Der «Sommer der Liebe» von 1969 entwickelt sich für eine Gruppe junger Leute zum Albtraum. Der sektenähnlich organisierte Clan von Charles Manson tötet die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate und ihre drei Gäste sowie einen weiteren Mann auf brutale Weise. Regisseur John R. Leonetti (Annabelle, Butterfly Effect 2) lehnt seinen neuesten Horrorstreich «Wolves At The Door» lose an dieses berühmte Verbrechen an. Herausgekommen ist ein schaler Horrothriller, bei dem sich die Macher zu sehr auf einen vermeintlichen «Based on a true story»-Bonus verlassen und keine rechte Spannung aufkommt.

Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen gehen immer. Abermals ist Hollywood dreist und versucht mit einem der grausamsten Kapitel in der amerikanischen Geschichte Geld zu machen. Der Mythos um Charles Manson ist bis heute ungebrochen. Seit 48 Jahren sitzt der ehemalige Sektenführer, der seinen Anhängern in Anlehnung an den gleichnamigen Beatles-Song vom «Helter Skelter» (gemeint ist die Apokalypse) predigte, hinter Gittern. Als diabolische Ikone ist Manson zu einem festen Teil der Popkultur avanciert, wovon nicht nur der Künstlername eines berühmten Musikers zeugt. Genau an diesem Punkt setzt John R. Leonetti den erzählerischen Hebel an und nimmt sich mit den Tate-Morden einen schlagzeilenträchtigen «Höhepunkt» aus der Akte der Manson Family vor, die in der Woche nach jenem Blutbad in Roman Polanskis Haus von der Polizei geschnappt wurde. Regisseur John R. Leonetti meint es gut und überfrachtet seinen Überlebenstrip mit Schockmomenten und Horror-Elementen. Leider will nur selten Spannung aufkommen, weil frische Ideen fehlen und die wenigen Einfälle aus besseren Horrorfilmen geklaut wurden.

Die kulturelle und politische Dimension des Stoffes scheint den Regisseur allerdings herzlich wenig zu interessieren, er spult in sportlichen 73 Minuten lediglich ein einfallsloses Home-Invasion-Szenario herunter und scheint sich auf den Mythos der historischen Grausamkeit verlassen zu wollen. Mit Texteinblendungen zu Beginn und Originalaufnahmen von Manson und seinen Schergen am Ende setzt er die Handlung in einen geschichtlichen Kontext, aber auch diese Klammer gibt dem belanglosen und austauschbaren Treiben im Hauptteil keine tiefere Bedeutung. Der besteht aus bedeutungsschwangeren Szenen, bevölkert von schablonenhaften Figuren und viel Luft um nichts. Immer wieder vertut Leonetti die Zeit mit Effekthascherei und willkürlichem Bangemachen, eine erzählerische Logik ist dabei kaum zu erkennen und besonders wirkungsvoll fallen die meisten dieser Szenen auch nicht aus, ganz im Gegenteil: Wenn die vier Ozzy-Osbourne-Verschnitte im und um das Haus herumschlurfen, vermeintlich angsteinflössend an Fenster klopfen oder Küchengeräte einschalten, hat das mit glaubhaftem Erzählen nicht mehr viel zu tun – ganz unabhängig von den historischen Fakten. Wo es um Hörigkeit, Gruppendynamik und niederschmetternde Grausamkeit gehen könnte und sollte, lugt hier höchstens einmal unfreiwillige Komik hervor. Selbst von einer soliden Horror-Routine, die man von einem Genrespezialisten wie Leonetti, der zum Beispiel auch für die Kamera bei James Wans «Conjuring» verantwortlich war, durchaus erwarten kann, sind wir meilenweit entfernt.

Generell hat «Wolves at the Door» ein grosses Problem und das nennt sich «The Strangers». Der Überlebensthriller aus dem Jahr 2008 schien hier als Vorbild gedient zu haben. Schaut man nämlich genauer hin und lässt den wahren Hintergrund ausser Acht, könnte «Wolves at the Door» auch als weitere Fortsetzung genannten Terrorstreifens durchgehen. Die Abläufe gleichen sich und auch die Identität der Bösewichte bleibt weitestgehend unerforscht. Nur Texttafeln am Ende des Films klären historische Zusammenhänge auf. Nach «Annabelle» und «The Butterfly Effect 2» hat Regisseur Leonetti abermals kein Glück bei der Wahl des Filmstoffs. Was er bisher fabriziert hat, konnte Kritiker und Horrorfans nicht überzeugen. Vielleicht wäre es zur Abwechslung demnach förderlich endlich mal Regie bei einem Film zu übernehmen, der sich weder Spin-Off, Fortsetzung oder Plagiat schimpft. «Wolves at the Door» ist trotz wahrem Background eine Enttäuschung. Die Figuren stammen vom Reissbrett und der Fortgang der Geschichte ist überraschungsarm. Erstaunlicherweise blendet man weg, wenn es zur Sache geht. Das dürfte selbst ungeübte Zuschauer enttäuschen, die von einem Horrorfilm über die Manson-Morde zumindest etwas Blut erwartet haben. Übrig bleibt Geschrei, Gewinsel und die Flucht. Letztere wirkt wegen eigenartiger Entscheidung der Protagonisten schon leicht komisch.

Trotz Home-Invasion-Horror ist «Wolves at the Door» hinsichtlich der Gewalt sehr zurückhaltend. Die meisten Taten passieren im Off oder werden nur angedeutet. Weil der spektakuläre Mordfall knapp 50 Jahre später immer noch für Gesprächsstoff sorgt, mussten die Geschehnisse noch einmal glattpoliert fürs Kino aufbereitet werden damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Dabei entstanden ist effekthascherischer Unfug, der sich einen Deut um Wahrheitsgehalt schert und nicht grundlos an Kinokassen scheiterte. Statt Ereignisse historisch korrekt aufzuarbeiten, hat man aus den schrecklichen Taten einen Horrorfilm für die jüngere Zielgruppe gemacht, der oberflächlich abhakt, was man in jedem Horror-Slasher neueren Datums zu sehen bekommt. Das dürfte selbst Sektenguru Charles Manson bitter aufgestossen haben. Die Geschichte über die Morde der Manson-Familie hätte eigentlich Potenzial, aber der Film nutzt dieses überhaupt nicht und ist nur ein belangloser Home-Invasion-Thriller mit kaum Spannung, zu vielen Klischees und ohne Schauwerte. Mit einer Laufzeit von knapp 70 Minuten ist der Film eindeutig zu kurz und somit bleibt auch keine Zeit, die Täter oder die Opfer näher zu beleuchten. Ohne Charaktertiefe kann man einfach kein Mitgefühl für die Opfer entwickeln und auch die Killer sind nur irgendwelche gesichtslose Typen. Von John R. Leonetti kann man scheinbar nur uninspirierte Horrorsüppchen erwarten.


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