A Quiet Place

A Quiet Place

20181 h 31 min
Kurzinhalt

Die Welt ist von rätselhaften, scheinbar unverwundbaren Kreaturen eingenommen worden, die durch jedes noch so kleine Geräusch angelockt werden und sich auf die Jagd begeben… Lediglich einer einzigen Familie gelang es bisher zu überleben. Der Preis hierfür ist jedoch hoch: Ihr gesamter Alltag ist darauf ausgerichtet, sich vollkommen lautlos zu verhalten, denn das kleinste Geräusch könnte ihr Ende bedeuten...

Metadaten
Titel A Quiet Place
Original Titel A Quiet Place
Regisseur John Krasinski
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 3 April 2018
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Bilder
Trailer

„A Quiet Place“ ist der vermutlich ruhigste Horrorfilm seit der Stummfilmzeit. Nie war es so beängstigend, im Kino eine Stecknadel fallen zu hören, denn sobald die Stille gestört wird, wird die Familie in dem Film von etwas Bösem heimgesucht. Die einzige Chance zu überleben ist die absolute Stille. „A Quiet Place“ beschwört eine durchgehend an den Nerven zehrende Atmosphäre herauf.

Schon die simple, aber originelle Grundidee macht „A Quiet Place“ zu einer Besonderheit im oftmals lauten und überdrehten Horrorfilmgenre. Bis auf ein paar dahingeflüsterte Sätze fällt hier kein Wort. Stattdessen kommunizieren die Protagonisten in der Gebärdensprache, was der gehörlosen Regan, auch Darstellerin Millicent Simmonds ist taub, entgegenkommt. Bereits zu Anfang kreiert Krasinski in seiner dritten abendfüllenden Regiearbeit ein beklemmendes, von permanenter Gefahr durchdrungenes Endzeitklima, wobei er die Hintergründe der Apokalypse bewusst nicht näher erläutert. Durch ein geschicktes Spiel mit der Tonspur versetzt der Survival-Thriller den Zuschauer in einen permanenten Unruhezustand und schafft es, die Spannung konstant aufrechtzuerhalten. Ruhige Passagen wechseln sich mit hektischen Momenten ab, die häufig von Marco Beltramis bedrohlich pulsierender Musik begleitet werden. Anders als viele ähnlich gelagerte Werke lässt sich „A Quiet Place“ ausreichend Zeit, um seine Figuren mit all ihren Sorgen und Frustrationen vorzustellen und ihren bedrückenden Alltag samt ausgeklügelten Überlebensstrategien zu skizzieren. Eine Beziehung zu den Abbotts baut man auch deshalb auf, weil die Darsteller eine keineswegs genreübliche Intensität an den Tag legen. Dass Krasinski an einigen Stellen auf handelsübliche Schockeffekte zurückgreift und das Ende etwas zu pathetisch werden lässt, schadet seinem fesselnden Schocker nicht, der im Übrigen mit einem starken Monsterdesign punkten kann.

Der ganze Plot erinnert an Kult-Horrorregisseur M. Night Shyamalan, denn in „A Quiet Place“ kann man vor der Panik nicht davonlaufen, man kann nur versuchen, sich auf Zehenspitzen davonzustehlen. Gekonnt weiss Krasinski mit der grossen Stärke seines Filmes zu spielen – der Stille, die in die Gehörgänge der Zuschauer kriecht und dort die Nerven genüsslich anspannt. Bis auf ein Grundrauschen im Stile David Lynchs ist meist nichts zu vernehmen. Zugleich setzt „A Quiet Place“ immer wieder auf handelsübliche Schockeffekte des Horrorgenres, ohne sich in Blutorgien zu ergehen. Wenn im letzten Drittel in atemlosem Tempo ein dramatischer Höhepunkt auf den anderen folgt, wirken einige der Wendungen ein wenig überstürzt, wenn nicht gezwungen. Die Genre-Paukenschläge gehen ein wenig auf Kosten der Atmosphäre und auch die gut animierten Monster sind in ihrer ganzen Pracht vielleicht nicht mehr ganz so unheimlich wie zuvor, als ihre Gestalt noch weitgehend der Vorstellung des Betrachters überlassen war, aber das an diverse klassische Kreaturen aus der Genregeschichte erinnernde Design ist schlüssig und effektiv. Besondere Bedeutung hat bei den blinden Monstern übrigens sinnvollerweise das sehr originell gestaltete Ohr. Und damit schliesst sich dann wieder der Kreis zum übergreifenden Thema der Stille und des (Nicht-)Hörens.

„A Quiet Place“ ist auf seine ganz eigene Art auch ein Plädoyer dafür, seine Worte (und Geräusche) mit Bedacht zu wählen und zugleich genau hinzuhören. Eine funktionierende Kommunikation ist überlebensnotwendig. Obwohl die Handlung in „A Quiet Place“ nicht immer logisch ist und definitiv nichts für zartbesaitete Kinogänger, ist er aber doch ein stimmiger Thriller zum Nägelkauen. Krasinskis dritte Regiearbeit ist einer der Meilensteine der Filmgeschichte, endlich mal wieder eine komplett neue Idee, die im Gedächtnis bleiben wird. Das Horrordrama „A Quiet Place“ ist unglaublich spannend, wie lange kein Film mehr und fasziniert mit einer ebenso einfachen wie genialen Prämisse, die vor allem in der ersten Filmhälfte nicht nur sehr effektiv, sondern auch intelligent und berührend umgesetzt wird. „A Quiet Place“ etabliert sein Szenario mit einfachsten Mitteln sehr effektiv. Die Stille und Atmosphäre ist sehr gut eingefangen und kann in den ersten beiden Akten überzeugen und den Zuschauer in den Bann ziehen. Leider stören einige seltame Entscheidungen der Protagonisten im dritten Akt das Gesamtergebnis. Nichtsdestotrotz ist „A Quiet Place“ jedem zu empfehlen, der auf spannende Thriller steht, einen richtigen Horrorfilm sollte man nicht erwarten.

Amusement

Amusement

20081 h 21 min
Kurzinhalt

Eine nächtliche Autobahnfahrt mit ihrem Freund bringt die junge Shelby in eine mörderische Situation, als eine Frau vom vor ihnen fahrenden Truck auf ihr Auto springt. Doch die wahre Gefahr droht von ganz woanders... Tabitha soll bei ihren Cousins babysitten, doch in ihrem Schlafraum ist es nicht gerade angenehm, vor allem wegen einer lebensgroßen diabolischen Clownspuppe, die in einem Stuhl hockt.... Eine verschwundene Freundin macht Lisa große Sorgen, also sucht sie mit ihrem Freund die abgelegene Pension auf, in der ihre Freundin übernachtet haben soll. Aber der dort hausende Besitzer hütet ein mörderisches Geheimnis... ...und was sie alle drei nicht wissen, ist, daß der geisteskranke Mörder, der sich diese perfiden Pläne ausgedacht hat, mit ihnen allen in einen speziellen Verbindung steht...

Metadaten
Titel Amusement
Original Titel Amusement
Regisseur John Simpson
Laufzeit 1 h 21 min
Starttermin 9 Oktober 2008
Website
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
Bilder
Schauspieler
Mit: Keir O'Donnell, Tad Hilgenbrink, Katheryn Winnick, Laura Breckenridge, Jessica Lucas, Reid Scott, Rena Owen, Kevin Gage, Brennan Bailey, Preston Bailey, Fernanda Dorogi, Karley Scott Collins, Jadin Gould, Shauna Duggins, Eyad Kurd-Misto, Alisha Boe, Ashley Arnold
Trailer

Regisseur John Simpson (Freeze Frame) und sein Autor Jake Wade Wall klatschen in ihrem schrägen Horrorstreifen „Amusement“ munter alle in den Sinn kommenden Genrezitate zusammen, was in ein kleines Fiasko ausartet. Die Elemente des Werkes für sich allein betrachtet sind eigentlich sehr souverän in Szene gesetzt worden, schaffen es aber dann nicht, sich am Ende zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Es steckt unheimlich viel unheimliches Potential in „Amusement“, doch leider wurde das nicht richtig bzw nicht vollkommen ausgeschöpft.

Drehbuchschreiber Wall, der sich zuvor für die Vorlagen zu den überflüssigen Remakes „Unbekannter Anrufer“ (2006) und „The Hitcher“ (2007) verantwortlich zeichnete, hat mit seiner sehr eigenwilligen Verschmelzung altbekannter Gruselstoffe, wie zum Beispiel „Joy Ride“ (2001) oder eben Robert Harmons „Hitcher – Der Highway Killer“ (1986), Slasher-Klassikern wie „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978), Poltergeist (1982) oder diversen Spukhaus-Storys, vermutlich tatsächlich einen sehr vielversprechenden, innovativen Ansatz vor Augen gehabt, aber diesen letztlich doch nicht so zufriedenstellend und homogen wie geplant zu Papier bringen können. „Amusement“ zieht ein anfangs recht schnell in seinen Bann und hat eine hervorragende Optik. Leider hat der Film doch einige Hänger, vor allem in der Mitte, sonst wäre da wohl mehr drin gewesen.

„Amusement“, der seinem Titel in besagtem Finale eindeutig zu penetrant Rechnung trägt, hätte ein schicker Episoden-Grusler im Stil von „Geschichten aus der Gruft“ werden können, aber verbaut sich mit seinem arg zusammengeschusterten Rahmen-Konzept um drei ehemalige Schulfreundinnen, die nacheinander schrecklichen Ereignissen zum Opfer fallen, deren Ursache irgendwo in ihrer gemeinsamen Kindheit verwurzelt zu sein scheint, die Möglichkeit, seine Spannungselemente wirklich auszuspielen. Finstere Truckfahrer, lebensgrosse Clown-Puppen mit einem offensichtlichen Eigenleben, recht ungemütliche Schauplätze, mysteriöse Geräusche vom oberen Stockwerk sowie Regen, Blitz und Donner – das sind alles Zutaten, die den Genre-Fan bei vernünftiger Umsetzung durchaus in Entzückung versetzen. Und tatsächlich würde man dem Regisseur grosses Unrecht tun, wenn man behaupten würde, dass diese Elemente bei ihrem Einsatz ihre gewünschte Wirkung verfehlt hätten.

Ein Highlight ist „Amusement“ im Endeffekt keineswegs geworden, weiss aber durch die etwas andere Erzählweise und die Kombination von mehreren Episoden, durchaus zu unterhalten. Schade ist nur, dass der gesamte Film näher betrachtet wahnsinnig unlogisch ist und zahlreiche Ungereimtheiten beinhaltet. Eine äusserst brüchigen Story, deren lose Enden später in Form einer geradezu peinlichen Psycho-Zirkusnummer verknüpft werden, helfen auch die guten Ansätze und das ganze Arsenal an Zitaten aus mehr als vierzig Jahren Genre-Geschichte nicht aus, um dem Kuddelmuddel doch noch zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu verhelfen. Solide Darsteller, eine gekonnte Inszenierung, eine unheimliche Atmosphäre und Kurzweil entschädigen dafür allerdings und so ist „Amusement“ brauchbare Horrorunterhaltung für zwischendurch.

Shot Caller

Shot Caller

Jede Sicherheit hat ihren Preis

20172 h 05 min
Kurzinhalt

Nachdem Familienvater Jacob einen tödlichen Verkehrsunfall verschuldet hat, muss er ins Gefängnis. Sieben Jahre Haft stehen ihm bevor und die Gewalt im Knast lässt ihn beinahe verzweifeln. Also schließt er sich einer Gang an, die ihm innerhalb der Gefängnismauern Schutz vor den anderen Häftlingen garantiert. Doch diese Sicherheit hat ihren Preis - und der ist hoch. Als er nach Ablauf seiner Strafe wieder auf freien Fuß kommt, holt ihn seine Vergangenheit alsbald wieder ein, denn seine einstigen Beschützer fordern nun weitere Gefallen von ihm. Er soll eine rivalisierende Bande in den Straßen Südkaliforniens vernichten. Damit setzt ein knallharter Kampf ums Überleben ein, bei dem seine Familie zwischen die Fronten gerät...

Metadaten
Titel Shot Caller
Original Titel Shot Caller
Regisseur Ric Roman Waugh
Laufzeit 2 h 05 min
Starttermin 13 Juli 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Schauspieler
Mit: Nikolaj Coster-Waldau, Omari Hardwick, Lake Bell, Jon Bernthal, Emory Cohen, Holt McCallany, Benjamin Bratt, Jeffrey Donovan
Trailer

Werbewirksam prangt der Name des Game Of Thrones-Star Nikolaj Coster-Waldau (Jaime Lannister) auf dem Cover eines unbekannten neuen Films namens „Shot Caller“. Tätowiert und mit markanter Gesichtsbehaarung. Doch was macht „Shot Caller“ nun sehenswert, sowohl für Fans von Coster-Waldau als auch sonstigen Filmfans dort draussen? Regisseur Roman Waugh inszeniert den Knast nicht als Zwischenraum, sondern als ziemlich direktes Spiegelbild des bürgerlichen Lebens. In beiden Welten müssen Privilegien und Respekt hart erarbeitet werden, nur sind die dafür eingesetzten Mittel hinter Gittern deutlich drastischer und rabiater.

Autor und Regisseur Ric Roman Waugh blickt auf eine lange Karriere im Stunt-Geschäft zurück, wo er u.a. an John Carpenters „Sie Leben“ und „Lethal Weapon 2“ mitwirkte. Er arbeitete mit allen Grössen des Geschäfts wie John Woo (Harte Ziele), Jean-Claude Van Damme (Harte Ziele, Universal Soldier) oder Arnold Schwarzenegger (Last Action Hero) und an Kultfilmen wie „The Crow“, ehe er mit „Shadows Of Death“ 2001 sein Debüt als schreibender Regisseur gab. 2008 ging Waugh dann filmisch erstmals hinter Gittern, denn „Felon“ mit Stephen Dorff und Val Kilmer erzählt die Geschichte eines Familienvaters, der einen Eindringling tötet und dafür in den Knast geht. Die thematischen Parallelen zu „Shot Caller“ sind unübersehbar, auch wenn sich die beiden Filme in der Umsetzung doch sehr unterscheiden. Gefängnisfilme funktionieren in aller Regel nach den immer selben Mechanismen. Egal ob Henri Charrière in „Papillon“ trotz gebrochener Füsse unentwegt Fluchtpläne schmiedet oder der Todeskandidat Matthew Poncelet in „Dead Man Walking“ eine Nonne um Beistand bittet – das Leben hinter Gittern ist typischerweise nur eine Art Durchgangsstation auf dem Weg in die Freiheit oder in den Tod. Nicht so im packenden, wenn auch in den Szenen ausserhalb der Gefängnismauern arg konventionellen Thriller „Shot Caller“.

Der Titel „Shot Caller“ leitet sich von der englischen Redewendung „to call the shots“ ab, was übersetzt „das Sagen haben“ bedeutet. Der „Shot Caller“ ist also derjenige, der für andere entscheidet, wie etwas abläuft. Coster-Waldau beweist in „Shot Caller“ Mut zur Hinterwäldler-Hässlichkeit. Sein Schauspiel entpuppt sich auch in intimeren Momenten als äusserst souverän, etwa wenn die Kamera beim Verfassen eines Abschiedsbriefs für seinen Sohn ganz nah ans Gesicht heranrückt. Er trägt den Film souverän und verkörpert seine innerlich zerrissene Figur glaubwürdig. Der liebende Jacob verroht zunehmend und schreckt im Kampf ums tägliche Überleben schliesslich auch vor heimtückischen Mordkomplotten nicht zurück. Um sich und seine Familie zu schützen, ist ihm jedes Opfer Recht – sogar seine eigene Freiheit. Eingesperrt hinter Stacheldraht und Betonmauern steigt Money durch Loyalitätsbeweise wie Drogenschmuggel in seinem Körper und zunächst widerwillig begangene Auftragsmorde immer weiter auf, bis er schliesslich „die Schlüssel“ besitzt. Damit geht das Privileg einher, die auf der Lohnliste der Arischen Bruderschaft stehenden Gefängniswärter nach seinem Willen handeln zu lassen. Trotz anfänglicher Gewissensbisse verdient er sich mit brachialen Mitteln eben genau jenen Respekt, der ihm zuvor in seinem bürgerlichen Leben versagt blieb, wenn er etwa bei einem Basketballspiel von einem Büro-Kollegen grundlos und ungestraft umgerammt wurde.

Während er sich durch seine Gang-Zugehörigkeit hinter Gittern immer sicher fühlen konnte, entgeht Money gleich am ersten Tag in Freiheit auf einer Willkommensparty nur knapp einem Mordanschlag. Wo im Knast Ehre und Loyalität regieren, wird er nach der Entlassung schon bald von einem engen Freund gelinkt. Und so ist es gut nachvollziehbar, für welche der beiden Welten sich Money schlussendlich entscheidet – eine begrüssenswert radikale Abkehr vom üblichen Narrativ des Gefängnisfilms. Passend zu den Schauplätzen und der allgemeinen Situation des Protagonisten hat Waugh einen extrem atmosphärischen Film komponiert. Kameraführung und Bildqualität greifen visuell die Stimmung auf, die immer wieder vorwiegend zwischen bedrohlich und beklemmend pendelt. Popcorn-Kino ist hier nicht, das würde einem dann doch zu oft im Halse stecken bleiben – was absolut als Lob zu verstehen ist. Auch akustisch liefert „Shot Caller“ Qualität auf hohem Niveau, die Filmmusik passt herausragend zur Szenerie und speziell in den handfesten Auseinandersetzungen sind direktionale Effekte und intensive Effekte grandios platziert, um genau die richtigen Akzente zu setzen, um die Stimmung zu verstärken.

Gefängnis-Filme sind eine Kunst für sich und von besonderen Herausforderungen begleitet – wenn ein Vertreter dieses Genres gelingt, muss er zwangsläufig verdammt gut sein. „Shot Caller“ darf als Paradebeispiel für diese Kategorie angesehen werden, Ric Roman Waugh zeichnet in seinem Knast-Thriller auf beeindruckende und glaubhafte Weise das Machtgefüge hinter Gittern nach und liefert mit einer packenden und harten Story grandiose Arbeit ab. Dabei kann er sich auf eine hervorragende Darstellerriege verlassen, die angeführt von Nikolaj Coster-Waldau mit einer nicht genug zu lobenden Intensität aufspielt. „Shot Caller“ ist eindringlich, wortkarg, zeigt eine komplexe Figur, die es einem oft schwer macht, sie gern zu haben. Man leidet mit ihr und wird zugleich von ihr geschockt. Darüber hinaus ist der Film optisch schön eingefangen und montiert, authentisch, mit stimmiger Musik unterlegt und gut geschrieben. Möchte man etwas kritisieren, dann wäre es sein Fokus, denn wer sich (noch) mehr für die Zeit hinter Gittern interessiert wird von den Gegenwarts-Szenen herausgerissen und umgekehrt. Dennoch drehen sich beide Handlungsstränge um die Frage nach dem Preis, den man für Sicherheit zu zahlen bereit ist – und schrecken nicht vor Antworten zurück, die nicht jedermann schmecken werden.

Wrecker – Death Truck

Wrecker

20151 h 23 min
Kurzinhalt

Zwei beste Freundinnen machen sich auf einen Roadtrip durch die Wüste. Doch als sie sich entschließen, die Autobahn zu verlassen, um eine Abkürzung zu nehmen, haben sie bald einen Psychopathen in einem Truck hinter sich. Und der macht sich einen Spaß daraus, ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel zu starten

Metadaten
Titel Wrecker
Original Titel Wrecker
Regisseur Michael Bafaro
Laufzeit 1 h 23 min
Starttermin 6 November 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
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Ein bisschen „Duell“ von Steven Spielberg, ein bisschen „Jeepers Creepers“, in „Wrecker – Death Truck“ legen sich zwei naive Schönheiten mit einem mordlüsternen Truckfahrer an, der die beiden quer durchs Nirgendwo hetzt. Der Film kommt nicht annähernd an die Vorbilder heran, vermag aber dennoch zu unterhalten.

Die Geschichte beschränkt sich darauf, dass sich die düsenden Damen und der Truck wahlweise gegenseitig überholen und ständig ziemlich dicht aufeinander auffahren. Mit fiesen Psychotricks versucht der Trucker die Girls in den Tod zu treiben. Die beiden Hauptdarstellerinnen kreischen sich mehr schlecht als recht durch ein Drehbuch, das von jemanden zu Papier gebracht wurde, der nicht sonderlich erfahren im Schreiben von Horrorgeschichten ist. Nur so lässt sich erklären, weshalb in diesem Strassenduell Dinge passieren, die sich mit logischem Menschenverstand nicht erklären lassen. „Duell“ bringt es auf den Punkt, denn die Drehbuchschreiber Evan Tylor (fungierte ebenso als Produzent) und Michael Bafaro (gleichzeitig Regisseur) haben mit ihrem Horror-Thriller eine Light-Version des Kult-Streifens von Steven Spielberg auf Zelluloid gebannt, dem all jene Zutaten fehlen, die einst Spielbergs Highway-Hatz zum Erfolg verholfen haben.

