Hounds of Love

Hounds of Love

20161 h 48 min
Kurzinhalt

Teenagerin Vicki Maloney ist im suburbanen Perth im Jahr 1987 gerade dabei, sich von ihren Eltern abzunabeln. Zwar meinen es Vater Trevor und Mutter Maggie gut mit ihr, doch zurzeit sind die beiden Parteien einfach inkompatibel. Als Vicki sich eines Nachts davonschleicht, um eine Party zu besuchen, fällt sie jedoch dem Ehepaar White in die Hände. John und Evelyn White haben inzwischen eine perfide Routine entwickelt, wenn es darum geht, Menschen zu entführen, zu foltern und zu töten. Als ihr nächstes Opfer haben sie Vicki auserkoren. Die merkt jedoch bald, dass sie möglicherweise noch eine Chance hat, lebend aus der Situation zu entkommen - denn die Beziehung der Whites steht auf wackligen Beinen und Vicki glaubt zu erkennen, wo sie ansetzen muss, um einen Keil zwischen Emily und John zu treiben...

Metadaten
Titel Hounds of Love
Original Titel Hounds of Love
Regisseur Ben Young
Laufzeit 1 h 48 min
Starttermin 7 Oktober 2016
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

In seinem Spielfilmdebüt „Hounds of Love“ verlegt Regisseur Ben Young den australischen Horror aus dem Outback in die oberflächlich betrachtet ruhige Vorstadt. Young setzt bei seinem Werk auf ein realistisches Grauen, das ohne grosse Exzesse nur umso intensiver unter die Haut geht und noch lange nachwirkt. Die Geschichte über ein sadistisches Serienmörder-Paar, das im Perth der Achtziger Jahre junge Frauen entführt und in ihrem Haus quält und tötet, basiert laut dem Newcomer auf keinem spezifischen Vorfall, doch erinnert das erschütternde Geschehen deutlich an die sogenannten Moorhouse-Morde, die im etwa gleichen Zeitraum von David und Catherine Birnie begangen wurden.

Bei „Hounds of Love“ wird man sich mit einem Gefühlsspektrum zwischen ernsthafter Beklemmung und tiefer Wut – ähnlich wie die Protagonistin Vicki – vor der Leinwand gefesselt finden, ohne den Blick von dem erschütternden Szenario abwenden zu können. Ben Young inszeniert seinen Genre-Paukenschlag mit einer ähnlich ätzenden Spannung wie seinerzeit Tobe Hooper seinen Klassiker „Texas Chainsaw Massacre“. Der Ekel ist physisch spürbar, der Terror trifft in den Magen. Dabei entscheidet sich der Autor und Regisseur dafür, seinem Publikum die direkte Darstellung der Gewalt vorzuenthalten. Entweder zeigen die Aufnahmen einen anderen Ausschnitt der Szene oder die Kamera fährt während der Tat aus dem Raum und nur die Geräusche und verzweifelten Schreie sind zu vernehmen. Vor allem letztere sind an einer besonders eindringlichen Stelle kaum erträglich und man windet sich im Sessel, während Young einem buchstäblich die Tür vor der Nase zuschlägt. Das ist auch richtig so, denn mehr als die abgrundtief widerwärtigen Bilder sexuell motivierter Grausamkeit vor dem geistigen Auge sollte wirklich niemand in einem Film sehen.

Wer mal aus dem behüteten Leben einen Blick in menschliche Abgründe werfen will, um danach wieder befreit in die heile Welt zurückzukehren, sollte sich „Hounds of Love“ ansehen. Das starke Ende unterstreicht nicht zuletzt nachdrücklich, worum es hier im Kern geht: Unter all den Dämonen, Schlitzern und Kettensägen-Schwingern im Genre-Kino verleiht „Hounds of Love“ dem leider hochaktuellen Thema „Gewalt gegenüber Frauen“ eine überaus widerwärtige Fratze zum Hassen und Fürchten. Im Gegensatz zu stumpfen Vertretern der Rape-and-Revenge-Gattung geht Youngs Film mit der nötigen Zurückhaltung und Ernsthaftigkeit vor. In den Rollen des Killer-Paares verkörpern Emma Booth und Stephen Curry nicht etwa comichaft überzeichnete Antagonisten, sondern gefährliche Psychopathen mit wahrhaft scheusslichen Neigungen, die zu keinem Moment relativiert werden. Durch die Augen ihres von Ashleigh Cummings ergreifend gespielten Opfers durchlebt man ein unfassbares Martyrium, in dem das schwache Licht der Hoffnung mit jeder Minute zu schwinden scheint.

„Hounds of Love“ ist schockierend, ungemütlich und dennoch ergreifend und zeigt den erschütternden Weg in die Freiheit, doppelbödig und tiefgründig. Den suchen im Film zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während die eine das Opfer ist und versucht aus den Fängen eines Psychopathenpaars zu entkommen, entpuppt sich die andere als personifiziertes Böse und sucht ebenfalls einen Weg, um sich Fesseln entledigen zu können. „Hounds of Love“ braucht keine Hochglanzbilder und makellose Jungschauspieler. Der Streifen schockiert mit ungeschönter Bilderflut und depressiver Grundstimmung. Das lässt das Psychodrama authentisch wirken und erinnert daran, zu was Menschen fähig sein können, wenn sie geliebt werden wollen. Hinter „Hounds of Love“ steckt das Psychogramm einer emotional abhängigen Frau, das definitiv nicht kalt lässt. Kein einfach verdaulicher Stoff, sondern harter Tobak mit Tiefgang, Hintergrund und Anspruch. Letzterer hat sich seit einiger Zeit im Genrefilm sehr rar gemacht. Gut, dass er wieder da ist. Der tut nämlich dringend Not. Für „Hounds of Love“ braucht man ein extrem starkes Nervenkorsett, denn das Grauen aus der Nachbarschaft beschäftigt einen wesentlich nachhaltiger als Freddy, Jason und Co.

