Während du das hier liest, steht Irland still. Nicht metaphorisch. Buchstäblich. Seit dem 7. April 2026 blockieren Traktoren, LKW und Transporter die grössten Autobahnen des Landes, die O’Connell Street mitten in Dublin, die Docks in Galway und die Zufahrten zur einzigen Ölraffinerie des Landes in Whitegate, County Cork. Und die irische Regierung, dieses Musterbeispiel europäischer Demokratiepflege, reagiert mit dem Charme eines überrumpelten Panzergenerals.

Grüne Träume, leere Tanks: Irland zeigt Europa, wie man kämpft

Aber von vorne. Damit auch der Letzte versteht, worum es geht.

Die Kraftstoffpreise in Irland sind seit Januar 2026 um 28 Prozent gestiegen – auf durchschnittlich 2,45 Euro pro Liter. Ausgelöst hat den Schock die Sperrung der Strasse von Hormus durch den Iran infolge des dritten Golfkriegs. Globale Krise, klar. Passiert. Aber hier kommt das Detail, das kein öffentlich-rechtlicher Sender dir in der Primetime serviert: In Irland machen Steuern rund 59 Prozent des Benzinpreises und 52 Prozent des Dieselpreises aus. Mehr als die Hälfte dessen, was du an der Zapfsäule zahlst, wandert direkt in die Staatskasse. Das ist keine Energiepolitik – das ist organisierter Taschendiebstahl mit Grün-Etikett.

Die Regierung hat das natürlich längst gewusst. Im März 2026 schnürte Dublin ein 250-Millionen-Euro-Paket und senkte die Spritpreise um 15 Cent bei Benzin und 25 Cent bei Diesel. Danke, sehr gnädig – und dann stiegen die Preise trotzdem weiter. Das Pflaster fiel vom Patienten, noch während man es aufklebte. Christopher Duffy, ein Landwirt und Demonstrant, brachte es auf den Punkt: «Beim aktuellen Spritpreis bin ich wohl noch zwei Monate davon entfernt, meinen Betrieb zuzumachen.» Aber hey, der Green Deal läuft super.

Was geschah dann? Die Blockaden um die Raffinerie in Cork und zwei Kraftstoffdepots in Galway und Foynes schneiden rund 50 Prozent der nationalen Kraftstoffversorgung ab. Rund 600 Tankstellen im ganzen Land sind trocken. Schulen schliessen früher. Krankenhäuser rationieren Treibstoff für Krankenwagen. Taoiseach Micheál Martin nennt das Ganze einen «Akt nationaler Sabotage» — als wäre es Sabotage, wenn Menschen aufhören, ihren eigenen wirtschaftlichen Ruin klaglos hinzunehmen.

Und jetzt das Sahnehäubchen für alle Freunde demokratischer Verhältnisse: Am 9. April ordnete die Regierung den Einsatz der irischen Streitkräfte an, um Blockaden zu räumen. Militär gegen Traktoren. Armee gegen Bauern. Das nennen wir in Europa den Rechtsstaat. Garda-Commissioner Justin Kelly liess verlauten: «Wir haben die Blockierer fair gewarnt, dass wir in eine Durchsetzungsphase übergehen und sie haben sich entschieden, das zu ignorieren.» Wie man es von einem Land in der Krise erwartet: Zuerst ignorieren, dann drohen, dann räumen. Dialog? Den gibt’s für anerkannte Verbandsvertreter. Die Demonstranten selbst wurden nicht zur Verhandlung eingeladen, weil sie keiner offiziell anerkannten Körperschaft angehören. Grassroots-Bürger sind halt keine Gesprächspartner – sie sind ein Problem.

