Das Zeiträtsel

Das Zeiträtsel

20181 h 49 min
Kurzinhalt

Meg will einfach nur ein ganz normaler Teenager sein, doch weil die Tochter des berühmten Wissenschaftler-Paares Kate und Alex Murry genau wie ihr Bruder Charles hochintelligent ist, wird sie in der Schule immer anders behandelt – erst recht, als ihr Vater plötzlich verschwindet. Zunächst fühlt sich Meg der Situation machtlos ausgeliefert, doch dann entdeckt sie, dass das neueste Forschungsprojekt ihrer Eltern etwas mit dem Verschwinden ihres Vaters zu tun haben könnte und geht dem Rätsel gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder und dem Nachbarsjungen Calvin auf den Grund. Bei ihrer gefährlichen Expedition, die sie durch Raum und Zeit führt, erhalten sie Hilfe von drei mysteriösen Wesen: Mrs. Soundso, Mrs. Wer und Mrs. Welche

Metadaten
Titel Das Zeiträtsel
Original Titel A Wrinkle in Time
Regisseur Ava DuVernay
Laufzeit 1 h 49 min
Starttermin 8 März 2018
Detail
Film-Details
Bewertung Müll
Schauspieler
Mit: Storm Reid, Deric McCabe, Levi Miller, Reese Witherspoon, Mindy Kaling, Oprah Winfrey, Gugu Mbatha-Raw, Chris Pine, Zach Galifianakis
Trailer

Jede Generation hat die „Unendliche Geschichte“, die sie verdient. „Das Zeiträtsel“ ist eine bonbonbunte Effektorgie mit anstrengenden Figuren und billigen Glückskeks-Lebensweisheiten. Angestrengt wird hier versucht, eine disneytaugliche Lebensweisheit der Marke „Glaub an Dich selbst, dann kannst Du alles erreichen!“ an die nächste zu reihen – und dies dermassen penetrant, dass es mit der Zeit so richtig nervt. Alles wirkt konstruiert und ohne Seele. Das einzige was mir von dem Film in Erinnerung bleiben wird, ist der im Minutentakt gerufene Name des Adoptivbruders: Charles Wallace!

Ein guter Wille macht noch keinen guten Film. Dieser Flop aus dem Maus-Haus ist ein nach Magie strebendes Fantasykino ohne Filmmagie und Rätsel. In faden CGI-Wolken der Familienfreundlichkeit schwebend, ohne erzählerischen Groove und arg platt mit den Themen Tod und Verlust umgehend, ersäuft Ava DuVernays Adaption eines Kinderbuchklassikers in matschige Selbstbejahung, die zu keinem Zeitpunkt sich emotional authentisch anfühlt. Plump-kitschig, mit marktorientierter Diversität geglättet, predigt der Streifen seine Weltverbesserungs-Glückskeks-Botschaften. Die Handlung ist ganz, ganz weit vom Buch von Madeleine L’Engle entfernt. Klar sind Buchverfilmungen meist eine Enttäuschung, aber bei „Das Zeiträtsel“ kommt so rein nichts rüber. Weit über 100 Mio $ Budget für ein Drehbuch, das Disney schon gut und gerne 50 mal als Zeichentrick-, Animations- oder Marvelfilm verfilmt hat. Die Moral von der Geschicht‘ mag gut gemeint sein, aber dass Hass mit Liebe besiegt werden kann, ist dann letztlich doch ein wenig dünn, wenn man zuvor derart bedeutungsschwanger mit diversen Scheinmetaphern daherkommt.

Die prominenten und ambitionierten Darsteller wie Chris Pine, Reese Witherspoon, Michael Peña, Oprah Winfrey, Zach Galifianakis und Gugu Mbatha-Raw werden eigentlich kaum gefordert. Anscheinend hat man nur ihre Namen zur Vermarktung gebraucht. Die afroamerikanische Regisseurin Ava DuVernay hat bislang zumeist betont afroamerikanisch-politische Werke. In „Selma“ erzählte sie von Martin Luther King sowie einer entscheidenden Phase der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, während die Regisseurin in der Netflix-Dokumentation „Der 13.“ die Geschichte von Sklaverei und Rassismus in Amerika von den historischen Anfängen aus aufrollte und einen Bogen bis hin zur Gegenwart spannte. Ungewöhnlich schien daher der nächste Schritt, für den eine Filmemacherin wie DuVernay, die sich vor allem in der Wahl ihrer Motive eine so klare Handschrift erarbeitete, von Disney ein gewaltiges Budget von 100 Millionen Dollar erhielt und einen familienfreundlichen Fantasy-Film drehen sollte.

Entstanden ist ein Film, der gerade erzählerisch von einigen Holprigkeiten geprägt ist und für den sich die Drehbuchautoren Catherine Hand und Jim Whitaker scheinbar nicht so richtig entscheiden konnten, an welche Zielgruppe die Geschichte letztendlich gerichtet sein sollte. Im Gegensatz zu Dr. Alex Murrys anfänglicher Aussage ist die Liebe zu dem Stoff, mit dem DuVernay ihre buchstäblich überdimensionierte Romanverfilmung aufgeladen hat, aber unentwegt sichtbar. „Das Zeiträtsel“ führt den Zuschauer gemeinsam mit den Figuren in fremde Welten, welche beeindruckende Schauwerte, ungeahnte Möglichkeiten, bei denen die Grenzen der Physik ausser Kraft gesetzt sind, und düstere Gefahren beherbergen. Dabei findet die recht überstürzt voranpreschende Geschichte, in der die Tonalität regelmässig zwischen kindgerechter Seichtigkeit, geradezu drogentripartigen Visualisierungen und dramatischer Ernsthaftigkeit pendelt, aber immer wieder zu ihrem ungemein intimen Kern zurück. „Das Zeiträtsel“ bleibt allen phantastischen Elementen zum Trotz eine familiäre, fast schon kleine Geschichte im denkbar grossen Rahmen.