Shot Caller

Shot Caller

Jede Sicherheit hat ihren Preis

20172 h 05 min
Kurzinhalt

Nachdem Familienvater Jacob einen tödlichen Verkehrsunfall verschuldet hat, muss er ins Gefängnis. Sieben Jahre Haft stehen ihm bevor und die Gewalt im Knast lässt ihn beinahe verzweifeln. Also schließt er sich einer Gang an, die ihm innerhalb der Gefängnismauern Schutz vor den anderen Häftlingen garantiert. Doch diese Sicherheit hat ihren Preis - und der ist hoch. Als er nach Ablauf seiner Strafe wieder auf freien Fuß kommt, holt ihn seine Vergangenheit alsbald wieder ein, denn seine einstigen Beschützer fordern nun weitere Gefallen von ihm. Er soll eine rivalisierende Bande in den Straßen Südkaliforniens vernichten. Damit setzt ein knallharter Kampf ums Überleben ein, bei dem seine Familie zwischen die Fronten gerät...

Metadaten
Titel Shot Caller
Original Titel Shot Caller
Regisseur Ric Roman Waugh
Laufzeit 2 h 05 min
Starttermin 13 Juli 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Schauspieler
Mit: Nikolaj Coster-Waldau, Omari Hardwick, Lake Bell, Jon Bernthal, Emory Cohen, Holt McCallany, Benjamin Bratt, Jeffrey Donovan
Trailer

Werbewirksam prangt der Name des Game Of Thrones-Star Nikolaj Coster-Waldau (Jaime Lannister) auf dem Cover eines unbekannten neuen Films namens „Shot Caller“. Tätowiert und mit markanter Gesichtsbehaarung. Doch was macht „Shot Caller“ nun sehenswert, sowohl für Fans von Coster-Waldau als auch sonstigen Filmfans dort draussen? Regisseur Roman Waugh inszeniert den Knast nicht als Zwischenraum, sondern als ziemlich direktes Spiegelbild des bürgerlichen Lebens. In beiden Welten müssen Privilegien und Respekt hart erarbeitet werden, nur sind die dafür eingesetzten Mittel hinter Gittern deutlich drastischer und rabiater.

Autor und Regisseur Ric Roman Waugh blickt auf eine lange Karriere im Stunt-Geschäft zurück, wo er u.a. an John Carpenters „Sie Leben“ und „Lethal Weapon 2“ mitwirkte. Er arbeitete mit allen Grössen des Geschäfts wie John Woo (Harte Ziele), Jean-Claude Van Damme (Harte Ziele, Universal Soldier) oder Arnold Schwarzenegger (Last Action Hero) und an Kultfilmen wie „The Crow“, ehe er mit „Shadows Of Death“ 2001 sein Debüt als schreibender Regisseur gab. 2008 ging Waugh dann filmisch erstmals hinter Gittern, denn „Felon“ mit Stephen Dorff und Val Kilmer erzählt die Geschichte eines Familienvaters, der einen Eindringling tötet und dafür in den Knast geht. Die thematischen Parallelen zu „Shot Caller“ sind unübersehbar, auch wenn sich die beiden Filme in der Umsetzung doch sehr unterscheiden. Gefängnisfilme funktionieren in aller Regel nach den immer selben Mechanismen. Egal ob Henri Charrière in „Papillon“ trotz gebrochener Füsse unentwegt Fluchtpläne schmiedet oder der Todeskandidat Matthew Poncelet in „Dead Man Walking“ eine Nonne um Beistand bittet – das Leben hinter Gittern ist typischerweise nur eine Art Durchgangsstation auf dem Weg in die Freiheit oder in den Tod. Nicht so im packenden, wenn auch in den Szenen ausserhalb der Gefängnismauern arg konventionellen Thriller „Shot Caller“.

Der Titel „Shot Caller“ leitet sich von der englischen Redewendung „to call the shots“ ab, was übersetzt „das Sagen haben“ bedeutet. Der „Shot Caller“ ist also derjenige, der für andere entscheidet, wie etwas abläuft. Coster-Waldau beweist in „Shot Caller“ Mut zur Hinterwäldler-Hässlichkeit. Sein Schauspiel entpuppt sich auch in intimeren Momenten als äusserst souverän, etwa wenn die Kamera beim Verfassen eines Abschiedsbriefs für seinen Sohn ganz nah ans Gesicht heranrückt. Er trägt den Film souverän und verkörpert seine innerlich zerrissene Figur glaubwürdig. Der liebende Jacob verroht zunehmend und schreckt im Kampf ums tägliche Überleben schliesslich auch vor heimtückischen Mordkomplotten nicht zurück. Um sich und seine Familie zu schützen, ist ihm jedes Opfer Recht – sogar seine eigene Freiheit. Eingesperrt hinter Stacheldraht und Betonmauern steigt Money durch Loyalitätsbeweise wie Drogenschmuggel in seinem Körper und zunächst widerwillig begangene Auftragsmorde immer weiter auf, bis er schliesslich „die Schlüssel“ besitzt. Damit geht das Privileg einher, die auf der Lohnliste der Arischen Bruderschaft stehenden Gefängniswärter nach seinem Willen handeln zu lassen. Trotz anfänglicher Gewissensbisse verdient er sich mit brachialen Mitteln eben genau jenen Respekt, der ihm zuvor in seinem bürgerlichen Leben versagt blieb, wenn er etwa bei einem Basketballspiel von einem Büro-Kollegen grundlos und ungestraft umgerammt wurde.

Während er sich durch seine Gang-Zugehörigkeit hinter Gittern immer sicher fühlen konnte, entgeht Money gleich am ersten Tag in Freiheit auf einer Willkommensparty nur knapp einem Mordanschlag. Wo im Knast Ehre und Loyalität regieren, wird er nach der Entlassung schon bald von einem engen Freund gelinkt. Und so ist es gut nachvollziehbar, für welche der beiden Welten sich Money schlussendlich entscheidet – eine begrüssenswert radikale Abkehr vom üblichen Narrativ des Gefängnisfilms. Passend zu den Schauplätzen und der allgemeinen Situation des Protagonisten hat Waugh einen extrem atmosphärischen Film komponiert. Kameraführung und Bildqualität greifen visuell die Stimmung auf, die immer wieder vorwiegend zwischen bedrohlich und beklemmend pendelt. Popcorn-Kino ist hier nicht, das würde einem dann doch zu oft im Halse stecken bleiben – was absolut als Lob zu verstehen ist. Auch akustisch liefert „Shot Caller“ Qualität auf hohem Niveau, die Filmmusik passt herausragend zur Szenerie und speziell in den handfesten Auseinandersetzungen sind direktionale Effekte und intensive Effekte grandios platziert, um genau die richtigen Akzente zu setzen, um die Stimmung zu verstärken.

