Within

Within

20161 h 28 min
Kurzinhalt

Als John Alexander (Michael Vartan) seine neue Frau Melanie (Nadine Velazquez) erstmals über die Schwelle ihres gemeinsamen Zuhauses trägt, blicken die beiden in ihr perfektes Heim, das sie mit Johns Tochter Hannah (Erin Moriarty) freudig beziehen. Der Start ins neue Glück ist gelungen, aber wie die kleine Familie schnell lernt, hat jede Nachbarschaft dieses eine gruselige Haus – und Familie Alexander ist offenbar gerade eingezogen. Die Vorgänger verschwanden auf ungeklärte Art, im Haus verschwinden plötzlich Dinge oder wechseln mysteriös den Ort. Neue Schlösser werden eingebaut, doch so einfach lässt sich das Problem nicht lösen. Was, wenn das Böse bereits drin ist? Hannah gibt ihrem Vater zu verstehen, dass sie so schnell es geht wieder ausziehen will. Familie Alexander jedoch schwebt längst in Lebensgefahr…

Metadaten
Titel Within
Original Titel Within
Regisseur Phil Claydon
Laufzeit 1 h 28 min
Starttermin 18 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
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Trailer

Die Macher von „Final Destination 5“ und „Conjuring 2“ haben sich mit dem Autor von „Annabelle“ unter der Leitung von Regisseur Phil Claydon, der 2009 den Trash-Film „Lesbian Vampire Killers“ gedreht hat, zusammengetan und einen soliden Horrorfilm, der zwar nicht viel neues bringt aber spannungstechnisch, gerade zum Schluss hin, doch einigermassen unterhaltsam ist, auf die Beine gestellt. Leider entschlüsselt der Titel quasi das, worauf der Streifen abzielt. Dumm gelaufen.

Hat man die ersten Filmminuten gesehen und zieht den Filmtitel für Erklärungsversuche heran, wird schnell klar, wohin die Reise gehen wird. Weil „Within“ von einem grösseren Studio produziert wurde, kann es sich definitiv um keinen Anfängerfehler handeln. Da war wohl jemand einfach nur dumm und hat nicht mitgedacht. „Within“ oder „Crawlspace“, so wie der Film wohl anfangs heissen sollte und umbenannt wurde, weil die Auflösung dann zu offensichtlich gewesen wäre, ist leichte Thrillerunterhaltung mit ein paar unterwarteten Wendungen und dem obligatorischen Überraschungstwist. Letzterer ist im Horrorfilm mittlerweile so oft zu sehen, dass es fast schon überflüssig ist, ihn als raffiniertes Filmelement erwähnen zu müssen. Mit Spuk hat Gezeigtes wenig gemein. Die Bedrohung ist greifbar und die mysteriösen Ereignisse lassen sich rational erklären. So dürften geübte Zuschauer recht schnell erraten, worauf es hier hinauslaufen wird, obwohl lang suggeriert wird, dass „Within“ ein weiterer Spukstreifen ist. Das macht den Film vorhersehbar, weil der Regisseur mit allerhand Klischees und bekannten Schreckmomenten arbeitet, um auf falsche Fährten zu locken. Leider hat man viele der Schockmomente und Handlungsabläufe so ähnlich bereits in vielen anderen Filmen gesehen, weshalb die Irreführung nur sehr bedingt funktioniert. Hinzukommt, dass der Streifen dann doch so einige Zeit braucht, bis es wirklich mal interessant wird. Für Zwischendurch reicht das Gruseltheater, sonderlich hohe Erwartungen sollte man aber nicht haben.

A Quiet Place

A Quiet Place

20181 h 31 min
Kurzinhalt

Die Welt ist von rätselhaften, scheinbar unverwundbaren Kreaturen eingenommen worden, die durch jedes noch so kleine Geräusch angelockt werden und sich auf die Jagd begeben… Lediglich einer einzigen Familie gelang es bisher zu überleben. Der Preis hierfür ist jedoch hoch: Ihr gesamter Alltag ist darauf ausgerichtet, sich vollkommen lautlos zu verhalten, denn das kleinste Geräusch könnte ihr Ende bedeuten...

Metadaten
Titel A Quiet Place
Original Titel A Quiet Place
Regisseur John Krasinski
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 3 April 2018
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
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Trailer

„A Quiet Place“ ist der vermutlich ruhigste Horrorfilm seit der Stummfilmzeit. Nie war es so beängstigend, im Kino eine Stecknadel fallen zu hören, denn sobald die Stille gestört wird, wird die Familie in dem Film von etwas Bösem heimgesucht. Die einzige Chance zu überleben ist die absolute Stille. „A Quiet Place“ beschwört eine durchgehend an den Nerven zehrende Atmosphäre herauf.

Schon die simple, aber originelle Grundidee macht „A Quiet Place“ zu einer Besonderheit im oftmals lauten und überdrehten Horrorfilmgenre. Bis auf ein paar dahingeflüsterte Sätze fällt hier kein Wort. Stattdessen kommunizieren die Protagonisten in der Gebärdensprache, was der gehörlosen Regan, auch Darstellerin Millicent Simmonds ist taub, entgegenkommt. Bereits zu Anfang kreiert Krasinski in seiner dritten abendfüllenden Regiearbeit ein beklemmendes, von permanenter Gefahr durchdrungenes Endzeitklima, wobei er die Hintergründe der Apokalypse bewusst nicht näher erläutert. Durch ein geschicktes Spiel mit der Tonspur versetzt der Survival-Thriller den Zuschauer in einen permanenten Unruhezustand und schafft es, die Spannung konstant aufrechtzuerhalten. Ruhige Passagen wechseln sich mit hektischen Momenten ab, die häufig von Marco Beltramis bedrohlich pulsierender Musik begleitet werden. Anders als viele ähnlich gelagerte Werke lässt sich „A Quiet Place“ ausreichend Zeit, um seine Figuren mit all ihren Sorgen und Frustrationen vorzustellen und ihren bedrückenden Alltag samt ausgeklügelten Überlebensstrategien zu skizzieren. Eine Beziehung zu den Abbotts baut man auch deshalb auf, weil die Darsteller eine keineswegs genreübliche Intensität an den Tag legen. Dass Krasinski an einigen Stellen auf handelsübliche Schockeffekte zurückgreift und das Ende etwas zu pathetisch werden lässt, schadet seinem fesselnden Schocker nicht, der im Übrigen mit einem starken Monsterdesign punkten kann.

Der ganze Plot erinnert an Kult-Horrorregisseur M. Night Shyamalan, denn in „A Quiet Place“ kann man vor der Panik nicht davonlaufen, man kann nur versuchen, sich auf Zehenspitzen davonzustehlen. Gekonnt weiss Krasinski mit der grossen Stärke seines Filmes zu spielen – der Stille, die in die Gehörgänge der Zuschauer kriecht und dort die Nerven genüsslich anspannt. Bis auf ein Grundrauschen im Stile David Lynchs ist meist nichts zu vernehmen. Zugleich setzt „A Quiet Place“ immer wieder auf handelsübliche Schockeffekte des Horrorgenres, ohne sich in Blutorgien zu ergehen. Wenn im letzten Drittel in atemlosem Tempo ein dramatischer Höhepunkt auf den anderen folgt, wirken einige der Wendungen ein wenig überstürzt, wenn nicht gezwungen. Die Genre-Paukenschläge gehen ein wenig auf Kosten der Atmosphäre und auch die gut animierten Monster sind in ihrer ganzen Pracht vielleicht nicht mehr ganz so unheimlich wie zuvor, als ihre Gestalt noch weitgehend der Vorstellung des Betrachters überlassen war, aber das an diverse klassische Kreaturen aus der Genregeschichte erinnernde Design ist schlüssig und effektiv. Besondere Bedeutung hat bei den blinden Monstern übrigens sinnvollerweise das sehr originell gestaltete Ohr. Und damit schliesst sich dann wieder der Kreis zum übergreifenden Thema der Stille und des (Nicht-)Hörens.

„A Quiet Place“ ist auf seine ganz eigene Art auch ein Plädoyer dafür, seine Worte (und Geräusche) mit Bedacht zu wählen und zugleich genau hinzuhören. Eine funktionierende Kommunikation ist überlebensnotwendig. Obwohl die Handlung in „A Quiet Place“ nicht immer logisch ist und definitiv nichts für zartbesaitete Kinogänger, ist er aber doch ein stimmiger Thriller zum Nägelkauen. Krasinskis dritte Regiearbeit ist einer der Meilensteine der Filmgeschichte, endlich mal wieder eine komplett neue Idee, die im Gedächtnis bleiben wird. Das Horrordrama „A Quiet Place“ ist unglaublich spannend, wie lange kein Film mehr und fasziniert mit einer ebenso einfachen wie genialen Prämisse, die vor allem in der ersten Filmhälfte nicht nur sehr effektiv, sondern auch intelligent und berührend umgesetzt wird. „A Quiet Place“ etabliert sein Szenario mit einfachsten Mitteln sehr effektiv. Die Stille und Atmosphäre ist sehr gut eingefangen und kann in den ersten beiden Akten überzeugen und den Zuschauer in den Bann ziehen. Leider stören einige seltame Entscheidungen der Protagonisten im dritten Akt das Gesamtergebnis. Nichtsdestotrotz ist „A Quiet Place“ jedem zu empfehlen, der auf spannende Thriller steht, einen richtigen Horrorfilm sollte man nicht erwarten.

Amusement

Amusement

20081 h 21 min
Kurzinhalt

Eine nächtliche Autobahnfahrt mit ihrem Freund bringt die junge Shelby in eine mörderische Situation, als eine Frau vom vor ihnen fahrenden Truck auf ihr Auto springt. Doch die wahre Gefahr droht von ganz woanders... Tabitha soll bei ihren Cousins babysitten, doch in ihrem Schlafraum ist es nicht gerade angenehm, vor allem wegen einer lebensgroßen diabolischen Clownspuppe, die in einem Stuhl hockt.... Eine verschwundene Freundin macht Lisa große Sorgen, also sucht sie mit ihrem Freund die abgelegene Pension auf, in der ihre Freundin übernachtet haben soll. Aber der dort hausende Besitzer hütet ein mörderisches Geheimnis... ...und was sie alle drei nicht wissen, ist, daß der geisteskranke Mörder, der sich diese perfiden Pläne ausgedacht hat, mit ihnen allen in einen speziellen Verbindung steht...

Metadaten
Titel Amusement
Original Titel Amusement
Regisseur John Simpson
Laufzeit 1 h 21 min
Starttermin 9 Oktober 2008
Website
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
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Schauspieler
Mit: Keir O'Donnell, Tad Hilgenbrink, Katheryn Winnick, Laura Breckenridge, Jessica Lucas, Reid Scott, Rena Owen, Kevin Gage, Brennan Bailey, Preston Bailey, Fernanda Dorogi, Karley Scott Collins, Jadin Gould, Shauna Duggins, Eyad Kurd-Misto, Alisha Boe, Ashley Arnold
Trailer

Regisseur John Simpson (Freeze Frame) und sein Autor Jake Wade Wall klatschen in ihrem schrägen Horrorstreifen „Amusement“ munter alle in den Sinn kommenden Genrezitate zusammen, was in ein kleines Fiasko ausartet. Die Elemente des Werkes für sich allein betrachtet sind eigentlich sehr souverän in Szene gesetzt worden, schaffen es aber dann nicht, sich am Ende zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Es steckt unheimlich viel unheimliches Potential in „Amusement“, doch leider wurde das nicht richtig bzw nicht vollkommen ausgeschöpft.

Drehbuchschreiber Wall, der sich zuvor für die Vorlagen zu den überflüssigen Remakes „Unbekannter Anrufer“ (2006) und „The Hitcher“ (2007) verantwortlich zeichnete, hat mit seiner sehr eigenwilligen Verschmelzung altbekannter Gruselstoffe, wie zum Beispiel „Joy Ride“ (2001) oder eben Robert Harmons „Hitcher – Der Highway Killer“ (1986), Slasher-Klassikern wie „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978), Poltergeist (1982) oder diversen Spukhaus-Storys, vermutlich tatsächlich einen sehr vielversprechenden, innovativen Ansatz vor Augen gehabt, aber diesen letztlich doch nicht so zufriedenstellend und homogen wie geplant zu Papier bringen können. „Amusement“ zieht ein anfangs recht schnell in seinen Bann und hat eine hervorragende Optik. Leider hat der Film doch einige Hänger, vor allem in der Mitte, sonst wäre da wohl mehr drin gewesen.

„Amusement“, der seinem Titel in besagtem Finale eindeutig zu penetrant Rechnung trägt, hätte ein schicker Episoden-Grusler im Stil von „Geschichten aus der Gruft“ werden können, aber verbaut sich mit seinem arg zusammengeschusterten Rahmen-Konzept um drei ehemalige Schulfreundinnen, die nacheinander schrecklichen Ereignissen zum Opfer fallen, deren Ursache irgendwo in ihrer gemeinsamen Kindheit verwurzelt zu sein scheint, die Möglichkeit, seine Spannungselemente wirklich auszuspielen. Finstere Truckfahrer, lebensgrosse Clown-Puppen mit einem offensichtlichen Eigenleben, recht ungemütliche Schauplätze, mysteriöse Geräusche vom oberen Stockwerk sowie Regen, Blitz und Donner – das sind alles Zutaten, die den Genre-Fan bei vernünftiger Umsetzung durchaus in Entzückung versetzen. Und tatsächlich würde man dem Regisseur grosses Unrecht tun, wenn man behaupten würde, dass diese Elemente bei ihrem Einsatz ihre gewünschte Wirkung verfehlt hätten.

Ein Highlight ist „Amusement“ im Endeffekt keineswegs geworden, weiss aber durch die etwas andere Erzählweise und die Kombination von mehreren Episoden, durchaus zu unterhalten. Schade ist nur, dass der gesamte Film näher betrachtet wahnsinnig unlogisch ist und zahlreiche Ungereimtheiten beinhaltet. Eine äusserst brüchigen Story, deren lose Enden später in Form einer geradezu peinlichen Psycho-Zirkusnummer verknüpft werden, helfen auch die guten Ansätze und das ganze Arsenal an Zitaten aus mehr als vierzig Jahren Genre-Geschichte nicht aus, um dem Kuddelmuddel doch noch zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu verhelfen. Solide Darsteller, eine gekonnte Inszenierung, eine unheimliche Atmosphäre und Kurzweil entschädigen dafür allerdings und so ist „Amusement“ brauchbare Horrorunterhaltung für zwischendurch.

Hounds of Love

Hounds of Love

20161 h 48 min
Kurzinhalt

Teenagerin Vicki Maloney ist im suburbanen Perth im Jahr 1987 gerade dabei, sich von ihren Eltern abzunabeln. Zwar meinen es Vater Trevor und Mutter Maggie gut mit ihr, doch zurzeit sind die beiden Parteien einfach inkompatibel. Als Vicki sich eines Nachts davonschleicht, um eine Party zu besuchen, fällt sie jedoch dem Ehepaar White in die Hände. John und Evelyn White haben inzwischen eine perfide Routine entwickelt, wenn es darum geht, Menschen zu entführen, zu foltern und zu töten. Als ihr nächstes Opfer haben sie Vicki auserkoren. Die merkt jedoch bald, dass sie möglicherweise noch eine Chance hat, lebend aus der Situation zu entkommen - denn die Beziehung der Whites steht auf wackligen Beinen und Vicki glaubt zu erkennen, wo sie ansetzen muss, um einen Keil zwischen Emily und John zu treiben...

Metadaten
Titel Hounds of Love
Original Titel Hounds of Love
Regisseur Ben Young
Laufzeit 1 h 48 min
Starttermin 7 Oktober 2016
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

In seinem Spielfilmdebüt „Hounds of Love“ verlegt Regisseur Ben Young den australischen Horror aus dem Outback in die oberflächlich betrachtet ruhige Vorstadt. Young setzt bei seinem Werk auf ein realistisches Grauen, das ohne grosse Exzesse nur umso intensiver unter die Haut geht und noch lange nachwirkt. Die Geschichte über ein sadistisches Serienmörder-Paar, das im Perth der Achtziger Jahre junge Frauen entführt und in ihrem Haus quält und tötet, basiert laut dem Newcomer auf keinem spezifischen Vorfall, doch erinnert das erschütternde Geschehen deutlich an die sogenannten Moorhouse-Morde, die im etwa gleichen Zeitraum von David und Catherine Birnie begangen wurden.

Bei „Hounds of Love“ wird man sich mit einem Gefühlsspektrum zwischen ernsthafter Beklemmung und tiefer Wut – ähnlich wie die Protagonistin Vicki – vor der Leinwand gefesselt finden, ohne den Blick von dem erschütternden Szenario abwenden zu können. Ben Young inszeniert seinen Genre-Paukenschlag mit einer ähnlich ätzenden Spannung wie seinerzeit Tobe Hooper seinen Klassiker „Texas Chainsaw Massacre“. Der Ekel ist physisch spürbar, der Terror trifft in den Magen. Dabei entscheidet sich der Autor und Regisseur dafür, seinem Publikum die direkte Darstellung der Gewalt vorzuenthalten. Entweder zeigen die Aufnahmen einen anderen Ausschnitt der Szene oder die Kamera fährt während der Tat aus dem Raum und nur die Geräusche und verzweifelten Schreie sind zu vernehmen. Vor allem letztere sind an einer besonders eindringlichen Stelle kaum erträglich und man windet sich im Sessel, während Young einem buchstäblich die Tür vor der Nase zuschlägt. Das ist auch richtig so, denn mehr als die abgrundtief widerwärtigen Bilder sexuell motivierter Grausamkeit vor dem geistigen Auge sollte wirklich niemand in einem Film sehen.

Wer mal aus dem behüteten Leben einen Blick in menschliche Abgründe werfen will, um danach wieder befreit in die heile Welt zurückzukehren, sollte sich „Hounds of Love“ ansehen. Das starke Ende unterstreicht nicht zuletzt nachdrücklich, worum es hier im Kern geht: Unter all den Dämonen, Schlitzern und Kettensägen-Schwingern im Genre-Kino verleiht „Hounds of Love“ dem leider hochaktuellen Thema „Gewalt gegenüber Frauen“ eine überaus widerwärtige Fratze zum Hassen und Fürchten. Im Gegensatz zu stumpfen Vertretern der Rape-and-Revenge-Gattung geht Youngs Film mit der nötigen Zurückhaltung und Ernsthaftigkeit vor. In den Rollen des Killer-Paares verkörpern Emma Booth und Stephen Curry nicht etwa comichaft überzeichnete Antagonisten, sondern gefährliche Psychopathen mit wahrhaft scheusslichen Neigungen, die zu keinem Moment relativiert werden. Durch die Augen ihres von Ashleigh Cummings ergreifend gespielten Opfers durchlebt man ein unfassbares Martyrium, in dem das schwache Licht der Hoffnung mit jeder Minute zu schwinden scheint.

„Hounds of Love“ ist schockierend, ungemütlich und dennoch ergreifend und zeigt den erschütternden Weg in die Freiheit, doppelbödig und tiefgründig. Den suchen im Film zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während die eine das Opfer ist und versucht aus den Fängen eines Psychopathenpaars zu entkommen, entpuppt sich die andere als personifiziertes Böse und sucht ebenfalls einen Weg, um sich Fesseln entledigen zu können. „Hounds of Love“ braucht keine Hochglanzbilder und makellose Jungschauspieler. Der Streifen schockiert mit ungeschönter Bilderflut und depressiver Grundstimmung. Das lässt das Psychodrama authentisch wirken und erinnert daran, zu was Menschen fähig sein können, wenn sie geliebt werden wollen. Hinter „Hounds of Love“ steckt das Psychogramm einer emotional abhängigen Frau, das definitiv nicht kalt lässt. Kein einfach verdaulicher Stoff, sondern harter Tobak mit Tiefgang, Hintergrund und Anspruch. Letzterer hat sich seit einiger Zeit im Genrefilm sehr rar gemacht. Gut, dass er wieder da ist. Der tut nämlich dringend Not. Für „Hounds of Love“ braucht man ein extrem starkes Nervenkorsett, denn das Grauen aus der Nachbarschaft beschäftigt einen wesentlich nachhaltiger als Freddy, Jason und Co.

Stephanie – Das Böse in ihr

Stephanie

20171 h 29 min
Kurzinhalt

Allein wird Stephanie von ihren Eltern in dem abgelegenen Eigenheim zurückgelassen. Sie überlebt nur, indem sie Erdnussbutter isst und mit ihrer Schildkröte redet, während eine düstere, übersinnliche Macht sich im Haus bemerkbar macht. Als Stephanies Eltern endlich zurückkehren, entfesselt das Wesen seinen Zorn.

Metadaten
Titel Stephanie
Original Titel Stephanie
Regisseur Akiva Goldsman
Laufzeit 1 h 29 min
Starttermin 27 April 2017
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Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
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Mit „Stephanie – Das Böse in ihr“ startet Akiva Goldsman einen zweiten Versuch als Spielfilmregisseur. Der Horrorthriller bietet ein paar originelle Ideen und überzeugt durch eine unheilvolle Atmosphäre, doch der Plot weist einige Hänger auf.