Statt mit schwindelerregenden Überholmanövern und elektrisierender Hochspannung zu unterhalten, quält der Streifen mit unerbittlicher Langeweile, hysterischem Hühnergeschrei und sinnbefreiten Handlungsverläufen. Dazwischen langweilt der Film mit ewig langen Aufnahmen der Landstrasse, des Tachos und des roten Mustangs, den die Frauen fahren. Die beiden Hauptpersonen sind hochgradig unsympathisch, heulen hysterisch herum, machen dumme Sachen, reissen verschreckt im Scheinwerferlicht die Augen auf und murmeln „Oh mein Gott“. Dabei passiert aber die ganze Zeit gar nichts. Den ersten halbwegs coolen Schockeffekt gibt es nach sage und schreibe 56 Minuten. Ausserdem ist „Wrecker“ derart schlampig gefilmt, dass sich der Auspuff biegt. War eben noch der Berg links von der Strasse und rechts das Tal – ist es plötzlich alles umgekehrt. Aber egal, merkt ja keiner. Verändert sich in jeder Einstellung deutlich sichtbar die Geschwindigkeit der Autos? Sind wir gerade zum siebten Mal an derselben Raststätte vorbeigefahren? Ändert sich ständig die Farbsprache des Filmes? Auch Wurst, Hauptsache der Mustang sieht toll aus und brummt schön laut. Und noch mal den Fuss auf dem Gaspedal reingeschnitten und die Tachonadel flippt aus. Hurra!

In dem Asphalt-Filmchen „Wrecker“ geht alles drunter und drüber. Flache Charaktere, miese Dialoge, dumme Handlungsverläufe und kaum Spannung. Das ist nicht gerade das, was man von einem Film erwartet, in dem Protagonisten bei mindestens 100 Kilometer pro Stunde über schmale Strassen gejagt. „Wrecker“ ist die wohl bedeutungsloseste und überraschungsärmste Highway-Hatz, die man bisher zu sehen bekommen hat, obwohl Filme wie „Duell“ und „Joyride“ gezeigt haben, wie man es richtig macht. „Wrecker“ kopiert fleissig, aber nicht sonderlich klug. Da genügt es letztendlich auch nicht mit deftigen (und zugegeben unerwarteten) Schocks Helfer in den Filmhimmel zu treiben, um vom desaströsen Flickwerk ablenken zu können. „Wrecker“ ist ein enttäuschendes Katz- und Mausspiel über staubige Strassen, das so übel inszeniert wurde, dass eine unfreiwillige Komik nicht von der Hand zu weisen ist.

Wolves at the Door

Wolves at the Door

20161 h 13 min
Kurzinhalt

Wolves at the Door spielt im Jahr 1969 in den Hollywood Hills. Hier haben sich die vier Freunde Sharon, Abigail, Wojciech und Jay in einem eleganten Haus zusammengefunden, um eine kleine Abschiedsfeier zu geben. Der "Sommer der Liebe" nimmt für die Feiernden allerdings bedrohliche Ausmaße an, als ein paar Fremde in das Haus einfallen. Die Eindringlinge scheinen nur gekommen zu sein, um ihre Opfer zu quälen, und haben tödliche Absichten, weshalb in dieser Nacht ein blutiger Überlebenskampf entbrennt.

Metadaten
Titel Wolves at the Door
Original Titel Wolves at the Door
Regisseur John R. Leonetti
Laufzeit 1 h 13 min
Starttermin 21 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
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Der „Sommer der Liebe“ von 1969 entwickelt sich für eine Gruppe junger Leute zum Albtraum. Der sektenähnlich organisierte Clan von Charles Manson tötet die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate und ihre drei Gäste sowie einen weiteren Mann auf brutale Weise. Regisseur John R. Leonetti (Annabelle, Butterfly Effect 2) lehnt seinen neuesten Horrorstreich „Wolves At The Door“ lose an dieses berühmte Verbrechen an. Herausgekommen ist ein schaler Horrothriller, bei dem sich die Macher zu sehr auf einen vermeintlichen „Based on a true story“-Bonus verlassen und keine rechte Spannung aufkommt.

Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen gehen immer. Abermals ist Hollywood dreist und versucht mit einem der grausamsten Kapitel in der amerikanischen Geschichte Geld zu machen. Der Mythos um Charles Manson ist bis heute ungebrochen. Seit 48 Jahren sitzt der ehemalige Sektenführer, der seinen Anhängern in Anlehnung an den gleichnamigen Beatles-Song vom „Helter Skelter“ (gemeint ist die Apokalypse) predigte, hinter Gittern. Als diabolische Ikone ist Manson zu einem festen Teil der Popkultur avanciert, wovon nicht nur der Künstlername eines berühmten Musikers zeugt. Genau an diesem Punkt setzt John R. Leonetti den erzählerischen Hebel an und nimmt sich mit den Tate-Morden einen schlagzeilenträchtigen „Höhepunkt“ aus der Akte der Manson Family vor, die in der Woche nach jenem Blutbad in Roman Polanskis Haus von der Polizei geschnappt wurde. Regisseur John R. Leonetti meint es gut und überfrachtet seinen Überlebenstrip mit Schockmomenten und Horror-Elementen. Leider will nur selten Spannung aufkommen, weil frische Ideen fehlen und die wenigen Einfälle aus besseren Horrorfilmen geklaut wurden.

Die kulturelle und politische Dimension des Stoffes scheint den Regisseur allerdings herzlich wenig zu interessieren, er spult in sportlichen 73 Minuten lediglich ein einfallsloses Home-Invasion-Szenario herunter und scheint sich auf den Mythos der historischen Grausamkeit verlassen zu wollen. Mit Texteinblendungen zu Beginn und Originalaufnahmen von Manson und seinen Schergen am Ende setzt er die Handlung in einen geschichtlichen Kontext, aber auch diese Klammer gibt dem belanglosen und austauschbaren Treiben im Hauptteil keine tiefere Bedeutung. Der besteht aus bedeutungsschwangeren Szenen, bevölkert von schablonenhaften Figuren und viel Luft um nichts. Immer wieder vertut Leonetti die Zeit mit Effekthascherei und willkürlichem Bangemachen, eine erzählerische Logik ist dabei kaum zu erkennen und besonders wirkungsvoll fallen die meisten dieser Szenen auch nicht aus, ganz im Gegenteil: Wenn die vier Ozzy-Osbourne-Verschnitte im und um das Haus herumschlurfen, vermeintlich angsteinflössend an Fenster klopfen oder Küchengeräte einschalten, hat das mit glaubhaftem Erzählen nicht mehr viel zu tun – ganz unabhängig von den historischen Fakten. Wo es um Hörigkeit, Gruppendynamik und niederschmetternde Grausamkeit gehen könnte und sollte, lugt hier höchstens einmal unfreiwillige Komik hervor. Selbst von einer soliden Horror-Routine, die man von einem Genrespezialisten wie Leonetti, der zum Beispiel auch für die Kamera bei James Wans „Conjuring“ verantwortlich war, durchaus erwarten kann, sind wir meilenweit entfernt.

Generell hat „Wolves at the Door“ ein grosses Problem und das nennt sich „The Strangers“. Der Überlebensthriller aus dem Jahr 2008 schien hier als Vorbild gedient zu haben. Schaut man nämlich genauer hin und lässt den wahren Hintergrund ausser Acht, könnte „Wolves at the Door“ auch als weitere Fortsetzung genannten Terrorstreifens durchgehen. Die Abläufe gleichen sich und auch die Identität der Bösewichte bleibt weitestgehend unerforscht. Nur Texttafeln am Ende des Films klären historische Zusammenhänge auf. Nach „Annabelle“ und „The Butterfly Effect 2“ hat Regisseur Leonetti abermals kein Glück bei der Wahl des Filmstoffs. Was er bisher fabriziert hat, konnte Kritiker und Horrorfans nicht überzeugen. Vielleicht wäre es zur Abwechslung demnach förderlich endlich mal Regie bei einem Film zu übernehmen, der sich weder Spin-Off, Fortsetzung oder Plagiat schimpft. „Wolves at the Door“ ist trotz wahrem Background eine Enttäuschung. Die Figuren stammen vom Reissbrett und der Fortgang der Geschichte ist überraschungsarm. Erstaunlicherweise blendet man weg, wenn es zur Sache geht. Das dürfte selbst ungeübte Zuschauer enttäuschen, die von einem Horrorfilm über die Manson-Morde zumindest etwas Blut erwartet haben. Übrig bleibt Geschrei, Gewinsel und die Flucht. Letztere wirkt wegen eigenartiger Entscheidung der Protagonisten schon leicht komisch.

Trotz Home-Invasion-Horror ist „Wolves at the Door“ hinsichtlich der Gewalt sehr zurückhaltend. Die meisten Taten passieren im Off oder werden nur angedeutet. Weil der spektakuläre Mordfall knapp 50 Jahre später immer noch für Gesprächsstoff sorgt, mussten die Geschehnisse noch einmal glattpoliert fürs Kino aufbereitet werden damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Dabei entstanden ist effekthascherischer Unfug, der sich einen Deut um Wahrheitsgehalt schert und nicht grundlos an Kinokassen scheiterte. Statt Ereignisse historisch korrekt aufzuarbeiten, hat man aus den schrecklichen Taten einen Horrorfilm für die jüngere Zielgruppe gemacht, der oberflächlich abhakt, was man in jedem Horror-Slasher neueren Datums zu sehen bekommt. Das dürfte selbst Sektenguru Charles Manson bitter aufgestossen haben. Die Geschichte über die Morde der Manson-Familie hätte eigentlich Potenzial, aber der Film nutzt dieses überhaupt nicht und ist nur ein belangloser Home-Invasion-Thriller mit kaum Spannung, zu vielen Klischees und ohne Schauwerte. Mit einer Laufzeit von knapp 70 Minuten ist der Film eindeutig zu kurz und somit bleibt auch keine Zeit, die Täter oder die Opfer näher zu beleuchten. Ohne Charaktertiefe kann man einfach kein Mitgefühl für die Opfer entwickeln und auch die Killer sind nur irgendwelche gesichtslose Typen. Von John R. Leonetti kann man scheinbar nur uninspirierte Horrorsüppchen erwarten.

It Comes at Night

It Comes at Night

20171 h 31 min
Kurzinhalt

Die Welt des Familienoberhaupts Paul (Joel Edgerton), seiner schüchternen Frau Sarah (Carmen Ejogo) und des Teenager-Sohns Travis (Kelvin Harrison Jr.) wird regelmäßig von einer bösartigen, pestähnlichen Bedrohung heimgesucht. Um Schutz vor den lebensgefährlichen Umständen zu finden, ziehen sie sich in ein abgelegenes Haus im Wald zurück. Doch die Ruhe wird gestört, als eines Tages der fremde Will (Christopher Abbott) versucht, die Vordertür des Hauses aufzubrechen. Will überzeugt die Familie davon, ihm bei der Suche nach seiner Frau Kim (Riley Keough) und seinem Sohn Andrew (Griffin Robert Faulkner) zu helfen und die beiden mit in den wohlbehüteten Schutzort zu bringen. Bald bricht jedoch Paranoia zwischen den neuen und alten Bewohnern aus.

Metadaten
Titel It Comes at Night
Original Titel It Comes at Night
Regisseur Trey Edward Shults
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 9 Juni 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Schauspieler
Mit: Joel Edgerton, Christopher Abbott, Carmen Ejogo, Kelvin Harrison Jr., Riley Keough, Griffin Robert Faulkner
Trailer

Der düstere Endzeit-Horror-Thriller „It Comes at Night“ erzählt von einer Welt, die den Kampf um die Menschenwürde schon verloren hat. Normalerweise spielt ein Horrorfilm mit unseren Ängsten und am Ende werden wir erlöst. Nicht so „It comes at night“, statt Katharsis gibt es nur Hoffnungslosigkeit. Ein postapokalyptischer Alptraum um eine Familie, die sich in einer abgelegenen Hütte vor dem Ende der Welt versteckt. Doch das Grauen ist längst unter ihnen.

It Comes at Night“ geht ganz bildhaft in eine Dunkelheit, die selten so konsequent nihilistisch ausgestaltet wurde. Die zweite Arbeit des 28-jährigen amerikanischen Nachwuchsregisseurs Trey Edward Shults sorgt auch unter nervengestählten Horrorfilmfans für Kontroversen. In „It Comes At Night“ geht es nicht, wie der Titel vermuten lässtt, um Monster, die nachts erwachen. Der Film zeigt, was Menschen einander antun, wenn die äusseren Umstände schwierig werden. Zu seiner unablässigen Intensität trägt bei, dass diese Umstände nie klar benannt werden. Irgendeine Epidemie sucht die Menschheit heim, eine unheilbare Krankheit, von der eine extreme Ansteckungsgefahr ausgeht. Dass die Zivilisation grösstenteils schon zusammengebrochen ist, lässt sich nur erahnen, weil es kein Fernsehen oder Radio, kein Internet und keinen Strom gibt. Auch Lebensmittel und Wasser sind rationiert. Die tief im Menschen verankerte Angst vor der Dunkelheit ist es, die weite Teile von „It Comes At Night“ so beunruhigend macht. Die physische Dunkelheit der äusseren Welt ebenso wie die verborgenen Schatten in den Seelen der nächsten Angehörigen.

Regisseur Trey Edward Shults baut meisterhaft aus einfachsten filmischen Mitteln eine fast fühlbare Atmosphäre von Terror und Trauer. Lange Kamerafahrten verlangsamen und verdichten das Geschehen, minutiös gesetzte Soundeffekte fahren genauso in die Glieder wie plötzliche Stille. „It Comes At Night“ legt menschliche Urängste frei, ohne sich im Geringsten für eine Katharsis zu interessieren. Im Gegenteil. Das letzte Drittel lässt keine noch so kleine Hoffnung auf Rettung. Shults hat über seinen Film gesagt, er habe ihn konzipiert, kurz nachdem sein Vater gestorben war und ihm auf dem Totenbett all seine Fehler, sein Bedauern und seine Reue gestanden hatte. Die übergrossen Gefühle, die Shults danach umtrieben, seien in das Drehbuch geflossen. Joel Edgerton (Loving) brilliert in dem Psychothriller als ehemaliger Geschichtslehrer, der alles tun würde, um seine Familie zu beschützen. In „It Comes at Night“ sehen wir die wuchernde Paranoia nicht nur wie bei Jack Torrance in „Shining“ von aussen, sondern werden selbst von ihr befallen. Das konsequent gegen die Erwartungen gebürstete Finale setzt dann allerdings wieder genau den passenden Schlusspunkt für eine Erzählung, bei der der Horror genau wie die um sich greifende Seuche aus dem Inneren kommt und sich dann unaufhaltsam nach aussen Bahn bricht.

Für seine Low-Key-Version des Endzeit-Thrillers braucht Shults keine Spezialeffekte und keine hyperaktive Action, sondern nur die einfache Erkenntnis, dass die Hölle immer die anderen sind sowie ein paar unaufgeregte Minimalisten als Schauspieler. Das Klima allgegenwärtiger Bedrohung schürt er knappe neunzig Minuten lang. Die Kamera hetzt die Menschen durch lange, enge Gänge und düstere Wälder. Unheimlich dumpfe Rhythmen suggerieren eine Macht, die sie vor sich hertreibt. Im schummrigen Licht bleiben die wahren Motive und Absichten immer verborgen. Das Erschütternde ist nicht ein greifbares Monster, sondern die Erkenntnis, dass jeder Moment des Vertrauens das eigene Schicksal besiegeln kann. Grausam, kompromisslos und spannend taucht der Survival-Thriller von Trey Edward Shults in die Psyche seiner Charaktere ab. Das traditionelle Genrepublikum sei daher gewarnt und ermuntert zugleich: Diese Geschichte enttäuscht Erwartungen. Und dann erfüllt sie diese wieder. Auf grausame Weise…

I Remember You

I Remember You

20171 h 46 min
Kurzinhalt

Der Isländer Garðar (Thor Kristjansson) kommt eigentlich aus der Stadt, doch auf einer abgelegenen Insel mitten im Nirgendwo hat er ein altes Haus erstanden, das er jetzt auf Vordermann bringen will. Seine Frau Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) und ihre gemeinsame Freundin Líf (Ágústa Eva Erlendsdóttir) wollen ihm dabei helfen und zunächst sieht es danach aus, als würde alles nach Plan verlaufen. Doch je länger sie an diesem unwirtlichen Ort verweilen, desto mehr häufen sich unheimliche Vorkommnisse, die sie sich nicht erklären können und die allesamt mit Kindern zu tun haben. Langsam wird klar, dass der Ort ein finsteres Geheimnis verbirgt. Und das irgendwie mit dem Psychologen Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) verbunden zu sein scheint, dessen Sohn vor Jahren verschwunden ist und von dem seitdem jede Spur fehlt...

Metadaten
Titel I Remember You
Original Titel Ég Man Þig
Laufzeit 1 h 46 min
Starttermin 5 Mai 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Trailer

Das isländische Kino hat schon mehrfach bewiesen, dass sein Land ein wunderbares Setting für düstere Filme abgibt. Mit „I Remember You“ will uns Óskar Thór Axelsson das Fürchten lehren. Der auf dem Roman von Yrsa Sigurðardóttir basierende Streifen wirft jegliche Rationalität über Bord und nutzt gekonnt die Kulisse der isländischen Abgeschiedenheit, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Freunde von Geistergeschichten finden in „I Remember You“ durchaus ansehnlichen Stoff.

„I Remember You“ beansprucht gleich zu Beginn die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. Der Film gibt sehr schön die Isländische Grundstimmung wieder, auch oder gerade weil diese etwas depressiv daherkommt. Die verschachtelte Geschichte isz gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn „I Remember You“ ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur Óskar Thór Axelsson besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht „I Remember You“ auch auf emotionaler Ebene glaubhaft, was vor allem Schauspieler Jóhannes Haukur Jóhannesson zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.

Der langsam und bedacht inszenierte Film beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reisserischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. „I Remember You“ besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!

Breakdown Lane

Breakdown Lane

20171 h 16 min
Kurzinhalt

Kirby Lane (Whitney Moore) fährt mit ihrem SUV durch die Wüste, als das Auto mitten in der Einöde eine Panne hat. Hilfe ist weit und breit nicht in Sicht und so muss die junge Frau bald feststellen, dass sie sich in einer misslichen Lage befindet, denn die Hitze brennt, sie hat kaum Wasser und droht zu dehydrieren. Dazu gibt es in der Gegend noch zahlreiche Kojoten, die sich als gefährlich erweisen. Doch der wahre Albtraum beginnt erst noch: Scheinbar auf sie zukommende Menschen erweisen sich schnell als Untote. Und plötzlich tauchen überall Zombies auf. Kirby Lane muss über sich hinauswachsen, wenn sie überleben will und alles, was sie in ihrem Auto findet, als Waffe nutzen...

Metadaten
Titel Breakdown Lane
Original Titel Breakdown Lane
Regisseur Bob Schultz, Robert Conway
Laufzeit 1 h 16 min
Starttermin 5 Januar 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
Bilder
Trailer

„Breakdown Lane“ ist C-Movie Trash, der sich selbst leider etwas zu Ernst nimmt. Überzeugt der Trailer des Filmes noch mit der langen Produktionsgeschichte und Unmengen an Zombies, ordentlichem Gore und sogar einigen wenigen atmosphärischen Höhepunkten, bleibt in der Endproduktion, welche durch Nach & Neu-Drehs völlig ruiniert wurde, nicht mehr davon übrig als Zombies und die Hübsche aus „Birdemic“! Da hilft es auch nicht, dass die Dunkelgother von Crematory den Soundtrack dazu beigesteuert haben.

„Breakdown Lane“ ist weder spannend, noch mitreissend, ebenso nicht wirklich brutal und leider in allen Belangen austauschbar und billig, stümperhaft produziert und vermag dadurch alles andere als zu überzeugen! Alles wirkt Zusammenhanglos und der qualitative Unterschied beider Versionen, welche hier zusammen geschnitten wurden, ist gänzlich unerträglich und dreist und daraus ergeben sich jede Menge Logik-Löcher. Dabei wäre Kirby eine sehr starke und interessante weibliche Hauptfigur, doch leider macht man nicht all zuviel daraus. Dennoch ziehe ich meinen Hut vor der Hauptrolle, den Withney Moore trägt den Film praktisch allein und dass macht sie sehr gut.

Die meisten Effekte sind allzu simples CGI, dabei hätten praktische Effekte dem Film mehr als nur gut getan. „Breakdown Lane“ im ganzen fühlt sich an wie eine verlorene Folge von „The Walking Dead“ – mit etwas mehr Humor. Ein Meisterwerk ist „Breakdown Lane“ sicher nicht, aber im Vergleich zu den meisten Zombie-Schlock-Filmen der letzten Jahre hätten wir hier einen ungeschliffenen Rohdiamant, Potenzial wäre vorhanden. Leider sind die besten Szenen aus dem ersten Trailer im fertigen Film nicht mehr zu finden und wurden teils durch schrecklich deplatzierte Comic-Schnipsel-Collagen ersetzt! „Breakdown Lane“ hat vieles falsch gemacht und bewährte Film-Rezepte und Regeln gebrochen. So ist das Eigentor leider nicht mehr zu verhindern. „Breakdown Lane“ kann man höchstens Zombiefans und Metalfreaks mit viel Bier, Freunden und eventuell ner Pizza empfehlen.

