Das Wort zum Sonntag aus der Gruft

(via Cheese AI)

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Es gibt eine Göttin, die blind sein soll. Justitia. Die Augenbinde symbolisiert Unparteilichkeit: Sie sieht nicht, wen sie vor sich hat. Sie urteilt ohne Ansehen der Person. Das ist die Theorie. Die Praxis der Schweiz im Jahr 2026 sieht anders aus – und die Bevölkerung weiss es. Das Gerechtigkeitsbarometer 2026 enthüllt: 81 Prozent der Schweizer empfinden es als unfair, dass Geld den Erfolg vor Gericht beeinflusst. Gegenüber 2024 ist der Prozentsatz derjenigen, die sich «eher» oder «sehr» gerecht behandelt fühlen, von 68 auf 56 Prozent gesunken. Ein Drittel der Befragten hält das System für «eher nicht gerecht», 18 Prozent sagen sogar, es sei «überhaupt nicht gerecht».
Die Unzufriedenheit hat nicht stagniert – sie hat in zwei Jahren einen Sprung gemacht, der in seiner Geschwindigkeit beunruhigend ist. Eine überwältigende Mehrheit sieht den Zugang zum Recht nur noch für Wohlhabende gesichert. Ein alarmierendes Signal.
Zwei Länder, eine Flagge
81 Prozent. Das ist keine knappe Mehrheit. Während zwei Drittel der Wohlhabenden zufrieden auf das Geschehen blicken, sehen drei Viertel der Geringverdienenden die Dinge anders. Die konkreten Zahlen sind noch schärfer: Bei Haushalten mit einem monatlichen Einkommen über 13’000 Franken sind 65 Prozent zufrieden. Bei Haushalten unter 3’000 Franken ist es gerade noch ein gutes Viertel – 27 Prozent.
Zwischen diesen beiden Gruppen liegt nicht nur ein statistischer Graben. Es liegt eine vollständig andere Gesellschaft. Das ist kein diffuses Ungerechtigkeitsgefühl. Das ist ein Klassenunterschied. Und der Graben verläuft nicht nur zwischen Arm und Reich. Er zieht sich durch Generationen und Geschlechter gleichermassen. Junge fühlen sich in Umweltfragen betrogen. Ältere sorgen sich um Recht und Ordnung. Frauen kritisieren fehlende Aufstiegsmöglichkeiten und die unfaire Verteilung von Care-Arbeit. Viele Männer reagieren auf Gleichstellungsfragen mit Achselzucken. Quer durch alle Themen tun sich Risse auf – und sie werden tiefer.
Das Leistungsversprechen bröckelt
Wer Geld hat, findet das System in Ordnung – weil es für ihn funktioniert. Wer keines hat, findet es ungerecht – weil es für ihn nicht funktioniert. Politikwissenschafterin Cloé Jans von GFS Bern fasst es so zusammen: «Ob Miete, Krankenkassenprämien oder AHV – die Kostenfrage überlagert derzeit fast alles. Während auf individueller Ebene das eigene Portemonnaie unter Druck steht, wird politisch über Milliardenprojekte gestritten.»
Die Kosten des Alltags fressen den Glauben an die Fairness des Systems. Und gleichzeitig schwindet die Überzeugung, dass Leistung automatisch zu Wohlstand führt – jener Grundpfeiler des helvetischen Selbstbilds, auf dem das ganze Narrativ vom gerechten, leistungsorientierten Kleinstaat ruht. Und der Konsens wächst. Während 2024 noch 54 Prozent der Befragten das System als «sehr gerecht» oder «eher gerecht» bezeichneten, bilden die Unzufriedenen heute mit 51 Prozent erstmals eine Mehrheit.
Die Stimmung ist nicht nur gesunken — sie hat gekippt.
Acht von zehn Menschen in der Schweiz – dem Land, das sich auf seinen Rechtsstaat so viel einbildet wie andere auf ihre Küche oder ihr Klima – glauben, dass Gerechtigkeit vom Kontostand abhängt. Und das Interessante ist: Selbst Reiche finden, dass Gerechtigkeit käuflich ist. Wenn sogar jene, die profitieren, das System als ungerecht beurteilen, ist das kein Reformsignal mehr. Das ist ein Systemurteil.
Recht kostet – und das ist kein Zufall
Prozesskosten als Zugangshürde zum Recht: In der Schweiz kann ein erstinstanzliches Zivilverfahren schnell fünfstellige Beträge kosten – noch bevor ein Urteil gefallen ist. Wer falsch liegt, zahlt zusätzlich die Gegenpartei. Das Risiko ist für einen Mittelständler existenziell. Für einen Grosskonzern ist es eine Kostenposition unter vielen. Das ist keine Benachteiligung am Rand des Systems. Das ist sein Kern.
