Stephanie – Das Böse in ihr

Stephanie

20171 h 29 min
Kurzinhalt

Allein wird Stephanie von ihren Eltern in dem abgelegenen Eigenheim zurückgelassen. Sie überlebt nur, indem sie Erdnussbutter isst und mit ihrer Schildkröte redet, während eine düstere, übersinnliche Macht sich im Haus bemerkbar macht. Als Stephanies Eltern endlich zurückkehren, entfesselt das Wesen seinen Zorn.

Metadaten
Titel Stephanie
Original Titel Stephanie
Regisseur Akiva Goldsman
Laufzeit 1 h 29 min
Starttermin 27 April 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Schauspieler
Mit: Frank Grillo, Anna Torv, Shree Crooks, Jonah Beres, Amanda Christine, Deric McCabe
Trailer

Mit „Stephanie – Das Böse in ihr“ startet Akiva Goldsman einen zweiten Versuch als Spielfilmregisseur. Der Horrorthriller bietet ein paar originelle Ideen und überzeugt durch eine unheilvolle Atmosphäre, doch der Plot weist einige Hänger auf.

Akiva Goldsman ist erfolgreicher Produzent und oscargekrönter Drehbuchautor (für Ron Howards „A Beautiful Mind“). Nachdem er mehrere Folgen der von ihm geschrieben Krimi-Serie „Fringe – Grenzfälle des FBI“ inszenierte hatte, übernahm er bei „Winter’s Tale“ erstmals auch die Regie bei einem Kinofilm, hatte aber damit wenig Erfolg. Das schwerfällige Historiendrama fiel sowohl bei der Kritik als auch an der Kinokasse durch und spielte weltweit nur die Hälfte seiner Produktionskosten in Höhe von 60 Millionen US-Dollar wieder ein. Der Horrorthriller „Stephanie – Das Böse in ihr“ ist nun der zweite Versuch Goldsman als Spielfilmregisseur. „Stephanie – Das Böse in ihr“ zeichnet sich über weite Teile durch eine latent unheilvolle Atmosphäre aus, zumal das Böse ohne Gestalt bleibt und sich lediglich durch Geräusche ankündigt. Ein weiterer Pluspunkt ist Hauptdarstellerin Shree Crooks, die nicht nur glaubhaft, sondern auch recht facettenreich ihr Können unter Beweis stellt und somit die erste halbe Stunde scheinbar mühelos allein stemmt. Nachdem jedoch das Kerngeheimnis gelüftet ist, gestaltet sich die Angelegenheit teilweise ein wenig lahm, wogegen zum Finale ein paar kleine Schauwerte aufgefahren werden und die letzten Bilder schon beinahe apokalyptisch anmuten.

Das erste Drittel überrascht durch seine extreme Reduziertheit – und Regisseur Akiva Goldsman zieht dabei unerbittlich die Spannungsschraube an. Goldsman erzeugt in dieser Frühphase des Films subtil eine unheilvoll-suggestive Gruselatmosphäre. Wenn dann bei der Attacke in Stephanies Kinderzimmer nur ein Rasseln und Grollen zu hören ist, die bösartigen Angreifer aber im Verborgenen bleiben und nicht zu sehen sind, macht er aus der Not eines knapp bemessenen Budgets von weniger als zehn Millionen Dollar eine Tugend. Leider häufen sich in „Stephanie – Das Böse in ihr“ im zweiten Drittel mit der Rückkehr der Eltern langatmige Momente. Die apokalyptische Welt ausserhalb bleibt mit Ausnahme einiger Fernsehberichte weiterhin ausgeblendet und der Film wandelt sich zunehmend zu einem unterkühlten Familiendrama mit wohl dosierten Schockeffekten. Einige Dialoge um die Gewissenskonflikte der Eltern, die sich verzweifelt fragen, wie sie mit ihrer unberechenbaren und bedrohlichen Tochter umgehen sollen, geraten etwas zäh statt aufwühlend, aber bevor der Leerlauf in Langeweile umschlägt, sorgt Goldsman mit deutlichen Anspielungen auf andere Horrorfilme mit mörderischen Kindern wieder für Abwechslung.

In einer Albtraumsequenz dreht Stephanies Vater à la „Der Exorzist“ seinen Kopf um 180 Grad nach hinten und im effektgeladenen Finale hinterlässt Stephanie eine Schneise der Verwüstung wie einst Drew Barrymore in „Der Feuerteufel“, zu dem Goldsman bereits im April 2017 ein Remake angekündigt hat. Das sind äussere Höhepunkte in einem Film, dem nach dem starken Anfang etwas die innere Spannung fehlt, was auch an den uneinheitlichen Schauspielleistungen liegt. „Fringe“-Star Anna Torv bleibt als besorgte Mutter ähnlich eindimensional wie Frank Grillo (The Purge: Election Year) als aufopferungsvoller Vater. Anders Stephanie-Darstellerin Shree Crooks (Captain Fantastic), die zum Zeitpunkt des Drehs gerade einmal elf Jahre alt war: Sie stiehlt den erwachsenen Darstellern die Schau und hinterlässt einen äusserst starken Eindruck. Mit ihrer Mischung aus Altklugheit, Boshaftigkeit und kindlicher Verletzlichkeit wird Stephanie zu einer komplexen Figur voller faszinierender Facetten. Nur schade, dass sie ihre dämonische Seite nicht häufiger zur Schau stellen darf und sich die Filmemacher stattdessen weitgehend vergeblich um moralische Tiefgründigkeit bemühen.

„Stephanie – Das Böse in ihr“ ist ein atmosphärisch dichter Horrorthriller mit einer beeindruckenden jungen Hauptdarstellerin, wird seinen erzählerischen Ambitionen allerdings nur zum Teil gerecht. Die Ansätze sind passabel und erzeugen phasenweise eine dichte Atmosphäre und einige Spannungsmomente, was primär auf die erste Hälfte zutrifft. Nachdem die Katze aus dem Sack ist, mangelt es ein wenig an kreativen Einfällen, die Pointe kommt indes angemessen garstig rüber. Wer den gängigen Produktionen von Blumhouse etwas abgewinnen kann, sollte einen Blick wagen.

Loving Vincent

Loving Vincent

20171 h 34 min
Kurzinhalt

Ein Jahr nach dem Tod Vincent van Goghs taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin erhält den Auftrag, den Brief auszuhändigen. Zunächst widerwillig macht er sich auf den Weg, doch je mehr er über Vincent erfährt, desto faszinierender erscheint ihm der Maler, der zeit seines Lebens auf Unverständnis und Ablehnung stieß. War es am Ende gar kein Selbstmord? Entschlossen begibt sich Armand auf die Suche nach der Wahrheit

Metadaten
Titel Loving Vincent
Original Titel Loving Vincent
Regisseur Dorota Kobiela, Hugh Welchman
Laufzeit 1 h 34 min
Starttermin 2 August 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

Der Animationsfilm „Loving Vincent“ ist der erste komplett gemalte Künstler-Spielfilm, der durch seine Ölfarben-Technik im Stil van Goghs begeistert. Fantastisch schön anzusehen nimmt „Loving Vincent“ den Zuschauer mit auf die Reise in das Leben und Wirken einer der berühmtesten Maler unserer Zeit.

Für „Loving Vincent“ haben 125 Künstler aus aller Welt 65’000 Einzelbilder für gemalt. Diese Ölgemälde, die für den Film abfotografiert wurden, messen etwa einen Meter auf sechzig Zentimeter. Den Stil haben Vincent van Goghs Kunstwerke selbst vorgegeben: Fast hundert von ihnen wurden eins zu eins kopiert, sie bilden die Brückenköpfe des Films, verbunden durch Tausende frei erfundene Bilder. Jede Szene wurde dafür zuerst mit Schauspielern aufgeführt, abgefilmt und dann gemalt. Wer hätte gedacht, dass es einen Film braucht, um an den alten Zaubertrick der Malerei zu erinnern? Wie eine Welt aus Farbe und Strichen entsteht, zeigt „Loving Vincent“ in jedem Bild. Und das Wunder, von dem man nicht genug bekommen kann, besteht darin, dass man den Trick sieht und sich die Illusion trotzdem einstellt.

Die Geschichte setzt ein Jahr nach dem Tod Vincent Van Goghs an. Mit der Absicht, einen letzten Brief des Malers an seinen Bruder Theo auszuliefern, begibt sich Armand Roulin auf die Spuren des ominösen Künstlers und muss erkennen, dass sich um dessen Selbstmord einige Ungereimtheiten ranken. Er spricht mit Freunden, Bekannten, Geliebten und dem durch van Goghs Porträt später weltberühmt gewordenen behandelnden Arzt Dr. Gachet. Die Rückblenden werden wie in einem Puzzle zusammengesetzt. „Loving Vincent“ ist damit ein kluges Kriminalstück. Als würde der Sog der Bilder nicht schon reichen, kommt noch der des Plots dazu. Die Polin Dorota Kobiela hatte schon fünf animierte Kurzfilme gemacht, bevor sie „Loving Vincent“ plante. Ihr Lebenspartner, der Brite Hugh Welchman, überredete sie schliesslich dazu, das Projekt als Langspielfilm zu realisieren. Der Filmtitel habe mit ihrer Liebe zu Vincent van Gogh zu tun, meint Kobiela. Zudem habe der Maler seine Briefe an Bruder Theo oft mit „Loving Vincent“ unterschrieben: „dein dich liebender Vincent“.