Don’t Hang Up

Don't Hang Up

20161 h 23 min
Kurzinhalt

Die jugendlichen Freunde Sam und Brady suchen sich wahllos Opfer für Telefonstreiche aus und stellen aus Spaß die Aufnahmen online, eventuelle Konsequenzen sind ihnen egal. Der Spieß wird umgedreht, als sie eines Abends einen Anruf entgegennehmen, der sich zunächst nach einem geschmacklosen Scherz anhört. Nach kurzer Zeit nimmt der vermeintliche Streich bedrohliche Züge an: Der anonyme Stalker scheint die Jungs genau zu kennen und bedroht deren Freunde und Familien, wenn sie nicht genau tun, was er ihnen sagt! Während sie fieberhaft nach einer Möglichkeit suchen, den Wahnsinnigen aufzuhalten, fordert sein krankes Spiel das erste Todesopfer, und der Abend hat erst begonnen …

Metadaten
Titel Don't Hang Up
Original Titel Don't Hang Up
Regisseur Damien Macé, Alexis Wajsbrot
Laufzeit 1 h 23 min
Starttermin 22 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Bilder
Trailer

„Don’t Hang Up“ ist ein Horrorthriller der sich im Genre üblichen Regal bedient und dieses auch nicht versucht zu verbergen. Kein origineller Psychoschocker also, aber durchaus unterhaltend. Geht es solchen „Bad-Prank-Teens“ an den Kragen, bin ich gerne mit dabei…

Was „lustig“ beginnt, wird schnell zum bitteren Ernst. Und das ist auch die Quintessenz dieses Psychothrillers, der einige makabere Überraschungen und Twists zu bieten hat. In „Don’t Hang Up“ wird nicht nur der Zuschauer manipuliert, auch die grünschnäbeligen Protagonisten werden heimtückisch an der Nase herumgeführt und dadurch gegeneinander ausgespielt. „Don’t Hang Up“ bewegt sich irgendwo zwischen Home-Invasion-Thriller und Horror-Kammerspiel und kommt im weitesten Sinne in der Tradition der „Joy Ride“ Filme daher. Ein rachsüchtiger Psychopath geht auf zwei hirnbefreite Arschlöcher los. Im Prinzip mag man keiner Seite so recht die Daumen drücken, aber es macht Spass, dem kurzweiligen Treiben zu folgen, das hier prägnant und ohne unnötige Längen gezeigt wird. „Don’t Hang Up“ wurde sauber inszeniert und versteht es zu fesseln. Die Story ist natürlich nicht besonders neu, dennoch schafft es der Film recht gut Spannung aufzubauen.

Die Regisseure Damien Macé und Alexis Wajsbrot zeichneten sich bisher für die visuelle Effekte in grossen Hollywood-Produktionen verantwortlich und feiern mit „Don’t Hang Up“ ihr Regiedebüt im ersten Langfilm. Der Film versteht es sich mit seiner zynisch-makaberen Art wohlwollend vom üblichen Einheitsbrei abzuheben. Die beiden Regisseure spielen gekonnt mit dem Spannungsbogen und lüften erst am Ende das Mysterium über den nach Rache dürstenden Anrufer. Dessen wahre Ambitionen haben einen triftigen Grund und ergeben erst kurz vor dem Abspann einen Sinn, wobei sich das Regie-Duo eine Tür fürs obligatorische Sequel offen hält. Nervenkitzel ist garantiert, denn der psychopathische Anrufer spielt nicht nur mit den Nerven der Zuschauer. Die Stimmung wird nach 20 Minuten unbequemer und verwandelt „Don’t Hang Up“ in einen unangenehmen Albtraum, der sowohl von den Helden als auch dem Zuschauer einiges abverlangt. Schauspielerisch bewegt sich der englische Horrorthriller im oberen Bereich. Die beiden Streichespieler verhalten sich auch der Situation angemessen, also mir sind zumindest keine grösseren Logikfehler aufgefallen. Doch das Finale ist dann tatsächlich arg vorhersehbar, da man es eben so oder so ähnlich bereits einige Male gesehen zu haben scheint.

„Don’t Hang Up“ bleibt im grossen und ganzen den Konventionen treu. Die Möglichkeit zur Kritik an soziale Medien wird leider nur angekratzt. Effektiv dient es nur als Aufhänger zum Storyaufbau. Die Übergänge zum gruseligen Thrill sind etwas holprig, funktionieren aber doch recht gut. Auch wenn die üblichen Genre-Zutaten Verwendung finden, ist das Endergebnis durchaus schmackhaft. Bitterböses Terror-Psycho-Kino, das kontinuierlich an der Spannungsschraube dreht, solide gespielt und stimmungsvoll inszeniert. Ebenso konventioneller wie ambitionierter Beitrag, der leider formal ein paar Fehler bereit hält. Das trübt das Filmerlebnis. Ansonsten schicker Horrorthriller und wer auf gemeinen Humor steht, wird gefallen finden an dem fiese Katz- und Mausspiel, auch wenn das ganze inhaltlich etwas vorhersehbar ist…

24 Hours to Live

24 Hours to Live

20171 h 34 min
Kurzinhalt

Der Tod seiner Familie hat dem Elitesoldaten Travis Conrad zugesetzt. Als ihm jedoch ein guter Freund, der mittlerweile für ein Militärunternehmen arbeitet, einen letzten Job anbietet, willigt Travis ein. Bevor er seinen Auftrag erledigen kann, wird er von einer Interpol-Agentin enttarnt und ausgeschaltet. Doch dann erwacht der Söldner auf einem Operationstisch und erfährt, dass ihn eine experimentelle Droge für weitere 24 Stunden am Leben hält. Zeit, die er für Rache nutzen will.

Metadaten
Titel 24 Hours to Live
Original Titel 24 Hours to Live
Regisseur Brian Smrz
Laufzeit 1 h 34 min
Starttermin 26 Oktober 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Bilder
Trailer

Ethan Hawke erwacht in „24 Hours to Live“ von den Toten und bekommt noch genau einen Tag zum Leben, bevor seine Zeit endgültig abgelaufen ist. Als ehemaliger Auftragskiller setzt er nun alles daran, Rache zu nehmen an den Menschen, die für seinen Tod verantwortlich sind. Ein actionreiches und blutiges Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Bis zu dem Punkt, an dem der Film leider auf zu viel Testosteron und operative Dummheiten setzt, macht „24 Hours to Live“ eigentlich ziemlich viel Spass.

Es müssen nicht immer Zombies sein, auch als lebende (Fast-)Tote können ganz normale Menschen angesichts ihres unausweichlichen Endes zu den Protagonisten einer spannenden und dramatischen Story werden. So wie Ethan Hawkes Figur im Action-Thriller „24 Hours To Live“, der genau ein Tag bleibt, um alles Wichtige zu regeln, bevor sie garantiert tot umfällt. So ganz neu ist die Idee nicht, bereits 1950 wurde ein Collegeprofessor mit einer langsam wirkenden tödlichen Substanz vergiftet und zeigte in „Opfer der Unterwelt“ den Mord an sich selbst bei der Polizei an. 1988 wurde die gleiche Story mit Dennis Quaid in „D.O.A. – Bei Ankunft Mord“ noch einmal verfilmt. Aber während der Held im klassischen Film Noir ein letztlich hilfloses Opfer war, was die fatal-bedrückende Atmosphäre noch unterstrich, gibt in „24 Hours to Live“ die Action den Ton an und Hawke ist auch als Leiche in spe noch ziemlich gefährlich. Brian Smrz (Hero Wanted) brennt in seiner erst zweiten Regiearbeit nach 30 Jahren Erfahrung als Stuntman ein beachtliches Feuerwerk aus Verfolgungsjagden und Schiessereien ab und liefert damit zufriedenstellende Genrekost.

Ethan Hawke gehört zu den wenigen Hollywood-Stars, dem das Publikum sowohl den sensiblen Schöngeist wie etwa in Richard Linklaters „Before“-Trilogie, als auch den kräftig zuschlagenden Actionhelden wie in „Das Ende – Assault on Precinct 13“ abnimmt. In „24 Hours To Live“ ist er eindeutig in der zweiten Eigenschaft unterwegs, auch wenn er seinen müden, melancholischen Killer durchaus mit Zwischentönen anlegt. Wie John Wick hat auch Travis Conrad einen Ehrenkodex, nach dem er lebt – und zur Not eben auch stirbt. Leider ist er die einzige Figur im ganzen Film, die einen Hauch von Tiefe bekommt, der Rest der Besetzung, wie die Chinesin Qing Xu (Looper) oder der deutlich unterforderte Liam Cunningham (Hunger), darf nur wandelnde Klischees verkörpern. Und auch die Story bleibt abgesehen von der recht originellen Grundidee komplett überraschungsarm.

Vorschaubild

Dennoch unterhält „24 Hours To Live“ recht gut, was zum einen an der Stunterfahrung von Regisseur Brian Smrz liegt. Denn der bringt sowohl Autoverfolgungsjagden, als auch heftige Schusswechsel und den Kampf Mann gegen Mann gut und dynamisch auf Leinwand. Dabei inszeniert er seine Action nicht ganz so virtuos, aber ähnlich brachial wie die Kollegen Chad Stahelski (John Wick) und David Leitch (Atomic Blonde) und lässt reichlich Blut fliessen. Zum anderen gibt es in den (zu) wenigen ruhigen Passagen einige Dialoge, die den Film von belangloser Actionmassenware abheben lässt. So ist vor allem das Gespräch zwischen Travis und Frank, kurz bevor sie die Asche von Frau und Sohn ins Meer streuen, mit einer gelungenen Mischung aus trockenem Humor und Herz gewürzt und damit bekommt dann auch „Blade Runner“-Altstar Rutger Hauer wenigstens eine schöne Szene.

Humans – Sie haben überlebt

Humans

Sie haben überlebt

20091 h 27 min
Kurzinhalt

Der französische Anthropologieprofessor Schneider begibt sich mit seinen beiden engsten Mitarbeitern in die Schweiz, um in einem abgelegenen Hochtal den Spuren einer frühzeitlichen Neandertalersiedlung nachzuspüren. Vor Ort kommt den Wissenschaftlern eine französische Urlauberfamilie in die Quere, und auch eine schwelende Beziehungskrise stört die Konzentration auf die Arbeit. Dann jedoch macht man mitten in der Wildnis die Entdeckung, dass die Neandertaler vielleicht so ausgestorben noch nicht sind, und plötzlich ist alles andere nicht mehr so wichtig.

Metadaten
Titel Humans
Original Titel Humains
Regisseur Jacques-Olivier Molon, Pierre-Olivier Thevenin
Laufzeit 1 h 27 min
Starttermin 22 April 2009
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Bilder
Trailer

No trailer added for this movie.

„Humans“ ist ein Backwood-Slasher aus Frankreich. Die Story ist an sich ganz gut, die Umsetzung ist leider aber nur mittelmässig gelungen. Die Location ist das Highlight in diesem Film. „Humains“ (wie der Film im Original heisst) ist sowas wie der kleine, zurückgebliebene Bruder von „The Hills Have Eyes“, der sich ins Schweizer Bergland zurückgezogen hat.

Mit dem Zug ins Lötschental? Ok, geschenkt. Nicht gut recherchiert, kann passieren. Was als Wissenschafts-/Abenteuerfilm in schöner Kulisse beginnt, endet leider etwas zu simpel in den üblichen Backwood-Klischees. Dass die beiden Regisseure vorher z. B. für die Effekte in „Inside“ verantwortlich waren, merkt man ihrem Debut leider nicht durchwegs an, der schrecklich animierte CGI-Autounfall im ersten Viertel des Films verleitet frühzeitig dazu, den Film nicht zu Ende zu schauen. Doch die düstere Atmosphäre und die aufgebaute Spannung lassen den Horror-Fan dies mit wohlwollen zu übersehen, sind wir doch von Trash-Movies durchaus schlimmeres gewohnt.

Das sozialkritische Thema hat ne Menge Wahrheitsgehalt, doch leider wird das Potenzial alles andere als ausgeschöpft und das Ende in den Sand gesetzt. Trotz zweier bekannter Gesichter (Dominique Pinon und Philippe Nahon) leidet „Humains“ vorallem in der zweiten Hälfte an Ideenlosigkeit und sorgt im direkten Vergleich zu anderen französischen Köstlichkeiten für einen eher billigen Abgang. Es gibt mittlerweile so viele Backwood-Slasher und dieser ist keiner, der besonders heraussticht, sondern vielmehr in der Masse untergeht. Wer auf dieses Genre steht und mit nicht allzu hohen Erwartungen an den Film rangeht, wird aber sicherlich gut unterhalten.

„Humans – Sie haben überlebt“ wirkt aber nicht billig. Doch leider fehlt es an Glaubwürdigkeit, da stirbt jemand und keinen scheint es wirklich grossartig zu interessieren, nicht mal wenn dieser ein enges Familienmitglied ist. Wer hier stirbt oder am Ende überlebt ist auch uns als Zuseher egal, die Charaktere sind schlecht in Szene gesetzt worden, einigen wünscht man fast den Filmtod da sie einem gehörig auf den Zeiger gehen. Die zufällig zusammengewürfelten Leute sind zwar recht schlecht charakterisiert, aber bildlich scheint, ausser dem genannten Autounfall, alles in Ordnung. Horrorfilme über mutierte Hinterwäldler sind keine Domäne mehr der an Wildnis noch so reichen USA, sondern können selbst in einer scheinbar mit Skiliften bis in den hintersten Winkeln zugetackerten Nation wie der Schweiz stattfinden. Routinierte Horrorschnitzeljagd mit hübscher Optik und mässigen Darstellern, die nicht annähernd an Filme wie „The Descent“ oder „The Hills Have Eyes“ herankommt und doch für Genre-Fans durchaus gute Unterhaltung bietet.

The Seasoning House

The Seasoning House

20121 h 30 min
Kurzinhalt

Im Zuge des Balkankriegs muss Angel mit ansehen, wie ihre Familie ermordet wird. Sie selbst wird von der gegnerischen Miliz verschleppt und in ein Vergewaltigungsbordell hinter der Front gesteckt, wo das taube Mädchen nun als eine Art Hausdiener die weiblichen Gefangenen wäscht, füttert und mit Drogen sediert. Als eines Tages die Mörder ihrer Familie im Bordell Station machen, ergreift Angel die Gelegenheit beim Schopf und beginnt aus den Eingeweiden des Gebäudes heraus einen Guerillakrieg gegen ihre Peiniger.

Metadaten
Titel The Seasoning House
Original Titel The Seasoning House
Regisseur Paul Hyett
Laufzeit 1 h 30 min
Starttermin 21 August 2012
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Schauspieler
Mit: Rosie Day, Sean Pertwee, Kevin Howarth, Anna Walton, Jemma Powell, Alec Utgoff
Trailer

„The Seasoning House“ ist düster, beklemmend und absolut schonungslos. Ein Film den man so schnell nicht wieder vergisst. „The Seasoning House“ ist ein bewegender Film, der während des Balkankrieges spielt, mit schockierenden Bildern, die der Wirklichkeit sehr nahe kommen.

‚The Seasoning House‘ entpuppt sich bereits ab der ersten Minute als atmopshärisches Monster. Die düsteren Bilder, begleitet von minimalistischen Klängen, schaffen eine bedrückende Atmosphäre und nehmen den Zuschauer fast schon ebenso gefangen wie die betroffenen Mädchen. „The Seasoning House“ ist definitiv kein Film für jedermann, vor allem zarte Gemüter sollten die Finger davon lassen. Es ist hier nicht einmal die Brutalität oder die blutigen Szenen die einen mitnehmen, sondern die überzeugende Realitätsnähe und das Schicksal der verschleppten Mädchen. Die Story ist bei Rape & Revenge Filmen ohnehin bereits von vornherein klar, daher steht und fällt bei solchen Filmen nahezu alles mit der Inszenierung. Und die kann sich hier wirklich sehen lassen. Ob es die Einbettung in den Balkankrieg wirklich braucht, sei mal dahingestellt, aber für sich genommen gehört dieser Film eindeutig zu den spannenden Genrevertretern und letztlich sorgt ja auch der Revenge-Teil für den entsprechenden „ausgleichenden“ Rahmen.

Die Zwangsprostitution innerhalb des Balkankrieges wird hier sehr blutig, fies und hoffnungslos in Szene gesetzt und man kann das Martyrium in jeder Sekunde mitfühlen, so dass es schon körperlich schmerzt. Es gibt keine Szene in der die Protagonistin dumm handelt, wie das in so vielen anderen Filmen der Fall ist. Wahrscheinlich fühlt man auch aus diesem Grund so stark mit. Rosie Day ist ein zierliches Mädchen, der man ihren erbitterten Überlebenskampf zu jeder Sekunde abnimmt, weil sie eben nicht unvermittelt zum Super-Girl mutiert, sondern jedwede physische Herausforderung innerhalb ihrer körperlichen Grenzen mit den ihr von Gott gegebenen Mitteln nachvollziehbar meistert. Rosie Day spielt sich im Alter von gerade mal 17. Jahren förmlich die Seele aus dem Leib, wahnsinnig beeindruckend was die Kleine hier für ein authentisches und fast schon grauenvoll mitfühlendes Schauspiel abliefert. Sean Pertwee (Doomsday) spielt seine Führerrolle arrogant, unfreundlich und leicht diabolisch. Ein Kerl, um den man im echten Leben einen grossen Bogen machen sollte. Kevin Howarth (Gallowwalkers) ist als Bordellbetreiber nicht minder abstossend, eiskalt, kontrolliert und effektiv grausam ohne jede Emotion.

Paul Hyett hat jahrelange Erfahrung im Special Effects Bereich (z.b. bei Tormented) und ist auch ein Make Up/Prothesen (z.b. bei Centurion, Ironclad, Citadel) Spezialist. Mit „The Seasoning House“ liefert er nun sein Debut als Regisseur und Drehbuchautor ab. Beinnahe eine Stunde nimmt sich Hyett Zeit, um diese düstere Form der ganzheitlichen Brutalität zu zeigen, dabei wirkt das Gezeigte nie wie billige Effekthascherei, sondern erzeugt eine Mischung aus Hilflosigkeit und Wut beim Betrachten. Die erste Hälfte ist sehr emotional und katapultiert die Angst und die Düsterkeit zielgenau ins Herz. Da all die brutalen und perversen Taten gezeigt werden und man gleichzeitig mit der traurig guckenden Protagonisten tatenlos zusieht, kann man sich umso mehr in sie hineinversetzen und ihre Gedanken miterleben. Dann eskaliert die Sache ziemlich plötzlich aber nicht unerwartet, immerhin sind die Emotionen aller Beteiligten ständig am Limit. In einer unheimlich real wirkenden Messerstecherei entladen sich dann sämtliche Gefühle der Protagonistin. Die Zweite Hälfte vergisst leider die Charaktertiefe und Emotionalität weiter zu führen und gleitet in einen fast stereotypischen Rachethriller. Doch so stereotypisch ist das alles dann doch nicht. Das Leid der Protagonistin tragen wir schon längst in uns und wir fiebern in der zweiten Hälfte immer noch mit. Trauer und Mitleid ist hier zwar weniger, Spannung aber dafür umso mehr.

Optisch und überhaupt technisch sehr stark inszenierter, englischer Rachethriller mit grossem Drama-Part, versehen mit Horrorelementen und tollen Talenten vor und hinter der Kamera, von denen in Zukunft noch einige gute Arbeiten zu erwarten sind. Für alle die sich vor Brutalität nicht scheuen und einen emotional-spannenden Überlebenskampf eines unschuldigen Mädchens sehen möchten ist dieser Horrortrip genau das Richtige. „The Seasoning House“ ist ein qualitativ sehr guter Film, extrem intensiv und brutal und bringt die schockierenden Bilder so gekonnt rüber, das für voyeuristisch Veranlagte wenig zu glotzen übtig bleibt. Der Film ist geschickt angelegt und umgesetzt, mit Hirn und Verstand und trotz des hohen Gewalt-Potenzials nie plump oder billig. Das gezeigte ist so realistisch, dass während ich diese Zeilen schreibe, irgendwo auf der Welt tatsächlich geschieht. Erschreckend wozu solche Ungeheuer in Menschengestalt aus Geldgier und zur Befriedigung ihrer kranken, perversen Triebe oder aus beiden Gründen fähig sind. „The Seasoning House“ ist Rape ’n‘ Revenge mit Köpfchen, ja auch das ist möglich. Ein Film der unter die Haut geht. Wen das hier kalt lässt, der ist entweder im falschen Filmgenre oder gehört wohl zu den fiktiven Besuchern dieses Titel spendenden Etablissements.“

The Open House

The Open House

2018
Kurzinhalt

Nach dem Tod seines Vaters wollen sich der Schüler Logan Wallace und seine Mutter Naomi für eine Zeit lang zurückziehen. Ein leerstehendes Ferienhaus in einem verschneiten Örtchen scheint da der ideale Ort dafür zu sein. Einziger Haken bei der Sache: Sonntags finden immer Besichtigungstermine statt, für die sie das Haus verlassen müssen. In der Gegend scheint man sie jedoch zunächst willkommen zu heißen. Doch je länger sie dort verweilen, desto mehr wird ihnen bewusst, dass etwas nicht ganz stimmen kann. Unheimliche Geräusche machen den beiden Angst und selbst die Polizei steht vor einem Rätsel. Als auch noch die Leute aus dem Ort anfangen, sich seltsam zu verhalten, müssen Logan und Naomi wohl oder übel der Tatsache ins Auge sehen, dass übernatürliche Kräfte am Werk sein könnten…

Metadaten
Titel The Open House
Original Titel The Open House
Regisseur Suzanne Coote, Matt Angel
Laufzeit
Starttermin 19 Januar 2018
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Schauspieler
Mit: Dylan Minnette, Piercey Dalton, Sharif Atkins, Patricia Bethune, Matt Angel, Suzanne Coote, Aaron Abrams, Kathryn Beckwith, Ethan Cushing, Edward Olson, Leigh Parker, Paul Rae, Jessica Robertson, Katie Walder, Robert Everett Williams Jr.
Trailer

No trailer added for this movie.

Ein grosses, leerstehendes Haus mitten im Nirgendwo und zu den Besichtigungsterminen soll man es verlassen. Da kommen einfach Fremde in sein trautes Heim, schauen sich nach Belieben um und stellen sich vor, wie ihr neues Leben darin aussehen könnte. Wem ist da nach der Rückkehr ins eigene Haus nicht mulmig zumute? Hat vielleicht Jemand etwas mitgehen lassen oder sich gar darin versteckt?

