A Quiet Place

A Quiet Place

20181 h 31 min
Kurzinhalt

Die Welt ist von rätselhaften, scheinbar unverwundbaren Kreaturen eingenommen worden, die durch jedes noch so kleine Geräusch angelockt werden und sich auf die Jagd begeben… Lediglich einer einzigen Familie gelang es bisher zu überleben. Der Preis hierfür ist jedoch hoch: Ihr gesamter Alltag ist darauf ausgerichtet, sich vollkommen lautlos zu verhalten, denn das kleinste Geräusch könnte ihr Ende bedeuten...

Metadaten
Titel A Quiet Place
Original Titel A Quiet Place
Regisseur John Krasinski
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 3 April 2018
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Bilder
Trailer

„A Quiet Place“ ist der vermutlich ruhigste Horrorfilm seit der Stummfilmzeit. Nie war es so beängstigend, im Kino eine Stecknadel fallen zu hören, denn sobald die Stille gestört wird, wird die Familie in dem Film von etwas Bösem heimgesucht. Die einzige Chance zu überleben ist die absolute Stille. „A Quiet Place“ beschwört eine durchgehend an den Nerven zehrende Atmosphäre herauf.

Schon die simple, aber originelle Grundidee macht „A Quiet Place“ zu einer Besonderheit im oftmals lauten und überdrehten Horrorfilmgenre. Bis auf ein paar dahingeflüsterte Sätze fällt hier kein Wort. Stattdessen kommunizieren die Protagonisten in der Gebärdensprache, was der gehörlosen Regan, auch Darstellerin Millicent Simmonds ist taub, entgegenkommt. Bereits zu Anfang kreiert Krasinski in seiner dritten abendfüllenden Regiearbeit ein beklemmendes, von permanenter Gefahr durchdrungenes Endzeitklima, wobei er die Hintergründe der Apokalypse bewusst nicht näher erläutert. Durch ein geschicktes Spiel mit der Tonspur versetzt der Survival-Thriller den Zuschauer in einen permanenten Unruhezustand und schafft es, die Spannung konstant aufrechtzuerhalten. Ruhige Passagen wechseln sich mit hektischen Momenten ab, die häufig von Marco Beltramis bedrohlich pulsierender Musik begleitet werden. Anders als viele ähnlich gelagerte Werke lässt sich „A Quiet Place“ ausreichend Zeit, um seine Figuren mit all ihren Sorgen und Frustrationen vorzustellen und ihren bedrückenden Alltag samt ausgeklügelten Überlebensstrategien zu skizzieren. Eine Beziehung zu den Abbotts baut man auch deshalb auf, weil die Darsteller eine keineswegs genreübliche Intensität an den Tag legen. Dass Krasinski an einigen Stellen auf handelsübliche Schockeffekte zurückgreift und das Ende etwas zu pathetisch werden lässt, schadet seinem fesselnden Schocker nicht, der im Übrigen mit einem starken Monsterdesign punkten kann.

Der ganze Plot erinnert an Kult-Horrorregisseur M. Night Shyamalan, denn in „A Quiet Place“ kann man vor der Panik nicht davonlaufen, man kann nur versuchen, sich auf Zehenspitzen davonzustehlen. Gekonnt weiss Krasinski mit der grossen Stärke seines Filmes zu spielen – der Stille, die in die Gehörgänge der Zuschauer kriecht und dort die Nerven genüsslich anspannt. Bis auf ein Grundrauschen im Stile David Lynchs ist meist nichts zu vernehmen. Zugleich setzt „A Quiet Place“ immer wieder auf handelsübliche Schockeffekte des Horrorgenres, ohne sich in Blutorgien zu ergehen. Wenn im letzten Drittel in atemlosem Tempo ein dramatischer Höhepunkt auf den anderen folgt, wirken einige der Wendungen ein wenig überstürzt, wenn nicht gezwungen. Die Genre-Paukenschläge gehen ein wenig auf Kosten der Atmosphäre und auch die gut animierten Monster sind in ihrer ganzen Pracht vielleicht nicht mehr ganz so unheimlich wie zuvor, als ihre Gestalt noch weitgehend der Vorstellung des Betrachters überlassen war, aber das an diverse klassische Kreaturen aus der Genregeschichte erinnernde Design ist schlüssig und effektiv. Besondere Bedeutung hat bei den blinden Monstern übrigens sinnvollerweise das sehr originell gestaltete Ohr. Und damit schliesst sich dann wieder der Kreis zum übergreifenden Thema der Stille und des (Nicht-)Hörens.

„A Quiet Place“ ist auf seine ganz eigene Art auch ein Plädoyer dafür, seine Worte (und Geräusche) mit Bedacht zu wählen und zugleich genau hinzuhören. Eine funktionierende Kommunikation ist überlebensnotwendig. Obwohl die Handlung in „A Quiet Place“ nicht immer logisch ist und definitiv nichts für zartbesaitete Kinogänger, ist er aber doch ein stimmiger Thriller zum Nägelkauen. Krasinskis dritte Regiearbeit ist einer der Meilensteine der Filmgeschichte, endlich mal wieder eine komplett neue Idee, die im Gedächtnis bleiben wird. Das Horrordrama „A Quiet Place“ ist unglaublich spannend, wie lange kein Film mehr und fasziniert mit einer ebenso einfachen wie genialen Prämisse, die vor allem in der ersten Filmhälfte nicht nur sehr effektiv, sondern auch intelligent und berührend umgesetzt wird. „A Quiet Place“ etabliert sein Szenario mit einfachsten Mitteln sehr effektiv. Die Stille und Atmosphäre ist sehr gut eingefangen und kann in den ersten beiden Akten überzeugen und den Zuschauer in den Bann ziehen. Leider stören einige seltame Entscheidungen der Protagonisten im dritten Akt das Gesamtergebnis. Nichtsdestotrotz ist „A Quiet Place“ jedem zu empfehlen, der auf spannende Thriller steht, einen richtigen Horrorfilm sollte man nicht erwarten.

Hounds of Love

Hounds of Love

20161 h 48 min
Kurzinhalt

Teenagerin Vicki Maloney ist im suburbanen Perth im Jahr 1987 gerade dabei, sich von ihren Eltern abzunabeln. Zwar meinen es Vater Trevor und Mutter Maggie gut mit ihr, doch zurzeit sind die beiden Parteien einfach inkompatibel. Als Vicki sich eines Nachts davonschleicht, um eine Party zu besuchen, fällt sie jedoch dem Ehepaar White in die Hände. John und Evelyn White haben inzwischen eine perfide Routine entwickelt, wenn es darum geht, Menschen zu entführen, zu foltern und zu töten. Als ihr nächstes Opfer haben sie Vicki auserkoren. Die merkt jedoch bald, dass sie möglicherweise noch eine Chance hat, lebend aus der Situation zu entkommen - denn die Beziehung der Whites steht auf wackligen Beinen und Vicki glaubt zu erkennen, wo sie ansetzen muss, um einen Keil zwischen Emily und John zu treiben...

Metadaten
Titel Hounds of Love
Original Titel Hounds of Love
Regisseur Ben Young
Laufzeit 1 h 48 min
Starttermin 7 Oktober 2016
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

In seinem Spielfilmdebüt „Hounds of Love“ verlegt Regisseur Ben Young den australischen Horror aus dem Outback in die oberflächlich betrachtet ruhige Vorstadt. Young setzt bei seinem Werk auf ein realistisches Grauen, das ohne grosse Exzesse nur umso intensiver unter die Haut geht und noch lange nachwirkt. Die Geschichte über ein sadistisches Serienmörder-Paar, das im Perth der Achtziger Jahre junge Frauen entführt und in ihrem Haus quält und tötet, basiert laut dem Newcomer auf keinem spezifischen Vorfall, doch erinnert das erschütternde Geschehen deutlich an die sogenannten Moorhouse-Morde, die im etwa gleichen Zeitraum von David und Catherine Birnie begangen wurden.

Bei „Hounds of Love“ wird man sich mit einem Gefühlsspektrum zwischen ernsthafter Beklemmung und tiefer Wut – ähnlich wie die Protagonistin Vicki – vor der Leinwand gefesselt finden, ohne den Blick von dem erschütternden Szenario abwenden zu können. Ben Young inszeniert seinen Genre-Paukenschlag mit einer ähnlich ätzenden Spannung wie seinerzeit Tobe Hooper seinen Klassiker „Texas Chainsaw Massacre“. Der Ekel ist physisch spürbar, der Terror trifft in den Magen. Dabei entscheidet sich der Autor und Regisseur dafür, seinem Publikum die direkte Darstellung der Gewalt vorzuenthalten. Entweder zeigen die Aufnahmen einen anderen Ausschnitt der Szene oder die Kamera fährt während der Tat aus dem Raum und nur die Geräusche und verzweifelten Schreie sind zu vernehmen. Vor allem letztere sind an einer besonders eindringlichen Stelle kaum erträglich und man windet sich im Sessel, während Young einem buchstäblich die Tür vor der Nase zuschlägt. Das ist auch richtig so, denn mehr als die abgrundtief widerwärtigen Bilder sexuell motivierter Grausamkeit vor dem geistigen Auge sollte wirklich niemand in einem Film sehen.

Wer mal aus dem behüteten Leben einen Blick in menschliche Abgründe werfen will, um danach wieder befreit in die heile Welt zurückzukehren, sollte sich „Hounds of Love“ ansehen. Das starke Ende unterstreicht nicht zuletzt nachdrücklich, worum es hier im Kern geht: Unter all den Dämonen, Schlitzern und Kettensägen-Schwingern im Genre-Kino verleiht „Hounds of Love“ dem leider hochaktuellen Thema „Gewalt gegenüber Frauen“ eine überaus widerwärtige Fratze zum Hassen und Fürchten. Im Gegensatz zu stumpfen Vertretern der Rape-and-Revenge-Gattung geht Youngs Film mit der nötigen Zurückhaltung und Ernsthaftigkeit vor. In den Rollen des Killer-Paares verkörpern Emma Booth und Stephen Curry nicht etwa comichaft überzeichnete Antagonisten, sondern gefährliche Psychopathen mit wahrhaft scheusslichen Neigungen, die zu keinem Moment relativiert werden. Durch die Augen ihres von Ashleigh Cummings ergreifend gespielten Opfers durchlebt man ein unfassbares Martyrium, in dem das schwache Licht der Hoffnung mit jeder Minute zu schwinden scheint.

„Hounds of Love“ ist schockierend, ungemütlich und dennoch ergreifend und zeigt den erschütternden Weg in die Freiheit, doppelbödig und tiefgründig. Den suchen im Film zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während die eine das Opfer ist und versucht aus den Fängen eines Psychopathenpaars zu entkommen, entpuppt sich die andere als personifiziertes Böse und sucht ebenfalls einen Weg, um sich Fesseln entledigen zu können. „Hounds of Love“ braucht keine Hochglanzbilder und makellose Jungschauspieler. Der Streifen schockiert mit ungeschönter Bilderflut und depressiver Grundstimmung. Das lässt das Psychodrama authentisch wirken und erinnert daran, zu was Menschen fähig sein können, wenn sie geliebt werden wollen. Hinter „Hounds of Love“ steckt das Psychogramm einer emotional abhängigen Frau, das definitiv nicht kalt lässt. Kein einfach verdaulicher Stoff, sondern harter Tobak mit Tiefgang, Hintergrund und Anspruch. Letzterer hat sich seit einiger Zeit im Genrefilm sehr rar gemacht. Gut, dass er wieder da ist. Der tut nämlich dringend Not. Für „Hounds of Love“ braucht man ein extrem starkes Nervenkorsett, denn das Grauen aus der Nachbarschaft beschäftigt einen wesentlich nachhaltiger als Freddy, Jason und Co.

Shot Caller

Shot Caller

Jede Sicherheit hat ihren Preis

20172 h 05 min
Kurzinhalt

Nachdem Familienvater Jacob einen tödlichen Verkehrsunfall verschuldet hat, muss er ins Gefängnis. Sieben Jahre Haft stehen ihm bevor und die Gewalt im Knast lässt ihn beinahe verzweifeln. Also schließt er sich einer Gang an, die ihm innerhalb der Gefängnismauern Schutz vor den anderen Häftlingen garantiert. Doch diese Sicherheit hat ihren Preis - und der ist hoch. Als er nach Ablauf seiner Strafe wieder auf freien Fuß kommt, holt ihn seine Vergangenheit alsbald wieder ein, denn seine einstigen Beschützer fordern nun weitere Gefallen von ihm. Er soll eine rivalisierende Bande in den Straßen Südkaliforniens vernichten. Damit setzt ein knallharter Kampf ums Überleben ein, bei dem seine Familie zwischen die Fronten gerät...

Metadaten
Titel Shot Caller
Original Titel Shot Caller
Regisseur Ric Roman Waugh
Laufzeit 2 h 05 min
Starttermin 13 Juli 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Schauspieler
Mit: Nikolaj Coster-Waldau, Omari Hardwick, Lake Bell, Jon Bernthal, Emory Cohen, Holt McCallany, Benjamin Bratt, Jeffrey Donovan
Trailer

Werbewirksam prangt der Name des Game Of Thrones-Star Nikolaj Coster-Waldau (Jaime Lannister) auf dem Cover eines unbekannten neuen Films namens „Shot Caller“. Tätowiert und mit markanter Gesichtsbehaarung. Doch was macht „Shot Caller“ nun sehenswert, sowohl für Fans von Coster-Waldau als auch sonstigen Filmfans dort draussen? Regisseur Roman Waugh inszeniert den Knast nicht als Zwischenraum, sondern als ziemlich direktes Spiegelbild des bürgerlichen Lebens. In beiden Welten müssen Privilegien und Respekt hart erarbeitet werden, nur sind die dafür eingesetzten Mittel hinter Gittern deutlich drastischer und rabiater.

Autor und Regisseur Ric Roman Waugh blickt auf eine lange Karriere im Stunt-Geschäft zurück, wo er u.a. an John Carpenters „Sie Leben“ und „Lethal Weapon 2“ mitwirkte. Er arbeitete mit allen Grössen des Geschäfts wie John Woo (Harte Ziele), Jean-Claude Van Damme (Harte Ziele, Universal Soldier) oder Arnold Schwarzenegger (Last Action Hero) und an Kultfilmen wie „The Crow“, ehe er mit „Shadows Of Death“ 2001 sein Debüt als schreibender Regisseur gab. 2008 ging Waugh dann filmisch erstmals hinter Gittern, denn „Felon“ mit Stephen Dorff und Val Kilmer erzählt die Geschichte eines Familienvaters, der einen Eindringling tötet und dafür in den Knast geht. Die thematischen Parallelen zu „Shot Caller“ sind unübersehbar, auch wenn sich die beiden Filme in der Umsetzung doch sehr unterscheiden. Gefängnisfilme funktionieren in aller Regel nach den immer selben Mechanismen. Egal ob Henri Charrière in „Papillon“ trotz gebrochener Füsse unentwegt Fluchtpläne schmiedet oder der Todeskandidat Matthew Poncelet in „Dead Man Walking“ eine Nonne um Beistand bittet – das Leben hinter Gittern ist typischerweise nur eine Art Durchgangsstation auf dem Weg in die Freiheit oder in den Tod. Nicht so im packenden, wenn auch in den Szenen ausserhalb der Gefängnismauern arg konventionellen Thriller „Shot Caller“.

Der Titel „Shot Caller“ leitet sich von der englischen Redewendung „to call the shots“ ab, was übersetzt „das Sagen haben“ bedeutet. Der „Shot Caller“ ist also derjenige, der für andere entscheidet, wie etwas abläuft. Coster-Waldau beweist in „Shot Caller“ Mut zur Hinterwäldler-Hässlichkeit. Sein Schauspiel entpuppt sich auch in intimeren Momenten als äusserst souverän, etwa wenn die Kamera beim Verfassen eines Abschiedsbriefs für seinen Sohn ganz nah ans Gesicht heranrückt. Er trägt den Film souverän und verkörpert seine innerlich zerrissene Figur glaubwürdig. Der liebende Jacob verroht zunehmend und schreckt im Kampf ums tägliche Überleben schliesslich auch vor heimtückischen Mordkomplotten nicht zurück. Um sich und seine Familie zu schützen, ist ihm jedes Opfer Recht – sogar seine eigene Freiheit. Eingesperrt hinter Stacheldraht und Betonmauern steigt Money durch Loyalitätsbeweise wie Drogenschmuggel in seinem Körper und zunächst widerwillig begangene Auftragsmorde immer weiter auf, bis er schliesslich „die Schlüssel“ besitzt. Damit geht das Privileg einher, die auf der Lohnliste der Arischen Bruderschaft stehenden Gefängniswärter nach seinem Willen handeln zu lassen. Trotz anfänglicher Gewissensbisse verdient er sich mit brachialen Mitteln eben genau jenen Respekt, der ihm zuvor in seinem bürgerlichen Leben versagt blieb, wenn er etwa bei einem Basketballspiel von einem Büro-Kollegen grundlos und ungestraft umgerammt wurde.

Während er sich durch seine Gang-Zugehörigkeit hinter Gittern immer sicher fühlen konnte, entgeht Money gleich am ersten Tag in Freiheit auf einer Willkommensparty nur knapp einem Mordanschlag. Wo im Knast Ehre und Loyalität regieren, wird er nach der Entlassung schon bald von einem engen Freund gelinkt. Und so ist es gut nachvollziehbar, für welche der beiden Welten sich Money schlussendlich entscheidet – eine begrüssenswert radikale Abkehr vom üblichen Narrativ des Gefängnisfilms. Passend zu den Schauplätzen und der allgemeinen Situation des Protagonisten hat Waugh einen extrem atmosphärischen Film komponiert. Kameraführung und Bildqualität greifen visuell die Stimmung auf, die immer wieder vorwiegend zwischen bedrohlich und beklemmend pendelt. Popcorn-Kino ist hier nicht, das würde einem dann doch zu oft im Halse stecken bleiben – was absolut als Lob zu verstehen ist. Auch akustisch liefert „Shot Caller“ Qualität auf hohem Niveau, die Filmmusik passt herausragend zur Szenerie und speziell in den handfesten Auseinandersetzungen sind direktionale Effekte und intensive Effekte grandios platziert, um genau die richtigen Akzente zu setzen, um die Stimmung zu verstärken.

Gefängnis-Filme sind eine Kunst für sich und von besonderen Herausforderungen begleitet – wenn ein Vertreter dieses Genres gelingt, muss er zwangsläufig verdammt gut sein. „Shot Caller“ darf als Paradebeispiel für diese Kategorie angesehen werden, Ric Roman Waugh zeichnet in seinem Knast-Thriller auf beeindruckende und glaubhafte Weise das Machtgefüge hinter Gittern nach und liefert mit einer packenden und harten Story grandiose Arbeit ab. Dabei kann er sich auf eine hervorragende Darstellerriege verlassen, die angeführt von Nikolaj Coster-Waldau mit einer nicht genug zu lobenden Intensität aufspielt. „Shot Caller“ ist eindringlich, wortkarg, zeigt eine komplexe Figur, die es einem oft schwer macht, sie gern zu haben. Man leidet mit ihr und wird zugleich von ihr geschockt. Darüber hinaus ist der Film optisch schön eingefangen und montiert, authentisch, mit stimmiger Musik unterlegt und gut geschrieben. Möchte man etwas kritisieren, dann wäre es sein Fokus, denn wer sich (noch) mehr für die Zeit hinter Gittern interessiert wird von den Gegenwarts-Szenen herausgerissen und umgekehrt. Dennoch drehen sich beide Handlungsstränge um die Frage nach dem Preis, den man für Sicherheit zu zahlen bereit ist – und schrecken nicht vor Antworten zurück, die nicht jedermann schmecken werden.

Stephanie – Das Böse in ihr

Stephanie

20171 h 29 min
Kurzinhalt

Allein wird Stephanie von ihren Eltern in dem abgelegenen Eigenheim zurückgelassen. Sie überlebt nur, indem sie Erdnussbutter isst und mit ihrer Schildkröte redet, während eine düstere, übersinnliche Macht sich im Haus bemerkbar macht. Als Stephanies Eltern endlich zurückkehren, entfesselt das Wesen seinen Zorn.

Metadaten
Titel Stephanie
Original Titel Stephanie
Regisseur Akiva Goldsman
Laufzeit 1 h 29 min
Starttermin 27 April 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Trailer

Mit „Stephanie – Das Böse in ihr“ startet Akiva Goldsman einen zweiten Versuch als Spielfilmregisseur. Der Horrorthriller bietet ein paar originelle Ideen und überzeugt durch eine unheilvolle Atmosphäre, doch der Plot weist einige Hänger auf.