Strategie in Kontinuität – das Wort, das alles sagt
Währenddessen produziert die Schweiz fleissig Strategiepapiere. Der Bundesrat hat am 28. Januar 2026 die Strategie gegen die Korruption 2026–2029 verabschiedet – in Kontinuität zur bisherigen Strategie 2021–2024. Kontinuität. Das Wort der Wahl für ein System, das sich selbst reformieren soll, aber kein Interesse daran hat.
Die alte Strategie wurde durch eine neue ersetzt, die laut Selbstbeschreibung «neue Prioritäten» setzt. Was die alte Strategie gebracht hat, bleibt offen. Transparency International hat es nüchtern formuliert: In Korruption und Geldwäscherei verwickelte Unternehmen werden in der Schweiz bloss ganz vereinzelt strafrechtlich verurteilt. Dies liegt massgeblich auch an Nachlässigkeiten der Staatsanwaltschaften.
Vereinzelt. Das ist die Bilanz von Jahrzehnten Antikorruptionsstrategie. Nicht: Selten. Nicht: Verbesserungswürdig. Vereinzelt. Und wer ist schuld? Laut Transparency die Staatsanwaltschaften selbst – die zu weiten Teilen auf die aktive Mithilfe der fehlbaren Unternehmen angewiesen sind, wenn es gelingen soll, diese strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Die Behörde, die den Täter verfolgen soll, ist auf die Kooperation des Täters angewiesen. Das ist nicht rechtsstaatlich. Das ist Verhandlungssache.
Der Europarat mahnt – die Schweiz nickt
Der Europarat sah das ähnlich. Die Staatengruppe gegen Korruption GRECO stellte fest, dass die Strategie des Bundesrates gegen Korruption ehrgeiziger und konkreter sein könnte. Der interdepartementalen Arbeitsgruppe zur Korruptionsbekämpfung mangelt es an Unabhängigkeit und Ressourcen. Eine externe Kontrollinstanz erklärt dem Land, seine Antikorruptionsbehörde sei nicht unabhängig genug. Die Reaktion: Eine neue Strategie in Kontinuität zur alten.
Bellinzona: Das Ausmass in einem Prozess
Und während der Bundesrat seine Strategie verfasste, begann in Bellinzona ein Prozess, der das ganze Ausmass illustriert. Gulnara Karimowa, Tochter des ehemaligen usbekischen Präsidenten, soll milliardenschwere Schmiergeld- und Geldwäschegelder über ein komplexes Netz in der Schweiz verborgen haben. Privatbank Lombard Odier und ein ehemaliger Mitarbeiter sind mitangeklagt. Der Fall gilt als einer der grössten Geldwäscheprozesse der Schweiz.
Einer der grössten. In der Schweiz. Die seit Jahrzehnten erklärt, sie bekämpfe Geldwäscherei. Die Milliarden illegal erworbener Gelder aus Diktaturen verwaltete und heute stolz darauf hinweist, dass sie über zwei Milliarden Dollar in dreissig Jahren restituiert hat – bei Tausenden von Milliarden, die in dieser Zeit durch Schweizer Banken geflossen sind.
Das Fundament trägt noch – aber
Fragt man die Schweizer Bevölkerung nach dem Ausmass der Korruption im Land, so wird der öffentlichen Verwaltung keine weisse Weste bescheinigt. Politisch führt wachsende Korruption zu einem tiefgreifenden Vertrauensverlust in staatliche Institutionen, untergräbt den Rechtsstaat und schwächt seine Akteure.
Es gibt einen Lichtblick – und er ist bezeichnend für das, was noch hält. Trotz aller Kritik bleibt das Vertrauen in den Kern des Staates krisenfest: Demokratie, Bildung, Freiheit. Die Schweiz streitet heftig, aber noch auf einem gemeinsamen Fundament. Das ist kein Freispruch für das System. Es ist eine Warnung: Das Fundament trägt noch – aber die Last auf ihm wird schwerer.
Das ist der eigentliche Befund. Nicht ein Einzelfall, nicht ein Skandal, nicht ein Fehler im System. Sondern ein struktureller Vertrauensverlust, der sich in Umfragezahlen, Gerichtsurteilen, GRECO-Berichten und Strafverfolgungsstatistiken gleichermassen zeigt.
Eine Gesellschaft, in der 81 Prozent der Menschen glauben, dass Recht und Geld gekoppelt sind, hat aufgehört zu glauben, dass Justitia wirklich blind ist. Sie glauben, dass die Augenbinde nur verhindert, den Kontostand zu sehen – damit man glaubhaft bestreiten kann, dass man ihn gesehen hat.
