Day of the Dead - Bloodline

20181 h 30 min
Kurzinhalt

Fünf Jahre ist es her, dass eine Zombie-Apokalypse praktisch die ganze Menschheit ausgelöscht hat. Die seinerzeit angehend Ärztin Zoe war dabei, als Patient X in ihrem Institut für den Ausbruch sorgte. Seitdem lebt sie in einem militärischen Bunker, wo sie Forschungen betreibt, um die Epidemie doch noch in den Griff zu bekommen. Da man die Untersuchungen nicht ohne Versuche am „lebenden“ Objekt betreiben kann, dienen Untote vor den Toren der Basis als Versuchsobjekte. Als Zoe mit einem Einsatzteam Medikamente besorgen will, stoßen sie auf weitere Zombies. Einer von denen kann die Verfolgung aufnehmen und sich in die Basis einschleichen. Als er Zoe gegenüber steht, beißt er jedoch nicht zu. Die Ärztin erkennt, dass es sich um Max handelt. Sein Blut scheint eine hohe Konzentrationen von Immunität zu enthalten, dass er nicht zum völlig mutiert ist. Er könnte der Schlüssel für ein Heilmittel sein.…

Metadaten
Titel Day of the Dead - Bloodline
Original Titel Day of the Dead: Bloodline
Laufzeit 1 h 30 min
Starttermin 4 Januar 2018
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr schlecht
Schauspieler
Mit: Sophie Skelton, Johnathon Schaech, Jeff Gum, Marcus Vanco, Mark Smith, Lillian Blankenship
Trailer

Regisseur Hector Hernandez Vicens führt die Untoten aus dem Klassiker „Day of the Dead“ (Zombie 2) von George A. Romero zu neuem Glanz. Wie das grosse Vorbild vom Godfather der Zombies, der im Juli 2017 leider verschieden ist, spielt „Day of the Dead: Bloodline“ überwiegend unter Tage und präsentiert Wissenschaftler und Militärangehörige beim Versuch, der Zombie-Epidemie Herr zu werden. Dabei experimentieren sie auch mit einem intelligenten Zombie…

Der Kult-Regisseur George A. Romero drehte mit „Night of the Living Dead“ nicht nur einen wegweisenden Horror-Klassiker, den man auch 50 Jahre nach Entstehung gut und gern zitiert. Ganz nebenbei legte er mit seinem kritischen Zombiestreifen den Grundstein für unzählige Zombiefilme, die beinahe täglich in Händlerregale gestellt werden und dort ihr belangloses Dasein fristen. Gleiches Schicksal dürfte auch den folgenden Zombie-Schocker ereilen, der den Zuschauer mit heimtückischer Taktik um sein schwer verdientes Geld bringen möchte. Mit besagtem Klassiker hat der hier vorgestellte B-Actioner – bis auf Zombies – nur wenig im Hut. Statt tiefgründiger Botschaft setzt man auf Action. Intelligente Kommentare zum menschlichen Wesen oder die von Romero gewohnten gesellschaftskritischen Kommentare findet man in „Day of the Dead: Bloodline“ nirgends. Stattdessen dominiert ein eher formelhaftes Drehbuch mit Charakteren vom Reissbrett, die beständig irrational handeln und in einer Tour in vollkommen ausgelutscht wirkende Gefahrensituationen geraten.

Ausserdem wirken die Charaktere durchweg inkonsistent. Nehmen wir nur einmal Zoe. Die will auf der einen Seite keine Menschenleben mehr opfern. Zuckt andererseits aber nur lapidar mit den Schultern, wenn es Menschen in ihrem Umfeld teils harsch erwischt. Dazu gesellen sich in einer Tour dumme Entscheidungen, die immer neue Todesopfer fordern, ja sogar die gesamte Enklave bedrohen – und Zoe in letzter Konsequenz keinerlei Emotionen abringen. Wobei man hier nicht die ganze Schuld auf das Drehbuch abwälzen kann, denn die extrem blasse Hauptdarstellerin Sophie Skelton wirkt in jeder ihrer Szenen heillos überfordert. Auch die Darsteller um sie herum besitzen weder Charisma noch Ausstrahlung und lassen einen durch die Bank kalt. Was ein Mitfiebern mit den Figuren leider komplett unmöglich macht. Dagegen haut Johnathon Schaech (Arsenal) mit beeindruckendem Make-up richtig einen raus. Sein Max ist immer bedrohlich, immer unberechenbar und in Stresssituationen immer eiskalte Tötungsmaschine. Der Mime, der sich im Making-of-Material zum Film als grosser Fan des Originals outet, geniesst seine Rolle sichtlich. Und wäre sein Max nicht so ein widerlicher Drecksack, könnte er beinahe die Rolle des Antihelden inne haben. Beinahe.