Selten so einen schicken, aber leider aufgeblasenen und unspannenden leeren Film gesehen, der im Finale dann auch noch dreimal kurz hintereinander so gewollt auf die Tränendrüse drückt, aber das Gesehene fast keine Emotionen weckt. „Das Zeiträtsel“, der im Original den wesentlich schöneren Titel „A Wrinkle in Time“ trägt, dürfte bei kitschresistenten Zuschauern kaum einen Zugang finden und stattdessen als esoterisches Heile-Welt-Debakel dastehen. Ein extrem unausgegorenes Drehbuch, immer wieder äusserst künstlich wirkende Bilder und eine langweilige, sich über 109 Minuten schleppende Handlung sorgen dafür, dass einen das Geschehen auf der Leinwand nach spätestens 30 Minuten vollkommen kalt lässt. Immer wieder sieht man auf der Leinwand die Gesichter staunender Menschen, aber wenn dann der Schnitt hin zu dem kommt, worüber da gerade gestaunt wird, ist es für den Zuschauer in den meisten Fällen einfach nur eine ziemliche Enttäuschung. „Das Zeiträtsel“ schmeckt wie eine verkochte und mit Wasser verdünnte Suppe vom Vortag, die in einer schönen Schüssel serviert wird, da helfen auch die handverlesenen Zutaten nicht mehr viel. „Das Zeiträtsel“ ist ganz einfach todlangweilig und schlecht – und damit eine der ganz grossen Enttäuschungen dieses Kinojahres. Hollywood lässt sich von dem eingeschlagenen Kurs übrigens durch diesen einmaligen Rückschlag nicht abhalten, Ava DuVernay wurde von Warner Bros. als Regisseurin für den DC-Comic-Blockbuster „The New Gods“ engagiert – und da dürfte das Budget kaum geringer, sondern wohl eher sogar noch höher ausfallen.

Mein Leben als Zucchini

Mein Leben als Zucchini

20161 h 06 min
Kurzinhalt

Zucchini – so lautet der Spitzname eines kleinen, neunjährigen Jungen, der nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter mit einem neuen Leben konfrontiert wird. Der fürsorgliche Polizist Raymond bringt ihn ins Heim zu Madame Papineau, wo er fortan mit anderen Kindern aufwächst und seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Das Zusammenleben ist nicht immer einfach, denn auch der freche Simon, die besorgte Béatrice, die schüchterne Alice, der etwas zerzauste Jujube und der verträumte Ahmed haben bereits viel erlebt. Aber sie raufen sich zusammen und geben einander Halt auf dem Weg, ihr Leben in ruhigere Bahnen zu lenken. Eines Tages stößt die mutige Camille zu ihnen, und Zucchini ist zum ersten Mal im Leben ein bisschen verliebt: Camille ist einfach wunderbar! Doch ihre Tante plant, die kleine Gruppe auseinander zu reißen und Camille zu sich zu holen. Können Zucchini und seine Freunde dies verhindern?

Metadaten
Titel Mein Leben als Zucchini
Original Titel Ma vie de courgette
Regisseur Claude Barras
Laufzeit 1 h 06 min
Starttermin 19 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Bilder
Trailer

Das Buch „L’autobiographie d’une courgette“ von Gilles Paris auf welchem der Film „Mein Leben als Zucchini“ basiert, soll bereits nach Erscheinen 2002 ein Bestseller geworden sein. 2004 erschien das Buch in deutscher Übersetzung: „Autobiografie einer Pflaume“. Hätte ich das Buch damals in die Hände bekommen, hätte mich der Titel vermutlich abgeschreckt. Und wenn ich dann noch erfahren hätte, dass es sich beim Autor um den Pressechef eines grossen Pariser Verlagshauses handelt, hätte ich das Ganze als kalkuliertes Machwerk abgetan: Sozialkitsch in Kindersprache.

Nun aber begegnet mir der Stoff in verblüffend verfremdeter Form im Animationsfilm „Ma vie de Courgette“ – „Mein Leben als Zucchini“ von Claude Barras. Der Film sei mittels Slow-Motion-Technik Bild für Bild eingefangen worden und die Wirkung, die dabei entsteht, Kinder im Jugendheim mit grauenhaften Biografien als phantastisch verzerrte Playmobilfiguren auftreten zu lassen, ist erschütternd. Das Buch ist in kindlich naiver Sprache verfasst, die von den Einen als berührend und überzeugend, von Anderen als konstruiert und unglaubwürdig beschrieben wird. Barras scheint Erzählton und Stoff gleichzeitig verlassen und verschärft zu haben. Schon die neue Titelung gibt Hinweise auf die Eingriffe: „Mein Leben als Zucchini“ führt auf assoziative Fehlspuren, ist verquer poetisch und schwächt das Selbstdemütigende des ursprünglichen Titels. Wenn die Hauptfigur „Icare“ im Jugendheim darauf besteht, als „Courgette“ angesprochen zu werden, schwingt darin auch eine Form von Stolz und Trotz mit. Warum die Mutter ihr Kind lebenslang als „Zucchini“ bezeichnet hatte, bleibt gewissermassen offen.

Während im Original die Mutter versehentlich vom Kind mit einem Gewehr erschossen wurde, ist es bei Barras die Tür zum Dachstock, die das Kind zuschlägt – was zum Tod der Mutter führt. Und während das Kind bei Gilles Paris einsam mit Äpfeln spielt, spielt es bei Barras mit den leeren Bierdosen der Mutter. Barras sei es ein Anliegen gewesen, den Stoff auch für Kinder zu öffnen. Durch die künstlichen Figuren sind die im Roman neun- oder zehnjährigen Kinder alterslos geworden, sie schicken sich Zeichnungen statt Briefe und erklären sich gegenseitig die Sexualität. Das ist für Kinder ab Schulalter eben so nachvollziehbar wie für Teenager und Erwachsene. Dabei wird das Jugendheim gegen unsere Erwartung als freundlicher, heimischer Ort erzählt. Und wenn am Ende zwei der Kinder vom sympathischen Polizisten adoptiert werden, ist die Zwiespältigkeit des Happy Ends offensichtlich: Warum werden die Kinder gerade jetzt getrennt, wo sie eine solche Vertrautheit und Solidarität entwickelt haben? „Ma vie de Courgette“ ist ein ausserordentlicher, bemerkenswerter Film. Wäre ich Lehrperson, ginge ich mit allen meinen Klassen sofort ins Kino.