Akiva Goldsman ist erfolgreicher Produzent und oscargekrönter Drehbuchautor (für Ron Howards „A Beautiful Mind“). Nachdem er mehrere Folgen der von ihm geschrieben Krimi-Serie „Fringe – Grenzfälle des FBI“ inszenierte hatte, übernahm er bei „Winter’s Tale“ erstmals auch die Regie bei einem Kinofilm, hatte aber damit wenig Erfolg. Das schwerfällige Historiendrama fiel sowohl bei der Kritik als auch an der Kinokasse durch und spielte weltweit nur die Hälfte seiner Produktionskosten in Höhe von 60 Millionen US-Dollar wieder ein. Der Horrorthriller „Stephanie – Das Böse in ihr“ ist nun der zweite Versuch Goldsman als Spielfilmregisseur. „Stephanie – Das Böse in ihr“ zeichnet sich über weite Teile durch eine latent unheilvolle Atmosphäre aus, zumal das Böse ohne Gestalt bleibt und sich lediglich durch Geräusche ankündigt. Ein weiterer Pluspunkt ist Hauptdarstellerin Shree Crooks, die nicht nur glaubhaft, sondern auch recht facettenreich ihr Können unter Beweis stellt und somit die erste halbe Stunde scheinbar mühelos allein stemmt. Nachdem jedoch das Kerngeheimnis gelüftet ist, gestaltet sich die Angelegenheit teilweise ein wenig lahm, wogegen zum Finale ein paar kleine Schauwerte aufgefahren werden und die letzten Bilder schon beinahe apokalyptisch anmuten.

Das erste Drittel überrascht durch seine extreme Reduziertheit – und Regisseur Akiva Goldsman zieht dabei unerbittlich die Spannungsschraube an. Goldsman erzeugt in dieser Frühphase des Films subtil eine unheilvoll-suggestive Gruselatmosphäre. Wenn dann bei der Attacke in Stephanies Kinderzimmer nur ein Rasseln und Grollen zu hören ist, die bösartigen Angreifer aber im Verborgenen bleiben und nicht zu sehen sind, macht er aus der Not eines knapp bemessenen Budgets von weniger als zehn Millionen Dollar eine Tugend. Leider häufen sich in „Stephanie – Das Böse in ihr“ im zweiten Drittel mit der Rückkehr der Eltern langatmige Momente. Die apokalyptische Welt ausserhalb bleibt mit Ausnahme einiger Fernsehberichte weiterhin ausgeblendet und der Film wandelt sich zunehmend zu einem unterkühlten Familiendrama mit wohl dosierten Schockeffekten. Einige Dialoge um die Gewissenskonflikte der Eltern, die sich verzweifelt fragen, wie sie mit ihrer unberechenbaren und bedrohlichen Tochter umgehen sollen, geraten etwas zäh statt aufwühlend, aber bevor der Leerlauf in Langeweile umschlägt, sorgt Goldsman mit deutlichen Anspielungen auf andere Horrorfilme mit mörderischen Kindern wieder für Abwechslung.

In einer Albtraumsequenz dreht Stephanies Vater à la „Der Exorzist“ seinen Kopf um 180 Grad nach hinten und im effektgeladenen Finale hinterlässt Stephanie eine Schneise der Verwüstung wie einst Drew Barrymore in „Der Feuerteufel“, zu dem Goldsman bereits im April 2017 ein Remake angekündigt hat. Das sind äussere Höhepunkte in einem Film, dem nach dem starken Anfang etwas die innere Spannung fehlt, was auch an den uneinheitlichen Schauspielleistungen liegt. „Fringe“-Star Anna Torv bleibt als besorgte Mutter ähnlich eindimensional wie Frank Grillo (The Purge: Election Year) als aufopferungsvoller Vater. Anders Stephanie-Darstellerin Shree Crooks (Captain Fantastic), die zum Zeitpunkt des Drehs gerade einmal elf Jahre alt war: Sie stiehlt den erwachsenen Darstellern die Schau und hinterlässt einen äusserst starken Eindruck. Mit ihrer Mischung aus Altklugheit, Boshaftigkeit und kindlicher Verletzlichkeit wird Stephanie zu einer komplexen Figur voller faszinierender Facetten. Nur schade, dass sie ihre dämonische Seite nicht häufiger zur Schau stellen darf und sich die Filmemacher stattdessen weitgehend vergeblich um moralische Tiefgründigkeit bemühen.

„Stephanie – Das Böse in ihr“ ist ein atmosphärisch dichter Horrorthriller mit einer beeindruckenden jungen Hauptdarstellerin, wird seinen erzählerischen Ambitionen allerdings nur zum Teil gerecht. Die Ansätze sind passabel und erzeugen phasenweise eine dichte Atmosphäre und einige Spannungsmomente, was primär auf die erste Hälfte zutrifft. Nachdem die Katze aus dem Sack ist, mangelt es ein wenig an kreativen Einfällen, die Pointe kommt indes angemessen garstig rüber. Wer den gängigen Produktionen von Blumhouse etwas abgewinnen kann, sollte einen Blick wagen.

Wrecker – Death Truck

Wrecker

20151 h 23 min
Kurzinhalt

Zwei beste Freundinnen machen sich auf einen Roadtrip durch die Wüste. Doch als sie sich entschließen, die Autobahn zu verlassen, um eine Abkürzung zu nehmen, haben sie bald einen Psychopathen in einem Truck hinter sich. Und der macht sich einen Spaß daraus, ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel zu starten

Metadaten
Titel Wrecker
Original Titel Wrecker
Regisseur Michael Bafaro
Laufzeit 1 h 23 min
Starttermin 6 November 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
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Trailer

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Ein bisschen „Duell“ von Steven Spielberg, ein bisschen „Jeepers Creepers“, in „Wrecker – Death Truck“ legen sich zwei naive Schönheiten mit einem mordlüsternen Truckfahrer an, der die beiden quer durchs Nirgendwo hetzt. Der Film kommt nicht annähernd an die Vorbilder heran, vermag aber dennoch zu unterhalten.

Die Geschichte beschränkt sich darauf, dass sich die düsenden Damen und der Truck wahlweise gegenseitig überholen und ständig ziemlich dicht aufeinander auffahren. Mit fiesen Psychotricks versucht der Trucker die Girls in den Tod zu treiben. Die beiden Hauptdarstellerinnen kreischen sich mehr schlecht als recht durch ein Drehbuch, das von jemanden zu Papier gebracht wurde, der nicht sonderlich erfahren im Schreiben von Horrorgeschichten ist. Nur so lässt sich erklären, weshalb in diesem Strassenduell Dinge passieren, die sich mit logischem Menschenverstand nicht erklären lassen. „Duell“ bringt es auf den Punkt, denn die Drehbuchschreiber Evan Tylor (fungierte ebenso als Produzent) und Michael Bafaro (gleichzeitig Regisseur) haben mit ihrem Horror-Thriller eine Light-Version des Kult-Streifens von Steven Spielberg auf Zelluloid gebannt, dem all jene Zutaten fehlen, die einst Spielbergs Highway-Hatz zum Erfolg verholfen haben.

Statt mit schwindelerregenden Überholmanövern und elektrisierender Hochspannung zu unterhalten, quält der Streifen mit unerbittlicher Langeweile, hysterischem Hühnergeschrei und sinnbefreiten Handlungsverläufen. Dazwischen langweilt der Film mit ewig langen Aufnahmen der Landstrasse, des Tachos und des roten Mustangs, den die Frauen fahren. Die beiden Hauptpersonen sind hochgradig unsympathisch, heulen hysterisch herum, machen dumme Sachen, reissen verschreckt im Scheinwerferlicht die Augen auf und murmeln „Oh mein Gott“. Dabei passiert aber die ganze Zeit gar nichts. Den ersten halbwegs coolen Schockeffekt gibt es nach sage und schreibe 56 Minuten. Ausserdem ist „Wrecker“ derart schlampig gefilmt, dass sich der Auspuff biegt. War eben noch der Berg links von der Strasse und rechts das Tal – ist es plötzlich alles umgekehrt. Aber egal, merkt ja keiner. Verändert sich in jeder Einstellung deutlich sichtbar die Geschwindigkeit der Autos? Sind wir gerade zum siebten Mal an derselben Raststätte vorbeigefahren? Ändert sich ständig die Farbsprache des Filmes? Auch Wurst, Hauptsache der Mustang sieht toll aus und brummt schön laut. Und noch mal den Fuss auf dem Gaspedal reingeschnitten und die Tachonadel flippt aus. Hurra!

In dem Asphalt-Filmchen „Wrecker“ geht alles drunter und drüber. Flache Charaktere, miese Dialoge, dumme Handlungsverläufe und kaum Spannung. Das ist nicht gerade das, was man von einem Film erwartet, in dem Protagonisten bei mindestens 100 Kilometer pro Stunde über schmale Strassen gejagt. „Wrecker“ ist die wohl bedeutungsloseste und überraschungsärmste Highway-Hatz, die man bisher zu sehen bekommen hat, obwohl Filme wie „Duell“ und „Joyride“ gezeigt haben, wie man es richtig macht. „Wrecker“ kopiert fleissig, aber nicht sonderlich klug. Da genügt es letztendlich auch nicht mit deftigen (und zugegeben unerwarteten) Schocks Helfer in den Filmhimmel zu treiben, um vom desaströsen Flickwerk ablenken zu können. „Wrecker“ ist ein enttäuschendes Katz- und Mausspiel über staubige Strassen, das so übel inszeniert wurde, dass eine unfreiwillige Komik nicht von der Hand zu weisen ist.

Wolves at the Door

Wolves at the Door

20161 h 13 min
Kurzinhalt

Wolves at the Door spielt im Jahr 1969 in den Hollywood Hills. Hier haben sich die vier Freunde Sharon, Abigail, Wojciech und Jay in einem eleganten Haus zusammengefunden, um eine kleine Abschiedsfeier zu geben. Der "Sommer der Liebe" nimmt für die Feiernden allerdings bedrohliche Ausmaße an, als ein paar Fremde in das Haus einfallen. Die Eindringlinge scheinen nur gekommen zu sein, um ihre Opfer zu quälen, und haben tödliche Absichten, weshalb in dieser Nacht ein blutiger Überlebenskampf entbrennt.

Metadaten
Titel Wolves at the Door
Original Titel Wolves at the Door
Regisseur John R. Leonetti
Laufzeit 1 h 13 min
Starttermin 21 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
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Trailer

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Der „Sommer der Liebe“ von 1969 entwickelt sich für eine Gruppe junger Leute zum Albtraum. Der sektenähnlich organisierte Clan von Charles Manson tötet die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate und ihre drei Gäste sowie einen weiteren Mann auf brutale Weise. Regisseur John R. Leonetti (Annabelle, Butterfly Effect 2) lehnt seinen neuesten Horrorstreich „Wolves At The Door“ lose an dieses berühmte Verbrechen an. Herausgekommen ist ein schaler Horrothriller, bei dem sich die Macher zu sehr auf einen vermeintlichen „Based on a true story“-Bonus verlassen und keine rechte Spannung aufkommt.

Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen gehen immer. Abermals ist Hollywood dreist und versucht mit einem der grausamsten Kapitel in der amerikanischen Geschichte Geld zu machen. Der Mythos um Charles Manson ist bis heute ungebrochen. Seit 48 Jahren sitzt der ehemalige Sektenführer, der seinen Anhängern in Anlehnung an den gleichnamigen Beatles-Song vom „Helter Skelter“ (gemeint ist die Apokalypse) predigte, hinter Gittern. Als diabolische Ikone ist Manson zu einem festen Teil der Popkultur avanciert, wovon nicht nur der Künstlername eines berühmten Musikers zeugt. Genau an diesem Punkt setzt John R. Leonetti den erzählerischen Hebel an und nimmt sich mit den Tate-Morden einen schlagzeilenträchtigen „Höhepunkt“ aus der Akte der Manson Family vor, die in der Woche nach jenem Blutbad in Roman Polanskis Haus von der Polizei geschnappt wurde. Regisseur John R. Leonetti meint es gut und überfrachtet seinen Überlebenstrip mit Schockmomenten und Horror-Elementen. Leider will nur selten Spannung aufkommen, weil frische Ideen fehlen und die wenigen Einfälle aus besseren Horrorfilmen geklaut wurden.

Die kulturelle und politische Dimension des Stoffes scheint den Regisseur allerdings herzlich wenig zu interessieren, er spult in sportlichen 73 Minuten lediglich ein einfallsloses Home-Invasion-Szenario herunter und scheint sich auf den Mythos der historischen Grausamkeit verlassen zu wollen. Mit Texteinblendungen zu Beginn und Originalaufnahmen von Manson und seinen Schergen am Ende setzt er die Handlung in einen geschichtlichen Kontext, aber auch diese Klammer gibt dem belanglosen und austauschbaren Treiben im Hauptteil keine tiefere Bedeutung. Der besteht aus bedeutungsschwangeren Szenen, bevölkert von schablonenhaften Figuren und viel Luft um nichts. Immer wieder vertut Leonetti die Zeit mit Effekthascherei und willkürlichem Bangemachen, eine erzählerische Logik ist dabei kaum zu erkennen und besonders wirkungsvoll fallen die meisten dieser Szenen auch nicht aus, ganz im Gegenteil: Wenn die vier Ozzy-Osbourne-Verschnitte im und um das Haus herumschlurfen, vermeintlich angsteinflössend an Fenster klopfen oder Küchengeräte einschalten, hat das mit glaubhaftem Erzählen nicht mehr viel zu tun – ganz unabhängig von den historischen Fakten. Wo es um Hörigkeit, Gruppendynamik und niederschmetternde Grausamkeit gehen könnte und sollte, lugt hier höchstens einmal unfreiwillige Komik hervor. Selbst von einer soliden Horror-Routine, die man von einem Genrespezialisten wie Leonetti, der zum Beispiel auch für die Kamera bei James Wans „Conjuring“ verantwortlich war, durchaus erwarten kann, sind wir meilenweit entfernt.

Generell hat „Wolves at the Door“ ein grosses Problem und das nennt sich „The Strangers“. Der Überlebensthriller aus dem Jahr 2008 schien hier als Vorbild gedient zu haben. Schaut man nämlich genauer hin und lässt den wahren Hintergrund ausser Acht, könnte „Wolves at the Door“ auch als weitere Fortsetzung genannten Terrorstreifens durchgehen. Die Abläufe gleichen sich und auch die Identität der Bösewichte bleibt weitestgehend unerforscht. Nur Texttafeln am Ende des Films klären historische Zusammenhänge auf. Nach „Annabelle“ und „The Butterfly Effect 2“ hat Regisseur Leonetti abermals kein Glück bei der Wahl des Filmstoffs. Was er bisher fabriziert hat, konnte Kritiker und Horrorfans nicht überzeugen. Vielleicht wäre es zur Abwechslung demnach förderlich endlich mal Regie bei einem Film zu übernehmen, der sich weder Spin-Off, Fortsetzung oder Plagiat schimpft. „Wolves at the Door“ ist trotz wahrem Background eine Enttäuschung. Die Figuren stammen vom Reissbrett und der Fortgang der Geschichte ist überraschungsarm. Erstaunlicherweise blendet man weg, wenn es zur Sache geht. Das dürfte selbst ungeübte Zuschauer enttäuschen, die von einem Horrorfilm über die Manson-Morde zumindest etwas Blut erwartet haben. Übrig bleibt Geschrei, Gewinsel und die Flucht. Letztere wirkt wegen eigenartiger Entscheidung der Protagonisten schon leicht komisch.

Trotz Home-Invasion-Horror ist „Wolves at the Door“ hinsichtlich der Gewalt sehr zurückhaltend. Die meisten Taten passieren im Off oder werden nur angedeutet. Weil der spektakuläre Mordfall knapp 50 Jahre später immer noch für Gesprächsstoff sorgt, mussten die Geschehnisse noch einmal glattpoliert fürs Kino aufbereitet werden damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Dabei entstanden ist effekthascherischer Unfug, der sich einen Deut um Wahrheitsgehalt schert und nicht grundlos an Kinokassen scheiterte. Statt Ereignisse historisch korrekt aufzuarbeiten, hat man aus den schrecklichen Taten einen Horrorfilm für die jüngere Zielgruppe gemacht, der oberflächlich abhakt, was man in jedem Horror-Slasher neueren Datums zu sehen bekommt. Das dürfte selbst Sektenguru Charles Manson bitter aufgestossen haben. Die Geschichte über die Morde der Manson-Familie hätte eigentlich Potenzial, aber der Film nutzt dieses überhaupt nicht und ist nur ein belangloser Home-Invasion-Thriller mit kaum Spannung, zu vielen Klischees und ohne Schauwerte. Mit einer Laufzeit von knapp 70 Minuten ist der Film eindeutig zu kurz und somit bleibt auch keine Zeit, die Täter oder die Opfer näher zu beleuchten. Ohne Charaktertiefe kann man einfach kein Mitgefühl für die Opfer entwickeln und auch die Killer sind nur irgendwelche gesichtslose Typen. Von John R. Leonetti kann man scheinbar nur uninspirierte Horrorsüppchen erwarten.

It Comes at Night

It Comes at Night

20171 h 31 min
Kurzinhalt

Die Welt des Familienoberhaupts Paul (Joel Edgerton), seiner schüchternen Frau Sarah (Carmen Ejogo) und des Teenager-Sohns Travis (Kelvin Harrison Jr.) wird regelmäßig von einer bösartigen, pestähnlichen Bedrohung heimgesucht. Um Schutz vor den lebensgefährlichen Umständen zu finden, ziehen sie sich in ein abgelegenes Haus im Wald zurück. Doch die Ruhe wird gestört, als eines Tages der fremde Will (Christopher Abbott) versucht, die Vordertür des Hauses aufzubrechen. Will überzeugt die Familie davon, ihm bei der Suche nach seiner Frau Kim (Riley Keough) und seinem Sohn Andrew (Griffin Robert Faulkner) zu helfen und die beiden mit in den wohlbehüteten Schutzort zu bringen. Bald bricht jedoch Paranoia zwischen den neuen und alten Bewohnern aus.

Metadaten
Titel It Comes at Night
Original Titel It Comes at Night
Regisseur Trey Edward Shults
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 9 Juni 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Schauspieler
Mit: Joel Edgerton, Christopher Abbott, Carmen Ejogo, Kelvin Harrison Jr., Riley Keough, Griffin Robert Faulkner
Trailer

Der düstere Endzeit-Horror-Thriller „It Comes at Night“ erzählt von einer Welt, die den Kampf um die Menschenwürde schon verloren hat. Normalerweise spielt ein Horrorfilm mit unseren Ängsten und am Ende werden wir erlöst. Nicht so „It comes at night“, statt Katharsis gibt es nur Hoffnungslosigkeit. Ein postapokalyptischer Alptraum um eine Familie, die sich in einer abgelegenen Hütte vor dem Ende der Welt versteckt. Doch das Grauen ist längst unter ihnen.

It Comes at Night“ geht ganz bildhaft in eine Dunkelheit, die selten so konsequent nihilistisch ausgestaltet wurde. Die zweite Arbeit des 28-jährigen amerikanischen Nachwuchsregisseurs Trey Edward Shults sorgt auch unter nervengestählten Horrorfilmfans für Kontroversen. In „It Comes At Night“ geht es nicht, wie der Titel vermuten lässtt, um Monster, die nachts erwachen. Der Film zeigt, was Menschen einander antun, wenn die äusseren Umstände schwierig werden. Zu seiner unablässigen Intensität trägt bei, dass diese Umstände nie klar benannt werden. Irgendeine Epidemie sucht die Menschheit heim, eine unheilbare Krankheit, von der eine extreme Ansteckungsgefahr ausgeht. Dass die Zivilisation grösstenteils schon zusammengebrochen ist, lässt sich nur erahnen, weil es kein Fernsehen oder Radio, kein Internet und keinen Strom gibt. Auch Lebensmittel und Wasser sind rationiert. Die tief im Menschen verankerte Angst vor der Dunkelheit ist es, die weite Teile von „It Comes At Night“ so beunruhigend macht. Die physische Dunkelheit der äusseren Welt ebenso wie die verborgenen Schatten in den Seelen der nächsten Angehörigen.

Regisseur Trey Edward Shults baut meisterhaft aus einfachsten filmischen Mitteln eine fast fühlbare Atmosphäre von Terror und Trauer. Lange Kamerafahrten verlangsamen und verdichten das Geschehen, minutiös gesetzte Soundeffekte fahren genauso in die Glieder wie plötzliche Stille. „It Comes At Night“ legt menschliche Urängste frei, ohne sich im Geringsten für eine Katharsis zu interessieren. Im Gegenteil. Das letzte Drittel lässt keine noch so kleine Hoffnung auf Rettung. Shults hat über seinen Film gesagt, er habe ihn konzipiert, kurz nachdem sein Vater gestorben war und ihm auf dem Totenbett all seine Fehler, sein Bedauern und seine Reue gestanden hatte. Die übergrossen Gefühle, die Shults danach umtrieben, seien in das Drehbuch geflossen. Joel Edgerton (Loving) brilliert in dem Psychothriller als ehemaliger Geschichtslehrer, der alles tun würde, um seine Familie zu beschützen. In „It Comes at Night“ sehen wir die wuchernde Paranoia nicht nur wie bei Jack Torrance in „Shining“ von aussen, sondern werden selbst von ihr befallen. Das konsequent gegen die Erwartungen gebürstete Finale setzt dann allerdings wieder genau den passenden Schlusspunkt für eine Erzählung, bei der der Horror genau wie die um sich greifende Seuche aus dem Inneren kommt und sich dann unaufhaltsam nach aussen Bahn bricht.

