Das Problem bei solchen «Schlagzeilen» ist, das die meisten dabei gar nicht nachdenken und gleich an Pädophile oder an die eigene Sexualität denken und dadurch getriggert sind. Dazu wäre hilfreich sich mit der Entwicklungspsychologie der Kinder auseinander zu setzen. Das Bedürfnis des Menschen, seine Sexualität an sich selbst und mit anderen entdecken und erleben zu wollen ist angeboren und ist auf zwei Bedürfnissen begründet. Das Erste ist das Bedürfnis nach Erkundung (Neugier) und das Zweite das Bedürfnis körperliche Lust und Wohlsein zu vermehren. Der Mensch ist von Anfang an ein sexuelles Wesen und trägt beide Bedürfnisse in sich. Sie dienen der Lebens- Art- und Selbsterhaltung. Das bedeutet, sie ist nicht (nur) genital ausgerichtet.
Kinder leben ihre Lust egozentrisch, sie wollen die eigene Lust steigern und nicht andere befriedigen. Kinder zwischen 0 bis 6 Jahren sind mit allen Sinnen auf der Suche nach maximalen Lustgewinn. Kindliche Sexualität drückt sich in der Intention aus, schöne Gefühle durch sensorische Stimulation zu erleben, sich geborgen fühlen, Spannung abzubauen, Erregung zu spüren und Neugierde in Hinblick auf den eigenen Körper zu befriedigen. Der Ausdruck der Sexualität von Kindern ist unbefangen und von daher kommt es, dass Kinder zum Beispiel mastrubieren oder eben offen ihre körperliche Neugierde anhand von Erkundungsspielen (Doktorspiele) stillen.
Diese Erfahrungen ab Geburt prägen das Selbstwertgefühl nachhaltig und für ein Kind sollte im Mittelpunkt stehen ein positives Körpergefühl entwickeln zu können. Ein positives und verlässliches Körpergefühl ist eine jener Voraussetzungen, die ein Kind vor sexuellen Übergriffen schützen kann. Für Kinder ist diese Neugierde nix Besonderes und die kindliche Sexualität ist nicht gleichzusetzen mit der eines Erwachsenen. Ziel sollte sein, einen sicheren Umgang und Raum zu geben damit Kinder ihrer Entwicklung und Neugierde folgen können.
Und ehrlich gesagt, wenn man sich unsere Entwicklung und Stand der Sexualität anschaut dann wundert mich nix mehr warum es so ist wie es ist.
Sexualität ist bisher meist totgeschwiegen worden, die Geschlechtsteile wurden zu unserer Zeit ja nicht mal richtig benannt, weil da so viel Scham im Bezug auf Sexualität da war und noch ist. Für die Doktorspiele musste man sich verstecken und mit niemandem konnte man offen reden. Jetzt weiss man aber aus der Entwicklungspsychologie und auch wenn man offen ein Kind beobachtet, dass die Sexualität von Anfang an normal ist, also wo ist das Problem nun wirklich?
Im Kindergarten meiner kleinen gibt es so einen Raum, heisst halt nicht so reisserisch Masturbierraum, sondern Smusi Raum. Da dürfen nur max 4 Kinder zusammen rein, auf Altersunterschied/Machtverhältnis wird geschaut und die Kinder kommen von selbst und sagen sie wollen da gemeinsam rein. Der Raum ist abgedunkelt, mit Matratzen am Boden, gedimmtes Licht, Sternchenprojektor und die Kinder wissen das dort nicht getobt wird, sondern dass dies ein Platz zum erholen ist. Im Raum sind sie unbeaufsichtigt und haben somit ihre Privatsphäre um sich zu entdecken. Was darin passiert ist den Kindern überlassen.
Und ganz ehrlich, am Anfang war ich geschockt, weil bitte was ist das, was soll das, doch mittlerweile find ich das so gut und bin richtig dankbar, dass sie so eine Möglichkeit hat.
Letztens hat sie mir beim Mittagessen erzählt, dass sie da mit einem Jungen drin war und der hat ihr und ihrer Freundin den Penis gezeigt. Und ich fand das gut, dass es einen Raum dafür gibt, sie sich nicht heimlich verstecken müssen und die ersten gespeicherte sexuellen Erfahrungen so ohne Scham sind.
Und zum masturbieren hab ich mein Kind schon selbst «angeleitet», das heisst ich hab ihr erklärt das es sich immer gut anfühlen soll, wenn sie sich berührt, dass sie, wenn sie sich die Finger wo rein steckt, diese bitte sauber sein sollen, nix spitzes usw. Das kommt automatisch, wenn das Kind da steht mit erhoben Finger, lacht und sagt: «Mama, ich hab grad mit meinem Finger im Popo gebohrt, das war gut.» Da kann man meiner Meinung nach nur offen und klar dazu anleiten was da die Regeln dafür sind, damit es gut bleibt. Oder man geht ins Alte und sagt, bäh, das macht man aber nicht oder ignoriert oder der alte Mist halt.
Es liegt an uns Erwachsenen, uns für unsere Kinder zu öffnen und unsere eigene Sexualität nochmals neu zu überdenken, denn ich wünsche es jedem Kind nicht so verklemmt und voller Scham in die Erwachsenen Sexualität zu starten wie wir es hatten. Aber alles hat eben auch seine Schattenseiten, insbesondere wenn dies von Erwachsenen initiiert und/oder gefördert wird. Auch im Hinblick auf die Frühsexualisierung der Kinder durch die Medien. Es ist wie überall, jede Medaille hat zwei Seiten und es ist wichtig, die Umsetzung (insbesondere unter unserer Politik) im Auge zu behalten

(via Doris)


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