Es gab in den vergangenen Jahrzehnten eine Explosion digitaler Effekte, alles, was sich am Computer herstellen liess, wurde ausprobiert, visuell und akustisch. Niemand aber hätte damit rechnen können, dass sich eine Polin und ein Engländer im 21. Jahrhundert zusammensetzen, um einen Kinofilm in Öl zu produzieren. In mühseliger, kostspieliger, langwieriger Handarbeit. Zusammen schrieben Dorota Kobiela und Hugh Welchman das Drehbuch und führten Regie. Für den Animationsfilm „Peter und der Wolf“ hatte Welchman 2008 bereits einen Oscar gewonnen. Das ist schön, erklären kann das jedoch nichts. Weder ökonomisch noch strategisch ist „Loving Vincent“ sinnvoll. Kein Reissbrett dieser Welt hätte so etwas hervorbringen können. Und das heisst nichts anderes, als dass dieser Film durch und durch unvorhergesehen ist. Darin besteht das grösste Glück. Die Bilder sind schlichtweg überwältigend. So etwas hat man im Kino noch nie gesehen. Im Kontrast mit den schwarzweiss gehaltenen Rückblenden wirken die Farben besonders intensiv. „Loving Vincent“ ist ein in dieser Art nie dagewesenes, cineastisches Kunstwerk und nicht nur für Kunstbegeisterte absolut sehenswert!

It Comes at Night

It Comes at Night

20171 h 31 min
Kurzinhalt

Die Welt des Familienoberhaupts Paul (Joel Edgerton), seiner schüchternen Frau Sarah (Carmen Ejogo) und des Teenager-Sohns Travis (Kelvin Harrison Jr.) wird regelmäßig von einer bösartigen, pestähnlichen Bedrohung heimgesucht. Um Schutz vor den lebensgefährlichen Umständen zu finden, ziehen sie sich in ein abgelegenes Haus im Wald zurück. Doch die Ruhe wird gestört, als eines Tages der fremde Will (Christopher Abbott) versucht, die Vordertür des Hauses aufzubrechen. Will überzeugt die Familie davon, ihm bei der Suche nach seiner Frau Kim (Riley Keough) und seinem Sohn Andrew (Griffin Robert Faulkner) zu helfen und die beiden mit in den wohlbehüteten Schutzort zu bringen. Bald bricht jedoch Paranoia zwischen den neuen und alten Bewohnern aus.

Metadaten
Titel It Comes at Night
Original Titel It Comes at Night
Regisseur Trey Edward Shults
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 9 Juni 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Schauspieler
Mit: Joel Edgerton, Christopher Abbott, Carmen Ejogo, Kelvin Harrison Jr., Riley Keough, Griffin Robert Faulkner
Trailer

Der düstere Endzeit-Horror-Thriller „It Comes at Night“ erzählt von einer Welt, die den Kampf um die Menschenwürde schon verloren hat. Normalerweise spielt ein Horrorfilm mit unseren Ängsten und am Ende werden wir erlöst. Nicht so „It comes at night“, statt Katharsis gibt es nur Hoffnungslosigkeit. Ein postapokalyptischer Alptraum um eine Familie, die sich in einer abgelegenen Hütte vor dem Ende der Welt versteckt. Doch das Grauen ist längst unter ihnen.

It Comes at Night“ geht ganz bildhaft in eine Dunkelheit, die selten so konsequent nihilistisch ausgestaltet wurde. Die zweite Arbeit des 28-jährigen amerikanischen Nachwuchsregisseurs Trey Edward Shults sorgt auch unter nervengestählten Horrorfilmfans für Kontroversen. In „It Comes At Night“ geht es nicht, wie der Titel vermuten lässtt, um Monster, die nachts erwachen. Der Film zeigt, was Menschen einander antun, wenn die äusseren Umstände schwierig werden. Zu seiner unablässigen Intensität trägt bei, dass diese Umstände nie klar benannt werden. Irgendeine Epidemie sucht die Menschheit heim, eine unheilbare Krankheit, von der eine extreme Ansteckungsgefahr ausgeht. Dass die Zivilisation grösstenteils schon zusammengebrochen ist, lässt sich nur erahnen, weil es kein Fernsehen oder Radio, kein Internet und keinen Strom gibt. Auch Lebensmittel und Wasser sind rationiert. Die tief im Menschen verankerte Angst vor der Dunkelheit ist es, die weite Teile von „It Comes At Night“ so beunruhigend macht. Die physische Dunkelheit der äusseren Welt ebenso wie die verborgenen Schatten in den Seelen der nächsten Angehörigen.

Regisseur Trey Edward Shults baut meisterhaft aus einfachsten filmischen Mitteln eine fast fühlbare Atmosphäre von Terror und Trauer. Lange Kamerafahrten verlangsamen und verdichten das Geschehen, minutiös gesetzte Soundeffekte fahren genauso in die Glieder wie plötzliche Stille. „It Comes At Night“ legt menschliche Urängste frei, ohne sich im Geringsten für eine Katharsis zu interessieren. Im Gegenteil. Das letzte Drittel lässt keine noch so kleine Hoffnung auf Rettung. Shults hat über seinen Film gesagt, er habe ihn konzipiert, kurz nachdem sein Vater gestorben war und ihm auf dem Totenbett all seine Fehler, sein Bedauern und seine Reue gestanden hatte. Die übergrossen Gefühle, die Shults danach umtrieben, seien in das Drehbuch geflossen. Joel Edgerton (Loving) brilliert in dem Psychothriller als ehemaliger Geschichtslehrer, der alles tun würde, um seine Familie zu beschützen. In „It Comes at Night“ sehen wir die wuchernde Paranoia nicht nur wie bei Jack Torrance in „Shining“ von aussen, sondern werden selbst von ihr befallen. Das konsequent gegen die Erwartungen gebürstete Finale setzt dann allerdings wieder genau den passenden Schlusspunkt für eine Erzählung, bei der der Horror genau wie die um sich greifende Seuche aus dem Inneren kommt und sich dann unaufhaltsam nach aussen Bahn bricht.

Für seine Low-Key-Version des Endzeit-Thrillers braucht Shults keine Spezialeffekte und keine hyperaktive Action, sondern nur die einfache Erkenntnis, dass die Hölle immer die anderen sind sowie ein paar unaufgeregte Minimalisten als Schauspieler. Das Klima allgegenwärtiger Bedrohung schürt er knappe neunzig Minuten lang. Die Kamera hetzt die Menschen durch lange, enge Gänge und düstere Wälder. Unheimlich dumpfe Rhythmen suggerieren eine Macht, die sie vor sich hertreibt. Im schummrigen Licht bleiben die wahren Motive und Absichten immer verborgen. Das Erschütternde ist nicht ein greifbares Monster, sondern die Erkenntnis, dass jeder Moment des Vertrauens das eigene Schicksal besiegeln kann. Grausam, kompromisslos und spannend taucht der Survival-Thriller von Trey Edward Shults in die Psyche seiner Charaktere ab. Das traditionelle Genrepublikum sei daher gewarnt und ermuntert zugleich: Diese Geschichte enttäuscht Erwartungen. Und dann erfüllt sie diese wieder. Auf grausame Weise…

I Remember You

I Remember You

20171 h 46 min
Kurzinhalt

Der Isländer Garðar (Thor Kristjansson) kommt eigentlich aus der Stadt, doch auf einer abgelegenen Insel mitten im Nirgendwo hat er ein altes Haus erstanden, das er jetzt auf Vordermann bringen will. Seine Frau Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) und ihre gemeinsame Freundin Líf (Ágústa Eva Erlendsdóttir) wollen ihm dabei helfen und zunächst sieht es danach aus, als würde alles nach Plan verlaufen. Doch je länger sie an diesem unwirtlichen Ort verweilen, desto mehr häufen sich unheimliche Vorkommnisse, die sie sich nicht erklären können und die allesamt mit Kindern zu tun haben. Langsam wird klar, dass der Ort ein finsteres Geheimnis verbirgt. Und das irgendwie mit dem Psychologen Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) verbunden zu sein scheint, dessen Sohn vor Jahren verschwunden ist und von dem seitdem jede Spur fehlt...

Metadaten
Titel I Remember You
Original Titel Ég Man Þig
Laufzeit 1 h 46 min
Starttermin 5 Mai 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Trailer

Das isländische Kino hat schon mehrfach bewiesen, dass sein Land ein wunderbares Setting für düstere Filme abgibt. Mit „I Remember You“ will uns Óskar Thór Axelsson das Fürchten lehren. Der auf dem Roman von Yrsa Sigurðardóttir basierende Streifen wirft jegliche Rationalität über Bord und nutzt gekonnt die Kulisse der isländischen Abgeschiedenheit, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Freunde von Geistergeschichten finden in „I Remember You“ durchaus ansehnlichen Stoff.

„I Remember You“ beansprucht gleich zu Beginn die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. Der Film gibt sehr schön die Isländische Grundstimmung wieder, auch oder gerade weil diese etwas depressiv daherkommt. Die verschachtelte Geschichte isz gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn „I Remember You“ ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur Óskar Thór Axelsson besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht „I Remember You“ auch auf emotionaler Ebene glaubhaft, was vor allem Schauspieler Jóhannes Haukur Jóhannesson zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.