Für seine Low-Key-Version des Endzeit-Thrillers braucht Shults keine Spezialeffekte und keine hyperaktive Action, sondern nur die einfache Erkenntnis, dass die Hölle immer die anderen sind sowie ein paar unaufgeregte Minimalisten als Schauspieler. Das Klima allgegenwärtiger Bedrohung schürt er knappe neunzig Minuten lang. Die Kamera hetzt die Menschen durch lange, enge Gänge und düstere Wälder. Unheimlich dumpfe Rhythmen suggerieren eine Macht, die sie vor sich hertreibt. Im schummrigen Licht bleiben die wahren Motive und Absichten immer verborgen. Das Erschütternde ist nicht ein greifbares Monster, sondern die Erkenntnis, dass jeder Moment des Vertrauens das eigene Schicksal besiegeln kann. Grausam, kompromisslos und spannend taucht der Survival-Thriller von Trey Edward Shults in die Psyche seiner Charaktere ab. Das traditionelle Genrepublikum sei daher gewarnt und ermuntert zugleich: Diese Geschichte enttäuscht Erwartungen. Und dann erfüllt sie diese wieder. Auf grausame Weise…

It Stains the Sands Red

It Stains the Sands Red

20161 h 32 min
Kurzinhalt

Las Vegas wird von Zombies überrannt. Partygirl Molly und ihr Freund Nick verlassen die Stadt der Sünde und machen sich auf den Weg durch die Wüste Nevadas. Mitten im Nirgendwo bleiben sie mit dem Wagen stecken, während die Sonne auf sie herabknallt. Und dann stolpert in der Ferne ein Untoter heran. Molly versteckt sich im Auto, doch als der Zombie Nick beißt, nimmt sie entsetzt Reißaus. Währenddessen fällt das Monster über die Innereien ihres toten Freundes her, doch das Mahl reicht ihm nicht und er stellt der Entkommenen nach. Mit ihren hochhackigen Schuhen flieht die erschöpfte Molly quer durch die sengend heiße Wüste, um sich zur Zivilisation durchzuschlagen… dabei ist der Zombie-Verehrer im Schlepptau nicht einmal ihr größtes Problem in dieser postapokalyptischen Welt.

Metadaten
Titel It Stains the Sands Red
Original Titel It Stains the Sands Red
Regisseur Colin Minihan
Laufzeit 1 h 32 min
Starttermin 8 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Trailer

Die Story von „It Stains the Sands Red“ dreht sich um eine Stripperin, die in der Wüste von Las Vegas von einem Zombie verfolgt wird und schnell lernt, wie sie dem Untoten aus dem Weg gehen kann. Sie wird ihn aber nicht los und muss schliesslich mit allen Mitteln um ihr Überleben kämpfen. Alles mit Molly und ihrem Zombie ist toll, alles drum herum leider weniger…

In den eröffnenden Luftaufnahmen von Las Vegas ist ein abgestürztes Flugzeug im berühmten Fontänen-Brunnen vor dem Bellagio Hotel zu sehen, aber das ist dann auch schon alles, was man von der offenbar kürzlich ausgebrochenen Zombie-Apokalypse mitbekommt. Denn schon in der nächsten Szene gleiten Molly (Brittany Allen) und ihr Macho-Macker Nick (Merwin Mondesir) in seinem Sportwagen durch die einsame Wüste. Nach einem noch recht geradlinigen Beginn entwickelt „It Stains The Sands Red“ seine Qualitäten vor allem im zweiten Drittel, das sich auch ganz treffend als „Swiss Army Man“ mit Zombie statt Leiche umschreiben liesse. Nachdem Molly von ihrem ungebetenen Begleiter zunächst noch angemessen angenervt ist, stellt sie nach und nach fest, dass so ein Verfolger (sie nennt ihn „Smalls“ als Abkürzung für „Small Penis“) auch seine Vorteile haben kann. So fungiert er zum einen als ihr persönlicher Kummerkasten und permanenter Motivationscoach, weil er sie konsequent zum Weitermarschieren anhält. Zusätzlich eignet er sich aber auch ganz hervorragend als Lastenträger, nachdem Molly ihm einen Autoreifen mit angebundenem Schlauchboot um den Hals gelegt hat. Dass sich Molly schliesslich nicht nur mit der Situation arrangiert, sondern tatsächlich freundschaftliche Gefühle für den Zombie entwickelt und sich um sein „Überleben“ sorgt, kommt dann zwar etwas plötzlich und ist auch nicht wirklich glaubhaft, aber das ist gar nicht schlimm – Molly und Smalls sind ein sehenswertes Team.

Weil Smalls als Zombie naturgemäss nur Grunzlaute von sich gibt, gestaltet sich der grösste Teil von „It Stains The Sands Red“ als Monologshow, die Brittany Allen (Saw: Legacy) in ihren Leopardenmuster-Leggins mit staubtrockenem Pragmatismus, etwa wenn sie ihren menstruationsblutgetränkten Tampon zum Stöckchenspielen einsetzt, ganz hervorragend meistert. Die ehemalige Seitenoperndarstellerin (222 Folgen von „All My Children“) hätte locker die nötige Ausstrahlung besessen, um ein solches Wüstenkammerspiel im Alleingang über die Zeit zu bringen. Aber Regisseur und Co-Autor Colin Minihan bürdet ihr dazu nicht nur einen unnötigen und arg klischeehaften Erlösungsplot auf, sondern der Film geht auch noch ewig lange weiter, nachdem sich Smalls schon aus der Story verabschiedet hat – und das ist dann wirklich nur noch „The Walking Dead“ mit wenig Budget und den gleich schlechten Ideen. Statt sich konsequent auf sein zentrales Duo und dessen Hitzemarsch zu beschränken, erweitert Minihan seine Story im letzten Drittel noch unnötig – und offenbart so, dass er selbst gar nicht verstanden hat, wo genau die Qualitäten seines Films eigentlich liegen. Alles mit Molly und ihrem Zombie ist toll, alles drum herum weniger – da wäre weniger mal wieder mehr gewesen.

I Remember You

I Remember You

20171 h 46 min
Kurzinhalt

Der Isländer Garðar (Thor Kristjansson) kommt eigentlich aus der Stadt, doch auf einer abgelegenen Insel mitten im Nirgendwo hat er ein altes Haus erstanden, das er jetzt auf Vordermann bringen will. Seine Frau Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) und ihre gemeinsame Freundin Líf (Ágústa Eva Erlendsdóttir) wollen ihm dabei helfen und zunächst sieht es danach aus, als würde alles nach Plan verlaufen. Doch je länger sie an diesem unwirtlichen Ort verweilen, desto mehr häufen sich unheimliche Vorkommnisse, die sie sich nicht erklären können und die allesamt mit Kindern zu tun haben. Langsam wird klar, dass der Ort ein finsteres Geheimnis verbirgt. Und das irgendwie mit dem Psychologen Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) verbunden zu sein scheint, dessen Sohn vor Jahren verschwunden ist und von dem seitdem jede Spur fehlt...

Metadaten
Titel I Remember You
Original Titel Ég Man Þig
Laufzeit 1 h 46 min
Starttermin 5 Mai 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
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Trailer

Das isländische Kino hat schon mehrfach bewiesen, dass sein Land ein wunderbares Setting für düstere Filme abgibt. Mit „I Remember You“ will uns Óskar Thór Axelsson das Fürchten lehren. Der auf dem Roman von Yrsa Sigurðardóttir basierende Streifen wirft jegliche Rationalität über Bord und nutzt gekonnt die Kulisse der isländischen Abgeschiedenheit, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Freunde von Geistergeschichten finden in „I Remember You“ durchaus ansehnlichen Stoff.

„I Remember You“ beansprucht gleich zu Beginn die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. Der Film gibt sehr schön die Isländische Grundstimmung wieder, auch oder gerade weil diese etwas depressiv daherkommt. Die verschachtelte Geschichte isz gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn „I Remember You“ ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur Óskar Thór Axelsson besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht „I Remember You“ auch auf emotionaler Ebene glaubhaft, was vor allem Schauspieler Jóhannes Haukur Jóhannesson zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.

Der langsam und bedacht inszenierte Film beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reisserischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. „I Remember You“ besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!

Breakdown Lane

Breakdown Lane

20171 h 16 min
Kurzinhalt

Kirby Lane (Whitney Moore) fährt mit ihrem SUV durch die Wüste, als das Auto mitten in der Einöde eine Panne hat. Hilfe ist weit und breit nicht in Sicht und so muss die junge Frau bald feststellen, dass sie sich in einer misslichen Lage befindet, denn die Hitze brennt, sie hat kaum Wasser und droht zu dehydrieren. Dazu gibt es in der Gegend noch zahlreiche Kojoten, die sich als gefährlich erweisen. Doch der wahre Albtraum beginnt erst noch: Scheinbar auf sie zukommende Menschen erweisen sich schnell als Untote. Und plötzlich tauchen überall Zombies auf. Kirby Lane muss über sich hinauswachsen, wenn sie überleben will und alles, was sie in ihrem Auto findet, als Waffe nutzen...

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Titel Breakdown Lane
Original Titel Breakdown Lane
Regisseur Bob Schultz, Robert Conway
Laufzeit 1 h 16 min
Starttermin 5 Januar 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
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Trailer

„Breakdown Lane“ ist C-Movie Trash, der sich selbst leider etwas zu Ernst nimmt. Überzeugt der Trailer des Filmes noch mit der langen Produktionsgeschichte und Unmengen an Zombies, ordentlichem Gore und sogar einigen wenigen atmosphärischen Höhepunkten, bleibt in der Endproduktion, welche durch Nach & Neu-Drehs völlig ruiniert wurde, nicht mehr davon übrig als Zombies und die Hübsche aus „Birdemic“! Da hilft es auch nicht, dass die Dunkelgother von Crematory den Soundtrack dazu beigesteuert haben.

„Breakdown Lane“ ist weder spannend, noch mitreissend, ebenso nicht wirklich brutal und leider in allen Belangen austauschbar und billig, stümperhaft produziert und vermag dadurch alles andere als zu überzeugen! Alles wirkt Zusammenhanglos und der qualitative Unterschied beider Versionen, welche hier zusammen geschnitten wurden, ist gänzlich unerträglich und dreist und daraus ergeben sich jede Menge Logik-Löcher. Dabei wäre Kirby eine sehr starke und interessante weibliche Hauptfigur, doch leider macht man nicht all zuviel daraus. Dennoch ziehe ich meinen Hut vor der Hauptrolle, den Withney Moore trägt den Film praktisch allein und dass macht sie sehr gut.

Die meisten Effekte sind allzu simples CGI, dabei hätten praktische Effekte dem Film mehr als nur gut getan. „Breakdown Lane“ im ganzen fühlt sich an wie eine verlorene Folge von „The Walking Dead“ – mit etwas mehr Humor. Ein Meisterwerk ist „Breakdown Lane“ sicher nicht, aber im Vergleich zu den meisten Zombie-Schlock-Filmen der letzten Jahre hätten wir hier einen ungeschliffenen Rohdiamant, Potenzial wäre vorhanden. Leider sind die besten Szenen aus dem ersten Trailer im fertigen Film nicht mehr zu finden und wurden teils durch schrecklich deplatzierte Comic-Schnipsel-Collagen ersetzt! „Breakdown Lane“ hat vieles falsch gemacht und bewährte Film-Rezepte und Regeln gebrochen. So ist das Eigentor leider nicht mehr zu verhindern. „Breakdown Lane“ kann man höchstens Zombiefans und Metalfreaks mit viel Bier, Freunden und eventuell ner Pizza empfehlen.

Bubba the Redneck Werewolf

Bubba the Redneck Werewolf

20141 h 20 min
Kurzinhalt

Hundefänger Bubba (Chris Stephens) ist ein Loser und das Gespött von ganz Cracker-County. Dass er das Herz der schönen Bobbie Jo (Malone Thomas) erobern will, bleibt so nur ein Traum. Doch dann trifft er den Teufel (Mitch Hyman) und geht mit diesem einen Deal ein. Im Austausch für seine Seele wird er zum härtesten Kerl im ganzen Ort. Doch wer mit dem Teufel Geschäfte macht, muss damit rechnen, dass es eine Nebenwirkung gibt: Und so wacht Bubba am nächsten Tag als haariger Werwolf (nun: Fred Lass) auf. Den Kummer darüber ertrinkt er im Alkohol. Doch als seine Stadt bedroht wird, ist er trotzdem an Bubba, sie zu retten. Und so nimmt er es mit fiesen Hobos, brutalen Bikern und Zombie-Horden auf…

Metadaten
Titel Bubba the Redneck Werewolf
Original Titel Bubba the Redneck Werewolf
Laufzeit 1 h 20 min
Starttermin 24 Oktober 2014
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Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
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Trailer

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Basierend auf der gleichnamigen Comicbuchreihe von Mitch Hyman entstand im Jahre 2014 die Horror-Komödie „Bubba the Redneck Werewolf“, bei der Brendan Jackson Rogers im Regiestuhl sass. In diesem Film werden alle bekannten Klischees der Rednacks durchgekaut und obendrein ist ein roter Teufel zu sehen, der nicht einmal vor einer Nonne Halt macht. In den Rollen sind unter anderem Fred Lass als Bubba, Malone Thomas als Bobbie Jo und Mitch Hyman als Teufel zu sehen, die es tatsächlich schaffen, die Geschichte zum Leben zu erwecken. Die Effekte gefallen und der Humor ist gelungen, so das Genrefans auf ihre Trash-Kosten kommen sollten.

Zugegeben, Bubba (Fred Lass) ist ein bisschen tumb. Naja, eigentlich sehr tumb. Im Prinzip ist er so dumm wie ein Stück Brot. Aber dafür ist er ebenso liebenswert wie gutmütig. In den zwanzig Jahren seitdem „Bubba the Redneck Werewolf“ zum ersten Mal in Comics auftauchte, gab es bereits einige Gelegenheiten, den Stoff in Theater- und Fernseh-Versionen zu adaptieren. Wo die Studios letztendlich versagt haben, fanden Mitch Hyman mit einer Handvoll Helfer die Zeit das Charakterkonzept zu verwirklichen und etwas Besonderes zu kreieren. Vielleicht war es Schicksal, dass unabhängige Filmemacher in der Zeit, in der Bubba auf Eis lag, zu der Technik auf Studio-Niveau aufschliessen konnten, wobei sich das Ergebnis absolut sehen lassen kann. Horror, Humor und Hybris machen diesen Hühnchen fressenden, Zigarren-mampfenden und Whiskey-saufenden Werwolf zu dem Helden, den wir alle verdienen. Der Teufel steckt buchstäblich im Detail. Bubbas Erfinder Mitch Hyman spielt den gehörnten Antagonisten höchst persönlich, angelockt von einem wohlmeinenden, aber ansonsten idiotischen Kumpel, der dumm genug ist, seine Seele zu verkaufen, um seine High-School-Geliebte zurückzubekommen.

„Bubba the Redneck Werewolf“ ist in seiner Leinwand-Adaption ein launiger und sich zu keiner Zeit ernst nehmender Horrormix, gespickt mit galligem Südstaaten-Flair – über das sich der Film im gleichen Masse lustig macht wie über die Horrormotive, Frauen- und Männerklischees, die Waffenvernarrtheit der Amerikaner oder religiöse Empfindungen. Nein, heilig ist dem Film nicht wirklich viel. Ein guter Grund für den Spass, denn man während der rund 78 Minuten mit „Bubba the Redneck Werewolf“ haben kann. Natürlich sollte man wissen, dass die Produktion eher günstig gehalten ist. Das gilt für die Masken, wie für die zahlreichen Nebendarsteller, deren Leistung überschaubar sein mag. Aber auch das teils knallchargige Agieren der Schauspieler passt am Ende ganz gut zum Film selbst. Man muss sich drauf einstellen und nicht zwingend filmische Hochkultur erwarten. Sämtliche Figuren sind brutal überzeichnet – vom Vietnam-Veteran, der seine Eier in der Tet-Offensive verloren hat über die abgehalfterte Barfrau bis hin zum Klischee-Motorradrocker. Der grösste Teil des Films spielt in der lokalen Bar, deren Name sich im Laufe des Films permanent verändert und dabei ein paar Wortspiele offenbart. Erstaunlich ist, dass sogar Sprüche wie „Bumsen macht die Beine schlapp“ oder alberne Namen wie „Popelfurz“ nicht nerven. Ziemlich drüber ist allerdings die Kotzerei der „Psycho-Tante“, hier übertreibt es der Film mit seinem Willen zur Persiflage.

Mit einem Make-up-Design, das es Bubba ermöglicht, der erste filmische Werwolf zu sein, der tatsächlich lächeln kann, während er tötet, weiss die Produktion mit einer coolen Kombination aus praktischen und computergenerierten Effekten zu unterhalten. Clevere Details und gutmütige Seitenhiebe in Richtung Kleinstadtleben schaffen es, die Geschichte in Gang zu halten. Dabei fühlt man sich an Samstagmorgen-Cartoons erinnert – die wirklich gewalttätigen, bevor die Sender entschieden, dass Kinder den Unterschied zwischen Zeichentrick und Realverfilmung nicht erkennen können – kombiniert mit ein paar strategisch gut platzierten Seitenhieben. Atmosphärisch passend gibt es dazu einen stimmigen Mix aus Original Country-Songs und ein paar extra komponierten Countrypunk-Tunes. Vor allem der Titelsong ragt schon textlich heraus, wenn Bubba, der Redneck Werwolf als dumm aber liebenswert beschrieben wird. Funktionieren tut das Ganze, weil man den Machern trotz oder gerade wegen ihrer Limitiertheit im Budget die Leidenschaft jede Sekunde ansieht. Das Gleiche gilt für die Darsteller. Denn man muss solche Dummbaze eben auch erst einmal überzeugend darstellen und das macht vor allem Malone Thomas als Bobbie-Jo herausragend. Sie bildet praktisch den Mittelpunkt des Films. Gerade die Verkörperung der Südstaaten-Schönheit mit überschaubarem Intellekt hätte ganz furchtbar in die Hose gehen können. Thomas‘ Darstellung der stereotypen Redneck-Lady trifft den Nagel aber auf den Kopf.

„Bubba the Redneck Werewolf“ ist ein grosser Spass, sofern man sich drauf einlassen kann. Immer vorausgesetzt, man ist sich bewusst, dass schlechter Geschmack und plakatives Schauspiel hier gezielt genutzt werden, um dem Trash-Charakter zu entsprechen. Genau das macht Bubba aber zum perfekten Film für eine Horror-Nacht zu fortgeschrittener und bierseliger Stunde. „Bubba – The Redneck Werewolf“ ist einer dieser Filme (wie z.B. das Original von „Evil Dead“), der einfach nicht derselbe wäre, wäre er nicht mit dem Herzblut, der Liebe zum Detail und einem gut angelegten Mikro-Budget verwirklicht worden, das unabhängige Filmstudios dazu zwingt so kreativ wie leidenschaftlich zu sein. Wird er ein Publikum finden, das es verdient diesen Streifen vorgesetzt zu bekommen?

Scarecrows

Scarecrows

20171 h 20 min
Kurzinhalt

Metadaten
Titel Scarecrows
Original Titel Scarecrows
Regisseur Stuart Stone
Laufzeit 1 h 20 min
Starttermin 22 November 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Müll
Trailer

„Scarecrows“ besteht aus Versatzstücken diverser Horrorfilme und entpuppt sich als beliebiger Backwood-Horrorfilm, mit ein paar Anleihen an „Texas Chainsaw Massacre“ hier und etwas dreckigem Hostel-Look da. Der Titel führt in der Irre, den hier gibt es keine mordenden Vogelscheuchen zu bestaunen. Der Killer im Film ist menschlicher Natur und hat es mal wieder auf Teenager abgesehen. Slasher-Fans kommen da auf ihre Kosten, sollten aber keine kaltschnäuziges Gewaltfeuerwerk erwarten. Wer sich von den rauen Szenenbildern blenden lässt, wird enttäuscht.

Bei einem Film mit dem Titel „Scarecrows“ erwartet man in erste Linie ein Creature-Feature, in denen boshafte Vogelscheuchen nach dem Leben ahnungsloser Menschen trachten. Manchmal kann aber so ein vielversprechender Titel auch ein gemeiner Blender sein, wie der vorliegende Film beweist. Der von Stuart Stone inszenierte Streifen hat mit garstigen Strohpuppen, die nach Blut lechzend durch Maisfelder streifen, so rein gar nichts am Hut. Stattdessen verbirgt sich hinter dieser Produktion ein beliebiger Backwood-Slasher mit Folterelementen, der wegen seiner semiprofessionellen Synchronisation schwer zu ertragen ist.