Regisseur und Autor Matt Angel hat sich sicherlich seine Gedanken gemacht. Doch gehört sowas nicht zum kleinen Einmaleins der Horrorfilm- und Thrillermacher. Eine Bedrohung in den vermeintlich sicheren Hafen der eigenen vier Wände, seien es Geister und Dämonen, die ihr übernatürliches Unwesen treiben oder handfest-realistische Varianten mit brutalen Einbrechern – das Szenario hat mit seinen diversen Spielarten im Lauf der Filmgeschichte schon zahlreiche Klassiker und noch mehr Durchschnittsware hervorgebracht. Mit „Open House“ versucht sich Regiedebütant Matt Angel nun an einer weiteren Variante und orientiert sich dabei vor allem an den Slasherfilmen der späten 70er und frühen 80er Jahre, denn viele seiner Kameraeinstellungen, Effekte und Situationen kennt man aus Klassikern wie „Halloween“ oder „Freitag, der 13.“ (einschliesslich Duschszenen). Diese Versatzstücke nutzt Angel, der gemeinsam mit Suzanne Coote auch das Drehbuch geschrieben hat, recht wirkungsvoll.

„The Open House“ hat mich überrascht. Der Film ist durchgängig logisch und am Ende eben perfekt. Eben kein „böser Nachbar, Liebhaber, Stiefvater, Sohn einer durchgeknallten Familie“-Täter, nein einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Nicht jeder FIlm braucht eine Erklärung und die Tatsache das hier am Ende das warum so unfassbar banal ist, macht den Terror neben seiner brillanten und handwerklich perfekten Umsetzung zu einer echten Perle. Was bleibt ist Kopfkino und das ist doch das was am Ende einen guten Film ausmacht. Es soll aber auch Leute gegeben haben, die liess der Film wegen dem laschen Ende unbefriedigt und gelangweilt zurück. Eine Hausbesichtigung, die ich durchaus spannend fand, doch wer alles bis ins letzte Detail erklärt haben möchte, sich diese sparen kann…

Accident Man

Accident Man

2018
Kurzinhalt

Mike Fallon ist ein erstklassiger Auftragskiller, der sich darauf versteht, seine Morde als Unfälle zu tarnen. Deswegen nennt man ihn in der Branche „Accident Man“. Als seine Ex-Freundin und große Liebe Beth stirbt, vermutet er, dass es sich ebenfalls um einen Mord handelt. Denn es gibt auch andere Auftragskiller wie ihn, die es bestens verstehen, ihre Taten zu verschleiern. Entschlossen herauszufinden, wer dahinter steckt, und die Täter zur Strecke zu bringen, verbündet er sich mit Beths Freundin Charlie. Auf seinem blutigen Rachefeldzug nimmt er seine Kollegen Mick und Mac aufs Korn...

Metadaten
Titel Accident Man
Original Titel Accident Man
Regisseur Jesse V. Johnson
Laufzeit
Starttermin 5 Februar 2018
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Schauspieler
Mit: Scott Adkins, Ray Stevenson, Ashley Greene, Michael Jai White, Ray Park, Amy Johnston
Trailer

„Accident Man2 basiert auf der britischen Comicbuchreihe TOXIC!, von der ich kein Examplar gelesen habe und deswegen keine Vergleiche ziehen kann. Auch wenn die Comicbücher weit vorher erschienen sind, erinnert mich die Story an eine Mischung aus „John Wick“ und „John Wick: Kapitel 2“. Nur eben comic’esker und daher mitunter humorvoller.

Scott Adkins ist wieder da. Diesmal spielt er eine halb-populäre Comicfigur aus den 90ern, die Auftragsmorde wie Unfälle aussehen lässt. „Accident Man“ ist der Versuch des Kampfkunst-Gottes sich als Schauspieler, Produzent und Autor zu verwirklichen. Und ja, das Ergebnis ist, im Vergleich zu dem was er sonst so verzapft, überdurchschnittlich. Seine dritte Zusammenarbeit mit Ex-Stuntman Jesse V. Johnson bietet modernes Grindhouse-Kino mit schrillen Archetypen, in einem verrückten Comic-Universum, gepaart mit britischen Filmflair. Die reichhaltigen Kampfszenen sind sauber gefilmt und rücken den Meister ins angemessene Licht. Wenn sich die mörderischen Witzfiguren gegenseitig die Birne einschlagen, ist das angenehm krude, gern over-the-top und im Humor mal unterhalb, mal oberhalb der Gürtellinie. Dazu die brutalen und gut gefilmten Fights verpassen dem Film durchaus eine spannende Atmosphäre.

Eine Story ist zwar vorhanden, die reicht aber gerade so aus, dass das ganze noch einen Sinn ergibt. Hier liegt der Schwerpunkt ganz klar auf der Action – und die kann sich tatsächlich sehr gut sehen lassen. Dazu ein paar skurrile Charaktere und einen guten Schuss schwarzer Humor. Die schwarzhumorige Umsetzung steht im starken Kontrast zur eher düsteren und dramatischen Handlung und ist zu Anfang vielleicht eher gewöhnungsbedürftig. Doch wenn man sich mal darauf eingelassen hat, vermögen die skurrilen Attentäter aus dem Pub und die krude Machart durchaus zu unterhalten. Mich hat er zumindest amüsiert.

Armed Response – Unsichtbarer Feind

Armed Response - Unsichtbarer Feind

20171 h 37 min
Kurzinhalt

Seitdem seine Tochter ums Leben gekommen ist, meidet der Programmierer Gabriel (Dave Annable) die Öffentlichkeit. Zurückgezogen verbringt er seine Tage, bis er eines Tages Besuch von Isaac (Wesley Snipes) erhält. Dieser überredet Gabriel dazu, zusammen mit einer kleinen Spezialeinheit in eine geheime, militärische Einrichtung einzudringen. Dort ist nämlich ein Programm zur Lügenerkennung im Betrieb, das Gabriel einst entwickelt hat und das perfekt funktioniert. Doch rätselhafterweise sind in dem Gebäudekomplex mehrere Soldaten spurlos verschwunden und nun gilt es, diese ausfindig zu machen. Bei ihren Untersuchungen stoßen Gabriel, Isaac und die anderen jedoch auf eine Leiche nach der anderen und zu allem Überfluss werden sie auch noch eingesperrt. Irgendjemand oder irgendetwas will ihnen ans Leder…

Metadaten
Titel Armed Response - Unsichtbarer Feind
Original Titel Armed Response
Regisseur John Stockwell
Laufzeit 1 h 37 min
Starttermin 4 August 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
Bilder
Schauspieler
Mit: Wesley Snipes, Anne Heche, Gene Simmons, Dave Annable, Colby Lopez, Mike Seal
Trailer

Wesley Snipes versucht wieder Fuss zu fassen, diesmla mit John Stockwells „Armed Response“, einem von den World Wrestling Entertainment Studios (!) sowie Kiss-Gitarrist Gene Simmons (!!) produzierten Militär-Actioner. Hier darf dann auch wieder ein Wrestling-Star sein Debüt in einem Spielfilm feiern, nämlich Colby Lopez alias Seth Rollins. Wer dann der eigentliche Star des Filmes sein soll und wer es dann ist, darüber lässt sich streiten.

Vom Studio aus erwartet man, dass Seth Rollins die Hauptrolle hat. Das Cover und der Trailer werben aber prominent mit Wesley Snipes. In Wirklichkeit ist dann aber Dave Annable (Yellowstone) das wahre Herz des Filmes. Die Tragödie hinter seiner Figur ist zwar für den Film völlig egal, er funktioniert jedoch sehr gut als moralischer Kompass und hat zusätzlich ein paar coole Momente – ganz im Gegensatz zu Wesley Snipes. Der spielt mit einem einzigen Gesichtsausdruck seinen Part ohne Highlights durch. Nach seinem Gefängnisaufenthalt braucht er wohl wieder Geld, aber nach seiner Rückkehr in „Expendables 3“, dachte ich er hätte noch Spass an seinem Job, aber scheinbar lag ich falsch. Seth Rollins hat eine starke physische Präsenz und darf hier ein richtiger Arsch sein, dass er dann mehrmals gegen die viel kleinere Anne Heche antreten muss, ist jedoch ein wenig lächerlich.

Vor 20 Jahren wäre ein Film mit Wesley Snipes und Anne Heche in den Hauptrollen noch eine mittelgrosse Hollywood-Kiste gewesen. Aber die Zeiten sind lange vorbei. Nun spielt Heche in „Armed Response“ eine vollkommen austauschbare Soldatenfigur, während wir bei Snipes jenes unbändige Charisma vermissen, das ihn einst dank Rollen in Filmen wie „Weisse Jungs bringen’s nicht“ oder „Passagier 57“ zu Weltruhm katapultiert hat. Snipes ist überhaupt nur sehr selten zu sehen und absolviert dabei keine einzige Kampfszene. Wird er es in Zukunft genauso machen wie Kollege Steven Seagal, der 2016 in sieben Filmen zum Teil nur kurz auftrat, damit die Produzenten sein Gesicht gross auf das Poster drucken konnten? Wie auch immer, stattdessen darf man sich zumindest über ein kurz-knackiges Faustkampf-Intermezzo zwischen Heche und WWE-Wrestler Seth Rollins (Sharknado 4: The 4th Awakens) freuen.

Was bleibt ist eine ganz ansehnliche erste Hälfte, ein paar nette Tricks, Schockmomente, Gore-Effekte und etwas Spannung in der Luft inklusive. Die verschwindet dann jedoch sehr abrupt und dann wartet man nur mehr darauf, bis all diese nur um ihre eigene Haut besorgten Idioten, endlich das Zeitliche gesegnet haben. Keine toll choreographierten Kämpfe, keine coolen Sprüche, da kommt einfach nichts vor, dass aus dem Einheitsbrei ähnlicher Produktionen herausragen würde. Dabei hätte „Armed Response“ mit einer temporeicheren Inszenierung und einem pfiffigeren Skript ein solides B-Movie werden können. Aber leider kommt der Genre-Bastard aus Horror, Sci-Fi und Militär-Action nur sehr spät in Fahrt und dann auch nur kurz. Weder die ereignisarme Handlung noch die eindimensionalen Figuren werden dem eigentlich vielversprechenden Konzept des Films gerecht.

The Bad Batch

The Bad Batch

20171 h 59 min
Kurzinhalt

In einem abgesperrten Gebiet in der texanischen Wüste werden Menschen ausgesperrt, die in der Gesellschaft nicht mehr willkommen sind. Das Gelände gehört offiziell nicht mehr zu den USA, wer dorthin verbracht wird, ist kein Staatsbürger mehr. Gerade ist wieder eine Lieferung von Bösewichten, ein „bad batch“, eingetroffen. Darunter befindet sich Arlen (Suki Waterhouse), die frisch angekommen sofort in die Hände eines Kannibalenstamms fällt, der sich umgehend an ihr zu schaffen machen. Mit einem Skateboard, aber nicht mehr über alle Gliedmaßen verfügend, gelingt ihr die Flucht. Ein stummer Einsiedler (Jim Carrey) bringt sie zu einer anderen Gemeinschaft, wo sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine kommt… Doch ihre nächste Begegnung mit den Kannibalen steht bald an…

Metadaten
Titel The Bad Batch
Original Titel The Bad Batch
Regisseur Ana Lily Amirpour
Laufzeit 1 h 59 min
Starttermin 23 Juni 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
Schauspieler
Mit: Suki Waterhouse, Jason Momoa, Jayda Fink, Keanu Reeves, Jim Carrey, Yolonda Ross
Trailer

Mit einer ziemlich schrägen Kannibalen- und Liebesgeschichte meldet sich die iranischstämmige Regisseurin Ana Lily Amirpour auf die Leinwände zurück, zwei Jahre nach ihrem viel gelobten Debüt, dem Vampir-Spaghetti-Western „A Girl Walks Home Alone At Night“. Auch in „The Bad Batch“ fliesst böses Blut. In den Hauptrollen zu sehen sind Keanu Reeves, Jim Carrey, Jason Momoa und Newcomerin Suki Waterhouse.

Im ersten Drittel erweckt „The Bad Batch“ den Eindruck, als hätten Sergio Leone, George Miller und Die Antwoord zusammen einen Film gedreht, was mir sehr viel Spass gemacht hat. Diesen Anfangserwartungen kann „The Bad Batch“ im weiteren Verlauf leider nicht gerecht werden. In vielen Szenen dominieren Stille und Schweigen, während Leone daraus jedoch Spannung und Nervenkitzel kreiert, herrscht bei Ana Lily Amirpour Langeweile vor. Die postapokalyptisch-verrückten Spielereien fallen im Vergleich zu „Mad Max“ ziemlich harmlos aus, da hätte man noch bedeutend mehr rausholen können. Des Weiteren frage ich mich, warum ein Film, der seinen äusserst dünnen Plot weder durch detaillierte Charakterzeichnungen noch durch ein beeindruckendes Szenenbild oder Action ausgleichen kann, über eine Laufzeit von 120 Minuten verfügen muss.

Der fulminante Auftakt von „The Bad Batch“ erinnert an den kruden Wüstenhorror von Wes Cravens „Hügel der blutigen Augen“. Nur ersetzt die auch für das Drehbuch verantwortliche Ana Lily Amirpour die atomar verstrahlten Mutanten Cravens durch nicht minder degenerierte Bodybuilder, die ihre dicken Muskelpakete gerne mit menschlichen Proteinen füttern. Besonders genial fällt dabei die Einführung Jason Mamoas aus. Eine Gruppe Männer mit gestählten Körpern pumpt halbnackt in der grellen Sonne zu „Fish Paste“ von Die Antwoord, was kann es Schöneres und Lustigeres geben? Wie bereits in „A Girl Walks Home Alone At Night“ braut Amirpour sich auch in „The Bad Batch“ aus zahlreichen Genreversatztücken einen ganz eigenen Cocktail. Und dabei weicht die anfängliche Gewalt bald schönen Bildern, berauschender Musik und – Langeweile. Ohne die hervorragende Musikuntermalung hätte ich mich durch „The Bad Batch“ wahrscheinlich durchquälen müssen, so kann man immerhin etwas mit dem Fuss mitwippen.

Amirpour schickt ihre Zuschauer auf eine zweistündige Reise der Entschleunigung, von gnadenlosem Kannibalenterror hin zu ungehemmten Liebesfilmkitsch. Dabei interessiert sich die Filmemacherin weder besonders für die sozialkritischen Untertöne ihrer Geschichte noch für wirklich greifbare Figuren. Viel mehr beschäftigen sie Dinge wie das weisse Label einer sich in Grossaufnahme drehenden Schallplatte oder ein als überdimensionaler Kassettenrekorder gestaltetes DJ-Kabuff, von wo aus die Bewohner von Comfort die passenden Beats zu ihrem LSD-Trip auf die Ohren bekommen. Die Regisseurin gleitet mühelos von Bodybuilder-Kannibalen über eine kosmische Vision hin zu einem kleinen Karnickel.

„The Bad Batch“ stellt sich für mich letztendlich als Enttäuschung heraus, von Filmen mit postapokalyptischem Setting bin ich normalerweise Besseres gewohnt. Die Eigenwilligkeit rechne ich Ana Lily Amirpour dennoch hoch an! Art Work Trash FIlm ohne viel Handlung dafür mit überzeugenden Bilder und gutem Schnitt. Anstrengend und Sinnentleert, visuell doch überzeugend. Nichts wirkt homogen. Weder die Entwicklung der Story noch die Bildsprache. Mal wird es herrlich verträumt, mal komplett albern. Die Skurrilität dieser Kontraste führt zu einer (unfreiwilligen?) Komik, die jeden Ansatz von Spannung oder Tiefe zerstört. Ich würde diesen Film wirklich gerne mögen, aber irgendwie wirkt alles auf mich halbgar. Kann man schauen. Macht irgendwie Spass, irgendwie allerdings auch nicht. Einmal schauen, danach ganz schnell weiterziehen und sich das gesehene nicht kaputt machen…

Get Out

Get Out

Ist jeder, der eingeladen ist, auch wirklich willkommen?

20171 h 44 min
Kurzinhalt

Der afroamerikanische Fotograf Chris und seine weiße Freundin Rose sind seit mittlerweile fünf Monaten ein Paar. Als Rose ihm ihre Eltern vorstellen möchte, stimmt Chris wohl oder übel zu, auch wenn ihn die Sorge umtreibt, wie Roses Eltern auf den schwarzen Freund ihrer Tochter reagieren werden. Doch zunächst erweisen sich Chris’ Bedenken scheinbar als völlig unnötig: Dean und Missy bereiten den beiden einen herzlichen Empfang und scheinen sich an der Hautfarbe des Partners ihrer Tochter überhaupt nicht zu stören. Doch dann entdeckt Chris, dass die schwarzen Hausangestellten der Familie nicht nur die einzigen Schwarzen in der ganzen Umgebung sind, sondern auch seltsam abwesend und untertänig wirken. Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen…

Metadaten
Titel Get Out
Original Titel Get Out
Regisseur Jordan Peele
Laufzeit 1 h 44 min
Starttermin 24 Februar 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

„Get Out“ von Jordan Peele ist ein schräger Horrorfilm mit satirischen und gesellschaftskritischen Anklängen. Der skurrile Humor lockert die unheimliche Atmosphäre immer wieder auf, trotzdem wird es nie albern. Es bleibt durchweg spannend und die Geschichte bleibt bei aller Absurdität stets glaubwürdig. Das liegt nicht zuletzt an den facettenreichen Figuren und den tollen Schauspielern, die weitestgehend unbekannt sind und wunderbar als Ensemble zusammenspielen.

Was Jordan Peele (Keanu) hier als Autor und Regisseur abliefert, ist tatsächlich nicht weniger als einer der intelligenteren Horrorfilme. Peele macht gleich mit seiner die Genregesetze auf den Kopf stellenden Vor-dem-Titel-Sequenz klar, wo der Hase langläuft. „Get Out“ ist bis zum Rand vollgestopft mit ambivalenten Momenten, wobei vor allem die grossartige Catherine Keene einen immer wieder gekonnt aus der Bahn wirft, weil sich ihre vermeintlich fürsorglichen Blicke und Gesten einfach nie so richtig einordnen lassen. Schliesslich wird in ihren sanften Händen selbst ein simpler Teelöffel zur ultimativen Psycho-Waffe. In welche Richtung der Film so ungefähr gehen wird, ist relativ schnell klar – und die Macher spielen sogar selbst sehr geschickt mit diesem Umstand, wenn sie Chris‘ Kumpel Rod am Telefon genau vor dem möglichen Szenario warnen lassen, das sich auch der Zuschauer bereits als mögliche Wendung zusammengereimt hat. Trotzdem stecken genug clevere Twists und Kniffe in „Get Out“, um den Zuschauer bis zum letzten Moment immer wieder zu überraschen.

„Get out“ ist einer der ersten Filme, der explizit in einer Post-Obama-Ära spielt und Peele hat mehrfach betont, dass er die Lüge vom postrassistischen Amerika entlarven wolle: Nur weil das Land einen schwarzen Präsidenten hatte, bedeutet dies nicht, wie viele Amerikaner gerne, aber eben irrtümlich glauben, dass Rassismus in Amerika überwunden worden wäre. Nichts verdeutlicht diese Illusion besser als die Wahl von Donald J. Trump, die Massenkriminalisierung von Afroamerikanern und der aufkeimende Nationalismus in den USA. Trump-Wähler wären Peele aber ein zu einfaches Ziel gewesen. Er spielt mit der brisanten Idee, dass weisse bürgerliche Liberale nicht die toleranten Leuchtfeuer der Menschheit sind, die sie glauben zu sein. Alles nette Leute, die Republikaner als Rassisten abqualifizieren, aber selbst mit keinem schwarzen Menschen in Berührung kommen, ausser er mäht ihren Rasen. Leute, die sich auf die Schulter klopfen, weil sie weltoffen sind und es wie der Vater von Rose für ein Privileg halten, eine andere Kultur kennenzulernen – solange sie in Schach gehalten werden kann. Diese Haltung ist durchaus gruselig.

Bestimmt ist „Get Out“ nicht der erste Horrorfilm, der offensichtlich Rassismus thematisiert, aber es passiert doch selten. Auf dem Höhepunkt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, im Jahr 1968, drehte George A. Romero „Die Nacht der lebenden Toten“ über einen schwarzen Mann, der die Angriffe einer Horde weisser Zombies überlebt, nur um am Ende von der Bürgerwehr getötet zu werden. Auch Peeles Film ist eine mächtige Provokation, die Stereotype auf den Kopf stellt und von Rassismus noch einmal auf ganz andere Weise erzählt. Peele, der mit einer weissen Frau verheiratet ist, hat mit „Get Out“ seine unheimliche, wilde Vorstellungskraft bewiesen. Gruseliger ist nur die Realität, aus der sie sich nährt.

