Der amerikanische Horrorfilm «It Follows» feierte seine Premiere 2014 auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes und erhielt dort und später auch von den Kino-Journalisten des eigenen Landes herausragende Kritiken, was für einen Vertreter dieses Genres äusserst selten ist. Lustvoll ist der Griff Mitchells auf den überreichen Fundus des Horrorkinos. Dabei macht er keinen Hehl aus den prominenten Paten seines Films, und so lassen sich in «It Follows» die Weitwinkelaufnahmen und tückischen Schärfenwechsel zwischen Bildvorder- und Hintergrund aus John Carpenters «Halloween» (1978) ebenso wiedererkennen wie das trügerische Vorstadtidyll aus Wes Cravens ursprünglichem «A Nightmare on Elm Street» (1984) und das delirierende Moment der besten Filme Dario Argentos. Genauso oft erinnern die sinnlichen Aufnahmen von Kameramann Michael Gioulakis in Lichtsetzung und Farbpallette an Sofia Coppolas somnambulen Teenager-Fiebertraum «The Virgin Suicides». Nicht zuletzt zitiert Mitchell auch sein eigenes Regiedebüt «The Myth of the American Sleepover» (2010), ein ebenfalls in Detroit angesiedeltes Panorama jugendlicher Sehnsüchte und Initiationsriten.

So ist denn auch einer der eindrücklichsten Momente in «It Follows», als Jay und ihre Freunde auf der Flucht vor dem namenlosen Schrecken die Demarkationslinie der 8 Mile Road überqueren. Aus einer heimeligen, aber immer irrealer wirkenden, suburbanen Retro-Siebziger-Blase, in der noch überall Röhrenfernseher flimmern und die Elterngeneration chronisch abwesend scheint, gelangen sie – getrieben vom eindringlichen Synthesizer-Soundtrack des Elektromusikers Disasterpeace – in die dunkle, post-industrielle Betonsteppe der einstigen Automobilmetropole. Ihren Weg geht man gerne mit, weil neben der kunstvollen Inszenierung auch die darstellerischen Leistungen des jungen Ensembles überzeugen. Allen voran It-Girl Maika Monroe, die sich feinnervig zwischen distanzierter Ennui und ergreifender Verlorenheit bewegt. Mehr Chloë Sevigny denn Jamie Lee Curtis, passt ihr Spiel perfekt zur Neudeutung des «Final Girl». Denn Geschlechterrollen werden ambivalent umgedeutet. Eindeutig ist angesichts unerbittlich nahenden Verderbens allein die Unausweichlichkeit folgenschwerer Entscheidungen. Irgendwann dreht sich in «It Follows» die Fluchtbewegung um, aus der Gejagten wird die Jägerin. Jay stellt sich ihrem Es. An der klugen Schlusseinstellung können sich noch Generationen von angehenden Psychoanalytikern die Zähne ausbeissen. Ob diese den Horror wirklich bannen können, oder ihm lediglich andere, womöglich noch furchterregendere Gestalt verleihen, gehört zu den Fragen des Films. Wie Mitchell so über die clevere Hommage hinaus aufregende Impulse setzt und virtuos Spannung, Stil und Substanz in einer eigenständigen Erzählung vereint, macht «It Follows» zu einem Glücksfall für das Genre: Ein Horrorfilm, in dem die Lust der Angst auf dem Fusse folgt. Die Idee zu seinem Werk, für das David Robert Mitchell auch das Drehbuch verfasste, stammt aus einem wiederkehrenden Albtraum, den der Filmemacher hatte. Darin wurde er von einem unbekannten Feind verfolgt, der kontinuierlich langsam auf ihn zulief.


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