„Scarecrows“ ist nicht gerade das, was man sich unter einem gelungenen Horrorfilm vorstellt. Die Figuren sind nervig und verhalten sich dumm, die Geschichte verläuft nach Schema X und auch hinsichtlich gezeigter Brutalität ist „Scarecrows“ nicht gerade das Gelbe vom Ei. Gewalt wird nämlich kaum eingesetzt, was angesichts der Tatsache unbefriedigend ist, da „Scarecrows“ dem Backwood-Horror zuzuordnen ist. Dieses Genre hat sich vor allem wegen zeigefreudiger Boshaftigkeiten in den letzten Jahrzehnten einen Namen machen können und mit so Filmen wie „Wrong Turn“, „Texas Chainsaw Massacre“ oder „Wolf Creek“ Erfolge gefeiert. Doch diesen genannten Filmen kann die vorliegende, kanadische Produktion freilich nicht das Wasser reichen. Dem Film fehlt das gewisse Etwas, um im Gedächtnis zu bleiben. Regisseur Stuart Stone spult seinen zweiten Spielfilm nach konventionellem Ablauf ab und lässt so kaum Platz für Überraschungen. Da macht sich bei erfahrenen Zuschauern schnell Langeweile breit, weil „Scarecrows“ so vorhersehbar ist, dass man bereits zu Beginn weiss, wie es ausgehen wird.

Fans von so echtem Vogelscheuchen-Horror wie „Night Of The Scarecrow“ oder „Scarecrow – Das Grauen stirbt nie“ dürften bei „Scarecrows“ enttäuscht aus der Wäsche schauen. Filmemacher Stone liefert mit diesem Horrorthriller sein Zweitwerk ab. Der ist eigentlich erfahrener Schauspieler und tingelt seit knapp 40 Jahren als Darsteller durch die TV-Landschaft. Offenbar wollte er mal die Seiten wechseln. Die ersten Gehversuche als Regisseur waren, man muss es wirklich mal sagen, bisher eher bescheiden. „Scarecrows“ hat, bis auf ein paar zugenähte Münder, kaum Gewalt zu bieten. Ein fataler Fehler hätte dieser Film zumindest mit derben Schauwerten aus der Masse hervorstechen können. Weil die Geschichte mit seinen mehr als dämlichen Figuren vollkommen austauschbar und vorhersehbar ist, werden die meisten Zuschauer schnell das Interesse verlieren und die semiprofessionelle Synchronisation lässt einem vollends abschalten…

Mayhem

Mayhem

20171 h 26 min
Kurzinhalt

Was für ein Tag: Der Anwalt Derek Cho (Steven Yeun) wird von einem Kollegen verleumdet und daraufhin zu unrecht von seinem Arbeitgeber gefeuert. Kurze Zeit später bricht im Gebäude der Kanzlei ein gefährliches Virus aus, welches bewirkt, dass die Infizierten willenlos ihren niedersten Impulsen folgen. Da der Komplex rasch zur Quarantänezone erklärt wird, ist auch Cho in den Büroräumen gefangen und muss jetzt nicht mehr nur um seinen Job, sondern vor allem ums nackte Überleben kämpfen...

Metadaten
Titel Mayhem
Original Titel Mayhem
Regisseur Joe Lynch
Laufzeit 1 h 26 min
Starttermin 13 März 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Müll
Trailer

Regisseur Joe Lynch (Knights Of Badassdom, Everly – Die Waffen einer Frau) schmeisst in „Mayhem“ kurzerhand die Konzepte von „28 Days Later“, „It Comes At Night“ und „The Purge“ zusammen und kreuzt das Ganze zudem noch mit Greg McLeans Arbeitsplatz-Splatterorgie „Das Belko Experiment“. Ergebnis ist eine nur selten bissige Gesellschaftssatire mit brutalen Büroschlachten, in der leider nur die plattesten Stammtischparolen gegen die Finanzindustrie aufgefahren werden. So ist „Mayhem“ wohl am ehesten noch zum Frustabbau für ihren Job und ihren Chef verachtende Zuschauer geeignet.

In jeder Firma gibt es hinterhältige Angestellte, die für die eigene Karriere über Leichen gehen. Da werden für eigene Interessen gern mal die Kollegen in die Pfanne gehauen, die sich dann für Dinge rechtfertigen müssen, von denen sie gar nichts wissen. Leider ist es im wahren Leben schon lange nicht mehr so, dass man mit Ehrlichkeit weiterkommt. In einer Ellenbogengesellschaft, in der nur Leistung zählt, muss man ein Schwein sein, um erfolgreich bestehen zu können. Genau jene These vertritt auch der Action-Splatter „Mayhem“, der schwarzhumorig vermittelt, wie sich die derzeitige Unternehmenskultur entwickelt hat. Hier wird gehörig gegen Unternehmensführer gewettert, in deren Händen das Schicksal des kleinen Mannes liegt. Damit spricht man natürlich all jenen aus der Seele, die im Job nichts zu lachen haben und sich unterwerfen müssen. Für genau diese Menschen gibt es Filme wie „Mayhem“, die vermitteln wollen, dass auch boshafte Angestellte und Unternehmensbosse irgendwann mal an ihren Meister geraten.

Klingt irgendwie bekannt und einige werden vermutlich jetzt ein Déjà-vu und nein, „Mayhem“ ist keine Fortsetzung und kein Remake zu „Das Belko Experiment“. Beide Filme sind thematisch sehr ähnlich und zeigen streitsüchtige Angestellte, die plötzlich zu aggressiven Killermaschinen werden und dabei weder Freund noch Feind kennen. Interessanterweise nimmt sich „Mayhem“ trotz brutaler Gangart gern mal selbst auf die Schippe. Die Inszenierung gleicht nicht selten einer Film-gewordenen Comicverfilmung, wo sich Protagonisten Prügel aussetzen und danach aufstehen, als ob nichts gewesen wäre. Doch damit nicht genug, „Mayhem“ strotzt nur so vor Zynismus und schwarzen Humor. Obwohl sich viele Figuren ihrem Schicksal bewusst sind, haben sie stets trockene Sprüche auf den Lippen. Das mildert den Härtegrad der vielen Gewalteskapaden, die mit fortlaufender Spielzeit von Regisseur Joe Lynch genüsslich zelebriert werden. Mit Splatter, Action und boshaften Spässen hat der Filmemacher Erfahrung. Der feierte seinen Regiedebüt mit der günstig produzierten Fortsetzung zum Backwood-Slasher „Wrong Turn“ und übernahm danach die Inszenierung eines Segments der zitatreichen Horror-Anthologie „Chillerama“. Seither sind viele Jahre vergangen und Lynch scheint recht sicher auf seinem Regie-Posten zu sitzen. Vorbei sind die Zeiten schlechter Spezialeffekte und mässiger Low-Budget-Produktionen. „Mayhem“ ist von Anfang bis zum Ende durchgestylt und macht einen professionellen Eindruck. Hinzukommt, dass der Regisseur gern mal die Speed-Taste drückt und euphorische Zerstörungslust auslebt.

Unterm Strich entpuppt sich „Mayhem“ als unterhaltsamer Party-Splatter, der hemmungslos mit miesen Menschen aufräumt. Der Film besitz einen kritischen Unterton, der nicht nur mit skrupellosen Praktiken profitgeiler Unternehmensbosse aufräumt. Der Film spricht gern auch jedem Arbeitnehmer aus dem Herzen, der für seinen Job alles tut, aber dennoch ersetzbar ist, wenn es darauf ankommt. Da ist es am Ende fast schon eine Genugtuung, wenn den Bösewichten der Garaus gemacht wird und sie für ihre selbstsüchtigen Missetaten bestraft werden. „Mayhem“ ist eine unsinnige Gewaltorgie, die man nicht allzu ernstnehmen sollte. Das tut der Film nämlich selbst zu keiner Minute und zeigt wie sich ein gekündigter Arbeitnehmer in einem Hochhaus, ähnliche wie im Remake zu „Dredd“ oder „The Raid“, von unten nach oben durchmetzelt. „Mayhem“ gleicht in seiner brachialen Zerstörungs- und Wutorgie einem actiongeladenen Computerspiel. Die Figuren bestehen aus Stereotypen und viel Substanz ist nicht vorhanden. Aber intellektuell will „Mayhem“ überhaupt nicht sein, sondern nur kurzweilig unterhalten. Das gelingt ihm ganz gut. In null Komma nichts befindet sich der Zuschauer im Geschehen und folgt einem gefrusteten Angestellten, der sich zynisch durch Büros metzelt.

Wer eine Leidenschaft für Filme besitzt, die kaum Handlung, dafür viel Gewalt zu bieten haben, ist mit dem Film gut bedient. In „Mayhem“ geht es nicht zimperlich zu. Hier kommen elektrische Sägen und Nagelpistolen zum Einsatz, um Arbeitskollegen das Lebenslicht auszublasen. Gesplattert und geprügelt wird reichlich. Demzufolge ist der Film hierzulande erst für Volljährige geeignet. Die Grausamkeiten werden aber so überspitzt zelebriert, dass der Streifen eine ungeschnittene Fassung erhalten hat. Selbst wenn man all die verpassten thematischen Chancen beiseite lässt und „Mayhem“ stur als ambitionslosen Genrespass hinnimmt, fällt das Ergebnis allenfalls mittelmässig aus. Zunächst macht es vor allem Laune, die fast schon wie Wimmelbilder funktionierenden Hintergründe zu beobachten – während die Protagonisten im Zweifelsfall unwichtiges Zeugs reden, herrscht hinter ihnen meist das blanke Chaos. Der Streifen nimmt sich selbst nicht ernst bzw. ist mit viel Ironie, Sarkasmus und bisweilen Zynismus durchzogen, doch wirklich witzig wird es nie. Dennoch wird der Klassenkampf nie langweilig und der Krieg im Büro hat mich locker unterhalten.

It Came from the Desert

It Came from the Desert

20171 h 30 min
Kurzinhalt

Die Hormone spielen im schüchternen Brian (Harry Lister Smith) verrückt, als er eines Tages zusammen mit seinem durchgeknallten Kumpel Lukas (Alex Mills) sowie Lisa (Vanessa Grasse) zu einer Motorcross-Party in der Wüste aufbricht. Denn Brian hat schon eine ganze Weile ein Auge auf Lisa geworfen und die hoffentlich feuchtfröhliche Sause im Sand könnte die perfekte Gelegenheit sein ihr näherzukommen. Vor Ort tut sich Brian allerdings ziemlich schwer aus sich herauszukommen. Aber wenig später ist das nur noch sein geringstes Problem. Denn als sie eine versteckte und verlassene Forschungsanlage finden und näher inspizieren, machen sie eine schaurige Entdeckung: Riesige mutierte Ameisen tummeln sich dort! Klar, dass diese alsbald ausbüxen und Jagd auf die feiernde Meute macht. Für Brian, Lisa und die anderen entbrennt ein Kampf ums Überleben…

Metadaten
Titel It Came from the Desert
Original Titel It Came from the Desert
Regisseur Marko Mäkilaakso
Laufzeit 1 h 30 min
Starttermin 29 Oktober 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
Bilder
Trailer

„It Came from the Desert“ ist eine liebevolle Adaption zu Cinemawares Spieleklassiker von 1989, setzt ähnlich wie seine Genrekollegen auf eine geballte Ladung Wahnsinn und Absurditäten, kommt im Gegensatz dazu aber gänzlich ohne die aktuell so populären Killerhaie aus. Was hier stattdessen für Ärger sorgt? Mutierte Riesenameisen, die sich bei Gelegenheit auch gerne mal an den Biervorräten einiger nichtsahnender Teens bedienen.

Wer schon in den 80er Jahren gerne zockte, der bekommt bei der blossen Nennung so mancher Spieleschmiede leuchtende Augen: Lucasfilm und Sierra sind Paradebeispiele, in geringerem Maße auch SSI oder Cinemaware. Wie der Name des letzteren Entwicklers bereits verriet, tummelten sich dort allerhand Filmfans. In Spielen wie „Defender of the Crown“ oder „Lords of the Rising Sun“ huldigten sie alten Filmen, in für die damalige Zeit beeindruckender Optik. „It Came from the Desert“ war eines der bekanntesten Spiele der Amerikaner und erzählte, angelehnt an die Monsterfilme aus den 50ern, die Geschichte des Wissenschaftlers Dr. Greg Bradley, der eigentlich nur die Auswirkungen eines Meteoreinschlags untersuchen wollte, es daraufhin aber mit riesigen Ameisen zu tun bekam. Der Film „It Came from the Desert“ ist nun eine klare Hommage an den Klassiker, jedoch keine direkte Verfilmung. Ein paar Anspielungen an die Ereignisse von damals sind enthalten und zum Ende werden auch tatsächliche Spieleszenen eingeblendet, die einem das nostalgische Herz überlaufen lassen. Vorkenntnisse braucht es dennoch nicht, die Geschichte ist völlig unabhängig von der Vorlage.

Sofern man denn überhaupt von einer Geschichte sprechen mag. Die war natürlich auch damals schon eher dünn. Was will man auch gross erzählen, wenn es um den ewigen Kampf von Mann gegen Rieseninsekt geht? Zumindest war das Spiel aber noch mit Adventureelementen versehen. Actionsequenzen gab es natürlich auch jede Menge. Dazwischen musste Dr. Bradley aber fleissig Nachforschungen betreiben, um überhaupt zu den Ameisen zu gelangen. Mit dem Echtzeitablauf und den verschiedenen Enden war „It Came from the Desert“ angesichts des Themas sogar erstaunlich ambitioniert. Der Film ist das aber nicht und gross nachdenken soll hier wirklich niemand. Stattdessen wollen der finnische Regisseur Marko Mäkilaakso (War of the Dead) und sein Co-Autor Trent Haaga (Cheap Thrills, 68 Kills) vor allem eins: Spass haben. Die trashigen Wurzeln wurden herausgeputzt und ganz stolz in den Vordergrund gestellt. Da wird geschossen und gehackt, gemetzelt und gefressen. Richtig viel Spannung entsteht dabei nicht, soll aber auch gar nicht. Die riesigen Ameisen sind weniger Stoff für Albträume als vielmehr für gesellige Videoabende. Hier darf gegrölt werden, wenn die Viecher miteinander kommunizieren und Jagd auf Jugendliche machen, die ihnen körperlich wie intellektuell unterlegen sind.

Gerade wenn man glaubt, man hätte schon alles gesehen, kommt ein neuer Vertreter der Marke Trash-Horror daher. Schade ist beispielsweise, dass es hier eben kein kompetenter Wissenschaftler ist, der sich der Ameisen entledigt, sondern drei Jugendliche, die mal wieder mehr mit Hormonen und zwischenmenschlichen Fallstricken beschäftigt sind. Denn davon gibt es in dem Bereich nun wirklich mehr als genug und wird der Vorlage nicht wirklich gerecht. „It Came from the Desert“ ist aber auch nicht so lustig, wie es sein sollte. Nur manche Gags zünden richtig, bei anderen ist der Humor zu verkrampft. Ein Klassiker, wie es das Spiel war ist die Leinwandvariante nicht. Dafür ist sie am Ende doch zu harmlos und ohne eigene Identität, macht zu wenig, um sich von anderen Tiermonsterfilmen zu unterscheiden. Trotz einer gewissen B-Movie Affinität, fehlt es seinem Film über Biertrinkende Riesenameisen an Charme. Die Horrorkomödie erfüllt aber ihren Zweck, vor allem in geselliger Runde. Fans von Horror-Komödien à la „Arac Attack“ werden mit dem meist kurzweiligen und zitatenreichen „It Came From The Desert“ sicherlich ihren Spass haben. Für das Prädikat „potentieller Kult“ reicht es aber definitiv nicht.

Don’t Hang Up

Don't Hang Up

20161 h 23 min
Kurzinhalt

Die jugendlichen Freunde Sam und Brady suchen sich wahllos Opfer für Telefonstreiche aus und stellen aus Spaß die Aufnahmen online, eventuelle Konsequenzen sind ihnen egal. Der Spieß wird umgedreht, als sie eines Abends einen Anruf entgegennehmen, der sich zunächst nach einem geschmacklosen Scherz anhört. Nach kurzer Zeit nimmt der vermeintliche Streich bedrohliche Züge an: Der anonyme Stalker scheint die Jungs genau zu kennen und bedroht deren Freunde und Familien, wenn sie nicht genau tun, was er ihnen sagt! Während sie fieberhaft nach einer Möglichkeit suchen, den Wahnsinnigen aufzuhalten, fordert sein krankes Spiel das erste Todesopfer, und der Abend hat erst begonnen …

Metadaten
Titel Don't Hang Up
Original Titel Don't Hang Up
Regisseur Damien Macé, Alexis Wajsbrot
Laufzeit 1 h 23 min
Starttermin 22 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Bilder
Trailer

„Don’t Hang Up“ ist ein Horrorthriller der sich im Genre üblichen Regal bedient und dieses auch nicht versucht zu verbergen. Kein origineller Psychoschocker also, aber durchaus unterhaltend. Geht es solchen „Bad-Prank-Teens“ an den Kragen, bin ich gerne mit dabei…

Was „lustig“ beginnt, wird schnell zum bitteren Ernst. Und das ist auch die Quintessenz dieses Psychothrillers, der einige makabere Überraschungen und Twists zu bieten hat. In „Don’t Hang Up“ wird nicht nur der Zuschauer manipuliert, auch die grünschnäbeligen Protagonisten werden heimtückisch an der Nase herumgeführt und dadurch gegeneinander ausgespielt. „Don’t Hang Up“ bewegt sich irgendwo zwischen Home-Invasion-Thriller und Horror-Kammerspiel und kommt im weitesten Sinne in der Tradition der „Joy Ride“ Filme daher. Ein rachsüchtiger Psychopath geht auf zwei hirnbefreite Arschlöcher los. Im Prinzip mag man keiner Seite so recht die Daumen drücken, aber es macht Spass, dem kurzweiligen Treiben zu folgen, das hier prägnant und ohne unnötige Längen gezeigt wird. „Don’t Hang Up“ wurde sauber inszeniert und versteht es zu fesseln. Die Story ist natürlich nicht besonders neu, dennoch schafft es der Film recht gut Spannung aufzubauen.

Die Regisseure Damien Macé und Alexis Wajsbrot zeichneten sich bisher für die visuelle Effekte in grossen Hollywood-Produktionen verantwortlich und feiern mit „Don’t Hang Up“ ihr Regiedebüt im ersten Langfilm. Der Film versteht es sich mit seiner zynisch-makaberen Art wohlwollend vom üblichen Einheitsbrei abzuheben. Die beiden Regisseure spielen gekonnt mit dem Spannungsbogen und lüften erst am Ende das Mysterium über den nach Rache dürstenden Anrufer. Dessen wahre Ambitionen haben einen triftigen Grund und ergeben erst kurz vor dem Abspann einen Sinn, wobei sich das Regie-Duo eine Tür fürs obligatorische Sequel offen hält. Nervenkitzel ist garantiert, denn der psychopathische Anrufer spielt nicht nur mit den Nerven der Zuschauer. Die Stimmung wird nach 20 Minuten unbequemer und verwandelt „Don’t Hang Up“ in einen unangenehmen Albtraum, der sowohl von den Helden als auch dem Zuschauer einiges abverlangt. Schauspielerisch bewegt sich der englische Horrorthriller im oberen Bereich. Die beiden Streichespieler verhalten sich auch der Situation angemessen, also mir sind zumindest keine grösseren Logikfehler aufgefallen. Doch das Finale ist dann tatsächlich arg vorhersehbar, da man es eben so oder so ähnlich bereits einige Male gesehen zu haben scheint.

„Don’t Hang Up“ bleibt im grossen und ganzen den Konventionen treu. Die Möglichkeit zur Kritik an soziale Medien wird leider nur angekratzt. Effektiv dient es nur als Aufhänger zum Storyaufbau. Die Übergänge zum gruseligen Thrill sind etwas holprig, funktionieren aber doch recht gut. Auch wenn die üblichen Genre-Zutaten Verwendung finden, ist das Endergebnis durchaus schmackhaft. Bitterböses Terror-Psycho-Kino, das kontinuierlich an der Spannungsschraube dreht, solide gespielt und stimmungsvoll inszeniert. Ebenso konventioneller wie ambitionierter Beitrag, der leider formal ein paar Fehler bereit hält. Das trübt das Filmerlebnis. Ansonsten schicker Horrorthriller und wer auf gemeinen Humor steht, wird gefallen finden an dem fiese Katz- und Mausspiel, auch wenn das ganze inhaltlich etwas vorhersehbar ist…

The Seasoning House

The Seasoning House

20121 h 30 min
Kurzinhalt

Im Zuge des Balkankriegs muss Angel mit ansehen, wie ihre Familie ermordet wird. Sie selbst wird von der gegnerischen Miliz verschleppt und in ein Vergewaltigungsbordell hinter der Front gesteckt, wo das taube Mädchen nun als eine Art Hausdiener die weiblichen Gefangenen wäscht, füttert und mit Drogen sediert. Als eines Tages die Mörder ihrer Familie im Bordell Station machen, ergreift Angel die Gelegenheit beim Schopf und beginnt aus den Eingeweiden des Gebäudes heraus einen Guerillakrieg gegen ihre Peiniger.

Metadaten
Titel The Seasoning House
Original Titel The Seasoning House
Regisseur Paul Hyett
Laufzeit 1 h 30 min
Starttermin 21 August 2012
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Schauspieler
Mit: Rosie Day, Sean Pertwee, Kevin Howarth, Anna Walton, Jemma Powell, Alec Utgoff
Trailer

„The Seasoning House“ ist düster, beklemmend und absolut schonungslos. Ein Film den man so schnell nicht wieder vergisst. „The Seasoning House“ ist ein bewegender Film, der während des Balkankrieges spielt, mit schockierenden Bildern, die der Wirklichkeit sehr nahe kommen.

