«Don’t Hang Up» ist ein Horrorthriller der sich im Genre üblichen Regal bedient und dieses auch nicht versucht zu verbergen. Kein origineller Psychoschocker also, aber durchaus unterhaltend. Geht es solchen «Bad-Prank-Teens» an den Kragen, bin ich gerne mit dabei…
Was «lustig» beginnt, wird schnell zum bitteren Ernst. Und das ist auch die Quintessenz dieses Psychothrillers, der einige makabere Überraschungen und Twists zu bieten hat. In «Don’t Hang Up» wird nicht nur der Zuschauer manipuliert, auch die grünschnäbeligen Protagonisten werden heimtückisch an der Nase herumgeführt und dadurch gegeneinander ausgespielt. «Don’t Hang Up» bewegt sich irgendwo zwischen Home-Invasion-Thriller und Horror-Kammerspiel und kommt im weitesten Sinne in der Tradition der «Joy Ride» Filme daher. Ein rachsüchtiger Psychopath geht auf zwei hirnbefreite Arschlöcher los. Im Prinzip mag man keiner Seite so recht die Daumen drücken, aber es macht Spass, dem kurzweiligen Treiben zu folgen, das hier prägnant und ohne unnötige Längen gezeigt wird. «Don’t Hang Up» wurde sauber inszeniert und versteht es zu fesseln. Die Story ist natürlich nicht besonders neu, dennoch schafft es der Film recht gut Spannung aufzubauen.
Die Regisseure Damien Macé und Alexis Wajsbrot zeichneten sich bisher für die visuelle Effekte in grossen Hollywood-Produktionen verantwortlich und feiern mit «Don’t Hang Up» ihr Regiedebüt im ersten Langfilm. Der Film versteht es sich mit seiner zynisch-makaberen Art wohlwollend vom üblichen Einheitsbrei abzuheben. Die beiden Regisseure spielen gekonnt mit dem Spannungsbogen und lüften erst am Ende das Mysterium über den nach Rache dürstenden Anrufer. Dessen wahre Ambitionen haben einen triftigen Grund und ergeben erst kurz vor dem Abspann einen Sinn, wobei sich das Regie-Duo eine Tür fürs obligatorische Sequel offen hält. Nervenkitzel ist garantiert, denn der psychopathische Anrufer spielt nicht nur mit den Nerven der Zuschauer. Die Stimmung wird nach 20 Minuten unbequemer und verwandelt «Don’t Hang Up» in einen unangenehmen Albtraum, der sowohl von den Helden als auch dem Zuschauer einiges abverlangt. Schauspielerisch bewegt sich der englische Horrorthriller im oberen Bereich. Die beiden Streichespieler verhalten sich auch der Situation angemessen, also mir sind zumindest keine grösseren Logikfehler aufgefallen. Doch das Finale ist dann tatsächlich arg vorhersehbar, da man es eben so oder so ähnlich bereits einige Male gesehen zu haben scheint.
«Don’t Hang Up» bleibt im grossen und ganzen den Konventionen treu. Die Möglichkeit zur Kritik an soziale Medien wird leider nur angekratzt. Effektiv dient es nur als Aufhänger zum Storyaufbau. Die Übergänge zum gruseligen Thrill sind etwas holprig, funktionieren aber doch recht gut. Auch wenn die üblichen Genre-Zutaten Verwendung finden, ist das Endergebnis durchaus schmackhaft. Bitterböses Terror-Psycho-Kino, das kontinuierlich an der Spannungsschraube dreht, solide gespielt und stimmungsvoll inszeniert. Ebenso konventioneller wie ambitionierter Beitrag, der leider formal ein paar Fehler bereit hält. Das trübt das Filmerlebnis. Ansonsten schicker Horrorthriller und wer auf gemeinen Humor steht, wird gefallen finden an dem fiese Katz- und Mausspiel, auch wenn das ganze inhaltlich etwas vorhersehbar ist…




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