Es gibt Interessenkonflikte. Und dann gibt es das, was Alphabet mit der Pharmaindustrie veranstaltet – ein Konstrukt von so raffinierter Dreistigkeit, dass man fast Bewunderung empfindet. Fast. Beginnen wir mit dem, was Google offiziell ist: Eine Suchmaschine. Eine neutrale Plattform. Ein Ort, an dem Informationen frei fliessen und der Nutzer selbst entscheidet, was er glaubt. So lautet das Selbstbild. Die Realität sieht anders aus – und sie beginnt nicht in einer Hinterzimmer-Verschwörung, sondern in einem Börsenbericht.

Das grösste Interessengeflecht der Medizingeschichte: Google entwickelt Impfstoffe, verkauft Patientendaten und zensiert die Kritiker

Verily: Der diskreteste Pharmariese der Welt
Alphabets Tochterunternehmen Verily Life Sciences – früher Google Life Sciences – ist kein Randprojekt. Es ist ein vollständig integrierter Akteur im globalen Pharmaökosystem. Verily hat mit Pharmariesen wie GlaxoSmithKline und Sanofi Jointventures im Milliardenbereich gegründet, um neue Medikamente und digitale Gesundheitsplattformen zu entwickeln – und verknüpft damit Alphabets finanziellen Erfolg direkt mit dem Erfolg seiner Pharmapartner.

Konkret: 2016 gründeten Verily und GlaxoSmithKline das Jointventure Galvani Bioelectronics mit einem Volumen von 715 Millionen Dollar zur Entwicklung bioelektronischer Medizin. Den Vorsitz des Boards übernahm Moncef Slaoui, damals GSK-Chairman of Global Vaccines – derselbe Moncef Slaoui, der später Boardmitglied bei Moderna wurde und schliesslich die Operation Warp Speed unter Trump leitete. Die Personalunion zwischen Google-Pharma-Venture und staatlichem Impfprogramm ist so offensichtlich, dass man sie kaum glauben würde, wenn sie nicht aktenkundig wäre.

Dazu kommt Verilyies «Verily Me»-Projekt: Es sammelt genetische und Gesundheitsdaten von Freiwilligen in grossem Umfang, die dann für klinische Forschung in Partnerschaft mit Pfizer und Novartis genutzt werden – womit die Kontrolle über Gesundheitsdaten zum zentralen Bestandteil von Alphabets Geschäftsmodell wird.

Kurz gesagt: Wenn du bei Google nach Impfstoff-Nebenwirkungen suchst, durchforstet ein Unternehmen deine Anfrage, das gleichzeitig Impfstoffe mitentwickelt, die Daten der Nutzer an Pharmaunternehmen verkauft und auf YouTube die Suchergebnisse kontrolliert, die du siehst. Das nennt man in der Finanzwelt einen Interessenkonflikt. In der Realität nennt man es etwas anderes.

YouTube zensierte – und Alphabet gestand es Congress
Das Erstaunlichste an dieser Geschichte ist nicht das Ausmass der Verstrickung. Es ist die Tatsache, dass Alphabet es selbst zugegeben hat. Alphabets Anwälte schrieben an House Judiciary Committee Chairman Jim Jordan: «Es ist inakzeptabel und falsch, wenn irgendeine Regierung, einschliesslich der Biden-Administration, versucht, der Gesellschaft vorzuschreiben, wie sie Inhalte moderiert.»

Inakzeptabel und falsch – das sind starke Worte für ein Unternehmen, das es trotzdem getan hat. Laut Alphabets eigener Stellungnahme haben leitende Biden-Administration-Mitarbeiter, einschliesslich Mitarbeiter des Weissen Hauses, wiederholten und anhaltenden Druck auf Alphabet ausgeübt und das Unternehmen bezüglich bestimmter nutzergenerierter Inhalte zur Covid-Pandemie gedrängt, die nicht gegen eigene Richtlinien verstiessen.

Inhalte, die nicht gegen die eigenen Richtlinien verstiessen, wurden trotzdem entfernt – weil die Regierung es wollte. Und die Regierung wollte es, weil sie eine Impfkampagne fuhr. Und Google profitierte von genau dieser Impfkampagne, weil es finanziell mit den Herstellern verflochten war. Der Kreis schliesst sich.

Zensur als Geschäftsmodell
Googles Zensur von Gesundheitsinhalten, einschliesslich unbequemer Fakten über Impfstoffe, begann vor Covid-19 und dauert bis heute an. Der Druck der Biden-Administration ist weder ausreichend noch notwendig, um Googles Zensur zu erklären – sie erklärt sich hinreichend durch Alphabets Data-Mining-Operationen und technische Innovationen im Dienst der biopharmazeutischen Industrie.

Das ist die Crux: Google benötigte keine Regierungsanweisung, um Inhalte zu zensieren, die seinen Pharmapartnern schadeten. Es hatte genug eigene finanzielle Motive. Die Biden-Administration war Beschleuniger, nicht Ursprung. Alphabets Unterstützung der Pandemie-Reaktion ging über das Schweigen der Kritiker hinaus: Verily entwickelte Gesundheitsapps für Arbeitsplätze, die sich zu Systemen zur Verfolgung des Impfstatus entwickelten. Google arbeitete zudem mit Apple zusammen, um Contact-Tracing-Technologie zu entwickeln, und war ein zentraler Akteur beim Vorstoss für ein digitales Impfpass-System.

Suchen, Zensieren, Impfen, Tracken, Datenverkaufen – alles aus einer Hand. Alphabet ist nicht die Suchmaschine mit einem Pharmahobby. Es ist ein Pharma- und Überwachungskonzern mit einer Suchmaschine als Fassade.

Was RFK Jr. richtig sieht – und was er auslässt
RFK Jr. hat den Interessenkonflikt korrekt identifiziert. Was er im Eifer der Enthüllung tendenziell unterschlägt: Das Problem ist nicht auf die Biden-Ära beschränkt. Die Wirklichkeit ist, dass Googles Zensur der Pandemie vorausging und bis heute anhält. Mit Googles Hilfe «besitzen» die Verfechter des globalen Autoritarismus weiterhin die Wissenschaft.

Operation Warp Speed lief unter Trump. Moncef Slaoui – der Mann vom GSK-Verily-Board – koordinierte Trumps Impfprogramm. Die Pharmaverflechtungen von Alphabet sind parteiübergreifend und systemisch. Sie überleben jeden Präsidenten.

Das ist die eigentlich beunruhigende Nachricht: Es gibt keine Wahlentscheidung, die dieses Konstrukt auflöst. Verily sitzt nicht im Weissen Haus. Es sitzt in jedem Smartphone, in jeder Google-Suche, in jedem YouTube-Video, das du siehst – oder nicht siehst.

Google ist eine Suchmaschine. Sie sucht nur manchmal nicht das, was du suchst. Sie sucht das, was ihre Pharmapartner brauchen.

Das grösste Interessengeflecht der Medizingeschichte: Google entwickelt Impfstoffe, verkauft Patientendaten und zensiert die Kritiker


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