jäger ist der Underdog.

Dek heisst dieser Yautja und in seiner Kultur ist Schwäche keine Charaktereigenschaft, sondern ein Todesurteil. Ehre misst sich in Trophäen. Wer nichts vorweisen kann, wird entsorgt. Also flieht Dek – ausgerechnet auf einen Planeten, den selbst seine eigene Spezies meidet. Dort lebt etwas, das als unbesiegbar gilt. Und Dek denkt sich: Wenn ich schon der Schwächste bin, dann töte ich eben den Stärksten.

Hollywood, bitte notieren: So schreibt man eine Motivation.

Plötzlich sind die Rollen vertauscht. Der Jäger wird zur Beute. Das Monster zum Gejagten. Aber Trachtenberg begeht nicht den üblichen Fehler, den Predator zu «vermenschlichen». Er macht ihn nicht nett. Er macht ihn nicht moralisch. Er zeigt nur, was immer schon da war: Verletzlichkeit, Angst, Wut. Die Angst, bedeutungslos zu sein. Ein zutiefst unangenehmes Gefühl – egal, ob Mensch oder Yautja.

Der Planet selbst ist dabei kein hübsches CGI-Dekor, sondern ein feindseliger Albtraum. Ein Ökosystem, das aktiv versucht, alles zu töten, was atmet. Pflanzen schneiden Fleisch. Würmer explodieren. Gebüsche vergiften. Das Gras ist schärfer als so mancher Studiofilm. Und Dek stolpert da durch wie ein Fremdkörper, der nicht eingeladen wurde.

Ein Jäger in einem Reich, in dem alles jagt. Geil.

Natürlich kommt irgendwann der Moment, an dem das Internet Schnappatmung bekommt: Der Predator arbeitet mit einer Begleiterin zusammen. Skandal. Sakrileg. Verrat. Man hört sie schon tippen, die Erbhüter der Reinheit. Dabei übersieht diese Empörung etwas Entscheidendes. Der Film sagt es selbst unmissverständlich:

«A Yautja is no one’s friend. A Yautja is everyone’s predator.»

Die Yautja haben keine Freunde. Sie haben Werkzeuge. Klingen. Speere. Tarnfelder. Wärmescanner. Laser. Und jetzt eben: Thia. Eine synthetische Überlebende der Weyland-Yutani-Corporation. Eine Maschine. Kein moralisches Dilemma. Kein Kuschelalibi. Ein Werkzeug zur Jagd. Punkt.

Dass ausgerechnet diese Androidin dem Film Wärme und trockenen Humor verleiht, ist kein Verrat, sondern Intelligenz. Denn was hier passiert, ist keine Romantisierung. Es ist Entwicklung. Dek wird nicht stärker, weil er brutaler wird. Sondern weil er lernt. Beobachtet. Analysiert. Sich anpasst. Stärke durch Anpassung – nicht durch stumpfe Gewalt.

Und keine Angst: Gewalt gibt es trotzdem reichlich. Trotz PG-13-Rating in den USA ist «Badlands» alles andere als zahm. Blut spritzt. Körper zerreissen. Gliedmassen fliegen. Trachtenberg inszeniert Gewalt präzise, schmerzhaft und ohne voyeuristische Spielereien. Jeder Treffer hat Gewicht. Jeder Kampf ein Ende.

Das Tempo stimmt. Keine Längen. Keine aufgeblasenen Action-Sequenzen. Spannung, Explosion, Stille. Wieder Spannung. Ein Regisseur, der weiss, wann man zuschlägt – und wann man schweigt.

«Predator: Badlands» ist keine Entweihung eines Mythos. Es ist seine notwendige Weiterentwicklung. Und ganz ehrlich: Wenn selbst dieses Franchise noch lernen kann, sich neu zu erfinden, dann ist vielleicht nicht alles verloren.

Hollywood, merkt euch das. Für den Rest der Zeit.

Predator: Badlands | International Trailer
Predator: Badlands | International Trailer

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