Kubo – Der tapfere Samurai

Kubo - Der tapfere Samurai

20161 h 42 min
Kurzinhalt

Die Geschichte spielt in Japan vor unserer Zeit. Der junge gutherzige Held Kubo lebt in einer Stadt am Meer und kümmert sich um seine Mutter, seit sein Vater verstorben ist. Er lebt ein bescheidenes Dasein als Geschichtenerzähler, zu dessen Zuhörern auch Hosato, Akihiro und Kameyo gehören. Doch Kubos recht ruhige Existenz zerbricht mit einem Schlag, als er versehentlich einen Geist aus seiner Vergangenheit beschwört und dieser voller Zorn auf die Erde hinab stürmt, um eine uralte Blutrache zu vollstrecken.

Metadaten
Titel Kubo - Der tapfere Samurai
Original Titel Kubo and the Two Strings
Regisseur Travis Knight
Laufzeit 1 h 42 min
Starttermin 18 August 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Meisterwerk
Trailer

Bei „Kubo – Der tapfere Samurai“ (OT: Kubo and the Two Strings) handelt es sich um den vierten Animationsfilm der Laika Studios, jener Filmschmiede, die zuvor die ebenfalls als Stop-Motion-Abenteuer konzipierten „Coraline“ (2009), „ParaNorman“ (2012) und „Die Boxtrolls“ (2014) herausgebracht hatte. Das wahllose Zusammenrühren einzelner asiatischer Elemente aus Mythologie und vor allem Videospielen mag vielleicht für den gemeinen Westler japanisch rüberkommen, ist aber noch lange nicht authentisch. Was herausragt ist die Animation, hier speziell die Origami-Geschichten, die schlicht grossartig gemacht sind. Ansonsten muss Laika aufpassen die Eigenständigkeit nicht zu verlieren. Die noch sichtbare Stop-Motion-Grundlage wird zunehmend mit CGI-Überkleisterung verwässert und dennoch ist „Kubo – Der tapfere Samurai“ ein Film mit viel Charme und Herz, den man nur weiter empfehlen kann.

Als amerikanische Antwort auf Aardman Animations („Wallace & Gromit“, „Chicken Run“, „Shaun das Schaf“) haben die Stop-Motion-Spezialisten von Leika schon öfters ihr Händchen für herausfordernde Genrestoffe bewiesen, die von ihnen – im Gegensatz zu den meisten anderen Animations-Produktionen aus Hollywood – ganz bewusst nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen werden. Und das ist nun auch beim inzwischen vierten Film des Studios nicht anders: „Kubo – Der tapfere Samurai“ von Leika-CEO und Regiedebütant Travis Knight ist ein traumhaft-schön animiertes Fernost-Märchen, das mit einer einzigartig meditativen Atmosphäre, einer ungewöhnlich komplexen Erzählung und atemberaubenden Martial-Arts-Choreographien begeistert. Beim japanisch inspirierten Samurai-Abenteuer gaben sich als Sprecher Hollywood-Stars wie Matthew McConaughey, Charlize Theron, Rooney Mara und Ralph Fiennes die Klinke in die Hand. Der junge Protagonist Kubo wird im Englischen von Art Parkinson (dem Rickon Stark aus Game of Thrones) gesprochen.

Stop-Motion-Filme sind etwas ganz Eigenes und im Prinzip eine Art der Animation, bei der selbst das komplett ungeschulte Auge den absurd gigantischen Aufwand dahinter erkennen kann. Kubo ist ohne Zweifel einer der besten Filme des letzten Jahres, obwohl der Film bei der breiten Masse nur schwer ankommen dürfte, was einfach am Ton der Geschichte liegt, denn Kubo ist weit davon entfernt, ein unterhaltsamer Familienfilm zu sein. Zwar ist vor allem der Humor im zweiten Teil des Filmes sehr kindgerecht, doch die Geschichte darum herum ist sehr ernst, unglaublich düster, gruselig und es wird auch nicht vor Mord zurückgeschreckt. Es wird erwartet, dass der Zuschauer von der ersten Sekunde an voll im Film ist und genau aufpasst (Kubo sagt es sogar förmlich selbst am Anfang). Es wird nicht gross erklärt, wer Kubo oder seine Mutter ist oder was es mit der Magie auf sich hat, die die Handlung bestimmt, es wird einfach alles als gegeben hingenommen, was die Geschichte ziemlich authentisch macht. Dabei lebt der Film auch vor allem von den wunderbar tiefgehend geschriebenen Charakteren, um die man sich wirklich kümmert und die einem auch wirklich durch ihre Taten sympathisch werden. Jeder Charakter hat nachvollziehbare Beweggründe und Geheimnisse, die einem im Film immer wieder überraschen. Dabei ist Kubo auch wirklich wunderbar kreativ, nicht nur was das optische Design der Charaktere betrifft, sondern auch in ihren Fähigkeiten und ihrer Geschichte.

Wo ich aber wirklich alle, zur Verfügung stehenden, Hüte ziehen muss, ist natürlich die technische Seite. Hier werden mitunter die schönsten Bilder des Jahres auf die Leinwand gebracht und die zahlreichen Action-Szenen sind etwas vom Aufwändigsten, was ich je gesehen habe. Der Film ist von vorne bis hinten ein optischer Gaumenschmaus und sprüht in praktisch jedem Bild beinahe vor Kreativität, Einfallsreichtum und Liebe zum Detail. Genau wie die „gefaltete“ Optik eckt auch die Geschichte mit ihren vielen der japanischen Mythologie entliehenen Elementen immer wieder bei unseren westlichen Sehgewohnheiten an. „Kubo – Der tapfere Samurai“ erinnert erzählerisch tatsächlich mehr an Miyazaki-Klassiker wie „Chihiros Reise ins Zauberland“ als an die Konkurrenz von Disney und Pixar. Trotzdem basiert der Film nicht, wie man nach dem Sehen leicht erwarten könnte, auf einer alten japanischen Sage, sondern ist tatsächlich ein Original des amerikanisch-britischen Drehbuch-Duos Marc Haimes und Chris Butler. Das macht es allerdings nur noch erstaunlicher, dass die mythische Schiene um rachsüchtige Geister, verwunschene Krieger und magische Rüstungen mit keinerlei Zugeständnissen an ein Mainstream-Kost gewöhntes westliches Publikum verwässert wird. Ganz im Gegenteil: Gerade beim Kampf mit den Tanten auf einem sinkenden Schiff (aus Origami-Papier) sowie beim Duell mit einem Riesenskelett mit feuerrot leuchtenden Augen sind die Martial-Arts-Einlagen konsequent intensiv geraten.