‚The Seasoning House‘ entpuppt sich bereits ab der ersten Minute als atmopshärisches Monster. Die düsteren Bilder, begleitet von minimalistischen Klängen, schaffen eine bedrückende Atmosphäre und nehmen den Zuschauer fast schon ebenso gefangen wie die betroffenen Mädchen. „The Seasoning House“ ist definitiv kein Film für jedermann, vor allem zarte Gemüter sollten die Finger davon lassen. Es ist hier nicht einmal die Brutalität oder die blutigen Szenen die einen mitnehmen, sondern die überzeugende Realitätsnähe und das Schicksal der verschleppten Mädchen. Die Story ist bei Rape & Revenge Filmen ohnehin bereits von vornherein klar, daher steht und fällt bei solchen Filmen nahezu alles mit der Inszenierung. Und die kann sich hier wirklich sehen lassen. Ob es die Einbettung in den Balkankrieg wirklich braucht, sei mal dahingestellt, aber für sich genommen gehört dieser Film eindeutig zu den spannenden Genrevertretern und letztlich sorgt ja auch der Revenge-Teil für den entsprechenden „ausgleichenden“ Rahmen.

Die Zwangsprostitution innerhalb des Balkankrieges wird hier sehr blutig, fies und hoffnungslos in Szene gesetzt und man kann das Martyrium in jeder Sekunde mitfühlen, so dass es schon körperlich schmerzt. Es gibt keine Szene in der die Protagonistin dumm handelt, wie das in so vielen anderen Filmen der Fall ist. Wahrscheinlich fühlt man auch aus diesem Grund so stark mit. Rosie Day ist ein zierliches Mädchen, der man ihren erbitterten Überlebenskampf zu jeder Sekunde abnimmt, weil sie eben nicht unvermittelt zum Super-Girl mutiert, sondern jedwede physische Herausforderung innerhalb ihrer körperlichen Grenzen mit den ihr von Gott gegebenen Mitteln nachvollziehbar meistert. Rosie Day spielt sich im Alter von gerade mal 17. Jahren förmlich die Seele aus dem Leib, wahnsinnig beeindruckend was die Kleine hier für ein authentisches und fast schon grauenvoll mitfühlendes Schauspiel abliefert. Sean Pertwee (Doomsday) spielt seine Führerrolle arrogant, unfreundlich und leicht diabolisch. Ein Kerl, um den man im echten Leben einen grossen Bogen machen sollte. Kevin Howarth (Gallowwalkers) ist als Bordellbetreiber nicht minder abstossend, eiskalt, kontrolliert und effektiv grausam ohne jede Emotion.

Paul Hyett hat jahrelange Erfahrung im Special Effects Bereich (z.b. bei Tormented) und ist auch ein Make Up/Prothesen (z.b. bei Centurion, Ironclad, Citadel) Spezialist. Mit „The Seasoning House“ liefert er nun sein Debut als Regisseur und Drehbuchautor ab. Beinnahe eine Stunde nimmt sich Hyett Zeit, um diese düstere Form der ganzheitlichen Brutalität zu zeigen, dabei wirkt das Gezeigte nie wie billige Effekthascherei, sondern erzeugt eine Mischung aus Hilflosigkeit und Wut beim Betrachten. Die erste Hälfte ist sehr emotional und katapultiert die Angst und die Düsterkeit zielgenau ins Herz. Da all die brutalen und perversen Taten gezeigt werden und man gleichzeitig mit der traurig guckenden Protagonisten tatenlos zusieht, kann man sich umso mehr in sie hineinversetzen und ihre Gedanken miterleben. Dann eskaliert die Sache ziemlich plötzlich aber nicht unerwartet, immerhin sind die Emotionen aller Beteiligten ständig am Limit. In einer unheimlich real wirkenden Messerstecherei entladen sich dann sämtliche Gefühle der Protagonistin. Die Zweite Hälfte vergisst leider die Charaktertiefe und Emotionalität weiter zu führen und gleitet in einen fast stereotypischen Rachethriller. Doch so stereotypisch ist das alles dann doch nicht. Das Leid der Protagonistin tragen wir schon längst in uns und wir fiebern in der zweiten Hälfte immer noch mit. Trauer und Mitleid ist hier zwar weniger, Spannung aber dafür umso mehr.

Optisch und überhaupt technisch sehr stark inszenierter, englischer Rachethriller mit grossem Drama-Part, versehen mit Horrorelementen und tollen Talenten vor und hinter der Kamera, von denen in Zukunft noch einige gute Arbeiten zu erwarten sind. Für alle die sich vor Brutalität nicht scheuen und einen emotional-spannenden Überlebenskampf eines unschuldigen Mädchens sehen möchten ist dieser Horrortrip genau das Richtige. „The Seasoning House“ ist ein qualitativ sehr guter Film, extrem intensiv und brutal und bringt die schockierenden Bilder so gekonnt rüber, das für voyeuristisch Veranlagte wenig zu glotzen übtig bleibt. Der Film ist geschickt angelegt und umgesetzt, mit Hirn und Verstand und trotz des hohen Gewalt-Potenzials nie plump oder billig. Das gezeigte ist so realistisch, dass während ich diese Zeilen schreibe, irgendwo auf der Welt tatsächlich geschieht. Erschreckend wozu solche Ungeheuer in Menschengestalt aus Geldgier und zur Befriedigung ihrer kranken, perversen Triebe oder aus beiden Gründen fähig sind. „The Seasoning House“ ist Rape ’n‘ Revenge mit Köpfchen, ja auch das ist möglich. Ein Film der unter die Haut geht. Wen das hier kalt lässt, der ist entweder im falschen Filmgenre oder gehört wohl zu den fiktiven Besuchern dieses Titel spendenden Etablissements.“

Inbred

Inbred

20111 h 30 min
Kurzinhalt

Eine ungleiche Gruppe jugendlicher Straftäter aus der Stadt und ihre Aufsichtspersonen Jeff und Kate müssen für ein Wochenende gemeinnützigen Dienst in dem abgelegenen und sehr eigenartigen Dorf Mortlake in Yorkshire leisten. Die etwas seltsamen Bewohner des ländlichen Ortes bilden sich sehr viel darauf ein, unter sich bleiben zu müssen, weshalb sie nicht gerade gastfreundlich auf die Besucher reagieren. Durch ein Missverständnis kommt es dann zu einer blutigen Konfrontation mit den Dorfbewohnern, die daraufhin ihr wahres Gesicht zeigen. Plötzlich werden Jeff, Kate und die vier Jugendlichen von den Bewohnern gejagt. Sie haben es offensichtlich mit einer Gruppe von vollkommen psychopathischen Killern zu tun. Schnell wird aus dem gemeinnützigen Trip eine wahre Höllentour, bei dem es nur noch darum geht, das eigene Leben zu retten.

Metadaten
Titel Inbred
Original Titel Inbred
Regisseur Alex Chandon
Laufzeit 1 h 30 min
Starttermin 30 September 2011
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
Schauspieler
Mit: Jo Hartley, Seamus O'Neill, James Doherty, James Burrows, Neil Leiper, Nadine Rose Mulkerrin
Trailer

Alex Chandon ist zurück. Nach seinem „Cradle of Fear“ ist es ja sehr still um ihn geworden. Obwohl „Cradle of Fear“ bei Fans des Splattergenres immer noch einen sehr hohen Stand hat, war man sich nicht so recht sicher, was einem mit dem neuen Film von Chandon erwartet. Splattergalore oder eher ein Film mit einer guten Atmosphäre und weniger Effekten? „Inbred“ ist eine harte Horrorkomödie, die sich selber nicht so ganz ernst und Horrorperlen wie Texas „Chainsaw Massacre“ und „Wrong Turn“ etwas auf die Schippe nimmt.

Dass „Inbred“ nichts für Zartbesaitete ist, macht Splatter-Experte Alex Chandon bereits in der ersten Szene deutlich: Gliedmassen fallen da rigoros der Axt zum Opfer und auch im weiteren Verlauf werden fröhlich Köpfe abgetrennt, Schädel zertrümmert, Körperteile zerfetzt und Menschen in Stücke gerissen, während die Kamera sich mit bösartiger Wonne an den Verstümmelungen labt. Der Film ist teils sehr überdreht und für den normalen Filmeliebhaber schwer nachzuvollziehen. Die Story klingt gut, wenn auch schon einige Male gesehen. Es ist schwer in der heutigen Zeit einen Horrorfilm zu produzieren der von Kreativität und Originalität strotzt. Allen witzigen Dialogen und ulkigen Make-Up-Effekten zum Trotz dürfte dem Zuschauer aber spätestens dann das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn Chandon beginnt, seine Helden-Truppe zu dezimieren. Die Gore-Einlagen und Metzelszenen selbst sind nämlich keineswegs auf komisch getrimmt, sondern bleiben über weite Strecken schmerzhaft realistisch. Auf dem schmalen Grat zwischen rabenschwarzem Humor und blankem Sadismus werden liebgewonnene Figuren gnadenlos zu Hackfleisch verarbeitet, das Leid der Protagonisten wird mit garstigen Sprüchen und makabren Pointen quittiert – dabei entsteht die richtige Mischung aus galligem Humor und angstvoller Spannung, die „Inbred““ irgendwo zwischen waschechtem Horror wie „The Hills Have Eyes“ und überdrehtem Splatter-Ulk a la „2001 Maniacs“ positioniert.

Die Story von „Inbred“ ist ganz nett, fesselt einen aber nicht wirklich lange. Das grösste Problem ist, dass die Story gut die Hälfte des Films in Anspruch nimmt und es erst nach ca. 45 Minuten wirklich zur Sache geht. Wenn man sich da an „Cradle of Fear“ erinnert, wird man schnell merken, dass Chandon nun deutlich mehr Wert auf einen gewissen Grad an Storytelling legt. Aber die Geschichte kann einen nicht wirklich fesseln, von daher wäre es besser gewesen, man hätte gut 25 Minuten weniger Story zu Gesicht bekommen. Nun gut, die Schauspieler hingegen machen ihren Job sehr gut. Besonders die von Jo Hartley (This Is England) exzellent gespielte Kate mausert sich schnell zum grossen Sympathieträger fernab aller ausgetretenen „Final Girl“-Pfade. Auf der Gegenseite überzeugt vor allem der von Seamus O’Neill (Gefährten) gleichermassen charismatisch wie diabolisch gespielte Jim, während seine Gefolgschaft als debile Ansammlung von Dorftrotteln vorgeführt wird, die in erster Linie mit ihren skurrilen Deformierungen und verschrobenen Eigenarten für Heiterkeit sorgt.

Die Musik ist richtig klasse und passt sich sehr gut dem gezeigten an. Immer wieder kommt wirklich Atmosphäre auf. Auch die Kamera macht einen sehr guten Job und liegt Lichtjahre vor dem Bild, welches man sich bei „Cradle of Fear“ antun musste. Aber was ist mit den Effekten? Ja, die Effekte sind ganz ordentlich geworden, allerdings nicht so kreativ und ausschweifend wie bei „Cradle of Fear“, was Gorehounds sicherlich enttäuschen dürfte. Auch eine CGI-Effekte haben sich darunter gemischt, diese sind aber sehr gut umgesetzt und wissen zu gefallen. Besonders zum Ende hin, hätte man sich dann aber doch mehr gewünscht. Es kommt einem so vor, als wäre hier irgendwie ein grosser Teil der Effekte vergessen worden. So viele Bewohner überleben, auch wenn das Ende an sich richtig gut und vor allem auch lustig ausgefallen ist.

Zwar reicht „Inbred“ nicht an den durchaus ähnlichen, aber im Vergleich einfallsreicheren „Severance“ heran, doch das fade Backwood-Mittelmass lässt er locker hinter sich. Im Vergleich zu seinen früheren Werken beweist Chandon enorm Geschick in Bezug auf Atmosphäre und Spannung. Das Unbehagen, welches dem Zuschauer ab Filmbeginn entgegenwummert ist in seiner Darstellung als sehr nennenswert zu betiteln. Düstere Farben und merklich stimmiger Spannungsaufbau prägen diesen kleine Indie-Hit – zumindest bis zur Filmmitte. Nach 45 Minuten Laufzeit wird „Inbred“ handfest, dDie teilweise kruden Spezialeffekte verfehlen ihre Wirkung selten und dürften vermutlich auch Grund dafür sein, dass die ungeschnittene Filmfassung von „Inbred“ keine deutsche Freigabe erhalten wird. Alex Chandon hat den Amateur-Splatter hinter sich gelassen und kuttelt jetzt auf B-Movie-Niveau herum. Zum Einstand gibt es ein zynisch-sickes Wald- und Wiesenschlachtfest zu Ehren alter Terrorklassiker. Neue Ideen gibt es nicht, dafür Blut, Kutteln, krude Schocks und kranke Einfälle bis zum Abwinken. Für Freunde gemeingefährlicher Hinterwäldler, knatternder Kettensägen, phallischen Karotten und abgesägter Schrotflinten sicherlich eine Party, alle anderen begegnen „Inbred“ besser mit Vorsicht. ;)

Day of the Dead – Bloodline

Day of the Dead - Bloodline

20181 h 30 min
Kurzinhalt

Fünf Jahre ist es her, dass eine Zombie-Apokalypse praktisch die ganze Menschheit ausgelöscht hat. Die seinerzeit angehend Ärztin Zoe war dabei, als Patient X in ihrem Institut für den Ausbruch sorgte. Seitdem lebt sie in einem militärischen Bunker, wo sie Forschungen betreibt, um die Epidemie doch noch in den Griff zu bekommen. Da man die Untersuchungen nicht ohne Versuche am „lebenden“ Objekt betreiben kann, dienen Untote vor den Toren der Basis als Versuchsobjekte. Als Zoe mit einem Einsatzteam Medikamente besorgen will, stoßen sie auf weitere Zombies. Einer von denen kann die Verfolgung aufnehmen und sich in die Basis einschleichen. Als er Zoe gegenüber steht, beißt er jedoch nicht zu. Die Ärztin erkennt, dass es sich um Max handelt. Sein Blut scheint eine hohe Konzentrationen von Immunität zu enthalten, dass er nicht zum völlig mutiert ist. Er könnte der Schlüssel für ein Heilmittel sein.…

Metadaten
Titel Day of the Dead - Bloodline
Original Titel Day of the Dead: Bloodline
Laufzeit 1 h 30 min
Starttermin 4 Januar 2018
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr schlecht
Schauspieler
Mit: Sophie Skelton, Johnathon Schaech, Jeff Gum, Marcus Vanco, Mark Smith, Lillian Blankenship
Trailer

Regisseur Hector Hernandez Vicens führt die Untoten aus dem Klassiker „Day of the Dead“ (Zombie 2) von George A. Romero zu neuem Glanz. Wie das grosse Vorbild vom Godfather der Zombies, der im Juli 2017 leider verschieden ist, spielt „Day of the Dead: Bloodline“ überwiegend unter Tage und präsentiert Wissenschaftler und Militärangehörige beim Versuch, der Zombie-Epidemie Herr zu werden. Dabei experimentieren sie auch mit einem intelligenten Zombie…

Der Kult-Regisseur George A. Romero drehte mit „Night of the Living Dead“ nicht nur einen wegweisenden Horror-Klassiker, den man auch 50 Jahre nach Entstehung gut und gern zitiert. Ganz nebenbei legte er mit seinem kritischen Zombiestreifen den Grundstein für unzählige Zombiefilme, die beinahe täglich in Händlerregale gestellt werden und dort ihr belangloses Dasein fristen. Gleiches Schicksal dürfte auch den folgenden Zombie-Schocker ereilen, der den Zuschauer mit heimtückischer Taktik um sein schwer verdientes Geld bringen möchte. Mit besagtem Klassiker hat der hier vorgestellte B-Actioner – bis auf Zombies – nur wenig im Hut. Statt tiefgründiger Botschaft setzt man auf Action. Intelligente Kommentare zum menschlichen Wesen oder die von Romero gewohnten gesellschaftskritischen Kommentare findet man in „Day of the Dead: Bloodline“ nirgends. Stattdessen dominiert ein eher formelhaftes Drehbuch mit Charakteren vom Reissbrett, die beständig irrational handeln und in einer Tour in vollkommen ausgelutscht wirkende Gefahrensituationen geraten.

Ausserdem wirken die Charaktere durchweg inkonsistent. Nehmen wir nur einmal Zoe. Die will auf der einen Seite keine Menschenleben mehr opfern. Zuckt andererseits aber nur lapidar mit den Schultern, wenn es Menschen in ihrem Umfeld teils harsch erwischt. Dazu gesellen sich in einer Tour dumme Entscheidungen, die immer neue Todesopfer fordern, ja sogar die gesamte Enklave bedrohen – und Zoe in letzter Konsequenz keinerlei Emotionen abringen. Wobei man hier nicht die ganze Schuld auf das Drehbuch abwälzen kann, denn die extrem blasse Hauptdarstellerin Sophie Skelton wirkt in jeder ihrer Szenen heillos überfordert. Auch die Darsteller um sie herum besitzen weder Charisma noch Ausstrahlung und lassen einen durch die Bank kalt. Was ein Mitfiebern mit den Figuren leider komplett unmöglich macht. Dagegen haut Johnathon Schaech (Arsenal) mit beeindruckendem Make-up richtig einen raus. Sein Max ist immer bedrohlich, immer unberechenbar und in Stresssituationen immer eiskalte Tötungsmaschine. Der Mime, der sich im Making-of-Material zum Film als grosser Fan des Originals outet, geniesst seine Rolle sichtlich. Und wäre sein Max nicht so ein widerlicher Drecksack, könnte er beinahe die Rolle des Antihelden inne haben. Beinahe.

Dem Film mangelt es, wie seinen Kreaturen, an Hirn. Das wird vor allem an den Fehlentscheidungen aller Protagonisten deutlich. Die leben zwar bereits seit fünf Jahren in täglicher Angst und haben nach einer Zombie-Epidemie gelernt mit Taktik und Köpfchen der blutgeilen Bedrohung aus dem Weg zu gehen. Von Klugheit spürt man im Film aber nichts. Dort werden die vielen Figuren plötzlich zu Freiwild und hegen offenbar den Wunsch sterben zu wollen. Da wird unvorsichtig durch Szenarien gepoltert, um Zombies aus ihren Verstecken zu locken. Die Folgen sind vorhersehbar: Nahezu alle Protagonisten müssen wegen mangelnder Vorsicht ihr Leben lassen. Alles, wie eh und je eben. Das Zombie-Genre hängt leider seit Jahren in einer Dauerschleife fest. Und dennoch ist der Horrorfilm kein Totalausfall. Denn in Sachen Gore und Splatter haut er schon amtlich rein. Ausweidungen, Bisse in Hälse, Gesichter und alle anderen möglichen Körperpartien, harsche Knochenbrüche, auf den Boden klatschende Gedärme, Kopfschüsse und Enthauptungen bilden hier nur die Spitze des Eisberges. „Day of the Dead: Bloodline“ atmet eine herbe Gewalttätigkeit, die zudem nur selten mittels CGI-Effekten gepimpt wird. Und selbst diese sehen ordentlich aus. Auch die Masken-Effekte rund um die (schnellen) Zombies wissen durch die Bank zu überzeugen.

Freunde der härteren Gangart dürften in „Day of the Dead: Bloodline“ durchaus einen netten Zeitvertreib finden, ohne dass dieser lange nachwirken würde. Auch die Horrorfans, die „Zombie 2“ einfach ausblenden können oder vielleicht noch nie gesehen haben, könnten sich von dem flotten Horrorstreifen gut bedient fühlen. Das könnte auch für jene gelten, die „Zombie 2“ aufgrund seiner Langsamkeit in den ersten zwei Dritteln seiner Laufzeit für eher langatmig halten und per se immer direkt zum grossen Finale skippen. Hier hat die Neuauflage einige echte Vorteile: Ist schneller getaktet, kurzatmiger, kurzweiliger. Geht man allerdings ernsthafter an beide Filme heran, merkt man schnell, dass das Original von Romero den auf blosse Oberflächenreize ausgelegten „Day of the Dead: Bloodline“ in allen Belangen überdeutlich aussticht. Das Original ist einfach spannender, atmosphärisch dichter, auswegloser, nihilistischer und giftiger. Zudem hat er rund um seine Botschaft, dass der Mensch in Extremsituationen schnell dazu neigt, sein eigener grösster Feind zu sein und darum eigentlich gar keine Monster von ausserhalb notwendig wären, um sein Ende einzuläuten, eine reizvolle Ebene der Sozialkritik drin, die „Day of the Dead: Bloodline“ vollkommen abgeht.

