Hollywood liebt es, sich als moralische Instanz zu inszenieren. Regenbogenflaggen im Profilbild, Solidaritätsreden bei Preisverleihungen, Tränen für jede globale Krise – solange sie quotentauglich ist. Das System funktioniert glänzend: Man verkauft Haltung, während man Milliarden verdient. Und wehe, jemand stört das Drehbuch. Dann kommt ein Film wie «Sound of Freedom». Kein Superheld, kein Multiversum, kein woke Reboot. Sondern ein Thriller über Menschenhandel. Mit Jim Caviezel in der Hauptrolle und Unterstützung von Mark Wahlberg, der sich ohnehin nie ganz in die PR-Schablone pressen liess.
Nach klassischer Marktlogik hätte der Film ein Streaming-Slam-Dunk sein müssen: Starbesetzung, emotionales Thema, klare Dramaturgie. Stattdessen: Auffällige Zurückhaltung bei Plattformen wie Netflix, Hulu oder Amazon. Besonders pikant wurde es, als Disney – ja, das «Haus der Maus» – die Rechte hielt und der Film offenbar lange nicht veröffentlicht wurde. Am Ende musste er über Umwege ins Kino.
Warum zögert eine Branche, die sich so gern als Anwältin der Schwächsten präsentiert, bei einem Film über Kinderhandel? Die offizielle Antwort lautet: Qualitätskriterien, Marktstrategie, politische Sensibilität. Die inoffizielle Frage lautet: Wer entscheidet eigentlich, welche Moral auf die Leinwand darf? Caviezel spricht offen darüber, dass die im Film dargestellten Täter keine reinen Fantasiefiguren seien, sondern reale Machtstrukturen widerspiegeln. Wahlberg wiederum hat mehrfach über Machtmissbrauch und Druck in der Branche gesprochen. Das ist unbequem, weil es nicht ins Hochglanznarrativ passt.
Und dann schwebt da noch der Schatten von Jeffrey Epstein über der Unterhaltungsindustrie. Flugprotokolle, Kontaktlisten, Fotos mit Prominenten – dokumentiert, gerichtlich aufgearbeitet, teilweise bis heute nicht vollständig transparent. Kein Hollywood-Blockbuster hat diese Netzwerke wirklich seziert. Vielleicht, weil man ungern den Ast absägt, auf dem man selbst sitzt. Was auffällt, ist weniger das, was gesagt wird – sondern das, was nicht gesagt wird. Auffälliges Schweigen von moralisch sonst sehr aktiven Persönlichkeiten. Statements zu fast jedem Thema, aber Zurückhaltung hier. Das muss kein Beweis für irgendetwas sein. Aber es ist zumindest bemerkenswert.
Selbst Dwayne Johnson geriet in Diskussionen, als er defensiv auf Kritik reagierte. Ein später gelöschter Tweet tat sein Übriges. Natürlich kann ein Tweet aus tausend Gründen verschwinden. Aber im Zeitalter permanenter Archivierung wirkt Löschen selten wie Transparenz. Der Punkt ist nicht, pauschal Verbrechen zu unterstellen. Der Punkt ist die Doppelmoral. Hollywood predigt Empowerment und Transparenz, während es gleichzeitig eine PR-Maschinerie betreibt, die unangenehme Narrative effizient isoliert. Wer mitmacht, bekommt Reichweite. Wer stört, bekommt Etiketten.
«Sound of Freedom» wurde am Ende ein finanzieller Erfolg – ohne den Segen der grossen Studios. Das Publikum kam. Nicht, weil es Teil einer Verschwörung sein wollte. Sondern weil es Themen sehen will, die jenseits der üblichen Ideologiekulisse liegen. Vielleicht ist das die eigentliche Provokation: Nicht der Film selbst, sondern die Tatsache, dass ein unabhängiger Erfolg möglich ist. Dass das Publikum nicht nur das konsumiert, was ihm kuratiert wird.
Hollywood ist keine Untergrundsekte. Es ist ein Machtgefüge. Ein Netzwerk aus Studios, Agenturen, Plattformen und PR-Architekten. Und wie jedes Machtgefüge reagiert es empfindlich, wenn die Erzählung nicht kontrollierbar ist. Die Branche muss sich nicht pauschal verteidigen. Aber sie sollte sich ehrlich fragen, warum bestimmte Themen so viel Widerstand erzeugen.
Moral ist in Hollywood ein Geschäftsmodell – und Geschäftsmodelle mögen keine Störungen im Skript…


«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