Die Mumie

Die Mumie

20171 h 51 min
Kurzinhalt

Vor 2.000 Jahren wurde Ahmanet tief unter der Erde weggesperrt – aus gutem Grund! Denn wie Expertin Jenny Halsey aus Hieroglyphen entziffert, war Ahmanet als Anwärterin auf den Königsthron zu machtgierig und böse. Durch Mumifizierung und eine meterdicke Sandschicht sollte die Welt vor der Macht der Geschassten geschützt werden, doch nun ist die Mumie erwacht. Ahmanet bahnt sich den Weg aus ihrem düsteren Grab hinein in unsere Gegenwart, in der es am Abenteurer Nick Morton ist, Unheil von der gesamten Menschheit fernzuhalten. Die Tipps von Dr. Henry Jekyll im Ohr nimmt Nick den Kampf auf. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich in der Mumie unermessliche Wut und Bosheit angestaut – jetzt hat sie Durst nach Rache…

Metadaten
Titel Die Mumie
Original Titel The Mummy
Regisseur Alex Kurtzman
Laufzeit 1 h 51 min
Starttermin 6 Juni 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Müll
Schauspieler
Mit: Tom Cruise, Russell Crowe, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Jake Johnson, Courtney B. Vance
Trailer

Ein Tom Cruise macht noch lange keinen guten Film. Die Neuauflage des Klassikers wirkt farblos, die Story selbst ist zu Beginn stark an den Klassiker angelehnt, wodurch man noch einiges an Hoffnung hegt. Leider sind aber auch schon zu diesem Zeitpunkt die Dialoge so platt wie eine Flunder. Die Schauspieler sind durchweg mies, egal ob es dabei die bezaubernde Blondine, der angeblich lustige Begleiter, der Wissenschaftler oder Tom selbst ist, lediglich die Mumie wird gut gemimt. Doch wie die Story sich weiter im Film entwickelt kann sie auch nicht verhindern. So wird spätestens ab Mitte des Films die Story zu einem Abklatsch allen Mumien-Verfilmungen gleichzeitig.

Ähnlich wie Marvel will Universal mit seinem „Dark Universe“ ein eigenes Filmuniversum erschaffen. Dies auf Basis ihrer grossen, alten Horrorklassiker (Frankenstein, Dracula, Die Mumie usw). Den Auftakt bildet nun „The Mummy“ mit Tom Cruise, doch leider verfehlt der Film sein Ziel und wirkt gleich auf mehreren Ebenen unausgegoren und nicht wie aus einem Guss. Während die letzte Neuauflage – „The Mummy“ mit Brendan Fraser – rundum gelungenes Popcornkino lieferte, welches der Geschichte mit reichlich Augenzwinkern und gelungenen Humoreinlagen einen in sich konsistenten, eigenen Stil verpasste, wird das aktuelle Remake schnell vergessen sein. Ihm fehlt schlicht die eigene Handschrift, genauso wie eine klare Entscheidung, was für ein Film es eigentlich sein will. So wirken beispielsweise plumpe Humoreinlagen im düsteren Setting völlig fehl am Platz. Das sichtbar teure Productiondesign glänzt, während gleichzeitig Charaktertiefe, und damit auch deren Glaubwürdigkeit ein echtes Manko darstellen. So ist die Hauptfigur Nick Morton über Strecken einfach nur nervig und gewinnt kaum Sympathiepunkte, da sie in erster Linie als egoistischer Ignorant auftritt. Die spätere Charakterwendung erscheint dadurch kaum glaubwürdig. Was soll Morton denn nun sein? Ein frecher Abenteurer mit Klasse à la Indiana Jones oder einfach nur ein gewissenloser Dieb? Auch seine Begleiterin, die Archäologin Halsey, bleibt blass, klischeehaft und austauschbar – die Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren erzeugen weder Humor, noch Emotionen – auch hier zeigten die Protagonisten der humorvollen Mummy-Variante von 1999 deutlich mehr Chemie und Authentizität miteinander. Einzig Russell Crowe als Dr. Jekyll (ja, der Dr. Jekyll…) zeigt sich als vielschichtigere Figur, verfügt aber leider nicht über die nötige Screentime um weiter ausgebaut werden zu können.

Einzelne Settings sind durchaus in sich stimmig und gut inszeniert: der Flugzeugabsturz, die Gräber, London… doch sie fügen sich nicht zu einem Fluss zusammen. Man ist mal hier, mal dort, es gibt viele grosse Sprünge, Übergänge fehlen. Auch gewisse logische Mankos entstehen durch diese holprige Erzählweise. „Die Mumie“ ist aufwendig produziert, gut besetzt und durchaus kurzweilig. Letzteres hauptsächlich aufgrund der vielen Actionsequenzen. Ruhige Momente jedoch verpuffen in emotionaler Gleichgültigkeit, gruselige Szenen langweilen mit ausgekauten Jumpscares. Einleitend heisst es, dass der Tod nur die Schwelle zu neuem Leben sei. Und in kurzen Momenten zeigt Sofia Boutellas Prinzessin/Mumie eine Macht- und Lebensgier, die erahnen lässt, welche Verheissung und welche Anmassung in diesem Satz stecken. Ansonsten wird das dramatische Potenzial – vom philosophischen ganz zu schweigen – dieser Prämisse allerdings kaum genutzt, vielmehr scheint sie der Vorwand für einen recht nonchalanten erzählerischen Umgang mit Leben und Tod zu sein. Ein fataler Flugzeugcrash ist nichts Endgültiges, man kann jemanden drei Mal erschiessen und bei jeder Gelegenheit blutrünstige Untote ins Feld schicken, als seien wir hier bei „The Walking Dead“ – ganz egal, ob es sich um Kreuzritter, altägyptische Wachen oder heutige Polizisten handelt. Diese Zombie-Attacken mögen genauso wie die Vogelangriffe, sowie die ganzen Ratten und Spinnen, die über Cruise und Co. herfallen, oft ein wenig willkürlich daherkommen, aber sie gehören neben einem „Scherbenregen“ im Museum zu den visuellen Höhepunkten dieses Films, dem man sein 125-Millionen-Dollar-Budget durchaus ansieht.

Mit dem altmodischen Grusel von Karl Freunds 1932er-Klassiker mit Boris Karloff hat diese neue „Mumie“ rein gar nichts mehr zu tun, aber auch von dem augenzwinkernden Humor der Neuauflage mit Brendan Fraser von 1999 ist Alex Kurtzmans Film meilenweit entfernt. Zwar gibt es immer wieder Versuche, das ernste Geschehen etwas aufzulockern, aber diese verpuffen im nichts. In „Die Mumie“ geht es letztlich einmal mehr um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, einem Kampf, dem sich auch Dr. Jekylls Geheimorganisation Prodigium verschrieben hat (und die eine der Konstanten im Dark Universe werden könnte). Hoffen wir, dass das „Dark Universe“ mit der Neuauflage von „Frankensteins Braut“ geben (mit Javier Bardem als das Monster) und einen „Jekyll And Hyde“-Film (immerhin wird dessen von Russell Crowe gespielte Titelfigur schon in „Die Mumie“ eingeführt“), dazu sind Kino-Comebacks des Unsichtbaren, des Wolfsmenschen, des Phantoms der Oper, des Schreckens vom Amazonas, des Glöckners von Notre Dame und von Van Helsing besser wird, als der hier vorliegende Film. Das von Alex Kurtzman (als Autor auch schon am „Star Trek“-Reboot beteiligt) handwerklich solide, aber ohne jeden Anflug von Inspiration inszenierte Monster-Horror-Action-Abenteuer liefert nur wenige Hinweise darauf, wie es weitergehen könnte. Mit dem halbgaren Todesfluch-Hokuspokus stolpert sich Universal eher ins Dark Universe, als dass es direkt ein neugierig machendes Ausrufezeichen setzen würde. Schade!

Alien: Covenant

Alien: Covenant

20172 h 02 min
Kurzinhalt

Der fremde Planet, den die Crew des Kolonisationsraumschiffs Covenant erforscht, wirkt paradiesisch: Doch als die Terraforming-Spezialistin Daniels und ihre Kollegen, darunter der Android Walter, Christopher und Tennessee, durch die bergige, bewaldete Landschaft laufen, fällt ihnen vor allem die merkwürdige, beunruhigende Stille auf: Kein Vogel ist zu hören – und auch kein anderes Tier. Bald schon merken die Entdecker, dass sie auf einem Planeten gelandet sind, der lebensfeindlicher kaum sein könnte. Blitzschnelle, hochintelligente und Säure-spritzende Aliens überfallen die Covenant-Crew, töten ein Mitglied nach dem anderen. Und dem Rest der Gruppe wird klar: So weit weg von der Heimat sind sie komplett auf sich allein gestellt...

Metadaten
Titel Alien: Covenant
Original Titel Alien: Covenant
Regisseur Ridley Scott
Laufzeit 2 h 02 min
Starttermin 9 Mai 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Trailer

Mit „Alien: Covenant“ kehrt Regisseur Ridley Scott zurück zum Kern der Reihe. Ein bildgewaltiger Sci-Fi-Action-Horrorfilm mit einigen grandios-intensiven Sequenzen, der zu viele Hintergründe einfach „erklärt“ und darüber viele seiner eigentlich zentralen Figuren vernachlässigt.

Mit Alien ist es ähnlich wie mit Star Wars: Die ersten drei Teile aus den 80ern sind Meilensteine der Filmgeschichte. Intelligent, durchdacht, logisch und unglaublich fesselnd und trotz veralteter Effekte gigantisch. Es wurden Welten aufgebaut, die man vorher nur aus epischen Büchern kannte. Seit jeher beziehen die Alien-Filme ihre beunruhigende Wirkung nicht bloss aus ihrer nervenaufreibenden Inszenierung, sondern auch aus ihren Dystopien. Dabei ist das Franchise gleich auf mehreren Ebenen revolutionär. Zum einen gehört Raumfahrerin Ripley (Sigourney Weaver), die in den kalten Weiten des Weltraums auf eine tödliche Alienrasse stösst, zu den ersten weiblichen Action-Heldinnen, zum anderen sorgte das visionäre Design der Xenomorphen nach einem Entwurf von HR Giger damals wie heute für Gänsehaut. Nach dem Ende der ursprünglichen Reihe mit Teil 4 beschloss Ridley Scott, der Schöpfer der Alien-Reihe, die Vorgeschichte zu “Alien” innerhalb einer Tetralogie weiterzuspinnen. Und genau diese Welten werden demontiert und ins lächerliche gezogen – dank der Blockbuster Mentalität.

Der 2012 erschienene „Prometheus“ erzählt eine Geschichte die vor den eigentlichen Alien Filmen spielt. Mit „Alien: Covenant“ kommt nun die Fortsetzung von „Prometheus“. Zeitlich spielt er vor „Alien 1“. Doch leider ist „Alien: Covenant“ storytechnisch eine Katastrophe. Bei manchen Szenen kann man einfach nur noch mit dem Kopf schütteln – schon fast unfreiwillig komisch sind die unlogischen Handlungsabläufe und Reaktionen der Protagonisten. Man merkt zwar, dass für den Film eine Menge Geld ausgegeben wurde und man profitiert davon, dass Ridley Scott Regie führte, aber was wirklich Gutes hat man leider nicht daraus gemacht. Ohne Scott wäre der Film wahrscheinlich noch schlechter geworden. Bis auf Michael Fassbender ist der Cast auch nicht wirklich der Rede wert. Selbst wenn man über die enormen Schwächen der Story hinweg sieht, bleibt trotzdem nur ein sehr spannungsarmer SciFi-Action-Horror übrig.

„Alien: Covenant“ ist düster und kalt und blutig, visuell und akkustisch atemberaubend inszeniert. Das war’s dann aber auch schon, denn der Film hält sich auch nicht an die eigenen Gesetzmässigkeiten, die er geschaffen hat. So wurden unglaublich durchdachte Konzepte in den alten Alien-Teilen geschaffen wie zum Beispiel die Königin, die die Eier legt, aus welchen die Facehugger schlüpfen, um sich einen Wirt zu suchen. Aus diesem schlüpft schlussendlich ein Alien, welches sich mehrmals häuten muss, um seine vollständige Grösse zu erreichen. Wächst also nur langsam heran, ist intelligent und vorallem extrem gefährlich, düster und hartnäckig. In „Alien: Covenant“ wird das alles über den Haufen geworfen, frei nach dem Motto: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Da schlüpft ein Alien und wächst innerhalb einer Minute auf 2 Meter heran. In der ersten Szene ballern fünf Leute drauf und treffen es auch, doch das Viech bleibt völlig unbeeindruckt, in der anderen Szene reichen ein paar einzelne Schüsse um es zu erlegen. Und das ist nur ein Beispiel. Die Logik geht in dem Streifen so flöten, dass es fast schon weh tut.

Leider muss man wirklich bewusst sowohl sein Hirn ausschalten, als auch die alten Alienteile vergessen, um gefallen an diesem Film zu finden. Auch sehen die Alienszenen einerseits wie Computerspiele aus, andererseits wird alles was in den alten Filmen geschaffen wurde gegen die Wand gefahren. Im Vergleich zu „Prometheus“ weniger Fragen, weniger Wucht, weniger Schauwerte. Dafür gute Action, viele Horrorelemente, ein hervorragender Fassbender, übrige Darsteller und vorallem die Story sehr schwach. Freue mich schon auf den nächsten Teil, hier werden die Aliens, die ja vom Androiden geschaffen wurden, auf die Kryptonit-Kristalle von Superman treffen und dann mit einem grossen und bunten S auf der Brust gegen den Silversurfer oder Green Lantern kämpfen, plus Gastauftritt von JahJah Binx. Schade, nur Popcorn-Kino, nicht wirklich schlecht, aber auch nicht gut genug für einen Ridley-Scott-Film.

Blood Father

Blood Father

Sie ließen Ihm keine andere Wahl..

20161 h 28 min
Kurzinhalt

Ex-Sträfling John Link versucht, seine zerstörerische kriminelle Vergangenheit hinter sich zu lassen und Ärger aus dem Weg zu gehen. Seine Familie hat ihm schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt, bis eines Tages seine eigenwilligen 16-jährige Tochter Lydia hilfesuchend vor seinem kümmerlichen Wohnwagen steht. Durch ihre Beziehung zu Drogendealer Jonah ist sie mit falschen Leuten aneinandergeraten und ist nun auf der Flucht vor einem mexikanischen Drogenkartell, das sie tot sehen will. John kann dies natürlich nicht zulassen und setzt alles daran, seine entfremdete Tochter zu beschützen, koste es was es wolle…

Metadaten
Titel Blood Father
Original Titel Blood Father
Laufzeit 1 h 28 min
Starttermin 11 August 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Schauspieler
Mit: Mel Gibson, Erin Moriarty, William H. Macy, Michael Parks, Thomas Mann, Diego Luna, Dale Dickey
Trailer

„Blood Father“ ist das langerhoffte, wenn auch kaum noch für möglich gehaltene Comeback eines grossartigen Schauspielers. Der zweifache Oscarpreisträger (Braveheart) entwickelt als tattoosstechender Ex-Sträfling und trockener Alkoholiker eine solch energiegeladen-wütende, aber zugleich auch geerdet-väterliche Präsenz, dass er das ansonsten solide B-Movie von Jean-François Richet (Das Ende – Assault On Precint 13) allein mit seiner Performance auf eine ganz andere Ebene hievt. Einen so starken Gibson hat man seit Ewigkeiten nicht gesehen.

Gibsons Performance in „Blood Father“ ist herausragend und Link ist der Inbegriff eines typischen Antihelden – ein trockener Alkoholiker und Ex-Knacki, der nach Absolution für seine früheren Verfehlungen strebt. Aber Gibson verkörpert die Rolle zugleich mit einer solchen Inbrunst und einer solchen Natürlichkeit, dass er allein durch sein geerdetes Schauspiel jedes Klischee umschifft. Doch ganz so simpel, wie es zunächst den Anschein hat, ist das Drehbuch von Peter Craig (The Town) und Andrea Berloff (Straight Outta Compton) dann auch wieder nicht, denn das Duo entwirft rund um den simplen Flucht-vor-den-Gangstern-Plot ein ziemlich spannendes Bild des heutigen Amerika. Das geht gleich mit einer netten satirischen Spitze in der ersten Szene los, wenn die 17-jährige Lydia beim Kauf einer Packung „Camel Light“-Zigaretten nach ihrem Ausweis gefragt wird und daraufhin resigniert erwidert: „Dann eben nur die Munition.“ Später zeichnet Richet in nur wenigen Szenen zwischen Link und seinem Nachbarn und AA-Sponsor Kirby (William H. Macy) das berührende Bild einer Wohnwagensiedlung, in der die Verlierer des Systems tatsächlich mit geschwellter Brust füreinander einstehen. Genau wie diese kleinen Skizzen am Wegesrand sind auch die Actionszenen allesamt kurz, knapp und auf den Punkt: Vor allem der Auftakt-Angriff auf Links Wohnwagen und der erste Auftritt des volltätowierten Kartell-Killers „The Cleaner“ (Raoul Max Trujillo) entfalten gerade deshalb eine solche Intensität, weil sie ohne jeden überflüssigen Schnickschnack auskommen.

Dass „Blood Father“ bei uns und andernorts nur Direct-to-DVD erschien ist eigentlich eine Schande, denn der Film hätte es allemal verdient, auf die grosse Leindwand zu kommen – sowohl Cast als auch technische Umsetzung können sich sehen lassen. Und genügend Publikum hätte der Film sicherlich auch finden können. Mel Gibson mit seiner typischen ruhigen Art und seinem ergrautem Vollbart machen die Action-Thriller-Perle zu einem Must-see. Der Film steigt ziemlich zügig ein, die Handlung ist absolut okay und teilweise sogar richtig cool geschrieben. Erin Moriarty ist das Gegenteil von den üblichen Hollywood Kids die in irgend eine Scheisse geraten sind. Denn sie hat die 3 H’s – Hirn, Herz und Humor. Sie lässt ihren Vater nicht im Stich und ganz wichtig – sie nervt nicht. Man bekommt nicht diese Ablehnung in sich, bei der man sich denkt – erschiess doch endlich diese dämliche Rotzgöre, sondern man sieht ihr gerne zu und lernt sie zu mögen. Ein richtig kurzweiliger, gut gemachter Action-Thriller, der Gott sei Dank nicht nach Hollywood-Schema abläuft. „Blood Father“ erfindet gewiss das das Genre nicht neu, ist aber definitiv eine Sichtung wert. Bleibt zu hoffen, dass Gibson nun genau dort weiter macht.

The Bye Bye Man

The Bye Bye Man

Das unsägliche Böse hat einen Namen.

20171 h 37 min
Kurzinhalt

Als drei College-Studenten in ein altes Haus abseits des Campus einziehen, entfesseln sie dort durch Zufall eine übernatürliche Kraft, bekannt als der "Bye Bye Man". Nun, da sie seinen Namen erfahren haben, geraten sie auf seine Todesliste. Die Freunde müssen versuchen, sich gegenseitig zu retten und gleichzeitig das Geheimnis seiner Existenz zu bewahren, da sonst noch weitere Unschuldige in tödliche Gefahr geraten würden.

Metadaten
Titel The Bye Bye Man
Original Titel The Bye Bye Man
Regisseur Stacy Title
Laufzeit 1 h 37 min
Starttermin 12 Januar 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Trailer

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„The Bye Bye Man“ erinnert schon weitestgehend an den „Candyman“ oder noch mehr an den „Boogeyman“. Leider handelt es sich bei „The Bye Bye Man“ um einen PG-13-Grusler, was soviel heisst, dass es nicht viel zu gruseln gibt und auch mit Jump Scares anständig gehaushaltet wird. Ausserdem ist die Story nicht gerade weltbewegend, aber für dieses Szenario völlig ausreichend. Die Inszenierung und das Schauspiel sind solide, doch im Grunde ist dieses „Sag es nicht, denk es nicht!“-Prinzip etwas abgelutscht. Nach dem Film weiss man über den „Bye Bye Man“ genauso viel wie vor dem Film – nämlich nichts. Der Film gehört zu den Horrorfilmen, die mit übernatürlichen Elementen spielen, um das Publikum zu ängstigen.

„The Bye Bye Man“ zeigt Teenie-Horror nach einfachstem Muster und erzählt eine Geschichte, die auf einen Bierdeckel passt und dazu auch kaum Überraschungen zu bieten hat. Der Film hat kaum nennenswerte Einfälle zu bieten und zeigt quasi eine Art jugendkonforme Neuinterpretation von Filmen wie „Candyman“ oder „Der Fluch Von Darkness Falls“ – ohne neue Einfälle oder cleverem Handlungsstrang. Die Grusel-Rezeptur ist simpel und beginnt mit einem starkem Auftakt. Dabei läuft ein verwirrter Herr Amok und richtet ein Blutbad an. Mit einem Schrotgewehr bewaffnet erschiesst er Familie und Nachbarn. Was anfangs keinen Sinn ergeben will, löst sich aber früh auf. Zum Schutze der Menschheit, hat er all jene ins Jenseits befördert, die von der Existenz des sogenannten „Bye Bye Man“ wissen. Hierbei handelt es sich um eine Kreatur der Dunkelheit, die eine Leidenschaft für makabre Scherze hegt und mit Psychospielchen in den Tod befördert. Leider haben die Macher auf Antworten verzichtet, denn woher die Kreatur kommt und warum sie ausgerechnet auf jene Weise töten muss, erklärt man dem Zuschauer nicht. Stattdessen gibt es Standard-Horror zu sehen, der wegen Vorhersehbarkeit müde macht.