Die Strategie 2026–2029 liegt bereit. In Kontinuität zur vorherigen. Das ist die Schweiz im Jahr 2026. Justitia schaut weg. Absichtlich…
Am Anfang war das Zeichen. Bevor die erste Zivilisation ihre Götter in Stein meisselte, bevor der erste Priester seine Hände zum Himmel hob, bevor Sprache sich in Buchstaben verwandelte – da waren Symbole. Nicht als Erfindung des Menschen, sondern als Entdeckung. Als Abbild jener unsichtbaren Ordnung, die dem Sichtbaren zugrunde liegt. Symbole, Zeichen, Zahlen und Buchstaben sind das, was Pflanzenkunde für die äussere Welt ist: Seelenkunde. Jede Pflanze trägt ihre eigene Signatur, ihre Kraft, ihre Wirkung in sich. So auch jedes Zeichen. So auch jede Zahl. Sie wurden nicht erdacht – sie wurden erkannt. Dieses Wissen ist uralt. Und es wurde uns genommen.
Die Freimaurer stehen im Mittelpunkt so vieler Anklagen, so vieler Verdächtigungen, so vielen kollektiven Zorns, dass man fast vergisst, die eigentliche Frage zu stellen: Was bewacht diese Bruderschaft denn eigentlich wirklich? Nicht der Logenvater aus der Provinz, nicht der Stadtrat, der hofft, zwischen Gott und Winkelmass neue Wähler zu finden, nicht der Kaufmann, der das Netzwerk schätzt und die Abende ohne Ehefrau. Diese unteren Grade der Einweihung sind das äussere Gewand – das Exoterische, das Sichtbare. Sie sind der Vorhang, nicht das Heiligtum dahinter.
Hinter dem Vorhang aber – in jenen höchsten Graden, wo sich Logen mit Orden und Orden mit Machtstrukturen überschneiden, wo Kandidaten bereits auf jesuitisch geführten Universitäten ausgewählt, über Jahrzehnte geformt und durch Rituale zum Schweigen verpflichtet werden – dort wird etwas anderes gehütet. Kein blosses politisches Netzwerk. Keine reine Verschwörung. Sondern Wissen. Altes, wirksames, kosmisches Wissen über die Mechanismen der Schöpfung.
Die Zahl, die aus der Zeit stammt
Die 33 ist nicht die Zahl der Unterdrückung. Sie ist die Zahl der Meisterschaft.
Im Hinduismus strukturieren 33 Gottheiten die vollständige göttliche Ordnung des Kosmos. In der Kabbala korrespondieren 33 Wege der Weisheit mit der Strukturierung der Schöpfung durch das göttliche Wort. Im jüdischen Kalender markiert der 33. Tag des Zählens des Omer den Aufstieg des spirituellen Lichts. Der muslimische Gebetsrosenkranz trägt traditionell 33 Perlen – jede ein Gottesname, jede ein Schritt zur göttlichen Einheit. Im Buddhismus bezeichnet die 33 die höchste Himmelsebene, die noch direkt mit dem Weltenberg Meru verbunden ist, dem Achsenpunkt des Universums. In den Anden der Inka gilt 33 als Gesamtharmonie, als die Zahl, die alles zusammenhält.
In der Alchemie – jener Kunst, die niemals nur von Blei und Gold sprach, sondern stets vom Menschen selbst – muss die Seele durch 33 Stufen der Prüfung gehen. Das Blei ist die rohe, instinktgesteuerte Natur. Das Gold ist das erleuchtete göttliche Bewusstsein. Die 33 Stufen sind keine Hierarchie der Macht über andere. Sie sind eine Karte der inneren Evolution – den Beleg, dass der Mensch kein fertiges Wesen ist, sondern ein Projekt in Verwandlung.
Diese Zahl gehört der Menschheit. Sie wurde von den Logen eingehegt, monopolisiert, für fremde Zwecke instrumentalisiert – und dann als Erkennungszeichen des Bösen in den Volksmund gespült, damit niemand sie mehr berühren will. Ein doppelter Diebstahl: Erst das Wissen nehmen. Dann die Leute davon überzeugen, es nicht zurückzuwollen.
Baphomet, Synkretismus und der Vatikan als Begriffswächter
Das Symbol des Baphomet erzählt dieselbe Geschichte. Diese Figur – Ziegenkopf, menschlicher Oberkörper, weibliche Brüste, Schwingen, ausgestreckte Hände in dem Gestus des indischen Pranayama-Mudra – wurde nicht von Teufelsanbetern erschaffen. Sie wurde von der römisch-katholischen Kirche konstruiert: Ein Werkzeug der Inquisition, zusammengesetzt aus heidnischen Elementen, die man dem Templerorden unterschob, um dessen Vernichtung zu rechtfertigen. Cernunnos, der keltische Herr der Tiere und der Unterwelt. Pan, der Gott der Wildnis und der Herden. Die Grüne Frau, die in vielen heidnischen Traditionen die Vereinigung der Gegensätze verkörpert. All diese Kräfte wurden in ein Feindbild gegossen – und die Menschheit lernte, sich vor dem eigenen Erbe zu fürchten.