Gefängnis-Filme sind eine Kunst für sich und von besonderen Herausforderungen begleitet – wenn ein Vertreter dieses Genres gelingt, muss er zwangsläufig verdammt gut sein. „Shot Caller“ darf als Paradebeispiel für diese Kategorie angesehen werden, Ric Roman Waugh zeichnet in seinem Knast-Thriller auf beeindruckende und glaubhafte Weise das Machtgefüge hinter Gittern nach und liefert mit einer packenden und harten Story grandiose Arbeit ab. Dabei kann er sich auf eine hervorragende Darstellerriege verlassen, die angeführt von Nikolaj Coster-Waldau mit einer nicht genug zu lobenden Intensität aufspielt. „Shot Caller“ ist eindringlich, wortkarg, zeigt eine komplexe Figur, die es einem oft schwer macht, sie gern zu haben. Man leidet mit ihr und wird zugleich von ihr geschockt. Darüber hinaus ist der Film optisch schön eingefangen und montiert, authentisch, mit stimmiger Musik unterlegt und gut geschrieben. Möchte man etwas kritisieren, dann wäre es sein Fokus, denn wer sich (noch) mehr für die Zeit hinter Gittern interessiert wird von den Gegenwarts-Szenen herausgerissen und umgekehrt. Dennoch drehen sich beide Handlungsstränge um die Frage nach dem Preis, den man für Sicherheit zu zahlen bereit ist – und schrecken nicht vor Antworten zurück, die nicht jedermann schmecken werden.

Accident Man

Accident Man

2018
Kurzinhalt

Mike Fallon ist ein erstklassiger Auftragskiller, der sich darauf versteht, seine Morde als Unfälle zu tarnen. Deswegen nennt man ihn in der Branche „Accident Man“. Als seine Ex-Freundin und große Liebe Beth stirbt, vermutet er, dass es sich ebenfalls um einen Mord handelt. Denn es gibt auch andere Auftragskiller wie ihn, die es bestens verstehen, ihre Taten zu verschleiern. Entschlossen herauszufinden, wer dahinter steckt, und die Täter zur Strecke zu bringen, verbündet er sich mit Beths Freundin Charlie. Auf seinem blutigen Rachefeldzug nimmt er seine Kollegen Mick und Mac aufs Korn...

Metadaten
Titel Accident Man
Original Titel Accident Man
Regisseur Jesse V. Johnson
Laufzeit
Starttermin 5 Februar 2018
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Schauspieler
Mit: Scott Adkins, Ray Stevenson, Ashley Greene, Michael Jai White, Ray Park, Amy Johnston
Trailer

„Accident Man2 basiert auf der britischen Comicbuchreihe TOXIC!, von der ich kein Examplar gelesen habe und deswegen keine Vergleiche ziehen kann. Auch wenn die Comicbücher weit vorher erschienen sind, erinnert mich die Story an eine Mischung aus „John Wick“ und „John Wick: Kapitel 2“. Nur eben comic’esker und daher mitunter humorvoller.

Scott Adkins ist wieder da. Diesmal spielt er eine halb-populäre Comicfigur aus den 90ern, die Auftragsmorde wie Unfälle aussehen lässt. „Accident Man“ ist der Versuch des Kampfkunst-Gottes sich als Schauspieler, Produzent und Autor zu verwirklichen. Und ja, das Ergebnis ist, im Vergleich zu dem was er sonst so verzapft, überdurchschnittlich. Seine dritte Zusammenarbeit mit Ex-Stuntman Jesse V. Johnson bietet modernes Grindhouse-Kino mit schrillen Archetypen, in einem verrückten Comic-Universum, gepaart mit britischen Filmflair. Die reichhaltigen Kampfszenen sind sauber gefilmt und rücken den Meister ins angemessene Licht. Wenn sich die mörderischen Witzfiguren gegenseitig die Birne einschlagen, ist das angenehm krude, gern over-the-top und im Humor mal unterhalb, mal oberhalb der Gürtellinie. Dazu die brutalen und gut gefilmten Fights verpassen dem Film durchaus eine spannende Atmosphäre.

Eine Story ist zwar vorhanden, die reicht aber gerade so aus, dass das ganze noch einen Sinn ergibt. Hier liegt der Schwerpunkt ganz klar auf der Action – und die kann sich tatsächlich sehr gut sehen lassen. Dazu ein paar skurrile Charaktere und einen guten Schuss schwarzer Humor. Die schwarzhumorige Umsetzung steht im starken Kontrast zur eher düsteren und dramatischen Handlung und ist zu Anfang vielleicht eher gewöhnungsbedürftig. Doch wenn man sich mal darauf eingelassen hat, vermögen die skurrilen Attentäter aus dem Pub und die krude Machart durchaus zu unterhalten. Mich hat er zumindest amüsiert.

Supremacy

Supremacy

Zwei Mitglieder einer arischen Bruderschaft verschanzen sich in dem Haus einer afroamerikanischen Familie und nehmen diese als Geiseln

20141 h 46 min
Kurzinhalt

Nachdem der Rassist Garrett ‘Tully’ Fuller (Joe Anderson) gemeinsam mit seiner nicht minder brutalen Freundin einen Cop getötet haben, verschanzen sie sich in einem Haus und nehmen dort eine afroamerikanische Familie als Geiseln. eine Nacht voller Terror bricht nun über die Familie hinein. Vor allem als der starkt tätowierte und mehr als Gewaltbereite Sobecki (Anson Mount), Anführer der arischen Bruderschaft, dem das mörderische Paar angehört, von dem Zwischenfall Wind bekommt.

