Es gibt sie, diese merkwürdige Spezies des 21. Jahrhunderts: den «Verschwörungsleugner». Nein, kein Tippfehler. Gemeint sind nicht jene finsteren Gestalten mit Alufolie auf dem Kopf, sondern das genaue Gegenteil. Akademisch geschniegelt, rational geschniegelt, moralisch geschniegelt. Menschen, die Skandale kennen, Lobbyregister lesen können und das Wort «Drehtür-Effekt» korrekt buchstabieren – und trotzdem felsenfest davon überzeugt sind, dass Machtmissbrauch immer nur ein bedauerlicher Unfall ist. Nie Methode. Nie System. Schon gar nicht ganz oben.

Der Verschwörungsleugner ist kein Skeptiker. Skepsis wäre Arbeit. Skepsis würde bedeuten, Fragen zu stellen, auch wenn die Antworten unbequem sind. Nein, er ist eher ein Erwachsener mit emotionaler Kindheitserinnerung. Sein Vertrauen ruht nicht auf Transparenz oder Rechenschaft, sondern auf einer tief verinnerlichten Mär vom fürsorglichen Leviathan. Staat, Leitmedien, globale Konzerne – das sind für ihn keine Interessenakteure, sondern Ersatzeltern. Kritisiert man sie, reagiert er nicht argumentativ, sondern beleidigt. Fast persönlich verletzt. Manchmal empörter als die Institution selbst.

Dabei ist das Paradoxe: Er weiss es ja eigentlich besser. Natürlich kennt er historische Beispiele von Lügen, Vertuschung, geheimen Absprachen. Natürlich weiss er von Watergate, Cum-Ex, NSA, Panama Papers. Aber irgendwo, an einer unsichtbaren Grenze, muss Schluss sein. Genau dort, wo sein Bedürfnis nach seelischer Ruhe beginnt. Ab hier bitte keine Muster mehr erkennen. Ab hier herrscht Zufall. Ab hier regiert das Gute. Dass ausgerechnet an den Machtspitzen, wo Druck, Konkurrenz und Gewinnmaximierung maximal sind, plötzlich Moral und Selbstlosigkeit ausbrechen sollen – das ist keine Analyse, das ist Glaube. Und zwar ein erstaunlich naiver.

Diese innere Haltung fällt nicht vom Himmel. Sie wird liebevoll gepflegt. In den vergangenen Jahren wurde ein ganzes Wahrheitsbetriebssystem installiert. Taskforces, Faktenportale, Anti-Desinformationsprogramme, Infodemie-Bekämpfung. Wahrheit kommt jetzt mit Siegel. Und wer misstrauisch ist, zeigt womöglich schon «Radikalisierungstendenzen». Früher galt kritisches Denken als Bürgerpflicht, heute als Frühwarnsignal. Fortschritt nennt man das.

Der Verschwörungsleugner fühlt sich darin pudelwohl. Endlich Ordnung. Endlich Klarheit. Endlich ein offizielles Raster, das festlegt, was gedacht werden darf. Die richtige Quelle entlastet vom eigenen Denken, das richtige Label ersetzt das Argument. «Schwurbler», «Desinformant», «Querdenker», «Putinknecht» – sprachliche Allzweckwaffen, mit denen man Inhalte entsorgen kann, ohne sie zu öffnen. Das spart Zeit und schützt die eigene Weltsicht vor Kratzern.

Psychologisch ist das alles erstaunlich banal. Sicherheit schlägt Wahrheit. Zugehörigkeit schlägt Erkenntnis. Wer sich brav an Kampagnen anschliesst, darf Teil der «vernünftigen Mehrheit» sein. Das fühlt sich gut an. Zweifel hingegen machen einsam. Und wer will schon allein im Regen stehen, während die Masse im warmen Konsens badet?

So entsteht eine Gesellschaft, die sich für aufgeklärt hält, während sie systematisch wegschaut. Nicht, weil sie dumm wäre, sondern weil sie Angst hat, was passieren könnte, wenn sich der Verdacht erhärtet. Denn dann müsste man Konsequenzen ziehen. Und das wäre unerquicklich.

Der Verschwörungsleugner verteidigt also nicht die Wahrheit. Er verteidigt sein Ruhebedürfnis. Und nennt das dann Rationalität…

Die hohe Kunst des Wegsehens: Anatomie des Verschwörungsleugners


ANZEIGE: Du suchst nach dem einfachsten Weg, Bitcoin zu kaufen und selbst zu verwahren? Die Relai-App ist Europas erfolgreichste Bitcoin-App. Hier kaufst Du Bitcoin in wenigen Schritten und kannst auch Sparpläne einrichten. Niemand hat Zugriff auf Deine Bitcoin, ausser Du selbst. Relai senkt jetzt die Gebühr auf 1 %, mit dem Referral-Code REL105548 sparst Du weitere 10 %. (keine Finanzberatung). Disclaimer wg. EU-Mica-Regulierung: Die Dienste von Relai werden ausschliesslich für Einwohner der Schweiz und Italien empfohlen.

Psst, folge uns unauffällig!

Unterstütze uns!

 
«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!
 


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!