Einfache Unterhaltung für einfache Gemüter. Was nur hat man Hector Hernandez Vicens gezahlt, dass er sich so ungeniert am Romero-Klassiker vergehen musste? Der spanische Regisseur hatte mit „Die Leiche Der Anne Fritz“ einen Genre-Geheimtipp inszeniert und verkauft sich nun mit diesem Remake unter Wert. Seine Neuauflage ist weit weg von der Genialität der Vorlage, die Zombie-Vater George A. Romero im Jahr 1985 auf die Leinwand gebracht hat. Der ging es in seinen Filmen gern mal kritisch an und ergänzte den dritten Teil seiner aus fünf Streifen bestehenden Untoten-Filmreihe um gesellschaftspessimistische Aspekte. Doch Sozialkritik sucht man beim Remake vergebens. Bei genauerer Betrachtung ist „Day of the Dead: Bloodline“ ein lupenreines B-Movie, das ausschliesslich auf Action und Make-up-Effekte abzielt. Zugegeben ist beides von besserer Qualität, als das, was einem mittlerweile im Zombie-Sektor zugemutet wird. Dennoch nichts weiter als Stangenware, an welche man sich schon bald nicht mehr erinnern wird. Da kann man nur froh sein, dass Romero unlängst verschieden ist. Der hätte vermutlich nie zugelassen, dass man aus seinem Kultfilm derart hanebüchenen Edel-Trash macht…

Armed Response – Unsichtbarer Feind

Armed Response - Unsichtbarer Feind

20171 h 37 min
Kurzinhalt

Seitdem seine Tochter ums Leben gekommen ist, meidet der Programmierer Gabriel (Dave Annable) die Öffentlichkeit. Zurückgezogen verbringt er seine Tage, bis er eines Tages Besuch von Isaac (Wesley Snipes) erhält. Dieser überredet Gabriel dazu, zusammen mit einer kleinen Spezialeinheit in eine geheime, militärische Einrichtung einzudringen. Dort ist nämlich ein Programm zur Lügenerkennung im Betrieb, das Gabriel einst entwickelt hat und das perfekt funktioniert. Doch rätselhafterweise sind in dem Gebäudekomplex mehrere Soldaten spurlos verschwunden und nun gilt es, diese ausfindig zu machen. Bei ihren Untersuchungen stoßen Gabriel, Isaac und die anderen jedoch auf eine Leiche nach der anderen und zu allem Überfluss werden sie auch noch eingesperrt. Irgendjemand oder irgendetwas will ihnen ans Leder…

Metadaten
Titel Armed Response - Unsichtbarer Feind
Original Titel Armed Response
Regisseur John Stockwell
Laufzeit 1 h 37 min
Starttermin 4 August 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
Bilder
Schauspieler
Mit: Wesley Snipes, Anne Heche, Gene Simmons, Dave Annable, Colby Lopez, Mike Seal
Trailer

Wesley Snipes versucht wieder Fuss zu fassen, diesmla mit John Stockwells „Armed Response“, einem von den World Wrestling Entertainment Studios (!) sowie Kiss-Gitarrist Gene Simmons (!!) produzierten Militär-Actioner. Hier darf dann auch wieder ein Wrestling-Star sein Debüt in einem Spielfilm feiern, nämlich Colby Lopez alias Seth Rollins. Wer dann der eigentliche Star des Filmes sein soll und wer es dann ist, darüber lässt sich streiten.

Vom Studio aus erwartet man, dass Seth Rollins die Hauptrolle hat. Das Cover und der Trailer werben aber prominent mit Wesley Snipes. In Wirklichkeit ist dann aber Dave Annable (Yellowstone) das wahre Herz des Filmes. Die Tragödie hinter seiner Figur ist zwar für den Film völlig egal, er funktioniert jedoch sehr gut als moralischer Kompass und hat zusätzlich ein paar coole Momente – ganz im Gegensatz zu Wesley Snipes. Der spielt mit einem einzigen Gesichtsausdruck seinen Part ohne Highlights durch. Nach seinem Gefängnisaufenthalt braucht er wohl wieder Geld, aber nach seiner Rückkehr in „Expendables 3“, dachte ich er hätte noch Spass an seinem Job, aber scheinbar lag ich falsch. Seth Rollins hat eine starke physische Präsenz und darf hier ein richtiger Arsch sein, dass er dann mehrmals gegen die viel kleinere Anne Heche antreten muss, ist jedoch ein wenig lächerlich.

Vor 20 Jahren wäre ein Film mit Wesley Snipes und Anne Heche in den Hauptrollen noch eine mittelgrosse Hollywood-Kiste gewesen. Aber die Zeiten sind lange vorbei. Nun spielt Heche in „Armed Response“ eine vollkommen austauschbare Soldatenfigur, während wir bei Snipes jenes unbändige Charisma vermissen, das ihn einst dank Rollen in Filmen wie „Weisse Jungs bringen’s nicht“ oder „Passagier 57“ zu Weltruhm katapultiert hat. Snipes ist überhaupt nur sehr selten zu sehen und absolviert dabei keine einzige Kampfszene. Wird er es in Zukunft genauso machen wie Kollege Steven Seagal, der 2016 in sieben Filmen zum Teil nur kurz auftrat, damit die Produzenten sein Gesicht gross auf das Poster drucken konnten? Wie auch immer, stattdessen darf man sich zumindest über ein kurz-knackiges Faustkampf-Intermezzo zwischen Heche und WWE-Wrestler Seth Rollins (Sharknado 4: The 4th Awakens) freuen.

Was bleibt ist eine ganz ansehnliche erste Hälfte, ein paar nette Tricks, Schockmomente, Gore-Effekte und etwas Spannung in der Luft inklusive. Die verschwindet dann jedoch sehr abrupt und dann wartet man nur mehr darauf, bis all diese nur um ihre eigene Haut besorgten Idioten, endlich das Zeitliche gesegnet haben. Keine toll choreographierten Kämpfe, keine coolen Sprüche, da kommt einfach nichts vor, dass aus dem Einheitsbrei ähnlicher Produktionen herausragen würde. Dabei hätte „Armed Response“ mit einer temporeicheren Inszenierung und einem pfiffigeren Skript ein solides B-Movie werden können. Aber leider kommt der Genre-Bastard aus Horror, Sci-Fi und Militär-Action nur sehr spät in Fahrt und dann auch nur kurz. Weder die ereignisarme Handlung noch die eindimensionalen Figuren werden dem eigentlich vielversprechenden Konzept des Films gerecht.

The Ritual

The Ritual

2017
Kurzinhalt

Vier Freunde, die sich noch aus ihren Studententagen kennen, treffen sich für einen gemeinsamen Abenteuer-Urlaub in den Wäldern Skandinaviens, nahe dem Polarkreis. Schnell beginnen sich in der Gruppe Spannungen aufzubauen, da vor allen Dingen Luke bemerkt, dass sich die anderen stärker verändert haben als er. Eine vermeintliche Abkürzung verschlimmert noch die Situation, da sie dieser Weg immer weiter in die uralten, unheimlichen Wälder führt. Als die Männer dann auch noch eine alte Ritualstätte finden und sich unerklärliche Dinge ereignen, wird der Ausflug zum Kampf ums Überleben.

Metadaten
Titel The Ritual
Original Titel The Ritual
Regisseur David Bruckner
Laufzeit
Starttermin 11 Oktober 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Schauspieler
Mit: Rafe Spall, Rob James-Collier, Sam Troughton, Arsher Ali, Paul Reid, Kerri McLean
Trailer

„The Ritual“ ist ein von Netflix eigenproduzierter „Horrorfilm“ aus dem Jahr 2018. Der Film ist keine Offenbarung, schraubt aber an den richtigen Stellen mit den Versatzstücken des Genres. So sehen wir hier keine nervigen Teenies, sondern eine Gruppe aus Freunden, die auf die 40 zugehen und eigentlich nur einen schönen Urlaub verbringen wollen. Dieser wird durch eine Tragödie überschattet. Nicht nur in diesem Zusammenhang hat der Name eine tiefere symbolische Bedeutung. Rituale durchziehen die ganze Handlung des Films. Dabei sind die düsteren Erscheinungen im Wald nur das offensichtlichste.

Drehbuch-technisch wurde hier durchaus solide Arbeit geleistet. Die Dialoge sind zwar nicht immer vollends überzeugend, was aber auch an der deutschen Synchro liegen mag. Dafür sind aber einige Passagen am Anfang mit Witz, aber sobald es ernster wird, verschwindet dieser Humor sinnvollerweise. Die Story hingegen weisst zwar ein paar Überraschungen auf, verläuft aber letztlich trotzdem ziemlich linear und manchmal auch vorhersehbar. Dennoch sollten einige Ideen und Überraschungen nicht ausser Acht gelassen werden und diese steigern das filmische Niveau im Vergleich zu anderen Genrevertretern schon nennenswert. Regisseur David Bruckner, der schon einige andere Genrevertreter gedreht hat, leistet meiner Meinung nach gute Arbeit. Die Szenen wirken überzeugend und es wird sowohl inszenatorisch, als auch dramaturgisch eine durchwegs tolle Stimmung und Atmosphäre erzeugt. Allerdings sind die Horrorelemente bei weitem nicht so schockierend, wie bei anderen Horrorfilmen.

Schauspielerisch überzeugen alle Protagonisten, wobei Sam Troughton in seiner Rolle des Dom am meisten überzeugt und die Figur sehr authentisch spielt. Insgesamt sind aber alle Schauspieler in ihren Rollen toll und stimmig und schaffen es die Atmosphäre mit ihren Emotionen zu untermauern. Dom ist etwas zu nervig, Phil ein wenig zu sehr Nebenrolle. Doch insbesondere Rafe Spall und Rob James-Collier können überzeugen. Beide könnten gut und gerne ihre besten Rollen gespielt haben – und das in einem Horrorfilm, wo man so etwas doch eher selten erwartet! Ich meine, Spall ist bisher irgendwie immer der Loser vom Dienst gewesen, der hier nun einen zerrissenen Haudrauf zeigt, der an sich wächst. Und James-Collier, der in „Downton Abbey“ die ziemlich eindimensionale des bösen Butlers Thomas innehatte, überzeugt hier als ein launiger, abenteuerlustiger, aber auch besonnener Anführer-Typ, der im Übrigen optisch sehr an Christian Bale erinnert. Auch die Kameraarbeit gefällt mir überaus gut. Die Landschaftaufnahmen sind grossartig und der Zoom der Kamera wird unfassbar gut in Szene gesetzt. Die Aufnahmen im Wald verdeutlichen die bedrückende Atmosphäre und die vielen totalen Perspektiven sind sinnvoll gesetzt.

Zum Szenenbild und Kostüm muss nicht viel gesagt werden, da sich der Hauptteil des Films im Wald abspielt. Die Hütten, die auftauchen sehen exakt gleich aus und unterscheiden sich nicht grossartig. Die Kostüme der Protagonisten sind einfache, normale Wanderkleidung. Auf der Tonebene wird überraschend wenig für einen Horrorfilm gearbeitet. Klar hat man viele klassische Szenen, wie Stille und dann laute, schrille Töne, aber die Jumpscares halten sich in Grenzen. Allerdings sind die Horrorelemente, wie schon oben gesagt, nicht besonders gruselig, was es auch „Angsthasen“ erträglich macht den Film zu schauen. Viele haben ja das Ende beklagt, aber genau da fand ich den Film wieder interessant. Wir erfahren mehr über die Hintergründe, haben einen tollen Showdown und ein fantastisches Monsterdesign. Das Setting könnte man vielleicht etwas infrage stellen, doch funktioniert verdammt gut. Der Wald, in dem das alles spielt, wirkt erstaunlich „normal“ und wirkt gerade dadurch bedrohlich.

„The Ritual“ ist ein Horrorfilm der besseren Sorte, der zwar der üblichen Formel folgt, aber diese an entscheidenden Momenten ausreizt bzw. mit den richtigen Zutaten würzt. Insgesamt halte ich „The Ritual“ für einen durchaus gelungenen Horrorfilm, wobei man als eingefleischter Horrorfetischist sich möglicherweise langweilen wird. Aber Genreeinsteiger bzw. kleine Angsthasen können mit dem Film ziemlich viel Spass haben.

Demon Girl – Das Böse lebt in ihr

Demon Girl - Das Böse lebt in ihr

In Demon Girl - Das Böse lebt in ihr muss eine Gruppe Verbrecher feststellen, dass sie ihr Opfer besser nicht hätten entführen sollen.

20171 h 26 min
Kurzinhalt

Hazel (Sharni Vinson), Ade (Steven John Ward), James (Gustav Gerdener) und Mark (Zino Ventura) tüfteln einen Plan aus, der ihre Brieftaschen um einiges füllen soll. Das befreundete Quartett will die Tochter eines wohlhabenden Diamantenhändlers (Ter Hollmann) entführen, um ihn zu erpressen. Mit den erbeuteten Edelsteinen stünde ihnen die Welt offen. Katherine Hudson (Carlyn Burchell) stellt sich zunächst auch als leichtes Ziel heraus – doch nachdem sie die junge Frau in ihre Gewalt gebracht haben, geht alles gnadenlos schief. Der Händler und seine Ehefrau (Gina Shmukler) sind einfach nicht erreichbar und mit dem Entführungsopfer stimmt etwas ganz und gar nicht: Ein furchterregender und blutrünstiger Dämon scheint in Katherines Innerem zu wohnen. Dieser treibt ein tödliches Spiel mit Hazel und ihren Freunden. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt…

Metadaten
Titel Demon Girl - Das Böse lebt in ihr
Original Titel From a House on Willow Street
Regisseur Alastair Orr
Laufzeit 1 h 26 min
Starttermin 24 März 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
Bilder
Trailer

Aus Bösewichten werden schnell selbst Gejagte und ein scheinbar einfacher und leicht zu bewältigender Plan eskaliert zu einem Horror-Trip, der alle Voraussagen ad Acta legt. Regisseur Alastair Orr würzt diese Idee in seinem Horror-Schocker „Demon Girl“ mit einer ordentlichen Prise Blut und Okkultismus.

Tiberius Films hat sich dem Film für eine Veröffentlichung auf dem deutschen Markt angenommen und ihn auch gleich von „From a House on Willow Street“ in den leichter von der Zunge rollenden „Demon Girl“ umbenannt. Die professionelle Optik des Films erfreut das Fan-Herz, doch beim genaueren Blick unter die Haube tritt schnell Ernüchterung auf, denn „Demon Girl“ ist alles andere als perfekt. Wie schon in einigen Vorgängern dieses Filmes kämpfen hier abermals dumme Protagonisten gegen das Böse und schlagen es trotz geistiger Umneblung am Ende in die Flucht. Neu ist im direkten Vergleich das Gespür fürs Visuelle. In „Demon Girl“ sind makellose Hochglanzaufnahmen zu sehen, die es gut und gerne mit Horrorproduktionen grosser Studios aufnehmen können. Der aus einer Hand voll Personen bestehende Cast besteht zu einem grossen Teil aus eher unerfahrenen Darstellern. Einzig Sharni Vinson als Hazel dürfte vielen als Erin aus dem Home-Invasion-Kracher „You’re Next“ bekannt sein. Für manche der Hauptdarsteller ist dies sogar ihr Spielfilmdebüt.

Eigentlich hätte aus „Demon Girl“ fesselnder Horror werden können, der bis in den Schlaf verfolgt. Leider macht die zweite Filmhälfte aus diesem Horrorthriller dann doch nur eine übertriebene Gruselachterbahn ohne tieferen Sinn, die aber immerhin ohne Längen daher kommt. Während Regisseur Alastair Orr in den ersten 45 Minuten Spannung durch mysteriöse Vorfälle aufbaut, die auf subtilen Grusel mit Hirn hoffen lassen, lösen sich Vorfreuden spätestens ab der Halbzeit in Luft auf. Genau das Gegenteil flimmert nämlich über die Mattscheibe und dürfte Feingeister die Haare zu Berge stehen lassen. So wird aus einer unheimlichen Entführung plötzlich vorhersehbarer Dämonen-Horror, der sich zu sehr den Konventionen des Horrorkinos unterwirft und sich in einem faden Brei aus Klischees und Effekthascherei verfängt. Hier hätte man mehr draus machen können, zumal dem Drehbuch in den letzten Zügen auch noch die Ideen ausgehen und die immer gleichen Spezialeffekte aus der Effektkiste gekramt werden. Da schweben besessene Zombie-Freunde durch die Luft und dämonische Wurmparasiten krabbeln aus Mündern, weil sie nach neuen Wirtskörpern suchen.

Weil die immer gleichen Effekte zelebriert werden und die Helden auch noch spannungsarm vor einem Dämon in Menschengestalt flüchten müssen, versinkt „Demon Girl“ schnell in der Belanglosigkeit. Das hat man irgendwie alles schon mal besser gesehen, wobei ich an dieser Stelle noch einmal die Horrorstreifen „Don’t Breath“ und „The Autopsy Of Jane Doe“ in Erinnerung rufen möchte. Bei genauerer Betrachtung ist „Demon Girl“ nichts anderes, als ein Mix genannter Grusel-Hits. Leider erreicht der Film nicht mal annähernd jene Qualitäten. Leider schafft es der in Südafrika gedrehte „House on Willow Street“ auch nicht aus der Masse wirklich hervorzustechen. Wer jedoch auf der Suche nach einem anspruchslosen Grusler ist und sonst schon alles gesehen hat, kann durchaus einen Blick wagen.

Es (2017)

Es

Wovor hast du Angst?

2017
Kurzinhalt

Die Freunde Stanley Uris, Richie Tozier, Mike Hanlon, Bill Denbrough Beverly Marsh, Eddie Kaspbrak und Ben Hanscom leben in einer Stadt namens Derry, in der immer wieder Menschen verschwinden – sowohl Erwachsene als auch vor allem Minderjährige. Schließlich erfahren die Kinder, die sich selbst auch den „Klub der Verlierer“ nennen, von einer interdimensionalen Kreatur, die Jagd auf Menschen macht und sich in die schlimmsten Alpträume ihrer Opfer verwandeln kann. Meistens tritt das Biest jedoch in Form des sadistischen Clowns Pennywise auf. Die Kinder schwören die Kreatur zu vernichten und kehren als Erwachsene in ihre Heimatstadt zurück, in der Pennywise erneut aufgetaucht ist.

Metadaten
Titel Es
Original Titel It
Regisseur Andy Muschietti
Laufzeit
Starttermin 5 September 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Trailer

Wenn der Horrormeister Stephen King persönlich zugibt, dass er in einem Film Angst verspürte, der auf einem seiner eigenen Romane basiert, dann lässt das nicht nur uns aufhorchen. Dass die Neuverfilmung von „Es“ gruselig geworden ist, ging durch alle Medien und ich muss zugeben, das die Neuverfilmung um ein vielfaches besser ist als das Original, dass mich grösstenteils nur gelangweilt hat. Ein sehr gelungenes Remake, dass die Stimmung des Buches gut einfängt. So muss eine Buchverfilmung aussehen.

Wer einen reinen Horrorfilm erwartet ist definitiv falsch, der ist generell bei Stephen King falsch, denn dieser Film ist kein blutiger Horrorschocker, wie es in Medienberichten ständig behauptet wird, sondern genau wie im Buch ist es hauptsächlich eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Der gesamte Look des Films wirkt wie aus den 80ern. Die Musik, die Kamera und die Effekte sind absichtlich etwas auf alt getrimmt. Den Losersclub schliesst man, ebenfalls genau wie im Buch, sofort ins Herz. Es gibt interessante Horror Elemente, wirklich lustige Passagen der derberen Art und Drama. Die jungen Schauspieler machen ihre Sache wirklich gut, es macht richtig Spass ihnen zuzusehen und Bill Skarsgard als Pennywise ist eine Wucht. Er lässt dem Wahnsinn Raum zum entfalten und unterzeichnet dies mit einer Mimik, die absolut grandios ist. Doch sollte man nicht den Fehler begehen, ihn mit Tim Curry vergleichen zu wollen. Beide spielen den Clown auf Ihre eigene Art und in meinen Augen wissen beide zu überzeugen. Bei Skarsgard sehe ich für den zweiten Teil sogar noch potenzial nach oben, wenn sich der zweite Teil mehr im düsteren Erwachsenen und Horror Bereich positioniert. Das schwedische Fotomodell Skarsgård, kurzfristig für Will Poulter (The Revenant, The Maze Runner) eingesprungen, dominiert mit seiner verspielt sadistischen Art den Film nach Belieben.