Dem Film mangelt es, wie seinen Kreaturen, an Hirn. Das wird vor allem an den Fehlentscheidungen aller Protagonisten deutlich. Die leben zwar bereits seit fünf Jahren in täglicher Angst und haben nach einer Zombie-Epidemie gelernt mit Taktik und Köpfchen der blutgeilen Bedrohung aus dem Weg zu gehen. Von Klugheit spürt man im Film aber nichts. Dort werden die vielen Figuren plötzlich zu Freiwild und hegen offenbar den Wunsch sterben zu wollen. Da wird unvorsichtig durch Szenarien gepoltert, um Zombies aus ihren Verstecken zu locken. Die Folgen sind vorhersehbar: Nahezu alle Protagonisten müssen wegen mangelnder Vorsicht ihr Leben lassen. Alles, wie eh und je eben. Das Zombie-Genre hängt leider seit Jahren in einer Dauerschleife fest. Und dennoch ist der Horrorfilm kein Totalausfall. Denn in Sachen Gore und Splatter haut er schon amtlich rein. Ausweidungen, Bisse in Hälse, Gesichter und alle anderen möglichen Körperpartien, harsche Knochenbrüche, auf den Boden klatschende Gedärme, Kopfschüsse und Enthauptungen bilden hier nur die Spitze des Eisberges. „Day of the Dead: Bloodline“ atmet eine herbe Gewalttätigkeit, die zudem nur selten mittels CGI-Effekten gepimpt wird. Und selbst diese sehen ordentlich aus. Auch die Masken-Effekte rund um die (schnellen) Zombies wissen durch die Bank zu überzeugen.

Freunde der härteren Gangart dürften in „Day of the Dead: Bloodline“ durchaus einen netten Zeitvertreib finden, ohne dass dieser lange nachwirken würde. Auch die Horrorfans, die „Zombie 2“ einfach ausblenden können oder vielleicht noch nie gesehen haben, könnten sich von dem flotten Horrorstreifen gut bedient fühlen. Das könnte auch für jene gelten, die „Zombie 2“ aufgrund seiner Langsamkeit in den ersten zwei Dritteln seiner Laufzeit für eher langatmig halten und per se immer direkt zum grossen Finale skippen. Hier hat die Neuauflage einige echte Vorteile: Ist schneller getaktet, kurzatmiger, kurzweiliger. Geht man allerdings ernsthafter an beide Filme heran, merkt man schnell, dass das Original von Romero den auf blosse Oberflächenreize ausgelegten „Day of the Dead: Bloodline“ in allen Belangen überdeutlich aussticht. Das Original ist einfach spannender, atmosphärisch dichter, auswegloser, nihilistischer und giftiger. Zudem hat er rund um seine Botschaft, dass der Mensch in Extremsituationen schnell dazu neigt, sein eigener grösster Feind zu sein und darum eigentlich gar keine Monster von ausserhalb notwendig wären, um sein Ende einzuläuten, eine reizvolle Ebene der Sozialkritik drin, die „Day of the Dead: Bloodline“ vollkommen abgeht.

Einfache Unterhaltung für einfache Gemüter. Was nur hat man Hector Hernandez Vicens gezahlt, dass er sich so ungeniert am Romero-Klassiker vergehen musste? Der spanische Regisseur hatte mit „Die Leiche Der Anne Fritz“ einen Genre-Geheimtipp inszeniert und verkauft sich nun mit diesem Remake unter Wert. Seine Neuauflage ist weit weg von der Genialität der Vorlage, die Zombie-Vater George A. Romero im Jahr 1985 auf die Leinwand gebracht hat. Der ging es in seinen Filmen gern mal kritisch an und ergänzte den dritten Teil seiner aus fünf Streifen bestehenden Untoten-Filmreihe um gesellschaftspessimistische Aspekte. Doch Sozialkritik sucht man beim Remake vergebens. Bei genauerer Betrachtung ist „Day of the Dead: Bloodline“ ein lupenreines B-Movie, das ausschliesslich auf Action und Make-up-Effekte abzielt. Zugegeben ist beides von besserer Qualität, als das, was einem mittlerweile im Zombie-Sektor zugemutet wird. Dennoch nichts weiter als Stangenware, an welche man sich schon bald nicht mehr erinnern wird. Da kann man nur froh sein, dass Romero unlängst verschieden ist. Der hätte vermutlich nie zugelassen, dass man aus seinem Kultfilm derart hanebüchenen Edel-Trash macht…



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