Der langsam und bedacht inszenierte Film beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reisserischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. „I Remember You“ besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!

Get Out

Get Out

Ist jeder, der eingeladen ist, auch wirklich willkommen?

20171 h 44 min
Kurzinhalt

Der afroamerikanische Fotograf Chris und seine weiße Freundin Rose sind seit mittlerweile fünf Monaten ein Paar. Als Rose ihm ihre Eltern vorstellen möchte, stimmt Chris wohl oder übel zu, auch wenn ihn die Sorge umtreibt, wie Roses Eltern auf den schwarzen Freund ihrer Tochter reagieren werden. Doch zunächst erweisen sich Chris’ Bedenken scheinbar als völlig unnötig: Dean und Missy bereiten den beiden einen herzlichen Empfang und scheinen sich an der Hautfarbe des Partners ihrer Tochter überhaupt nicht zu stören. Doch dann entdeckt Chris, dass die schwarzen Hausangestellten der Familie nicht nur die einzigen Schwarzen in der ganzen Umgebung sind, sondern auch seltsam abwesend und untertänig wirken. Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen…

Metadaten
Titel Get Out
Original Titel Get Out
Regisseur Jordan Peele
Laufzeit 1 h 44 min
Starttermin 24 Februar 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

„Get Out“ von Jordan Peele ist ein schräger Horrorfilm mit satirischen und gesellschaftskritischen Anklängen. Der skurrile Humor lockert die unheimliche Atmosphäre immer wieder auf, trotzdem wird es nie albern. Es bleibt durchweg spannend und die Geschichte bleibt bei aller Absurdität stets glaubwürdig. Das liegt nicht zuletzt an den facettenreichen Figuren und den tollen Schauspielern, die weitestgehend unbekannt sind und wunderbar als Ensemble zusammenspielen.

Was Jordan Peele (Keanu) hier als Autor und Regisseur abliefert, ist tatsächlich nicht weniger als einer der intelligenteren Horrorfilme. Peele macht gleich mit seiner die Genregesetze auf den Kopf stellenden Vor-dem-Titel-Sequenz klar, wo der Hase langläuft. „Get Out“ ist bis zum Rand vollgestopft mit ambivalenten Momenten, wobei vor allem die grossartige Catherine Keene einen immer wieder gekonnt aus der Bahn wirft, weil sich ihre vermeintlich fürsorglichen Blicke und Gesten einfach nie so richtig einordnen lassen. Schliesslich wird in ihren sanften Händen selbst ein simpler Teelöffel zur ultimativen Psycho-Waffe. In welche Richtung der Film so ungefähr gehen wird, ist relativ schnell klar – und die Macher spielen sogar selbst sehr geschickt mit diesem Umstand, wenn sie Chris‘ Kumpel Rod am Telefon genau vor dem möglichen Szenario warnen lassen, das sich auch der Zuschauer bereits als mögliche Wendung zusammengereimt hat. Trotzdem stecken genug clevere Twists und Kniffe in „Get Out“, um den Zuschauer bis zum letzten Moment immer wieder zu überraschen.

„Get out“ ist einer der ersten Filme, der explizit in einer Post-Obama-Ära spielt und Peele hat mehrfach betont, dass er die Lüge vom postrassistischen Amerika entlarven wolle: Nur weil das Land einen schwarzen Präsidenten hatte, bedeutet dies nicht, wie viele Amerikaner gerne, aber eben irrtümlich glauben, dass Rassismus in Amerika überwunden worden wäre. Nichts verdeutlicht diese Illusion besser als die Wahl von Donald J. Trump, die Massenkriminalisierung von Afroamerikanern und der aufkeimende Nationalismus in den USA. Trump-Wähler wären Peele aber ein zu einfaches Ziel gewesen. Er spielt mit der brisanten Idee, dass weisse bürgerliche Liberale nicht die toleranten Leuchtfeuer der Menschheit sind, die sie glauben zu sein. Alles nette Leute, die Republikaner als Rassisten abqualifizieren, aber selbst mit keinem schwarzen Menschen in Berührung kommen, ausser er mäht ihren Rasen. Leute, die sich auf die Schulter klopfen, weil sie weltoffen sind und es wie der Vater von Rose für ein Privileg halten, eine andere Kultur kennenzulernen – solange sie in Schach gehalten werden kann. Diese Haltung ist durchaus gruselig.

Bestimmt ist „Get Out“ nicht der erste Horrorfilm, der offensichtlich Rassismus thematisiert, aber es passiert doch selten. Auf dem Höhepunkt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, im Jahr 1968, drehte George A. Romero „Die Nacht der lebenden Toten“ über einen schwarzen Mann, der die Angriffe einer Horde weisser Zombies überlebt, nur um am Ende von der Bürgerwehr getötet zu werden. Auch Peeles Film ist eine mächtige Provokation, die Stereotype auf den Kopf stellt und von Rassismus noch einmal auf ganz andere Weise erzählt. Peele, der mit einer weissen Frau verheiratet ist, hat mit „Get Out“ seine unheimliche, wilde Vorstellungskraft bewiesen. Gruseliger ist nur die Realität, aus der sie sich nährt.

The Void

The Void

Es gibt eine Hölle. Das hier ist schlimmer.

20171 h 30 min
Kurzinhalt

Die gemütliche Nachtschicht von Sheriff Carter (Aaron Poole) kommt zu einem jähen Ende, als ihm ein blutüberströmter Mann vor das Auto läuft. Carter bringt den Verletzten in ein nahe liegendes Krankenhaus, doch dadurch gerät die illustre Schar aus Angestellten und Patienten in große Gefahr. Plötzlich tauchen zwei mysteriöse Jäger auf, die den Tod des Mannes wollen, bewaffnete Kultisten, die jeden Fluchtversuch vereiteln und im Gebäude mutieren die ersten Opfer zu ekelhaften Schleimmonstern. Das Tor zur Hölle wurde aufgestoßen und Carter führt die Überlebenden bei ihrem Versuch, dem Horror zu entkommen, an.

Metadaten
Titel The Void
Original Titel The Void
Regisseur Jeremy Gillespie, Steven Kostanski
Laufzeit 1 h 30 min
Starttermin 7 April 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Trailer

Fans von John Carpenter, die schon seit Ewigkeiten auf einen Film warten, der denselben Ekel und Terror wie in Carpenters „Das Ding“ wieder einfängt, können sich freuen. Mit „The Void“ verbeugt sich das Regie-Duo Jeremy Gillespie und Steven Kostanski vor Carpenters Werken der 80er Jahre und liefert einen nicht minder intensiven und erschreckenden Horrorfilm, voller ekliger Gore-Effekte. Stimmung, Atmosphäre, Setting, Maske und Schauspieler vermögen zu gefallen, auch wenn die Story teilweise etwas lückenhaft ist und einem am Ende etwas im Dunkeln stehen lässt. Allein schon die Tentakeln sollten das Herz eines jeden „The Thing“-Fans höher schlagen lassen.

Nicht nur die Fans lieben die 80er, auch die aktuelle Generation kommender Filmemacher verehren Filme wie „The Thing“, „The Beyond“ oder „Hellraiser“. Und in „The Void“ greift ein gruseliger Kult ein Krankenhaus an, gibt es glitschige Tentakelmonster und eine Art Tor zu einer höllischen Paralleldimension. Ein kranker Retro-Spass, überraschend humorlos dargeboten. Ich hätte viel mehr Trash von den Machern von „Manborg“, „“The Editor“ oder „Father’s Day“ erwartet, doch „The Void“ ist deren bisher bester, reifster und vorallem ernstester Film. So weit das bei diesem Thema denn möglich ist. „The Void“ schustert sich viel zusammen, ist sicher wenig innovativ und die Story ist wirrer als die Regeln von American Football. Dazu fehlen leider wirklich sympathische und gut gezeichnete Charakter, doch was solls, der Film sieht einfach nur geil aus und der Abstieg in die Hölle macht ne Menge Spass. Viele Filme versuchen Retro und Nostalgie, „The Void“ gelingt es.

Dabei wirken die vielen Versatzstücke nie zu sehr geklaut, von Pinhead bis Kreaturen direkt aus Silent Hill oder der eingepferchten Situation live aus einem Carpenter-Film. Der Look ist richtig schön psycho, eklig und abgefahren, da kann selbst „Baskin“ einpacken. Allein wegen der handgemachten Creature-Effekte ein kleiner Horrorfilmfan-Orgasmus. Wäre der Film vor 30 Jahren erschienen, wäre er heute ein absoluter Klassiker. Irgendwo in diesem Best-of-Mischmasch besserer Filme steckt Potenzial für ein schönes Midnight Movie, doch das Regisseurteam ist leider nicht in der Lage, es auszuschöpfen. Statt Schrecken verbreitet der Film Hektik und vergisst zwischendurch einfach immer wieder, die Spannungsschraube anzuziehen. Das letzte Drittel schliesslich geht dann vollends im Chaos unter. Was bleibt sind ein paar interessante Ideen und Szenen, die aber für diesen Film beinahe zu schade sind. Gerne mal in einem Remake, dann auch gerne mit Talent vor und hinter der Kamera. Insgesamt aber ein spannender, abgedrehter, mystischer Monsterfilm, den man durchaus weiterempfehlen kann. Schöne Hommage an Carpenter, Barker, Fulci, Toyama, King & Co… Ob das alles einen Sinn hat, sei bezweifelt, doch der Weg, die Optik und die kranke Ästhetik waren hier das Ziel, dass vollends erreicht wurde.