Aufgrund fehlender Ideen und konventioneller Machart erinnert der Streifen von Stacy Title eher an TV-Ware, die in der heutigen Zeit oft über mehr Produktionsgelder verfügt, als so mancher Kinofilm. Das ist dann auch schon das grösste Problem dieses trivialen Grusel-Schnarchers. „The Bye Bye Man“ erweckt den Eindruck, als wäre er anfangs mal fürs Fernsehen geplant gewesen. Die stereotypen Charaktere wirken oberflächlich, bei den CGI-Effekten hat man gespart und das aus drei Seiten bestehende Drehbuch hätte jeder Fünfklässler besser zu Papier gebracht. Da will man mit allen Mitleid haben, die ganz unvoreingenommen Bekanntschaft mit dem Bye Bye Man machen, denn hierbei handelt es sich wohl um den überflüssigsten Filmbösewicht der letzten 30 Jahre. Weil der Film das Dreifache an Produktionsbudget in Amiland eingespielt hat, darf man sicherlich mit einer Fortsetzung rechnen. Das war auch die Intension der Macher. Mit dem Bye Bye Man wollten sie eine neue, ikonische Gestalt des Horror-Genres schaffen. Aufgrund des hohen Zuschauerzuspruchs könnte man das Vorhaben wohl als erfolgreich bezeichnen. So werden wohl einige Folgefilme kommen. Gott hab Erbarmen mit uns Horrorfans…

Der Film erfindet das Rad nicht neu und weist so manche Mängel auf. Entgegen diverser Kritiken finde ich diesen Streifen jedoch nicht schlecht. Der Film nutzt viele Stilmittel, die es in Horrorfilmen schon immer gab: Sich bewegende Schatten, glühende Augen in der Dunkelheit, mysteriöse Spuren, nicht zu verortende Geräusche und leicht hysterische Menschen. Und da komme ich zu einem positiven Aspekt: Douglas Smith. Ich weiss nicht, ob der junge Schauspieler immer so aussieht, aber ich habe ihm abgenommen, dass er psychisch einfach mit der Welt fertig ist. Cressida Bonas konnte mich ebenfalls überzeugen, auch wenn sie einen Grossteil des Films krank in ihrem Bett verbringt. Ein weiterer positiver Aspekt des Films ist die Tatsache, dass er nicht alles um den Mythos bis ins Detail aufschlüsselt. Viele Horrorfilme machen ihren eigenen Mythos dadurch kaputt, dass sie am Ende noch eine ätzend lange Erklärung abliefern, warum die Wesenheit das alles gemacht hat und was welches Symbol bedeutet etc. Bye Bye Man lässt einem hingegen Interpretationsraum, sofern einem „The Bridge to Body Island“ von Robert Damon Schneck nicht bekannt ist.

Im Prinzip hat „The Bye Bye Man“ das gleiche Problem, wie die meisten Horrorfilme unserer Zeit: Das Publikum erwartet mehr. Stephen King schrieb in seinem Buch Danse Macabre: „Was hinter der Tür oder am Ende der Treppe lauert, ist niemals so schrecklich wie die Tür oder die Treppe selbst. Und deswegen haben wir folgendes Paradoxon: Ein künstlerisches Werk des Horrors ist fast immer eine Enttäuschung.“ Doch Bye Bye Man ist bei Weitem nicht so miserabel wie es einige Kritiker behaupten. Für alte Hasen mag es an der ein oder anderen Stelle wahrlich ermüdend sein, aber die Jugendlichen werden ihren Spass haben. Der Bye Bye Man selbst ist recht creepy geraten, doch seine schlecht animierte CGI-Töle geht dann wiederum gar nicht. Ganz im Stil von „Sinister“ oder „Possession – Das Dunkle in dir“ ist „The Bye Bye Man“ ein reinrassiger Horrorschocker. Wie viel Potenzial in der Legende steckt, beweist allein die Tatsache, dass Regisseurin Stacey Title mit Marc D. Evans den Produzenten von „Oculus“ und „The Strangers“ mit an Bord bringen konnte. Ich mochte die Eröffnungsszene und es gab eine Szene, die ich ein wenig unheimlich fand. Insgesamt war der Film ganz nett, nicht überragend, aber auch nicht langweilig. Deshalb gilt: „Sag seinen Namen nicht, denk nicht einmal daran!“ Ist wohl besser so…

Among the Living – Das Böse ist hier

Among the Living - Das Böse ist hier

20141 h 28 min
Kurzinhalt

Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen und die drei Freunde Tom (Zacharie Chasseriaud), Dan (Damien Ferdel) und Victor (Theo Fernandez) können es gar nicht erwarten, den öden Schulalltag endlich gegen die langerwarteten Sommerferien einzutauschen. Darum beschließen die Jungen schnurstracks den letzten Schultag sausen zu lassen und verfrüht in die Ferien zu starten. Auf ihrem Abenteuer landen die Schulschwänzer schließlich auf dem verlassenen Gelände der Blackwood Filmstudios. Als die Jungs im Kofferraum eines vor kurzem abgestellten Autos eine gefesselte und geknebelte Frau finden, wird ihnen schlagartig bewusst, dass das Gelände nicht so verlassen ist, wie es scheint. Ein maskierter Mann ist nicht nur hinter der Frau sondern auch hinter den Kindern her, um sein schreckliches Geheimnis zu bewahren.

Metadaten
Titel Among the Living - Das Böse ist hier
Original Titel Aux yeux des vivants
Regisseur Alexandre Bustillo, Julien Maury
Laufzeit 1 h 28 min
Starttermin 10 März 2014
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Trailer

Die Franzosen trauen sich immer wieder mal so richtig reine Genrekost rauszuhauen. Bei „Among the Living – Das Böse ist hier“ haben wir es mit einem geradlinig auf puren Horror getrimmten Knisterstreifen zu tun. Alexandre Bustillo und Julien Maury schufen 2007 mit ihrem Debüt „Inside“ einen der härtesten und bis heute umstrittensten Vertreter der „neuen französischen Härte“ im Terrorkino. Auch mit ihrem dritten Film „Aux yeux des vivants“ bleiben sie dem Horror-Genre treu. Doch erneut schlagen Bustillo und Maury eine völlig neue Richtung ein. Dieses Mal orientieren sie sich vorrangig an amerikanischen Vorbildern aus den 80er-Jahren. Dabei fangen sie recht vielversprechend an, können insgesamt jedoch nicht ganze überzeugen.

Atmosphärisch ist „Aux yeux des vivants“ erneut vom handwerklichen Geschick des Duos gekennzeichnet, das auch hier wieder, mitunter nur für die Dauer weniger Sekunden oder sogar lediglich in Form eines einzelnen Bildes, Momente kreieren, die für erhöhten Pulsschlag, unangenehmes Ausharren oder entsetztes Abwenden sorgen, wobei vor allem ihr ausgeprägtes Gespür für räumliche Verdichtung zum Vorschein kommt. Manche Szenen sind extrem spannend geraten, das Timing funktioniert recht gut. Geräuschkulisse, Szenenbild, die sorgfältige Kameraführung, Spezialeffekte – all das ist professionell gemacht und erzeugt die gewünschte Atmosphäre. Ich freue mich nach dem ganzen Lost-Footage-Wackelwackel-Schrott endlich mal wieder über einen Film mit ruhiger und klarer Kamera, von dem ich keine nervösen Zuckungen bekomme. Und die Eröffnungsszene, in der sich ein Messer in den Bauch einer Schwangeren bohrt, ist einfach eine Wucht.

Trotz überschaubarer Lauflänge ist die Geschichte am Ende zu wenig. Es heisst geradlinig Gut gegen Böse und Blöd (die Polizei) spielt auch noch mit. Eine interessante Wendung oder etwas mehr Tiefe sucht man leider vergebens. Es läuft weiter bis zum konsequenten, aber nicht sonderlich überraschenden Ende. Das aufwendige, oft betont stimmungsvolle aber jegliche Originalität quasi vorsätzlich aussparende Gestaltung wird ohnehin Nebensache, sobald Klarence seinen Mordlauf beginnt. Aus „Among the Living“ wird ein ganz normaler Slasher. Das Geschehen folgt gut bekannten Konventionen und wird mit einschlägigen Effekten aufgepeppt. Wenn nun scharfe Klingen in Körpern versenkt werden oder ein Polizisten-Unterkiefer unter Klarences Machete zu Boden fällt, jubiliert sicherlich der bis hierher sanft entschlafene Gorehound. Wer den Schrecken lieber als Andeutung geniesst und in der ersten Filmhälfte gut bedient wurde, dürfte dagegen entsetzt sein, wenn im grossen Finale geschnetzelt wird, als wäre schon wieder Freitag, der Dreizehnte.

Neben diesen inszenatorisch vereinzelten Bravourstücken im Mittelteil schlittern Bustillo und Maury im Finale aber schliesslich in Gefilde des nahezu komischen Theaters, wenn ihr Showdown sämtliche Regler auf Anschlag dreht, um zwischen Splatter-Einlagen, absurden Masken und Kostümen sowie an völlig unpassender Stelle eingefügter Sentimentalität zu einem Ende zu gelangen, das wie auch schon der grösstenteils zerfahrene, unentschlossene Vorgänger „Livid“ erneut ernüchtert zurücklässt. Alexandre Bustillo und Julien Maury gelingt es leider nicht die Erwartungen, die sie mit der Ausgangslage schüren, im weiteren Handlungsverlauf auch einzulösen. Schleichend und dann immer schneller verflüchtigt sich die Atmosphäre. Zunehmend folgen sie nur noch den vorhersehbaren, ausgetretenen Genrepfaden, bemühen schlicht unlogische Entwicklungen, um ihre Handlung weiter voranzutreiben. Ganz nebenbei beginnt man sich zu fragen, ob die Franzosen in ihre Häuser grundsätzlich keine Lichtschalter einbauen. Ein bisschen nachvollziehbarer hätten die Protagonisten ruhig handeln können.

„Among the Living“ ist ein holpriges Gesamtwerk, ein in der ersten Handlungshälfte sich windendes Genre-Mischmasch, dass keineswegs misslungen ist und deutlich besser geraten als Bustillos und Maurys zwar formal ebenfalls interessantes aber inhaltlich gar zu krudes Vorgängerwerk „Livide. Im Gedächtnis haften bleibt aber eine Erwartungshaltung, die sich nachträglich als überzogen erweist und doch dem Autoren- und Regie-Duo angekreidet wird. „Aux yeux des vivants“ mag ehrgeiziger konzipiert sein, hier trifft „Stand by Me“ auf „The Hills Have Eyes“, liest man allen Ernstes auf dem Backcover – ist aber letztlich „nur“ ein Slasher, der filmkünstlerisch breitbeinig heranmarschiert, um sich schliesslich in den Fussstapfen deutlich gewichtigerer Vorgänger zu verirren. In diesem Punkt enttäuschen Bustillo & Maury, unterhalten können sie aber trotzdem. „Among The Living“ ist per se kein schlechter Traum. Doch für einen wirklich eindrucksvollen Horror-Streifen fehlt es an zu vielen Ecken. Gerade nach dem wirklich treibenden Startschuss geht viel zu schnell der Drive verloren und lässt auch das Treiben des Monsters einiges an Albtraumhaftigkeit vermissen.

In Fear

In Fear

20131 h 25 min
Kurzinhalt

Lucy und Tom sind erst seit zwei Wochen zusammen, als ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird. Als Überraschung hat Tom für die Nacht nach einem Musikfestival ein Zimmer in einem Hotel auf dem Land gebucht. Doch auf dem Weg dahin erreichen sie plötzlich eine Gabelung, die so gar nicht zu den Instruktionen passt, die ihnen online gegeben wurden. Tom und Lucy bekommen es in der Dunkelheit langsam, aber sicher mit der Angst zu tun. Das Böse treibt dort sein Unwesen und es ist ihnen näher, als sie denken.

Metadaten
Titel In Fear
Original Titel In Fear
Regisseur Jeremy Lovering
Laufzeit 1 h 25 min
Starttermin 3 April 2013
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Trailer

Kleiner, bitterböser Low Budget-Schocker, der nach einem etwas zahmen Start zum finsteren Psycho-Horror wird. Eine positive und durchaus empfehlenswerte Überraschung im Genre-Einerlei. Kleiner Psychothriller, der zu grossen Teilen in einem Auto spielt. Sicherlich merkt man dem Film an manchen Stellen die fehlenden Mittel an. Aber Lovering gelingt es dennoch eine Geschichte zu erzählen, die unter die Haut geht. Bei „In Fear“ ist der Name tatsächlich Programm.

Auch wenn die neuste Elektronik das Leben oft erheblich erleichtert, ist es manchmal besser sich nicht allzu sehr auf den hochmodernen Kram zu verlassen. Im Horrorfilm zum Beispiel passiert es nämlich ständig, dass just in Momenten der Gefahr Telefon und Internet versagen und das Opfer dumm aus der Wäsche guckt. Die beiden Protagonisten in diesem Film haben mit dem ganzen Hightech-Schnickschnack ebenso wenig Glück. Filmfans, die ohnehin schon ihre Probleme mit der Pumpe haben, sollten „In Fear“ möglichst meiden, denn in diesem finsteren Horrortrip werden die Helden nahezu minutiös von unerwarteten Überraschungen aus dem Dunkel der Nacht heimgesucht. Wie der Titel bereits verrät, hat sich der TV-erprobte Jeremy Lovering der Angst verschrieben. Die Inspiration zum Film kam dem Regisseur bei Dreharbeiten zu einer Dokumentation in Sligo (nördliches Irland), wo er von den Einheimischen an der Nase herumgeführt wurde. Die hatten die Beschilderung des Ortes verändert, so dass Lovering immer wieder zu einem nahe liegenden Pub gelotst wurde und kurz davor war den Verstand zu verlieren. Geschwind kam ihm die Idee von der Urangst-Problematik in den Sinn – der Angst vor Dunkelheit und der damit verbundenen Orientierungslosigkeit. Die erleben Iain De Caestecker und Alice Englert auf ziemlich authentische Weise, denn den Schauspielern wurde bei den Dreharbeiten so einiges abverlangt.

Ein Drehbuch gab es für die beiden nicht. Sie erhielten lediglich Anweisungen am Tag des Drehs. Das bescherte maximales Adrenalin und authentische Angstschreie, da die Schauspieler nie wussten, was ihnen am aktuellen Drehtag blühen wird. Schaut man im Film etwas genauer hin, wird das mehr als einmal deutlich. Viele der gut platzierten Schocks kommen ganz unverhofft und zerren am Nervengerüst – und dass nicht nur beim Zuschauer. Wie es im Horrorfilm üblich ist, muss ein obligatorischer Twist her. Aus unheimlichem Mystery wird bedrückendes Terrorkino, das sich vorwiegend in der zunehmend klaustrophobischen Enge von Toms Auto abspielt. Das verliebte Paar gabelt einen verletzten Fremden auf einer kaum befahrbaren Landstraße auf, der sich selbstverständlich wenig später als kranker Psychopath entpuppt und es nur auf das möglichst hinterlistige Ermorden der ahnungslosen Durchreisenden abgesehen hat. Lovering selbst gibt zu zuvor Streifen wie „Funny Games“, „The Hitcher“ und „Buried“ studiert zu haben, um seinen Erstling möglichst intensiv, angsteinflössend und unangenehm klaustrophobisch in Szene setzen zu können. Der Ideenklau hat gut funktioniert, denn den spielerischen Umgang mit den Konventionen des modernen Horrorfilms beherrscht der Filmemacher ziemlich souverän. Das Spielfilmdebüt glänzt mit anhaltend bedrohlicher Atmosphäre und ziemlich gemeinen Schocks, die den Genrefan einmal mehr spüren lassen, warum sich der Horrorfilm immer noch grosser Beliebtheit erfreut. Zwar ist „In Fear“ nicht sonderlich brutal, ertönt dann jedoch erst einmal der aggressiv-pumpende Bass während die Protagonisten in Panik durch den Wald flitzen, ist das weitaus verstörender als literweise Filmblut und Kunstgedärme.

Erwähnenswert ist zudem, dass Englert den Soundtrack-Titel „Conversation with Death“ (oder auch „Oh Death“) singt. Von wem und wann genau der Song geschrieben wurde, ist umstritten. Nichtsdestotrotz ist es ein eindringlicher Song, der durch Englerts dunkle Stimme noch beunruhigender wirkt und einem einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Die neuseeländisch-britische Schauspielerin, welche vor allem durch die Filme „Beautiful Creatures“ (2013) sowie „Ginger & Rosa“ (2012) bekannt ist, entpuppt sich langsam als Geheimtipp. Ich hoffe, dass man von ihr in Zukunft noch mehr sehen und hören wird. Glücklicherweise verstösst der Film gegen das Rollenklischee und lässt die von Englert gespielte Lucy deutlich taffer mit der Situation umgehen, als es dem von Ian De Caestecker gut verkörperten sehr sensiblen Tom gelingt. Der wenig heldenhafte Protagonist tut der Wirkung des zunächst unscheinbaren Geschehens auch merklich gut. „Downtown Abbey“-Star Allen Leech gibt einen Anhalter in bester Rutger Hauer-Tradition. Sein Max ist zwielichtig und eigenwillig, was die ohnehin enorm hohe Spannungskurve noch einmal anhebt und bis zum starken Finale nicht mehr abebbt. So kommt der Film mit drei erwähnenswerten Schauspielern aus, die für diesen Horrortrip auch vollkommen ausreichen.

„In Fear“ ist ein solider Horror-Psychothriller, der sich leise und schleichend entfaltet. Im Gegensatz zu den üblichen Schock-Blockbustern ist dies eine gelungene Abwechslung. Während des Filmes entsteht allerdings auch oft blosse Verwirrung, da man sich nicht genau sicher sein kann, ob die Geschehnisse wirklich nur durch eine einzige Person verursacht werden oder ob eine dunkle höhere Macht am Werke ist. Da diese Frage offen bleibt, mag das Ende für den einen oder anderen eher unbefriedigend sein. Hochgradig verstörender Schocker, der dem Zuschauer mal wieder vor Augen hält, dass Genre-Werke nicht immer zwangsläufig nur in Blut ersoffen werden müssen. Loverings „In Fear“ führt den Filmfreund zu den Wurzeln des Horrorfilms zurück. Seit nämlich ultra-harte Gewaltgurken unentwegt in den Heimkinos rotieren, ist das eigentlich Ziel von Horrorfilmen in Vergessenheit geraten. Regisseur Jeremy Lovering holt die angestaubten Tugenden des Horrorfilms zurück auf die Leinwand und versucht es mal wieder mit der altmodischen Art: Dem Angst einjagen. Er macht die menschlichen Urängste zum Thema seines Streifens und ist dabei recht gut darin. Zwar gibt es trotzdem den obligatorischen Twist kurz vor Ende, bis dahin dreht Lovering ziemlich geschickt an der Schock- und Spannungsschraube – ganz so wie einst die Altmeister des modernen Genrefilms. Nahezu ohne Mittel gelingt es Jeremy Lovering in angemessen kurzweiligen 85 Minuten eine meistens schlüssige und überraschend spannende Story zu erzählen, die den Zuschauer nach der Aufwärmphase zu fesseln vermag. Gut gemacht!

31 – A Rob Zombie Film

31 - A Rob Zombie Film

20161 h 43 min
Kurzinhalt

1976: In der Nacht vor Halloween werden fünf abgebrannte Jahrmarkts-Mitarbeiter von einer Bande sadistischer und spielsüchtiger Hinterwäldler entführt und zu einem mysteriösen, schrecklichen Ort gebracht: der "Murder World". Dort haben sie 12 Stunden Zeit, ein mörderisches Spiel namens „31“ zu überleben. Eine Gruppe von Psychopathen - alle als Clowns maskiert - wird auf sie gehetzt und hat nur eine Aufgabe: die fünf Gefangenen zu töten. Das Spiel kennt keine Regeln, was zählt, ist der pure tierische Überlebensinstinkt.

Metadaten
Titel 31 - A Rob Zombie Film
Original Titel 31
Regisseur Rob Zombie
Laufzeit 1 h 43 min
Starttermin 15 September 2016
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Detail
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Bilder
Trailer

Holy Shit! Und die Betonung liegt eindeutig auf Letzterem: Heilig ist an Rob Zombies Survival-Horror „31“ nämlich gar nichts – bescheiden und wahrhaft grenzwertig dagegen Einiges. Der Industrial-Rocker und Regisseur polarisierender Genre-Kultstreifen wie „Haus der 1000 Leichen“ (2003) oder „The Devil’s Rejects“ (2005) macht in seinem neuesten Werk keine Gefangenen, auch nicht bei seinem Publikum. Kurze Zeit nach dem schleichenden und teils ziellosen Schauerausflug „Lords of Salem“ (2012) machten Informationen die Runde, dass der Filmemacher an einem weiteren Horrorfilm tüfteln würde, der zu Zombies Regie-Wurzeln zurückkehren sollte. Mehr Härte und Hoffnung auf ein NC-17 (die höchste Freigabe, die Filme in den US&A erhalten können) sollten Erwartungshaltungen schüren. Doch bietet „31“ auch das, was der Musiker, Comicautor und Regisseur seinen Anhängern im Vorfeld versprochen hat? Lasset das Spiel beginnen!

Ursprünglich hatte Rob Zombie sich ja vorgenommen, nach seinem insgesamt recht mauen Spuk „Lords of Salem“ dem Horror zunächst den Rücken zu kehren und endlich sein Herzprojekt – einen Hockey-Film (!) – in Angriff zu nehmen. Doch nachdem dieser Traum im Sand verlaufen ist, blieb der Schuster doch bei seinen Leisten: „31“ ist nach dem relativ zahmen Vorgänger und den kontrovers aufgenommenen „Halloween“-Neuauflagen eine glasklare Rückkehr zu den Grindhouse-Wurzeln Zombies. Hier trifft thematisch die Stephen-King-Adaption „Running Man“ (1987) auf den hysterischen Terror eines Tobe Hooper – nur durch die sehr gewöhnungsbedürftige Brille des Regisseurs und Autoren zusätzlich verzerrt und von nahezu jeglichem Tiefgang und glaubwürdigen Narrativ befreit. „31“ ist Trash und will auch gar nichts anderes sein. Für Fans gedreht und teilweise durch Crowdfunding auch von Fans finanziert, hangelt sich Zombie von einem blutigen Zweikampf zum nächsten. Langeweile kommt dabei nie auf und wer ohnehin auf inhaltliche Erklärungen, ansprechende Dialoge oder sympathisch gezeichnete Protagonisten pfeift, könnte auf einem sehr niedrigen Niveau auf seine Kosten kommen.