Denn «Satanismus» ist kein universeller Begriff. Er ist ein katholischer Kampfbegriff. Er bezeichnet die Rebellion gegen den Gott des Vatikans. Ausserhalb dieses geschlossenen Weltbildes existiert er nicht. Jüdischer Satanismus, muslimischer Satanismus, heidnischer Satanismus – das sind sprachliche Unmöglichkeiten. Wer das Wort unreflektiert benutzt, denkt im Begriffsrahmen Roms. Er beschreibt die Welt durch ein Fenster, das ein anderer für ihn eingesetzt hat.
Wyrd und die Eigenverantwortung als ältestes Gesetz
Im germanisch-nordischen Weltbild trug das Gesetz von Ursache und Wirkung einen anderen Namen: Wyrd. Nicht das fernöstliche Karma als kosmisches Buchführungssystem über viele Leben hinweg, sondern das lebendige, sich stetig webende Gewebe der Gegenwart. Wyrd ist eng mit Örlög verbunden – dem Urgesetz, das aus dem Anfang der Zeit stammt, dem Schicksal nicht als Verhängnis, sondern als Konsequenz. Im Deutschen lebt dieses Konzept im Verb «werden»: Handlungen in der Gegenwart werden zu etwas. Sie weben das Netz weiter, über die eigene Existenz hinaus, in die Generationen.
Radikale Eigenverantwortung ist ein zutiefst heidnisches Konzept. Es braucht keine Beichtformel, keinen Ablass, keine äussere Autorität, die Schuld tilgt oder Absolution erteilt. Es braucht nur das Bewusstsein: Was ich tue, wird zu etwas. Das ist Metaphysik ohne Priester.
Die Rückholung
Symbole, Zeichen, Zahlen – sie sind neutrale Brücken in eine Wirklichkeit, die unter der sichtbaren liegt. Ihre Wirkung entscheidet nicht ihre Form, sondern die Absicht, mit der sie geführt werden. Dieselbe Zahl, die in einer Loge zur Konsolidierung von Macht benutzt wird, kann in den Händen eines wachen Menschen zur Karte der eigenen inneren Architektur werden. Dasselbe Symbol, das zur Abschreckung des Gewöhnlichen eingesetzt wurde, kann zum Schlüssel seiner Befreiung werden.
Die Freimaurer haben dieses Wissen nicht erschaffen. Sie haben es gehütet – und dabei eingeschlossen. Der erste Schritt zur Rückholung ist nicht Wut. Er ist Erkenntnis. Was man nicht kennt, kann man nicht zurückfordern. Was man fürchtet, überlässt man denen, die es benutzen wollen. Das Wissen war immer da. Es wartet…
Es gibt Handelsabkommen, die man ablehnen kann, weil man die Wirtschaftsphilosophie dahinter nicht teilt. Es gibt Abkommen, die man kritisieren kann, weil die Verhandlungen unausgewogen waren oder die Interessen bestimmter Branchen zu wenig berücksichtigt wurden. Und dann gibt es das EU-Mercosur-Abkommen – ein Konstrukt, das man ablehnen muss, weil es schlicht das ist, was es ist: Ein Betrug am europäischen Verbraucher, verpackt in den Hochglanzprospekt des globalen Freihandels.
Die Fakten sind so klar, dass man sie eigentlich nicht mehr kommentieren müsste. Am 1. Mai 2026 trat die erste Phase des Abkommens in Kraft. Die Kommission hatte versprochen, es würden über sechs Jahre insgesamt 99’000 Tonnen zollfreies Rindfleisch aus den Mercosur-Staaten importiert werden dürfen – eine Menge, die man als «moderat» verkaufte, als «kontrolliert», als «verträglich für den europäischen Markt». Was tatsächlich passierte: Am ersten Tag strömten fast 60’000 Tonnen zollfrei herein. Sechzig Prozent der angeblichen Sechsjahresquote, in vierundzwanzig Stunden.
Gleichzeitig wurde der bisherige Zoll von zwanzig Prozent auf null gesenkt. Nicht schrittweise. Nicht über einen Übergangszeitraum. Auf null. Das Ergebnis: Importfleisch, das plötzlich deutlich billiger ist als europäisches, das unter strengen Tierschutz-, Umwelt- und Lebensmittelsicherheitsstandards produziert wurde. Standards, die Kosten verursachen. Standards, die der Importware nicht auferlegt werden. Das ist nicht Freihandel. Das ist Wettbewerbsverzerrung mit behördlichem Segen.
Aber die Konditionen sind noch nicht das Perverseste an dieser Geschichte. Das Perverseste ist das Timing und die Methode. Die entscheidenden Änderungen – jene, die aus einem schon problematischen Abkommen eine regulatorische Katastrophe machen – wurden am 22. April 2026 beschlossen. Neun Tage vor Inkrafttreten. Still. Im Hinterzimmer. Ohne öffentliche Ankündigung. Ohne Information der betroffenen Mitgliedstaaten. Die Verbraucher, deren Gesundheit und Ernährungssicherheit auf dem Spiel stehen, wurden als letzte – oder gar nicht – informiert.
