«The Seasoning House» ist düster, beklemmend und absolut schonungslos. Ein Film den man so schnell nicht wieder vergisst. «The Seasoning House» ist ein bewegender Film, der während des Balkankrieges spielt, mit schockierenden Bildern, die der Wirklichkeit sehr nahe kommen.

‚The Seasoning House‘ entpuppt sich bereits ab der ersten Minute als atmopshärisches Monster. Die düsteren Bilder, begleitet von minimalistischen Klängen, schaffen eine bedrückende Atmosphäre und nehmen den Zuschauer fast schon ebenso gefangen wie die betroffenen Mädchen. «The Seasoning House» ist definitiv kein Film für jedermann, vor allem zarte Gemüter sollten die Finger davon lassen. Es ist hier nicht einmal die Brutalität oder die blutigen Szenen die einen mitnehmen, sondern die überzeugende Realitätsnähe und das Schicksal der verschleppten Mädchen. Die Story ist bei Rape & Revenge Filmen ohnehin bereits von vornherein klar, daher steht und fällt bei solchen Filmen nahezu alles mit der Inszenierung. Und die kann sich hier wirklich sehen lassen. Ob es die Einbettung in den Balkankrieg wirklich braucht, sei mal dahingestellt, aber für sich genommen gehört dieser Film eindeutig zu den spannenden Genrevertretern und letztlich sorgt ja auch der Revenge-Teil für den entsprechenden «ausgleichenden» Rahmen.

Die Zwangsprostitution innerhalb des Balkankrieges wird hier sehr blutig, fies und hoffnungslos in Szene gesetzt und man kann das Martyrium in jeder Sekunde mitfühlen, so dass es schon körperlich schmerzt. Es gibt keine Szene in der die Protagonistin dumm handelt, wie das in so vielen anderen Filmen der Fall ist. Wahrscheinlich fühlt man auch aus diesem Grund so stark mit. Rosie Day ist ein zierliches Mädchen, der man ihren erbitterten Überlebenskampf zu jeder Sekunde abnimmt, weil sie eben nicht unvermittelt zum Super-Girl mutiert, sondern jedwede physische Herausforderung innerhalb ihrer körperlichen Grenzen mit den ihr von Gott gegebenen Mitteln nachvollziehbar meistert. Rosie Day spielt sich im Alter von gerade mal 17. Jahren förmlich die Seele aus dem Leib, wahnsinnig beeindruckend was die Kleine hier für ein authentisches und fast schon grauenvoll mitfühlendes Schauspiel abliefert. Sean Pertwee (Doomsday) spielt seine Führerrolle arrogant, unfreundlich und leicht diabolisch. Ein Kerl, um den man im echten Leben einen grossen Bogen machen sollte. Kevin Howarth (Gallowwalkers) ist als Bordellbetreiber nicht minder abstossend, eiskalt, kontrolliert und effektiv grausam ohne jede Emotion.

Paul Hyett hat jahrelange Erfahrung im Special Effects Bereich (z.b. bei Tormented) und ist auch ein Make Up/Prothesen (z.b. bei Centurion, Ironclad, Citadel) Spezialist. Mit „The Seasoning House“ liefert er nun sein Debut als Regisseur und Drehbuchautor ab. Beinnahe eine Stunde nimmt sich Hyett Zeit, um diese düstere Form der ganzheitlichen Brutalität zu zeigen, dabei wirkt das Gezeigte nie wie billige Effekthascherei, sondern erzeugt eine Mischung aus Hilflosigkeit und Wut beim Betrachten. Die erste Hälfte ist sehr emotional und katapultiert die Angst und die Düsterkeit zielgenau ins Herz. Da all die brutalen und perversen Taten gezeigt werden und man gleichzeitig mit der traurig guckenden Protagonisten tatenlos zusieht, kann man sich umso mehr in sie hineinversetzen und ihre Gedanken miterleben. Dann eskaliert die Sache ziemlich plötzlich aber nicht unerwartet, immerhin sind die Emotionen aller Beteiligten ständig am Limit. In einer unheimlich real wirkenden Messerstecherei entladen sich dann sämtliche Gefühle der Protagonistin. Die Zweite Hälfte vergisst leider die Charaktertiefe und Emotionalität weiter zu führen und gleitet in einen fast stereotypischen Rachethriller. Doch so stereotypisch ist das alles dann doch nicht. Das Leid der Protagonistin tragen wir schon längst in uns und wir fiebern in der zweiten Hälfte immer noch mit. Trauer und Mitleid ist hier zwar weniger, Spannung aber dafür umso mehr.

Optisch und überhaupt technisch sehr stark inszenierter, englischer Rachethriller mit grossem Drama-Part, versehen mit Horrorelementen und tollen Talenten vor und hinter der Kamera, von denen in Zukunft noch einige gute Arbeiten zu erwarten sind. Für alle die sich vor Brutalität nicht scheuen und einen emotional-spannenden Überlebenskampf eines unschuldigen Mädchens sehen möchten ist dieser Horrortrip genau das Richtige. «The Seasoning House» ist ein qualitativ sehr guter Film, extrem intensiv und brutal und bringt die schockierenden Bilder so gekonnt rüber, das für voyeuristisch Veranlagte wenig zu glotzen übtig bleibt. Der Film ist geschickt angelegt und umgesetzt, mit Hirn und Verstand und trotz des hohen Gewalt-Potenzials nie plump oder billig. Das gezeigte ist so realistisch, dass während ich diese Zeilen schreibe, irgendwo auf der Welt tatsächlich geschieht. Erschreckend wozu solche Ungeheuer in Menschengestalt aus Geldgier und zur Befriedigung ihrer kranken, perversen Triebe oder aus beiden Gründen fähig sind. «The Seasoning House» ist Rape ’n‘ Revenge mit Köpfchen, ja auch das ist möglich. Ein Film der unter die Haut geht. Wen das hier kalt lässt, der ist entweder im falschen Filmgenre oder gehört wohl zu den fiktiven Besuchern dieses Titel spendenden Etablissements.»


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