Vor der abenteuerlichen Reise verbringt Kubo die Tage damit, den Bewohnern eines kleinen Dorfs Geschichten zu erzählen. Während er auf einer Shamisen, einem dreisaitigen Lauteninstrument, spielt, flattern Papiere durch die Luft und falten sich zu Figuren, die seine Erzählungen illustrieren. Die Momente, in denen sich diese Origami-Figuren selbst zusammenfalten, über den Dorfplatz wirbeln und gegeneinander kämpfen, sich wieder ausfalten und umfalten, einander zerstückeln und zerreissen, gehören zu den besten Szenen des Films. Nicht nur, weil hier präzise Martial-Arts-Kampfchoreografien kindgerecht inszeniert sind, sondern weil sich hier die Feinheit der Animation am besten zeigt: Die filigrane Struktur des Papiers, die Art, wie es Schatten wirft, wie es Falten wirft, wie es rissig wird, wie es geknüllt wird, wie es raschelt. Ganz am Ende – der Abspann ist schon eine Weile am laufen – stülpt sich der Film nach aussen. Die Kamera gleitet eine grüne Wand entlang und der Raum gibt sich als Studioset zu erkennen, in dem eine gigantische Skelett-Puppe an einer noch gigantischeren, beweglichen Konstruktion eingehängt ist. Zwei Computerbildschirme stehen daneben, sie zeigen ein Gemisch aus fliehenden Zahlen, 3D-Grafiken und Symbolleisten. Ein Techniker steht zwischen Puppe und Computer, er hantiert mit dem Modell, operiert an dem Gerät. Das Bild ist nicht nur deshalb spannend, weil sich hier die anfängliche Laborsituation offenbart, in der noch nichts von der Lebendigkeit spürbar ist, die später im Film auf bedrohliche Art und Weise in dem Skelett wütet. Das Bild ist vor allem interessant, weil es die technische Überbrückungsleistung deutlich macht, die nötig ist, um vom reglosen Modell zur Illusion seiner Lebendigkeit zu kommen – und die erst dann erfolgreich ist, wenn sie sich selbst vertuscht.

„Kubo – Der tapfere Samurai“ hat einen aus der glattgebügelten Masse an 3D-Animations-Blockbustern absolut herausragenden, erstaunlich griffigen Look, wobei in einem Hollywood-Animationsfilm die Erzählung und die Optik wohl eh noch nie so perfekt ineinander gegriffen haben. Die düstere Geschichte wechselt sich immer sehr gut mit dem liebevollen Humor und der wahnsinnig faszinierenden, fesselnden und spassigen Abenteuerreise unserer Charaktere durch eine wundersame Welt ab. Exzellent gut ausgewogen, vor allem, da der Film sich wirklich mit extrem schweren und erwachsenen Themen (Tod/Angst vor dem Tod/Leben auf der Erde etc.) auseinandersetzt. Das Ganze mündet dann in dem denkbar schönsten Filmende, das der Film nur hätte haben können. Für „Kubo“ betrug der Produktionszeitraum 94 Wochen, die ungefähre Arbeitszeit 1’149’015 Stunden. Das erwähnte Skelett ist, nach Auskunft des Studios, das grösste jemals gebaute Monster dieser Art und für die Kubo-Puppe standen 11’007 Mund-Ausdrücke sowie 4429 Brauen-Ausdrücke zur Verfügung; in Summe macht das über 48 Millionen mögliche Gesichtsausdrücke. Dazu der Materialaufwand: 111’195 seltene Erdmagnete, 40’000 Paare Nitrilhandschuhe, 1050 Blätter Sandpapier und so weiter. Und doch ist all das, in der Bewegtheit des fertigen Films, unsichtbar und, ja, in gewisser Weise belanglos.

Vorschaubild

Das Schöne an „Kubo“ ist nämlich – und daran erinnert uns auch die sonderbare Einstellung aus dem Abspann -, dass ihm die Stiftung und Gestaltung von Lebendigkeit wichtiger ist als die Attraktion, das Spektakel oder der Klamauk. Das ist nicht zuletzt auch deshalb elegant, weil dieser Film, wie viele andere Kinderfilme auch, im Stillen an die heikle und für Kinder fraglos ganz besonders diffizile Frage nach dem Tod heranführt. „Kubo – Der tapfere Samurai“ ist ein visuell herausragendes Animations-Abenteuer, dem man nur ganz fest wünschen kann, dass sich der Mut der Macher auch an der Kinokasse und bei der kommenden Oscarverleihung auszahlen wird.

Nightmare Before Christmas

Nightmare Before Christmas

19931 h 16 min
Kurzinhalt

Jack Skellington ist der gefeierte Held von Halloweentown. Er treibt die gespenstischen Bewohner des Städtchens jedes Jahr aufs neue dazu an, sich schauerliche Überraschungen und diabolische Gags für das nächste Halloweenfest auszudenken. Doch der jährliche Trott, der sich immer einzig und allein um das Halloween dreht, wird Jack langsam zu eintönig. Als er zufällig die Tür zur fröhlichen und farbigen Weihnachtswelt findet und hindurchtritt, kommt ihm die Idee, das so andersartige Weihnachtsfest dieses Jahr selbst auszurichten ...