Akiva Goldsman ist erfolgreicher Produzent und oscargekrönter Drehbuchautor (für Ron Howards „A Beautiful Mind“). Nachdem er mehrere Folgen der von ihm geschrieben Krimi-Serie „Fringe – Grenzfälle des FBI“ inszenierte hatte, übernahm er bei „Winter’s Tale“ erstmals auch die Regie bei einem Kinofilm, hatte aber damit wenig Erfolg. Das schwerfällige Historiendrama fiel sowohl bei der Kritik als auch an der Kinokasse durch und spielte weltweit nur die Hälfte seiner Produktionskosten in Höhe von 60 Millionen US-Dollar wieder ein. Der Horrorthriller „Stephanie – Das Böse in ihr“ ist nun der zweite Versuch Goldsman als Spielfilmregisseur. „Stephanie – Das Böse in ihr“ zeichnet sich über weite Teile durch eine latent unheilvolle Atmosphäre aus, zumal das Böse ohne Gestalt bleibt und sich lediglich durch Geräusche ankündigt. Ein weiterer Pluspunkt ist Hauptdarstellerin Shree Crooks, die nicht nur glaubhaft, sondern auch recht facettenreich ihr Können unter Beweis stellt und somit die erste halbe Stunde scheinbar mühelos allein stemmt. Nachdem jedoch das Kerngeheimnis gelüftet ist, gestaltet sich die Angelegenheit teilweise ein wenig lahm, wogegen zum Finale ein paar kleine Schauwerte aufgefahren werden und die letzten Bilder schon beinahe apokalyptisch anmuten.

Das erste Drittel überrascht durch seine extreme Reduziertheit – und Regisseur Akiva Goldsman zieht dabei unerbittlich die Spannungsschraube an. Goldsman erzeugt in dieser Frühphase des Films subtil eine unheilvoll-suggestive Gruselatmosphäre. Wenn dann bei der Attacke in Stephanies Kinderzimmer nur ein Rasseln und Grollen zu hören ist, die bösartigen Angreifer aber im Verborgenen bleiben und nicht zu sehen sind, macht er aus der Not eines knapp bemessenen Budgets von weniger als zehn Millionen Dollar eine Tugend. Leider häufen sich in „Stephanie – Das Böse in ihr“ im zweiten Drittel mit der Rückkehr der Eltern langatmige Momente. Die apokalyptische Welt ausserhalb bleibt mit Ausnahme einiger Fernsehberichte weiterhin ausgeblendet und der Film wandelt sich zunehmend zu einem unterkühlten Familiendrama mit wohl dosierten Schockeffekten. Einige Dialoge um die Gewissenskonflikte der Eltern, die sich verzweifelt fragen, wie sie mit ihrer unberechenbaren und bedrohlichen Tochter umgehen sollen, geraten etwas zäh statt aufwühlend, aber bevor der Leerlauf in Langeweile umschlägt, sorgt Goldsman mit deutlichen Anspielungen auf andere Horrorfilme mit mörderischen Kindern wieder für Abwechslung.

In einer Albtraumsequenz dreht Stephanies Vater à la „Der Exorzist“ seinen Kopf um 180 Grad nach hinten und im effektgeladenen Finale hinterlässt Stephanie eine Schneise der Verwüstung wie einst Drew Barrymore in „Der Feuerteufel“, zu dem Goldsman bereits im April 2017 ein Remake angekündigt hat. Das sind äussere Höhepunkte in einem Film, dem nach dem starken Anfang etwas die innere Spannung fehlt, was auch an den uneinheitlichen Schauspielleistungen liegt. „Fringe“-Star Anna Torv bleibt als besorgte Mutter ähnlich eindimensional wie Frank Grillo (The Purge: Election Year) als aufopferungsvoller Vater. Anders Stephanie-Darstellerin Shree Crooks (Captain Fantastic), die zum Zeitpunkt des Drehs gerade einmal elf Jahre alt war: Sie stiehlt den erwachsenen Darstellern die Schau und hinterlässt einen äusserst starken Eindruck. Mit ihrer Mischung aus Altklugheit, Boshaftigkeit und kindlicher Verletzlichkeit wird Stephanie zu einer komplexen Figur voller faszinierender Facetten. Nur schade, dass sie ihre dämonische Seite nicht häufiger zur Schau stellen darf und sich die Filmemacher stattdessen weitgehend vergeblich um moralische Tiefgründigkeit bemühen.

„Stephanie – Das Böse in ihr“ ist ein atmosphärisch dichter Horrorthriller mit einer beeindruckenden jungen Hauptdarstellerin, wird seinen erzählerischen Ambitionen allerdings nur zum Teil gerecht. Die Ansätze sind passabel und erzeugen phasenweise eine dichte Atmosphäre und einige Spannungsmomente, was primär auf die erste Hälfte zutrifft. Nachdem die Katze aus dem Sack ist, mangelt es ein wenig an kreativen Einfällen, die Pointe kommt indes angemessen garstig rüber. Wer den gängigen Produktionen von Blumhouse etwas abgewinnen kann, sollte einen Blick wagen.

Loving Vincent

Loving Vincent

20171 h 34 min
Kurzinhalt

Ein Jahr nach dem Tod Vincent van Goghs taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin erhält den Auftrag, den Brief auszuhändigen. Zunächst widerwillig macht er sich auf den Weg, doch je mehr er über Vincent erfährt, desto faszinierender erscheint ihm der Maler, der zeit seines Lebens auf Unverständnis und Ablehnung stieß. War es am Ende gar kein Selbstmord? Entschlossen begibt sich Armand auf die Suche nach der Wahrheit

Metadaten
Titel Loving Vincent
Original Titel Loving Vincent
Regisseur Dorota Kobiela, Hugh Welchman
Laufzeit 1 h 34 min
Starttermin 2 August 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

Der Animationsfilm „Loving Vincent“ ist der erste komplett gemalte Künstler-Spielfilm, der durch seine Ölfarben-Technik im Stil van Goghs begeistert. Fantastisch schön anzusehen nimmt „Loving Vincent“ den Zuschauer mit auf die Reise in das Leben und Wirken einer der berühmtesten Maler unserer Zeit.

Für „Loving Vincent“ haben 125 Künstler aus aller Welt 65’000 Einzelbilder für gemalt. Diese Ölgemälde, die für den Film abfotografiert wurden, messen etwa einen Meter auf sechzig Zentimeter. Den Stil haben Vincent van Goghs Kunstwerke selbst vorgegeben: Fast hundert von ihnen wurden eins zu eins kopiert, sie bilden die Brückenköpfe des Films, verbunden durch Tausende frei erfundene Bilder. Jede Szene wurde dafür zuerst mit Schauspielern aufgeführt, abgefilmt und dann gemalt. Wer hätte gedacht, dass es einen Film braucht, um an den alten Zaubertrick der Malerei zu erinnern? Wie eine Welt aus Farbe und Strichen entsteht, zeigt „Loving Vincent“ in jedem Bild. Und das Wunder, von dem man nicht genug bekommen kann, besteht darin, dass man den Trick sieht und sich die Illusion trotzdem einstellt.

Die Geschichte setzt ein Jahr nach dem Tod Vincent Van Goghs an. Mit der Absicht, einen letzten Brief des Malers an seinen Bruder Theo auszuliefern, begibt sich Armand Roulin auf die Spuren des ominösen Künstlers und muss erkennen, dass sich um dessen Selbstmord einige Ungereimtheiten ranken. Er spricht mit Freunden, Bekannten, Geliebten und dem durch van Goghs Porträt später weltberühmt gewordenen behandelnden Arzt Dr. Gachet. Die Rückblenden werden wie in einem Puzzle zusammengesetzt. „Loving Vincent“ ist damit ein kluges Kriminalstück. Als würde der Sog der Bilder nicht schon reichen, kommt noch der des Plots dazu. Die Polin Dorota Kobiela hatte schon fünf animierte Kurzfilme gemacht, bevor sie „Loving Vincent“ plante. Ihr Lebenspartner, der Brite Hugh Welchman, überredete sie schliesslich dazu, das Projekt als Langspielfilm zu realisieren. Der Filmtitel habe mit ihrer Liebe zu Vincent van Gogh zu tun, meint Kobiela. Zudem habe der Maler seine Briefe an Bruder Theo oft mit „Loving Vincent“ unterschrieben: „dein dich liebender Vincent“.

Es gab in den vergangenen Jahrzehnten eine Explosion digitaler Effekte, alles, was sich am Computer herstellen liess, wurde ausprobiert, visuell und akustisch. Niemand aber hätte damit rechnen können, dass sich eine Polin und ein Engländer im 21. Jahrhundert zusammensetzen, um einen Kinofilm in Öl zu produzieren. In mühseliger, kostspieliger, langwieriger Handarbeit. Zusammen schrieben Dorota Kobiela und Hugh Welchman das Drehbuch und führten Regie. Für den Animationsfilm „Peter und der Wolf“ hatte Welchman 2008 bereits einen Oscar gewonnen. Das ist schön, erklären kann das jedoch nichts. Weder ökonomisch noch strategisch ist „Loving Vincent“ sinnvoll. Kein Reissbrett dieser Welt hätte so etwas hervorbringen können. Und das heisst nichts anderes, als dass dieser Film durch und durch unvorhergesehen ist. Darin besteht das grösste Glück. Die Bilder sind schlichtweg überwältigend. So etwas hat man im Kino noch nie gesehen. Im Kontrast mit den schwarzweiss gehaltenen Rückblenden wirken die Farben besonders intensiv. „Loving Vincent“ ist ein in dieser Art nie dagewesenes, cineastisches Kunstwerk und nicht nur für Kunstbegeisterte absolut sehenswert!

It Comes at Night

It Comes at Night

20171 h 31 min
Kurzinhalt

Die Welt des Familienoberhaupts Paul (Joel Edgerton), seiner schüchternen Frau Sarah (Carmen Ejogo) und des Teenager-Sohns Travis (Kelvin Harrison Jr.) wird regelmäßig von einer bösartigen, pestähnlichen Bedrohung heimgesucht. Um Schutz vor den lebensgefährlichen Umständen zu finden, ziehen sie sich in ein abgelegenes Haus im Wald zurück. Doch die Ruhe wird gestört, als eines Tages der fremde Will (Christopher Abbott) versucht, die Vordertür des Hauses aufzubrechen. Will überzeugt die Familie davon, ihm bei der Suche nach seiner Frau Kim (Riley Keough) und seinem Sohn Andrew (Griffin Robert Faulkner) zu helfen und die beiden mit in den wohlbehüteten Schutzort zu bringen. Bald bricht jedoch Paranoia zwischen den neuen und alten Bewohnern aus.

Metadaten
Titel It Comes at Night
Original Titel It Comes at Night
Regisseur Trey Edward Shults
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 9 Juni 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Schauspieler
Mit: Joel Edgerton, Christopher Abbott, Carmen Ejogo, Kelvin Harrison Jr., Riley Keough, Griffin Robert Faulkner
Trailer

Der düstere Endzeit-Horror-Thriller „It Comes at Night“ erzählt von einer Welt, die den Kampf um die Menschenwürde schon verloren hat. Normalerweise spielt ein Horrorfilm mit unseren Ängsten und am Ende werden wir erlöst. Nicht so „It comes at night“, statt Katharsis gibt es nur Hoffnungslosigkeit. Ein postapokalyptischer Alptraum um eine Familie, die sich in einer abgelegenen Hütte vor dem Ende der Welt versteckt. Doch das Grauen ist längst unter ihnen.

It Comes at Night“ geht ganz bildhaft in eine Dunkelheit, die selten so konsequent nihilistisch ausgestaltet wurde. Die zweite Arbeit des 28-jährigen amerikanischen Nachwuchsregisseurs Trey Edward Shults sorgt auch unter nervengestählten Horrorfilmfans für Kontroversen. In „It Comes At Night“ geht es nicht, wie der Titel vermuten lässtt, um Monster, die nachts erwachen. Der Film zeigt, was Menschen einander antun, wenn die äusseren Umstände schwierig werden. Zu seiner unablässigen Intensität trägt bei, dass diese Umstände nie klar benannt werden. Irgendeine Epidemie sucht die Menschheit heim, eine unheilbare Krankheit, von der eine extreme Ansteckungsgefahr ausgeht. Dass die Zivilisation grösstenteils schon zusammengebrochen ist, lässt sich nur erahnen, weil es kein Fernsehen oder Radio, kein Internet und keinen Strom gibt. Auch Lebensmittel und Wasser sind rationiert. Die tief im Menschen verankerte Angst vor der Dunkelheit ist es, die weite Teile von „It Comes At Night“ so beunruhigend macht. Die physische Dunkelheit der äusseren Welt ebenso wie die verborgenen Schatten in den Seelen der nächsten Angehörigen.

Regisseur Trey Edward Shults baut meisterhaft aus einfachsten filmischen Mitteln eine fast fühlbare Atmosphäre von Terror und Trauer. Lange Kamerafahrten verlangsamen und verdichten das Geschehen, minutiös gesetzte Soundeffekte fahren genauso in die Glieder wie plötzliche Stille. „It Comes At Night“ legt menschliche Urängste frei, ohne sich im Geringsten für eine Katharsis zu interessieren. Im Gegenteil. Das letzte Drittel lässt keine noch so kleine Hoffnung auf Rettung. Shults hat über seinen Film gesagt, er habe ihn konzipiert, kurz nachdem sein Vater gestorben war und ihm auf dem Totenbett all seine Fehler, sein Bedauern und seine Reue gestanden hatte. Die übergrossen Gefühle, die Shults danach umtrieben, seien in das Drehbuch geflossen. Joel Edgerton (Loving) brilliert in dem Psychothriller als ehemaliger Geschichtslehrer, der alles tun würde, um seine Familie zu beschützen. In „It Comes at Night“ sehen wir die wuchernde Paranoia nicht nur wie bei Jack Torrance in „Shining“ von aussen, sondern werden selbst von ihr befallen. Das konsequent gegen die Erwartungen gebürstete Finale setzt dann allerdings wieder genau den passenden Schlusspunkt für eine Erzählung, bei der der Horror genau wie die um sich greifende Seuche aus dem Inneren kommt und sich dann unaufhaltsam nach aussen Bahn bricht.

Für seine Low-Key-Version des Endzeit-Thrillers braucht Shults keine Spezialeffekte und keine hyperaktive Action, sondern nur die einfache Erkenntnis, dass die Hölle immer die anderen sind sowie ein paar unaufgeregte Minimalisten als Schauspieler. Das Klima allgegenwärtiger Bedrohung schürt er knappe neunzig Minuten lang. Die Kamera hetzt die Menschen durch lange, enge Gänge und düstere Wälder. Unheimlich dumpfe Rhythmen suggerieren eine Macht, die sie vor sich hertreibt. Im schummrigen Licht bleiben die wahren Motive und Absichten immer verborgen. Das Erschütternde ist nicht ein greifbares Monster, sondern die Erkenntnis, dass jeder Moment des Vertrauens das eigene Schicksal besiegeln kann. Grausam, kompromisslos und spannend taucht der Survival-Thriller von Trey Edward Shults in die Psyche seiner Charaktere ab. Das traditionelle Genrepublikum sei daher gewarnt und ermuntert zugleich: Diese Geschichte enttäuscht Erwartungen. Und dann erfüllt sie diese wieder. Auf grausame Weise…

It Stains the Sands Red

It Stains the Sands Red

20161 h 32 min
Kurzinhalt

Las Vegas wird von Zombies überrannt. Partygirl Molly und ihr Freund Nick verlassen die Stadt der Sünde und machen sich auf den Weg durch die Wüste Nevadas. Mitten im Nirgendwo bleiben sie mit dem Wagen stecken, während die Sonne auf sie herabknallt. Und dann stolpert in der Ferne ein Untoter heran. Molly versteckt sich im Auto, doch als der Zombie Nick beißt, nimmt sie entsetzt Reißaus. Währenddessen fällt das Monster über die Innereien ihres toten Freundes her, doch das Mahl reicht ihm nicht und er stellt der Entkommenen nach. Mit ihren hochhackigen Schuhen flieht die erschöpfte Molly quer durch die sengend heiße Wüste, um sich zur Zivilisation durchzuschlagen… dabei ist der Zombie-Verehrer im Schlepptau nicht einmal ihr größtes Problem in dieser postapokalyptischen Welt.

Metadaten
Titel It Stains the Sands Red
Original Titel It Stains the Sands Red
Regisseur Colin Minihan
Laufzeit 1 h 32 min
Starttermin 8 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Trailer

Die Story von „It Stains the Sands Red“ dreht sich um eine Stripperin, die in der Wüste von Las Vegas von einem Zombie verfolgt wird und schnell lernt, wie sie dem Untoten aus dem Weg gehen kann. Sie wird ihn aber nicht los und muss schliesslich mit allen Mitteln um ihr Überleben kämpfen. Alles mit Molly und ihrem Zombie ist toll, alles drum herum leider weniger…

In den eröffnenden Luftaufnahmen von Las Vegas ist ein abgestürztes Flugzeug im berühmten Fontänen-Brunnen vor dem Bellagio Hotel zu sehen, aber das ist dann auch schon alles, was man von der offenbar kürzlich ausgebrochenen Zombie-Apokalypse mitbekommt. Denn schon in der nächsten Szene gleiten Molly (Brittany Allen) und ihr Macho-Macker Nick (Merwin Mondesir) in seinem Sportwagen durch die einsame Wüste. Nach einem noch recht geradlinigen Beginn entwickelt „It Stains The Sands Red“ seine Qualitäten vor allem im zweiten Drittel, das sich auch ganz treffend als „Swiss Army Man“ mit Zombie statt Leiche umschreiben liesse. Nachdem Molly von ihrem ungebetenen Begleiter zunächst noch angemessen angenervt ist, stellt sie nach und nach fest, dass so ein Verfolger (sie nennt ihn „Smalls“ als Abkürzung für „Small Penis“) auch seine Vorteile haben kann. So fungiert er zum einen als ihr persönlicher Kummerkasten und permanenter Motivationscoach, weil er sie konsequent zum Weitermarschieren anhält. Zusätzlich eignet er sich aber auch ganz hervorragend als Lastenträger, nachdem Molly ihm einen Autoreifen mit angebundenem Schlauchboot um den Hals gelegt hat. Dass sich Molly schliesslich nicht nur mit der Situation arrangiert, sondern tatsächlich freundschaftliche Gefühle für den Zombie entwickelt und sich um sein „Überleben“ sorgt, kommt dann zwar etwas plötzlich und ist auch nicht wirklich glaubhaft, aber das ist gar nicht schlimm – Molly und Smalls sind ein sehenswertes Team.

Weil Smalls als Zombie naturgemäss nur Grunzlaute von sich gibt, gestaltet sich der grösste Teil von „It Stains The Sands Red“ als Monologshow, die Brittany Allen (Saw: Legacy) in ihren Leopardenmuster-Leggins mit staubtrockenem Pragmatismus, etwa wenn sie ihren menstruationsblutgetränkten Tampon zum Stöckchenspielen einsetzt, ganz hervorragend meistert. Die ehemalige Seitenoperndarstellerin (222 Folgen von „All My Children“) hätte locker die nötige Ausstrahlung besessen, um ein solches Wüstenkammerspiel im Alleingang über die Zeit zu bringen. Aber Regisseur und Co-Autor Colin Minihan bürdet ihr dazu nicht nur einen unnötigen und arg klischeehaften Erlösungsplot auf, sondern der Film geht auch noch ewig lange weiter, nachdem sich Smalls schon aus der Story verabschiedet hat – und das ist dann wirklich nur noch „The Walking Dead“ mit wenig Budget und den gleich schlechten Ideen. Statt sich konsequent auf sein zentrales Duo und dessen Hitzemarsch zu beschränken, erweitert Minihan seine Story im letzten Drittel noch unnötig – und offenbart so, dass er selbst gar nicht verstanden hat, wo genau die Qualitäten seines Films eigentlich liegen. Alles mit Molly und ihrem Zombie ist toll, alles drum herum weniger – da wäre weniger mal wieder mehr gewesen.

I Remember You

I Remember You

20171 h 46 min
Kurzinhalt

Der Isländer Garðar (Thor Kristjansson) kommt eigentlich aus der Stadt, doch auf einer abgelegenen Insel mitten im Nirgendwo hat er ein altes Haus erstanden, das er jetzt auf Vordermann bringen will. Seine Frau Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) und ihre gemeinsame Freundin Líf (Ágústa Eva Erlendsdóttir) wollen ihm dabei helfen und zunächst sieht es danach aus, als würde alles nach Plan verlaufen. Doch je länger sie an diesem unwirtlichen Ort verweilen, desto mehr häufen sich unheimliche Vorkommnisse, die sie sich nicht erklären können und die allesamt mit Kindern zu tun haben. Langsam wird klar, dass der Ort ein finsteres Geheimnis verbirgt. Und das irgendwie mit dem Psychologen Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) verbunden zu sein scheint, dessen Sohn vor Jahren verschwunden ist und von dem seitdem jede Spur fehlt...

