Regisseur John Simpson (Freeze Frame) und sein Autor Jake Wade Wall klatschen in ihrem schrägen Horrorstreifen «Amusement» munter alle in den Sinn kommenden Genrezitate zusammen, was in ein kleines Fiasko ausartet. Die Elemente des Werkes für sich allein betrachtet sind eigentlich sehr souverän in Szene gesetzt worden, schaffen es aber dann nicht, sich am Ende zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Es steckt unheimlich viel unheimliches Potential in «Amusement», doch leider wurde das nicht richtig bzw nicht vollkommen ausgeschöpft.
Drehbuchschreiber Wall, der sich zuvor für die Vorlagen zu den überflüssigen Remakes «Unbekannter Anrufer» (2006) und «The Hitcher» (2007) verantwortlich zeichnete, hat mit seiner sehr eigenwilligen Verschmelzung altbekannter Gruselstoffe, wie zum Beispiel «Joy Ride» (2001) oder eben Robert Harmons «Hitcher – Der Highway Killer» (1986), Slasher-Klassikern wie «Halloween – Die Nacht des Grauens» (1978), Poltergeist (1982) oder diversen Spukhaus-Storys, vermutlich tatsächlich einen sehr vielversprechenden, innovativen Ansatz vor Augen gehabt, aber diesen letztlich doch nicht so zufriedenstellend und homogen wie geplant zu Papier bringen können. «Amusement» zieht ein anfangs recht schnell in seinen Bann und hat eine hervorragende Optik. Leider hat der Film doch einige Hänger, vor allem in der Mitte, sonst wäre da wohl mehr drin gewesen.
«Amusement», der seinem Titel in besagtem Finale eindeutig zu penetrant Rechnung trägt, hätte ein schicker Episoden-Grusler im Stil von «Geschichten aus der Gruft» werden können, aber verbaut sich mit seinem arg zusammengeschusterten Rahmen-Konzept um drei ehemalige Schulfreundinnen, die nacheinander schrecklichen Ereignissen zum Opfer fallen, deren Ursache irgendwo in ihrer gemeinsamen Kindheit verwurzelt zu sein scheint, die Möglichkeit, seine Spannungselemente wirklich auszuspielen. Finstere Truckfahrer, lebensgrosse Clown-Puppen mit einem offensichtlichen Eigenleben, recht ungemütliche Schauplätze, mysteriöse Geräusche vom oberen Stockwerk sowie Regen, Blitz und Donner – das sind alles Zutaten, die den Genre-Fan bei vernünftiger Umsetzung durchaus in Entzückung versetzen. Und tatsächlich würde man dem Regisseur grosses Unrecht tun, wenn man behaupten würde, dass diese Elemente bei ihrem Einsatz ihre gewünschte Wirkung verfehlt hätten.
Ein Highlight ist «Amusement» im Endeffekt keineswegs geworden, weiss aber durch die etwas andere Erzählweise und die Kombination von mehreren Episoden, durchaus zu unterhalten. Schade ist nur, dass der gesamte Film näher betrachtet wahnsinnig unlogisch ist und zahlreiche Ungereimtheiten beinhaltet. Eine äusserst brüchigen Story, deren lose Enden später in Form einer geradezu peinlichen Psycho-Zirkusnummer verknüpft werden, helfen auch die guten Ansätze und das ganze Arsenal an Zitaten aus mehr als vierzig Jahren Genre-Geschichte nicht aus, um dem Kuddelmuddel doch noch zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu verhelfen. Solide Darsteller, eine gekonnte Inszenierung, eine unheimliche Atmosphäre und Kurzweil entschädigen dafür allerdings und so ist «Amusement» brauchbare Horrorunterhaltung für zwischendurch.




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