Metadaten
Titel Nightmare Before Christmas
Original Titel The Nightmare Before Christmas
Regisseur Henry Selick
Laufzeit 1 h 16 min
Starttermin 9 Oktober 1993
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Meisterwerk
Trailer

Unter der Regie von Henry Selik erschien im Jahre 1993 mit „Nightmare Before Christmas“ der erste abendfüllende Stop-Motion-Kinofilm. Beim Stop-Motion-Verfahren werden modellierte Puppen vor einem starren Hintergrund mit enormem Aufwand millimeterweise bewegt und abfotografiert. Dieses Verfahren, welches seinen filmischen Durchbruch bereits im Jahre 1932 mit dem Film „King Kong und die weisse Frau“ feierte, wurde lange Zeit für Spezialeffekte genutzt. So fand die Technik in den 80er Jahren und auch Anfang der 90er noch ihren Einsatz in Filmen wie „The Terminator“ und „Jurassic Park“, bevor der Computer jegliche Spezialeffekterzeugung übernahm. Mit „Nightmare Before Christmas“, einem skurrilen Grusical über ein Skelett, welches das Weihnachtsfest an sich reißen möchte, wurde bewiesen, zu was für erstaunlich flüssigen und natürlichen Bewegungsabläufen die Stop-Motion-Technik eingesetzt werden kann.

Diesem Stop-Motion-Film von Touchstone Pictures liegt eine Geschichte von Tim Burton zugrunde und er war auch als Produzent mit an der Entwicklung des Filmes beteiligt. egie führte aber Henry Selick. Genau genommen, reden wir hier von einem ziemlich kruden Haufen von Künstlern, Schriftstellern und Filmemachern, deren künstlerische Basis wohl die fast ausschliessliche Beschäftigung mit Unkonformitäten und zudem äusserst, (unpolitisch), schwarz gefärbten Ansichten von Humor ist. Autor und Regisseur, liegen also hier nicht unbedingt weit auseinander. Aber wenn es jemanden gegeben hat, der es bis heute geschafft hat, nicht nur eine geradezu grandiose Gratwanderung zwischen Bildelementen aller möglichen Grenzgebiete dieses Metiers auf ein einziges filmisches Werk zu konzentrieren, – und dies selbst noch bis in die doch eher biederen Disney-Studios zu tragen, dann war es wohl er. Was andere Macher von Animationsfilmen normalerweise in publikumsspezifische Verharmlosungen und Klischees aufteilen müssen, fällt bei ihm einer ungeheuren Sensibilität zum Opfer, die ihm ermöglicht alles zusammen in einen Topf zu werfen, ohne dabei Schwierigkeiten zu bekommen, die Suppe gleichermassen süss wie sauer schmecken zu lassen. Er ist der ungeschlagene Meister des Zwischenraumes. Zwischen Jung und Alt. Zwischen liebevollem Horror und kettensägender Romantik. Zwischen krudem Witz und feinfühligem Schmunzeln.

Die Ästhetik der Hässlichkeit, beherrscht er genauso, wie die Verunglimpfung der Ästhetik, die Profanisierung von Niveau ebenso, wie die niveauvolle Verarbeitung von Klischees. Er dreht die Dinge um, ordnet sie neu und lässt den Betrachter damit irritiert mit den Augen rollend alleine. Wo andere nur genremässig Klamauk auf Klamauk folgen lassen um sinnlos Zwerchfelle zu malträtieren, macht er den Klamauk zur sensiblen Mixtur seiner selbst, greift mit gnadenloser Unverschämtheit in die vollgefüllte Kiste sensibler Unsensibilitäten – und spielt geradezu mit der ganzen Bandbreite von bildlich symbolischen Kombinationen zwischen fein ziselierten Ängsten, Komik und Horror genauso, wie mit Comic-, Zeichentrick- und surrealistischen Sequenzen, deren absolut abgestimmter Wechsel dem möglichen Lachen immer ein zähneklapperndes Schlucken beimischt. „Christmas before Nightmare“ ist der Beweis, dass die niveauvolle Geschmacklosigkeit, einen bestechend wohlriechend ranzigen Geschmack vermitteln kann, welcher einen die Dinge mitunter selber vertauschen lässt.

In Filme von Henry Selick, geht man nicht mehr mit dem üblichen Gefühl, sich über einen Animationsfilm Unterhaltung oder Spaß zu besorgen. Hier geht der Genuss tiefer. Viel tiefer. Und man muss sich von gewohnten Bewertungen befreien können. Man lässt Bilder auf sich wirken, die man ruhig mehrmals ansehen kann, um dabei immer neue Feinheiten entdecken zu können. Selik macht es relativ leicht, den Unterschied zwischen kreativer gestalterischer Liebe und einfacher Produktion von rein abfragebedingtem Füttern von Morbiditäten sichten zu können. Und im Zweifelsfalle, macht er auch da noch aus einer Fliegenpizza ein vielleicht gruseliges, aber immer noch Sahnetörtchen. Und was die anfangs erwähnten Schwierigkeiten im vielleicht interpretationsbedingtem Raum betrifft, werden die Dinge speziell beim Film, „Nightmare before Christmas“, mitunter recht schwierig. Man muss schon das Schlitzohr Selick und auch Burton an ihren sensiblen Möglichkeiten messen, Dinge dort zu verstecken, wo sie niemand vermutet. Immerhin, beschäftigen wir uns hier mit Leuten, die das Herumspielen mit Skurrilitäten in der Psyche bildverarbeitender Menschen für Klavierspielen halten. Und darin, einfach verdammt gut sind.

Die scheinbar lebendig werdenden Puppen versprühen ihren eigenen Charme und sorgen dafür, dass der Film seinen unverwechselbaren, innovativen Look erhält. „Nightmare Before Christmas“ gefällt als etwas anderer Weihnachtsfilm, der durch schaurig-schöne Melodien und eine in sich geschlossenen, bizarren Festtagswelt begeistert. Generell, kann ich nur empfehlen sich den Film zu besorgen, die Salzstangen und Cräcker durch Fischgräten, Zwiebelringe und Knoblauchzehen zu ersetzen und bei einem frischen Bier mit Ketchup, sich auch den Feinheiten genüsslich zu ergeben…

Elliot, der Drache

Elliot, der Drache

2016Länge unbekannt
Kurzinhalt

Seit Jahren erfreut Holzschnitzer Mr. Meacham die Kinder aus der Nachbarschaft mit Geschichten über einen wilden Drachen, der in den tiefen Wäldern des Pazifischen Nordwestens lebt. Für seine Tochter Grace, Försterin in der Umgebung, waren diese Geschichten nie mehr als Legenden, bis sie den Jungen Pete kennenlernt... Der mysteriöse Zehnjährige hat weder Familie noch ein Zuhause und behauptet, zusammen mit einem gigantischen grünen Drachen namens Elliot in den Wäldern zu leben. Auf wundersame Weise hat das Wesen aus Petes Beschreibungen große Ähnlichkeit mit dem Drachen aus Mr. Meachams Geschichten. Zusammen mit der elfjährigen Natalie, der Tochter von Sägewerkbesitzer Jack, macht es sich Grace zur Aufgabe, Petes Herkunft und das Geheimnis seines Drachens zu lüften..