Metadaten
Titel Supremacy
Original Titel Supremacy
Regisseur Deon Taylor
Laufzeit 1 h 46 min
Starttermin 12 Juni 2014
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Bilder
Schauspieler
Mit: Danny Glover, Julie Benz, Joe Anderson, Dawn Olivieri, Derek Luke, Evan Ross, Lela Rochon
Trailer

Welche Ausmasse ein rassistisch motiviertes Hassverbrechen haben kann, zeigt Deon Taylors Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein nahezu zeitloses Thema, bei dem die beiden Seiten zunächst klar abgesteckt zu sein scheinen. Auf der einen Seite ein vor nichts zurückschreckender hasserfüllter Racheengel, der eine offenbar völlig unschuldige Familie überwältigt. Auf der anderen Seite verzweifelte Opfer, nackte Panik und die niemals endende Debatte um den Rassismus. Allzu viel Idealismus gibt es weder bei den Tätern, noch bei den Geiseln, zumindest nicht lange. Bis zuletzt wird ein Geheimnis nach dem anderen offenbart, das die Motive der Beteiligten in jeweils neuem Licht erscheinen lassen.

Wenn man das Thema Rassismus filmisch bearbeitet, geschieht es leicht, dass man übertrieben pathetisch wird, sich zu sehr auf die Täter konzentriet und die Opfer aussen vorlässt oder umgekehrt, nur das Leiden der Opfer darstellt ohne auf Ursachen und mögliche Gegenmassnahmen einzugehen. „Supremacy“ schafft es, all diese Fallgruben zu umgehen und im Rahmen der Dynamik einer Geiselnahme sein Thema interessant zu illustrieren. Man möchte Tullys Ideologieversessenheit und seinen Gewaltfanatismus von Herzen verabscheuen, kommt an ihm als gebrochenem und scheinbar wiederauferstandenem Charakter aber nicht vorbei. Ähnlich verhält es sich mit dem von Danny Glover hervorragend gespielten Walker, der mehr mit Tully gemeinsam hat, als es zunächst scheint. Auch Doreen verbirgt mehr, als man ihr anfänglich zutraut, womit sie eines der größten Risiken eingeht. Es hätte so einfach sein können – fanatische Geiselnehmer versus bemitleidenswerte Opfer. Dass es die Regie dem Zuschauer nicht ganz so einfach macht, spricht in jedem Fall für den Film.

So zeigt sich im Verhältnis der beiden Geiselnehmer Doreen und Tully nicht nur die eine oder andere Widersprüchlichkeit in rassistischer Ideologie auf, sondern auch Differenzen innerhalb der White Supremacy Bewegung und sogar in den Charakteren selbst. Die Charaktere verkommen dabei allerdings nicht zu einfachen Stereotypen, sondern werden als dreidimensionale Personen präsentiert, die zwar tief gestört, aber auch irgendwie nachvollziehbar sind. Gewalt wird hier nicht als Machtausübung, sondern als Kontrollverlust dargestellt. Jedesmal wenn Tully oder Doreen ihre Waffe erheben, ist in ihren Gesichtern eher Panik und Ratlosigkeit als Entschlossenheit zu sehen. Dem entgegen steht vor allem die eiserne Ruhe des zerbrechlichen, alten Mr. Walker, der brilliant von Danny Glover dargestellt wird. Sein Charakter ist durchgehend interessant und läuft in seinem Schlussmonolog nochmal zu richtiger Höchstform auf.

An keiner Stelle wird das pseudoarische Gedankengut verherrlicht, der ihm verfallene Mensch wird dennoch als Charakter ernst genommen und verkommt nie zur geifernden Karikatur eines ewiggestrigen Spinners. Visuell wird die beklemmende Zwickmühle, in der sich hier fast jeder befindet, passend dargestellt. Die Handkamera unterstreicht die vorherrschende Stimmung. Gelegentlich verliert man dank ihr ein wenig die Orientierung in der Szene, dann folgen aber wieder ruhig gefilmte Sequenzen, die für die Verwirrung entschädigen. Darüber hinaus darf man nicht erwarten, in diesem Film die definitive Antwort auf das Rassismusproblem schlechthin zu erhalten. Diesem Anspruch wird der Film, der immer seine Figuren in den Vordergrund stellt, nicht gerecht. Muss er auch nicht. Zu sehen, wohin entsprechende Ideen Menschen bringen können, die ausserdem noch von ganz anderen Dämonen geplagt werden, ist beängstigend genug. Dank hervorragender Darsteller und der schleichenden Enthüllung entscheidender Details ist es in jedem Fall ein spannender Thriller, der zeigt, dass Gewalttätigkeit nicht nur durch möglichst viele Blutlachen im Bild dargestellt werden kann und nackter Psychoterror auch ohne übernatürliche Geistererscheinungen möglich ist. Ein harter Film mit einem Ende, an das man mitunter nicht mehr geglaubt hat.

Ghost Dog – Der Weg des Samurai

Ghost Dog - Der Weg des Samurai

19991 h 56 min
Kurzinhalt

Ghost Dog lebt über der Welt - in einer selbstgebauten Hütte neben einem Taubenschlag auf dem Dach eines verlassenen Gebäudes. Er ist ein professioneller Killer und durchwandert, lautlos und ungesehen, die Stadt - wird eins mit der Nacht. Sein Leitfaden ist ein alter Verhaltenskodex der japanischen Kriegerkaste - der Samurai. Als sein Leben auf dramatische Weise von einer zerrütteten Mafiafamilie bedroht wird, die gelegentlich seine Dienste in Anspruch nimmt, reagiert er streng nach dem Kodex - dem Weg des Samurai..

Metadaten
Titel Ghost Dog - Der Weg des Samurai
Original Titel Ghost Dog: The Way of the Samurai
Regisseur Jim Jarmusch
Laufzeit 1 h 56 min
Starttermin 13 September 1999
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Meisterwerk
Trailer

„Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ ist ein wahrlich brillantes Actiondrama mit einem mehr als hervorragenden Soundtrack. In „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ macht Jim Jarmusch Forest Whitaker zur Killermaschine. Der Film ist eine Art „Zeitlupenthriller“, bei dem der Weg das Ziel ist. Der Film gleitet ebenso wie seine Hauptfigur dahin und lässt eine bruchfreie Bild-und-Ton-Sinfonie entstehen. Eine ungewöhnliche Mischung aus Poesie und Trash in der Machart von Tarantinos „Pulp Fiction“. Jim Jarmuschs ebenso unorthodoxe wie atmosphärische Meditation über den Tod bietet ein absolut betörendes Kinoerlebnis – poetisch, musikalisch, mafiös.