Nachdem Cary Fukunaga (True Detective) aufgrund Terminüberschneidungen den Stuhl räumen musste, kam mit dem argentinischen Filmregisseur Andy Muschietti (bürgerlicher Name Andrés Muschietti) einen Drahtzieher, welcher bisher nur einen einzigen Langspielfilm realisierte. Man darf dem Filmstudios auch feines Gespür attestieren, denn wer bei Muschiettis Filmdebüt genau hinschaut, erkennt darin das perfekte Bewerbungsschreiben für „It“. Bereits beim spanisch sprachigen „Mama“ spielte der Argentinier gekonnt auf der übernatürlichen Klaviatur, ohne dabei ins generische Horror-Geplänkel abzudriften. Kommt hinzu, dass Muschietti eine Horde talentierter Filmemacher zur Seite gestellt wurde. Besonders hervorzuheben sind Benjamin Wallfisch, der Golden Globe and Emmy nominierte Komponist, welcher „It“ abwechselnd in melancholische, verstörende, brutal abgefuckte oder wenn nötig auch mal optimistische Klangfarben taucht oder der für die Cinematography verantwortliche Koreaner Chung-hoon Chung. Chung ist sowas wie der Hauscinematograph Chan-wook Parks (Oldboy, Thrist, Stoker) und wer die Filme Parks kennt weiss, was für cineastische Leckerbissen hier ins Auge getröpfelt werden. Das R-Rating hätte für meinen Geschmack noch mehr ausgekostet werden dürfen. Ein paar abgetrennt Gliedmassen und Blutfontänen müssen hier reichen, um den Blutdurst von Gore-Hounds zu befriedigen. Dafür sind die Special Effects brilliant. Ein paar Szenen werden sich mit Sicherheit auf Lebzeiten in dein Gedächtnis einbrennen…

Der Losers-Club, bestehend aus jedem erdenkliche Klischées eines Coming-Out-Of-Age-Filmes, der Dicke, der Nerd, der Schwarze, das Mädchen, der Stotterer, der Hypochonder, verleiht dem Film etwas, was in einem Horror-Film leider selten vorhanden ist: Herz. Wie schon bei Stephen Kings „Stand By Me“, schöpft „It“ die Kraft des Films aus der Gruppendynamik der Losers. Wie sie gemeinsam oder in der Gruppe ihre eigenen, realen und fiktiven Dämonen gegenüber treten, ist auch ohne dem nach Blut und Angst geifernden Pennywise fesselnd. Wenn ich mich richtig erinnere, ernährt sich der von Tim Curry dargestellte Pennywise in erster Linie von der Angst, die die Kinder vor ihm empfinden. In der neuen Version profitiert der Clown aber auch – und besonders – von der Angst, die aus dem gesellschaftlichen Umfeld der Kinder und Jugendlichen generiert wird. Resultierend aus sozialer Ausgrenzung wegen (vermeintlicher) Nonkonformität, familiärem Druck, der hier teils exzessive Züge annimmt und immer wieder befeuert durch den allgegenwärtigen Pedobear, lässt sich Pennywise hier auch durchaus als Manifestation sozialer Phobien und eines gesellschaftlich tolerierten Grauens begreifen. Auf dieser Ebene ist die neue Verfilmung deutlich wirkungsvoller, gruseliger und grimmiger als auf der plakativen Oberfläche. Die Laufzeit von 135 Minuten geht runter wie Butter, trotzdem schafft es „It“ gegen den Schluss hin nicht, die Spannung aufrecht zu erhalten und driftet in den letzten 20 Minuten immer mehr in Richtung Deja-Vu-Horror. Auch die immer gleichen Jump-Scares ermüden mit der Zeit und lassen Pennywise gegen Ende recht lächerlich erscheinen. Schade. Trotzdem ist „It“ ein Highlight des Kinojahres – und des Horror-Genres.

„It“ ist stellt seinen Vorgänger locker in den Schatten. Ein brillanter Pennywise, sattelfeste Filmemacher und ein durchs Band weg sympathischer Cast heben den Film locker in die Top 5 aller Stephen-King-Verfilmungen. Und eins sollte man bedenken: ES hat mit diesem Teil gerade mal angefangen und ist bei der Hälfte angekommen, kein Film feuert all sein Pulver in der ersten Hälfte ab. Andrés Muschietti hat hier gute Arbeit geleistet, der angekündigte Directors Cut wird uns ca. 15 Minuten mehr an Film bescheren und Teil 2 im Jahr 2019 wird die Geschichte zu Ende erzählen. Das wir dabei sicher mehr Horror und Grusel zu sehen bekommen, daran zweifle ich nicht. Im Grossen und Ganzen ist „Es“ in meinen Augen kein perfekter, aber doch sehr unterhaltsamer Film. Wenn man über einige Probleme hinwegschauen kann, wird man seine Freude mit dem Film haben. Ich hatte bei dem Film bis zum Ende das Gefühl, eine Zeitreise gemacht zu haben, es war wie ein Nostalgietrip, der mich erinnerte, wer ich war und wer ich jetzt bin. Auch wenn ich offen für eine Fortsetzung bin, werden mir die jungen Schauspieler fehlen. Ein Film bei dem man sich gruselt, lachen kann und vielleicht auch zum Nachdenken anregt. Sich den Film anzuschauen um sich ein eigenes Bild zu machen lohnt auf jeden Fall – dabei sollte man die TV Adaption von damals aber ausser acht lassen…

Little Evil

Little Evil

2017
Kurzinhalt

Gary könnte nicht glücklicher sein. Mit Samantha hat er seine absolute Traumfrau geheiratet und jetzt ziehen die beiden in ihr gemeinsames Haus in einer ruhigen Siedlung in der Vorstadt. Dabei hat es ihn auch gar nicht gestört, dass Samantha bereits ihren sechsjährigen Sohn Lucas mit in die Ehe bringt. Gary will auch unbedingt eine Beziehung zu seinem neuem Stiefsohn aufbauen, doch schon bald muss er feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Denn nicht nur lässt Lucasseinen Stiefvater nicht in seine Nähe und spricht zu ihm nur durch eine Socken-Handpuppe, sondern es passieren auch seltsame Dinge in seiner Nähe. Als Gary auch noch erfährt, dass Samantha zur Zeit der Schwangerschaft Mitglied eines seltsamen Kults war, kommt ihm nach und nach ein schlimmer Verdacht, der die Beziehung zu seiner neuen Frau gehörig auf die Probe stellen könnte: Ist Lucas vielleicht die Wiedergeburt des Antichristen?

Metadaten
Titel Little Evil
Original Titel Little Evil
Regisseur Eli Craig
Laufzeit
Starttermin 8 August 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Trailer

„Little Evil“ ist eine Parodie auf Horrorfilme mit „bösen“ Kids wie „Das Omen“, „Rosemaries Baby“, „Shining“ oder „Poltergeist“ und geizt deswegen auch nicht mit Anspielungen, Referenzen und Querverweisen. Mit „Little Evil“ ist es Regisseur Eli Craig (Tucker & Dale vs. Evil) gelungen, ein wenig die Atmosphäre vergangener 80er und 90er Jahre Horrorkomödien einzufangen.

Der Netflix Original Movie erinnert auch ein wenig an „Meine teuflischen Nachbarn“ mit Tom Hanks, an Michael Keaton in „Beetlejuice“ oder Jessica Alba in „Die Killerhand“, auch wenn „Little Evil“ nie den Horror oder den Humor dieser Filme erreicht, ist es eine angenehme Abwechslung zu den seichten, heutigen Komödien. Wenn „Little Evil“ etwas richtig macht, dann dass er, ähnlich wie Scream, als Persiflage auf die wirklichen Horror-Klassiker angelegt ist, zugleich aber keine belanglose Komödie darstellt, sondern sich selbst ernst genug nimmt, um unterhaltsam in Erinnerung zu bleiben und keinen, anders gruselig, Scary Movie-Verschnitt darstellt. Adam Scott gibt darüber hinaus ein gutes Doppel mit Evangeline Lilly ab, die sich als Mutter des Antichrists gibt, die entweder alle Anzeichen ignoriert oder sie allzu naiv übergeht. Gary findet sich in der Rolle des Stiefvaters wieder, der zwar verkrampft-verzweifelt versucht, die Liebe seines neuen Stiefsohnes zu gewinnen, es aber eben mit einem buchstäblichen Teufel zu tun hat.

Es gibt viele gute Ansätze, doch deren Potential wird leider nicht komplett ausgeschöpft. „Little Evil“ spielt geschickt mit den Klischees und Stereotypen von Horrorfilmen mit Kindern. Doch ist dabei weder gruselig, noch urkomisch genug. Die Anspielungen, Referenzen und Querverweisen realisiert man halt nur, wenn man die Filme kennt, die angesprochen werden. Der Horror kommt durch Lucas selbst, ein wunderbarer Jung-Darsteller, der seinen kleinen Teufel mit fiesen Blicken spielt. Für einen Großteil des Films bleibt er stumm, steht einfach nur in der Tür, schaukelt oder sitzt auf dem Küchentisch, da darf Papa gerne mal eine Gänsehaut bekommen. Zum Ende hin mag der Film seinen Biss und schwarzen Humor ein wenig verlieren, aber darüber kann man hinwegsehen, wenn man den durchaus amüsanten Beginn und das Mittelstück von „Little Evil“ betrachtet.

Evil Feed

Evil Feed

20131 h 30 min
Kurzinhalt

Dem sadistischen Steven gehört ein exklusives chinesisches Restaurant namens Long Pig im Untergrund, das ein Klientel bedient, das nach dem Verzehr von menschlichem Fleisch Ausschau hält. Seine rechte Hand ist seine Freundin Yuki. Um seine Gäste zu versorgen und zu unterhalten, entführt Steven Kampfsportler, die sich in einem Käfig in seinem Keller seinen eigenen Kämpfern stellen müssen, wodurch der Verlierer als Gericht für die gut zahlende Kundschaft endet. Als Nash und Jenna in sein Visier geraten, brechen ihre Freunde Tyrone, Brian und Carlos auf, um das Restaurant zu infiltrieren und den beiden den Hals zu retten. Doch werden sie es wirklich schaffen und alle wieder heil herausfinden?

Metadaten
Titel Evil Feed
Original Titel Evil Feed
Regisseur Kimani Ray Smith
Laufzeit 1 h 30 min
Starttermin 23 Oktober 2013
Website
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
Bilder
Schauspieler
Mit: Laci J Mailey, Terry Chen, Alain Chanoine, Alyson Bath, Derek Gilroy, Bishop Brigante
Trailer

„Evil Feed“ ist herrlich unterhaltsamer Klamauk mit ein paar Kampfeinlagen, einer Prise schwarzem Humor und jede Menge Splatter. Horror nach altbewährter „Hostel“-Manier trifft auf knochentrockene Martial Arts Action. Dazu kommen ordentlich Titten und Ärsche, extrem viel Blut und bis zur Karikatur verzerrte Figuren. Darüber stülpt man etwas Heavy Metal und fertig ist ein ziemlich unterhaltsames Stück Film, bei welchem man das Hirn aber ausschalten sollte.

Bilder von ""

„Evil Feed“ zu kategorisieren ist nahezu unmöglich, da sich hier Elemente aus zahlreichen Genres die Hände reichen. Der Trash-Faktor ist enorm hoch, der Humor ist tiefschwarz und rückt jede noch so makabere Szene in ein recht amüsantes Licht. Dadurch wird auch eine gewisse Distanz des Zuschauers zu den teils erheblich brutalen Sequenzen aufrechterhalten. Schnell fällt auf, dass gerade die Fokussierung auf eine gewollte Abgedrehtheit dem Film die grössten Probleme beschert. Vor allem die Story kann hierbei nie Schritt halten. Während die Ausgangssituation noch relativ schnell etabliert ist und richtig gut funktioniert, verzettelt sich der Film bald in einem überbordenden Wulst an Figuren. Dabei fokussiert er keine einzige richtig, weshalb man sich auch schwer tut, einen „Hauptcharakter“ zu benennen. Die Folge ist, dass der Handlung ein echtes Zentrum als auch eine Figur, mit der man mitgehen kann, fehlt. Das hat freilich auch Auswirkungen auf die Spannungskurve, die vor allem im Mittelteil einige Male durchhängt.

Langweilig wird es dabei allerdings nie. Denn Regie-Debütant Kimani Ray Smith, bisher vornehmlich als Stuntman in Hollywood aktiv, drückt durchgängig auf die Tube und schichtet Absurdität, Ekel, Action und schwarzen Humor beherzt Lage für Lage aufeinander. „Evil Feed“ ist aufgrund dessen immer in Bewegung, erweckt aber zunehmend auch den Eindruck einer lose zusammenhängenden Nummernrevue. Der Film entstammt übrigens aus dem kranken Gedankengut von Regisseur Ryan Nicholson, der sich unter anderem mit „Gutterballs“ bei den meistens Horrorfreunden schon einen Namen gemacht hat. Die Kamera ist beständig auf der Suche nach abgefahrenen Einstellungen und der wilde Soundtrack gibt gerne mal die Schnittfrequenz vor. In diesem technischen Rahmen agieren Darsteller, die durch die Bank das berühmte Quäntchen drüber sind. Overacting allerorten. Mal nervig, mal stimmig. Dabei müssen die Kerle vornehmlich ordentlich hinlangen, während die Damen blank ziehen. Letzteres ist definitiv nicht zum Nachteil des Zuschauers, denn die Damen in „Evil Feed“ sind wahrlich sehr angenehm anzuschauen. Absolutes Highlight und definitiv der Showstealer dieser wilden Fahrt: Alyson Bath als vollkommen abgedrehte, dauerjuckige Yuki.

Wer also Appetit nach einem politisch völlig unkorrekten Filmhappen hat, sollte sich „Evil Feed“ definitiv zulegen. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, das man nicht der unzumutbaren deutschen Veröffentlichung zum Opfer fällt, bei der wohl beinahe ganze Passagen mit der grossen Zensurschere entfernt wurden. In der Action des Filmes erwarten den Zuschauer erstaunlich solide und knackige Martial Arts Fights, die stark auf Effektivität getrimmt wurden und flott montiert sind. Zudem enden sie meist mit wirklich brachialen Finishern, bei denen Kehlen heraus- und Gesichter abgerissen werden. Auch abseits der Action ist „Evil Feed“ ein extrem derbes Ding. Da werden Schwänze abgerissen und verspeist, allgemein ist die Kannibalismus-Thematik allgegenwärtig und ausgekotzte Aale oder zertrümmerte Schädel sind per se nichts, worauf der deutsche Jugendschutz steht. Das Tempo ist mehr als flott und die harte Action sowie die mal heftigen und mal witzigen Splattereinlagen setzen hübsche Highlight-Momente. Von der hübschen Comicoptik ganz zu schweigen und Yuki-Darstellerin Alyson Bath alleine ist das Ansehen schon wert.

Get Out

Get Out

Ist jeder, der eingeladen ist, auch wirklich willkommen?

20171 h 44 min
Kurzinhalt

Der afroamerikanische Fotograf Chris und seine weiße Freundin Rose sind seit mittlerweile fünf Monaten ein Paar. Als Rose ihm ihre Eltern vorstellen möchte, stimmt Chris wohl oder übel zu, auch wenn ihn die Sorge umtreibt, wie Roses Eltern auf den schwarzen Freund ihrer Tochter reagieren werden. Doch zunächst erweisen sich Chris’ Bedenken scheinbar als völlig unnötig: Dean und Missy bereiten den beiden einen herzlichen Empfang und scheinen sich an der Hautfarbe des Partners ihrer Tochter überhaupt nicht zu stören. Doch dann entdeckt Chris, dass die schwarzen Hausangestellten der Familie nicht nur die einzigen Schwarzen in der ganzen Umgebung sind, sondern auch seltsam abwesend und untertänig wirken. Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen…

Metadaten
Titel Get Out
Original Titel Get Out
Regisseur Jordan Peele
Laufzeit 1 h 44 min
Starttermin 24 Februar 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

„Get Out“ von Jordan Peele ist ein schräger Horrorfilm mit satirischen und gesellschaftskritischen Anklängen. Der skurrile Humor lockert die unheimliche Atmosphäre immer wieder auf, trotzdem wird es nie albern. Es bleibt durchweg spannend und die Geschichte bleibt bei aller Absurdität stets glaubwürdig. Das liegt nicht zuletzt an den facettenreichen Figuren und den tollen Schauspielern, die weitestgehend unbekannt sind und wunderbar als Ensemble zusammenspielen.

Was Jordan Peele (Keanu) hier als Autor und Regisseur abliefert, ist tatsächlich nicht weniger als einer der intelligenteren Horrorfilme. Peele macht gleich mit seiner die Genregesetze auf den Kopf stellenden Vor-dem-Titel-Sequenz klar, wo der Hase langläuft. „Get Out“ ist bis zum Rand vollgestopft mit ambivalenten Momenten, wobei vor allem die grossartige Catherine Keene einen immer wieder gekonnt aus der Bahn wirft, weil sich ihre vermeintlich fürsorglichen Blicke und Gesten einfach nie so richtig einordnen lassen. Schliesslich wird in ihren sanften Händen selbst ein simpler Teelöffel zur ultimativen Psycho-Waffe. In welche Richtung der Film so ungefähr gehen wird, ist relativ schnell klar – und die Macher spielen sogar selbst sehr geschickt mit diesem Umstand, wenn sie Chris‘ Kumpel Rod am Telefon genau vor dem möglichen Szenario warnen lassen, das sich auch der Zuschauer bereits als mögliche Wendung zusammengereimt hat. Trotzdem stecken genug clevere Twists und Kniffe in „Get Out“, um den Zuschauer bis zum letzten Moment immer wieder zu überraschen.

„Get out“ ist einer der ersten Filme, der explizit in einer Post-Obama-Ära spielt und Peele hat mehrfach betont, dass er die Lüge vom postrassistischen Amerika entlarven wolle: Nur weil das Land einen schwarzen Präsidenten hatte, bedeutet dies nicht, wie viele Amerikaner gerne, aber eben irrtümlich glauben, dass Rassismus in Amerika überwunden worden wäre. Nichts verdeutlicht diese Illusion besser als die Wahl von Donald J. Trump, die Massenkriminalisierung von Afroamerikanern und der aufkeimende Nationalismus in den USA. Trump-Wähler wären Peele aber ein zu einfaches Ziel gewesen. Er spielt mit der brisanten Idee, dass weisse bürgerliche Liberale nicht die toleranten Leuchtfeuer der Menschheit sind, die sie glauben zu sein. Alles nette Leute, die Republikaner als Rassisten abqualifizieren, aber selbst mit keinem schwarzen Menschen in Berührung kommen, ausser er mäht ihren Rasen. Leute, die sich auf die Schulter klopfen, weil sie weltoffen sind und es wie der Vater von Rose für ein Privileg halten, eine andere Kultur kennenzulernen – solange sie in Schach gehalten werden kann. Diese Haltung ist durchaus gruselig.

Bestimmt ist „Get Out“ nicht der erste Horrorfilm, der offensichtlich Rassismus thematisiert, aber es passiert doch selten. Auf dem Höhepunkt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, im Jahr 1968, drehte George A. Romero „Die Nacht der lebenden Toten“ über einen schwarzen Mann, der die Angriffe einer Horde weisser Zombies überlebt, nur um am Ende von der Bürgerwehr getötet zu werden. Auch Peeles Film ist eine mächtige Provokation, die Stereotype auf den Kopf stellt und von Rassismus noch einmal auf ganz andere Weise erzählt. Peele, der mit einer weissen Frau verheiratet ist, hat mit „Get Out“ seine unheimliche, wilde Vorstellungskraft bewiesen. Gruseliger ist nur die Realität, aus der sie sich nährt.

Die Mumie

Die Mumie

20171 h 51 min
Kurzinhalt

Vor 2.000 Jahren wurde Ahmanet tief unter der Erde weggesperrt – aus gutem Grund! Denn wie Expertin Jenny Halsey aus Hieroglyphen entziffert, war Ahmanet als Anwärterin auf den Königsthron zu machtgierig und böse. Durch Mumifizierung und eine meterdicke Sandschicht sollte die Welt vor der Macht der Geschassten geschützt werden, doch nun ist die Mumie erwacht. Ahmanet bahnt sich den Weg aus ihrem düsteren Grab hinein in unsere Gegenwart, in der es am Abenteurer Nick Morton ist, Unheil von der gesamten Menschheit fernzuhalten. Die Tipps von Dr. Henry Jekyll im Ohr nimmt Nick den Kampf auf. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich in der Mumie unermessliche Wut und Bosheit angestaut – jetzt hat sie Durst nach Rache…

Metadaten
Titel Die Mumie
Original Titel The Mummy
Regisseur Alex Kurtzman
Laufzeit 1 h 51 min
Starttermin 6 Juni 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Müll
Schauspieler
Mit: Tom Cruise, Russell Crowe, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Jake Johnson, Courtney B. Vance
Trailer

Ein Tom Cruise macht noch lange keinen guten Film. Die Neuauflage des Klassikers wirkt farblos, die Story selbst ist zu Beginn stark an den Klassiker angelehnt, wodurch man noch einiges an Hoffnung hegt. Leider sind aber auch schon zu diesem Zeitpunkt die Dialoge so platt wie eine Flunder. Die Schauspieler sind durchweg mies, egal ob es dabei die bezaubernde Blondine, der angeblich lustige Begleiter, der Wissenschaftler oder Tom selbst ist, lediglich die Mumie wird gut gemimt. Doch wie die Story sich weiter im Film entwickelt kann sie auch nicht verhindern. So wird spätestens ab Mitte des Films die Story zu einem Abklatsch allen Mumien-Verfilmungen gleichzeitig.