Metadaten
Titel Elliot, der Drache
Original Titel Pete's Dragon
Regisseur David Lowery
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 10 August 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Schauspieler
Mit: Bryce Dallas Howard, Oakes Fegley, Wes Bentley, Karl Urban, Oona Laurence, Robert Redford
Trailer

Für mich ist das Original „Elliott, das Schmunzelmonster“ eine der schönsten Disneyfilmklassiker überhaupt und eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen. Umso skeptischer war ich, als ich von dem Remake hörte, welches Kritiker weltweit einhellig als „schönsten“ oder „besten“ Film des Jahres feierten und als bislang gelungenstes Remake eines Disneyfilms lobten. Obwohl Remake und Original im Englischen beide den Titel „Pete’s Dragon“ tragen, ist es sinnvoll das David Lowerys Neuverfilmung in unseren Breiten nicht auch wieder „Elliot – Das Schmunzelmonster“ heisst, sondern ganz nüchtern „Elliot, der Drache“. Denn während sich der Disney-Klassiker von 1977 noch als ausgelassen-märchenhaftes Musical im Zeichentrick-Realfilm-Mix präsentierte, ist die 2016er-Version eine echte Neuerfindung des Stoffes, die nur den Originaltitel sowie einige ganz wenige Story-Details mit der Vorlage gemein hat. Ganz ohne Gesang und ohne buntgezeichnetes Fabeltier erinnert der Film viel eher an 80er Jahre Familien-Klassiker wie „E.T. – Der Ausserirdische“ oder „Die Goonies“.

Elliot, der Drache

Trotz der Lobeshymnen erwartete ich wirklich nicht viel, als mir diesen Film anschaute. Und diese Neuverfilmung ist tatsächlich ganz anders, als das fröhlichere, ausgelassenere, humorvollere Original und hatte mit diesem auch nur noch die Grundidee gemein. Beim Schauen des Films fühlte ich mich mit meinen 44 Jahren aufs angenehmste in die Zeit der grossen Disneyrealfilmklassiker zurückversetzt und wurde selbst für anderthalb Stunden wieder zum Kind. Dieser Film bietet eine mitreissende, zuweilen traurige, mitunter spannende und auch heitere Geschichte, welche den Zuschauer durch ein Wechselbad der Gefühle schickt, ein schöner Soundtrack, tolle Aufnahmen, ein jungen Regisseur mit einer offensichtlichen Gabe fürs Geschichtenerzählen und nicht zuletzt ein hervorragend besetzter Cast, aus dem der junge Oakes Fegley als Pete ganz besonders hervorsticht. Der ungemein sympathische Junge spielt absolut natürlich und glaubhaft, ihm nimmt man zu jeder Zeit das „wilde Kind“ ab, man fiebert jederzeit mit ihm – wenn er sich freut, dann freut man sich mit, wenn er leidet dann ist es buchstäblich herzzerreissend.

Elliot, der Drache

Wenn Pete ziemlich zu Beginn des Films mit Elliot durch den Wald tobt und in Bächen plantscht, lässt die neuseeländische Effektschmiede Weta Digital (Der Herr der Ringe, Der Hobbit) kurz die CGI-Muskeln spielen. Der flauschige Drache schüttelt nach der nassen Abkühlung wie ein Hund sein Fell aus – jeder informierte Zuschauer weiss, was für eine unglaubliche Rechenleistung in diese nur wenige Sekunden lange, ungeheuer plastisch und lebendig wirkende Szene geflossen sein muss. Aber hier wird abgesehen vom etwas actionlastigeren Showdown nicht einfach nur ein weiteres Computereffekt-Feuerwerk abgebrannt – von denen gibt es wahrlich schon genug. Stattdessen ist der Film so bodenständig, wie ein Film über einen Jungen und seinen magischen Drachen nur sein kann. Endlich taugen in einem Film mit Blockbuster-Budget auch mal wieder selbst die kleinen Dinge zum grossen Abenteuer – etwa das Herumklettern von Pete in seinem eindrucksvollen, mit der Hilfe von Elliot errichteten Baumhaus. Nur als Elliot sich nach Verlassen des Waldes plötzlich in der Welt der Menschen zurechtfinden muss, ergeben sich einige Längen, auch weil von hier an exakt die Handlungspfade eingeschlagen werden, die man in dieser Geschichte erwartet.

Elliot, der Drache

Um diese nicht ganz taufrische Story aufzupeppen, hätte man etwa den klassischen Erzählton auf die heutige Lebenswirklichkeit der Kids prallen lassen können. So wirkt der in einer unbestimmten Zeit, die eher wie die 80er Jahre wirkt als wie die Gegenwart, angesiedelte Film mitunter wie eine nostalgische Erinnerung an eine unschuldigere, naivere Vergangenheit, die wohl eher die erwachsenen Begleiter als das kindliche Zielpublikum anspricht. Dabei dürfte Elliott der wohl liebenswerteste, knuffigste und treuherzigste Drachen seit dem Glücksdrachen Fuchur aus der „Unendlichen Geschichte“ (1984) sein und ist somit der absolute Kinderliebling. In weiteren Rollen sind übrigens Karl Urban (Herr der Ringe, Star Trek) und Hollywood-Urgestein Robert Redford zu sehen, der zwar nicht all zuviel zu tun hat, in seiner Darstellung als sympathischer Grossvater aber voll überzeugt und auch nicht störend wirkt. Die Idee der Disneystudios ihre alten Klassiker in (Realfilm-) Neuauflagen rauszubringen zeugt zwar nicht gerade von überbordender Originalität, doch muss ich zugeben, dass sie sich zunehmend als überraschend gut erweist. Ich bin daher schon sehr gespannt auf die geplanten kommenden Realfilmversionen der Disneyklassiker „Die Schöne und das Biest“, „König der Löwen“, „Peter Pan“ und „Aladdin“. Im Moment scheint Disney jedenfalls ein gutes Händchen für diese Art Realfilme zu haben, die etwas bieten, was ich in dieser Form sehr lange im Kino vermisste: Tolle Unterhaltung für die ganze Familie und die Rückkehr der längst erloschen geglaubten Disney-Magie.