Metadaten
Titel I Remember You
Original Titel Ég Man Þig
Laufzeit 1 h 46 min
Starttermin 5 Mai 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Trailer

Das isländische Kino hat schon mehrfach bewiesen, dass sein Land ein wunderbares Setting für düstere Filme abgibt. Mit „I Remember You“ will uns Óskar Thór Axelsson das Fürchten lehren. Der auf dem Roman von Yrsa Sigurðardóttir basierende Streifen wirft jegliche Rationalität über Bord und nutzt gekonnt die Kulisse der isländischen Abgeschiedenheit, um daraus düstere Unterhaltung mit Anspruch zu machen. Freunde von Geistergeschichten finden in „I Remember You“ durchaus ansehnlichen Stoff.

„I Remember You“ beansprucht gleich zu Beginn die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Hier werden nämlich zwei Geschichten erzählt, die offenbar miteinander verbunden sind. Der Film gibt sehr schön die Isländische Grundstimmung wieder, auch oder gerade weil diese etwas depressiv daherkommt. Die verschachtelte Geschichte isz gleichzeitig auch die Quintessenz dieses etwas anderen Geisterfilms. Spuk ist hier zwar vorhanden, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen seltsame Todesfälle, die gelöst werden müssen. Passender Stoff also für Hobby-Detektive und leidenschaftliche Krimifans, denn „I Remember You“ ist bei genauerer Betrachtung eher ein spannender Kriminalfall, welcher an skandinavische TV-Thriller erinnert und sich erst am Ende im Geisterfach verirrt, um etwas Gänsehaut bescheren zu können. Dabei nimmt sich Regisseur Óskar Thór Axelsson besonders viel Zeit beim Erzählen seiner Geschichte und analysiert dabei auch die Sorgen seiner authentischen Hauptdarsteller, die ohnehin schon von Schicksalsschlägen gebeutelt sind. Das macht „I Remember You“ auch auf emotionaler Ebene glaubhaft, was vor allem Schauspieler Jóhannes Haukur Jóhannesson zu verdanken ist, der hier als Psychologe wegen des verschwundenen Sohns durch die Höhle geht. Berührend – auch wenn erst nach und nach viele Puzzleteile ein plausibles Ganzes ergeben.

Der langsam und bedacht inszenierte Film beweist einmal mehr, dass es kein Blut oder reisserischer Spezialeffekte bedarf, um spannende Geschichten zu erzählen. Hier wird unheimliche Stimmung auf anderem Wege hervorgerufen. Der Film bewirkt gespenstiges Unbehagen durch einfache Mittel, wie sporadische Belichtung, trostlose Kulissen und grummelnden Sound. Was hier wie eine Folge CSI:Rejkjavik beginnt, mausert sich ganz schnell zu einem fesselnden Mysterythriller, der vor allem wegen seiner verworrenen Handlung und der für Gruselfilme eher ungewöhnlichen Kulisse auf ganzer Linie überzeugt. Karge Landschaften treffen auf nicht minder karg eingerichtete Häuser und von Sorgen geplagte Figuren, die Teil eines ungewöhnlichen Genre-Mixes sind, der auf einem bekannten Bestseller beruht. Die Verfilmung ist nicht ohne und fesselt mit mehreren Erzählebenen bis zum Schluss. Schnell ist man mittendrin und kann sich dem Mysterium nicht mehr entziehen, das sich im Film wie eine Schlaufe um alle Beteiligten zieht. „I Remember You“ besitzt zwar einen unterkühlten Look, ist aber zutiefst emotional und atmosphärisch stimmig. Geheimtipp für anspruchsvolle Cineasten!

Breakdown Lane

Breakdown Lane

20171 h 16 min
Kurzinhalt

Kirby Lane (Whitney Moore) fährt mit ihrem SUV durch die Wüste, als das Auto mitten in der Einöde eine Panne hat. Hilfe ist weit und breit nicht in Sicht und so muss die junge Frau bald feststellen, dass sie sich in einer misslichen Lage befindet, denn die Hitze brennt, sie hat kaum Wasser und droht zu dehydrieren. Dazu gibt es in der Gegend noch zahlreiche Kojoten, die sich als gefährlich erweisen. Doch der wahre Albtraum beginnt erst noch: Scheinbar auf sie zukommende Menschen erweisen sich schnell als Untote. Und plötzlich tauchen überall Zombies auf. Kirby Lane muss über sich hinauswachsen, wenn sie überleben will und alles, was sie in ihrem Auto findet, als Waffe nutzen...

Metadaten
Titel Breakdown Lane
Original Titel Breakdown Lane
Regisseur Bob Schultz, Robert Conway
Laufzeit 1 h 16 min
Starttermin 5 Januar 2017
Detail
Film-Details
Bewertung Schlecht
Bilder
Trailer

„Breakdown Lane“ ist C-Movie Trash, der sich selbst leider etwas zu Ernst nimmt. Überzeugt der Trailer des Filmes noch mit der langen Produktionsgeschichte und Unmengen an Zombies, ordentlichem Gore und sogar einigen wenigen atmosphärischen Höhepunkten, bleibt in der Endproduktion, welche durch Nach & Neu-Drehs völlig ruiniert wurde, nicht mehr davon übrig als Zombies und die Hübsche aus „Birdemic“! Da hilft es auch nicht, dass die Dunkelgother von Crematory den Soundtrack dazu beigesteuert haben.

„Breakdown Lane“ ist weder spannend, noch mitreissend, ebenso nicht wirklich brutal und leider in allen Belangen austauschbar und billig, stümperhaft produziert und vermag dadurch alles andere als zu überzeugen! Alles wirkt Zusammenhanglos und der qualitative Unterschied beider Versionen, welche hier zusammen geschnitten wurden, ist gänzlich unerträglich und dreist und daraus ergeben sich jede Menge Logik-Löcher. Dabei wäre Kirby eine sehr starke und interessante weibliche Hauptfigur, doch leider macht man nicht all zuviel daraus. Dennoch ziehe ich meinen Hut vor der Hauptrolle, den Withney Moore trägt den Film praktisch allein und dass macht sie sehr gut.

Die meisten Effekte sind allzu simples CGI, dabei hätten praktische Effekte dem Film mehr als nur gut getan. „Breakdown Lane“ im ganzen fühlt sich an wie eine verlorene Folge von „The Walking Dead“ – mit etwas mehr Humor. Ein Meisterwerk ist „Breakdown Lane“ sicher nicht, aber im Vergleich zu den meisten Zombie-Schlock-Filmen der letzten Jahre hätten wir hier einen ungeschliffenen Rohdiamant, Potenzial wäre vorhanden. Leider sind die besten Szenen aus dem ersten Trailer im fertigen Film nicht mehr zu finden und wurden teils durch schrecklich deplatzierte Comic-Schnipsel-Collagen ersetzt! „Breakdown Lane“ hat vieles falsch gemacht und bewährte Film-Rezepte und Regeln gebrochen. So ist das Eigentor leider nicht mehr zu verhindern. „Breakdown Lane“ kann man höchstens Zombiefans und Metalfreaks mit viel Bier, Freunden und eventuell ner Pizza empfehlen.

Es (2017)

Es

Wovor hast du Angst?

2017
Kurzinhalt

Die Freunde Stanley Uris, Richie Tozier, Mike Hanlon, Bill Denbrough Beverly Marsh, Eddie Kaspbrak und Ben Hanscom leben in einer Stadt namens Derry, in der immer wieder Menschen verschwinden – sowohl Erwachsene als auch vor allem Minderjährige. Schließlich erfahren die Kinder, die sich selbst auch den „Klub der Verlierer“ nennen, von einer interdimensionalen Kreatur, die Jagd auf Menschen macht und sich in die schlimmsten Alpträume ihrer Opfer verwandeln kann. Meistens tritt das Biest jedoch in Form des sadistischen Clowns Pennywise auf. Die Kinder schwören die Kreatur zu vernichten und kehren als Erwachsene in ihre Heimatstadt zurück, in der Pennywise erneut aufgetaucht ist.

Metadaten
Titel Es
Original Titel It
Regisseur Andy Muschietti
Laufzeit
Starttermin 5 September 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Trailer

Wenn der Horrormeister Stephen King persönlich zugibt, dass er in einem Film Angst verspürte, der auf einem seiner eigenen Romane basiert, dann lässt das nicht nur uns aufhorchen. Dass die Neuverfilmung von „Es“ gruselig geworden ist, ging durch alle Medien und ich muss zugeben, das die Neuverfilmung um ein vielfaches besser ist als das Original, dass mich grösstenteils nur gelangweilt hat. Ein sehr gelungenes Remake, dass die Stimmung des Buches gut einfängt. So muss eine Buchverfilmung aussehen.

Wer einen reinen Horrorfilm erwartet ist definitiv falsch, der ist generell bei Stephen King falsch, denn dieser Film ist kein blutiger Horrorschocker, wie es in Medienberichten ständig behauptet wird, sondern genau wie im Buch ist es hauptsächlich eine Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Der gesamte Look des Films wirkt wie aus den 80ern. Die Musik, die Kamera und die Effekte sind absichtlich etwas auf alt getrimmt. Den Losersclub schliesst man, ebenfalls genau wie im Buch, sofort ins Herz. Es gibt interessante Horror Elemente, wirklich lustige Passagen der derberen Art und Drama. Die jungen Schauspieler machen ihre Sache wirklich gut, es macht richtig Spass ihnen zuzusehen und Bill Skarsgard als Pennywise ist eine Wucht. Er lässt dem Wahnsinn Raum zum entfalten und unterzeichnet dies mit einer Mimik, die absolut grandios ist. Doch sollte man nicht den Fehler begehen, ihn mit Tim Curry vergleichen zu wollen. Beide spielen den Clown auf Ihre eigene Art und in meinen Augen wissen beide zu überzeugen. Bei Skarsgard sehe ich für den zweiten Teil sogar noch potenzial nach oben, wenn sich der zweite Teil mehr im düsteren Erwachsenen und Horror Bereich positioniert. Das schwedische Fotomodell Skarsgård, kurzfristig für Will Poulter (The Revenant, The Maze Runner) eingesprungen, dominiert mit seiner verspielt sadistischen Art den Film nach Belieben.

Nachdem Cary Fukunaga (True Detective) aufgrund Terminüberschneidungen den Stuhl räumen musste, kam mit dem argentinischen Filmregisseur Andy Muschietti (bürgerlicher Name Andrés Muschietti) einen Drahtzieher, welcher bisher nur einen einzigen Langspielfilm realisierte. Man darf dem Filmstudios auch feines Gespür attestieren, denn wer bei Muschiettis Filmdebüt genau hinschaut, erkennt darin das perfekte Bewerbungsschreiben für „It“. Bereits beim spanisch sprachigen „Mama“ spielte der Argentinier gekonnt auf der übernatürlichen Klaviatur, ohne dabei ins generische Horror-Geplänkel abzudriften. Kommt hinzu, dass Muschietti eine Horde talentierter Filmemacher zur Seite gestellt wurde. Besonders hervorzuheben sind Benjamin Wallfisch, der Golden Globe and Emmy nominierte Komponist, welcher „It“ abwechselnd in melancholische, verstörende, brutal abgefuckte oder wenn nötig auch mal optimistische Klangfarben taucht oder der für die Cinematography verantwortliche Koreaner Chung-hoon Chung. Chung ist sowas wie der Hauscinematograph Chan-wook Parks (Oldboy, Thrist, Stoker) und wer die Filme Parks kennt weiss, was für cineastische Leckerbissen hier ins Auge getröpfelt werden. Das R-Rating hätte für meinen Geschmack noch mehr ausgekostet werden dürfen. Ein paar abgetrennt Gliedmassen und Blutfontänen müssen hier reichen, um den Blutdurst von Gore-Hounds zu befriedigen. Dafür sind die Special Effects brilliant. Ein paar Szenen werden sich mit Sicherheit auf Lebzeiten in dein Gedächtnis einbrennen…

Der Losers-Club, bestehend aus jedem erdenkliche Klischées eines Coming-Out-Of-Age-Filmes, der Dicke, der Nerd, der Schwarze, das Mädchen, der Stotterer, der Hypochonder, verleiht dem Film etwas, was in einem Horror-Film leider selten vorhanden ist: Herz. Wie schon bei Stephen Kings „Stand By Me“, schöpft „It“ die Kraft des Films aus der Gruppendynamik der Losers. Wie sie gemeinsam oder in der Gruppe ihre eigenen, realen und fiktiven Dämonen gegenüber treten, ist auch ohne dem nach Blut und Angst geifernden Pennywise fesselnd. Wenn ich mich richtig erinnere, ernährt sich der von Tim Curry dargestellte Pennywise in erster Linie von der Angst, die die Kinder vor ihm empfinden. In der neuen Version profitiert der Clown aber auch – und besonders – von der Angst, die aus dem gesellschaftlichen Umfeld der Kinder und Jugendlichen generiert wird. Resultierend aus sozialer Ausgrenzung wegen (vermeintlicher) Nonkonformität, familiärem Druck, der hier teils exzessive Züge annimmt und immer wieder befeuert durch den allgegenwärtigen Pedobear, lässt sich Pennywise hier auch durchaus als Manifestation sozialer Phobien und eines gesellschaftlich tolerierten Grauens begreifen. Auf dieser Ebene ist die neue Verfilmung deutlich wirkungsvoller, gruseliger und grimmiger als auf der plakativen Oberfläche. Die Laufzeit von 135 Minuten geht runter wie Butter, trotzdem schafft es „It“ gegen den Schluss hin nicht, die Spannung aufrecht zu erhalten und driftet in den letzten 20 Minuten immer mehr in Richtung Deja-Vu-Horror. Auch die immer gleichen Jump-Scares ermüden mit der Zeit und lassen Pennywise gegen Ende recht lächerlich erscheinen. Schade. Trotzdem ist „It“ ein Highlight des Kinojahres – und des Horror-Genres.

„It“ ist stellt seinen Vorgänger locker in den Schatten. Ein brillanter Pennywise, sattelfeste Filmemacher und ein durchs Band weg sympathischer Cast heben den Film locker in die Top 5 aller Stephen-King-Verfilmungen. Und eins sollte man bedenken: ES hat mit diesem Teil gerade mal angefangen und ist bei der Hälfte angekommen, kein Film feuert all sein Pulver in der ersten Hälfte ab. Andrés Muschietti hat hier gute Arbeit geleistet, der angekündigte Directors Cut wird uns ca. 15 Minuten mehr an Film bescheren und Teil 2 im Jahr 2019 wird die Geschichte zu Ende erzählen. Das wir dabei sicher mehr Horror und Grusel zu sehen bekommen, daran zweifle ich nicht. Im Grossen und Ganzen ist „Es“ in meinen Augen kein perfekter, aber doch sehr unterhaltsamer Film. Wenn man über einige Probleme hinwegschauen kann, wird man seine Freude mit dem Film haben. Ich hatte bei dem Film bis zum Ende das Gefühl, eine Zeitreise gemacht zu haben, es war wie ein Nostalgietrip, der mich erinnerte, wer ich war und wer ich jetzt bin. Auch wenn ich offen für eine Fortsetzung bin, werden mir die jungen Schauspieler fehlen. Ein Film bei dem man sich gruselt, lachen kann und vielleicht auch zum Nachdenken anregt. Sich den Film anzuschauen um sich ein eigenes Bild zu machen lohnt auf jeden Fall – dabei sollte man die TV Adaption von damals aber ausser acht lassen…

Viral

Viral

20161 h 25 min
Kurzinhalt

Emma und ihre Schwester Stacey sind zwei gewöhnliche Teenager, deren Leben sich von einen Tag auf den anderen drastisch verändert. Denn in ihrer Heimatstadt verbreitet sich eine mysteriöse Infektion, die es nötig macht, die Einwohner unter Quarantäne zu stellen. Während ihre Eltern auf der anderen Seite festsitzen, genießen die Mädchen zunächst die Freiheit zu Hause. Plötzlich können sie auf Partys gehen und so viel Fast Food essen, wie ihnen lieb ist. Doch als das Virus sogar Opfer unter den Leuten fordert, die ihnen nahestehen, verschanzen sich die Mädchen gemeinsam mit Emmas heimlichem Schwarm Evan in den eigenen vier Wänden. Abgeschottet von der restlichen Zivilisation, steht Emma allerdings bald vor einer besonders schweren Entscheidung...

Metadaten
Titel Viral
Original Titel Viral
Regisseur Henry Joost, Ariel Schulman
Laufzeit 1 h 25 min
Starttermin 18 Februar 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Nicht schlecht
Trailer

„Viral“ ist ein solide inszenierter Low-Budget-Apokalypse-Horror mit sympathischen Figuren, aber kaum eigenen Ideen und eher geringem Spannungswert. Henry Joost und Ariel Schumann sind ein eingeschworenes Filmemacherteam, dass sich auf dem Parkett des internationalen Horrorfilms Zuhause fühlt. Ein Jahr nach „Nerve“ legen sie mit „Viral“ einen weiteren klugen Schocker vor, der sich einer ähnlichen Prämisse bedient wie das berüchtigte Schwarzenegger-Vehikel „Maggie“, aber stets seinen Genrewurzeln treu bleibt.

In „Viral“ werden auf routinierte Weise altbekannte Genreversatzstücke kombiniert, zu denen gehören hier auch einige der blöderen Klischees wie sich ausgesucht dämlich verhaltenden Teenager – und so können sich hier anders als noch in „Nerve“ auch die jungen Darsteller nicht besonders profilieren. Die sehr starke Anlehnung an die Horrortradition führt zudem dazu, dass das Geschehen selbst für oberflächliche Genrekenner arg vorhersehbar ist. Aber immerhin wird das Ganze schnörkellos und zügig in weniger als 90 Minuten abgespult, wobei dank guter Kameraarbeit und präzisem Schnitt hin und wieder sogar eine wirklich packende Szene gelingt. Davon hätte es aber ruhig etwas mehr geben dürfen, stattdessen bekommen wir einige sehr offensichtliche Anleihen bei grossen Vorbildern wie David Cronenbergs „Parasiten-Mörder“ oder Philip Kaufmans „Die Körperfresser kommen“, bei denen dann eher das blosse Zitat als der Einsatz zur Spannungssteigerung im Mittelpunkt steht.

Dass die Spannung zwischendurch immer wieder nachlässt, liegt auch daran, dass in „Viral“ zu viele verschiedene Themen angerissen werden, um sie alle zufriedenstellend erzählen zu können. Da ist zum einen der „Terror“ durch die Infizierten, eine Gefahr von aussen, gegen die selbst die eigenen vier Wände nicht schützen. Zu der unmittelbaren Bedrohung kommt schliesslich noch die nagende Ungewissheit, ob es die Zivilisation überhaupt noch gibt oder ob die Überlebenden der kleinen Siedlung längst einer verlorene Schlacht kämpfen. Hier erhält das Szenario apokalyptische Züge, aber dieses Weltuntergangsmotiv wurde auch schon deutlich innovativer gestaltet, wie erst wieder in „The Girl With All The Gifts“. Und zu dieser globalen Ebene gesellt sich schliesslich noch das persönliche Drama zwischen den zwei Schwestern, die sich nicht immer gut verstehen. Doch auch für die psychologischen Feinheiten dieses Konflikts bleibt hier genauso wenig Zeit wie für die Einzelheiten der geheimnisvollen Seuche nebst ihren Ursachen. Letzteres ist besonders bedauerlich, denn gerade zum Schluss hin werden dazu ein paar interessante Ansätze eingebracht.

Was jedoch nach 08/15 klingt, ist nicht ohne. „Viral“ ist trotz bekannter Geschichte spannend. So atmosphärisch dicht und packend das alles inszeniert wurde – so dumm sind viele Handlungen der Protagonisten. Denen scheint des Öfteren nicht bewusst zu sein, in welcher Gefahr sie sich befinden. Da wird sich trotz Quarantäne auf Partys herumgetrieben, infizierten Opfern die Hände entgegengestreckt und Operationen in Eigenregie durchgeführt. Tut das nicht, mag man da rufen. Leider bleibt die Warnung wie so oft im Horrorfilm ungehört. Die Konsequenz folgt auf dem Fuss. Trotz Klischees und Logiklücken kein übler Vertreter dieser Gattung. So können Genreeinsteiger und Gelegenheitsgucker bei diesem Film ohne grosse Ekeleffekte ganz gut mit den Schwestern mitleiden, für hartgesottene Horrorfans birgt der weitgehend harmlose „Viral“ hingegen kaum Ansteckungsgefahr.

