Es gibt Menschen, die erklären nicht, sie erziehen. Und dann gibt es Marko Kovic. Wenn irgendwo die falsche Meinung keimt, steht er bereit wie ein Rauchmelder mit Mission. Sein jüngster Auftritt zur SRG-Halbierungsinitiative ist wieder ein solcher Text, der weniger gelesen als überstanden wird. Ein Beitrag, der sich anfühlt wie ein verpflichtender Ethik-Workshop, nur ohne Kaffee und mit deutlich mehr moralischem Zeigefinger.

Marko Kovic erklärt uns darin, warum die öffentliche Medienfinanzierung gewissermassen Naturgesetz ist. Strassen, Schulen, Versicherungen, SRG. Alles dasselbe. Wer daran rüttelt, gefährdet die Zivilisation. Morgen reissen wir Autobahnen ab, übermorgen brennt die Demokratie. So ungefähr liest sich das. Die Serafe-Rechnung als letzter Schutzwall gegen den diskursiven Kollaps. Man möchte fast applaudieren. Fast.

Was Kovic brillant beherrscht, ist das Framing. Gegner der Gebührenhalbierung sind selbstverständlich nicht einfach anderer Meinung. Sie sind rechtspopulistisch, destruktiv, latent demokratiefeindlich. Menschen, die «den linken Sumpf trockenlegen» wollen. Ironischerweise trifft er damit einen Nerv, nur leider nicht so, wie er denkt. Denn genau diese moralische Dauerbeschallung ist es, die vielen längst zum Hals heraushängt.

Besonders köstlich wird das Ganze, wenn man den Realitätsabgleich wagt. Ausgerechnet auf nau.ch, Kovics bevorzugter Predigtkanzel, zeigt eine Umfrage, dass knapp 70 Prozent der Teilnehmenden die Gebühren halbieren wollen. Ein kleines digitales Erdbeben. Plötzlich ist der mündige Bürger nicht mehr ganz so mündig, wenn er falsch abstimmt. Demokratie ja, aber bitte mit korrekter Haltung.

Während draussen der Spott wächst, klammert sich die Argumentation an Begriffe wie «Service public» und «Unabhängigkeit», als wären sie sakrosankt. Dabei wird auffällig wenig darüber gesprochen, wie subjektiv dieser Service inzwischen wahrgenommen wird. Die SRG verkauft sich als neutraler Leuchtturm, wirkt für viele aber eher wie ein ideologisch dekorierter Leuchtkörper, der zuverlässig in eine Richtung strahlt. Wer das anspricht, gilt sofort als Problemfall.

In den oberen Etagen der SRG herrscht derweil Nervosität. Verständlich. Eine Halbierung der Gebühren bedeutet nicht nur weniger Geld für Programme, sondern auch weniger für Posten, Prestige und Pensionskassenromantik. Der sogenannte Service public wird dort erstaunlich oft mit dem eigenen Lebensstandard verwechselt. Plötzlich tauchen Schauspieler, Moderatoren und sonstige Dauerpräsente auf, die uns erklären, warum genau dieses System alternativlos ist. Medienpolitik als Nebenerwerb. Man nimmt, was man kriegen kann.

Besonders bizarr wirkt die Empörung über Kritik. 1408 Beschwerden im Jahr 2025 beim Ombudsmann. Für ein angeblich ausgewogenes, verbindendes Medium keine kleine Zahl. Aber auch das wird elegant wegmoderiert. Kritik gilt als Missverständnis, nie als Symptom. Der Zuschauer irrt, das System nicht.

Die Halbierungsinitiative ist kein Anschlag auf die Demokratie. Sie ist ein Stresstest. Ein Versuch herauszufinden, ob ein gebührenfinanziertes Medienhaus auch mit weniger Geld pluralistisch, kritisch und relevant sein kann. Oder ob es tatsächlich nur unter Zwang funktioniert. Wer davor solche Angst hat, stellt unbequeme Fragen nicht gern.

Am 8. März 2026 geht es nicht um links oder rechts, nicht um Kulturzerstörung oder Bildungsnotstand. Es geht um Macht, Geld und Deutungshoheit. Um die simple Frage, ob Bürger weiterhin verpflichtet sein sollen, ein Medienangebot voll zu finanzieren, das sie zunehmend als einseitig empfinden. Ein Ja zur Halbierung ist kein Kulturbruch. Es ist ein Realitätscheck.

Vielleicht täte es dem Diskurs gut, weniger zu belehren und mehr zuzuhören. Weniger moralische Alarmglocken, mehr Selbstkritik. Aber das würde voraussetzen, dass man den Bürger nicht nur als Zahler sieht, sondern als ernstzunehmenden Souverän. Und genau da beginnt das eigentliche Problem…

Der Hohepriester des Service Public und die Angst vor der leeren Kasse


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