Seit einigen Jahren herrscht die Mode, Horrorfilme bewusst auf nostalgisch zu trimmen, um sich in Ehrfurcht vor bestimmten Filmepochen, Stilen oder Regisseuren zu verbeugen. Ganz vorn mit dabei sind die 80er Jahre, eine Zeit in der das Horror-Genre Dank des Videotheken-Booms für viele Filmproduzenten zum hoch lukrativen Geschäft wurde. Auch das gezeichnete Filmplakat von «Fender Bender» lässt die Vermutung aufkommen, dass es sich hier um einen Film aus erwähnter Ära handeln muss. Da wird der Fan neugierig.
In den 80ern war es noch üblich, dass Videocover und Kinoplakate mit dem Pinsel gemalt wurden. Doch auch «Fender Bender» ist kein Film aus genannter Zeit. Es ist ein Horrorfilm neueren Datums, der längst vergessene Zeiten aufleben lässt und sich vor den Horror-Slashern der goldenen 80er Jahre verbeugt. In «Fender Bender» macht ein perverser Stalker in S/M-Lederkluft (Zipperface von 1992 lässt grüssen) Jagd auf attraktive Frauen. Das neueste Objekt seiner Begierde ist Teenager Hilary (Makenzie Vega). Die 17-jährige ist erst seit Kurzem in Besitz eines Führerscheins und wird in einen Autounfall verwickelt, doch der Vorfall wird schnell abgehandelt. Statt die Polizei zu rufen, tauscht man Adressen und Telefonnummern aus – den Rest soll die Versicherung richten. Leider hat der Zwischenfall weit grössere Konsequenzen für die Teenagerin als erwartet. Der Unfallbeteiligte (Bill Sage) tickt nämlich im Kopf nicht ganz richtig und stellt der Schülerin nach – was folgt, ist kein Zuckerschlecken. Der Unbekannte entpuppt sich als kompromissloser Stalker, der eine todbringende Leidenschaft für hübsche Frauen besitzt. Dass Hilary auch noch allein zu Hause ist und die Eltern auf Reisen, kommt dem Psychopathen gerade recht. Er schmiedet einen perfiden Plan und macht seinem neuen Opfer die Nacht zum Wach-Albtraum.
Mark Pavia dürfte noch vielen Horror-Zuschauern als Regisseur der atmosphärischen King-Verflimung «The Night Flier» von 1997 in Erinnerung geblieben sein. Seither ist es um den Filmemacher verdächtig ruhig geworden. Mit «Fender Bender» feiert er nun seine Rückkehr als Regisseur und liefert solide Arbeit ab. «Fender Bender» ist kein Überflieger, aber auch nicht unbedingt schlecht. Was den Gesamteindruck madig macht, sind die Anlaufschwierigkeiten mit denen der Streifen zu kämpfen hat. Lang dauert es nämlich, bis der ohnehin kurze Film Fahrt aufnimmt. So plätschert das Treiben nach dem bitterbösem Auftakt gemächlich daher, zeigt viel nutzloses Zeug und langweilt mit unwichtigen Szenen. Erst in den letzten 30 Minuten wächst «Fender Bender» (was übrigens so viel heisst wie «leichter Blechschaden») zur eigentlichen Grösse heran und entschädigt mit rasanter Killerhatz und fiesen Morden. Hier geht es ohne Längen zum Ziel. Unter Einsatz aggressiver Retro-Sounds, die vermutlich nicht ohne Grund an die Werke des jungen John Carpenter erinnern, geht der Killer reichlich schonungslos mit seinen Opfern um und bringt sie kaltblütig um die Ecke. Spätestens hier muss man zugeben, dass Regisseur Mark Pavia weiss, was Horror-Zuschauer wollen. Die werden mit atmosphärischen Bildern und unbequemen Kameraeinstellungen verwöhnt, die mancherorts dann tatsächlich kurz die rauen und sleazigen 80er aufleben lassen. Das straffe Tempo und ein makabres Ende lassen den schwierigen Start rasch vergessen. So reicht es immerhin für einen Filmabend mit Bier und Chips. Das Slasher-Genre revolutionieren wird «Fender Bender» definitiv nicht.
«Fender Bender» ist ein bitterböser Mix aus «Death Proof» und «The Hitcher», der die rauen Slasher der 80er aufleben lässt. «Fender Bender» ist solide und schwächelt hauptsächlich wegen seinem unoriginellen Drehbuch, das zu lange braucht, um aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen. Nicht nur einmal hat man hier das Gefühl, als habe man versucht einen Gedankenblitz auf Spielfilmlänge zu blasen. Die Geschichte hinter «Fender Bender» gibt eigentlich nicht genug Substanz her, um daraus einen Langfilm zu machen. Trotzdem hat der Regisseur daraus Unterhaltung fürs amerikanische Fernsehen gemacht, die zumindest in den letzten 30 Minuten funktioniert. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich Pavia die Geschichte für eine Horror-Serie oder als Segment in einer Horror-Anthologie aufgehoben hätte. Spätestens dort wäre «Fender Bender» ein Highlight geworden.




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