Inzwischen ist Schock-Rocker Rob Zombie längst ein alter Hase im Horrorbusiness. Stolze 16 Jahren sind seit seinem Erstlingswerk «Haus der 1000 Leichen» mittlerweile ins Land gegangen. Zwei Jahre später folgte mit dem dreckigen Road-Movie «The Devil’s Rejects» die ungleich stärkere Fortsetzung. Feinster White-Trash-Terror! Zunächst klassisch, aus der Sicht einer Teenager-Gruppe, die vom Firefly-Clan heimgesucht werden. Dann aus der Sicht der Killer, die so schon fast sympathisch wirken – Tutti Frutti Ice Cream – und nun – tja nun gibts Teil Drei.

3 from Hell

Zombie versucht merklich, die Qualitäten von «The Devil’s Rejects» wieder einzufangen. Das führt aber leider dazu, dass der Film mehr wie eine Nacherzählung als eine wirkliche Fortsetzung wirkt. Nach einer schrulligen, noch recht vielversprechenden Einführung schlägt der Film bald altbekannte Töne an. Ein Freundeskreis macht sadistische Bekanntschaft mit den Protagonisten, es wird zynisch gelacht und sich gewohnt schimpfwortlastig ausgetauscht. Das ist weder innovativ, noch besonders spannend, reicht aber problemlos aus, um zumindest einen leichten Anstieg der Leistungskurve festzustellen. Gerade in der zweiten Hälfte, in der «3 From Hell» wieder mehr die Richtung Road-Movie einschlägt, ist der Unterhaltungswert einigermassen ordentlich. In den beiden vorangegangenen Filmen spielte Sid Haig aka Captain Spaulding eine tragende Rolle. Der Killer-Clown war nicht nur Firefly-Oberhaupt, sondern auch Publikumsliebling. Und das nicht grundlos. Die Rolle von Spaulding war dem Genre-Schauspieler wie auf den Leib geschneidert. Eine Hochzeit für die Ewigkeit, denn trotz seiner schweren Krankheit, die man Haig im Film stark ansieht und der er vor einigen Wochen leider erlag, stiehlt er mit seinem kurzen Auftritt im Film doch irgendwie den anderen die Show.

3 from Hell

Gerade in der ersten Hälfte scheint der Fokus sehr auf Baby Firefly zu liegen. Während sie einige Tattoos mehr hat, scheint ihr eine grössere Portion ihres Verstandes abhanden gekommen zu sein – sie wirkt noch irrer als in den Vorgängern. Otis erinnert hingegen in einigen Einstellungen sehr an Charles Manson, was sicher kein Zufall ist. Der Ausbruch aus dem Gefängnis wird – zumindest auf der Seite von Otis – nicht weiter erklärt, so dass man sich ein wenig fragt, wie genau die Planung dazu wohl ausgesehen haben mag. Vielmehr ist es so, dass plötzlich der Halbbruder, der vorher mit keinem Wort erwähnt wurde, auftaucht und die beiden dann gemeinsam abhauen. Aber für komplexe und logische Handlung schaut man «3 from Hell» wahrscheinlich ohnehin nicht. Die zweite Hälfte der Handlung sind Otis, Baby und der Midnight Wolf mehr oder weniger ziellos unterwegs und geraten unverhofft in einen Rachefeldzug. Die Story wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen und es scheint, als hätte Zombie hier mehr Fokus auf Style, als auf Sinnhaftigkeit gelegt. Die Bilder sind ziemlich cool, das Geschehen unterhält, aber am Ende fragt man sich trotzdem was das alles jetzt sollte. «3 from Hell» bildet definitiv nicht den Abschluss, der er eigentlich sein sollte.