Among the Living – Das Böse ist hier

Among the Living - Das Böse ist hier

20141 h 28 min
Kurzinhalt

Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen und die drei Freunde Tom (Zacharie Chasseriaud), Dan (Damien Ferdel) und Victor (Theo Fernandez) können es gar nicht erwarten, den öden Schulalltag endlich gegen die langerwarteten Sommerferien einzutauschen. Darum beschließen die Jungen schnurstracks den letzten Schultag sausen zu lassen und verfrüht in die Ferien zu starten. Auf ihrem Abenteuer landen die Schulschwänzer schließlich auf dem verlassenen Gelände der Blackwood Filmstudios. Als die Jungs im Kofferraum eines vor kurzem abgestellten Autos eine gefesselte und geknebelte Frau finden, wird ihnen schlagartig bewusst, dass das Gelände nicht so verlassen ist, wie es scheint. Ein maskierter Mann ist nicht nur hinter der Frau sondern auch hinter den Kindern her, um sein schreckliches Geheimnis zu bewahren.

Metadaten
Titel Among the Living - Das Böse ist hier
Original Titel Aux yeux des vivants
Regisseur Alexandre Bustillo, Julien Maury
Laufzeit 1 h 28 min
Starttermin 10 März 2014
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Trailer

Die Franzosen trauen sich immer wieder mal so richtig reine Genrekost rauszuhauen. Bei „Among the Living – Das Böse ist hier“ haben wir es mit einem geradlinig auf puren Horror getrimmten Knisterstreifen zu tun. Alexandre Bustillo und Julien Maury schufen 2007 mit ihrem Debüt „Inside“ einen der härtesten und bis heute umstrittensten Vertreter der „neuen französischen Härte“ im Terrorkino. Auch mit ihrem dritten Film „Aux yeux des vivants“ bleiben sie dem Horror-Genre treu. Doch erneut schlagen Bustillo und Maury eine völlig neue Richtung ein. Dieses Mal orientieren sie sich vorrangig an amerikanischen Vorbildern aus den 80er-Jahren. Dabei fangen sie recht vielversprechend an, können insgesamt jedoch nicht ganze überzeugen.

Atmosphärisch ist „Aux yeux des vivants“ erneut vom handwerklichen Geschick des Duos gekennzeichnet, das auch hier wieder, mitunter nur für die Dauer weniger Sekunden oder sogar lediglich in Form eines einzelnen Bildes, Momente kreieren, die für erhöhten Pulsschlag, unangenehmes Ausharren oder entsetztes Abwenden sorgen, wobei vor allem ihr ausgeprägtes Gespür für räumliche Verdichtung zum Vorschein kommt. Manche Szenen sind extrem spannend geraten, das Timing funktioniert recht gut. Geräuschkulisse, Szenenbild, die sorgfältige Kameraführung, Spezialeffekte – all das ist professionell gemacht und erzeugt die gewünschte Atmosphäre. Ich freue mich nach dem ganzen Lost-Footage-Wackelwackel-Schrott endlich mal wieder über einen Film mit ruhiger und klarer Kamera, von dem ich keine nervösen Zuckungen bekomme. Und die Eröffnungsszene, in der sich ein Messer in den Bauch einer Schwangeren bohrt, ist einfach eine Wucht.

Trotz überschaubarer Lauflänge ist die Geschichte am Ende zu wenig. Es heisst geradlinig Gut gegen Böse und Blöd (die Polizei) spielt auch noch mit. Eine interessante Wendung oder etwas mehr Tiefe sucht man leider vergebens. Es läuft weiter bis zum konsequenten, aber nicht sonderlich überraschenden Ende. Das aufwendige, oft betont stimmungsvolle aber jegliche Originalität quasi vorsätzlich aussparende Gestaltung wird ohnehin Nebensache, sobald Klarence seinen Mordlauf beginnt. Aus „Among the Living“ wird ein ganz normaler Slasher. Das Geschehen folgt gut bekannten Konventionen und wird mit einschlägigen Effekten aufgepeppt. Wenn nun scharfe Klingen in Körpern versenkt werden oder ein Polizisten-Unterkiefer unter Klarences Machete zu Boden fällt, jubiliert sicherlich der bis hierher sanft entschlafene Gorehound. Wer den Schrecken lieber als Andeutung geniesst und in der ersten Filmhälfte gut bedient wurde, dürfte dagegen entsetzt sein, wenn im grossen Finale geschnetzelt wird, als wäre schon wieder Freitag, der Dreizehnte.

Neben diesen inszenatorisch vereinzelten Bravourstücken im Mittelteil schlittern Bustillo und Maury im Finale aber schliesslich in Gefilde des nahezu komischen Theaters, wenn ihr Showdown sämtliche Regler auf Anschlag dreht, um zwischen Splatter-Einlagen, absurden Masken und Kostümen sowie an völlig unpassender Stelle eingefügter Sentimentalität zu einem Ende zu gelangen, das wie auch schon der grösstenteils zerfahrene, unentschlossene Vorgänger „Livid“ erneut ernüchtert zurücklässt. Alexandre Bustillo und Julien Maury gelingt es leider nicht die Erwartungen, die sie mit der Ausgangslage schüren, im weiteren Handlungsverlauf auch einzulösen. Schleichend und dann immer schneller verflüchtigt sich die Atmosphäre. Zunehmend folgen sie nur noch den vorhersehbaren, ausgetretenen Genrepfaden, bemühen schlicht unlogische Entwicklungen, um ihre Handlung weiter voranzutreiben. Ganz nebenbei beginnt man sich zu fragen, ob die Franzosen in ihre Häuser grundsätzlich keine Lichtschalter einbauen. Ein bisschen nachvollziehbarer hätten die Protagonisten ruhig handeln können.

„Among the Living“ ist ein holpriges Gesamtwerk, ein in der ersten Handlungshälfte sich windendes Genre-Mischmasch, dass keineswegs misslungen ist und deutlich besser geraten als Bustillos und Maurys zwar formal ebenfalls interessantes aber inhaltlich gar zu krudes Vorgängerwerk „Livide. Im Gedächtnis haften bleibt aber eine Erwartungshaltung, die sich nachträglich als überzogen erweist und doch dem Autoren- und Regie-Duo angekreidet wird. „Aux yeux des vivants“ mag ehrgeiziger konzipiert sein, hier trifft „Stand by Me“ auf „The Hills Have Eyes“, liest man allen Ernstes auf dem Backcover – ist aber letztlich „nur“ ein Slasher, der filmkünstlerisch breitbeinig heranmarschiert, um sich schliesslich in den Fussstapfen deutlich gewichtigerer Vorgänger zu verirren. In diesem Punkt enttäuschen Bustillo & Maury, unterhalten können sie aber trotzdem. „Among The Living“ ist per se kein schlechter Traum. Doch für einen wirklich eindrucksvollen Horror-Streifen fehlt es an zu vielen Ecken. Gerade nach dem wirklich treibenden Startschuss geht viel zu schnell der Drive verloren und lässt auch das Treiben des Monsters einiges an Albtraumhaftigkeit vermissen.

A Cure for Wellness

A Cure for Wellness

Fühlen Sie sich wohl?

2017Länge unbekannt
Kurzinhalt

Weil der CEO der Firma, in der er arbeitet, viel zu lange in einem Wellness-Center in den Schweizer Alpen verweilt, macht sich der ehrgeizige junge Angestellte Mr. Lockhart (Dane DeHaan) auf nach Europa, um seinen Chef Mr. Pembroke (Harry Groener) zurückzuholen. Dort angekommen, stellt er bald fest, dass die Einrichtung nicht der idyllische Heiltempel ist, als der sie sich nach außen hin darstellt. Weil er zu viele Fragen stellt, diagnostiziert das Personal schließlich auch Lockhart mit der seltsamen Krankheit, die hier alle Patienten festzuhalten scheint. Unter Direktion des rätselhaften Spa-Leiters Volmer (Jason Isaacs) beginnt die Behandlung und sein Verstand wird auf die Probe gestellt. Gemeinsam mit Langzeitpatientin Hannah (Mia Goth) stellt Lockhart jedoch gleichzeitig weiterhin Nachforschungen an, um dem Geheimnis der Einrichtung auf den Grund zu gehen…

Metadaten
Titel A Cure for Wellness
Original Titel A Cure for Wellness
Regisseur Gore Verbinski
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 15 Februar 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

Bereits nach den ersten gesehenen Trailern stockte einem der Atmen und man war neugierig auf die Story dahinter. „A Cure for Wellness“ startet zunächst mit einer typischen New Yorker Firmen-Szenerie, welche die Hektik und den Stress des Alltags widerspiegelt. Besessen vom Aufstieg in die höheren Etagen, scheint Mr. Lockhart sich keiner Sache zu schade zu sein. So erklärt er sich dazu bereit, seinen Chef und CEO der Firma, Mr. Pembroke, aus einer Art Wellnessurlaub zurückzuholen. Seine Reise führt ihn in die weit entfernte Schweiz. Und genau diese Reise ist dem Regisseur auch perfekt gelungen, es findet ein direkter und harter Cut zwischen dem unruhigen New York und der bilderbuchartigen Schweiz statt.