Supremacy

Supremacy

Zwei Mitglieder einer arischen Bruderschaft verschanzen sich in dem Haus einer afroamerikanischen Familie und nehmen diese als Geiseln

20141 h 46 min
Kurzinhalt

Nachdem der Rassist Garrett ‘Tully’ Fuller (Joe Anderson) gemeinsam mit seiner nicht minder brutalen Freundin einen Cop getötet haben, verschanzen sie sich in einem Haus und nehmen dort eine afroamerikanische Familie als Geiseln. eine Nacht voller Terror bricht nun über die Familie hinein. Vor allem als der starkt tätowierte und mehr als Gewaltbereite Sobecki (Anson Mount), Anführer der arischen Bruderschaft, dem das mörderische Paar angehört, von dem Zwischenfall Wind bekommt.

Metadaten
Titel Supremacy
Original Titel Supremacy
Regisseur Deon Taylor
Laufzeit 1 h 46 min
Starttermin 12 Juni 2014
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Bilder
Schauspieler
Mit: Danny Glover, Julie Benz, Joe Anderson, Dawn Olivieri, Derek Luke, Evan Ross, Lela Rochon
Trailer

Welche Ausmasse ein rassistisch motiviertes Hassverbrechen haben kann, zeigt Deon Taylors Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein nahezu zeitloses Thema, bei dem die beiden Seiten zunächst klar abgesteckt zu sein scheinen. Auf der einen Seite ein vor nichts zurückschreckender hasserfüllter Racheengel, der eine offenbar völlig unschuldige Familie überwältigt. Auf der anderen Seite verzweifelte Opfer, nackte Panik und die niemals endende Debatte um den Rassismus. Allzu viel Idealismus gibt es weder bei den Tätern, noch bei den Geiseln, zumindest nicht lange. Bis zuletzt wird ein Geheimnis nach dem anderen offenbart, das die Motive der Beteiligten in jeweils neuem Licht erscheinen lassen.

Wenn man das Thema Rassismus filmisch bearbeitet, geschieht es leicht, dass man übertrieben pathetisch wird, sich zu sehr auf die Täter konzentriet und die Opfer aussen vorlässt oder umgekehrt, nur das Leiden der Opfer darstellt ohne auf Ursachen und mögliche Gegenmassnahmen einzugehen. „Supremacy“ schafft es, all diese Fallgruben zu umgehen und im Rahmen der Dynamik einer Geiselnahme sein Thema interessant zu illustrieren. Man möchte Tullys Ideologieversessenheit und seinen Gewaltfanatismus von Herzen verabscheuen, kommt an ihm als gebrochenem und scheinbar wiederauferstandenem Charakter aber nicht vorbei. Ähnlich verhält es sich mit dem von Danny Glover hervorragend gespielten Walker, der mehr mit Tully gemeinsam hat, als es zunächst scheint. Auch Doreen verbirgt mehr, als man ihr anfänglich zutraut, womit sie eines der größten Risiken eingeht. Es hätte so einfach sein können – fanatische Geiselnehmer versus bemitleidenswerte Opfer. Dass es die Regie dem Zuschauer nicht ganz so einfach macht, spricht in jedem Fall für den Film.

So zeigt sich im Verhältnis der beiden Geiselnehmer Doreen und Tully nicht nur die eine oder andere Widersprüchlichkeit in rassistischer Ideologie auf, sondern auch Differenzen innerhalb der White Supremacy Bewegung und sogar in den Charakteren selbst. Die Charaktere verkommen dabei allerdings nicht zu einfachen Stereotypen, sondern werden als dreidimensionale Personen präsentiert, die zwar tief gestört, aber auch irgendwie nachvollziehbar sind. Gewalt wird hier nicht als Machtausübung, sondern als Kontrollverlust dargestellt. Jedesmal wenn Tully oder Doreen ihre Waffe erheben, ist in ihren Gesichtern eher Panik und Ratlosigkeit als Entschlossenheit zu sehen. Dem entgegen steht vor allem die eiserne Ruhe des zerbrechlichen, alten Mr. Walker, der brilliant von Danny Glover dargestellt wird. Sein Charakter ist durchgehend interessant und läuft in seinem Schlussmonolog nochmal zu richtiger Höchstform auf.

An keiner Stelle wird das pseudoarische Gedankengut verherrlicht, der ihm verfallene Mensch wird dennoch als Charakter ernst genommen und verkommt nie zur geifernden Karikatur eines ewiggestrigen Spinners. Visuell wird die beklemmende Zwickmühle, in der sich hier fast jeder befindet, passend dargestellt. Die Handkamera unterstreicht die vorherrschende Stimmung. Gelegentlich verliert man dank ihr ein wenig die Orientierung in der Szene, dann folgen aber wieder ruhig gefilmte Sequenzen, die für die Verwirrung entschädigen. Darüber hinaus darf man nicht erwarten, in diesem Film die definitive Antwort auf das Rassismusproblem schlechthin zu erhalten. Diesem Anspruch wird der Film, der immer seine Figuren in den Vordergrund stellt, nicht gerecht. Muss er auch nicht. Zu sehen, wohin entsprechende Ideen Menschen bringen können, die ausserdem noch von ganz anderen Dämonen geplagt werden, ist beängstigend genug. Dank hervorragender Darsteller und der schleichenden Enthüllung entscheidender Details ist es in jedem Fall ein spannender Thriller, der zeigt, dass Gewalttätigkeit nicht nur durch möglichst viele Blutlachen im Bild dargestellt werden kann und nackter Psychoterror auch ohne übernatürliche Geistererscheinungen möglich ist. Ein harter Film mit einem Ende, an das man mitunter nicht mehr geglaubt hat.

Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück

Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück

Einmal Wildnis und zurück

20161 h 59 min
Kurzinhalt

Der hochgebildete Ben lebt aus Überzeugung mit seinen sechs Kindern in der Einsamkeit der Berge im Nordwesten Amerikas. Er unterrichtet sie selbst und bringt ihnen nicht nur ein überdurchschnittliches Wissen bei, sondern auch wie man jagt und in der Wildnis überlebt. Als seine Frau stirbt, ist er gezwungen mitsamt der Sprösslinge seine selbst geschaffene Aussteigeridylle zu verlassen und der realen Welt entgegenzutreten. In ihrem alten, klapprigen Bus macht sich die Familie auf den Weg quer durch die USA zur Beerdigung, die bei den Großeltern stattfinden soll. Ihre Reise ist voller komischer wie berührender Momente, die Bens Freiheitsideale und seine Vorstellungen von Erziehung nachhaltig infrage stellen…

Metadaten
Titel Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück
Original Titel Captain Fantastic
Regisseur Matt Ross
Laufzeit 1 h 59 min
Starttermin 2 Juli 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Trailer

Regisseur Matt Ross, das muss man ihm lassen, hat die Filme aufmerksam geschaut, die er mit „Captain Fantastic“ imitieren will. Eine Familie, die sich erst seltsam benimmt und ein Kleinbus, in den sie sich alsbald quetschen lässt – die Grundpfeiler eines amerikanischen Independent-Dramas, das auf dem Sundance-Festival, der wichtigsten Plattform für unabhängige Produktionen, grossen Erfolg feierte. Vor zehn Jahren ging „Little Miss Sunshine“ so bei Kritik und Publikum durch die Decke.

Matt Ross, bislang bekannter als Schauspieler (Silicon Valley, American Horror Story), versieht in „Captain Fantastic“ die hinlänglich bekannten Motive der dysfunktionalen Familie einen politischen Dreh. So lässt er seine Aussteigerfamilie beispielsweise auf Weihnachten pfeifen. Statt Jesus‘ Geburtstag wird Noam-Chomsky-Day begangen. Die Kinder tragen Gasmasken und Tierkostüme im Alltag, lassen sich vom Vater schon im zartesten Alter sexuell aufklären und gehen mit Pfeil und Bogen am Strassenrand auf die Jagd. Schon 14-jährig liest der Sohn Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“. Vater Ben geht es um eine protoaufklärerische Heimerziehung. Wenn der Tochter ein Buch gefällt, genügt es ihm nicht, dass die Erzählung sie berührt. Sie soll sich erklären, soll begründen. Ben fordert analytisches, kritisches Denken und will seine Kinder zur Mündigkeit erziehen.

In dieser Konstellation gibt es die Familie – und es gibt den Rest der Welt. Und damit gibt es auch den erzählerischen Grundriss, mit dem sich tragikomisch planen lässt. Der Anlass, aus dem die Familie ihre Enklave verlässt, ist zunächst ein trauriger: Die psychisch kranke Mutter hat sich umgebracht. Nun richten die steinreichen und überaus spiessigen Grosseltern eine Beerdigung in New Mexico aus, die die Verstorbene stets abgelehnt hatte. Wieder dieses Schreckgespenst, die christlich-bürgerliche Zeremonie an sich. In ihrem Testament hatte sie angeordnet, verbrannt und in der nächstliegenden Toilette hinuntergespült zu werden. Um diesem letzten Willen zu entsprechen machen sich Ben die Kinder mitsamt ihrer skurrilen Kostüme auf den weiten Weg. „Hier spricht euer Captain“, so tut es der Vater über die Sprechanlage des Busses kund, bevor er den Motor anlässt.

Nicht umsonst klärt sich der Titel dieses Films genau in jenem Moment, in dem die Reise startet. Der Motor des Kleinbusses ist der Motor der Erzählung. Diese interessiert sich wiederum nicht im Geringsten für den tragischen Anlass der Reise, sondern nur dafür, den klapperigen Kleinbus durch die Staaten tuckern und damit effektvolle Reibungen entlang der kapitalistisch verhärteten amerikanischen Wirklichkeit entstehen zu lassen. Es ist ein weiter Weg bis nach New Mexico und der Omnibus ist selbstverständlich auch nicht der schnellste. Zeit und Okkasionen gibt es also genug, um den ganz besonders herzgewinnenden Eigensinn der Familie auf den Prüfstein zu stellen und entsprechend triumphieren zu lassen. Es ist eine verlogene Welt, die hier passiert wird. Sie präsentiert sich in den McDonald’s-Filialen an den Rändern der durchfahrenden Städte, in den Familiengesprächen am Esstisch der Schwägerin und schliesslich in der scheinheilig weihevollen Aussegnungshalle. Das Problem von „Captain Fantastic“ ist aber weniger das Formelhafte, mit dem die Klischees des amerikanischen Independent-Kinos miteinander multipliziert werden, sondern der unsichere Gebrauch der Formeln selbst. Gleich zu Beginn des Films stellt man sich unweigerlich die Frage, was bei allem Beharren auf den freisinnigen Menschenverstand an der zeremoniellen Feier einer naturgegebenen Mannesgenese aufgeklärter sein soll als an der Geburtstagsfeier des Heilands. Von solchen motivischen Rechenfehlern strotzt der Film: In einem Moment soll man darüber staunen, wie unverblümt der Captain seine Kinder schon im Vorschulalter aufgeklärt hat. Im nächsten soll man darüber lachen, dass der älteste Sohn naiv denkt, nach seinem ersten Kuss dem Mädchen einen Heiratsantrag machen zu müssen.

Viggo Mortensen ist eine gute Wahl für die Rolle des Ben Cash, weil seine Attraktivität etwas Introvertiertes hat. Er spielt einen hochattraktiven Sonderling und bald wird klar, dass vielleicht nicht so sehr die Kinder es sind, die erlöst werden müssen. Es ist der Vater, der aus der Verstockung herausfinden muss. Dass die Reise zu den Eltern von Leslie geht und dass das Ziel ist, den Leichnam der Mutter vor einer Erdbestattung zu retten, lässt erkennen, dass „Captain Fantastic“ auch eine Komödie hätte sein können. Die Alternative zur Komödie wäre ein Ernst, der gerade bei diesen Themen leicht in Kitsch umschlagen könnte. Doch auch das vermeidet Ross. „Captain Fantastic“ kommt am Ende bei einer Haltung an, mit der man zur Not auch Weihnachten feiern könnte. Was auch immer Ross miteinander verrechnet: Das Ergebnis muss immer ein Schmunzeln über die Skurrilitäten der Familie erzeugen. So donnert letztlich auch jeder gesellschaftskritische Impuls, mit dem sich „Captain Fantastic“ abzuheben versucht, ins Leere. Am Ende wünscht man den Kindern einfach nur den Ketchup getränkten Hotdog, den ihnen der Öko-Papa verbietet.

Logan

Logan

2017Länge unbekannt
Kurzinhalt

Im Jahr 2024, ein Jahr nach den Ereignissen von 'X-Men: Zukunft ist Vergangenheit', wird ein deutlicher Rückgang der Mutanten-Population verzeichnet. Im Laufe der Jahre verblasst zudem Logans Heilfaktor, Charles Xavier leidet unter einer Alzheimererkrankung und die X-Men gibt es nicht mehr. Als eine Organisation namens Essex Corporation, die von Nathaniel Essex geführt wird, den Rest der verbleibenden Mutanten aufsucht, um sie als Soldaten zu rekrutieren, gerät Logan in einen Konflikt. Mit Hilfe eines jungen Mädchens namens Laura Kinney, einem aus Logans DNS entwickelten weiblichen Klon von Wolverine, versucht Logan die Organisation zu bezwingen. (Text: de.wikipedia.org)

Metadaten
Titel Logan
Original Titel Logan
Regisseur James Mangold
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 1 März 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Schauspieler
Mit: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen, Boyd Holbrook, Stephen Merchant, Richard E. Grant
Trailer

So menschlich, roh und verletzbar hat man den Marvel-Helden noch nie gesehen. Nach dem grossen Erfolg von Deadpool im letzten Jahr beweisen die Filmemacher Mut, und lassen (endlich!) Wolverine von der Leine. Der Film hat in den US&A ein R-Rating, was gleich mehrere Gründe hat: Zum einen flucht sich Hugh Jackman wie ein alter Seemann durch sein wohl letztes Abenteuer, zum anderen spritzen Blut und Körperteile, dass man sich manchmal wie in einem 80er Jahre Splatterfilm fühlt.

Genauso kompromisslos müssen wir mitansehen, wie ein sichtlich gealterter Wolverine mit Lesebrille sich um einen 90-jährigen Charles Xavier kümmert, beide nicht mehr im Vollbesitz ihrer aussergewöhnlichen Kräfte und auch langsam am Ende ihrer mentalen Kraft. Das bricht einem – vor allem wegen der eindrücklichen Leistung Hugh Jackmans – mehr als einmal das Herz, denn immerhin kennen wir die beiden nun schon seit 17 Jahren. Wie oft haben wir bereits mitgefiebert, und nun stehen beide – ausgerechnet jetzt – vor einer der wohl grössten Herausforderungen ihres Lebens. In einer Zeit, in der die Mutanten so gut wie ausgestorben gelten, taucht auf einmal ein Mädchen auf, das über ähnliche Mutationen wie Wolverine verfügt und das Leben – das eigentlich nichts anderes mehr ist als die Überbrückung bis zum Tod – der beiden nochmals so richtig auf den Kopf stellt. Und Laura (Dafne Keen) mag zwar noch ein Kind sein, das heisst aber nicht, dass sie sich nicht wehren kann. Die rücksichtslose Darstellung macht auch bei ihr nicht halt und hier wird ein Tabu gebrochen: Kinder, die um ihr Leben kämpfen, verfolgt, von Speeren durchbohrt; kaum je werden in einem Film Kinder als Dinge bezeichnet und der Umgang mit ihnen so blutrünstig und gnadenlos gezeigt.

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Die Reise der drei Mutanten wirkt oft wie ein Road Movie und man weiss nie, wann die Action wieder zuschlägt. Obwohl es über weite Strecken gelungen ist, die Atmosphäre spannend zu gestalten, gibt es doch den einen oder anderen Moment, wo Nebengeschichten gefühlt zu viel Zeit und Aufmerksamkeit erhalten. Dadurch wirkt der Film manchmal etwas in die Länge gezogen. Und der Humor ist wirklich sehr dünn gesät. Der alternde Wolverine hat kaum mehr Lust auf knackige Sprüche, doch genau diese täte dem Film ab und zu gut, um die düstere Stimmung zumindest kurz etwas zu lockern. Wolverine ist ohne Zweifel einer der tragischsten Helden des X-Men Universums und Regisseur James Mangold weiss ihn brillant und gnadenlos in Szene zu setzen. Und Dafne Keen ist unfassbar gut. Die erst Zwölfjährige überzeugt von der ersten Minute an und zieht einen in ihren Bann. Der wahrscheinlich ultimative Wolverine-Film: Rücksichtslos, tabulos, spannend und herzzerbrechend. Ein würdiger Abschied von Hugh Jackman als Wolverine!

Mein Leben als Zucchini

Mein Leben als Zucchini

20161 h 06 min
Kurzinhalt

Zucchini – so lautet der Spitzname eines kleinen, neunjährigen Jungen, der nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter mit einem neuen Leben konfrontiert wird. Der fürsorgliche Polizist Raymond bringt ihn ins Heim zu Madame Papineau, wo er fortan mit anderen Kindern aufwächst und seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Das Zusammenleben ist nicht immer einfach, denn auch der freche Simon, die besorgte Béatrice, die schüchterne Alice, der etwas zerzauste Jujube und der verträumte Ahmed haben bereits viel erlebt. Aber sie raufen sich zusammen und geben einander Halt auf dem Weg, ihr Leben in ruhigere Bahnen zu lenken. Eines Tages stößt die mutige Camille zu ihnen, und Zucchini ist zum ersten Mal im Leben ein bisschen verliebt: Camille ist einfach wunderbar! Doch ihre Tante plant, die kleine Gruppe auseinander zu reißen und Camille zu sich zu holen. Können Zucchini und seine Freunde dies verhindern?

Metadaten
Titel Mein Leben als Zucchini
Original Titel Ma vie de courgette
Regisseur Claude Barras
Laufzeit 1 h 06 min
Starttermin 19 Oktober 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Grandios
Bilder
Trailer

Das Buch „L’autobiographie d’une courgette“ von Gilles Paris auf welchem der Film „Mein Leben als Zucchini“ basiert, soll bereits nach Erscheinen 2002 ein Bestseller geworden sein. 2004 erschien das Buch in deutscher Übersetzung: „Autobiografie einer Pflaume“. Hätte ich das Buch damals in die Hände bekommen, hätte mich der Titel vermutlich abgeschreckt. Und wenn ich dann noch erfahren hätte, dass es sich beim Autor um den Pressechef eines grossen Pariser Verlagshauses handelt, hätte ich das Ganze als kalkuliertes Machwerk abgetan: Sozialkitsch in Kindersprache.

Nun aber begegnet mir der Stoff in verblüffend verfremdeter Form im Animationsfilm „Ma vie de Courgette“ – „Mein Leben als Zucchini“ von Claude Barras. Der Film sei mittels Slow-Motion-Technik Bild für Bild eingefangen worden und die Wirkung, die dabei entsteht, Kinder im Jugendheim mit grauenhaften Biografien als phantastisch verzerrte Playmobilfiguren auftreten zu lassen, ist erschütternd. Das Buch ist in kindlich naiver Sprache verfasst, die von den Einen als berührend und überzeugend, von Anderen als konstruiert und unglaubwürdig beschrieben wird. Barras scheint Erzählton und Stoff gleichzeitig verlassen und verschärft zu haben. Schon die neue Titelung gibt Hinweise auf die Eingriffe: „Mein Leben als Zucchini“ führt auf assoziative Fehlspuren, ist verquer poetisch und schwächt das Selbstdemütigende des ursprünglichen Titels. Wenn die Hauptfigur „Icare“ im Jugendheim darauf besteht, als „Courgette“ angesprochen zu werden, schwingt darin auch eine Form von Stolz und Trotz mit. Warum die Mutter ihr Kind lebenslang als „Zucchini“ bezeichnet hatte, bleibt gewissermassen offen.

Während im Original die Mutter versehentlich vom Kind mit einem Gewehr erschossen wurde, ist es bei Barras die Tür zum Dachstock, die das Kind zuschlägt – was zum Tod der Mutter führt. Und während das Kind bei Gilles Paris einsam mit Äpfeln spielt, spielt es bei Barras mit den leeren Bierdosen der Mutter. Barras sei es ein Anliegen gewesen, den Stoff auch für Kinder zu öffnen. Durch die künstlichen Figuren sind die im Roman neun- oder zehnjährigen Kinder alterslos geworden, sie schicken sich Zeichnungen statt Briefe und erklären sich gegenseitig die Sexualität. Das ist für Kinder ab Schulalter eben so nachvollziehbar wie für Teenager und Erwachsene. Dabei wird das Jugendheim gegen unsere Erwartung als freundlicher, heimischer Ort erzählt. Und wenn am Ende zwei der Kinder vom sympathischen Polizisten adoptiert werden, ist die Zwiespältigkeit des Happy Ends offensichtlich: Warum werden die Kinder gerade jetzt getrennt, wo sie eine solche Vertrautheit und Solidarität entwickelt haben? „Ma vie de Courgette“ ist ein ausserordentlicher, bemerkenswerter Film. Wäre ich Lehrperson, ginge ich mit allen meinen Klassen sofort ins Kino.

A Cure for Wellness

A Cure for Wellness

Fühlen Sie sich wohl?