Pets

Pets

Weißt du eigentlich was deine Haustiere machen, wenn du nicht zu Hause bist?

20161 h 27 min
Kurzinhalt

Was machen eigentlich unsere geliebten Haustiere, wenn wir nicht zuhause sind? Die nächste Zusammenarbeit zwischen Illumination Entertainment und Universal Pictures knüpft an die bisherigen Grosserfolge an (Despicable Me, Despicable Me 2) und erzählt vom geheimen Leben der Haustiere, wenn deren Herrchen ausser Haus sind.

Metadaten
Titel Pets
Original Titel The Secret Life of Pets
Regisseur Chris Renaud, Yarrow Cheney
Laufzeit 1 h 27 min
Starttermin 24 Juni 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Schauspieler
Mit: Louis C.K., Eric Stonestreet, Kevin Hart, Jenny Slate, Lake Bell, Bobby Moynihan, Albert Brooks
Trailer

In dem neusten Animationsfilm von Illumination stehen Haustiere im Vordergrund. Da sind Hunde, Katzen, Vögel und Meerschweinchen. Sie alle leben in einem Block in Manhattan. Für sie beginnt der Spass, wenn Frauchen und Herrchen zur Arbeit gehen. Dann legt der gepflegte Pudel schon mal eine fette Heavy Metal Platte auf und die Katze räumt den Kühlschrank leer. Der neuste Animationsfilm von den Machern der „Minions“ blickt in die Gedankenwelt der Tiere hinein. Dabei nutzen sie auf eine grandiose Art und Weise die Eigenheiten der Tiere wie das Zeitgedächtnis von Hunden oder die Schreckhaftigkeit von Katzen.

Pets

„The Secret Life of Pets“ wie der Film im Original heisst, ist grundsätzlich nicht für Erwachsene ausgelegt, erzählt also eine einfache und plumpe Geschichte. Die Story ist so flach, dass ich zu Beginn des Films Probleme hatte, diese überhaupt zu erkennen. Aber bedenken wir noch einmal, dass „Pets“ für ein junges Publikum gemacht wurde, entschuldigt das eine nicht ganz so tiefsinnige Story. Dafür besitzt „Pets“ jede Menge Humor und kommt mit vielen kleinen Witzen daher. Technisch gesehen ist der Film allererste Sahne. Die Animationen, die Szenerie, die Kamera, die Bilder, das alles ist einfach wunderschön umgesetzt. Die Haustiere haben natürlich einen besonders hohen Cute-Factor, so ist das eben bei Animationsfilmen für Kinder und das funktioniert dann auch bei uns Älteren.

Pets

Für die deutsche Fassung konnte man bekannten Schauspielern wie Jan Josef Liefers, Dietmar Bär, Dieter Hallervorden, Ralf Richter und Uwe Ochsenknecht für die Synchronisation gewinnen. Vieles ist tatsächlich witzig und entlockte immer wieder ein Lachen oder Schmunzeln. Dafür verantwortlich ist hauptsächlich die hervorragende und liebevolle Animation der Tiere. Die Mimik und Gestik ist oftmals zum Schreien komisch, einige der Sprüche sind es ebenso. Der Soundtrack ist durchwegs gelungen und bringt immer wieder Schwung in die Story. Kindern wird der Film gefallen, was ich absolut nachvollziehen kann. Erwachsene sollten entweder ihre Erwartungen herunterschrauben oder wirklich ein Fan von amerikanischen Animationsfilmen sein, um grossen Gefallen an „The Secret Life of Pets“ zu finden. Für alle anderen bleibt ein zwar schnörkelloser und unterhaltsamer, aber zu einfach gestrickter Streifen übrig.

Die Peanuts – Der Film

Die Peanuts - Der Film

20151 h 29 min
Kurzinhalt

Charlie Brown, Snoopy, Lucy, Linus und der Rest der beliebten PEANUTS-Bande geben ihr Leinwanddebüt. Und das auf eine Art, wie man sie noch nie gesehen hat: in modernster 3D-Animation. Charlie Brown, der populärste Underdog der Welt, begibt sich dabei auf eine großartige, heldenhafte Mission, während sein bester Freund, der liebenswerte Beagle Snoopy, hoch oben am Himmel die Konfrontation mit seinem Erzfeind, dem Roten Baron, sucht.

Metadaten
Titel Die Peanuts - Der Film
Original Titel The Peanuts Movie
Regisseur Steve Martino
Laufzeit 1 h 29 min
Starttermin 6 November 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Meisterwerk
Schauspieler
Mit: Noah Schnapp, Bill Melendez, Venus Schultheis, Hadley Belle Miller
Trailer

„Die Peanuts – Der Film“ ist ein berührender Film, der eine einfache Story erzählt und dafür umso mehr visuell zu überzeugen weiss. Anders als etwa hyperrealistische Animationen nutzt dieser Film die Freiheiten des Trickfilms und spielt ganz bewusst mit ihnen.

Die Peanuts - Der Film

Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass eine Verfilmung von „The Peanuts“ plant, war ich mehr als nur skeptisch. Snoopy und Charlie Brown – in 3D? Die unsäglich grässlichen CGI-Schlümpfe waren noch allzu präsent und so blieb meine Vorfreude eher zurückhaltend. Doch das änderte sich schlagartig als ich die ersten Bilder sah. Die Macher hatten den ruckligen Look sowie die knallige Farbpalette der Vorlage beibehalten und das ganze mit einer weichen, handgemachten Technik kombiniert. Und tatsächlich ist es Regisseur Steve Martino gelungen, mit „The Peanuts Movie“ eine liebevolle und würdige Umsetzung der Comic-Strips von Charles M. Schulz zu schaffen. Die Story, die der Film erzählt ist einfach und kommt ohne viel Theater aus: Als ein neues Mädchen in sein Viertel zieht, ist der notorische Versager Charlie Brown hin und weg – er hofft, dass er ihr beweisen kann, was wirklich in ihm steckt.