Das ist die Arbeitsweise einer Institution, die weiss, dass das, was sie tut, bei Licht betrachtet nicht standhält. Wer transparent handelt, handelt am Tag. Wer am 22. April handelt, damit am 1. Mai Fakten gelten, die vorher hätten diskutiert werden müssen, handelt aus einem Grund: Weil die Diskussion unerwünscht war.
Und der Grund für das alles? Laut der Begründungslogik der Kommission: Freihandel, Wirtschaftswachstum, Partnerschaft. Die reale Begründungslogik, die zwischen den Zeilen sichtbar wird: Deutsche Exportinteressen. Die deutsche Automobilindustrie und andere Exportsektoren profitieren vom Marktzugang zu den Mercosur-Staaten. Das europäische Landwirtschaftsmodell – und besonders jenes der kleineren, agrarisch geprägten Mitgliedsstaaten – bezahlt den Preis dafür. Das Abkommen ist, in seiner Struktur, eine Umverteilung: Von den Bauern und Verbrauchern zu den Exportkonzernen.
Dazu kommt die Lebensmittelsicherheitsfrage — und hier verlässt man endgültig den Bereich des Politisch-Diskutierbaren und betritt den Bereich des schlicht Inakzeptablen. Die EU-Kommission selbst hat festgestellt, dass Brasilien die Qualität und Sicherheit seiner Lebensmittelexporte nicht ausreichend kontrolliert. Gleichzeitig hat die Kommission auf eigenen Wunsch die Entscheidungsgewalt darüber abgegeben, welche Unternehmen aus Mercosur-Staaten Lebensmittel in die EU importieren dürfen.
Das ist keine Fahrlässigkeit. Das ist eine bewusste Entscheidung. Eine Institution, die weiss, dass die Kontrolle mangelhaft ist und trotzdem die eigene Kontrollkompetenz abgibt, hat entweder aufgehört, ihren Auftrag ernst zu nehmen – oder sie hat einen anderen Auftrag, den sie nicht öffentlich kommuniziert.
Die Folgen sind bereits sichtbar, noch bevor das Abkommen vollständig greift: 62 Tonnen krebserregendes Rindfleisch aus Brasilien gelangten in die EU. Kontaminierte Sonnenblumenkerne aus Argentinien mit bis zu fünffach überschrittenen Pestizidgrenzwerten. In Polen über 600 Kilogramm mit Hormonen versetztes Rindfleisch aus Uruguay. Das sind keine hypothetischen Risiken. Das sind aktuelle Vorfälle – Vorfälle, die zeigen, was bereits im bestehenden System durchsickert, bevor die Schleusen mit dem Abkommen vollständig geöffnet werden.
Europäische Bauern unterliegen einem der weltweit strengsten Regulierungsregime. Pestizidgrenzwerte, Antibiotikarestriktionen, Hormoneinsatzverbote, Tierschutzauflagen, Umweltstandards, Dokumentationspflichten – das alles kostet Geld, erhöht die Produktionskosten und macht europäisches Fleisch teurer als südamerikanisches. Das ist nicht das Problem. Das ist das Ergebnis einer politischen Entscheidung, diese Standards zu setzen. Das Problem entsteht, wenn man Importware, die diesen Standards nicht entspricht, zollfrei auf denselben Markt lässt und die Konsequenz «Marktverdrängung europäischer Produzenten» als unvermeidbaren Kollateralschaden des Freihandels behandelt.
Es gibt nur eine angemessene Antwort auf dieses Abkommen: Vollständige Ablehnung. Rechtlich, durch den Europäischen Gerichtshof, der prüfen muss, ob die Art des Zustandekommens – Hinterzimmerbeschlüsse neun Tage vor Inkrafttreten, ohne Beteiligung der Mitgliedstaaten – mit europäischem Recht vereinbar ist. Politisch, durch Mitgliedstaaten, die ihre Bevölkerung nicht als Versuchskaninchen für ein Exportmodell zur Verfügung stellen wollen, das andere bezahlen. Und durch Verbraucher, die das Recht haben, zu wissen, was auf ihrem Teller liegt – und unter welchen Bedingungen es produziert wurde.
Eine Kommission, die am 22. April beschliesst, was am 1. Mai gilt, hat aufgehört, ein demokratisches Organ zu sein. Sie ist ein Verwaltungsapparat im Dienst von Interessen, die sie nicht offenlegt. Guten Appetit – und prüft besser die Herkunftsangaben…
Es ist eine Kunst. Nicht jede Redaktion beherrscht sie, aber das SRF hat sie über Jahre perfektioniert: Die Kunst, wochenlang über etwas zu berichten, das bereits erledigt ist, um ja nicht über etwas berichten zu müssen, das noch brennt. Patrick Fischer, ehemaliger Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, hat an den Olympischen Spielen 2022 ein falsches Covid-Zertifikat verwendet. Er hat seine Strafe bezahlt. Er hat sich öffentlich entschuldigt. Der Fall ist, juristisch gesprochen, abgeschlossen. Nicht beim SRF. Dort wurde der Fall Fischer zu einem wochenlangen Medienereignis aufgeblasen, kommentiert, eingeordnet, moralisch bewertet und nochmals kommentiert – mit einer Ausdauer, die man sich für andere Themen nur wünschen könnte.