2017Länge unbekannt
Kurzinhalt

Weil der CEO der Firma, in der er arbeitet, viel zu lange in einem Wellness-Center in den Schweizer Alpen verweilt, macht sich der ehrgeizige junge Angestellte Mr. Lockhart (Dane DeHaan) auf nach Europa, um seinen Chef Mr. Pembroke (Harry Groener) zurückzuholen. Dort angekommen, stellt er bald fest, dass die Einrichtung nicht der idyllische Heiltempel ist, als der sie sich nach außen hin darstellt. Weil er zu viele Fragen stellt, diagnostiziert das Personal schließlich auch Lockhart mit der seltsamen Krankheit, die hier alle Patienten festzuhalten scheint. Unter Direktion des rätselhaften Spa-Leiters Volmer (Jason Isaacs) beginnt die Behandlung und sein Verstand wird auf die Probe gestellt. Gemeinsam mit Langzeitpatientin Hannah (Mia Goth) stellt Lockhart jedoch gleichzeitig weiterhin Nachforschungen an, um dem Geheimnis der Einrichtung auf den Grund zu gehen…

Metadaten
Titel A Cure for Wellness
Original Titel A Cure for Wellness
Regisseur Gore Verbinski
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 15 Februar 2017
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

Bereits nach den ersten gesehenen Trailern stockte einem der Atmen und man war neugierig auf die Story dahinter. „A Cure for Wellness“ startet zunächst mit einer typischen New Yorker Firmen-Szenerie, welche die Hektik und den Stress des Alltags widerspiegelt. Besessen vom Aufstieg in die höheren Etagen, scheint Mr. Lockhart sich keiner Sache zu schade zu sein. So erklärt er sich dazu bereit, seinen Chef und CEO der Firma, Mr. Pembroke, aus einer Art Wellnessurlaub zurückzuholen. Seine Reise führt ihn in die weit entfernte Schweiz. Und genau diese Reise ist dem Regisseur auch perfekt gelungen, es findet ein direkter und harter Cut zwischen dem unruhigen New York und der bilderbuchartigen Schweiz statt.

Die Landschaftsaufnahmen sind besonders gut gelungen und der Zuschauer taucht in eine völlig gegensätzliche Welt ein. Gezeichnet von Burgen, Wäldern und ganz viel Ruhe und Erholung. Dort eingetroffen stösst Mr. Lockhart auf die mysteriöse Spa-Klinik, deren Patienten dem jungen Amerikaner bereits von Anfang an nicht geheuer sind. Da wäre die alte Dame, die mysteriöse Botschaften mit Hilfe von Kreuzworträtseln puzzelt oder eine Vielzahl an verwirrten, aber sehr glücklich wirkenden Menschen, denen das Wasser trinken ziemlich wichtig scheint. Bereits hier wittert der Zuschauer, dass es mit dem Wasser etwas auf sich haben muss. Allerdings ist die Story so komplex, dass man kurze Zeit später wieder andere unheimliche und ungeklärte Dinge in den Vordergrund schiebt. Diese Spannung hält sich den ganzen Film lang und führt den Zuschauer durch eine atemberaubende Kulisse aus Schlossmauern, die teilweise auf der Burg Hohenzollern gedreht wurden und Spa-Räumen, deren Funktionen und Sinn nicht nur den Zuschauer verwirren. Sei es eine Gruft unter den Schlossmauern oder die herrlich skurrile Dorfbar, deren Bewohner ebenfalls extremst merkwürdig scheinen.

Der komplette Film beschert dem Kinobesucher einen unfassbar langen Spannungsbogen, der sich auch erst gegen Ende des Films – und das bei zweieinhalb Stunden – aufklärt. Was nun genau die Klinik zu einem mysteriösen und unheimlichen Ort zugleich macht, bleibt hier den Filmfans zuliebe mal noch ungeklärt, allerdings bleibt nur so viel zu sagen – der Schluss hat es in sich, ist etwas trashig. Jeder Horrorfilm-Liebhaber wird mit klassischen Szenen seinen Spass haben (Spiegel, Höhle, unter Wasser, dunkle Räume, Wassertanks). Jeder Thriller-Liebhaber mit einer komplexen Personenkonstellation seinen Adrenalinspiegel steigen lassen (junge gruselige Frau, besessener Klinikleiter). Und jeder Filmfan des guten Geschmacks wird sowieso auf seine Kosten kommen (Wasser, Aale, Urinproben, Gruft, Leichen, Behandlungen, Liebesgeschichte). Und dann auch noch die Besetzung mit Dane DeHaan, der bereits in Filmen wie Chronicles den mysteriösen Buben gespielt hat – genial. Was bleibt da noch mehr zu sagen, als ab ins Kino!

The Girl with All the Gifts

The Girl with All the Gifts

2016Länge unbekannt
Kurzinhalt

In naher Zukunft, sucht eine Plage die Menschheit heim. Durch Parasiten, verwandeln sich fast alle Menschen in blutrünstige Zombies und niemand ist mehr sicher. Eine kleine Gruppe von Kindern scheint jedoch immun gegen den Erreger zu sein und verkörpert somit die Hoffnung für die gesamte Bevölkerung. In einer Militärbasis werden die Kinder untersucht, doch merkwürdige Dinge geschehen…

Metadaten
Titel The Girl with All the Gifts
Original Titel The Girl with All the Gifts
Regisseur Colm McCarthy
Laufzeit Länge unbekannt
Starttermin 23 September 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

„The Girl with All the Gifts“ basiert auf dem gleichnamigen 2014 veröffentlichten Roman von Mike Carey (auch bekannt als M.R. Carey), der seinen Roman selbst zu einem Drehbuch adaptierte. Die ersten 30 Minuten gehören zum spannendsten und innovativsten was ich seit langem im Zombie-Genre gesehen habe. Wie einschüchternd und angsteinflössend so ein Kinderwagen doch sein kann. Der Film überzeugt mit einer guten Story , einer guten Inszenierung und mit sehr guten Darstellern und es gibt knackige Action mit einem gutem Anteil Gore. Die Mischung aus Drama und Zombieaction hat noch nie so gut funktioniert wie hier.

„Ophiocordyceps unilateralis“ heisst die Pilzart, welche zur Inspiration für diesen Film diente und die wir hier auch schon in der Gruft hatten. Dieser Pilz findet sich häufig in Südamerika oder eben in tropischen wie subtropischen Wäldern wieder und die Opfer dieses Parasiten sind Ameisen. Dabei wird die befalle Ameise von dem Parasit nach und nach komplett kontrolliert und lenkt die Ameise an einen Ort, der den Lebensbedingungen des Pilzes entspricht, wo sich die Ameise dann festbeisst und stirbt. Unterdessen infiziert die Ameise evtl. weitere Insekten oder gar die ganze Kolonie. Es wurden schon mehrere Millionen Jahre alte „Friedhöfe“ von infizierten Ameisen gefunden. Diese „Berge von infizierten Ameisen“ bilden irgendwann ein grosses „Gewächs“ des Pilzes, welcher wiederum neue Fruchtkörper und Sporen bildet und dadurch versucht so viele Wirte, wie möglich zu finden. Genau dieses Konzept wurde für den Roman von M. R. Carey bzw. dem Film von Colm McCarthy verwendet und auf die Menschheit übertragen. Das Buch von Schriftsteller Mike Carey, der als Autor von Comics (z.B. bei einigen X-Men-Ausgaben mitgearbeitet hat), Büchern und Filmen, trägt im Deutschen den Titel „Die Berufene“.

Die junge Sennia Nanua ist eine Offenbarung. Seit Lina Leandersson in „So finster die Nacht“ habe ich keine so überzeugende Performance von einem Kind in einem Horrorfilm gesehen. Ihr Kampf gegen ihre Instinkte, wenn die Wirkung des Gels langsam nachlässt, ist fast genau so schmerzhaft anzusehen, wie die Szene, in der sie die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt. Obwohl sie ihnen die Show stiehlt, leisten auch die erwachsenen Darsteller ihren Beitrag. Glenn Close bringt die nötige Gravitas zu der Rolle und hat mehr Nuancen als man von einer besessenen Wissenschaftlerin in einem Zombiefilm vielleicht erwarten würde. Gemma Arterton setzt den Trend fort, dass sie ihre besten Performances in Fantasy Filmen abliefert. Nach „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“ und „Byzantium“ ist es eine weitere gute Darbietung von der häufig unterschätzten jungen Engländerin. Sie ist das leuchtende Herz unter den Überlebenden. Auch ohne ein gigantisches Hollywood-Budget erschafft Regisseur Colm McCarthy ein beeindruckendes Bild einer Welt nach ihrem Untergang und der Rückeroberung durch die Natur. Trotz bekannter Elemente, sind die zahlreichen Spannungsmomente sehr effektiv in Szene gesetzt. Während man die Gruppe durch das von der Natur zurückgewonnene und einhergehend sehr atmosphärische London begleitet, erlebt man zuweilen sehr intensive Szenen, die nicht durch Gore oder dergleichen zu beeindrucken wissen, sondern viel mehr schafft es das ganze Setting derart zu überzeugen, sodass das Gesehene einfach so spannend und tiefgreifend auf den Zuschauer wirkt, da man bereits mit den gut ausgearbeiteten Charakteren mitfiebert.

„The Girl with all the Gifts“ ist intelligentes und emotionales Genrekino, das zwar nicht auf die üblichen Versatzstücke verzichtet, sie aber wohl dosiert einsetzt. Man sieht sich als Zuschauer stets der Frage gegenüber gestellt ob Schrödingers Katze nun lebt oder nicht (oder beides) und dies verhilft dem Film auch durchweg zu einer gewissen Grundspannung. Besonders hat mir der Gedanke gefallen, dass der Parasit sich auch verändert, mutiert und es auf Dauer offenbar andere Formen gibt, wie eben hier in Verkörperung der infizierten Kinder, die noch zu einem gewissen Grad Kontrolle über ihre Handlungen haben und zuweilen wie normale Menschen wirken. Zombies mögen abgedroschen sein, aber so lange das Thema immer noch Filme wie diesen hervorbringt, sehe ich für das Subgenre Licht am Ende des Tunnels. Wieder einmal halten uns Monster den Spiegel vor. Und ein Schüler-Lehrer-Verhältnis kann auch dann noch zutiefst menschlich sein, wenn die eine Hälfte davon nicht komplett als Mensch zu bezeichnen ist. Wer Zombiefilme mag, sollte sich den Streifen definitiv geben, auch wenn er sehr ruhig erzählt und mehr den Charakteren und der Story den Raum gibt, als der Action. Auch witzige Dialoge sind dabei, den zum Glück nimmt sich der Film nicht immer nur ernst und findet auch Platz für eine wohldosierte Prise Humor.

The Shallows – Gefahr aus der Tiefe

The Shallows - Gefahr aus der Tiefe

20161 h 27 min
Kurzinhalt

Für die junge Nancy (Blake Lively) gibt es nichts Schöneres als auf einem Surfbrett im Wasser zu sein und die Wellen des Meeres zu erobern. Als sie sich eines Tages alleine an einem verlassenen Strand auf ihr Brett schwingt, scheint alles wie immer zu sein. Doch im Meer lauern tödliche Gefahren und plötzlich wird sie von einem Weißen Hai angegriffen. Nancy gelingt es, sich gerade noch rechtzeitig auf einem einsamen Felsen im Meer in Sicherheit zu bringen. Dort muss sie schnell feststellen, dass sie auf diesem bis auf Weiteres festsitzt: Zwar ist das rettende Ufer nur wenige hundert Meter von ihr entfernt, doch der große Weiße wartet noch immer auf seine Gelegenheit, nach ihr zu schnappen. Für Nancy wird der Weg zurück ans Festland zu einem enormen Willenstest. Wird sie das Risiko auf sich nehmen?

Metadaten
Titel The Shallows - Gefahr aus der Tiefe
Original Titel The Shallows
Regisseur Jaume Collet-Serra
Laufzeit 1 h 27 min
Starttermin 24 Juni 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

Surival Thriller mit minimalistischer Ausstattung und sehr schöner Kulisse. Die Aufnahmen vom Surfen über und unter Wasser sind extrem schön und gut eingefangen. Der Film ist durchgehend spannend und hat kaum Leerlauf. Alles in allem ein kleines feines Filmchen das mit dem ewigen Thema Hai beschäftigt, nur hier wurde meiner Meinung vieles richtig gemacht. Simpler, aber effektiver Survival-Reisser mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin.

Dass sich der Trash-Faktor des Hai-Genres sowohl im Kino („Deep Blue Sea“, „Shark Night 3D“) als auch auf DVD („90210 Shark Attack in Beverly Hills“) und im TV („Sharknado“) in immer abgründigere Höhen schraubt, dürfte zu einem nicht unerheblichen Teil auch damit zusammenhängen, dass sich nach Steven Spielbergs Über-Meisterwerk „Der weisse Hai“ kaum noch jemand an einen tatsächlich auf Spannung abzielenden Hai-Thriller herantraut. „Orphan – Das Waisenkind“-Regisseur Jaume Collet-Serra hat es trotzdem gewagt – und herausgekommen ist mit „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ ein trotz Hochglanz-Optik wunderbar dreckiger, trotz 17-Millionen-Dollar-Budget atmosphärisch-intimer Survival-Thriller, der mit einer ganzen Reihe inszenatorischer Finessen und vor allem mit seiner starken Hauptdarstellerin punktet.

Bereits 1975 bewies Steven Spielberg einem grossen Publikum, welche Gefahren auf den Menschen im Meer lauern können. „Der Weisse Hai“ schlug nicht nur sämtliche Rekorde an den Kinokassen, sondern ging in die Filmgeschichte als der erste Blockbuster überhaupt ein. Selbst 40 Jahre, die seitdem vergangen sind, haben der Faszination an Haien keinen Abbruch getan. Obwohl nachweislich mehr Haie durch Menschenhand sterben, als Menschen durch Haie, werden die Meeresraubtiere noch immer negativ konnotiert. Den packenden Thriller um den erneuten Überlebenskampf einer Surferin, die wohl deswegen ein beliebtes Ziel von Haien sind, da sie von deren Perspektive aussehen wie eine Robbe, inszenierte der spanische Action-Regisseur Jaume Collet-Serra. In der Hauptrolle wird Blake Lively („Für immer Adaline“) an ihre Grenzen gebracht, nach einem Drehbuch von Anthony Jaswinski („Die Herrschaft der Schatten“). Gedreht wurde „The Shallows“ im australischen Bundesstaat Queensland, wo die Produktion einerseits in Studios mit Wassertanks arbeitete, andererseits aber auch die malerische Küste des im Nordosten des Kontinents gelegenen Landstriches für Aussenaufnahmen nutzte.

Nicht etwa der mächtige Weisse Hai, sondern Ex-Soap-Star Blake Lively dominiert diesen Film. Bei ihrer ebenso detailgenauen wie athletischen One-Woman-Show entwickelt sie eine solch überzeugende Präsenz, dass der Zuschauer sie ohne mit der Wimper zu zucken als Survival-Spezialistin ernst nimmt. Selbst eine ziemlich schmerzhaft anmutende Ohrring-Selbst-OP – eigentlich prädestiniert für unfreiwillige Komik – wirkt keine Sekunde lächerlich. Da ist es vielleicht verständlich, aber deshalb nicht weniger störend, dass sich Collet-Serra und sein Kameramann Flavio Martínez Labiano („The Gunman“) offenbar einfach nicht an Livelys austrainierten Rundungen sattsehen können, womit sie zuweilen auch den Spannungsbogen beeinträchtigen. Deutlich subtiler geht das Duo hingegen vor, wenn es darum geht, die Attacken des Hais in Szene zu setzen: Wenn das aggressive Biest Nancy von ihren Surfbrett rammt, erspäht man nur durch eine Welle hindurch langsam einen Schatten herankommen. Und beim ersten ausgiebigen Biss in den Oberschenkel werden weder der Hai noch das Bein gezeigt, stattdessen umfasst der Bildausschnitt lediglich Nancys Oberkörper. So sehen wir ihre Schreie und wie sich das Wasser um sie herum blutrot färbt – mehr als genug, um sich den Rest des Schreckens selbst im Kopf auszumalen.

Zwischendrin lässt uns der Regisseur immer wieder ausreichend Zeit mit der angenehm widerständigen, geduldig ausharrenden, nie herumjammernden Protagonistin, die sich nicht nur selbst zusammennäht, sondern auch ihrem Leidensgenossen Sully „Steven“ Seagull (eine Möwe) den Flügel wieder einrenkt, um tatsächlich ein Interesse an Nancys Schicksal entwickeln zu können. Collet-Serra verschafft seinen Zuschauern einen recht genauen Eindruck von dem Grundriss und den Entfernungen in der Bucht, was es einfacher macht, sich mit Nancy und ihren Plänen zu identifizieren. Die immer wieder eingeblendeten Zeitangaben stiften hingegen eher Verwirrung als Spannung. Erst zählt ein Countdown bis zur Ebbe runter, aber dann passiert zu diesem Zeitpunkt gar nichts, während der zweite Countdown bis zur Flut sehr wohl eine Bedeutung hat, weil bei Hochwasser Nancys aktueller Rettungsfelsen unter der Meeresoberfläche verschwinden wird. Ganz bis zum Ende halten die Macher ihren vergleichsweise geerdeten Ansatz dann übrigens doch nicht durch, weshalb das deutlich actionfilmartigere, fast schon ein wenig trashige Finale das Publikum sicherlich spalten wird. Grösstenteils in werbeclipartigen Hochglanzbildern eingefangenes Survival-Filmchen, das weniger auf Realismus, denn auf die übliche Tierhorrorstrategie des über weite Strecken übermächtig scheinenden Monsters setzt. Kein Hai-light, dank der überschaubaren Laufzeit, Blake Livelys Hintern und der ausweglosen Situation aber doch ganz okay.

Ghost Dog – Der Weg des Samurai

Ghost Dog - Der Weg des Samurai

19991 h 56 min
Kurzinhalt

Ghost Dog lebt über der Welt - in einer selbstgebauten Hütte neben einem Taubenschlag auf dem Dach eines verlassenen Gebäudes. Er ist ein professioneller Killer und durchwandert, lautlos und ungesehen, die Stadt - wird eins mit der Nacht. Sein Leitfaden ist ein alter Verhaltenskodex der japanischen Kriegerkaste - der Samurai. Als sein Leben auf dramatische Weise von einer zerrütteten Mafiafamilie bedroht wird, die gelegentlich seine Dienste in Anspruch nimmt, reagiert er streng nach dem Kodex - dem Weg des Samurai..

Metadaten
Titel Ghost Dog - Der Weg des Samurai
Original Titel Ghost Dog: The Way of the Samurai
Regisseur Jim Jarmusch
Laufzeit 1 h 56 min
Starttermin 13 September 1999
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Detail
Film-Details
Bewertung Meisterwerk
Trailer

„Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ ist ein wahrlich brillantes Actiondrama mit einem mehr als hervorragenden Soundtrack. In „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ macht Jim Jarmusch Forest Whitaker zur Killermaschine. Der Film ist eine Art „Zeitlupenthriller“, bei dem der Weg das Ziel ist. Der Film gleitet ebenso wie seine Hauptfigur dahin und lässt eine bruchfreie Bild-und-Ton-Sinfonie entstehen. Eine ungewöhnliche Mischung aus Poesie und Trash in der Machart von Tarantinos „Pulp Fiction“. Jim Jarmuschs ebenso unorthodoxe wie atmosphärische Meditation über den Tod bietet ein absolut betörendes Kinoerlebnis – poetisch, musikalisch, mafiös.

Eigentlich schert sich Jim Jarmusch keinen Deut um die Geschichte, sondern interessiert sich vielmehr für die Schönheit ihrer Gesten, den rhythmisch schwingenden Gang des massigen Ghost Dog, seine weissen Handschuhe, den Klang zuschnappender Autotüren und die Sounds aus den Musikanlagen der geklauten Wagen. Das Spiel der Rituale generiert eine Ode an die Schönheit des Killerhandwerks und an die Sinnlichkeit des Kinos. Der Film hat eine enge Bindung zum Hip Hop. So wurde der komplette Soundtrack vom Wu-Tang-Clan-Gründer RZA komponiert und es sind auch weitere Songs des New Yorker Rappers und Produzenten im Film zu hören. Darüber hinaus haben RZA und andere Mitglieder aus dem Umfeld des Wu-Tang-Clans kurze Gastauftritte. Der Club „Liquid Swords“, der in einer Szene kurz zu sehen ist, verdankt seinen Namen einem Album des Rappers „The GZA GZA“, welches ebenfalls von RZA produziert wurde. Der Running Gag im Film, dass der Mafiosi Sonny Valerio ein grosser Fan der Gruppe Public Enemy ist, basiert auf einen Artikel über inhaftierte Mafiosi, die im Gefängnis ihre Vorliebe für Hip Hop entdeckten, den der Regiesseur Jim Jarmusch zuvor gelesen hatte.