Die Landschaftsaufnahmen sind besonders gut gelungen und der Zuschauer taucht in eine völlig gegensätzliche Welt ein. Gezeichnet von Burgen, Wäldern und ganz viel Ruhe und Erholung. Dort eingetroffen stösst Mr. Lockhart auf die mysteriöse Spa-Klinik, deren Patienten dem jungen Amerikaner bereits von Anfang an nicht geheuer sind. Da wäre die alte Dame, die mysteriöse Botschaften mit Hilfe von Kreuzworträtseln puzzelt oder eine Vielzahl an verwirrten, aber sehr glücklich wirkenden Menschen, denen das Wasser trinken ziemlich wichtig scheint. Bereits hier wittert der Zuschauer, dass es mit dem Wasser etwas auf sich haben muss. Allerdings ist die Story so komplex, dass man kurze Zeit später wieder andere unheimliche und ungeklärte Dinge in den Vordergrund schiebt. Diese Spannung hält sich den ganzen Film lang und führt den Zuschauer durch eine atemberaubende Kulisse aus Schlossmauern, die teilweise auf der Burg Hohenzollern gedreht wurden und Spa-Räumen, deren Funktionen und Sinn nicht nur den Zuschauer verwirren. Sei es eine Gruft unter den Schlossmauern oder die herrlich skurrile Dorfbar, deren Bewohner ebenfalls extremst merkwürdig scheinen.

Der komplette Film beschert dem Kinobesucher einen unfassbar langen Spannungsbogen, der sich auch erst gegen Ende des Films – und das bei zweieinhalb Stunden – aufklärt. Was nun genau die Klinik zu einem mysteriösen und unheimlichen Ort zugleich macht, bleibt hier den Filmfans zuliebe mal noch ungeklärt, allerdings bleibt nur so viel zu sagen – der Schluss hat es in sich, ist etwas trashig. Jeder Horrorfilm-Liebhaber wird mit klassischen Szenen seinen Spass haben (Spiegel, Höhle, unter Wasser, dunkle Räume, Wassertanks). Jeder Thriller-Liebhaber mit einer komplexen Personenkonstellation seinen Adrenalinspiegel steigen lassen (junge gruselige Frau, besessener Klinikleiter). Und jeder Filmfan des guten Geschmacks wird sowieso auf seine Kosten kommen (Wasser, Aale, Urinproben, Gruft, Leichen, Behandlungen, Liebesgeschichte). Und dann auch noch die Besetzung mit Dane DeHaan, der bereits in Filmen wie Chronicles den mysteriösen Buben gespielt hat – genial. Was bleibt da noch mehr zu sagen, als ab ins Kino!

Bubba Ho-Tep

Bubba Ho-Tep

20021 h 32 min
Kurzinhalt

Ist Elvis Presley wirklich im August 1977 in seinem Badezimmer in Graceland gestorben? Wer schon immer geglaubt hat, dass der King noch lebt, sieht sich in Don Coscarellis skurriler Horrorkomödie Bubba Ho-Tep bestätigt: Elvis hat seinen Platz mit einem Imitator getauscht, aber die Papiere, die seine richtige Identität beweisen, sind bei einem Brand vernichtet worden. Gefangen in seiner getauschten Identität dämmert er daher in einem Altersheim in Texas vor sich hin, geplagt von Hüftbeschwerden, die er sich nach einem Sturz von der Bühne zugezogen hat. Natürlich glaubt ihm niemand – genauso wenig wie er seinem farbigen Mitbewohner Jack glaubt, dass er John F. Kennedy ist, der vom Geheimdienst eingefärbt und aus dem Verkehr gezogen wurde. Als die beiden entdecken, dass nachts eine 3.000 Jahre alte ägyptische Mumie ihr Unwesen in ihrem Altersheim treibt und den Bewohnern ihre Seelen aussaugt, kommt Leben in die beiden alten Herren...

Metadaten
Titel Bubba Ho-Tep
Original Titel Bubba Ho-tep
Regisseur Don Coscarelli
Laufzeit 1 h 32 min
Starttermin 9 Juni 2002
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Schauspieler
Mit: Bruce Campbell, Ossie Davis, Ella Joyce, Heidi Marnhout, Bob Ivy, Edith Jefferson
Trailer

Hail to the King! Diesen Film als Horrorfilm zu bezeichnen ist falsch. Zwar geht es um eine 4000 Jahre alte Mumie die in einem Altersheim die Seelen der Bewohner aussaugt, doch das ist irgendwie eher nebensächlich. In erster Linie geht es um Elvis Aaron Presley, der von Bruce Campbell genial dargestellt wird. Doch der Film geht noch viel tiefer. Er ist auch als Tribut an alte Menschen zu sehen, die in der heutigen Gesellschaft keinen Platz mehr haben. Umso interessanter ist es, zwei Ikonen der 60er Jahre zu den Helden dieses Filmes zu machen. „Bubba Ho-Tep“ ist überaus kurzweiliger Campbell-Trash mit B-Movie-Charme in Hülle und Fülle! Die teils schamlosen Dia-/Monologe gehen auf keine Mumienbinde und doch funktionierte die Art von Humor in diesem Fall wunderbar!

Wer kommt schon auf so eine Geschichte, in der Elvis und JFK gegen eine Mumie kämpfen? Don Coscarelli anscheinend, der Regisseur hat sich mit „Bubba Ho-Tep“ einen Namen gemacht, denn die 1 Millionen Dollar Produktion (was heutzutage verhältnismässig wenig für eine Hollywoodproduktion ist) ist eine gelungene, irrwitzige Mixtur aus Action, Parodie und einer Biografie eines gescheiterten Elvisimitators. Die Dialoge sind mal witzig, mal nachdenklich. Die Effekte sind ganz ansehnlich, die Mumie ist ganz gut gelungen. Doch was mir an diesem Film am besten gefällt, ist die Musik. Besonders in den Elvis-Rückblenden ist sie sehr kraftvoll und emotional. Des weiteren überzeugt die kluge und mitreissende Geschichte der drei lebenden Legenden. Zunächst beginnt der Film als eine Art Biografie eines gescheiterten Elvis Imitats, doch wechselt dann fast schlagartig zu einer skurrilen Horrorkomödie, mit vielen Anspielungen auf alte Klassiker und einem aberwitzigen Kampf von Gut und Böse. Dabei lässt sich der Regisseur immer schön viel Zeit für seine Figuren und überzeugt mit einem rührenden Finale.

In diesem Film steckt so viel Seele, Witz und Charme und das liegt in erster Linie an den tollen Charakteren: Bruce Campbell spielt den King – und sogar in einer Doppelrolle. Er ist wirklich der Star des Films, grossartig mimt er den gescheiterten Weltstar, mit viel Selbstironie und zugleich einer rührenden Ernsthaftigkeit. Auch Ossie Davis macht seine Sache super, als paranoider JFK, der nach dem Attentat schwarz „angemalt“ und sein fehlendes Hirnstück mit einem Sack voll Sand ausgetauscht wurde. Hauptfigur Nummer 3 ist Bubba Ho-Tep, die alte Mumie, die zum Leben erwacht und den alten Menschen die Seelen aus allen (!) Körperöffnungen saugt. Die Special Effects sind toll, kein CGI, alles wurde mit Make Up und guten, alten Old School-Effekten hergestellt. So zum Beispiel der herrlich, irrwitzige Kampf gegen den Skarabäus. Passend dazu gibts einen bewegenden und coolen Soundtrack von Brian Tyler und das (überraschenderweise) ohne einen richtigen Elvissong!

„Bubba Ho-Tep“ schlägt voll und ganz mit in die Kerbe der Reihe: „Der ungewöhnliche aber geniale Film“! Neben den ganzen tausendfachen Neuauflagen und Fortsetzungen gibt es gottlob immer wieder kreative Menschen, die den Schritt wagen, etwas zu produzieren, was sich positiv von der Masse abhebt. Was die schauspielerische Leistung angeht, ist es Bruce Campbells Glanzparade… Doof natürlich für die Leute die meinen, bloss weil Bruce Campbell vor 25 Jahren mal in dem besten Horrorfilm aller Zeiten mitgespielt hat, muss es sich zwangsläufig bei Bubba Ho-Tep auch um einen Horror/Splatter-Streifen handeln. Der Film ist kein Horrorfilm. keine Komödie, kein Drama und hat doch von allem etwas dabei. Besonders gut gelungen auch die deutsche Synchronisation unserer Helden, war doch bei dem Versuch die Elvis-Sprüche einzudeutschen, schlimmstes zu befürchten. Aber alles ist gut. „Bubba Ho-Tep“ ist ein ungewöhnlicher, aber absolut unterhaltsamer Film, mit viel Action, grossartigem Witz, einer Mumie, tollen Hauptcharakteren und cooler Musik! Unterm Strich ist es kein Film um sich zu gruseln. Doch alle Freunde der schrägen Unterhaltung und natürlich Bruce Campbell Fans können gefahrlos zugreifen.