Etwa für die Covid-Impfverträge des Bundes, die das Bundesamt für Gesundheit jahrelang unter Verschluss hielt und erst nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vollständig veröffentlichen musste. Ein Urteil, das erzwungene Transparenz über Verträge schuf, die der Staat mit Moderna und Novavax abgeschlossen hatte – Verträge, über deren Inhalt die Öffentlichkeit schlicht nicht informiert werden sollte. Man frage sich: Wie viele SRF-Sendeminuten hat dieser Vorgang erhalten? Wie viele Beiträge, wie viele Einordnungen, wie viele kritische Nachfragen an das BAG, das bis heute auf seiner Website die Impfung als «sicher» und «wirksam» bezeichnet, während die eigenen internen Protokolle – soweit sie vorliegen – ein anderes Bild zeichnen?
Die Antwort kennt jeder, der die letzten Jahre aufmerksam verfolgt hat.
Das ist kein Versehen. Das ist Selektion. Journalismus entscheidet jeden Tag aufs Neue, worüber er berichtet und worüber er schweigt. Diese Entscheidungen sind nie neutral. Sie spiegeln Interessen, Abhängigkeiten, institutionelle Loyalitäten und manchmal schlicht die Angst, ein Narrativ zu beschädigen, das man selbst jahrelang mitgetragen hat. Wer lange Zeit die frohe Kunde verbreitet hat, dass die Impfung unbedenklich, effektiv und gesellschaftliche Verpflichtung sei, steht nun vor einer gewaltigen Herausforderung, da er nun zugeben müsste, dass die Verträge nur auf gerichtlichen Druck hin veröffentlicht wurden, da die Behörde sie freiwillig niemals herausgerückt hätte.
Die Alternative: Patrick Fischer. Ein Sporttrainer, ein falsches Zertifikat, eine bereits abgeleistete Strafe. Moralisch einwandfrei aufzubereiten, klar konturiert zwischen Gut und Böse, ohne dass irgendjemand in der Redaktion sein eigenes Verhalten der letzten fünf Jahre infrage stellen müsste.
Bemerkenswert dabei ist, was in den Kommentarspalten passiert – jenem letzten verbliebenen Ort, an dem die Leserschaft noch ungefilterter Meinung ist als die Redaktion darüber. Dort solidarisiert sich ein erheblicher Teil der Leserschaft mit Fischer. Nicht nur jene, die das Zertifikatsystem von Anfang an ablehnten. Auch Geimpfte schreiben: «Im Rückblick hat Fischer alles richtig gemacht.» Das ist kein Randphänomen. Das ist ein Kippsignal. Das sind Menschen, die das offizielle Narrativ gegen ihre eigene Erfahrung abgleichen – und feststellen, dass die Rechnung nicht aufgeht. Die Redaktion bemerkt das. Und berichtet weiter über Fischer.
Dann sind da noch die Epstein-Akten. Dokumente, die in den USA schrittweise veröffentlicht wurden und die Verstrickungen einer kriminellen Elite in systematischen Kindesmissbrauch und Netzwerke aus Macht, Erpressung und institutioneller Straflosigkeit dokumentieren. Die Reaktion vieler etablierter Medienhäuser darauf war bemerkenswert konsistent: Abwiegeln, relativieren, «Verschwörungstheorien bekämpfen». Wer die Akten ernst nahm, galt als Extremist. Wer fragte, welche bekannten Namen darin auftauchen und welche Verbindungen gezogen werden müssen, wurde in jene Schublade gesteckt, aus der kein Journalist mehr herauskommt, ohne beschädigt zu sein.
Das ist kein Zufall. Das ist eine Schutzfunktion. Nicht zum Schutz der Öffentlichkeit – sondern zum Schutz jener, über die berichtet werden müsste.
Und die RKI-Protokolle? Tausende Seiten interner Kommunikation, die zeigen, dass das Robert Koch Institut intern wusste, was es extern bestritt. Dass die Pandemiedefinitionen, die Massnahmenbegründungen, die Kommunikationsstrategien intern anders bewertet wurden als öffentlich kommuniziert. Der Whistleblower, der diese Protokolle herausgab, hätte eigentlich eine Lawine an kritischer Berichterstattung auslösen müssen. Was folgte, war ein verhaltenes Raunen in einigen alternativen Medien und weitgehende Stille in den Leitmedien.
Fischer. Immer wieder Fischer.