Zwei Stunden verbringen wir in der Welt des „Ghost Dog“, einem Profikiller, der um sich selber in dem dreckigen Randbezirk der urbanen Metropole der Neuzeit eine Art modernen Samurai kreiert. Gespielt von einem wirklich starken Forest Whitaker entwickelt sich hier eine ebenso faszinierende wie zunächst unrealistisch wirkende Figur. Jedenfalls wird manch einer sich schon erstmal wundern, wenn ein Schwarzer in einer Gegend wie aus Eminems „8 Mile“ beschliesst, sein Dasein als professioneller Mörder nach dem Samurai Kodex zu verbringen. Umso erstaunlicher, dass es Jarmusch tatsächlich gelingt, einen Film zu drehen, dem es gerade zum Ende hin kein bisschen an Glaubwürdigkeit mangelt und der beängstigend authentisch wirkt. Begleitet vom nahezu immer präsenten, simplen wie grossartigen und vor allem passgenauen Soundtrack entwickelt sich ein spannendes, ungewöhnliches und vor allem interessantes Portrait über den etwas anderen Serienkiller. Philophische Ansätze und die Coolness eines Tarantinos reichen sich dabei die Hand und erreichen eine wirklich aussergewöhnliche Mischung, die den Film für den ein oder anderen sicher einfach nur skurril wirken lässt, für andere aber zu einem wunderschönen Stück Independent Kino sind.

Jim Jarmusch und seinen Filmen nähert man sich am besten über drei Begriffe: Minimalismus, Independent und Postmoderne. Denn wie bei kaum einem anderen Regisseur tragen sie alle die typischen Erkennungszeichen seines Stils – die reduzierten Dialoge, endlos langen Einstellungen und handlungsarmen Plots. Und doch gleicht kein Film dem anderen, zu vielschichtig sind die sorgsam gesetzten Details, zu komplex seine filmischen Baupläne. Die zahllosen Referenzen an Literatur, Kino und Popkultur, so wie der narrative Faden, der sie alle in gewisser Weise miteinander verbindet. Geradezu exemplarisch für dieses Prinzip der Kontinuität und Weiterentwicklung steht „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“, der sowohl thematisch als auch stilistisch an Jarmuschs apokalyptisches Western-Epos (Dead Man) erinnert. Wie gewohnt konzentrierte sich Jarmusch auch diesmal ganz auf seinen Hauptdarsteller, Forest Whitaker (Der letzte König von Schottland, Platoon). Und das aus gutem Grund, denn mit seiner emotionalen Präsenz und physischen Stärke spielt Whitaker so gut wie nie zuvor und erzeugt dabei eine Atmosphäre, wie sie eindringlicher kaum hätte sein können.

Es ist bemerkenswert, mit welchem Geschick Jarmusch Versatzstücke aus verschiedenen Genres und Kulturtraditionen immer wieder aufs Neue miteinander verknüpft, gleichzeitig aber die Gesamtgestaltung zu keinem Moment aus den Augen verliert. Doch nicht nur inhaltlich – etwa durch Ghost Dogs Adaption der Samurai-Identität – sondern auch auf formaler Ebene stehen Thematik und Ästhetik in ständigem Austausch. Ebenfalls eine wichtige Rolle erfüllen diverse Zitate und Referenzen, wie der Ausschnitt eines „Itchy & Scratchy“-Cartoons, in dem sich der lokale Streit über die Gewaltspirale in einen symbolischen Weltkrieg potenziert. Jarmusch unterbricht an diesen Stellen zum einen den Handlungsfluss, setzt reflexive Ruhepunkte, zum anderen überzeichnet er den inneren Konflikt bis ins Groteske und deutet zugleich den weiteren Verlauf des Geschehens voraus. Am Ende ist es der bedingungslose Glaube an den Ehrenkodex, aus dem das Drama des Films entspringt. Denn wie seine Identität als Samurai, die Ghost Dog über den Wert des eigenen Lebens stellt, beruht auch der Racheplot gegen die Mafia auf dem fatalen Missverständnis, Louie hätte ihm damals aus Überzeugung und nicht aus reinem Selbstschutz das Leben gerettet. Die Wahrheit ist: Die Wirklichkeit ist immer nur ein Konstrukt, eine Fülle von Einzelheiten, die je nach Wertetradition und eigenem Interesse unterschiedlich gedeutet wird. In dieser Erkenntnis liegt Jarmuschs eigentliche Botschaft, sie bedingt den gegenseitigen Respekt im Pluralismus der Kulturen. Einfach ein toller Film, der sich traut andersartig zu sein.

Vendetta Rider – Weg der Rache

Vendetta Rider - Weg der Rache

20141 h 31 min
Kurzinhalt

Nachdem seine Mutter in einem Reservat brutal vergewaltigt und ermordet wurde nimmt der junge Mojave-Indianer Wolf das Gesetz in die eigenen Hände und übt Vergeltung an dem weißen Täter. Auf der Flucht vor dem FBI lernt er den abgehalfterten Musiker Cash kennen, dessen Ehe gerade in die Brüche gegangen ist. Schnell entsteht zwischen den beiden ungleichen Männern eine tiefe Freundschaft. Gemeinsam reisen sie durch die Weiten Amerikas, immer auf der Flucht vor dem Gesetz. Wolfs Ziel: Die Asche seiner Mutter an einem heiligen Ort im Nationalpark Teton Range zu verstreuen, um so Erlösung für ihre Seele und seine eigenen Taten zu erlangen. Doch das Gesetz ist ihnen dicht auf den Fersen.

Metadaten
Titel Vendetta Rider - Weg der Rache
Original Titel Road to Paloma
Regisseur Jason Momoa
Laufzeit 1 h 31 min
Starttermin 12 April 2014
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Trailer

Für Jason Momoa, den Khal Drogo aus „Game of Thrones“, war „Vendetta Rider“ eine Herzensangelegenheit. In Interviews hat er sich häufig darüber geäussert, was ihn daran ansprach, warum er eine Geschichte erzählen wollte, die zeigt, wie Native Americans Opfer von Verbrechen werden. Das ist alles schön und gut. Ein ehrenwertes Anliegen, ein durchaus auch wichtiges Thema, aber der grosse Wurf ist Momoa nicht gelungen. Wer hier Action erwartet, wird enttäuscht. Es gibt Action, in erster Linie wirkt der Film aber wie der Versuch seines Machers, einen kontemplativen Action-Streifen zu drehen.

Der deutsche Verleih hat sich sicherlich etwas gedacht, als er den Film „Vendetta Rider“ betitelte. Hauptsächlich wohl, dass das nach Action klingt, dass es markig ist, dass es die Fans von Khal Drogo anzieht. Der eigentliche Titel verspricht da schon anderes: „Road to Paloma“. Das klingt nach einem Reisevideo und ganz so schlimm ist der Film nicht, aber wirklich punkten kann er tatsächlich nur bei den herrlichen Landschaftsaufnahmen. „Road to Paloma“ ist weder ein Action-Streifen noch ein Suspense Thriller – jegliche in diese Richtung tendierende Erwartungen sind demnach weitestgehend fehl am Platze, möglichst zu vermeiden und dürften gegebenenfalls geradezu unweigerlich mehr oder minder schwere Enttäuschungen hervorrufen. Stattdessen liess sich Momoa von bestimmten Veröffentlichungen aus den 60ern und 70ern inspirieren – und versuchte, relativ erfolgreich, das in den einsamen Weiten der Natur vorherrschende „Freiheitsgefühl“ heraufzubeschwören und es zugleich den untrennbar mit einem „Leben in der Zivilisation“ verknüpften Belastungen, Sorgen, Problemen und Ungerechtigkeiten gegenüber zu stellen. Aus der Perspektive eines amerikanischen Ureinwohners betrachtete er das Land, die Leute, ihre Traditionen sowie gewisse Aspekte des ihnen auferlegten Schicksals – allen voran die herabsetzende Art, mit der sie bis heute noch vom „weissen Mann“ behandelt werden – und das mit Bedacht, Respekt und Würde, wobei auch einige Mitglieder des „Fort Mojave Tribes“ tatkräftig an der Entstehung mitgewirkt haben…

Der Film steigt erst eine Zeit lang nach der „Kette an Ereignissen“ ein, die Robert zu einem Flüchtigen werden liessen – beleuchtet also primär die Auswirkungen und Konsequenzen dieser. Zu Beginn kann er sich noch verhältnismäßig frei bewegen – stellt beispielsweise für einen älteren Werkstatt-Besitzer Zäune auf, um mit dem Lohn die Reparatur seines Motorrads abzuzahlen – allerdings ändert sich das, als er Kenntnis des intensivierten FBI-Engagements erlangt. Sich über seine „Optionen“ im Klaren, entscheidet er sich dazu, die ihm „noch übrigen“ Stunden oder Tage zu nutzen, um sich von seinen Familienangehörigen zu verabschieden, die Asche seiner Mutter an einen besonderen Ort zu überführen sowie im Zuge dessen wohlmöglich eine Form von „spiritueller Erlösung“ zu finden. In der Hauptrolle überrascht Jason Momoa mit einer charismatischen, selbstsicheren Performance. Seitens seines Wesens ist Robert Wolf ein friedfertiger, freundlicher, von Wut und Schmerz auf jene „Bahn“ gelenkter Mann, der sich den Respekt seiner Mitmenschen allerdings auch „auf physischem Wege“ erworben hat. Ein achtbarer „Antiheld“, der eine Menge über seine Blicke und Körpersprache vermittelt. Robert Homer Mollohan („Bowman“), welcher ebenfalls das Skript mitverfasst hat, agiert als „Sidekick“ Cash dagegen ab und an leicht „over the Top“ – wie ein öfters betrunkener, streitlustiger Zeitgenosse halt – wobei sein Part definitiv ein Stück weit schwächer ausgearbeitet wurde als jener Roberts, er diesen nichtsdestotrotz annehmbar solide meistert. Generell kann sich die Besetzung sehen lassen: Wes Studi („Geronimo“) ist klasse wie eh und je, Lisa Bonet („Angel Heart“) gibt sich verführerisch und sieht für ihr Alter noch immer echt attraktiv aus, Sarah Shahi („Static“) tritt angenehm „natürlich“ in Erscheinung, Lance Henriksen („Aliens“) ist bloss flüchtig in Form eines Cameos mit von der Partie und Chris Browning („Let me in“) sowie Michael Raymond-Jones („True Blood“) rufen jeweils keinerlei Veranlassung zur Klage hervor.

Das Drehbuch, an welchem zudem noch Jonathan Hirschbein („Bad Country“) beteiligt war, bietet dem Publikum eine Story, die frei von Innovationen oder herausragenden Eigenschaften daherkommt – unabhängig dessen aber dennoch zufrieden zu stellen vermag, sofern man „per se“ mit einer derart gestrickten und dargebotenen Geschichte einigermassen etwas anzufangen weiss. Weder die porträtierten Personen noch die konkrete Handlung sind allzu komplex oder originell geraten – viel gewichtiger geht es um die mit diesen Individuen, ihren Begegnungen, Entscheidungen und Taten verbundenen Empfindungen und Konsequenzen, also die daraus entstehenden „Gemütsregungen“ und „inneren Entwicklungen“. Auf ein hohes Tempo und eine straffe Plot-Entfaltung wurde zugunsten verschiedener „Schlenker“ verzichtet – unter ihnen die entspannte, geradezu unbeschwerte Zeit, die Robert mit Magdalena verlebt. Momoa hat sein Werk mit geringen Ressourcen und einem erstaunlich kleinen Team realisiert – welches teilweise nur aus acht seiner Freunde bestand. Mit einigen seiner Co-Stars hatte er bereits mal in der Vergangenheit zusammengearbeitet – mit Lisa Bonet ist er bekanntermassen seit Ende 2007 verheiratet. Ein höchst persönliches Projekt also, das durch gewisse dieser Umstände bzw. Gegebenheiten auf jeden Fall profitiert hat: Die Locations in den betreffenden Städtchen sind absolut authentisch in ihrer „Unglamourösität“, künstliche Beleuchtung wurde nur selten verwendet und die atemberaubenden Landschaften dieser Region Amerikas (u.a. Monument Valley) warten ohnehin „ganz für sich allein“ mit mehr als genügend Atmosphäre und Schauwerten auf. Majestätische Berge, fantastische Sonnenuntergänge, Nächte am Lagerfeuer unterm Sternenhimmel – dazu noch das „Freiheitsgefühl“ auf den entlegenen Strassen: Alles überaus stimmig.

„Road to Paloma“ ist eine ambitionierte Kombination aus Drama, Thriller, Biker- und Buddy-Roadmovie, in Gestalt derer Jason Momoa auf beiden Seiten der Kamera eine Menge „ungeschliffenes Talent“ und Potential beweist. Ein ruhiger, reflexiver, abseits des Mainstreams zu verortender Film, der deutlich mehr Wert auf visuelle und emotionale Eindrücke legt als auf solche Dinge wie Action, Suspense oder selbstschöpferische Inhalte. Die Arbeit des Kameramanns ist das Beste am Film, die des Cutters durchaus auch. Mit Hilfe schneller Schnitte wird kaschiert, dass die Actionsequenzen eher schwachbrüstig inszeniert sind. Wenn Schläge meilenweit am Kopf vorbei und einfach ins Leere gehen, dann kann das nur stakkatoartiger Schnitt verbergen. Zum Teil zumindest, wer genau hinsieht, merkt schon, dass Momoas Stärke Action nicht ist. Das ist umso erstaunlicher, da er sowohl als Khal Drogo als auch als Conan und natürlich als Gegner von Sylvester Stallone in „Shootout“ mehr als genügend Erfahrung in Sachen Action gesammelt hat. Es ist aber ohnehin nicht so, dass „Vendetta Rider“ ein reinrassiger Actionfilm wäre. So richtig kann sich „Vendetta Rider“ nie entscheiden, was er eigentlich sein will. Er prangert an, dass Verbrechen an Indianern nicht verfolgt werden, wenn aber ein Weiwwer im Reservat sein Leben aushaucht, dann kommt die Staatsmacht mit aller Gewalt daher. Das funktioniert halbwegs, häufig scheint der Film aber zu vergessen, dass er sich eigentlich dieses Themas annehmen wollte. Da wird er dann eher zu einer indianischen Version von „Easy Rider“, ohne natürlich jemals dessen Brillanz zu erreichen. Stattdessen gibt es zahlreiche Szenen, die einfach ins Nichts führen, bis zu dem völlig unerwarteten Ende, auf das nichts in diesem Film hingedeutet hat.

Kickboxer – Die Vergeltung

Kickboxer - Die Vergeltung

20161 h 34 min
Kurzinhalt

Kurt Sloane (Alain Moussi) und sein Bruder Eric (Darren Shahlavi) leben im kalifornischen Venice bei Los Angeles und sind erstklassige Karatesportler, was Letzterer nicht zuletzt durch die gewonnene Weltmeisterschaft unter Beweis stellt. Dadurch erregt er die Aufmerksamkeit einer zwielichtigen Promoterin (Gina Carano), die es auch schafft, den Champion zu ködern und ihn zu einer Reise zu einem Kampfsport-Event in Asien zu bewegen. Kurts Proteste bleiben ungehört und so verlässt David seine Heimat. Doch schon bald bittet dieser seinen in den USA zurückgebliebenen Bruder mit einem Brief, ihn in Thailand beim großen Finalkampf zu treffen. Als Kurt in Bangkok ankommt, muss er mitansehen, wie sein Bruder getötet wird. Mit der Unterstützung von Davids ehemaligem Lehrer Durand (Jean-Claude Van Damme) versucht Kurt nun die Kunst des Thaiboxens zu meistern, um den Mörder seines Bruders, den tödlichen Hünen Tong Po (Dave Bautista), zu besiegen…

Metadaten
Titel Kickboxer - Die Vergeltung
Original Titel Kickboxer: Vengeance
Regisseur John Stockwell
Laufzeit 1 h 34 min
Starttermin 2 September 2016
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Müll
Bilder
Trailer

„Kickboxer Vengance“ ist ein Möchtegern Remake, nur das im Gegensatz zum Original hier absolut keine Atmosphäre aufkommen will. Schauspielerisch eine Katastrophe. Kurz zusammengefasst eine lieblose modernisierte Version, die einfach nicht zündet und so überhaupt nicht funktioniert. Möchtegern Hommage an 80er und 90er Jahre Kampffilme. Da schaut man besser das Original!

Kickboxer - Die Vergeltung

Drehbuch ist ziemlich mies, der Hauptdarsteller hat kein Charisma und die Wende im Endkampf ist schlecht inszeniert. Zuerst ist Tong Po knallhart und kein Treffer kann ihn was und und ein paar Minuten später fällt er von jeder Berührung um. Selbst wer Van Damme und Kampfsport mag und da gehöre ich definitiv dazu, wird durch das Filmchen alles andere als unterhalten. Viele coole „Moves“ und „Fights“ hat es so schon gegeben und man wird das Gefühl nicht los, dass viele der Elemente von „Ong bak“, „Undisputed“ etc abgekupfert wurden. Sogar Bautista mit seinen 2-3 Sätzen, spielt absolut lustlos. Van Damme dagegen sieht man zum ersten Mal als Meister, zu 95% des Films mit Hut und Sonnenbrille verschleiert und dies egal ob bei Nacht oder bei Regen – was möchte er da wohl verbergen? Oder ist ihm dieser Auftritt schlicht peinlich?

Kickboxer - Die Vergeltung

„Kickboxer – Die Vergeltung“ zeigt Kampfsport-Action ohne jeden inhaltlichen Anspruch. Alain Moussi, der neue Kurt-Darsteller, erinnert mich an Daniel Bernhardt, der in den „Bloodsport“-Sequels spielte: Kein Charisma-Paket, aber ein guter Kämpfer und man gewöhnt sich irgendwie im Verlauf des Films an ihn. „Tong Po“ Dave Bautista überzeugt durch physische Präsenz und ein Grundlevel an schauspielerischen Fähigkeiten, er hat ja schon einige Mainstream-Filme hinter sich. Auch wenn seine Figur durch eine grössere Rolle, mit Text, etwas von ihrer bedrohlichen Mystik einbüsst. Der Original-Tong Po, Michel Qissi, hat übrigens einen Cameo-Auftritt als Häftling. Und Leute, die MMA mögen, dürfte die Anwesenheit bekannter Namen wie Georges St-Pierre, der kämpft und sogar sprechen darf, auch noch beglücken. Beim Abspann wird dann noch van Dammes kultigem Tänzchen aus dem Original Respekt gezollt: Für diese sympathische Einlage geb ich dafür eine halbe Note drauf. Für echte Fans, ist das ein Tritt in den Allerwertesten. Ach ja, und falls man nochmals ein Remake machen möchte, bitte ein anderen Kameramann. Ich kam mir teilweise vor wie in einem besser produzierten Porno. Übrigens war es für den Darsteller von Kurts Bruder Eric der letzte Film, Darren Shahlavi starb am 14. Januar 2015 im Alter von 42 Jahren an einer Herzattacke. Ruhe in Frieden.

The Stranger

The Stranger

20151 h 33 min
Kurzinhalt

Ein mysteriöser Mann kommt auf der Suche nach seiner Frau in eine kanadische Kleinstadt mit dem Ziel, ihr Leben zu beenden. Daran führt kein Weg vorbei, denn sie leidet an einer gefährlichen und hochansteckenden Krankheit. Der Fremde stellt sich als Martin vor und erfährt, dass seine Liebste Ana bereits vor langer Zeit verstorben ist. Vor Ort findet er im Graffiti-Künstler Peter jemanden, der eine Verbindung zu seiner Ehefrau hatte und ihm bei seinen Nachforschungen helfen kann. Bei einem brutalen Zusammenstoß lernt er außerdem Caleb, den Sohn eines korrupten Polizisten aus der Stadt kennen. Erst einmal kommt er bei einer lokalen Familie unter, doch was Martin nicht ahnt: Er selbst ist auch infiziert und sein Blut löst eine schreckliche Epidemie aus...

Metadaten
Titel The Stranger
Original Titel The Stranger
Regisseur Guillermo Amoedo
Laufzeit 1 h 33 min
Starttermin 12 Juni 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Bilder
Schauspieler
Mit: Lorenza Izzo, Ariel Levy, Aaron Burns, Cristobal Tapia Montt, Luis Gnecco
Trailer

In diesem Werk des Cabin-Fever-Schöpfers Eli Roth versucht ein mysteriöser Fremder die Ausbreitung einer verheerenden Seuche zu verhindern. Wer an Filmen wie „Blue Ruin“, „A History of Violence“, „Let me in“ oder „A Girl“ gefallen findet, weil man einen gut inszenierten Minimalismus und ein knackiges, aber exzellentes Drebuch zu würdigen weiss, der könnte auch von „The Stranger“ angetan sein. Das „Werk“ lässt sich in keine konkrete Schublade stecken und wird es in keine Top10 schaffen, aber hebt sich definitiv von der Masse und dem sonstigen Müll ab der so veröffentlicht wird.

