Es gibt Karrieren, die wirken wie aus einem Lehrbuch für systemische Unsterblichkeit. Egal, was passiert, egal, welche Entscheidungen getroffen werden, egal, welche Konsequenzen folgen. Manche Menschen fallen nicht. Sie steigen auf. Lukas Bruhin ist so ein Mensch.
Der Mann, der Anfang 2020 wie aus dem administrativen Nebel materialisierte und plötzlich zum obersten Pandemie-Manager der Schweiz wurde. Nicht etwa durch einen demokratischen Prozess, nicht durch eine transparente Auswahl, sondern elegant an der eigentlich zuständigen Pandemiekommission vorbei. Ein administrativer Seiteneingang, durch den man offenbar schneller zur Macht gelangt als durch jede offizielle Tür.
Unter seiner Aufsicht entstanden Task Forces, Studien, Milliardenverträge und natürlich die allgegenwärtige Gewissheit, dass alles alternativlos sei. Wissenschaft wurde nicht mehr hinterfragt, sondern verkündet. Massnahmen nicht diskutiert, sondern exekutiert. Und die Presse? Sie war nicht Beobachter. Sie war Verstärker.
Und nun, Jahre später, sitzt genau dieser Mann im Verwaltungsrat der SRG. Das ist keine Ironie. Das ist Systemlogik.
Denn wer wäre besser geeignet, die mediale Aufarbeitung der Pandemie zu begleiten, als jemand, der ihre operative Architektur mitgestaltet hat? Wer könnte glaubwürdiger darüber berichten lassen, was vorgefallen ist, als jemand, der selbst entschieden hat, was passieren durfte? Es ist, als würde der Architekt eines Gebäudes nach dessen Einsturz zum Leiter der Schadensanalyse ernannt werden.
Während der Pandemie lernte die Öffentlichkeit eine neue Form von Journalismus kennen. Einen Journalismus, der nicht mehr hinterfragte, sondern bestätigte. Der nicht mehr prüfte, sondern verbreitete. Der nicht mehr kontrollierte, sondern synchronisierte. Kritische Stimmen wurden nicht widerlegt, sondern marginalisiert. Zweifel wurden nicht diskutiert, sondern delegitimiert. Fragen wurden nicht beantwortet, sondern als Gefahr klassifiziert.
Die Presse wurde zur moralischen Begleitmusik politischer Entscheidungen. Und nun sitzt einer der zentralen Dirigenten dieser Zeit im Verwaltungsrat genau jener Institution, die damals massgeblich dafür sorgte, dass die offizielle Realität reibungslos in die Wohnzimmer übertragen wurde. Es ist ein bemerkenswert geschlossener Kreislauf.
Besonders interessant ist dabei die Eleganz, mit der Zuständigkeiten verschwammen. Externe Kanzleien prüften Zulassungsunterlagen. Institute beauftragten Bewertungen ihrer eigenen Massnahmen. Verträge wurden geschlossen, deren Dimension selbst erfahrene Beobachter erstaunte. Alles im Namen der Dringlichkeit. Dringlichkeit ist das mächtigste Argument in der Geschichte der Macht. Sie suspendiert Zweifel. Sie beschleunigt Entscheidungen. Sie neutralisiert Widerstand. Und die Presse spielte ihre Rolle perfekt.
Heute, im Jahr 2026, beginnt die offizielle Geschichtsschreibung. Die Pandemie wird eingeordnet. Analysiert. Erklärt. Und zufällig sitzen genau jene Personen in Schlüsselpositionen, die damals die Realität definierten, über die berichtet wurde. Die SRG spricht von Zukunft. Von Vertrauen. Von Transformation.
Doch Vertrauen ist ein fragiles Gut. Besonders, wenn jene, die einst Entscheidungen trafen, nun die Institutionen mitgestalten, die deren Bewertung vermitteln. Es entsteht der Eindruck eines Systems, das sich selbst schützt. Nicht durch offene Verteidigung, sondern durch strukturelle Kontinuität. Dieselben Namen. Dieselben Netzwerke. Dieselben Stimmen.
Die Presse, die einst die Massnahmen begleitete, begleitet nun deren Erinnerung. Und Erinnerung ist formbar. Nicht durch offene Lüge. Sondern durch Auswahl. Durch Betonung. Durch Weglassen.
Am Ende bleibt nicht die Wahrheit. Es bleibt die Version, die überlebt – und diejenigen, die sie erzählen…


«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