Und die EU? Man könnte meinen, Brüssel würde sich einmal stillhalten. Falsch gedacht. Der irische Aussenminister verhandelt gerade mit der EU, um «Flexibilität» bei der EU-Verbrauchsteuerrichtlinie zu erhalten – denn diese Richtlinie begrenzt, wie weit Mitgliedstaaten die Kraftstoffsteuern überhaupt senken dürfen. Das ist keine Randnotiz. Das ist der Kern der Sache. Die EU hat ihren Mitgliedsstaaten per Direktive verboten, ihre Bürger in einer Energiekrise ausreichend zu entlasten. Ein Mindeststeuergebot auf Kraftstoff, das sich in Krisenzeiten als Deckel nach unten entpuppt. Bravo, Brüssel. Wirklich. Unübertroffen.

Grüne Träume, leere Tanks: Irland zeigt Europa, wie man kämpft

Justizminister Jim O’Callaghan liess derweil wissen, die Demonstranten würden von «äusseren Akteuren» manipuliert — der obligatorische Reflex jeder Regierung, der keine Argumente mehr bleiben. Wenn Bauern, Spediteure und Taxifahrer gleichzeitig auf die Strasse gehen, ist das offenbar kein Volksprotest mehr, sondern eine Verschwörung. Praktisch, diese Logik.

Irland ist dabei nicht allein. Das ist der Teil, den die Nachrichtenredaktionen am liebsten im Kleingedruckten verschwinden lassen. Europaweit rumort es. Die Bauernproteste von 2024 in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Polen waren kein Betriebsausflug – sie waren ein Vorgeschmack. Überall das gleiche Muster: Steigende Produktionskosten durch EU-Auflagen, Treibstoffsteuern als Klimainstrument, Betriebe am Rand der Rentabilität und Regierungen, die lieber Aktenordner zitieren als zuhören. Niedrigeinkommensfamilien in Irland geben inzwischen zwölf Prozent ihres Einkommens für Kraftstoff aus – doppelt so viel wie der EU-Durchschnitt. Das ist die soziale Realität hinter dem Green Deal. Das ist die Quittung für eine Politik, die in der Theorie die Welt rettet und in der Praxis Existenzen vernichtet.

Die Mobilisierung in Irland läuft über Social Media, dezentral, ohne klassische Gewerkschaftsstrukturen oder Dachverbände. Die Gruppe «People of Ireland Against Fuel Prices» koordiniert Konvois und Versammlungen über soziale Plattformen. Das ist das Modell des Widerstands 2026: Keine Zentrale, keine Führungsfigur, die man diskreditieren kann, kein Briefkopf, den man ignoriert. Nur Menschen, die beschlossen haben, dass es genug ist.

Was bleibt? Die Proteste am Whitegate haben erste Erfolge erzwungen: Gespräche laufen, ein Fuel Support Scheme soll kommen. Realpolitik funktioniert offenbar dann, wenn der Spritpreis das Thema ist und Traktoren die Verhandlungsführer. Das sollte man sich merken. In anderen Ländern auch.

Irland hat vorgemacht, was passiert, wenn der Geduldsfaden reisst – nicht bei Extremisten, nicht bei Populisten, sondern bei Leuten, die einfach ihren Hof bewirtschaften, ihren LKW nutzen und ihre Familie ernähren wollen. Die Antwort der Obrigkeit war Militär und Schweigen. Die Antwort der Strasse war: Wir bleiben.

Grüne Träume, leere Tanks: Irland zeigt Europa, wie man kämpft


ANZEIGE: Du suchst nach dem einfachsten Weg, Bitcoin zu kaufen und selbst zu verwahren? Die Relai-App ist Europas erfolgreichste Bitcoin-App. Hier kaufst Du Bitcoin in wenigen Schritten und kannst auch Sparpläne einrichten. Niemand hat Zugriff auf Deine Bitcoin, ausser Du selbst. Relai senkt jetzt die Gebühr auf 1 %, mit dem Referral-Code REL105548 sparst Du weitere 10 %. (keine Finanzberatung). Disclaimer wg. EU-Mica-Regulierung: Die Dienste von Relai werden ausschliesslich für Einwohner der Schweiz und Italien empfohlen.

Psst, folge uns unauffällig!

Unterstütze uns!

 
«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!
 


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!