The Stranger

„The Stranger“ wurde vom uruguayischen Filmemacher Guillermo Amoedo geschrieben und inszeniert, der zuvor unter anderem als Co-Autor an „The Green Inferno“ und „Knock Knock“, den beiden jüngsten Horror-Thrillern von „Hostel“-Regisseur Eli Roth, beteiligt war. Letzterer hat wiederum „The Stranger“ als Produzent unterstützt. In Zusammenarbeit der Produzenten Eli Roth, Nicolás López und Regisseur Guillermo Amoedo wurde bereits der trashige Erdbebenfilm „Aftershock – Die Hölle nach dem Beben“ veröffentlicht. Mit „The Stranger“ schlagen sie wieder einen etwas ernsteren Ton an und Amoedo zeigt sich geschickt darin, einen eigentlich blutrünstigen Monster-Streifen in einen, von seinen Charakteren gestützten, Film zu verwandeln. Das Werk nimmt sich seine Zeit, baut durch gelegentliche Rückblenden Spannung auf und lässt den Zuschauer mit Peter mitfühlen, der ohne seinen Vater aufwuchs. Er wird, genau wie die Zuschauer, die meiste Zeit im Dunkeln darüber gelassen, welche Motive sein Vater verfolgt und was er überhaupt ist, denn menschlich ist er definitiv nicht. Was dagegen klar zu sein scheint, ist das Chaos, welches die Rückkehr seines Vaters in einem kleinen Örtchen anrichtet und vor allem ein Mitglied der Polizei und seinen gewalttätigen Sohn betrifft. „The Stranger“ ist letztendlich ein Film über Familie, über das Erbe, welches wir unseren Kindern hinterlassen und das wir auf uns nehmen, um deren Überleben zu sichern, unabhängig davon, wie böse und todbringend sie vielleicht werden mögen.

The Stranger

Wenn die Kamera uns durch die urbanisierte Vorstadt führt, so fällt auf, dass diese leer ist. Unbewohnt. Eine Geisterstadt, in der jeder seine eigenen Dämonen bekämpfen muss. Egal ob Alkohol, Drogen oder die Ausübung von Gewalt aus Langeweile. Es gibt nichts gutes in dieser Stadt und der geheimnisvolle Fremde, der nicht kämpfen will, der sterben will, der andere warnt, dass er ansteckend sei und niemand sein Blut berühren darf, weil er denjenigen sonst töten muss, wirkt fast wie ein heiliger Engel, der entsandt wurde um all das Böse aus dieser Stadt heraus zu brennen. Inszenatorisch und vom Dramaturgieraufbau erinnert „The Stranger“ an „So finster die Nacht“, welcher eine ähnlich untraditionelle Sicht auf den Vampirismus wirft. Das Setting der verlassenen Stadt voller Sündenträger hat Ähnlichkeiten von „A Girl Walks Home Alone“. „The Stranger“ konzentriert sich auch ebenso eher auf den Charakteraufbau und das Worldbuilding, als auf eine opulente Inszenierung. Auch wenn der Film sich überwiegend durch eine dichte Atmosphäre und Spannugsaufbau auszeichnet, so erhält er durch seine gelegentlichen und sehr harten Gewaltszenen einen wesentlich mainstreamigeren Touch als die oben erwähnten, doch fast blutleeren, Vampirkollegen. Wer ein Metzel-Intermezzo wie in „30 Days of Night“ erwartet, wird sehr enttäuscht werden. So bewegt sich „The Stranger“ wie ein freies Neutron im Genre und bringt eine nötige Abwechslung zum Marktführer-Genre der Geisterwelt.

My Soul to Take

My Soul to Take

20101 h 47 min
Kurzinhalt

Im verschlafenen Riverton wurde vor 16 Jahren ein brutaler Serienmörder gestellt und kam bei seiner Verhaftung ums Leben - Wahrscheinlich jedenfalls! Die Leiche wurde nie gefunden und seitdem hängt sein Schwur, zurückzukehren, um sein Werk zu vollenden, wie ein düsterer Fluch über der Kleinstadt. Als nun wieder eine Mordserie beginnt, wird klar, dass der „Riverton Ripper" alles andere als nur eine schaurige Erinnerung ist. Hat der Mörder damals überlebt? Oder ist seine Seele in eines der sieben Kinder gewandert, die in seiner Todesnacht geboren wurden? Adam „Bug" Heller (Max Thieriot) gehört zu diesen sieben Teenagern. Und nicht nur das - ohne etwas davon zu wissen, ist er auch der Sohn des „Rippers". Verfolgt von unbarmherzigen Alpträumen und blutigen Ahnungen muss er sich dem Monster stellen, das zu Ende bringen will, was es vor 16 Jahren begann...

Metadaten
Titel My Soul to Take
Original Titel My Soul to Take
Regisseur Wes Craven
Laufzeit 1 h 47 min
Starttermin 8 Oktober 2010
Detail
Film-Details
Bewertung Gut
Trailer

Mit „My Soul To Take“ sorgt Gruselmeister Wes Craven für Gänsehaut. Das erste Mal seit „Freddy’s New Nightmare“ aus dem Jahre 1994, hat der Meister des Horrors 2010 wieder sowohl das Drehbuch geschrieben, als auch auf dem Regiestuhl Platz genommen. Wes Craven bleibt seinem Motto treu und lässt die Zahl der Hauptdarsteller nach und nach schrumpfen.

My Soul to Take

In „My Soul to take“ lässt Wes Craven sein Werk Revue passieren. Er reflektiert über seine Filme und lässt seine stets bedienten Themen, Motive und Ansätze langsam ineinander zerfliessen. Im Mittelpunkt stehen Jugendliche, wie so oft im Kino von Wes Craven, Erwachsene haben in diesem Film kaum Platz. Der Horror ist, und auch das ist typisch für Craven, in der Vergangenheit verortet, der Horror ist eine Bürde, die den jugendlichen Figuren von der Elterngeneration aufgeladen wurde. Was früher Freddy Kruger war, der die Jugendlichen aus der Vergangenheit heimsuchte, ist hier eben der „Riverton Ripper“, der sie in Angst und Schrecken versetzt. „My Soul to take“ ist voller Traurigkeit und Melancholie, Craven schaut in das brüchige Innenleben seiner Figuren, die mit ihren adoleszenten Problemen, Sehnsüchten und Sorgen hadern und manche auch daran zerbrechen. Die schulischen Hierarchien, problematische familiäre Gefüge, unglückliche Liebe, ein Dasein als Aussenseiter und zärtliche Freundschaften, das sind die Dinge von denen Craven hier erzählt. Keine der Figuren kann sich ihre Unschuld bewahren, bis zum Ende des Films zwingt die Welt sie alle, ob bereit oder nicht, erwachsen werden, so schmerzhaft das für manche auch sein mag.

My Soul to Take

Es macht Spass wenn Craven, mal subtil, mal ganz eindeutig auf die Grundthemen und Details seiner Slasherklassiker zurückgreift, doch die eigentlichen Qualitäten des Films liegen ganz wo anders. Was mittelmässige Regisseure von grossartigen Regisseuren in meinen Augen unterscheidet ist vor allem die Fähigkeit, jeden neuen Film so zu Inszenieren als wäre es ihr erster. Absolut losgelöst von jeden (von sich selbst oder anderen) aufgestellten Regeln, auch wenn dies einen schmerzhaften Bruch bedeutet mit dem was man davor geschaffen hat. Craven inszeniert diesen Film tatsächlich von jeden möglichen Konventionen befreit, lässt sich aber doch das Spiel mit ebendiesen und damit natürlich auch mit unseren eigenen Erwartungshaltungen- nicht nehmen. Die ersten fünf Minuten geben bereits den Ton an, verwirrend und hektisch montiert Craven grausame Bilder einer Schizophrenie zusammen und verwischt hier bereits die Grenzen von Sein und Schein. Der Blick ist so unerträglich subjektiv, dass jede Orientierung unmöglich scheint. Eine Orientierungslosigkeit die sich, und das lässt einen staunen, glatt über die ganze Laufzeit hält. Dadurch wird auch das so simple wie veraltete Whodunit-Prinzip auf einmal wieder sehr attraktiv. Denn was ist hier eigentlich wahr? Wir sehen einen schüchternen Highschool-Schüler, der offensichtlich unter einer starken Schizophrenie leidet und gleichzeitig der offensichtliche Mörder mehrerer Altersgenossen ist. Oder etwa doch nicht? Hier spielt der Film gekonnt mit dem offensichtlichen – oder eben dem doch nicht so offensichtlichen.

My Soul to Take

Was geschieht nämlich wenn unsere einzige wirkliche Identifikationsfigur, die Figur mit der wir quasi den Blick auf die filmische Welt teilen diese verzerrt wahrnimmt oder sie gar nicht verstehen kann, da ihr wichtige Informationen bezüglich ihrer Umwelt und sogar der eigenen Identität einfach nie verraten wurden (in diesem Fall, dass ihr Vater ein Serienmörder war)? Daran, dass Bug der tatsächliche Killer war, besteht nach ca. halber Laufzeit kein Zweifel mehr und das ist eigentlich das tragische an diesem Film. Oft stellt Bug die Frage ob er denn vielleicht jemanden getötet habe und sich eben nicht mehr daran erinnert. Berechtigt, wenn man bedenkt wie sein Vater Anfangs seine Mutter ermordete und anschliessend neben ihr einschlief ohne sich an etwas zu erinnern. Was auf der einen Seite tief tragisch ist, ist auf der anderen Seite auch unglaublich subversiv: Durch den eben so subjektiven Blick sind wir immer enorm nahe an der Figur Bug und das wird teilweise geradezu unerträglich. Zum Beispiel wenn wir gerade erst erfahren haben, dass das Mädchen, das sich in der Schule so widerlich zu ihm verhält niemand anderes ist als seine eigene Schwester. Und wenn diese in einer darauffolgenden Situation als die eigentliche gequälte Seele der Familie offenbart. Wir erfahren, dass sie vielleicht die einzige ist die hinter die Fassade der Spießssbürgerlichkeit blickt und der blanke Horror dahinter sie zu dem Biest gemacht hat das sie ist. Eine Aura der Selbstzerstörung geht von den beiden ungleichen Geschwistern aus, vergleichbar mit der aus Cronenbergs „Maps to the Stars“, was dem Film natürlich nur zuträglich ist, denn die nächste Eskalation liegt immer in der Luft und wegsehen ist unmöglich denn der Angriff könnte sowohl sadistischer als auch selbstzerstörerischer Natur sein.

My Soul to Take

Ein bösartiger Stiefvater verkündet es bereits zu Anfang: „Don’t trust anyone“. Und doch hat man sich bereits damit zurechtgefunden, dass Bug das personifizierte Böse war. Hat sogar mit ihm mitgefiebert. Wollte, dass alles so kommt wie es kommen musste. Doch Craven wäre nicht Craven, wenn er nicht wieder zu seinem vielleicht zentralsten Thema zurückkehren würde: Der Horror ist etwas soziales, etwas gesellschaftliches. Fast jeder dieser Jugendlichen könnte ein Mörder sein, fast jeder ist vom Leben schwer gezeichnet und die elterlichen Autoritäten würden alles tun damit diese Wahrheit die bürgerliche Fassade nicht einreissen kann. Und daraus entsteht der eigentlich Horror dieses Killers, und der von Freddy Krüger, und der von Ghostface. Die letzten Minuten gehören dann auch zum formal herausragendsten, was Craven je geschaffen hat. In Kameraeinstellungen, in denen wir nie ganz erkennen wer gerade wo steht, mit Schnitten die so hektisch sind, dass wir nie ganz sicher sein können was gerade passiert und mit einer Verwirrung aller Räumlichen und Zeitlichen Abläufen kommt er am Ende zu einem ganz klaren Schluss. Ein ausschweifendes Finale gönnt der Flm nicht, es hätte diesem in sich gekehrten, düster-träumerischen, traurigen Film auch nicht gestanden. Am Ende steht schlicht das stille Liebesbekenntnis zweier Freunde, das langsam in den wunderschönen Abstand überleitet.

The Survivalist

The Survivalist

20151 h 45 min
Kurzinhalt

Die Erdölvorräte sind aufgebraucht und Nahrung ist längst Mangelware. In einer Welt nahe am Abgrund kämpft jeder selbst um sein Überleben. So auch ein junger namenloser Einzelgänger (Martin McCann) im Wald. Mit Gewehr und eigenem Garten versucht er in seiner bescheidenen Hütte zu überleben. Der übervorsichtige Überlebenskünstler konnte sich trotz den überall lauernden Gefahren schützen und führt ein einsames Leben. Doch die Einsamkeit ist nur von kurzer Dauer. Als zwei fremde Frauen, Kathryn (Olwen Fouere) und ihre Teenager-Tochter Milja (Mia Goth) plötzlich vor seiner Türe stehen, reagiert der junge Mann instinktiv und versucht sein Territorium zu schützen. Die zwei Frauen bitten um Unterkunft und Nahrung. Milja bietet sich dafür gleich selbst an. Ein Angebot, das der junge Mann trotz Misstrauen nicht abschlagen kann. In einer einsamen Welt, in der jeder kleinste Fehler tödlich ausgehen könnte, ist es aber vielleicht doch am besten, alleine zu sein.

Metadaten
Titel The Survivalist
Original Titel The Survivalist
Regisseur Stephen Fingleton
Laufzeit 1 h 45 min
Starttermin 15 April 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
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Trailer

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Der britische Regisseur und Drehbuchautor Stephen Fingleton sorgt mit seinem Spielfilmdebüt „The Survivalist“ für eine der grössten Überraschungen des Jahres. Der minimalistische Survival-Endzeit-Thriller ist unheimlich stimmig und beängstigend realistisch in Szene gesetzt. Der animalische Überlebenskampf, gespickt mit vielen Close-Ups, wenig Dialog und der Natur als musikalischer Dirigent ist nah an den Figuren und nichts für zarte Gemüter. Ein schmerzhafter Film, der mit seiner Dystopie vielleicht gar nicht so daneben liegt.

The Survivalist

Der Film erzählt eine postapokalyptische Geschichte über einen Mann, der in einer kleinen Hütte im Wald lebt. Nachdem die Menschheit die Öl-Vorkommisse der Erde fertig geplündert hat, ging neben der Gesellschaft auch der Grossteil der Menschen zu Grunde. „Survival of the fittest“ heisst das neue Motto. Saatgut wird neben Sex zum wichtigsten Handelsgut und nur wer gute Farmkentnisse besitzt, hat eine temporäre Chance zu Überleben. Überleben, und dies um jeden Preis. So könnte man den Film kurz und bündig zusammenfassen.

„The Survivalist“ zieht den Zuschauer direkt in diese abgefuckte Welt, in welcher jede fremde Person nur einen Gedanken hat: Dich zu töten. Hinter jedem Busch könnte einer hocken, der nur darauf wartet, deine nächste Unachtsamkeit gnadenlos auszunutzen. Ein starkes Szenario, welches vom Regisseur sehr wirkungsvoll und effektiv umgesetzt wird. Die Kamera ist stets nahe an den Figuren, über welche man jedoch praktisch nichts weiss. Die Paranoia, jeder gegen jeden, macht auch vor dem Zuschauer nicht halt. Man fühlt sich bei diesem Film mittendrin. Das Spielfilmdebüt von Stephen Fingleton ist minimalistisch und genau deshalb sehr effektiv. „The Survivalist“ macht aus wenig viel und ist dabei von Anfang bis Schluss sehr spannend.

Creed – Rocky’s Legacy

Creed - Rocky's Legacy

20151 h 35 min
Kurzinhalt

Nach seinem letzten Kampf hat sich Rocky Balboa endgültig aus dem aktiven Boxgeschäft zurückgezogen. Der einstige Weltmeister im Schwergewicht will nun sein Wissen und Können an die kommende Generation weitergeben und ist deshalb Trainer in einer Boxschule. Eines Tages taucht dort das junge Talent Adonis Creed auf – der Sohn von Apollo Creed. Adonis hat seinen Vater zwar nie kennengelernt, aber offenbar erbte er von ihm seine boxerischen Fähigkeiten. Um seine guten Anlagen auszubauen, will er sich von Rocky trainieren lassen. Rocky muss jedoch schnell erkennen, dass Adonis nicht nur einen Trainer, sondern auch einen Mentor braucht, der ihn auf den richtigen Weg bringt.

Metadaten
Titel Creed - Rocky's Legacy
Original Titel Creed
Regisseur Ryan Coogler
Laufzeit 1 h 35 min
Starttermin 25 November 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung Meisterwerk
Bilder
Trailer

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Creed ist das, was eigentlich Rocky V schon hätte sein sollen. Bereits zum siebten Mal schlüpft Sylvester Stallone in den Trainingsanzug von Rocky Balboa, nun jedoch als Mentor, der sein Wissen und Vermächtnis an einen überaus motivierten Michael B. Jordan weitergeben will. Sein schwerster Kampf steht Rocky jedoch noch bevor und dieser wird nicht im Ring ausgetragen. Regisseur Ryan Coogler hat die richtige Mischung aus Ehrerbietung an das Original und einer frischen Optik gefunden.

Creed - Rocky's Legacy

Eigentlich hätte Ryan Coogler den Film einfach „Rocky 7“ taufen können, denn es ist wahrscheinlich der beste Teil der Franchise seit dem Original „Rocky“ von 1976. Zum einen ist dieser Verdienst Coogler selbst zu verdanken, der den Film mitgeschrieben, gedreht und coproduziert hat. Andererseits harmoniert die Kombination Stallone und Jordan wunderbar auf der grossen Leinwand und bringt dieses mitreissende Gefühl des Underdogs zurück, das wir beim ersten „Rocky“ so geliebt haben. „Creed“ verbindet zwei grosse Handlungsstränge: Zum einen ist da der gealterte Rocky Balboa als Mentor, dessen ikonenhafter Status zwar noch über seiner Person schwebt, gleichzeitig aber auch langsam zu verblassen droht. Zum anderen ist da der aufstrebende, aber wütenden Adonis, der im Film hin zu einem smarten und ernstzunehmenden Boxer wächst. Dass ein solcher Film dabei nicht um einige Klischees herum kommt, stört wenig und wird grösstenteils von den wunderbar gespielten Figuren aufgefangen – Sylvester Stallone hat nicht ohne Grund einen Golden Globe für seine Rolle als bester Nebendarsteller gewonnen.

Creed - Rocky's Legacy

Und während Michael B. Jordan als Adonis Creed seinen Anspruch als neue Hoffnung im Filmbusiness – insbesondere nach dem Flop mit Fantastic Four – eindrücklich unterstreicht, ist es Sylvester Stallone, der mit seiner Interpretation eines gealterten Rocky Balboa von allen am meisten zu glänzen vermag. Die Chemie zwischen ihm und seinem Co-Star stimmt perfekt und macht einen Grossteil des Reizes aus. Die Rückbesinnung auf die besten Eigenschaften des legendären Originals, insbesondere bei seiner feinen Ausbalancierung zwischen Momenten der Pein und jenen des Triumphs, kann das Rocky-Spin-off punkten. Wer darauf gehofft hatte, die Franchise würde unter Cooglers gänzlich neue Wege einschlagen, könnte enttäuscht werden. Die Handlung erzählt die altbewährte Underdog-Story mit den üblichen Ritualen – von den aufgedrehten Trainingmontagen, die von zahlreichen Rückschlägen begleitet werden, bis zum emotionalen Titelkampf, in dem in jeder Runde eine irrwitzige Anzahl an Schlägen abgedonnert und eingesteckt wird. So ist „Creed“ in seiner über zweistündigen Spielzeit auch für Zuschauer, die keine Fans des Boxsports sind, zu keiner Zeit langweilig oder langatmig und sorgt für so manche überraschende Momente. Rocky’s Geist lebt in diesem Film weiter!

The Hateful Eight

The Hateful Eight

20152 h 48 min
Kurzinhalt

Irgendwo im verschneiten Wyoming, einige Jahre nach dem Bürgerkrieg: Eine Postkutsche kämpft sich auf dem Weg zum Städtchen Red Rock durch die Landschaft. An Bord sind der Kopfgeldjäger John Ruth, seine Gefangene Daisy Domergue und zwei erst auf dem Weg zugestiegene Passagiere: der Ex-Soldat und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger tätige Marquis Warren sowie Chris Mannix, der angibt, der neue Sheriff von Red Rock zu sein. Aufgrund eines heftigen Schneesturms sind sie jedoch dazu gezwungen, in einer Hütte Zuflucht zu suchen. Dort verstecken sich bereits der Mexikaner Bob, der undurchsichtige Oswaldo Mobray, der Cowboy Joe Gage und der in die Jahre gekommene Südstaaten-General Sanford Smithers vor dem Wetter. Schnell nehmen die Spannungen in der Gruppe von misstrauischen Raubeinen zu, nachdem man sich anfangs noch bestens unterhalten hat. Und bald wird klar, dass längst nicht jeder von ihnen die Hütte lebend verlassen wird.