„Black Christmas“ oder „Jessy – Die Treppe in den Tod“

Jessy – Die Treppe in den Tod

19741 h 38 min
Kurzinhalt

Es ist Weihnachten und ein verrückter Psychopath macht sich daran, eine Mädchenverbindung auf grausame Weise zu triezen. Angefangen mit höchst obszönen Anrufen wird aus dem Treiben bald blutiger Ernst und ein Mädel nach dem Anderen verschwindet spurlos. Lieutenant Kenneth Fuller steht vor einem Rätsel, das er anscheinend nur zusammen mit Jessica Bradford, einem weiteren Mitglied der Mädchenverbindung, lösen kann. Doch bis es soweit ist, sollen dem mysteriösen Killer noch einige Opfer in die Hände fallen...

Metadaten
Titel Jessy – Die Treppe in den Tod
Original Titel Black Christmas
Regisseur Bob Clark
Laufzeit 1 h 38 min
Starttermin 11 Oktober 1974
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Bilder
Schauspieler
Mit: Olivia Hussey, Keir Dullea, Margot Kidder, John Saxon, Marian Waldman, Andrea Martin
Trailer

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Bob Clarks Werk von 1974 ist ein schönes Beispiel für das Phänomen, dass ehemals nur bedingt geachtete B-Movies nach einigen Dekaden als Klassiker und Meisterwerke erscheinen, besonders wenn es ein Remake dazu gibt – und ebenso für das Phänomen, sie hierzulande unter recht merkwürdigen Titeln, wie in diesem Fall „Jesse – Die Treppe in den Tod“, zu veröffentlichen. Während auch auf „Black Christmas“ 32 Jahre später eine Neuinszensierung folgte, blieben ihm dazwischen die für Horrorfilme üblichen Sequels erspart. Was in diesem Fall schon bemerkenswert ist, denn eigentlich bietet ja gerade die Verknüpfung der Schauermär mit einem periodisch wiederkehrenden Datum eine sinnige Strategie für eine Fortsetzungsreihe, wie sie zum Beispiel seit Halloween Usus ist.

Der Plot verläuft entlang der slashertypischen Basiskoordinaten, wobei die einsetzende Gewalt als Bestrafung gelesen werden kann. Der Film erscheint noch nicht so reaktionär, wie es dem Slasher gemeinhin nachgesagt wird. Die Protagonistin (Olivia Hussey) hat bedenkenlos vorehelichen Sex, will entgegen dem Willen ihres Freundes die ungewollte Schwangerschaft abbrechen und ihr Leben selbst bestimmen. Das keusche Mädchen hingegen, das seit Halloween mit der Rolle des Final Girls belohnt wird, muss als Erste dran glauben. Über weite Teile der Handlung gerät man in Versuchung, sie als einen Whodunit zu lesen und sich damit letztlich täuschen zu lassen. Die Erzählung zeichnet sich gerade durch das Ausbleiben von Erklärungen und die daraus produktiv hervorgehende atmosphärische Dichte aus. Glen Morgans gleichnamiges und ungleich farbenfroheres Remake nahm 2006 die narrativen Leerstellen dankbar an, um daraus eine effektreiche Hintergrundgeschichte zu stricken.

Die im Verborgenen bleibende Identität des Killers verdankt sich natürlich seiner Maskierung, eines weiteren zentralen Bausteins des Slashers. Im Unterschied zur abgewandelten Captain-Kirk- oder Eishockeymaske besteht sie hier jedoch noch ausschliesslich aus Mitteln der Mise en Scène. Die präzise austarierte Kaderbegrenzung sowie Licht- und Schattensetzung lassen nur Umrisse oder Fragmente erkennen. Gelegentlich blitzt auch mal ein Auge aus dem dunklen Hintergrund oder einem Türschlitz hervor. Insgesamt überzeugt die Produktion durch ihre technische Qualität und dient damit als Beleg der These, dass gerade das Horrorgenre für eine filmsprachliche Evolution sehr einflussreich ist. Bob Clark und sein Kameramann Reginald H. Morris verstehen es visuell, mit dem Auge der Kamera zu erzählen und so eine spezifisch filmische Form des Suspense zu erzeugen. So wird der „Black Christmas“ von zwei in dieser Hinsicht herausragenden Szenen gerahmt, die die dazwischen angewendeten Techniken jeweils als Paradebeispiel vorführen. Die Einleitung besteht aus einer ausgedehnten, höchst flexiblen und von unheilvollem Schnaufen begleiteten Point-of-View-Aufnahme, für die Morris eine eigene Apparatur entwarf. Der Schluss ist eine sehr ruhige und sorgfältig abgestimmte, minutenlange Kamerafahrt, die das ausgebreitete Grauen effizient nachwirken lässt.

„Black Christmas“ ist eines der interessantesten Exemplare aus dem oft beschworenen goldenen Jahrzehnt des Horrorfilms, als Filmemacher zur Schreckenserzeugung noch nicht auf Kunstblutexzesse zurückgreifen mussten, sondern vornehmlich stilistische Mittel anzuwenden oder sogar zu erfinden wussten. Die Idee des Weihnachtsterrors wurde des Öfteren wieder aufgegriffen. Während Bob Clark jedoch tatsächlich einen wegweisenden Klassiker geschaffen hat, der nicht nur für Genrefreunde interessant sein dürfte, richten sich die folgenden Vertreter dieses Subgenres wohl eher explizit an Horror- oder sehr offene Weihnachts-Fans.

Silent Night – Leise rieselt das Blut

Silent Night - Leise rieselt das Blut

20121 h 34 min
Kurzinhalt

Deputy Sheriff Aubrey Bradimore könnte sich Schöneres vorstellen, als am eiskalten verschneiten Heiligabend Schicht zu schieben. Doch Verkehrschaos und Betrunkene sind bei Weitem nicht das Schlimmste, was ihr heute bevorsteht. Die Gerüchte von einem als Weihnachtsmann verkleideten Serienmörder reißen nicht ab und schnell folgt sie einer blutroten Spur durch den weißen Schnee.

Metadaten
Titel Silent Night - Leise rieselt das Blut
Original Titel Silent Night
Regisseur Steven C. Miller
Laufzeit 1 h 34 min
Starttermin 30 November 2012
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Trailer

So blutrünstig und böse wie in „Silent Night“ war Santa lange nicht unterwegs, zu seinem bevorzugten Arbeitswerkzeugen gehören unter anderem Messer, Flammenwerfer, die Doppel-Axt, Häcksler, und das aus dem Original bekannte Hirschgeweih und glaubt mir, diese weiss er auch kompromisslos einzusetzen. Genre Liebhaber und Freunde des Originals sollten hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Kontrastprogramm für all jene, bei denen die gelebte Harmonie zu Weihnachten Brechreiz verursacht.

„Silent Night“ ist kein 1:1 Remake zu „Silent Night, Deadly Night“ von 1984, er beruht nur lose auf diesem. Leider ist die FSK geprüfte Version geschnitten und obwohl es nur knapp 37 Sekunden sind rate ich zur ungeschnittenen, da beinahe an jeder harten Szene etwas rumgeschnippelt wurde. Der sadistische Santa killt hier frei nach dem Motto „Alle Sünder müssen sterben“ aber ganz so genau nimmt er es dann doch nicht und auch mehr oder weniger unschuldige müssen ins Gras beissen. Und die Tötungen sind teilweise recht kreativ. „Silent Night“ hat durch die Polizeiarbeit und dadurch das wir und sie nicht wissen wer der Killer ist, auch noch einen Hauch von einem Krimi. Ich mag das Original und ich muss sagen, dieses Remake ist kein schlechtes und setzt in Sachen Blut noch ordentlich einen drauf. Schauspielerisch war ich etwas überrascht, denn der Film ist für einen Slasher prima besetzt, neben Malcolm McDowell macht vor allem Jaime King eine gute Figur und wirkt hier doch sehr sympathisch. Der Film recycelt die Idee eines Killers, der ein schweres Kindheitstrauma in der Weihnachtszeit erlitten hat, das Original aber zeichnet ein detailliertes Bild vom Täter, während die Neuverfilmung dafür lediglich eine Fussnote übrig hat.

Richtig schöner Weihnachsslasher der in der Vorweihnachtszeit bei mir zum Fest wohl ab jetzt jedes Jahr zum Zug kommen dürfte. Ein paar richtig schön fiese Ideen hat das Teil auf jeden Fall zu bieten. Hier kann das Remake mal ordentlich im Vergleich zum Original punkten. Der wahnsinnige Killer, verkleidet als Weihnachtsmann, verbreitet Ho-Ho-Horror im amerikanischen Städtchen und hinterlässt eine blutige Spur an verstümmelten Leichen. Steven C. Millers „Silent Night“ ist kein direktes Remake des 1984 Kult-Klassikers, sondern eine Hommage an das Original, es finden sich lediglich Hinweise auf die ursprüngliche Vorlage. „Silent Night“ ist ein traditioneller Slasher im Stil der 80er Jahre Klassiker, was bedeutet, es gibt eine hohe Anzahl an Toten und etwas Nacktheit, aber auch eine vollständige Abwesenheit von zupackender Spannung, Logik oder Charaktertiefe. Mit Sinn für groteske Details lebt der Film von seinem Widerspruch zwischen expliziter Gewalt und unbeschwerter Weihnachtlichkeit. Handwerklich ist der Film gut gemacht und ist durch seinen ruppigen Härtegrat zumindest keine Schlaftablette, irgendwer wird immer zu Kleinholz verarbeitet. Als reiner Hackepeter nicht von schlechten Eltern, kann man sich gerne anschauen.