Das System, das hier sichtbar wird, ist nicht kompliziert. Institutionen, die fünf Jahre lang Botschaften verbreitet haben, die sich als falsch, übertrieben oder bewusst manipuliert herausstellen, haben kein Interesse an Aufarbeitung. Weil Aufarbeitung bedeutet, das eigene Versagen einzugestehen. Weil das Gesicht kosten würde, das man fünf Jahre lang als unfehlbare Stimme der Vernunft in Stellung gebracht hat. Und weil jeder ernsthafte Journalismus über Impfverträge, Epstein-Netzwerke oder RKI-Protokolle unweigerlich die Frage aufwerfen würde: Wo wart ihr, als das alles passierte?
Die Antwort ist bekannt. Man war damit beschäftigt, Andersdenkende zu diffamieren, Kritiker als Verschwörungstheoretiker abzustempeln und Fischer-ähnliche Fälle als moralische Verfehlung aufzubereiten, die dem Publikum das Gefühl geben, man habe es mit echter journalistischer Arbeit zu tun. In den Kommentarspalten bildet sich derweil eine Gegenwelt. Die Leserschaft rechnet ab – leise, sachlich, unaufhaltsam.
Das Narrativ kippt bereits. Die Redaktionen merken es als letzte…
Es gibt Entscheidungen, die man rückgängig machen kann. Und es gibt Entscheidungen, nach denen die Welt eine andere ist. Friedrich Merz, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, hat signalisiert, dass Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine geliefert werden könnten. Das System hat eine Reichweite von über 500 Kilometern. Es könnte Ziele tief im russischen Staatsgebiet treffen. Moskau hat die Konsequenzen benannt.
Kreml-Sprecherin Maria Sacharowa erklärte unmissverständlich: Ein Schlag mit diesen Raketen gegen russische Einrichtungen werde «wie eine direkte Beteiligung Deutschlands an den Kampfhandlungen» aufgefasst — «mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt.» Mit allen Konsequenzen. Das ist keine Floskel. Das ist eine Drohung einer Atommacht. Adressiert an ein Land mit 84 Millionen Einwohnern, das keinen Krieg erklärt hat, dessen Bevölkerung mehrheitlich keine Eskalation will und dessen Infrastruktur seit 1945 nicht unter Beschuss stand. Die Bevölkerung wurde nicht gefragt. Der Bundestag durfte diskutieren. Merz entschied.
Auf die scharfe Reaktion Lawrows antwortete Merz mit bemerkenswerter Logik: «Die Tatsache, dass der Aussenminister aus Russland so heftig reagiert, zeigt doch: Es scheint Russland zu Reaktionen herauszufordern.» Man liest das zweimal. Russland reagiert heftig – also macht man weiter. Die russische Drohung wird als Bestätigung der eigenen Politik gelesen. Das ist entweder brillante Chuzpe oder die Abwesenheit strategischen Denkens in einer beunruhigenden Form. Beides ist möglich. Beides ist gefährlich.
Der Taurus ist kein Gewehr. Er ist kein Panzer. Er ist ein Präzisionsmarschflugkörper mit 500 Kilometern Reichweite, der Ziele in Moskau treffen könnte – wenn er von ukrainischem Territorium aus abgefeuert wird. Russland hatte nach dem ersten Einsatz von ATACMS und Storm Shadow seine neuartige Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik auf die Ukraine abgefeuert und mit erneutem Einsatz gedroht. Die Eskalationsleiter ist dokumentiert. Jede neue Waffenkategorie löste eine Antwort aus. Der Taurus wäre eine neue Sprosse – die bisher höchste, die Deutschland je betreten hat.
Laut Merz gelten für die Ukraine keine Begrenzungen mehr beim Einsatz westlicher Waffen gegen militärische Ziele in Russland. Das ist nicht mehr Waffenlieferung. Das ist Lizenz zum Angriff auf russisches Territorium mit deutschem Gerät. Völkerrechtlich mag man das anders einordnen – Sicherheitsexperte Nico Lange widerlegte Lawrows Einschätzung aus völkerrechtlicher Sicht. Praktisch ist die Unterscheidung irrelevant, wenn die andere Seite des Konflikts über Atomwaffen verfügt und Konsequenzen ankündigt.
Das Muster dieser Politik ist dabei bemerkenswert konsistent. Jede Eskalationsstufe wurde zunächst als undenkbar erklärt, dann als möglich bezeichnet, dann vollzogen – mit der Begründung, Russland dürfe nicht gewinnen. Helme. Keine schweren Waffen. Panzer nicht. Panzer doch. Keine Langstreckenraketen. Langstreckenraketen. Kein Taurus. Taurus im Bereich des Möglichen.
Was bei Olaf Scholz noch an der Taurus-Frage scheiterte – an seiner Weigerung, Deutschland als Kriegspartei zu positionieren, die er bis zum Ende seiner Amtszeit aufrechterhielt – wird nun unter Merz als längst fälliger Schritt präsentiert. Scholz galt als Zauderer. Merz gilt als Entschlossener. Die Frage, ob Entschlossenheit in einem Konflikt mit nuklearem Eskalationspotenzial eine Tugend ist, stellt sich in der öffentlichen Debatte kaum.