3 from Hell

Schauspielerisch ist Bill Moseley das Zentrum des Geschehens. Seine Manson-Kopie Otis ist auch in diesem Film bitterböse, charismatisch und rabiat. Die gewohnheitsmässig chargierende Sheri Moon Zombie überspannt in diesem Film den Bogen hin zur Selbstparodie. Ihr in den ersten Filmen so unterhaltsamer Part bleibt hier meistens eher nervig. Charakterkopf Richard Brake, der als ähnlich brutaler Halbbruder den Killern zur Seite stehen darf, ist – da ihn Rob Zombie nur für boshaftes Grinsen und Wolfsgeheul einsetzt – ziemlich unterfordert. Natürlich fehlt hier Sid Haig als Familienoberhaupt deutlich. Ein schicker B-Movie-Cast um Clint Howard, Emilio Rivera, Dee Wallace und Danny Trejo darf in Nebenrollen mitwirken. Die schauspielerischen Leistungen sind solide, handwerklich ist «3 from Hell» in Ordnung. Ein paar Effekte sehen sehr nach CGI aus, was nach den beiden Vorgängern ein wenig enttäuschend ist. Insgesamt wirkt der Film an manchen Stellen so, als hätte wenig Budget zur Verfügung gestanden. Der Soundtrack ist gut gewählt, wie zu erwarten war.

3 from Hell

Rob Zombie, dessen Regie-Karriere seitdem mit den polarisierenden «Halloween»-Filmen, dem experimentellen «The Lords of Salem» und dem eher ermüdenden «31» eher holprig verlaufen ist, konnte der Versuchung nicht widerstehen, zum beliebtesten Film seiner Karriere zurückzukehren. Vierzehn Jahre nach dem perfekten Ende von «The Devil’s Rejects» lässt er die Massenmörder in «3 From Hell» wiederauferstehen. Doch während sich der zweite Film wirklich etwas getraut und neue Pfade beschritten hat, begnügt sich Zombie beim unnötigen Nachfolger damit, den Vorgänger beinahe mechanisch zu wiederholen. Damit ist nicht nur gemeint, dass er dessen Stil weiterführt, sondern dass er tatsächlich nahezu jedes Handlungselement von «The Devil’s Rejects» lieblos neu verpackt und wiederholt. Es ist nicht nur Sheri Moon Zombies Performance, die die erste Filmhälfte beinahe unerträglich macht, sondern auch Rob Zombies überraschend durchwachsene Inszenierung mit hektischen, desorientierenden Schnitten und einer sehr nervösen Wackelkamera. Gegen Ende findet der Film seinen Flow und bietet immerhin einige gut umgesetzte Actionmomente. Allerdings leidet der letzte Akt unter einem anderen Problem: Rob Zombie erhebt seine mörderischen Figuren diesmal scheinbar völlig ironie- und satirefrei zu Antihelden, die ja immer noch besser sein sollen als die kaputte Welt um sie herum. Damit geht auch das interessanteste Element seines komplexeren Vorgängers flöten.

3 from Hell

«3 from Hell» fehlt der Biss. Die Gewalt ist zu irrelevant, die Stücke dazwischen zu träge und am Ende stellt sich das Gefühl der Müdigkeit ein. Vermutlich sind die Fireflys es selbst auch. Das ewige Morden und Flüchten geht einem vermutlich irgendwann an die Essenz. Der Film punktet aber auch durchaus in ein paar Aspekten. Zombie hat seinen Look wieder souverän durchgezogen. Alle Charaktere sehen irgendwie eklig aus. Schmutzig. Schwitzend und ungewaschen. Die Klamotten, Fingernägel und Zähne sind ungepflegt und dreckig und auch die vermeintlichen Opfer der Familie haben immer etwas Abstossendes an sich. Und auch sonst ist der Grindhouse-Look etwas, was dem Film Seele gibt. Insgesamt ist «3 from Hell» kein schlechter Film, hinterlässt aber trotzdem einen leicht enttäuschenden Eindruck. «3 From Hell» tut dem Vermächtnis seines bösen, cleveren Vorgängers keinen Gefallen, indem er dessen gesamten Höhepunkte lieblos und uninspiriert herunterspult. Bei all seiner menschenverachtenden, drastischen Gewalt, Grindhouse-stilistischen Auswüchsen und einer Over-Over-the-Top-Performance seiner Gattin fühlt sich Rob Zombies Film so leblos an, wie seine Hauptcharaktere es am Ende von «The Devil’s Rejects» hätten sein sollen.


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