Eigentlich schert sich Jim Jarmusch keinen Deut um die Geschichte, sondern interessiert sich vielmehr für die Schönheit ihrer Gesten, den rhythmisch schwingenden Gang des massigen Ghost Dog, seine weissen Handschuhe, den Klang zuschnappender Autotüren und die Sounds aus den Musikanlagen der geklauten Wagen. Das Spiel der Rituale generiert eine Ode an die Schönheit des Killerhandwerks und an die Sinnlichkeit des Kinos. Der Film hat eine enge Bindung zum Hip Hop. So wurde der komplette Soundtrack vom Wu-Tang-Clan-Gründer RZA komponiert und es sind auch weitere Songs des New Yorker Rappers und Produzenten im Film zu hören. Darüber hinaus haben RZA und andere Mitglieder aus dem Umfeld des Wu-Tang-Clans kurze Gastauftritte. Der Club „Liquid Swords“, der in einer Szene kurz zu sehen ist, verdankt seinen Namen einem Album des Rappers „The GZA GZA“, welches ebenfalls von RZA produziert wurde. Der Running Gag im Film, dass der Mafiosi Sonny Valerio ein grosser Fan der Gruppe Public Enemy ist, basiert auf einen Artikel über inhaftierte Mafiosi, die im Gefängnis ihre Vorliebe für Hip Hop entdeckten, den der Regiesseur Jim Jarmusch zuvor gelesen hatte.

Zwei Stunden verbringen wir in der Welt des „Ghost Dog“, einem Profikiller, der um sich selber in dem dreckigen Randbezirk der urbanen Metropole der Neuzeit eine Art modernen Samurai kreiert. Gespielt von einem wirklich starken Forest Whitaker entwickelt sich hier eine ebenso faszinierende wie zunächst unrealistisch wirkende Figur. Jedenfalls wird manch einer sich schon erstmal wundern, wenn ein Schwarzer in einer Gegend wie aus Eminems „8 Mile“ beschliesst, sein Dasein als professioneller Mörder nach dem Samurai Kodex zu verbringen. Umso erstaunlicher, dass es Jarmusch tatsächlich gelingt, einen Film zu drehen, dem es gerade zum Ende hin kein bisschen an Glaubwürdigkeit mangelt und der beängstigend authentisch wirkt. Begleitet vom nahezu immer präsenten, simplen wie grossartigen und vor allem passgenauen Soundtrack entwickelt sich ein spannendes, ungewöhnliches und vor allem interessantes Portrait über den etwas anderen Serienkiller. Philophische Ansätze und die Coolness eines Tarantinos reichen sich dabei die Hand und erreichen eine wirklich aussergewöhnliche Mischung, die den Film für den ein oder anderen sicher einfach nur skurril wirken lässt, für andere aber zu einem wunderschönen Stück Independent Kino sind.

Jim Jarmusch und seinen Filmen nähert man sich am besten über drei Begriffe: Minimalismus, Independent und Postmoderne. Denn wie bei kaum einem anderen Regisseur tragen sie alle die typischen Erkennungszeichen seines Stils – die reduzierten Dialoge, endlos langen Einstellungen und handlungsarmen Plots. Und doch gleicht kein Film dem anderen, zu vielschichtig sind die sorgsam gesetzten Details, zu komplex seine filmischen Baupläne. Die zahllosen Referenzen an Literatur, Kino und Popkultur, so wie der narrative Faden, der sie alle in gewisser Weise miteinander verbindet. Geradezu exemplarisch für dieses Prinzip der Kontinuität und Weiterentwicklung steht „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“, der sowohl thematisch als auch stilistisch an Jarmuschs apokalyptisches Western-Epos (Dead Man) erinnert. Wie gewohnt konzentrierte sich Jarmusch auch diesmal ganz auf seinen Hauptdarsteller, Forest Whitaker (Der letzte König von Schottland, Platoon). Und das aus gutem Grund, denn mit seiner emotionalen Präsenz und physischen Stärke spielt Whitaker so gut wie nie zuvor und erzeugt dabei eine Atmosphäre, wie sie eindringlicher kaum hätte sein können.

Es ist bemerkenswert, mit welchem Geschick Jarmusch Versatzstücke aus verschiedenen Genres und Kulturtraditionen immer wieder aufs Neue miteinander verknüpft, gleichzeitig aber die Gesamtgestaltung zu keinem Moment aus den Augen verliert. Doch nicht nur inhaltlich – etwa durch Ghost Dogs Adaption der Samurai-Identität – sondern auch auf formaler Ebene stehen Thematik und Ästhetik in ständigem Austausch. Ebenfalls eine wichtige Rolle erfüllen diverse Zitate und Referenzen, wie der Ausschnitt eines „Itchy & Scratchy“-Cartoons, in dem sich der lokale Streit über die Gewaltspirale in einen symbolischen Weltkrieg potenziert. Jarmusch unterbricht an diesen Stellen zum einen den Handlungsfluss, setzt reflexive Ruhepunkte, zum anderen überzeichnet er den inneren Konflikt bis ins Groteske und deutet zugleich den weiteren Verlauf des Geschehens voraus. Am Ende ist es der bedingungslose Glaube an den Ehrenkodex, aus dem das Drama des Films entspringt. Denn wie seine Identität als Samurai, die Ghost Dog über den Wert des eigenen Lebens stellt, beruht auch der Racheplot gegen die Mafia auf dem fatalen Missverständnis, Louie hätte ihm damals aus Überzeugung und nicht aus reinem Selbstschutz das Leben gerettet. Die Wahrheit ist: Die Wirklichkeit ist immer nur ein Konstrukt, eine Fülle von Einzelheiten, die je nach Wertetradition und eigenem Interesse unterschiedlich gedeutet wird. In dieser Erkenntnis liegt Jarmuschs eigentliche Botschaft, sie bedingt den gegenseitigen Respekt im Pluralismus der Kulturen. Einfach ein toller Film, der sich traut andersartig zu sein.