Metadaten
Titel The Hateful Eight
Original Titel The Hateful Eight
Regisseur Quentin Tarantino
Laufzeit 2 h 48 min
Starttermin 25 Dezember 2015
Website
Detail
Film-Details
Bewertung In Ordnung
Bilder
Trailer

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„The Hateful Eight“ ist sicherlich ein Unikat, gerade im bisherigen Schaffenswerk Tarantinos, aber mir persönlich war er nicht kurzweilig genug. Die Dialoge haben nicht immer standhalten können und die verhaltensbasierte Logik einiger Charaktere muss zumindest hinterfragt werden. Und doch war ich überrascht, dass sich die knappen drei Stunden nicht wie knappe drei Stunden angefühlt haben. Der Gedanke „wann ist es endlich vorbei?“ kam nie auf – eigentlich ein gutes Zeichen. Und doch fehlen die ganz positiven Dinge. Bis auf vielleicht Jackson konnte mich keiner der Darsteller wirklich überzeugen.

Allesamt haben sie gut gespielt, keine Frage, aber richtig grosse Schauspielkunst war nicht zu sehen. Hinzu kommt, dass ich die Oscar-Nominierung von Jennifer Jason Leigh als beste Nebendarstellerin nicht nachvollziehen kann. Ihr Charakter ist deutlich hinter meinen Erwartungen zurück geblieben und die Darstellung war sicherlich solide bis gut, aber keine Nominierung würdig – ohne, dass ich jetzt die komplette Konkurrenz in der Kategorie einschätzen könnte. Auch bei Tim Roth hatte ich mir mehr erwartet. Er übernimmt die mittlerweile obligatorische „Christoph Waltz-Rolle“. Der noble und redegewandte Brite, der mit Wortakrobatik und Charme für Unterhaltungswert sorgt. Leider nur im Ansatz. Und ein mit schlechten Zähnen versehener Channing Tatum passt leider so gut wie gar nicht in das Setting…

The Hateful Eight

Am Ende kommt man mit gemischten Gefühlen aus dem Kinosaal. Zunächst sitzt der Gedanke „das. war. lang.“ im Kopf. Dann sucht man nach den richtig guten Sachen. Dann sucht man nach den richtig schlechten Sachen. Fündig wird man bei beiden nicht wirklich. Und am Ende steht ein Stück Enttäuschung einem Stück Freude gegenüber. Freude über die kleinen Dinge, wie der (etwas zu prominent eingebaute) Red Apple-Tabak. Aber das reicht für mich nicht aus, dieses Monument an Film in den kommenden Wochen noch einmal sehen zu wollen. Dafür war dann doch zu viel weilig. Tja, so gibt es 5 von 10 Sternen. Gerne hätte ich mehr gegeben, aber mir fehlen die grossen Szenen, die besonderen Momente, die auf Jahre im Gedächtnis bleiben. Gerne hätte ich weniger gegeben, aber der Abstand zu tatsächlichen Enttäuschungen muss gewahrt werden. So bleibt die Mitte…

Savaged

Avenged

Sie nahmen ihren Körper - Jetzt holt sie ihre Seelen

20151 h 35 min
Kurzinhalt

Gequält, vergewaltigt und abgestochen wie ein Stück Vieh - das Leben der hübschen Zoe endet grausam. Brutale Rednecks haben sie überfallen und nachdem sie ihren Spaß mit ihr hatten, verscharren sie Zoe in der Wüste. Dort findet ein Schamane die junge Frau. Er spürt noch einen winzigen Funken Leben in dem zerschlagenen Körper und versucht, sie mit einem heiligen Ritual zurück zu holen. Aber mit Zoe erwacht der Geist eines sehr zornigen Apatschen in ihrem Körper. Der Krieger wurde einst von einem Vorfahren der Rednecks ermordet und brennt nun darauf, im Blut seiner Feinde zu baden. Das Mädchen und der Krieger verbreiten bald nackte Angst. Aber ihre Rache ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn Zoes Körper verwest schnell …

Metadaten
Titel Avenged
Original Titel Avenged
Regisseur Michael S. Ojeda
Laufzeit 1 h 35 min
Starttermin 6 März 2015
Website
Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Bilder
Schauspieler
Mit: Amanda Adrienne, Rodney Rowland, Tom Ardavany, John Charles Meyer
Trailer

Auf dem Cover wird mit „I Spit on your Grave trifft auf The Crow“ geworben, was den Nagel ziemlich genau auf den Kopf trifft. Zwar wird der Teil der Qualen leiden/Vergewaltigung erdulden erfreulicherweise auf ein Minimum reduziert. Was aber nichts an der Verachtung für die Täter mindert, die ihre Aktionen beim Zuschauer auslösen. Eben, wie bei „I Spit on your Grave“ und auch der Vergleich mit dem untoten Krähenmann ist treffend, auch wenn dieser unter leicht abgewandelten Bedingungen seine Rache ausübt.

Regisseur und Autor Michael Ojeda nimmt hier gekonnt bekannte Versatzstücke und setzt sie zu einem individuellen Mix wieder zusammen. Schön spürbar und nur schwer mit Worten zu beschreiben ist das Grundgefühl, dass es sich hier nicht um eine lieblos heruntergekurbelte Auftragsarbeit handelt, sondern um ein echtes Herzensprojekt des Hauptverantwortlichen. Der „sepia-ähnliche“ Farbfilter, mit all den kühlen Gelb- und Grüntönen gemixt, die bewegte Kamera mit den zahlreichen Perspektiven-Wechsel und den dosiert eingesetzten Unschärfen, hier wird sehr bewusst darauf geachtet, dass die alptraumhafte Geschichte wie ein grausames Märchen daher kommt.

Absolut grossartig ist die mir völlig unbekannte Amanda Adrienne, die in den wenigen Szenen vor ihrem Martyrium diese gewisse Lebensfreude ausstrahlt, die ich nur von Menschen aus dem echten Leben kenne, die aus einem offensichtlichen Handicap (in diesem konkreten Fall Gehörlosigkeit und fast keine Sprache), eine Kraftquelle und Lebensfreude gewonnen haben, die ansteckend wirkt. Um so mehr schmerzt es dann, wenn sie leiden muss und ihr alles genommen wird. Ihr Look als Untote ist irgendwie engelsgleich von der Gestik her, in den ruhigen Momenten und dämonisch vom Aussehen her, bei ihren Racheaktionen. Subtil zu sein, war hier eindeutig keines der Ziele der Filmemacher und so sind die Schurken einfach nur bösartig, sadistisch und abgestumpft, ohne die geringsten Grautöne. Rassist, Hinterwäldler und Psychopath, eine Mischung, die zwar sehr gut zusammen passt, aber ziemlich gefährlich ist. Vor allem Rodney Rowland (Space 2063) als Anführer Trey hat sichtlich seine Freude daran, die unmenschlichen Verhaltensweisen seiner Familie hochleben zu lassen. Dafür darf er schliesslich sogar seine Kettensäge in den Kampf gegen Schwert und Tomahawk führen, auch nicht etwas, dass man alle Tage zu sehen bekommt.

Bei den CGI-Effekten sieht man zwar das geringe Budget, doch irgendwie schaffen es der Schnitt und die Farbgebung dann doch, dass sogar diese Szenen besser wegkommen, als es hätte sein können. Die Oldschool Gore-Effekte hingegen sind teilweise echt überzeugend, auf der anderen Seite manchmal den völligen Over the Top Aktionen angepasst. Seilziehen mit den eigenen Darmschlingen spielen? Kopf abhacken, Pfeil in den Hals, Herz heraus schneiden, der Indianer in Zoe leistet ganze Arbeit und macht ihre Rache zu einem blutigen und vor allem spassigen Spektakel für Genre-Fans. Insgesamt ein Film der sehr schön zeigt, dass Liebe zum Material nie schaden kann und der Regisseur hier wirklich sein Herz reingepackt hat. Die eigenwillige Inszenierung und die beiden tollen Hauptdarsteller trösten dann auch über die paar Szenen hinweg, in denen der Geister-Indianer erscheint und ein paar Waffen aus dem Boden schweben. Für mich waren diese Sequenzen noch in Ordnung, doch könnten sie dem einen oder anderen Zuschauer, durchaus auch unpassend vorkommen. Bin auf jeden Fall gespannt, was Ojeda und Adrienne in Zukunft für Projekte planen.

Sabotage

Sabotage

Die Jäger werden zu gejagten.

20141 h 50 min
Kurzinhalt

Der Drogenfahnder Breacher und seine Sondereinheit des DEA gehören zu den besten Drogenfahndern ihres Bezirks. Spezialisiert auf Kartells, haben sie schon vielen Drogennetzwerken das Handwerk gelegt. Auch bei ihrer neuesten Mission scheint alles glatt zu laufen. Doch als die riesige Summe Geld, die sie ihren Zielen abnehmen konnten, plötzlich verschwindet, geraten Breacher und seine Jungs in den engeren Kreis der Verdächtigen. Auch die Drogenbarone selbst haben noch eine Rechnung offen: Nach und nach verschwindet eines der Team-Mitglieder Breachers. Doch anstatt ihn selbst ins Zielvisier zu nehmen, wird seine Familie entführt und festgehalten. Während er sich bisher noch unter Kontrolle halten konnte, durstet es den Veteranen nach Rache und er macht sich mit einigen seiner Kollegen auf den Weg, seine Frau und sein Kind zu befreien.

Metadaten
Titel Sabotage
Original Titel Sabotage
Regisseur David Ayer
Laufzeit 1 h 50 min
Starttermin 28 März 2014
Website
Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Trailer

Wie möchte man von seinen Fans in Erinnerung behalten werden? Die letzte Karrierephase ist zugleich ein Charaktertest: Siegt die Vernunft über das Ego? Und wie viel Selbstironie verträgt sich mit dem Image des Actionstars? Bei Arnold Schwarzenegger steht ein abschliessendes Urteil derzeit noch aus, ob das Altern in Würde seine letzte grosse Rolle werden wird. Einerseits ist es ja grundsympathisch, dass es ihn nach seinem Ausflug in die Politik noch einmal zurück zum Film gezogen hat (egal ob mit echtem Herzblut oder doch nur für das gesalzene Schmerzensgeld an seine Ex-Frau). Es irritiert allerdings, dass Schwarzenegger seine Karriere genau dort wieder aufnimmt, wo er sie knapp zehn Jahre zuvor mit Terminator 3 aussetzte.
Clint Eastwood hatte in Schwarzeneggers Alter mit „Erbarmungslos“ und „In the Line of Fire“ bereits sein seriöses Spätwerk eingeleitet. Und was die ironische Demontage seines eigenen Images angeht, ist Schwarzenegger 1993 mit „Last Action Hero“ schon weiter gewesen.

Die drei Filme seit Schwarzeneggers Amtszeit als Gouverneur (plus einem Cameo-Auftritt in Expendables 2) sind ganz in der Vergangenheit verhaftet, der jüngste, Sabotage, irgendwo zwischen Phantom Kommando und Predator aus seinen formativen Jahre als Actionstar. In denen hiessen Schwarzeneggers Figuren noch John Matrix oder Dutch. Diesmal heisst sie Breacher, „der Brecher“, und seine Kollegen haben so klingende Spitznamen wie Monster, Grinder und Pyro. Die einzige Frau in diesem Männerbund, gespielt von der zierlichen Mireille Enos, hört auf den schlichten Namen Lizzy, ist aber durchgeknallter als alle ihre stiernackigen und ganzkörpertätowierten Kollegen zusammen. Es gehört wohl zum Berufsethos professioneller Tough Guys, dass der Name wie eine Visitenkarte ausweisen muss, wie wenig Spass man in diesem Metier versteht. Es sei denn, es handelt sich um Witze über Männerfürze und Fäkalien, von denen es in Sabotage reichlich gibt.

Der Regisseur und Drehbuchautor David Ayer (Training Day, End of Watch) ist ein Experte für dreckige Polizeifilme. Er bringt durchaus die Erfahrung mit, um Schwarzenegger eine anständige Rolle zu schreiben. Doch der Respekt vor der Action-Ikone Arnie scheint in Hollywood hemmende Wirkung zu haben. Dem Debütanten Kim Jee-woon, dem Regisseur seines Comebacks „The Last Stand“, mochte man das noch durchgehen lassen. Aber auch Ayer setzt statt auf altersweise Selbstreflexion, die einem Actionstar in Schwarzeneggers Alter gut stünde, auf enthemmte Selbstparodie. Das ist nicht nur unter Schwarzeneggers Würde, es diskreditiert auch Ayers gelungenere Beiträge zum Genre des Polizeifilms. Dabei kann man dem Regisseur Ambitionen, dem neuesten Schwarzenegger-Vehikel eine eigene Handschrift zu verpassen, nicht absprechen. Die unruhige Handkamera, die im Verité-Copdrama End of Watch noch als erzählerisches Stilmittel fungierte, verleiht den Actionszenen in Sabotage physische Wucht.

Manchmal geht die Kamera allerdings durch. Dann blickt der Zuschauer vom Ende eines Waffenlaufs in das Gesicht des Schützen (eine Art invertierte Egoshooter-Perspektive) oder während einer Autoverfolgungsjagd von der Ladefläche eines Pick-up-Trucks auf die getönte Heckscheibe. Innerhalb eines ansonsten wenig innovationsfreudigen Formats wirken solche form-avantgardistischen Spielereien schon beinahe wie kreative Befreiungsschläge. Das gilt ebenso für die mit viel Liebe zum Detail ausgeschmückten Bilder von menschlichen Verstümmelungen. Einer der korrupten Cops wird mitsamt seinem Wohnmobil von einem Zug fein säuberlich über einen längeren Streckenabschnitt verteilt. Schwarzenegger darf später am Tatort Fähnchen in die dampfenden Überreste stecken. Ein anderer Kollege wird an die Decke genagelt, sodass aus seinem aufgeschlitzten Bauch die Eingeweide wie Girlanden in den Raum hängen.

Diese Ausflüge in das Genre des Torture-Porn verfolgen keine Programmatik. Sie sind nur Teil einer Matthew-Barney-artigen Strategie, dem Mythos eines Auslaufmodells ein paar letzte starke Bilder zu verpassen: knirschendes Metall, blutiges Gedärm, gerötete, poröse Haut, die sich papyrusähnlich über muskulöse Körperpartien spannt. Auch Arnold Schwarzenegger wird sich am Ende als Normalsterblicher erweisen. In Sabotage darf er jedoch, allen äusseren Umständen zum Trotz, noch einmal den ganz Starken spielen.

Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Der Marsianer - Rettet Mark Watney

Hilfe ist nur 140 Millionen Meilen entfernt

20152 h 21 min
Kurzinhalt

Nach einem verheerenden Sturm auf dem Mars holt die NASA seine Forscher vor Ort zurück auf die Erde. Astronaut Mark Watney wird für tot gehalten und zurückgelassen. Doch er lebt - für den Moment zumindest. Denn mit schneller Hilfe ist nicht zu rechnen. Also muss er selbst sehen, wie er ganz alleine für Vorräte für die nächsten Jahre sorgt, wie er einen Weg findet, Kontakt zur Nasa aufzunehmen und ein Lebenssignal zu senden. Parallel versuchen seine Kollegen einen Rettungsplan auszuarbeiten.

Metadaten
Titel Der Marsianer - Rettet Mark Watney
Original Titel The Martian
Regisseur Ridley Scott
Laufzeit 2 h 21 min
Starttermin 2 Oktober 2015
Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Nicht so schlecht
Bilder
Schauspieler
Mit: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara, Jeff Daniels
Trailer

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Ridley Scott verzichtet in „Der Marsianer“ auf bedeutungschwangere Symbolik und existenzialistische Schwere und inszeniert Mark Watneys spannenden Überlebenskampf im Weltraum mit leichter Hand. Der Film beinhaltet viele gelungene Gags, grossartige Szenen, die besonders Tüftler und Technik-Nerds begeistern werden, sowie teilweise spektakuläre Kameraarbeit von Dariusz Wolski – auch wenn die 3D-Technik weiterhin ein Ärgernis bleibt und zumindest in dieser Form hoffentlich bald für immer verschwindet. „Der Marsianer“ entstand jedoch ganz offensichtlich in enger Zusammenarbeit mit der amerikanischen Weltraumbehörde NASA und dies ist durchaus problematisch. Scott zeichnet ein ausschliesslich positives Bild des internationalen Weltraumprogramms und spricht ihm geradezu das Potential zu, den Weltfrieden herbeizuführen und rivalisierende Wirtschaftsmächte wie die USA und China friedlich zu vereinen. In diesen Momenten fühlt man sich dann leider manchmal wie in einem Werbefilm der NASA und beginnt sogar kurzzeitig Ridley Scotts Motivation zu hinterfragen, diesen für ihn eher ungewöhnlichen Stoff zu übernehmen. Doch hier sollen gar keine Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt werden, denn „Der Marsianer“ ist mit Sicherheit Ridley Scotts gelungenster Film seit vielen Jahren und besticht gerade dadurch, dass sich hier ein Hollywood-Schwergewicht mit ungeahnter Leichtigkeit auf neues Terrain wagt.

Black Mass

Black Mass

20152 h 02 min
Kurzinhalt

Basierend auf dem Bestseller "Black Mass: The True Story of an Unholy Alliance Between the FBI and the Irish Mob" von Dick Lehr und Gerard O'Neill wird die Geschichte des Bostoner Mafioso James Joseph "Whitey" Bulger erzählt. Whitey, der für mehrere Morde und Drogenhandel verantwortlich ist, arbeitet für das FBI als Informant. Dort gibt er den ermittelnden Agenten Informationen zur Ergreifung seiner Konkurrenten im Geschäft. Als man sich jedoch gegen Whitey stellt, um ihn ebenfalls hinter Schloß und Riegel zu bringen, flüchtet dieser. 16 Jahre lang schafft er es sich vor dem FBI zu verstecken, wird in mehreren Ländern auf der ganzen Welt gesichtet und steht lange Zeit auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher des FBI. 2011 geht der mittlerweile 82 Jahre alte Mafioso den Ermittlern ins Netz...

Metadaten
Titel Black Mass
Original Titel Black Mass
Regisseur Scott Cooper
Laufzeit 2 h 02 min
Starttermin 4 September 2015
Website
Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Grandios
Bilder
Schauspieler
Mit: Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Kevin Bacon
Trailer

Nach dem fürchterlich schrecklichen Mortdecai hätt‘ ich nicht damit gerechnet, dass Johnny Depp noch im gleichen Jahr mit einem Film aufwartet, der uns für all seine Fehltritte der vergangenen Jahre entschädigt. Doch genau das ist „Black Mass“ – ein Film, in dem der Hollywoodstar eindrücklich beweist, was eigentlich in ihm steckt. Der Film von Scott Cooper, der die Lebensgeschichte des amerikanischen Mobsters James „Whitey“ Bulger erzählt, zeigt Depp (hinter tonnenweise Make-Up) als bedrohlichen und unberechenbaren Kriminellen. Dass Depp gerade in diesem Film so herausragt, ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass sich mit Benedict Cumberbatch, Kevin Bacon, Joel Edgerton und Peter Sarsgaard auch einige der angesagtesten Charakterdarsteller der Gegenwart die Ehre geben. Doch sie können alle nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Black Mass“ in erster Linie eine Johnny Depp-Show ist.

Daran ist auch Scott Cooper nicht ganz unschuldig: Dem Filmemacher ist mit seiner dritten Regie-Arbeit ein packender und schonungsloser Mafia-Thriller gelungen, der geschickt den Aufstieg und Fall einer schillernden Figur zeigt. Schockierend ist dabei vorallem die Art und Weise, wie sich der von Depp eiskalt verkörperte Bulger seine Machtposition sichert: Mittels politischer Spielchen und der Unterstützung korrupter Beamter schaltet Bulger einen Kontrahenten nach dem anderen aus, bis er sich in eine Lage bringt, in der selbst das FBI Mühe bekundet, ihm das Handwerk zu legen. Diesen ikarischen Höhenflug von Bulger, der natürlich im krassen Fall des Protagonisten enden muss, inszeniert Cooper dann doch ein wenig zu repetitiv, ein Faktor der sich in der erdrückenden Laufzeit niederschlägt. Das Gangster-Biopic hätte durchaus eine halbe Stunde kürzer und dafür knackiger ausfallen dürfen. Johnny Depp liefert in „Black Mass“ eine denkwürdige Leistung ab und straft all jene, die ihn bereits abgeschrieben hatten. Ein trotz einiger Längen denkwürdiger Film.