The Stranger

The Stranger

20151 h 33 min
Kurzinhalt

Ein mysteriöser Mann kommt auf der Suche nach seiner Frau in eine kanadische Kleinstadt mit dem Ziel, ihr Leben zu beenden. Daran führt kein Weg vorbei, denn sie leidet an einer gefährlichen und hochansteckenden Krankheit. Der Fremde stellt sich als Martin vor und erfährt, dass seine Liebste Ana bereits vor langer Zeit verstorben ist. Vor Ort findet er im Graffiti-Künstler Peter jemanden, der eine Verbindung zu seiner Ehefrau hatte und ihm bei seinen Nachforschungen helfen kann. Bei einem brutalen Zusammenstoß lernt er außerdem Caleb, den Sohn eines korrupten Polizisten aus der Stadt kennen. Erst einmal kommt er bei einer lokalen Familie unter, doch was Martin nicht ahnt: Er selbst ist auch infiziert und sein Blut löst eine schreckliche Epidemie aus...

Metadaten
Titel The Stranger
Original Titel The Stranger
Regisseur Guillermo Amoedo
Laufzeit 1 h 33 min
Starttermin 12 Juni 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Schauspieler
Mit: Lorenza Izzo, Ariel Levy, Aaron Burns, Cristobal Tapia Montt, Luis Gnecco
Trailer

In diesem Werk des Cabin-Fever-Schöpfers Eli Roth versucht ein mysteriöser Fremder die Ausbreitung einer verheerenden Seuche zu verhindern. Wer an Filmen wie „Blue Ruin“, „A History of Violence“, „Let me in“ oder „A Girl“ gefallen findet, weil man einen gut inszenierten Minimalismus und ein knackiges, aber exzellentes Drebuch zu würdigen weiss, der könnte auch von „The Stranger“ angetan sein. Das „Werk“ lässt sich in keine konkrete Schublade stecken und wird es in keine Top10 schaffen, aber hebt sich definitiv von der Masse und dem sonstigen Müll ab der so veröffentlicht wird.

The Stranger

„The Stranger“ wurde vom uruguayischen Filmemacher Guillermo Amoedo geschrieben und inszeniert, der zuvor unter anderem als Co-Autor an „The Green Inferno“ und „Knock Knock“, den beiden jüngsten Horror-Thrillern von „Hostel“-Regisseur Eli Roth, beteiligt war. Letzterer hat wiederum „The Stranger“ als Produzent unterstützt. In Zusammenarbeit der Produzenten Eli Roth, Nicolás López und Regisseur Guillermo Amoedo wurde bereits der trashige Erdbebenfilm „Aftershock – Die Hölle nach dem Beben“ veröffentlicht. Mit „The Stranger“ schlagen sie wieder einen etwas ernsteren Ton an und Amoedo zeigt sich geschickt darin, einen eigentlich blutrünstigen Monster-Streifen in einen, von seinen Charakteren gestützten, Film zu verwandeln. Das Werk nimmt sich seine Zeit, baut durch gelegentliche Rückblenden Spannung auf und lässt den Zuschauer mit Peter mitfühlen, der ohne seinen Vater aufwuchs. Er wird, genau wie die Zuschauer, die meiste Zeit im Dunkeln darüber gelassen, welche Motive sein Vater verfolgt und was er überhaupt ist, denn menschlich ist er definitiv nicht. Was dagegen klar zu sein scheint, ist das Chaos, welches die Rückkehr seines Vaters in einem kleinen Örtchen anrichtet und vor allem ein Mitglied der Polizei und seinen gewalttätigen Sohn betrifft. „The Stranger“ ist letztendlich ein Film über Familie, über das Erbe, welches wir unseren Kindern hinterlassen und das wir auf uns nehmen, um deren Überleben zu sichern, unabhängig davon, wie böse und todbringend sie vielleicht werden mögen.

The Stranger

Wenn die Kamera uns durch die urbanisierte Vorstadt führt, so fällt auf, dass diese leer ist. Unbewohnt. Eine Geisterstadt, in der jeder seine eigenen Dämonen bekämpfen muss. Egal ob Alkohol, Drogen oder die Ausübung von Gewalt aus Langeweile. Es gibt nichts gutes in dieser Stadt und der geheimnisvolle Fremde, der nicht kämpfen will, der sterben will, der andere warnt, dass er ansteckend sei und niemand sein Blut berühren darf, weil er denjenigen sonst töten muss, wirkt fast wie ein heiliger Engel, der entsandt wurde um all das Böse aus dieser Stadt heraus zu brennen. Inszenatorisch und vom Dramaturgieraufbau erinnert „The Stranger“ an „So finster die Nacht“, welcher eine ähnlich untraditionelle Sicht auf den Vampirismus wirft. Das Setting der verlassenen Stadt voller Sündenträger hat Ähnlichkeiten von „A Girl Walks Home Alone“. „The Stranger“ konzentriert sich auch ebenso eher auf den Charakteraufbau und das Worldbuilding, als auf eine opulente Inszenierung. Auch wenn der Film sich überwiegend durch eine dichte Atmosphäre und Spannugsaufbau auszeichnet, so erhält er durch seine gelegentlichen und sehr harten Gewaltszenen einen wesentlich mainstreamigeren Touch als die oben erwähnten, doch fast blutleeren, Vampirkollegen. Wer ein Metzel-Intermezzo wie in „30 Days of Night“ erwartet, wird sehr enttäuscht werden. So bewegt sich „The Stranger“ wie ein freies Neutron im Genre und bringt eine nötige Abwechslung zum Marktführer-Genre der Geisterwelt.

My Soul to Take

My Soul to Take

20101 h 47 min
Kurzinhalt

Im verschlafenen Riverton wurde vor 16 Jahren ein brutaler Serienmörder gestellt und kam bei seiner Verhaftung ums Leben - Wahrscheinlich jedenfalls! Die Leiche wurde nie gefunden und seitdem hängt sein Schwur, zurückzukehren, um sein Werk zu vollenden, wie ein düsterer Fluch über der Kleinstadt. Als nun wieder eine Mordserie beginnt, wird klar, dass der „Riverton Ripper" alles andere als nur eine schaurige Erinnerung ist. Hat der Mörder damals überlebt? Oder ist seine Seele in eines der sieben Kinder gewandert, die in seiner Todesnacht geboren wurden? Adam „Bug" Heller (Max Thieriot) gehört zu diesen sieben Teenagern. Und nicht nur das - ohne etwas davon zu wissen, ist er auch der Sohn des „Rippers". Verfolgt von unbarmherzigen Alpträumen und blutigen Ahnungen muss er sich dem Monster stellen, das zu Ende bringen will, was es vor 16 Jahren begann...

Metadaten
Titel My Soul to Take
Original Titel My Soul to Take
Regisseur Wes Craven
Laufzeit 1 h 47 min
Starttermin 8 Oktober 2010
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

Mit „My Soul To Take“ sorgt Gruselmeister Wes Craven für Gänsehaut. Das erste Mal seit „Freddy’s New Nightmare“ aus dem Jahre 1994, hat der Meister des Horrors 2010 wieder sowohl das Drehbuch geschrieben, als auch auf dem Regiestuhl Platz genommen. Wes Craven bleibt seinem Motto treu und lässt die Zahl der Hauptdarsteller nach und nach schrumpfen.

My Soul to Take

In „My Soul to take“ lässt Wes Craven sein Werk Revue passieren. Er reflektiert über seine Filme und lässt seine stets bedienten Themen, Motive und Ansätze langsam ineinander zerfliessen. Im Mittelpunkt stehen Jugendliche, wie so oft im Kino von Wes Craven, Erwachsene haben in diesem Film kaum Platz. Der Horror ist, und auch das ist typisch für Craven, in der Vergangenheit verortet, der Horror ist eine Bürde, die den jugendlichen Figuren von der Elterngeneration aufgeladen wurde. Was früher Freddy Kruger war, der die Jugendlichen aus der Vergangenheit heimsuchte, ist hier eben der „Riverton Ripper“, der sie in Angst und Schrecken versetzt. „My Soul to take“ ist voller Traurigkeit und Melancholie, Craven schaut in das brüchige Innenleben seiner Figuren, die mit ihren adoleszenten Problemen, Sehnsüchten und Sorgen hadern und manche auch daran zerbrechen. Die schulischen Hierarchien, problematische familiäre Gefüge, unglückliche Liebe, ein Dasein als Aussenseiter und zärtliche Freundschaften, das sind die Dinge von denen Craven hier erzählt. Keine der Figuren kann sich ihre Unschuld bewahren, bis zum Ende des Films zwingt die Welt sie alle, ob bereit oder nicht, erwachsen werden, so schmerzhaft das für manche auch sein mag.