Die Filme eines Rob Zombie waren eigentlich noch nie für die breite Masse ausgelegt, auch wenn die beiden „Halloween“ Verfilmungen ein wenig in die Richtung des Mainstream-Horrors abzielten. Mit dem nun erschienenen „31“ wollte der Musiker und Regisseur zu seinen Wurzeln zurückkehren, die bei seinen beiden ersten Filmen „Haus der 1000 Leichen“ und „The Devils Reject“ noch so wunderbar zu erkennen waren. Hat der gute Rob doch seinerzeit wirklich etwas frischen Wind in das Genre gebracht und dabei einen ganz eigenen Stil an den Tag gelegt, indem er mit dreckigem und stellenweise überzeichneten Horror aufwartete, in dem skurrile und schrille Figuren das absolute Markenzeichen waren. Der vorliegende Beitrag kann dann auch wirklich zumindest stellenweise wieder an diese Zeiten anknüpfen, denn Zombie präsentiert einmal mehr eine völlig überzeichnete Story, die auch wieder mit bunten und äusserst eigenwilligen Figuren daher kommt. Rein inhaltlich bietet das Szenario allerdings nichts Neues, so sind beispielsweise starke Anlehnungen an einen Film wie „Slashers“ aus dem Jahr 2001 unübersehbar. So darf man seine reichlich charakterlosen Charaktere gleich zu Beginn beim Sex oder Stuhlgang beobachten, während Sheri Moon Zombie einem notgeilen Tankwart stimulierend zur Hand geht. Aber es geht natürlich noch weiter: Im Verlauf des Szenarios – Handlung wäre hier der falsche Begriff – gibt es noch Hakenkreuze galore, die Toraufschrift von KZs an Türen und eine Ansprache des Führers im Originalton. Wem das noch nicht reicht, muss ausserdem einen Witz über einen Blowjob durch ein Neugeborenes überstehen – nicht bloss unter den hiesigen Jugendschutzbeauftragten dürften ungläubig die Köpfe geschüttelt haben.

Was besonders auffällt ist die Tatsache, das sämtliche Figuren dermassen unsympathisch gezeichnet wurden, das man auch nicht das geringste Mitleid mit den Spielern haben kann. Vielleicht ist daran auch die gerade zu Beginn fast schon inflationär eingesetzte Fäkalsprache schuld, denn gerade in den ersten Minuten bekommt man sexuelle Anspielungen und Kraftausdrücke ohne Ende serviert. So fällt es dann auch äusserst schwer irgendwelche Sympathiewerte für irgendeine Person zu entwickeln, so das man die Tötungen einzelner Protagonisten eher emotionslos hinnimmt. Das Schauspiel der Akteure ist für einen Film dieser Machart durchaus passend, wobei sich allerdings niemand sonderlich in den Vordergrund spielen kann, geschweige denn durch eine überragende Performance aufwartet. Mit Malcolm McDowell und der sichtbar in die Jahre gekommenen Meg Foster sind bekannte Gesichter mit an Bord und selbstverständlich darf auch Robs angetraute Ehefrau Sheri Moon Zombie nicht fehlen, die ja im Prinzip zur Grundausstattung seiner Filme zu zählen ist und ohne Weiteres auch als Inventar bezeichnet werden könnte. Zombie geizt auch in „31“ nicht mit Blut und Gewalt, ist aber im Vergleich auch nicht wesentlich härter als einige von Zombies früheren Arbeiten. Das ganz grosse Splatter-Feuerwerk bleibt aus – das nur als Warnung an die Gorehounds!

Letztendlich wird auch das vorliegende Werk die Meinungen spalten, mir persönlich hat allerdings gefallen, das Rob Zombie endlich zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt ist. Nach den letzten doch äusserst enttäuschenden Beitrag „Lords of Salem“ ist das mehr als erfreulich und nährt gleichzeitig die Hoffnung, das der gute Mann nun endlich seinem Stil treu bleibt. Sicherlich ist „31“ alles andere als ein Meisterwerk und wird auch längst nicht jeden Geschmack treffen, aber es handelt sich zumindest um einen mehr als ordentlichen Genre-Vertreter, in dem der Regisseur sich endlich wieder auf seine Stärken besonnen hat. In Anbetracht des geringen Budgets mussten inszenatorisch einige Abstriche gemacht werden: Auch wenn der filmemachende Rockstar bereits seit seinen Musikvideos weiss, wie man mit wenig Geld schicke Bilder erzeugen kann, hinterlassen vor allem die billig wirkende Ausstattung und vorallem die wackelige Kameraarbeit einen faden Nachgeschmack. Der mit allen Mitteln auf Nihilismus und Sadismus gekämmte „31“ dürfte von Hardcore-Fans als weiterer – mehr oder weniger – gelungener Eintrag ins Rob-Zombie-Universum gewertet werden, während wohl die Mehrheit der Kinogänger arge Schwierigkeiten mit kleinwüchsigen Hitler-Fetischisten oder mordenden, „Hänschen klein“-singenden Transvestiten haben dürfte. Als gesprächiger Killer Doom-Head hinterlässt der aus Nebenrollen bekannte Richard Brake eine beängstigende Duftmarke. Mich würde es nicht wundern, wenn Quentin Tarantino den Mimen in Zukunft ebenfalls für sich entdeckt. „31“ bietet inhaltlich nichts Neues, die Geschichte wartet aber mit mehreren starken Momenten auf, die sich natürlich zugegebenermassen in der Hauptsache durch die visuelle Härte zu erkennen geben. Wer das als ausreichend empfindet, wird mit diesem Gewaltporno bestens bedient und dürfte am Ende zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck gelangen.

The Great Wall

The Great Wall

20161 h 43 min
Kurzinhalt

Der Film schildert die Geschichte hinter der Entstehung eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Menschheit, der Chinesischen Mauer. Im Mittelpunkt steht eine Truppe britischer Krieger, die zufällig über den Bau der Mauer stolpert. Bald finden sie heraus, dass diese nicht nur dazu dienen soll, die Mongolen abzuwehren, sondern eine viel gefährlichere, unmenschliche Kraft.

Metadaten
Titel The Great Wall
Original Titel The Great Wall
Regisseur Zhang Yimou
Laufzeit 1 h 43 min
Starttermin 16 Dezember 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Schauspieler
Mit: Matt Damon, Willem Dafoe, Pedro Pascal, Andy Lau, Jing Tian, Zhang Hanyu
Trailer

„The Great Wall“ bekommt das Kunststück fertig zwar ziemlich aufwendig, aber gleichzeitig auch ganz schön billig auszusehen. Besonders das CGI vermag nicht imer zu überzeugen, doch auch die sonstige Ausstattung erinnert oft eher an die 80er, als an einen modernen Blockbuster. Da gingen Anspruch und technische bzw. finanzielle Möglichkeiten arg auseinander. Es ist ein Film, der den Anschein erweckt, als wollte er ursprünglich ein ganz grosses Epos werden. Gereicht hat es am Ende aber nur zu mittelprächtigem Fantasytrash.

Thomas Tull ist wohl einer der aktuell schillerndsten Produzenten Hollywoods – auch weil er zwei Gesichter hat. Da ist einmal der kluge Geschäftsmann, der Beteiligungen an Hits wie „Jurassic World“ herausschlägt, wo er für wenig Arbeit viel Geld bekommt. Und da ist zum anderen der riesige Filmfan, der auch riskantere Projekte durchzieht, weil er sie selbst gerne im Kino sehen will – so gab er Guillermo del Toro freie Hand beim extravaganten Horror-Romantikdrama „Crimson Peak“. Die chinesisch-amerikanische Co-Produktion „The Great Wall“, eine von Tull selbst erdachte Herzensangelegenheit, erscheint auf dem Papier nun als die perfekte Kombination aus Geschäftssinn und Leidenschaft: ein durchaus origineller epischer Stoff, der gleichermassen auf die zwei aktuell bedeutendsten Filmmärkte der Welt, Nordamerika und China, ausgerichtet ist – umgesetzt mit einem Meisterregisseur aus dem Reich der Mitte und einem Schauspielsuperstar aus Hollywood. Die Hoffnungen auf Einspielrekorde in China haben sich beim dortigen Start zwar nicht ganz erfüllt, aber finanziell dürfte die Rechnung bei der 150-Millionen-Dollar-Produktion am Ende trotzdem aufgehen. Und das obwohl Tull, seine Autoren und Regisseur Zhang Yimou (Hero) zuweilen wenig Rücksicht auf westliche Sehgewohnheiten nehmen, was aus hiesiger Perspektive für einige verquere und irritierende Momente sorgt. Aber abgesehen davon – und vorausgesetzt, man kann über ein paar unterdurchschnittliche CGI-Effekte hinwegsehen – bereitet der Fantasy-Actioner dank vieler grossartig-epischer 3D-Massen- und Schlachtszenen jede Menge Spass.

Action und visuelle Reize stehen hier im Vordergrund, entsprechend schnell geht es wie erwähnt gleich zu Beginn schon zur Sache. Die titelgebende Grosse Mauer wird mit ein paar Sätzen und einer illustrierenden Einstellung vorgestellt und nach einer kurzen Einführung trifft auch schon das Söldner-Duo aus fernen Landen an dem imposanten Bauwerk ein, wo sie sogleich der erste Sturmangriff der Taotie erwartet. Wenn dabei mit Speeren bewaffnete Soldatinnen wie an Bungee-Seilen die Mauer herabstürzen, Monster aufspiessen, wieder nach oben geschleudert werden und mit zwei neuen Speeren das Spiel von vorne beginnen, sorgt das schon nach wenigen Minuten für ein frühes Highlight, das nur dadurch beeinträchtigt wird, dass die Taotie (in Deutsch etwa „Fresser“) leider zum Teil nicht sehr überzeugend animiert sind. So gut die Menschenszenen sind, so schwach sind viele der Momente mit den Tausenden Computer-Monstern, die übrigens nicht der Fantasie der Filmemacher entstammen, sondern nach 4000 Jahre alten Darstellungen auf Bronzegefäßen gestaltet wurden. Für den knapp skizzierten erzählerischen Hintergrund der Taotie haben die Macher übrigens auf chinesische Legenden zurückgegriffen, die bereits „Game Of Thrones“ inspiriert haben (auch dort gibt es eine gigantische Mauer, die eine mysteriöse Bedrohung vom Reich fernhalten soll, sowie Wächter, die sich dort für ihr ganzes Leben verpflichten).

Hintergründe und Erklärungen werden generell knapp gehalten, das Setting ist nicht nur zeitlich recht unbestimmt und so bleibt der Fantasy-Weltentwurf in vielen Belangen rudimentär. Es geht immer in hohem Tempo voran und wenn der Regisseur dann doch einmal auf die Bremse tritt, dann sorgt das eher für Irritationen. So ist eine mutwillig hereingequetscht wirkende „Beerdigungsszene“ in diesem erzählerischen Umfeld ein Hemmschuh, der den Rhythmus stört. Und da sie gleichsam aus dem Nichts zu kommen scheint, fehlt ihr auch die emotionale Kraft. Missen möchte man dieses Einsprengsel trotzdem nicht, denn die Szene bietet mit zahlreichen gen Himmel aufsteigenden Lampen den nächsten grandiosen Schauwert. Auch die Darsteller müssen sich dabei dem Spektakel unterordnen. So wird Matt Damon, der für die internationale Vermarktbarkeit sorgen soll, schauspielerisch wenig gefordert. Allerdings ist es eindrucksvoll, wenn er in bester „Tiger & Dragon“-Manier durch die Luft wirbelt und die Monster mit seinen Pfeilen oder einem Speer durchbohrt. Neben dem für ein paar launige Sprüche zuständigen „Game Of Thrones“-Star Pedro Pascal und dem sehr blassen Willem Dafoe („Platoon“), der hauptsächlich die Moral („Gier führt ins Verderben“) der Geschichte verkörpert, sticht vor allem die in ihrer Heimat wegen ihrer angeblichen Beziehung mit einem mächtigen Unternehmer und daraus resultierenden Nepotismus-Vorwürfen sehr kritisch betrachtete Tian Jing („Police Story 2013“) als Lin Mae heraus. Allerdings interessieren sich die Macher insgesamt zu wenig für die Figuren, damit wir wirklich ganzen Herzens mit ihrer mutig in den finalen Kampf ziehenden Anführerin mitfiebern können.

Sechs Autoren werden im Abspann von „The Great Wall“ gelistet, doch weder die simple, dafür aber auch effektiv-geradlinige Story, an der auch „Last Samurai“-Regisseur Edward Zwick mitgewirkt hat, noch Willem Dafoes auf Schlagworte reduzierte Dialogzeilen, die unter anderem von Tony Gilroy (Michael Clayton) stammen, bieten einen wirklichen Grund den Film sehen zu müssen. Die wahren Attraktionen von „The Great Wall“ liegen woanders. Was Regisseur Zhang Yimou hier an epischen Schlachten auffährt, ist beeindruckend und teilweise sogar herausragend. In Hollywood ist es aus Kostengründen längst Usus, dass Massenszenen aus dem Computer stammen. Das hat man zwar immer weiter perfektioniert, doch es ist immer noch eindrucksvoller, wenn wie hier Tausende Statisten aufgeboten werden und echte Menschen die Leinwand füllen. Zhang weiss, was er an diesen Massen an Mitwirkenden hat und wie er sie am besten zur Geltung bringt. Mal lässt er die Kamera genüsslich über das riesige Heer auf der Mauer gleiten, mal ist im gesamten Bildausschnitt nichts anderes zu sehen als unzählige gegen Monster kämpfende Soldaten. Sehr clever ist auch, dass die verschiedenen Wächter-Einheiten – je nach ihren Waffen und Fähigkeiten – farblich voneinander abgehoben sind – das sorgt nicht nur für bessere Übersicht, sondern lässt einzelne Bilder zusätzlich wie 3D-Gemälde wirken.

A Cure for Wellness

A Cure for Wellness

Fühlen Sie sich wohl?

2017Länge unbekannt
Kurzinhalt

Weil der CEO der Firma, in der er arbeitet, viel zu lange in einem Wellness-Center in den Schweizer Alpen verweilt, macht sich der ehrgeizige junge Angestellte Mr. Lockhart (Dane DeHaan) auf nach Europa, um seinen Chef Mr. Pembroke (Harry Groener) zurückzuholen. Dort angekommen, stellt er bald fest, dass die Einrichtung nicht der idyllische Heiltempel ist, als der sie sich nach außen hin darstellt. Weil er zu viele Fragen stellt, diagnostiziert das Personal schließlich auch Lockhart mit der seltsamen Krankheit, die hier alle Patienten festzuhalten scheint. Unter Direktion des rätselhaften Spa-Leiters Volmer (Jason Isaacs) beginnt die Behandlung und sein Verstand wird auf die Probe gestellt. Gemeinsam mit Langzeitpatientin Hannah (Mia Goth) stellt Lockhart jedoch gleichzeitig weiterhin Nachforschungen an, um dem Geheimnis der Einrichtung auf den Grund zu gehen…

Metadaten
Titel A Cure for Wellness
Original Titel A Cure for Wellness
Regisseur Gore Verbinski
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 15 Februar 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

Bereits nach den ersten gesehenen Trailern stockte einem der Atmen und man war neugierig auf die Story dahinter. „A Cure for Wellness“ startet zunächst mit einer typischen New Yorker Firmen-Szenerie, welche die Hektik und den Stress des Alltags widerspiegelt. Besessen vom Aufstieg in die höheren Etagen, scheint Mr. Lockhart sich keiner Sache zu schade zu sein. So erklärt er sich dazu bereit, seinen Chef und CEO der Firma, Mr. Pembroke, aus einer Art Wellnessurlaub zurückzuholen. Seine Reise führt ihn in die weit entfernte Schweiz. Und genau diese Reise ist dem Regisseur auch perfekt gelungen, es findet ein direkter und harter Cut zwischen dem unruhigen New York und der bilderbuchartigen Schweiz statt.

Die Landschaftsaufnahmen sind besonders gut gelungen und der Zuschauer taucht in eine völlig gegensätzliche Welt ein. Gezeichnet von Burgen, Wäldern und ganz viel Ruhe und Erholung. Dort eingetroffen stösst Mr. Lockhart auf die mysteriöse Spa-Klinik, deren Patienten dem jungen Amerikaner bereits von Anfang an nicht geheuer sind. Da wäre die alte Dame, die mysteriöse Botschaften mit Hilfe von Kreuzworträtseln puzzelt oder eine Vielzahl an verwirrten, aber sehr glücklich wirkenden Menschen, denen das Wasser trinken ziemlich wichtig scheint. Bereits hier wittert der Zuschauer, dass es mit dem Wasser etwas auf sich haben muss. Allerdings ist die Story so komplex, dass man kurze Zeit später wieder andere unheimliche und ungeklärte Dinge in den Vordergrund schiebt. Diese Spannung hält sich den ganzen Film lang und führt den Zuschauer durch eine atemberaubende Kulisse aus Schlossmauern, die teilweise auf der Burg Hohenzollern gedreht wurden und Spa-Räumen, deren Funktionen und Sinn nicht nur den Zuschauer verwirren. Sei es eine Gruft unter den Schlossmauern oder die herrlich skurrile Dorfbar, deren Bewohner ebenfalls extremst merkwürdig scheinen.

Der komplette Film beschert dem Kinobesucher einen unfassbar langen Spannungsbogen, der sich auch erst gegen Ende des Films – und das bei zweieinhalb Stunden – aufklärt. Was nun genau die Klinik zu einem mysteriösen und unheimlichen Ort zugleich macht, bleibt hier den Filmfans zuliebe mal noch ungeklärt, allerdings bleibt nur so viel zu sagen – der Schluss hat es in sich, ist etwas trashig. Jeder Horrorfilm-Liebhaber wird mit klassischen Szenen seinen Spass haben (Spiegel, Höhle, unter Wasser, dunkle Räume, Wassertanks). Jeder Thriller-Liebhaber mit einer komplexen Personenkonstellation seinen Adrenalinspiegel steigen lassen (junge gruselige Frau, besessener Klinikleiter). Und jeder Filmfan des guten Geschmacks wird sowieso auf seine Kosten kommen (Wasser, Aale, Urinproben, Gruft, Leichen, Behandlungen, Liebesgeschichte). Und dann auch noch die Besetzung mit Dane DeHaan, der bereits in Filmen wie Chronicles den mysteriösen Buben gespielt hat – genial. Was bleibt da noch mehr zu sagen, als ab ins Kino!

The Girl with All the Gifts

The Girl with All the Gifts

2016Länge unbekannt
Kurzinhalt

In naher Zukunft, sucht eine Plage die Menschheit heim. Durch Parasiten, verwandeln sich fast alle Menschen in blutrünstige Zombies und niemand ist mehr sicher. Eine kleine Gruppe von Kindern scheint jedoch immun gegen den Erreger zu sein und verkörpert somit die Hoffnung für die gesamte Bevölkerung. In einer Militärbasis werden die Kinder untersucht, doch merkwürdige Dinge geschehen…

Metadaten
Titel The Girl with All the Gifts
Original Titel The Girl with All the Gifts
Regisseur Colm McCarthy
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 23 September 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

„The Girl with All the Gifts“ basiert auf dem gleichnamigen 2014 veröffentlichten Roman von Mike Carey (auch bekannt als M.R. Carey), der seinen Roman selbst zu einem Drehbuch adaptierte. Die ersten 30 Minuten gehören zum spannendsten und innovativsten was ich seit langem im Zombie-Genre gesehen habe. Wie einschüchternd und angsteinflössend so ein Kinderwagen doch sein kann. Der Film überzeugt mit einer guten Story , einer guten Inszenierung und mit sehr guten Darstellern und es gibt knackige Action mit einem gutem Anteil Gore. Die Mischung aus Drama und Zombieaction hat noch nie so gut funktioniert wie hier.

„Ophiocordyceps unilateralis“ heisst die Pilzart, welche zur Inspiration für diesen Film diente und die wir hier auch schon in der Gruft hatten. Dieser Pilz findet sich häufig in Südamerika oder eben in tropischen wie subtropischen Wäldern wieder und die Opfer dieses Parasiten sind Ameisen. Dabei wird die befalle Ameise von dem Parasit nach und nach komplett kontrolliert und lenkt die Ameise an einen Ort, der den Lebensbedingungen des Pilzes entspricht, wo sich die Ameise dann festbeisst und stirbt. Unterdessen infiziert die Ameise evtl. weitere Insekten oder gar die ganze Kolonie. Es wurden schon mehrere Millionen Jahre alte „Friedhöfe“ von infizierten Ameisen gefunden. Diese „Berge von infizierten Ameisen“ bilden irgendwann ein grosses „Gewächs“ des Pilzes, welcher wiederum neue Fruchtkörper und Sporen bildet und dadurch versucht so viele Wirte, wie möglich zu finden. Genau dieses Konzept wurde für den Roman von M. R. Carey bzw. dem Film von Colm McCarthy verwendet und auf die Menschheit übertragen. Das Buch von Schriftsteller Mike Carey, der als Autor von Comics (z.B. bei einigen X-Men-Ausgaben mitgearbeitet hat), Büchern und Filmen, trägt im Deutschen den Titel „Die Berufene“.