Die Peanuts - Der Film

Damit trifft Martino den Ton der Vorlage, die sich selber nie zu ernst nahm. Es ist eine berührende Geschichte über die Schwierigkeit, sich selber treu zu bleiben. Die konventionelle Story ist aber nicht der Trumpf dieses herzigen Filmes, vielmehr sind es die eindrücklichen Animationen, mit denen die Macher die Animationslandschaft gehörig aufmischen. „Die Peanuts – Der Film“ bietet eine Gegenbewegung zum immer realistischer werdenden Zeichentrick – geschickt lotet Steve Martinos Film die Grenzen des Mediums aus. Das 3D-Abenteuer von Snoopy und Co. strotzt nur so vor visuellen Gags und kuriosen Einfällen. Mit seiner hohen Gag-Dichte ist dieser Film der wohl witzigste Animationsfilm, den ich seit seeeehr langer Zeit gesehen habe.

Pan

Pan

2015Länge unbekannt
Kurzinhalt

Der aufgeweckte 12-jährige Waisenjunge Peter lässt sich nur selten etwas gefallen. Doch in dem trostlosen Heim, in dem er aufwächst, wird jedes noch so kleine Anzeichen von Rebellion im Keim erstickt. Eines Nachts verschwindet Peter wie von Zauberhand aus dem Waisenhaus und findet sich plötzlich im magischen Nimmerland wieder, das von Feen, Kriegern und Piraten bewohnt wird. Während er versucht, sich an dem fremden und faszinierenden Ort zurechtzufinden, macht er Bekanntschaft mit der kämpferischen Tiger Lily und dem charmanten James Hook. Das alles ist erst der Beginn eines ebenso gefährlichen wie aufregenden Abenteuers, bei dem Peter nicht nur etwas über seine verschwundene Mutter erfährt, sondern es auch mit dem finsteren und erbarmungslosen Piraten Blackbeard zu tun bekommt, dem er sich gemeinsam mit seinen neuen Freunden in den Weg stellt, um Nimmerland zu retten…

Metadaten
Titel Pan
Original Titel Pan
Regisseur Joe Wright
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 9 Oktober 2015
Website
Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Schlecht
Bilder
Trailer

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Die Geschichte vom Jungen, der nicht altert, begeistert seit über hundert Jahren Kinder jeden Alters überall auf der Welt. Die neueste Verfilmung „Pan“ will die Digital Natives mit einer zeitgemäss verpackten Ursprungsgeschichte ins Kino locken, doch reichen alleine starke 3D-Effekte nicht wirklich aus, um das Publikum zu verzaubern. Der schottische Schriftsteller James Matthew Barrie schrieb im Jahre 1902 die Geschichte um „Peter Pan“ und seither wurden immer wieder die Abenteuer auf der Insel Nimmerland erzählt: in unzähligen Büchern, Theaterstücken und Filmen.

Joe Wright ist bekannt für Romanverfilmungen schwerer, tiefgründiger Dramen wie „Atonement“, „Pride and Prejudice“ oder „Anna Karenina“. Eine Kindergeschichte wie „Pan“ passt deshalb auf den ersten Blick überhaupt nicht in sein Schema. Andererseits weiss man spätestens seit „Anna Karenina“, dass der Brite bei der Gestaltung seiner Filme kein Risiko scheut. Die Tolstoi-Adaption liess er auf einer surrealen Theaterbühne spielen. Beflügelt vom hohen Fantasy-Potenzial, verpasste er dem Kinderbuch-Klassiker einen neuen, modernen Look. So tragen die Eingeborenen einen kunterbunten Ethno-Mix aus südamerikanischen und asiatischen Einflüsse zur Schau. Etwas wirkt in diesem indigenen Ambiente allerdings völlig fehl am Platz: Die in jeder Hinsicht blasse Rooney Mara als Indianer-Prinzessin Tiger Lily. In den USA löste die Besetzung von Tiger Lily mit der hellhäutigen Schauspielerin Rooney Mara grosse Proteste aus. Über 94‘000 Menschen setzten mit ihrer Unterschrift ein Zeichen gegen „Hollywoods Präferenz für Weisse“. Ihre Forderung an Warner Brothers: „Hört auf, farbige Charaktere mit weissen Schauspielern zu besetzen!“ Regisseur Joe Wright verteidigte seine Wahl so: Rooney Mara habe in der Vergangenheit oft starke Frauenfiguren verkörpert. Weil Tiger Lily Frauenpower ausstrahlen müsse, sei Mara darum perfekt für die Rolle. Das klingt fast so, als ob farbige Schauspieler dasselbe nicht leisten könnten. Maras Performance ist keine Katastrophe – und doch wirkt sie als Indianer-Prinzessin völlig unauthentisch. Da hilft nicht mal ihr übertrieben grosser Ethno-Kopfschmuck!

Als Peter in die Tiefe gestossen wird, offenbaren sich seine übernatürlichen Fähigkeiten. Vor dem Aufprall schwebt er das erste Mal in der Luft und allen ist klar: Er ist der Auserwählte, der Befreier von Nimmerland. Welch grosse Verantwortung! Der Film ist diesem Druck nicht gewachsen. Statt sich durch ein kindliches Abenteuer zu schlagen, muss Peter in Windeseile erwachsen werden. Er muss anfangen, an sich und seine Fähigkeiten zu glauben. Das Grundmotiv des Originals, ewig ein Kind zu bleiben, geht in „Pan“ leider völlig unter. Wie schade, schliesslich lebt Peter Pans Geschichte genau von dieser kindlichen Magie. Mit seinem visuellen Ideenreichtum zaubert Joe Wright zwar ein prachtvolles Nimmerland auf die Leinwand. Doch auch mit den schönsten Effekten gelingt es dem Regisseur nicht, den schwachen Inhalt zu kaschieren. Das Erzähltempo ist lahm und die Dialoge wirken einfallslos..