My Soul to Take

Es macht Spass wenn Craven, mal subtil, mal ganz eindeutig auf die Grundthemen und Details seiner Slasherklassiker zurückgreift, doch die eigentlichen Qualitäten des Films liegen ganz wo anders. Was mittelmässige Regisseure von grossartigen Regisseuren in meinen Augen unterscheidet ist vor allem die Fähigkeit, jeden neuen Film so zu Inszenieren als wäre es ihr erster. Absolut losgelöst von jeden (von sich selbst oder anderen) aufgestellten Regeln, auch wenn dies einen schmerzhaften Bruch bedeutet mit dem was man davor geschaffen hat. Craven inszeniert diesen Film tatsächlich von jeden möglichen Konventionen befreit, lässt sich aber doch das Spiel mit ebendiesen und damit natürlich auch mit unseren eigenen Erwartungshaltungen- nicht nehmen. Die ersten fünf Minuten geben bereits den Ton an, verwirrend und hektisch montiert Craven grausame Bilder einer Schizophrenie zusammen und verwischt hier bereits die Grenzen von Sein und Schein. Der Blick ist so unerträglich subjektiv, dass jede Orientierung unmöglich scheint. Eine Orientierungslosigkeit die sich, und das lässt einen staunen, glatt über die ganze Laufzeit hält. Dadurch wird auch das so simple wie veraltete Whodunit-Prinzip auf einmal wieder sehr attraktiv. Denn was ist hier eigentlich wahr? Wir sehen einen schüchternen Highschool-Schüler, der offensichtlich unter einer starken Schizophrenie leidet und gleichzeitig der offensichtliche Mörder mehrerer Altersgenossen ist. Oder etwa doch nicht? Hier spielt der Film gekonnt mit dem offensichtlichen – oder eben dem doch nicht so offensichtlichen.

My Soul to Take

Was geschieht nämlich wenn unsere einzige wirkliche Identifikationsfigur, die Figur mit der wir quasi den Blick auf die filmische Welt teilen diese verzerrt wahrnimmt oder sie gar nicht verstehen kann, da ihr wichtige Informationen bezüglich ihrer Umwelt und sogar der eigenen Identität einfach nie verraten wurden (in diesem Fall, dass ihr Vater ein Serienmörder war)? Daran, dass Bug der tatsächliche Killer war, besteht nach ca. halber Laufzeit kein Zweifel mehr und das ist eigentlich das tragische an diesem Film. Oft stellt Bug die Frage ob er denn vielleicht jemanden getötet habe und sich eben nicht mehr daran erinnert. Berechtigt, wenn man bedenkt wie sein Vater Anfangs seine Mutter ermordete und anschliessend neben ihr einschlief ohne sich an etwas zu erinnern. Was auf der einen Seite tief tragisch ist, ist auf der anderen Seite auch unglaublich subversiv: Durch den eben so subjektiven Blick sind wir immer enorm nahe an der Figur Bug und das wird teilweise geradezu unerträglich. Zum Beispiel wenn wir gerade erst erfahren haben, dass das Mädchen, das sich in der Schule so widerlich zu ihm verhält niemand anderes ist als seine eigene Schwester. Und wenn diese in einer darauffolgenden Situation als die eigentliche gequälte Seele der Familie offenbart. Wir erfahren, dass sie vielleicht die einzige ist die hinter die Fassade der Spießssbürgerlichkeit blickt und der blanke Horror dahinter sie zu dem Biest gemacht hat das sie ist. Eine Aura der Selbstzerstörung geht von den beiden ungleichen Geschwistern aus, vergleichbar mit der aus Cronenbergs „Maps to the Stars“, was dem Film natürlich nur zuträglich ist, denn die nächste Eskalation liegt immer in der Luft und wegsehen ist unmöglich denn der Angriff könnte sowohl sadistischer als auch selbstzerstörerischer Natur sein.

My Soul to Take

Ein bösartiger Stiefvater verkündet es bereits zu Anfang: „Don’t trust anyone“. Und doch hat man sich bereits damit zurechtgefunden, dass Bug das personifizierte Böse war. Hat sogar mit ihm mitgefiebert. Wollte, dass alles so kommt wie es kommen musste. Doch Craven wäre nicht Craven, wenn er nicht wieder zu seinem vielleicht zentralsten Thema zurückkehren würde: Der Horror ist etwas soziales, etwas gesellschaftliches. Fast jeder dieser Jugendlichen könnte ein Mörder sein, fast jeder ist vom Leben schwer gezeichnet und die elterlichen Autoritäten würden alles tun damit diese Wahrheit die bürgerliche Fassade nicht einreissen kann. Und daraus entsteht der eigentlich Horror dieses Killers, und der von Freddy Krüger, und der von Ghostface. Die letzten Minuten gehören dann auch zum formal herausragendsten, was Craven je geschaffen hat. In Kameraeinstellungen, in denen wir nie ganz erkennen wer gerade wo steht, mit Schnitten die so hektisch sind, dass wir nie ganz sicher sein können was gerade passiert und mit einer Verwirrung aller Räumlichen und Zeitlichen Abläufen kommt er am Ende zu einem ganz klaren Schluss. Ein ausschweifendes Finale gönnt der Flm nicht, es hätte diesem in sich gekehrten, düster-träumerischen, traurigen Film auch nicht gestanden. Am Ende steht schlicht das stille Liebesbekenntnis zweier Freunde, das langsam in den wunderschönen Abstand überleitet.

The Hateful Eight

The Hateful Eight

20152 h 48 min
Kurzinhalt

Irgendwo im verschneiten Wyoming, einige Jahre nach dem Bürgerkrieg: Eine Postkutsche kämpft sich auf dem Weg zum Städtchen Red Rock durch die Landschaft. An Bord sind der Kopfgeldjäger John Ruth, seine Gefangene Daisy Domergue und zwei erst auf dem Weg zugestiegene Passagiere: der Ex-Soldat und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger tätige Marquis Warren sowie Chris Mannix, der angibt, der neue Sheriff von Red Rock zu sein. Aufgrund eines heftigen Schneesturms sind sie jedoch dazu gezwungen, in einer Hütte Zuflucht zu suchen. Dort verstecken sich bereits der Mexikaner Bob, der undurchsichtige Oswaldo Mobray, der Cowboy Joe Gage und der in die Jahre gekommene Südstaaten-General Sanford Smithers vor dem Wetter. Schnell nehmen die Spannungen in der Gruppe von misstrauischen Raubeinen zu, nachdem man sich anfangs noch bestens unterhalten hat. Und bald wird klar, dass längst nicht jeder von ihnen die Hütte lebend verlassen wird.

Metadaten
Titel The Hateful Eight
Original Titel The Hateful Eight
Regisseur Quentin Tarantino
Laufzeit 2 h 48 min
Starttermin 25 Dezember 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
Bilder
Trailer

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„The Hateful Eight“ ist sicherlich ein Unikat, gerade im bisherigen Schaffenswerk Tarantinos, aber mir persönlich war er nicht kurzweilig genug. Die Dialoge haben nicht immer standhalten können und die verhaltensbasierte Logik einiger Charaktere muss zumindest hinterfragt werden. Und doch war ich überrascht, dass sich die knappen drei Stunden nicht wie knappe drei Stunden angefühlt haben. Der Gedanke „wann ist es endlich vorbei?“ kam nie auf – eigentlich ein gutes Zeichen. Und doch fehlen die ganz positiven Dinge. Bis auf vielleicht Jackson konnte mich keiner der Darsteller wirklich überzeugen.

Allesamt haben sie gut gespielt, keine Frage, aber richtig grosse Schauspielkunst war nicht zu sehen. Hinzu kommt, dass ich die Oscar-Nominierung von Jennifer Jason Leigh als beste Nebendarstellerin nicht nachvollziehen kann. Ihr Charakter ist deutlich hinter meinen Erwartungen zurück geblieben und die Darstellung war sicherlich solide bis gut, aber keine Nominierung würdig – ohne, dass ich jetzt die komplette Konkurrenz in der Kategorie einschätzen könnte. Auch bei Tim Roth hatte ich mir mehr erwartet. Er übernimmt die mittlerweile obligatorische „Christoph Waltz-Rolle“. Der noble und redegewandte Brite, der mit Wortakrobatik und Charme für Unterhaltungswert sorgt. Leider nur im Ansatz. Und ein mit schlechten Zähnen versehener Channing Tatum passt leider so gut wie gar nicht in das Setting…

The Hateful Eight

Am Ende kommt man mit gemischten Gefühlen aus dem Kinosaal. Zunächst sitzt der Gedanke „das. war. lang.“ im Kopf. Dann sucht man nach den richtig guten Sachen. Dann sucht man nach den richtig schlechten Sachen. Fündig wird man bei beiden nicht wirklich. Und am Ende steht ein Stück Enttäuschung einem Stück Freude gegenüber. Freude über die kleinen Dinge, wie der (etwas zu prominent eingebaute) Red Apple-Tabak. Aber das reicht für mich nicht aus, dieses Monument an Film in den kommenden Wochen noch einmal sehen zu wollen. Dafür war dann doch zu viel weilig. Tja, so gibt es 5 von 10 Sternen. Gerne hätte ich mehr gegeben, aber mir fehlen die grossen Szenen, die besonderen Momente, die auf Jahre im Gedächtnis bleiben. Gerne hätte ich weniger gegeben, aber der Abstand zu tatsächlichen Enttäuschungen muss gewahrt werden. So bleibt die Mitte…