Hidden in the Woods

Hidden in the Woods

20141 h 31 min
Kurzinhalt

Die Schwestern Ana und Anny wachsen bei ihrem gewalttätigen Vater Oscar auf, der sich sein Geld für die tägliche Schnapsration mit dem Verstecken von Drogen für Onkel Castello verdient. In der abgelegenen Waldhütte sind die Mädchen den sexuellen Übergriffen ihres Vaters praktisch hilflos ausgeliefert. Eines Tages entscheiden sie sich, ihn bei der Polizei zu melden. Bei der standartmäßigen Überprüfung des Anrufs, werden zwei Polizisten getötet und ihr Vater kommt ins Gefängnis. Doch die Mädchen geraten vom Regen in die Traufe: Denn sie landen bei ihrem Onkel, der seine Drogen wiederhaben will und die Geschwister noch schlimmer misshandelt, als zuvor ihr Vater.

Metadaten
Titel Hidden in the Woods
Original Titel Hidden in the Woods
Regisseur Patricio Valladares
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 12 Dezember 2014
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
Bilder
Schauspieler
Mit: Michael Biehn, William Forsythe, Ricco Ross, Jennifer Blanc,
Trailer

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Der Missbrauch von Frauen steht im US-Remake des chilenischen Films „En las afueras de la ciudad“ an der Tagesordnung. Doch die in unseren Breiten erhältliche Fassung wirkt schon beinahe harmlos, obwohl sie eine brutale Wahrheit erzählt. Der uns vorliegende Fassung lässt leider nur erahnen, was uns in der ungeschnittenen Version gezeigt werden würde. Ganze 6,5 Minuten (laut schnittberichte.com) wurden aus der erhältlichen FSK-18-Version herausgeschnitten. Klar, dass sowas auffällt. Denn die Kürzungen sind vor allem dann spürbar, wenn der Film in Schwung kommen will.

Hidden in the Woods

„Hidden in the Woods“ gehört ganz klar in die Filmkategorie „Vergewaltigung und Rache“ – beziehungsweise „Rape and Revenge“. Doch ein dickes Problem des Films ist, dass die Szenen irgendwie zusammengestückelt aussehen. Der rote Faden fehlt. Das hat nichts mit der hier vorliegenden gekürzten Version, sondern mit dem Filmemacher und Regisseur Patricio Valladares selbst zu tun. Machart, Schauspieler und Dialoge wirken halbherzig und unprofessionell. Der Film ist streckenweise zu langatmig umgesetzt, mit dünnem Drehbuch und insgesamt viel zu unspannend. Filmfans dieses Subgenres schauen vermutlich mal rein. Alle anderen können getrost einen anderen Film in ihren Blu-ray-Player legen. Denn man verpasst nichts, ausser vielleicht ein müdes Wiedersehen mit dem alten Haudegen Michael Biehn, den wir bereits aus „The Terminator“ und „Aliens – Die Rückkehr“ kennen.

Hidden in the Woods

Apropos Biehn. In diesem Film hat er eine etwas seltsame Rolle. Zuerst bringt er seine Frau um, dann vergeht er sich an seinen Kindern und später wird er noch zum Antihelden. Kurz und nur ganz kurz erinnert uns die schräge Mixtur aus Gewaltparadies, Drogenmilieu und Westernattitüde an einen Streifen von Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez. Aber das war es auch schon. „Hidden in the Woods“ hat einen hohen Gewaltgrad, filmtechnisch ist er nur auf Amateurniveau. Zuschauer, denen im Genre gar nicht genug Frauen gequält, missbraucht und gefoltert werden können, werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen. Weil man aber mittlerweile so viele ähnlich gestrickte Streifen gesehen hat, berührt das Gezeigte keineswegs. Vor allem auch deswegen, weil sich die Figuren so unsinnig verhalten, dass man sich kaum mit ihnen identifizieren kann oder auch nur möchte. So wird Gewaltexzess an Gewaltexzess geklebt und mit reichlich milieugeschädigter Sprache unterstrichen – ansonsten bleibt leider nicht viel.

Kingsman: The Secret Service

Kingsman: The Secret Service

Holen Sie den König zurück zu Kingsman!

20152 h 09 min
Kurzinhalt

Harry Hart ist ein britischer Geheimagent der alten Schule – cool, charmant und abgebrüht. Er arbeitet für einen der geheimsten Nachrichtendienste überhaupt: die Kingsmen. die Agenten, die sich selbst als moderne Ritter verstehen, sind ständig auf der Suche nach neuen Rekruten. Harry wird auf den Straßenjungen Gary aufmerksam, der, wie er findet, einiges an Potenzial zeigt. allerdings liebäugelt dieser mit der Welt jenseits des Gesetzes und kennt keine Disziplin. Dennoch bewahrt ihn Harry vor dem Gefängnis und schleust ihn in das Rekrutierungsprogramm der Kingsmen ein. Dies ist das wohl härteste seiner Art und an vielen Stellen wirklich lebensgefährlich. Zu allem Überfluss bahnt sich noch während der Ausbildung eine weltweite Bedrohung an. Ein unglaublich gut organisiertes Verbrechersyndikat erscheint auf dem Plan und bedroht den internationalen Frieden und die Sicherheit. Gary muss sich nun beeilen, die Torturen der Ausbildung überstehen und, am aller Wichtigsten, erwachsen werden.

Metadaten
Titel Kingsman: The Secret Service
Original Titel Kingsman: The Secret Service
Regisseur Matthew Vaughn
Laufzeit 2 h 09 min
Starttermin 13 Januar 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Trailer

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Kingsman ist das willkommene Gegengift zum langweilig gewordenen James Bond. Weg von Rumgejammer und Midlife-Crisis, zurück zu Spass und überlebensgrosser Agenten-Action. Collin Firth ist der perfekte Gentleman-Spion und Taron Egerton macht sich überraschend gut, als Teenie der für den coolsten Geheimdienst der Welt rekrutiert wird.