Ähnlich wie Marvel will Universal mit seinem „Dark Universe“ ein eigenes Filmuniversum erschaffen. Dies auf Basis ihrer grossen, alten Horrorklassiker (Frankenstein, Dracula, Die Mumie usw). Den Auftakt bildet nun „The Mummy“ mit Tom Cruise, doch leider verfehlt der Film sein Ziel und wirkt gleich auf mehreren Ebenen unausgegoren und nicht wie aus einem Guss. Während die letzte Neuauflage – „The Mummy“ mit Brendan Fraser – rundum gelungenes Popcornkino lieferte, welches der Geschichte mit reichlich Augenzwinkern und gelungenen Humoreinlagen einen in sich konsistenten, eigenen Stil verpasste, wird das aktuelle Remake schnell vergessen sein. Ihm fehlt schlicht die eigene Handschrift, genauso wie eine klare Entscheidung, was für ein Film es eigentlich sein will. So wirken beispielsweise plumpe Humoreinlagen im düsteren Setting völlig fehl am Platz. Das sichtbar teure Productiondesign glänzt, während gleichzeitig Charaktertiefe, und damit auch deren Glaubwürdigkeit ein echtes Manko darstellen. So ist die Hauptfigur Nick Morton über Strecken einfach nur nervig und gewinnt kaum Sympathiepunkte, da sie in erster Linie als egoistischer Ignorant auftritt. Die spätere Charakterwendung erscheint dadurch kaum glaubwürdig. Was soll Morton denn nun sein? Ein frecher Abenteurer mit Klasse à la Indiana Jones oder einfach nur ein gewissenloser Dieb? Auch seine Begleiterin, die Archäologin Halsey, bleibt blass, klischeehaft und austauschbar – die Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren erzeugen weder Humor, noch Emotionen – auch hier zeigten die Protagonisten der humorvollen Mummy-Variante von 1999 deutlich mehr Chemie und Authentizität miteinander. Einzig Russell Crowe als Dr. Jekyll (ja, der Dr. Jekyll…) zeigt sich als vielschichtigere Figur, verfügt aber leider nicht über die nötige Screentime um weiter ausgebaut werden zu können.

Einzelne Settings sind durchaus in sich stimmig und gut inszeniert: der Flugzeugabsturz, die Gräber, London… doch sie fügen sich nicht zu einem Fluss zusammen. Man ist mal hier, mal dort, es gibt viele grosse Sprünge, Übergänge fehlen. Auch gewisse logische Mankos entstehen durch diese holprige Erzählweise. „Die Mumie“ ist aufwendig produziert, gut besetzt und durchaus kurzweilig. Letzteres hauptsächlich aufgrund der vielen Actionsequenzen. Ruhige Momente jedoch verpuffen in emotionaler Gleichgültigkeit, gruselige Szenen langweilen mit ausgekauten Jumpscares. Einleitend heisst es, dass der Tod nur die Schwelle zu neuem Leben sei. Und in kurzen Momenten zeigt Sofia Boutellas Prinzessin/Mumie eine Macht- und Lebensgier, die erahnen lässt, welche Verheissung und welche Anmassung in diesem Satz stecken. Ansonsten wird das dramatische Potenzial – vom philosophischen ganz zu schweigen – dieser Prämisse allerdings kaum genutzt, vielmehr scheint sie der Vorwand für einen recht nonchalanten erzählerischen Umgang mit Leben und Tod zu sein. Ein fataler Flugzeugcrash ist nichts Endgültiges, man kann jemanden drei Mal erschiessen und bei jeder Gelegenheit blutrünstige Untote ins Feld schicken, als seien wir hier bei „The Walking Dead“ – ganz egal, ob es sich um Kreuzritter, altägyptische Wachen oder heutige Polizisten handelt. Diese Zombie-Attacken mögen genauso wie die Vogelangriffe, sowie die ganzen Ratten und Spinnen, die über Cruise und Co. herfallen, oft ein wenig willkürlich daherkommen, aber sie gehören neben einem „Scherbenregen“ im Museum zu den visuellen Höhepunkten dieses Films, dem man sein 125-Millionen-Dollar-Budget durchaus ansieht.

Mit dem altmodischen Grusel von Karl Freunds 1932er-Klassiker mit Boris Karloff hat diese neue „Mumie“ rein gar nichts mehr zu tun, aber auch von dem augenzwinkernden Humor der Neuauflage mit Brendan Fraser von 1999 ist Alex Kurtzmans Film meilenweit entfernt. Zwar gibt es immer wieder Versuche, das ernste Geschehen etwas aufzulockern, aber diese verpuffen im nichts. In „Die Mumie“ geht es letztlich einmal mehr um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, einem Kampf, dem sich auch Dr. Jekylls Geheimorganisation Prodigium verschrieben hat (und die eine der Konstanten im Dark Universe werden könnte). Hoffen wir, dass das „Dark Universe“ mit der Neuauflage von „Frankensteins Braut“ geben (mit Javier Bardem als das Monster) und einen „Jekyll And Hyde“-Film (immerhin wird dessen von Russell Crowe gespielte Titelfigur schon in „Die Mumie“ eingeführt“), dazu sind Kino-Comebacks des Unsichtbaren, des Wolfsmenschen, des Phantoms der Oper, des Schreckens vom Amazonas, des Glöckners von Notre Dame und von Van Helsing besser wird, als der hier vorliegende Film. Das von Alex Kurtzman (als Autor auch schon am „Star Trek“-Reboot beteiligt) handwerklich solide, aber ohne jeden Anflug von Inspiration inszenierte Monster-Horror-Action-Abenteuer liefert nur wenige Hinweise darauf, wie es weitergehen könnte. Mit dem halbgaren Todesfluch-Hokuspokus stolpert sich Universal eher ins Dark Universe, als dass es direkt ein neugierig machendes Ausrufezeichen setzen würde. Schade!

Viral

Viral

20161 h 25 min
Kurzinhalt

Emma und ihre Schwester Stacey sind zwei gewöhnliche Teenager, deren Leben sich von einen Tag auf den anderen drastisch verändert. Denn in ihrer Heimatstadt verbreitet sich eine mysteriöse Infektion, die es nötig macht, die Einwohner unter Quarantäne zu stellen. Während ihre Eltern auf der anderen Seite festsitzen, genießen die Mädchen zunächst die Freiheit zu Hause. Plötzlich können sie auf Partys gehen und so viel Fast Food essen, wie ihnen lieb ist. Doch als das Virus sogar Opfer unter den Leuten fordert, die ihnen nahestehen, verschanzen sich die Mädchen gemeinsam mit Emmas heimlichem Schwarm Evan in den eigenen vier Wänden. Abgeschottet von der restlichen Zivilisation, steht Emma allerdings bald vor einer besonders schweren Entscheidung...

Metadaten
Titel Viral
Original Titel Viral
Regisseur Henry Joost, Ariel Schulman
Laufzeit 1 h 25 min
Starttermin 18 Februar 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Trailer

„Viral“ ist ein solide inszenierter Low-Budget-Apokalypse-Horror mit sympathischen Figuren, aber kaum eigenen Ideen und eher geringem Spannungswert. Henry Joost und Ariel Schumann sind ein eingeschworenes Filmemacherteam, dass sich auf dem Parkett des internationalen Horrorfilms Zuhause fühlt. Ein Jahr nach „Nerve“ legen sie mit „Viral“ einen weiteren klugen Schocker vor, der sich einer ähnlichen Prämisse bedient wie das berüchtigte Schwarzenegger-Vehikel „Maggie“, aber stets seinen Genrewurzeln treu bleibt.

In „Viral“ werden auf routinierte Weise altbekannte Genreversatzstücke kombiniert, zu denen gehören hier auch einige der blöderen Klischees wie sich ausgesucht dämlich verhaltenden Teenager – und so können sich hier anders als noch in „Nerve“ auch die jungen Darsteller nicht besonders profilieren. Die sehr starke Anlehnung an die Horrortradition führt zudem dazu, dass das Geschehen selbst für oberflächliche Genrekenner arg vorhersehbar ist. Aber immerhin wird das Ganze schnörkellos und zügig in weniger als 90 Minuten abgespult, wobei dank guter Kameraarbeit und präzisem Schnitt hin und wieder sogar eine wirklich packende Szene gelingt. Davon hätte es aber ruhig etwas mehr geben dürfen, stattdessen bekommen wir einige sehr offensichtliche Anleihen bei grossen Vorbildern wie David Cronenbergs „Parasiten-Mörder“ oder Philip Kaufmans „Die Körperfresser kommen“, bei denen dann eher das blosse Zitat als der Einsatz zur Spannungssteigerung im Mittelpunkt steht.

Dass die Spannung zwischendurch immer wieder nachlässt, liegt auch daran, dass in „Viral“ zu viele verschiedene Themen angerissen werden, um sie alle zufriedenstellend erzählen zu können. Da ist zum einen der „Terror“ durch die Infizierten, eine Gefahr von aussen, gegen die selbst die eigenen vier Wände nicht schützen. Zu der unmittelbaren Bedrohung kommt schliesslich noch die nagende Ungewissheit, ob es die Zivilisation überhaupt noch gibt oder ob die Überlebenden der kleinen Siedlung längst einer verlorene Schlacht kämpfen. Hier erhält das Szenario apokalyptische Züge, aber dieses Weltuntergangsmotiv wurde auch schon deutlich innovativer gestaltet, wie erst wieder in „The Girl With All The Gifts“. Und zu dieser globalen Ebene gesellt sich schliesslich noch das persönliche Drama zwischen den zwei Schwestern, die sich nicht immer gut verstehen. Doch auch für die psychologischen Feinheiten dieses Konflikts bleibt hier genauso wenig Zeit wie für die Einzelheiten der geheimnisvollen Seuche nebst ihren Ursachen. Letzteres ist besonders bedauerlich, denn gerade zum Schluss hin werden dazu ein paar interessante Ansätze eingebracht.

Was jedoch nach 08/15 klingt, ist nicht ohne. „Viral“ ist trotz bekannter Geschichte spannend. So atmosphärisch dicht und packend das alles inszeniert wurde – so dumm sind viele Handlungen der Protagonisten. Denen scheint des Öfteren nicht bewusst zu sein, in welcher Gefahr sie sich befinden. Da wird sich trotz Quarantäne auf Partys herumgetrieben, infizierten Opfern die Hände entgegengestreckt und Operationen in Eigenregie durchgeführt. Tut das nicht, mag man da rufen. Leider bleibt die Warnung wie so oft im Horrorfilm ungehört. Die Konsequenz folgt auf dem Fuss. Trotz Klischees und Logiklücken kein übler Vertreter dieser Gattung. So können Genreeinsteiger und Gelegenheitsgucker bei diesem Film ohne grosse Ekeleffekte ganz gut mit den Schwestern mitleiden, für hartgesottene Horrorfans birgt der weitgehend harmlose „Viral“ hingegen kaum Ansteckungsgefahr.

Alien: Covenant

Alien: Covenant

20172 h 02 min
Kurzinhalt

Der fremde Planet, den die Crew des Kolonisationsraumschiffs Covenant erforscht, wirkt paradiesisch: Doch als die Terraforming-Spezialistin Daniels und ihre Kollegen, darunter der Android Walter, Christopher und Tennessee, durch die bergige, bewaldete Landschaft laufen, fällt ihnen vor allem die merkwürdige, beunruhigende Stille auf: Kein Vogel ist zu hören – und auch kein anderes Tier. Bald schon merken die Entdecker, dass sie auf einem Planeten gelandet sind, der lebensfeindlicher kaum sein könnte. Blitzschnelle, hochintelligente und Säure-spritzende Aliens überfallen die Covenant-Crew, töten ein Mitglied nach dem anderen. Und dem Rest der Gruppe wird klar: So weit weg von der Heimat sind sie komplett auf sich allein gestellt...

Metadaten
Titel Alien: Covenant
Original Titel Alien: Covenant
Regisseur Ridley Scott
Laufzeit 2 h 02 min
Starttermin 9 Mai 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Trailer

Mit „Alien: Covenant“ kehrt Regisseur Ridley Scott zurück zum Kern der Reihe. Ein bildgewaltiger Sci-Fi-Action-Horrorfilm mit einigen grandios-intensiven Sequenzen, der zu viele Hintergründe einfach „erklärt“ und darüber viele seiner eigentlich zentralen Figuren vernachlässigt.

Mit Alien ist es ähnlich wie mit Star Wars: Die ersten drei Teile aus den 80ern sind Meilensteine der Filmgeschichte. Intelligent, durchdacht, logisch und unglaublich fesselnd und trotz veralteter Effekte gigantisch. Es wurden Welten aufgebaut, die man vorher nur aus epischen Büchern kannte. Seit jeher beziehen die Alien-Filme ihre beunruhigende Wirkung nicht bloss aus ihrer nervenaufreibenden Inszenierung, sondern auch aus ihren Dystopien. Dabei ist das Franchise gleich auf mehreren Ebenen revolutionär. Zum einen gehört Raumfahrerin Ripley (Sigourney Weaver), die in den kalten Weiten des Weltraums auf eine tödliche Alienrasse stösst, zu den ersten weiblichen Action-Heldinnen, zum anderen sorgte das visionäre Design der Xenomorphen nach einem Entwurf von HR Giger damals wie heute für Gänsehaut. Nach dem Ende der ursprünglichen Reihe mit Teil 4 beschloss Ridley Scott, der Schöpfer der Alien-Reihe, die Vorgeschichte zu “Alien” innerhalb einer Tetralogie weiterzuspinnen. Und genau diese Welten werden demontiert und ins lächerliche gezogen – dank der Blockbuster Mentalität.

Der 2012 erschienene „Prometheus“ erzählt eine Geschichte die vor den eigentlichen Alien Filmen spielt. Mit „Alien: Covenant“ kommt nun die Fortsetzung von „Prometheus“. Zeitlich spielt er vor „Alien 1“. Doch leider ist „Alien: Covenant“ storytechnisch eine Katastrophe. Bei manchen Szenen kann man einfach nur noch mit dem Kopf schütteln – schon fast unfreiwillig komisch sind die unlogischen Handlungsabläufe und Reaktionen der Protagonisten. Man merkt zwar, dass für den Film eine Menge Geld ausgegeben wurde und man profitiert davon, dass Ridley Scott Regie führte, aber was wirklich Gutes hat man leider nicht daraus gemacht. Ohne Scott wäre der Film wahrscheinlich noch schlechter geworden. Bis auf Michael Fassbender ist der Cast auch nicht wirklich der Rede wert. Selbst wenn man über die enormen Schwächen der Story hinweg sieht, bleibt trotzdem nur ein sehr spannungsarmer SciFi-Action-Horror übrig.

„Alien: Covenant“ ist düster und kalt und blutig, visuell und akkustisch atemberaubend inszeniert. Das war’s dann aber auch schon, denn der Film hält sich auch nicht an die eigenen Gesetzmässigkeiten, die er geschaffen hat. So wurden unglaublich durchdachte Konzepte in den alten Alien-Teilen geschaffen wie zum Beispiel die Königin, die die Eier legt, aus welchen die Facehugger schlüpfen, um sich einen Wirt zu suchen. Aus diesem schlüpft schlussendlich ein Alien, welches sich mehrmals häuten muss, um seine vollständige Grösse zu erreichen. Wächst also nur langsam heran, ist intelligent und vorallem extrem gefährlich, düster und hartnäckig. In „Alien: Covenant“ wird das alles über den Haufen geworfen, frei nach dem Motto: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Da schlüpft ein Alien und wächst innerhalb einer Minute auf 2 Meter heran. In der ersten Szene ballern fünf Leute drauf und treffen es auch, doch das Viech bleibt völlig unbeeindruckt, in der anderen Szene reichen ein paar einzelne Schüsse um es zu erlegen. Und das ist nur ein Beispiel. Die Logik geht in dem Streifen so flöten, dass es fast schon weh tut.

Leider muss man wirklich bewusst sowohl sein Hirn ausschalten, als auch die alten Alienteile vergessen, um gefallen an diesem Film zu finden. Auch sehen die Alienszenen einerseits wie Computerspiele aus, andererseits wird alles was in den alten Filmen geschaffen wurde gegen die Wand gefahren. Im Vergleich zu „Prometheus“ weniger Fragen, weniger Wucht, weniger Schauwerte. Dafür gute Action, viele Horrorelemente, ein hervorragender Fassbender, übrige Darsteller und vorallem die Story sehr schwach. Freue mich schon auf den nächsten Teil, hier werden die Aliens, die ja vom Androiden geschaffen wurden, auf die Kryptonit-Kristalle von Superman treffen und dann mit einem grossen und bunten S auf der Brust gegen den Silversurfer oder Green Lantern kämpfen, plus Gastauftritt von JahJah Binx. Schade, nur Popcorn-Kino, nicht wirklich schlecht, aber auch nicht gut genug für einen Ridley-Scott-Film.

The Demon Hunter

The Demon Hunter

20161 h 23 min
Kurzinhalt

In einer Provinzstadt am Mississippi muss die Polizei einen Massenmörder finden, der bereits neun Menschen innerhalb einer Woche getötet hat. Die FBI-Agentin Evelyn Pierce reist extra an, um den Täter zu stellen, doch so einfach scheint ihr Einsatz dieses Mal nicht zu werden – Pierce kann im Vorgehen des Mörders einfach kein Muster erkennen. Während die meisten Bewohner der kleinen Stadt viel zu ängstlich sind, um irgendeine Art von Hilfe anzubieten, stellt sich Jebediah Woodley als Dämonenjäger vor und ist bereit den Täter zur Strecke zu bringen. Zunächst hält Pierce von der eigentümlichen Jagd auf Dämonen nicht besonders viel, muss jedoch schnell erkennen, dass sie es dieses Mal nicht mit einem Mörder aus Fleisch und Blut zu tun hat. Das schreckliche Wesen ergreift von den Menschen Besitz und sucht sich ein Opfer nach dem nächsten.

Metadaten
Titel The Demon Hunter
Original Titel Don't Kill It
Regisseur Mike Mendez
Laufzeit 1 h 23 min
Starttermin 27 August 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

In Mike Mendez „The Demon Hunter“ jagt Dolph Lundgren Wesen, die nicht von dieser Welt sind. Sehr ordentlicher und überraschend unterhaltsamer B-Movie mit einem guten Prise Humor. Dolph Lundgren zeigt sich spielfreudig und gibt den coolen Dämonenjäger. Die Angriffe selbiger erfolgen immer unter harten Rock/Technobeats und erzeugen beinahe ein Videospielgefühl. Ziemlich blutig geht es obendrein zur Sache.

Dolph Lundgren ist dank Erfolgen wie „The Expedables“ und „Skin Trade“ wieder gut im Geschäft, wird wieder öfters gebucht und machte sogar einige Komödien, wie zum Beispiel „Kindergarten Cop:2“ und „Hail Ceaser“ mit George Clooney. Der hier vorliegende Splatter-Horror-Action Film macht einfach neunzig Minuten Spass, auch wenn alles absolut absurd aufgebaut ist und man den Film zu keiner Minute ernst nehmen kann. „The Demon Hunter“ ist äusserst brutal und es wird ordentlich gemetzelt, wer das also nicht erträgt, sollte die Finger von dem Film lassen. „Don’t Kill It“, wie der Film im Original heisst, ist ein gelungener Film, wenn man auf solche Filme steht und Dolph Lundgren ist eine coole Sau und hat auch sichtlich Spass an seiner Rolle. Lundgren bekommt nicht nur die Gelegenheit, endlich mal wieder sein unterschätztes Talent als Actor zu entfalten, er ist auch der Held, der Besessene mit Fangnetzen umhaut oder aufsässige Priester mit Gummi-Geschossen Einhalt gebietet.

Die Computer generierten Effekte zaubern dabei ein blutiges Lächeln ins Gesicht eines jeden Splatterfreundes. Der Film ist insbesondere geeignet für Metzgerlehrlinge. Das blutige Gemetzel ist auf jeden Fall einen Blick wert. Schon in den ersten zehn Minuten bricht „The Demon Hunter“ genüsslich mit allen Vorsätzen der Political Correctness und christlichen Nächstenliebe. Stattdessen werden Schrottflinten auf Kinderköpfe gerichtet, das Gesicht einer Hausfrau landet im Kochtopf voll heissen Wassers und die Wände erstrahlen im schönsten Rot. Der Hühne mit dem Mantel, dem Hut von Indiana Jones und einem Abo auf die besten Sprüche, weiss ganz genau, wer oder was für die Mord-Serie verantwortlich ist. Ein Dämon spielt nämlich „The Hidden“ im tief-gläubigen Kaff und steigert mit jedem Blutrausch seine Macht. Fieserweise zeigt „Don’t Kill It“ schon im Titel das grosse Dilemma unseres Recken: Wird ein Wirts-Körper getötet, hüpft das Höllenwesen einfach auf dessen Mörder.

„The Demon Hunter“ ist ein teils schwarzhumoriges Metzel-Fest mit einer schönen Mischung aus Old-School-Gore-Effekten und ein wenig neuzeitlicher Digi-Trickserei. „Don’t Kill It“ ist ein herrlich wilder Ritt, bei dem es einem immer wieder die Sprache verschlägt. Ob nun die Kettensäge sich den Weg durch die Menschen-Traube bannt oder gleich der Lieferwagen über selbige hinwegrast. Oder es ein Mädchen gleich mit einer Horde FBI-Leuten aufnimmt. Das Böse findet immer einen Weg, Leben schnell, drastisch und blutig zu beenden. Mike Mendez hat schon oft bewiesen, dass sich für ihn krasse Gewalt und Gelächter nicht ausschliessen. „Don’t Kill It“ ist für alle, die Mike Mendez kennen und lieben. Und all jene, die nur annähernd so gern wie er, etwas abseits ihr Glück in Motiven suchen, die nicht andauernd im Genre ausgeschlachtet werden. Wer sowieso nicht Neinsagen kann zu blutigem und nicht übermässig teurem Genre-Treiben, wird diesen Film lieben. Schliesslich hat Mendez bei den Kopfschüssen, den fliegenden Körperteilen und den Blutfontänen in erster Linie an sich selbst gedacht und nicht die Zensur-Behören. Sehenswert.