Die Schweizerische Nationalbank investiert bekanntlich in Aktien. Das ist ihr gutes Recht, Teil ihres Mandats, ordentlich dokumentiert. Was weniger ordentlich dokumentiert wird: In welche Aktien sie investiert – und was diese Unternehmen mit dem Geld machen, das die SNB ihnen durch Beteiligung zur Verfügung stellt.

Palantir Technologies. Seherstein aus Tolkiens Herr der Ringe. Im echten Leben: Ein Softwarekonzern, der Militärs, Geheimdienste, Polizeibehörden und Grenzkontrollbehörden mit KI-gestützter Überwachungsinfrastruktur versorgt. Kontrolliert von Peter Thiel – jenem Mann, der öffentlich erklärte, Freiheit und Demokratie seien nicht mehr miteinander vereinbar – und Alex Karp. Die SNB hält Palantir-Aktien im Wert von 1,1 Milliarden Franken. Und hat ihren Bestand seit Trumps Wiederwahl um 8,5 Prozent erhöht. Gut zu wissen.

Was Palantir tut – und was das bedeutet
Palantir versorgt die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE mit Software für Razzien gegen Migranten. Palantir arbeitet eng mit der israelischen Regierung im Krieg in Gaza und Libanon zusammen. Palantir hat 2025 Milliardenverträge mit der US-Armee abgeschlossen – für Kriegsführung, Logistik, Geheimdienstanalyse und die Auswertung innenpolitischer Daten. Ehemalige Palantir-Manager besetzen Schlüsselpositionen im Pentagon. Amnesty International hat Palantir bereits 2020 kritisiert – das Unternehmen komme seinen Sorgfaltspflichten im Bereich der Menschenrechte gemäss internationalen Standards nicht nach. Das war 2020. Sechs Jahre ist das her. Seitdem hat sich Palantirs Geschäftsmodell nicht verändert. Die Verträge wurden grösser. Die Beteiligungen der SNB auch.

Die Antwort der SNB – ein Meisterwerk der institutionellen Prosa
Gegenüber der Republik liess die Nationalbank verlauten, man investiere in keine Unternehmen, die grundlegende Menschenrechte massiv verletzen. Man lese diesen Satz und schaue gleichzeitig auf die Tabelle: 1,1 Milliarden Franken in Palantir. Erhöht nach Trumps Wiederwahl. Während Palantir ICE-Razzien technisch unterstützt. Während Palantir israelische Militäroperationen in Gaza begleitet. Während Amnesty International seit Jahren dokumentiert, was dieses Unternehmen tut.
Warum sie es trotzdem tun, wollte die Nationalbank nicht erläutern. Das nennt man in der Kommunikationsbranche eine geschlossene Antwort. In der Realität nennt man es das Schweigen derjenigen, die wissen, dass jede Erklärung schlimmer wäre als keine. Die UBS – ebenfalls mit 1,2 Milliarden in Palantir investiert – wollte überhaupt nicht Stellung nehmen. Wenigstens ehrlich.

Aktionäre                                    Aktienwert
Ende 2025 in Dollar
 
UBS Group AG                   1,2  Milliarden
Schweizerische Nationalbank         1,1  Milliarden
Pictet Asset Management           219,7 Millionen
Zürcher Kantonalbank       135,8 Millionen
Swiss Life                             135,8 Millionen
Zürich Versicherungen      102,7 Millionen
Bank Julius Bär                     46,1 Millionen
Quelle: U.S. Securities and Exchange Commission

Das Schweizer Finanzökosystem und sein Gewissen
Die Liste der Schweizer Palantir-Aktionäre liest sich wie das Who’s who der helvetischen Finanzbranche: UBS, SNB, Pictet, Zürcher Kantonalbank, Swiss Life, Zürich Versicherungen, Julius Bär. Zusammen fast drei Milliarden Dollar in einem Unternehmen, das laut Amnesty International seinen Menschenrechtspflichten nicht nachkommt. Europaweit halten Banken, Vermögensverwalter und Pensionsfonds Palantir-Aktien im Wert von mindestens 27 Milliarden Dollar.
Zum Vergleich: Der norwegische Vermögensverwalter Storebrand hat seine Palantir-Aktien verkauft – wegen der israelischen KI-Überwachung von Palästinensern. Norwegen hat eine Entscheidung getroffen, die moralisch und rechtlich begründet ist. Die SNB hat ihren Bestand erhöht und schweigt.
Das ist keine Kleinigkeit. Die SNB ist keine Privatbank, die frei über ihr Kapital verfügt. Sie verwaltet öffentliches Vermögen – Gelder, die letztlich den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern gehören. Wenn sie erklärt, nicht in Unternehmen zu investieren, die Menschenrechte massiv verletzen und gleichzeitig über eine Milliarde in Palantir hält, dann ist das entweder eine Lüge oder eine Definition von Menschenrechtsverletzung, die so eng ist, dass sie praktisch nichts mehr erfasst.

Professorin Van Ho und die Pflicht zum Handeln
Tara Van Ho, Expertin für unternehmerische Sorgfaltspflichten, bringt es auf den Punkt: Wenn begründete Bedenken hinsichtlich Menschenrechtsverletzungen bestehen, müssen Finanzakteure ihren Einfluss geltend machen. Falls Palantir sich weigert, sein Verhalten zu ändern, müssen sie die Geschäftsbeziehung beenden. Das ist keine aktivistische Forderung. Das ist die Beschreibung geltender internationaler Standards für institutionelle Investoren. Die SNB kennt diese Standards. Sie hat sie in ihrer eigenen Kommunikation zitiert. Und sie hat dennoch aufgestockt.

Was das über das System sagt
Peter Thiel hat erklärt, Freiheit und Demokratie seien nicht mehr vereinbar. Sein Unternehmen baut die Infrastruktur, die zeigt, was er damit meint. Schweizer Institutionen finanzieren dieses Unternehmen mit Milliarden – und erklären gleichzeitig, sie investierten nicht in Menschenrechtsverletzungen. Le Monde diplomatique stellte fest, dass Tech-Konzerne wie Palantir zentrale hoheitliche Aufgaben übernehmen – eine Privatisierung der Souveränität, die zunehmend auch Europa erfasst. Die SNB ist Teil dieser Struktur. Nicht durch bösen Willen. Durch Renditeinteresse, institutionelle Trägheit und die bequeme Überzeugung, dass man beim Wegschauen noch nicht mitgemacht hat.

Die SNB investiert nicht in Menschenrechtsverletzungen. Sie hält nur 6,24 Millionen Aktien eines Unternehmens, das laut Amnesty International seinen Menschenrechtspflichten nicht nachkommt. Das ist etwas vollkommen anderes. Natürlich…

Die SNB investiert in Menschenrechtsverstösse

Europäische Investoren in den Software-Konzern Palantir © Follow the Money


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