Regisseur Matthew Vaughn hat seit „Kick Ass“ nochmal dazu gelernt und schafft es jetzt die hyperstylishen Gewaltszenen in einen runderen Kontext zu setzen. Man merkt ihm deutlich die Liebe zum Sixties Style, zu den ganzen Agenten der Gentleman-Ära an und dennoch wirkt der Film nicht wie ein Rückfall in die alte Zeit. „Kingsman“ ist nicht so albern wie „Austin Powers“ oder die „Spy Kids“-Filme, aber trotzdem in allem auf 11 gedreht. Der Style ist britischer als britisch, die Gadgets ebenfalls und der Oberschurke könnte karikierter kaum sein. Vaughn und sein Autor Mark Millar kennen ihre Vorbilder und haben dennoch einen diebischen Spass daran, sie umzukrempeln.

Samuel L. Jackson ist einerseits ein megalomanischer Blofeld-Verschnitt, aber durchaus ein vernünftig argumentierender Zeitgenosse, dessen böser Plan zumindest theoretisch sinnvoll erscheint. Und er karikiert seine diabolische Ausstrahlung durch Sprachfehler die Unfähigkeit Gewalt und Blut zu ertragen. Bei aller Übertreibung sind die Figuren immer noch so menschlich, dass sie nicht austauschbar und langweilig werden. In einer der besten Szenen des Films, reflektiert Vaughn sogar die eigene cinematische Glorifizierung von Gewalt, wenn Firth ein unbeschreibliches Massaker anrichtet, das alle Register der Gewaltpornographie zückt nur um den gehypten Kingsman und den Zuschauern danach die eigene Begeisterung vorzuführen, wenn allen Beteiligten klar wird, das unser Held gerade unschuldige Menschen abgeschlachtet hat.

Das bedeutet nicht, dass der Regisseur seine überzeichnete Gewalt nicht liebt, aber es zeigt das er sich zumindest der Problematik bewusst ist und sehr genau die Mechanismen kennt, mit denen er sein Publikum verführt. Trotz aller Metzelszenen meidet er stets die selbstgerechte, mobfütternde und unangenehme Aura die Selbstjustiz-Action-Filme wie Taken durchdringt. Dazu ist Kingsman dann einfach zu sehr in einem schwerelosen Comic-Universum verankert, in dem alles mit einer Prise Roger Moorschem Augenbrauen heben serviert wird. Als Popcorn-Kino ist Kingsman auf jeden Fall mit das Beste was es in diesem Bereich in den letzten Jahren zu sehen gab. Was optische Ideen, Eleganz und stimmungsvolle Musik angeht. Kein Meilenstein, aber ein rundherum unterhaltsamer, rasanter Beweis dafür, dass britische Agenten-Action auch heutzutage noch ihre Berechtigung hat.

Sabotage

Sabotage

Die Jäger werden zu gejagten.

20141 h 50 min
Kurzinhalt

Der Drogenfahnder Breacher und seine Sondereinheit des DEA gehören zu den besten Drogenfahndern ihres Bezirks. Spezialisiert auf Kartells, haben sie schon vielen Drogennetzwerken das Handwerk gelegt. Auch bei ihrer neuesten Mission scheint alles glatt zu laufen. Doch als die riesige Summe Geld, die sie ihren Zielen abnehmen konnten, plötzlich verschwindet, geraten Breacher und seine Jungs in den engeren Kreis der Verdächtigen. Auch die Drogenbarone selbst haben noch eine Rechnung offen: Nach und nach verschwindet eines der Team-Mitglieder Breachers. Doch anstatt ihn selbst ins Zielvisier zu nehmen, wird seine Familie entführt und festgehalten. Während er sich bisher noch unter Kontrolle halten konnte, durstet es den Veteranen nach Rache und er macht sich mit einigen seiner Kollegen auf den Weg, seine Frau und sein Kind zu befreien.

Metadaten
Titel Sabotage
Original Titel Sabotage
Regisseur David Ayer
Laufzeit 1 h 50 min
Starttermin 28 März 2014
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Medien
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Trailer

Wie möchte man von seinen Fans in Erinnerung behalten werden? Die letzte Karrierephase ist zugleich ein Charaktertest: Siegt die Vernunft über das Ego? Und wie viel Selbstironie verträgt sich mit dem Image des Actionstars? Bei Arnold Schwarzenegger steht ein abschliessendes Urteil derzeit noch aus, ob das Altern in Würde seine letzte grosse Rolle werden wird. Einerseits ist es ja grundsympathisch, dass es ihn nach seinem Ausflug in die Politik noch einmal zurück zum Film gezogen hat (egal ob mit echtem Herzblut oder doch nur für das gesalzene Schmerzensgeld an seine Ex-Frau). Es irritiert allerdings, dass Schwarzenegger seine Karriere genau dort wieder aufnimmt, wo er sie knapp zehn Jahre zuvor mit Terminator 3 aussetzte.
Clint Eastwood hatte in Schwarzeneggers Alter mit „Erbarmungslos“ und „In the Line of Fire“ bereits sein seriöses Spätwerk eingeleitet. Und was die ironische Demontage seines eigenen Images angeht, ist Schwarzenegger 1993 mit „Last Action Hero“ schon weiter gewesen.

Die drei Filme seit Schwarzeneggers Amtszeit als Gouverneur (plus einem Cameo-Auftritt in Expendables 2) sind ganz in der Vergangenheit verhaftet, der jüngste, Sabotage, irgendwo zwischen Phantom Kommando und Predator aus seinen formativen Jahre als Actionstar. In denen hiessen Schwarzeneggers Figuren noch John Matrix oder Dutch. Diesmal heisst sie Breacher, „der Brecher“, und seine Kollegen haben so klingende Spitznamen wie Monster, Grinder und Pyro. Die einzige Frau in diesem Männerbund, gespielt von der zierlichen Mireille Enos, hört auf den schlichten Namen Lizzy, ist aber durchgeknallter als alle ihre stiernackigen und ganzkörpertätowierten Kollegen zusammen. Es gehört wohl zum Berufsethos professioneller Tough Guys, dass der Name wie eine Visitenkarte ausweisen muss, wie wenig Spass man in diesem Metier versteht. Es sei denn, es handelt sich um Witze über Männerfürze und Fäkalien, von denen es in Sabotage reichlich gibt.

