Weihnachten gilt als «Fest der Liebe». Vor allem in Zeiten ohne Fernsehen und Internet war es wichtig, für entsprechende Unterhaltungs- und Ablenkungsmethoden zu sorgen, denn seit jeher sorgt die Kombination Familie plus Harmonie (plus Alkohol) für ein explosives Umfeld. Zur Entschärfung dieses Minenfelds sind (fast) alle Mittel recht; nur Sex fällt aus. So ist der «Krampus», der in «A Christmas Horror Story» sein Unwesen treibt, im südlichen Europa womöglich schon in keltischer Vorzeit als Naturgottheit verehrt worden, bevor er zum Knecht fürs Grobe in den Dienst des Weihnachtsmanns gezwungen wurde. Hier werden uns vier Geschichten Im Sog verordneter Festlichkeit präsentiert.

Im Rahmen des Weihnachtsfestes greifen Anthologien auf eine altehrwürdige Tradition zurück: Im Kerzenlicht erzählten sich festlich versammelte Gesellschaften Geistergeschichten. Diese folgten natürlich aufeinander, während der Film an diese Formalregel nicht gebunden ist. Harvey, Hoban & Sullivan verzwirbeln deshalb ihre Geschichten, indem sie Verknüpfungen zwischen Orten und Figuren herstellen. Die verbindende Klammer kam erst nachträglich hinzu: «A Christmas Horror Story» war bereits abgedreht, als sich der Kontakt zu William Shatner ergab. Ein bekannter Name konnte dem sparsam budgetierten Werk sicherlich helfen. Also entstand «Dangerous» Dan, der in Weihnachtssentimentalität schwelgt, sich dabei langsam volllaufen lässt und schliesslich mit einer Festtagstragödie konfrontiert wird. Aus seiner kleinen Rolle macht Shatner ein Kabinettstück, das man mit Freude verfolgt – und das er in den Abspann verlängert.

Dieses Weihnachten kommt nicht nur rabiat, sondern auch schwarzhumorig daher. Üblicherweise liegt die grösste Gefahr darin, als «ungehorsamer» Zeitgenosse meist kindlichen Alters von Santa bzw. Krampus eins mit der Rute übergezogen zu bekommen. Harvey, Hoban & Sullivan gehen deutlich weiter. Hier fliegen buchstäblich die Fetzen, und Reue oder Unwissenheit gelten keineswegs als Gründe, von hässlichen Toden verschont zu werden. Folgerichtig ist der Bodycount beträchtlich. Nur wenige der recht zahlreichen Figuren erleben das Weihnachtsfest lebendig. Sie haben es sich einerseits selbst zuzuschreiben, während das Strafmass für die begangenen Übeltaten andererseits sehr archaisch wirkt: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Leider kann nicht jede Geschichte für Spannung und Schrecken sorgen. Vor allem die Begegnung mit dem Geist (aus) der Schule besitzt wenig Berührungspunkte zum Thema Weihnachten, diese werden behauptet sowie einer Story aufgeprägt, die einfach zu bekannt ist und ohne Überraschungen serviert wird, welche über die üblichen «Buh!»-Effekte hinausgehen. Nur marginal fesselnder ist trotz der guten Darsteller die Geschichte vom Wechselbalg, der seine Gasteltern terrorisiert. Die düstere Stimmung wird durch ein schmalziges Finale konterkariert.

Spass bereiten jene beiden Episoden, in denen dem bösen Weihnachtsaffen tüchtig Zucker gegeben wird. Obwohl eindeutig ein Schauspieler den eisbärweissen Krampus verkörpert, ist die Maske gelungen. Sie beweist darüber hinaus, dass gute, alte, handgemachte Effekte sich in der digitalen Wunderwelt weiterhin behaupten können. Ohne Einschränkungen zu empfehlen ist Santas Krieg gegen seine Elfen. Mit George Buza fanden die Regisseure den idealen Santa als Mischung: ein dicker Gemütsmensch und vorchristlicher Krieger, der keine Gefangenen macht und ebenso hart austeilen wie einstecken kann. Die Werkstatt am Nordpol ist keineswegs die erwartete Festung festlichen Kitsches, sondern eine düstere, industriell anmutende Anlage, in der die Produktion straff organisiert abläuft. Diese Assoziation ist wichtig, da die Santa-Episode einen doppelten Boden besitzt, der einen wirklich grausigen weil realistischen Schrecken offenbart.

In seiner Gesamtheit ist «A Christmas Horror Story» als glühweinfreies Festtags-Kontrastprogramm trotz aller Einwände tauglich. Das schon erwähnte Minimal-Budget forderte einerseits den Einfallsreichtum eines fünfköpfigen Drehbuch-Teams, während andererseits Kameramann Gavin Smith gerade in diversen Aussenaufnahmen geschickt mit Licht und Schatten zauberte. Zumindest optisch wirkt dieser Film nie ärmlich und inhaltlich hat man ebenfalls mehr richtig als falsch gemacht. Für Genre-Nerds gibt es ein Zuckerstückchen: Die Bürger von Bailey Downs sind auch ausserhalb der Weihnachtszeit Kummer gewohnt. Hier trieben u.a. die Schwestern Ginger und Brigitte Fitzgerald als weibliche Werwölfe ihr Unwesen (Ginger Snaps 1-3) ihr Unwesen.

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