Die junge Sennia Nanua ist eine Offenbarung. Seit Lina Leandersson in „So finster die Nacht“ habe ich keine so überzeugende Performance von einem Kind in einem Horrorfilm gesehen. Ihr Kampf gegen ihre Instinkte, wenn die Wirkung des Gels langsam nachlässt, ist fast genau so schmerzhaft anzusehen, wie die Szene, in der sie die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt. Obwohl sie ihnen die Show stiehlt, leisten auch die erwachsenen Darsteller ihren Beitrag. Glenn Close bringt die nötige Gravitas zu der Rolle und hat mehr Nuancen als man von einer besessenen Wissenschaftlerin in einem Zombiefilm vielleicht erwarten würde. Gemma Arterton setzt den Trend fort, dass sie ihre besten Performances in Fantasy Filmen abliefert. Nach „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“ und „Byzantium“ ist es eine weitere gute Darbietung von der häufig unterschätzten jungen Engländerin. Sie ist das leuchtende Herz unter den Überlebenden. Auch ohne ein gigantisches Hollywood-Budget erschafft Regisseur Colm McCarthy ein beeindruckendes Bild einer Welt nach ihrem Untergang und der Rückeroberung durch die Natur. Trotz bekannter Elemente, sind die zahlreichen Spannungsmomente sehr effektiv in Szene gesetzt. Während man die Gruppe durch das von der Natur zurückgewonnene und einhergehend sehr atmosphärische London begleitet, erlebt man zuweilen sehr intensive Szenen, die nicht durch Gore oder dergleichen zu beeindrucken wissen, sondern viel mehr schafft es das ganze Setting derart zu überzeugen, sodass das Gesehene einfach so spannend und tiefgreifend auf den Zuschauer wirkt, da man bereits mit den gut ausgearbeiteten Charakteren mitfiebert.

„The Girl with all the Gifts“ ist intelligentes und emotionales Genrekino, das zwar nicht auf die üblichen Versatzstücke verzichtet, sie aber wohl dosiert einsetzt. Man sieht sich als Zuschauer stets der Frage gegenüber gestellt ob Schrödingers Katze nun lebt oder nicht (oder beides) und dies verhilft dem Film auch durchweg zu einer gewissen Grundspannung. Besonders hat mir der Gedanke gefallen, dass der Parasit sich auch verändert, mutiert und es auf Dauer offenbar andere Formen gibt, wie eben hier in Verkörperung der infizierten Kinder, die noch zu einem gewissen Grad Kontrolle über ihre Handlungen haben und zuweilen wie normale Menschen wirken. Zombies mögen abgedroschen sein, aber so lange das Thema immer noch Filme wie diesen hervorbringt, sehe ich für das Subgenre Licht am Ende des Tunnels. Wieder einmal halten uns Monster den Spiegel vor. Und ein Schüler-Lehrer-Verhältnis kann auch dann noch zutiefst menschlich sein, wenn die eine Hälfte davon nicht komplett als Mensch zu bezeichnen ist. Wer Zombiefilme mag, sollte sich den Streifen definitiv geben, auch wenn er sehr ruhig erzählt und mehr den Charakteren und der Story den Raum gibt, als der Action. Auch witzige Dialoge sind dabei, den zum Glück nimmt sich der Film nicht immer nur ernst und findet auch Platz für eine wohldosierte Prise Humor.

Bubba Ho-Tep

Bubba Ho-Tep

20021 h 32 min
Kurzinhalt

Ist Elvis Presley wirklich im August 1977 in seinem Badezimmer in Graceland gestorben? Wer schon immer geglaubt hat, dass der King noch lebt, sieht sich in Don Coscarellis skurriler Horrorkomödie Bubba Ho-Tep bestätigt: Elvis hat seinen Platz mit einem Imitator getauscht, aber die Papiere, die seine richtige Identität beweisen, sind bei einem Brand vernichtet worden. Gefangen in seiner getauschten Identität dämmert er daher in einem Altersheim in Texas vor sich hin, geplagt von Hüftbeschwerden, die er sich nach einem Sturz von der Bühne zugezogen hat. Natürlich glaubt ihm niemand – genauso wenig wie er seinem farbigen Mitbewohner Jack glaubt, dass er John F. Kennedy ist, der vom Geheimdienst eingefärbt und aus dem Verkehr gezogen wurde. Als die beiden entdecken, dass nachts eine 3.000 Jahre alte ägyptische Mumie ihr Unwesen in ihrem Altersheim treibt und den Bewohnern ihre Seelen aussaugt, kommt Leben in die beiden alten Herren...

Metadaten
Titel Bubba Ho-Tep
Original Titel Bubba Ho-tep
Regisseur Don Coscarelli
Laufzeit 1 h 32 min
Starttermin 9 Juni 2002
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Schauspieler
Mit: Bruce Campbell, Ossie Davis, Ella Joyce, Heidi Marnhout, Bob Ivy, Edith Jefferson
Trailer

Hail to the King! Diesen Film als Horrorfilm zu bezeichnen ist falsch. Zwar geht es um eine 4000 Jahre alte Mumie die in einem Altersheim die Seelen der Bewohner aussaugt, doch das ist irgendwie eher nebensächlich. In erster Linie geht es um Elvis Aaron Presley, der von Bruce Campbell genial dargestellt wird. Doch der Film geht noch viel tiefer. Er ist auch als Tribut an alte Menschen zu sehen, die in der heutigen Gesellschaft keinen Platz mehr haben. Umso interessanter ist es, zwei Ikonen der 60er Jahre zu den Helden dieses Filmes zu machen. „Bubba Ho-Tep“ ist überaus kurzweiliger Campbell-Trash mit B-Movie-Charme in Hülle und Fülle! Die teils schamlosen Dia-/Monologe gehen auf keine Mumienbinde und doch funktionierte die Art von Humor in diesem Fall wunderbar!

Wer kommt schon auf so eine Geschichte, in der Elvis und JFK gegen eine Mumie kämpfen? Don Coscarelli anscheinend, der Regisseur hat sich mit „Bubba Ho-Tep“ einen Namen gemacht, denn die 1 Millionen Dollar Produktion (was heutzutage verhältnismässig wenig für eine Hollywoodproduktion ist) ist eine gelungene, irrwitzige Mixtur aus Action, Parodie und einer Biografie eines gescheiterten Elvisimitators. Die Dialoge sind mal witzig, mal nachdenklich. Die Effekte sind ganz ansehnlich, die Mumie ist ganz gut gelungen. Doch was mir an diesem Film am besten gefällt, ist die Musik. Besonders in den Elvis-Rückblenden ist sie sehr kraftvoll und emotional. Des weiteren überzeugt die kluge und mitreissende Geschichte der drei lebenden Legenden. Zunächst beginnt der Film als eine Art Biografie eines gescheiterten Elvis Imitats, doch wechselt dann fast schlagartig zu einer skurrilen Horrorkomödie, mit vielen Anspielungen auf alte Klassiker und einem aberwitzigen Kampf von Gut und Böse. Dabei lässt sich der Regisseur immer schön viel Zeit für seine Figuren und überzeugt mit einem rührenden Finale.

In diesem Film steckt so viel Seele, Witz und Charme und das liegt in erster Linie an den tollen Charakteren: Bruce Campbell spielt den King – und sogar in einer Doppelrolle. Er ist wirklich der Star des Films, grossartig mimt er den gescheiterten Weltstar, mit viel Selbstironie und zugleich einer rührenden Ernsthaftigkeit. Auch Ossie Davis macht seine Sache super, als paranoider JFK, der nach dem Attentat schwarz „angemalt“ und sein fehlendes Hirnstück mit einem Sack voll Sand ausgetauscht wurde. Hauptfigur Nummer 3 ist Bubba Ho-Tep, die alte Mumie, die zum Leben erwacht und den alten Menschen die Seelen aus allen (!) Körperöffnungen saugt. Die Special Effects sind toll, kein CGI, alles wurde mit Make Up und guten, alten Old School-Effekten hergestellt. So zum Beispiel der herrlich, irrwitzige Kampf gegen den Skarabäus. Passend dazu gibts einen bewegenden und coolen Soundtrack von Brian Tyler und das (überraschenderweise) ohne einen richtigen Elvissong!

„Bubba Ho-Tep“ schlägt voll und ganz mit in die Kerbe der Reihe: „Der ungewöhnliche aber geniale Film“! Neben den ganzen tausendfachen Neuauflagen und Fortsetzungen gibt es gottlob immer wieder kreative Menschen, die den Schritt wagen, etwas zu produzieren, was sich positiv von der Masse abhebt. Was die schauspielerische Leistung angeht, ist es Bruce Campbells Glanzparade… Doof natürlich für die Leute die meinen, bloss weil Bruce Campbell vor 25 Jahren mal in dem besten Horrorfilm aller Zeiten mitgespielt hat, muss es sich zwangsläufig bei Bubba Ho-Tep auch um einen Horror/Splatter-Streifen handeln. Der Film ist kein Horrorfilm. keine Komödie, kein Drama und hat doch von allem etwas dabei. Besonders gut gelungen auch die deutsche Synchronisation unserer Helden, war doch bei dem Versuch die Elvis-Sprüche einzudeutschen, schlimmstes zu befürchten. Aber alles ist gut. „Bubba Ho-Tep“ ist ein ungewöhnlicher, aber absolut unterhaltsamer Film, mit viel Action, grossartigem Witz, einer Mumie, tollen Hauptcharakteren und cooler Musik! Unterm Strich ist es kein Film um sich zu gruseln. Doch alle Freunde der schrägen Unterhaltung und natürlich Bruce Campbell Fans können gefahrlos zugreifen.

The Shallows – Gefahr aus der Tiefe

The Shallows - Gefahr aus der Tiefe

20161 h 27 min
Kurzinhalt

Für die junge Nancy (Blake Lively) gibt es nichts Schöneres als auf einem Surfbrett im Wasser zu sein und die Wellen des Meeres zu erobern. Als sie sich eines Tages alleine an einem verlassenen Strand auf ihr Brett schwingt, scheint alles wie immer zu sein. Doch im Meer lauern tödliche Gefahren und plötzlich wird sie von einem Weißen Hai angegriffen. Nancy gelingt es, sich gerade noch rechtzeitig auf einem einsamen Felsen im Meer in Sicherheit zu bringen. Dort muss sie schnell feststellen, dass sie auf diesem bis auf Weiteres festsitzt: Zwar ist das rettende Ufer nur wenige hundert Meter von ihr entfernt, doch der große Weiße wartet noch immer auf seine Gelegenheit, nach ihr zu schnappen. Für Nancy wird der Weg zurück ans Festland zu einem enormen Willenstest. Wird sie das Risiko auf sich nehmen?

Metadaten
Titel The Shallows - Gefahr aus der Tiefe
Original Titel The Shallows
Regisseur Jaume Collet-Serra
Laufzeit 1 h 27 min
Starttermin 24 Juni 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

Surival Thriller mit minimalistischer Ausstattung und sehr schöner Kulisse. Die Aufnahmen vom Surfen über und unter Wasser sind extrem schön und gut eingefangen. Der Film ist durchgehend spannend und hat kaum Leerlauf. Alles in allem ein kleines feines Filmchen das mit dem ewigen Thema Hai beschäftigt, nur hier wurde meiner Meinung vieles richtig gemacht. Simpler, aber effektiver Survival-Reisser mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin.

Dass sich der Trash-Faktor des Hai-Genres sowohl im Kino („Deep Blue Sea“, „Shark Night 3D“) als auch auf DVD („90210 Shark Attack in Beverly Hills“) und im TV („Sharknado“) in immer abgründigere Höhen schraubt, dürfte zu einem nicht unerheblichen Teil auch damit zusammenhängen, dass sich nach Steven Spielbergs Über-Meisterwerk „Der weisse Hai“ kaum noch jemand an einen tatsächlich auf Spannung abzielenden Hai-Thriller herantraut. „Orphan – Das Waisenkind“-Regisseur Jaume Collet-Serra hat es trotzdem gewagt – und herausgekommen ist mit „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ ein trotz Hochglanz-Optik wunderbar dreckiger, trotz 17-Millionen-Dollar-Budget atmosphärisch-intimer Survival-Thriller, der mit einer ganzen Reihe inszenatorischer Finessen und vor allem mit seiner starken Hauptdarstellerin punktet.

Bereits 1975 bewies Steven Spielberg einem grossen Publikum, welche Gefahren auf den Menschen im Meer lauern können. „Der Weisse Hai“ schlug nicht nur sämtliche Rekorde an den Kinokassen, sondern ging in die Filmgeschichte als der erste Blockbuster überhaupt ein. Selbst 40 Jahre, die seitdem vergangen sind, haben der Faszination an Haien keinen Abbruch getan. Obwohl nachweislich mehr Haie durch Menschenhand sterben, als Menschen durch Haie, werden die Meeresraubtiere noch immer negativ konnotiert. Den packenden Thriller um den erneuten Überlebenskampf einer Surferin, die wohl deswegen ein beliebtes Ziel von Haien sind, da sie von deren Perspektive aussehen wie eine Robbe, inszenierte der spanische Action-Regisseur Jaume Collet-Serra. In der Hauptrolle wird Blake Lively („Für immer Adaline“) an ihre Grenzen gebracht, nach einem Drehbuch von Anthony Jaswinski („Die Herrschaft der Schatten“). Gedreht wurde „The Shallows“ im australischen Bundesstaat Queensland, wo die Produktion einerseits in Studios mit Wassertanks arbeitete, andererseits aber auch die malerische Küste des im Nordosten des Kontinents gelegenen Landstriches für Aussenaufnahmen nutzte.

Nicht etwa der mächtige Weisse Hai, sondern Ex-Soap-Star Blake Lively dominiert diesen Film. Bei ihrer ebenso detailgenauen wie athletischen One-Woman-Show entwickelt sie eine solch überzeugende Präsenz, dass der Zuschauer sie ohne mit der Wimper zu zucken als Survival-Spezialistin ernst nimmt. Selbst eine ziemlich schmerzhaft anmutende Ohrring-Selbst-OP – eigentlich prädestiniert für unfreiwillige Komik – wirkt keine Sekunde lächerlich. Da ist es vielleicht verständlich, aber deshalb nicht weniger störend, dass sich Collet-Serra und sein Kameramann Flavio Martínez Labiano („The Gunman“) offenbar einfach nicht an Livelys austrainierten Rundungen sattsehen können, womit sie zuweilen auch den Spannungsbogen beeinträchtigen. Deutlich subtiler geht das Duo hingegen vor, wenn es darum geht, die Attacken des Hais in Szene zu setzen: Wenn das aggressive Biest Nancy von ihren Surfbrett rammt, erspäht man nur durch eine Welle hindurch langsam einen Schatten herankommen. Und beim ersten ausgiebigen Biss in den Oberschenkel werden weder der Hai noch das Bein gezeigt, stattdessen umfasst der Bildausschnitt lediglich Nancys Oberkörper. So sehen wir ihre Schreie und wie sich das Wasser um sie herum blutrot färbt – mehr als genug, um sich den Rest des Schreckens selbst im Kopf auszumalen.

Zwischendrin lässt uns der Regisseur immer wieder ausreichend Zeit mit der angenehm widerständigen, geduldig ausharrenden, nie herumjammernden Protagonistin, die sich nicht nur selbst zusammennäht, sondern auch ihrem Leidensgenossen Sully „Steven“ Seagull (eine Möwe) den Flügel wieder einrenkt, um tatsächlich ein Interesse an Nancys Schicksal entwickeln zu können. Collet-Serra verschafft seinen Zuschauern einen recht genauen Eindruck von dem Grundriss und den Entfernungen in der Bucht, was es einfacher macht, sich mit Nancy und ihren Plänen zu identifizieren. Die immer wieder eingeblendeten Zeitangaben stiften hingegen eher Verwirrung als Spannung. Erst zählt ein Countdown bis zur Ebbe runter, aber dann passiert zu diesem Zeitpunkt gar nichts, während der zweite Countdown bis zur Flut sehr wohl eine Bedeutung hat, weil bei Hochwasser Nancys aktueller Rettungsfelsen unter der Meeresoberfläche verschwinden wird. Ganz bis zum Ende halten die Macher ihren vergleichsweise geerdeten Ansatz dann übrigens doch nicht durch, weshalb das deutlich actionfilmartigere, fast schon ein wenig trashige Finale das Publikum sicherlich spalten wird. Grösstenteils in werbeclipartigen Hochglanzbildern eingefangenes Survival-Filmchen, das weniger auf Realismus, denn auf die übliche Tierhorrorstrategie des über weite Strecken übermächtig scheinenden Monsters setzt. Kein Hai-light, dank der überschaubaren Laufzeit, Blake Livelys Hintern und der ausweglosen Situation aber doch ganz okay.

„Black Christmas“ oder „Jessy – Die Treppe in den Tod“

Jessy – Die Treppe in den Tod

19741 h 38 min
Kurzinhalt

Es ist Weihnachten und ein verrückter Psychopath macht sich daran, eine Mädchenverbindung auf grausame Weise zu triezen. Angefangen mit höchst obszönen Anrufen wird aus dem Treiben bald blutiger Ernst und ein Mädel nach dem Anderen verschwindet spurlos. Lieutenant Kenneth Fuller steht vor einem Rätsel, das er anscheinend nur zusammen mit Jessica Bradford, einem weiteren Mitglied der Mädchenverbindung, lösen kann. Doch bis es soweit ist, sollen dem mysteriösen Killer noch einige Opfer in die Hände fallen...

Metadaten
Titel Jessy – Die Treppe in den Tod
Original Titel Black Christmas
Regisseur Bob Clark
Laufzeit 1 h 38 min
Starttermin 11 Oktober 1974
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Bilder
Schauspieler
Mit: Olivia Hussey, Keir Dullea, Margot Kidder, John Saxon, Marian Waldman, Andrea Martin
Trailer

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Bob Clarks Werk von 1974 ist ein schönes Beispiel für das Phänomen, dass ehemals nur bedingt geachtete B-Movies nach einigen Dekaden als Klassiker und Meisterwerke erscheinen, besonders wenn es ein Remake dazu gibt – und ebenso für das Phänomen, sie hierzulande unter recht merkwürdigen Titeln, wie in diesem Fall „Jesse – Die Treppe in den Tod“, zu veröffentlichen. Während auch auf „Black Christmas“ 32 Jahre später eine Neuinszensierung folgte, blieben ihm dazwischen die für Horrorfilme üblichen Sequels erspart. Was in diesem Fall schon bemerkenswert ist, denn eigentlich bietet ja gerade die Verknüpfung der Schauermär mit einem periodisch wiederkehrenden Datum eine sinnige Strategie für eine Fortsetzungsreihe, wie sie zum Beispiel seit Halloween Usus ist.

Der Plot verläuft entlang der slashertypischen Basiskoordinaten, wobei die einsetzende Gewalt als Bestrafung gelesen werden kann. Der Film erscheint noch nicht so reaktionär, wie es dem Slasher gemeinhin nachgesagt wird. Die Protagonistin (Olivia Hussey) hat bedenkenlos vorehelichen Sex, will entgegen dem Willen ihres Freundes die ungewollte Schwangerschaft abbrechen und ihr Leben selbst bestimmen. Das keusche Mädchen hingegen, das seit Halloween mit der Rolle des Final Girls belohnt wird, muss als Erste dran glauben. Über weite Teile der Handlung gerät man in Versuchung, sie als einen Whodunit zu lesen und sich damit letztlich täuschen zu lassen. Die Erzählung zeichnet sich gerade durch das Ausbleiben von Erklärungen und die daraus produktiv hervorgehende atmosphärische Dichte aus. Glen Morgans gleichnamiges und ungleich farbenfroheres Remake nahm 2006 die narrativen Leerstellen dankbar an, um daraus eine effektreiche Hintergrundgeschichte zu stricken.

Die im Verborgenen bleibende Identität des Killers verdankt sich natürlich seiner Maskierung, eines weiteren zentralen Bausteins des Slashers. Im Unterschied zur abgewandelten Captain-Kirk- oder Eishockeymaske besteht sie hier jedoch noch ausschliesslich aus Mitteln der Mise en Scène. Die präzise austarierte Kaderbegrenzung sowie Licht- und Schattensetzung lassen nur Umrisse oder Fragmente erkennen. Gelegentlich blitzt auch mal ein Auge aus dem dunklen Hintergrund oder einem Türschlitz hervor. Insgesamt überzeugt die Produktion durch ihre technische Qualität und dient damit als Beleg der These, dass gerade das Horrorgenre für eine filmsprachliche Evolution sehr einflussreich ist. Bob Clark und sein Kameramann Reginald H. Morris verstehen es visuell, mit dem Auge der Kamera zu erzählen und so eine spezifisch filmische Form des Suspense zu erzeugen. So wird der „Black Christmas“ von zwei in dieser Hinsicht herausragenden Szenen gerahmt, die die dazwischen angewendeten Techniken jeweils als Paradebeispiel vorführen. Die Einleitung besteht aus einer ausgedehnten, höchst flexiblen und von unheilvollem Schnaufen begleiteten Point-of-View-Aufnahme, für die Morris eine eigene Apparatur entwarf. Der Schluss ist eine sehr ruhige und sorgfältig abgestimmte, minutenlange Kamerafahrt, die das ausgebreitete Grauen effizient nachwirken lässt.

„Black Christmas“ ist eines der interessantesten Exemplare aus dem oft beschworenen goldenen Jahrzehnt des Horrorfilms, als Filmemacher zur Schreckenserzeugung noch nicht auf Kunstblutexzesse zurückgreifen mussten, sondern vornehmlich stilistische Mittel anzuwenden oder sogar zu erfinden wussten. Die Idee des Weihnachtsterrors wurde des Öfteren wieder aufgegriffen. Während Bob Clark jedoch tatsächlich einen wegweisenden Klassiker geschaffen hat, der nicht nur für Genrefreunde interessant sein dürfte, richten sich die folgenden Vertreter dieses Subgenres wohl eher explizit an Horror- oder sehr offene Weihnachts-Fans.