Der Regisseur und Drehbuchautor David Ayer (Training Day, End of Watch) ist ein Experte für dreckige Polizeifilme. Er bringt durchaus die Erfahrung mit, um Schwarzenegger eine anständige Rolle zu schreiben. Doch der Respekt vor der Action-Ikone Arnie scheint in Hollywood hemmende Wirkung zu haben. Dem Debütanten Kim Jee-woon, dem Regisseur seines Comebacks „The Last Stand“, mochte man das noch durchgehen lassen. Aber auch Ayer setzt statt auf altersweise Selbstreflexion, die einem Actionstar in Schwarzeneggers Alter gut stünde, auf enthemmte Selbstparodie. Das ist nicht nur unter Schwarzeneggers Würde, es diskreditiert auch Ayers gelungenere Beiträge zum Genre des Polizeifilms. Dabei kann man dem Regisseur Ambitionen, dem neuesten Schwarzenegger-Vehikel eine eigene Handschrift zu verpassen, nicht absprechen. Die unruhige Handkamera, die im Verité-Copdrama End of Watch noch als erzählerisches Stilmittel fungierte, verleiht den Actionszenen in Sabotage physische Wucht.

Manchmal geht die Kamera allerdings durch. Dann blickt der Zuschauer vom Ende eines Waffenlaufs in das Gesicht des Schützen (eine Art invertierte Egoshooter-Perspektive) oder während einer Autoverfolgungsjagd von der Ladefläche eines Pick-up-Trucks auf die getönte Heckscheibe. Innerhalb eines ansonsten wenig innovationsfreudigen Formats wirken solche form-avantgardistischen Spielereien schon beinahe wie kreative Befreiungsschläge. Das gilt ebenso für die mit viel Liebe zum Detail ausgeschmückten Bilder von menschlichen Verstümmelungen. Einer der korrupten Cops wird mitsamt seinem Wohnmobil von einem Zug fein säuberlich über einen längeren Streckenabschnitt verteilt. Schwarzenegger darf später am Tatort Fähnchen in die dampfenden Überreste stecken. Ein anderer Kollege wird an die Decke genagelt, sodass aus seinem aufgeschlitzten Bauch die Eingeweide wie Girlanden in den Raum hängen.

Diese Ausflüge in das Genre des Torture-Porn verfolgen keine Programmatik. Sie sind nur Teil einer Matthew-Barney-artigen Strategie, dem Mythos eines Auslaufmodells ein paar letzte starke Bilder zu verpassen: knirschendes Metall, blutiges Gedärm, gerötete, poröse Haut, die sich papyrusähnlich über muskulöse Körperpartien spannt. Auch Arnold Schwarzenegger wird sich am Ende als Normalsterblicher erweisen. In Sabotage darf er jedoch, allen äusseren Umständen zum Trotz, noch einmal den ganz Starken spielen.

Black Mass

Black Mass

20152 h 02 min
Kurzinhalt

Basierend auf dem Bestseller "Black Mass: The True Story of an Unholy Alliance Between the FBI and the Irish Mob" von Dick Lehr und Gerard O'Neill wird die Geschichte des Bostoner Mafioso James Joseph "Whitey" Bulger erzählt. Whitey, der für mehrere Morde und Drogenhandel verantwortlich ist, arbeitet für das FBI als Informant. Dort gibt er den ermittelnden Agenten Informationen zur Ergreifung seiner Konkurrenten im Geschäft. Als man sich jedoch gegen Whitey stellt, um ihn ebenfalls hinter Schloß und Riegel zu bringen, flüchtet dieser. 16 Jahre lang schafft er es sich vor dem FBI zu verstecken, wird in mehreren Ländern auf der ganzen Welt gesichtet und steht lange Zeit auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher des FBI. 2011 geht der mittlerweile 82 Jahre alte Mafioso den Ermittlern ins Netz...

Metadaten
Titel Black Mass
Original Titel Black Mass
Regisseur Scott Cooper
Laufzeit 2 h 02 min
Starttermin 4 September 2015
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Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Grandios
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Schauspieler
Mit: Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Kevin Bacon
Trailer

Nach dem fürchterlich schrecklichen Mortdecai hätt‘ ich nicht damit gerechnet, dass Johnny Depp noch im gleichen Jahr mit einem Film aufwartet, der uns für all seine Fehltritte der vergangenen Jahre entschädigt. Doch genau das ist „Black Mass“ – ein Film, in dem der Hollywoodstar eindrücklich beweist, was eigentlich in ihm steckt. Der Film von Scott Cooper, der die Lebensgeschichte des amerikanischen Mobsters James „Whitey“ Bulger erzählt, zeigt Depp (hinter tonnenweise Make-Up) als bedrohlichen und unberechenbaren Kriminellen. Dass Depp gerade in diesem Film so herausragt, ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass sich mit Benedict Cumberbatch, Kevin Bacon, Joel Edgerton und Peter Sarsgaard auch einige der angesagtesten Charakterdarsteller der Gegenwart die Ehre geben. Doch sie können alle nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Black Mass“ in erster Linie eine Johnny Depp-Show ist.

Daran ist auch Scott Cooper nicht ganz unschuldig: Dem Filmemacher ist mit seiner dritten Regie-Arbeit ein packender und schonungsloser Mafia-Thriller gelungen, der geschickt den Aufstieg und Fall einer schillernden Figur zeigt. Schockierend ist dabei vorallem die Art und Weise, wie sich der von Depp eiskalt verkörperte Bulger seine Machtposition sichert: Mittels politischer Spielchen und der Unterstützung korrupter Beamter schaltet Bulger einen Kontrahenten nach dem anderen aus, bis er sich in eine Lage bringt, in der selbst das FBI Mühe bekundet, ihm das Handwerk zu legen. Diesen ikarischen Höhenflug von Bulger, der natürlich im krassen Fall des Protagonisten enden muss, inszeniert Cooper dann doch ein wenig zu repetitiv, ein Faktor der sich in der erdrückenden Laufzeit niederschlägt. Das Gangster-Biopic hätte durchaus eine halbe Stunde kürzer und dafür knackiger ausfallen dürfen. Johnny Depp liefert in „Black Mass“ eine denkwürdige Leistung ab und straft all jene, die ihn bereits abgeschrieben hatten. Ein trotz einiger Längen denkwürdiger Film.