Das Internet vergisst nicht. Das ist seine grösste Stärke – und für manche Menschen ein grosses Problem. Vor etwa dreizehn Jahren, auf einer Gala, gab Christian Ulmen ein Interview. Er kündigte stolz seine neue Show an. Der Titel: «Who wants to fuck my girlfriend?» Collien Fernandes stand daneben. Lächelnd. Amüsiert. Sichtlich unbeeindruckt von der Unflätigkeit des Titels, der öffentlich, auf einer Veranstaltung, mit ihr als anwesender Partnerin in die Kameras gesprochen wurde. Heute präsentiert sich dieselbe Frau als Opfer eines Mannes, dessen Sprache, Verhalten und Selbstdarstellung sie damals öffentlich lächelnd kommentarlos mitgetragen hat.

Die Zeitreise, die niemand buchen wollte
Dreizehn Jahre sind lang. Menschen verändern sich. Beziehungen verändern sich. Was einmal lustig war, kann rückblickend anders wirken – das ist menschlich, das ist verständlich, das ist sogar nachvollziehbar.
Was allerdings weniger verständlich ist: Die vollständige Auslöschung des früheren Ichs aus der öffentlichen Selbstdarstellung, als wäre es nie dagewesen. Wer heute als Opfer sexualisierter Erniedrigung auftritt – und das mag berechtigt sein, das mögen Gerichte klären – der darf sich die Frage gefallen lassen, wie er damals auf einer Gala neben einem Mann stand, der öffentlich eine Show ankündigte, deren Titel seine Partnerin zum Objekt sexueller Verfügbarkeit erklärte. Nicht als Anklage. Als Frage. Als jene Art von Kontextualisierung, die man in jedem anderen Fall selbstverständlich vornehmen würde.

Feministinnen und das selektive Gedächtnis
Nun könnte man erwarten, dass eben jene Feministinnen aus Prominenz und Politik, die sich derzeit lautstark mit Fernandes solidarisieren, diese Frage stellen. Dass sie die Ambivalenz benennen. Dass sie – konsequent, wie Feminismus es eigentlich verlangt – auch die Frage stellen, wie eine Frau mit gefestigtem Selbstbewusstsein und öffentlicher Plattform jahrelang neben einem Mann steht, dessen Verhalten sie heute als traumatisierend beschreibt, ohne einmal öffentlich Widerspruch zu zeigen.
Stattdessen: Schweigen zu dieser Frage. Voller Fokus auf das Narrativ des Augenblicks. Das ist keine Solidarität. Das ist selektive Empörung mit Scheuklappen – die Art, bei der man die Geschichte so lange zuschneidet, bis sie ins Bild passt.

Das Schneeflöckchen und die Showbühne
Fernandes ist keine naive Frau. Sie ist eine gestandene Medienprofessionelle mit jahrzehntelanger Erfahrung vor der Kamera. Sie weiss, wie Öffentlichkeit funktioniert. Sie weiss, was ein Titel wie «Who wants to fuck my girlfriend?» bedeutet – gesellschaftlich, symbolisch, in Bezug auf das Bild, das damit von ihr gezeichnet wird. Und sie stand daneben. Amüsiert.
Das macht die heutigen Vorwürfe nicht automatisch falsch. Das macht Ulmen nicht automatisch unschuldig. Das entscheiden Gerichte. Aber es macht das Bild des unschuldigen Schneeflöckchens, das plötzlich erkennt, dass der Mann neben ihr ein Monster war, erheblich komplizierter. Komplizierter, als die Medien es darstellen. Komplizierter, als die solidarischen Statements zulassen. Komplizierter, als eine öffentliche Empörungswelle verarbeiten kann.

Die Gala, die schlecht gealtert ist
Es gibt einen Begriff im Englischen: Aged poorly. Dinge, die zum Zeitpunkt ihres Entstehens akzeptabel wirkten und heute – im Licht neuer Erkenntnisse oder neuer gesellschaftlicher Massstäbe – anders gelesen werden. Das Interview auf der Gala ist schlecht gealtert. Das stimmt.
Aber es ist nicht nur Ulmen, der darin schlecht aussieht. Es ist auch Fernandes – nicht als Opfer, sondern als Person, die in diesem Moment eine Entscheidung getroffen hat. Die Entscheidung, dabei zu stehen. Die Entscheidung, zu lächeln. Die Entscheidung, schweigend mitzutragen, was später als Erniedrigung beschrieben wird. Das sind keine moralischen Urteile. Das sind Beobachtungen, die eine komplexere Geschichte zeichnen als jene, die gerade erzählt wird.

Was die Öffentlichkeit verdient
Die Öffentlichkeit verdient keine einfachen Narrative. Sie verdient die Frage, warum dreizehn Jahre gemeinsames öffentliches Auftreten – mit Shows, Galas, Werbeverträgen und gemeinsamen Auftritten – erst dann problematisch werden, wenn die Ehe endet und ein Scheidungsverfahren läuft. Sie verdient die Frage, wer hier die Agenda setzt – und warum ausgerechnet jetzt. Und sie verdient die Beobachtung, dass ein Schneeflöckchen in der Regel nicht lächelnd bei Titeln steht, die es zum Objekt machen…

Das Schneeflöckchen bei «Who wants to fuck my girlfriend?»
Das Schneeflöckchen bei «Who wants to fuck my girlfriend?»

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