Es gibt Tage, da fragt man sich ernsthaft, ob die Schweiz einfach keine echten Probleme hat oder ob der Bundesrat einen geheimen Wettbewerb laufen hat: «Wer schafft es, die lächerlichste politische Debatte des Jahres zu gewinnen?» Und dann kommt die Säckli-Frage. Die Säckli-Frage! Das apokalyptische Endgame der helvetischen Staatskunst. Die nationale Tragödie zwischen Gurke, Waage und geistiger Selbstaufgabe.

Hamlet sagte einst: «Sein oder Nichtsein.» Die Schweiz sagt: «Säckli oder Nicht-Säckli.» Und ganz ehrlich: Wenn Shakespeare das noch erleben müsste, hätte er sich sofort wieder hingelegt. Wir reden hier nicht über Energieversorgung, nicht über Einwanderung, nicht über geopolitischen Wahnsinn. Nein. Wir reden darüber, ob Frau Huber eine Taste zu viel drücken muss, wenn sie zwei Äpfel wiegt. Man kann sich die Absurdität nicht ausdenken. Sie schreibt sich selbst.

FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger ist die Jeanne d’Arc der Säckli-Unterdrückten. Sie hat die Säckli-Erleuchtung! Denn sie hat offenbar festgestellt, dass die Schweiz kurz vor dem Untergang steht, weil der Souverän – also der Mensch mit dem Einkaufswagen – aufgefordert wird, seine Säckli-Wahl anzugeben. Unzumutbar. Menschenrechtswidrig. Fast schon Genozid am geistigen Wohlbefinden. Mit tausenden «Klicks am Tag» (ihr Begriff, nicht meiner) segelt sie durch irgendwelche Apps und kommt zur bahnbrechenden Erkenntnis: Die Säckli-Abfrage muss weg!

Ich lehne mich kurz zurück und bin beeindruckt, wie man sich gleichzeitig über Klicks wundern kann und doch völlig unberührt davon bleibt, dass ein Land mit siebenstelligen Löhnen Politikerinnen ausspuckt, die sowas für relevant halten. Und der Bundesrat ist wie immer zur Stelle, wenn’s völlig egal ist. Unser Bundesrat, der ja im Grunde permanent beschäftigt ist mit… ja, womit eigentlich? Wirklich brennenden Fragen? Staatspolitischen Visionen? Oder doch eher mit Säckli-Dramaturgie?

Natürlich schliesst sich die Regierung dem Antrag an. Natürlich. Wäre ja peinlich, als Bundesrat eine echte Entscheidung zu treffen, während das Volk an der Waage verzweifelt. Stattdessen wird nun eine «freiwillige Rückkehr zur alten Ausnahmeregelung» angeboten. So wie man einem Kind «freiwillig» anbietet, die Broccoli zu essen, sonst gibt’s kein Dessert. Ein Land ohne Probleme ist ein Land mit grossartigen Problemen.

Man muss diesen Moment würdigen: Die Schweiz ist offiziell so gesegnet, so absurd erfolgreich, so frei von echten Sorgen, dass die grösste nationale Debatte darin besteht, ob Säckli-Auswahlfelder an einer Waage zumutbar sind. Wir leben in einer Zeit, in der anderswo Kriege geführt werden, die Inflation ganze Länder zerschiesst, Regierungen kollabieren, Menschen hungern –
und wir kämpfen tapfer gegen den einzigen Feind, den wir offenbar noch mächtig genug finden: Die Säckli-Taste.

Respekt. Wirklich. Das muss man erstmal hinbekommen.
Wenn Neutralität, Wohlstand und Souveränität der Eidgenossenschaft wirklich an einer Plastiksäckli-Auswahl hängen – dann gute Nacht.

Aber hey:
Wir haben’s geschafft, die Tragödie rechtzeitig zu erkennen.
Wir haben eine Motion.
Wir haben Schneeberger.
Wir haben einen Bundesrat voller Tatendrang.

Die Schweiz ist wieder sicher.
Das Säckli regiert in Frieden.

Bundesrat im Kampfmodus: Die Revolution an der Gemüsewaage


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