Dabei ist die Ausgangslage klar: Merz erklärte im April 2026 im Bundestag, er sehe keine Notwendigkeit mehr zur Taurus-Lieferung, da die Ukraine technologisch vorangeschritten sei und «heute besser bewaffnet als je zuvor». Das ist die aktuelle offizielle Position – aber sie steht im Widerspruch zu den Signalen, die sein Kanzleramt aussendet und zur Dynamik einer Debatte, die sich ihrer eigenen Logik gemäss weiterentwickelt.
Deutschland ist nicht im Krieg. Formell. Faktisch liefert es Waffen, die auf russischem Boden eingesetzt werden können, hat die Einsatzbeschränkungen aufgehoben und sendet Signale, die Moskau – unabhängig von der völkerrechtlichen Korrektheit dieser Einschätzung – als Kriegsbeteiligung wertet.
Die Bevölkerung, die das alles bezahlt – mit Steuergeld, mit wirtschaftlicher Schwäche durch Sanktionen, mit dem Risiko, das aus dieser Eskalationsspirale folgt – wurde zu keinem Zeitpunkt gefragt. Es gibt keine Volksabstimmung über Kriegsbeteiligung. Es gibt Parlamentsdebatten, nach denen entschieden wird.
Merz appellierte wiederholt an Russland: «Es liegt in ihrer Hand, alleine in ihrer Hand, den Krieg sofort zu beenden.» Das klingt gut. Es ist auch richtig – Russland führt den Angriffskrieg. Aber ein Kanzler, der gleichzeitig Waffen mit 500 Kilometern Reichweite in Aussicht stellt und erklärt, russische Drohungen bestätigten ihn in seinem Kurs, hat den Bogen zwischen Diplomatie und Eskalationsmanagement verlassen.
Am Ende dieser Logik steht kein Frieden. Am Ende dieser Logik steht die nächste Sprosse…
Es gibt Geschichten, die zu gross sind, um sie zu erzählen. Nicht weil die Beweise fehlen – sondern weil das, was die Beweise zeigen, so fundamental das Weltbild erschüttert, dass selbst hartgesottene Rechercheure kurz innehalten und sich fragen, ob sie wirklich weiterlesen wollen. Die Epstein-Akten sind eine solche Geschichte. Und die Version, die der Mainstream erzählt – der reiche Perverse mit den berühmten Freunden und der privaten Insel – ist nicht die Story. Sie ist die Ablenkung von der Story.
44’000 Dokumente. Dreieinhalb Millionen Seiten in der vollständigen DOJ-Veröffentlichung. Tucker Carlson verbrachte zwei Stunden damit, mit Carol zusammenzusitzen und über Menschenhandel, Geheimdienstverbindungen und Finanznetzwerke zu sprechen. Alles korrekt, alles relevant – und alles an der Oberfläche. Was niemand systematisch durchsucht hat, ist das, was Epstein tatsächlich aufbaute. Nicht mit wem er schlief. Nicht wen er erpresste. Sondern was die Infrastruktur, das Geld und die Wissenschaftler zusammen ergeben, wenn man sie nebeneinanderlegt. Das Ergebnis ist verstörend.
Beginnen wir mit dem Geld, weil Geld nie lügt. Die Southern Trust Company, registriert auf den Amerikanischen Jungferninseln, Alleineigentümer Jeffrey E. Epstein – gegenüber der Deutschen Bank als DNA-Analyse-Unternehmen deklariert, mit einem erwarteten Jahresumsatz von zehn Millionen Dollar. Kein Labor, kein Wissenschaftler auf der Gehaltsliste, keine Forschung. Die DNA-Analyse war eine Fiktion – eine «qualifizierende Geschäftstätigkeit» für Steueranreize. Durch dieselbe Briefkastenfirma flossen 167 Millionen Dollar zwischen Leon Black von Apollo Management, der Edmund de Rothschild Bank in Genf und Peter Thiels Vallar Ventures. Ein verurteilter Sexhändler als Finanzintermediär zwischen den grössten Private-Equity-Strukturen der Wall Street und dem einflussreichsten Risikokapitalgeber des Silicon Valley. Niemand erklärte das bisher vollständig.
Das Geld floss aber auch in eine andere Richtung. Die Cook Foundation, eine von Epsteins gemeinnützigen Organisationen, überwies 125’000 Dollar an das Singularity Institute for Artificial Intelligence — heute bekannt als MIRI, eine Organisation, die sich dem Aufbau künstlicher allgemeiner Intelligenz widmet. 20’000 Dollar an die Worldwide Transhumanist Association. 100’000 Dollar an Ben Goertzel, einen der führenden AGI-Forscher der Welt. 200’000 Dollar an Joseph Takahashi, einen Forscher, den George Church — Harvards führender CRISPR-Pionier — Epstein persönlich vorstellte, und der seine eigenen Stammzellen mit CRISPR editierte. Genetik, künstliche Intelligenz, Transhumanismus, Lebensverlängerung, Genomeditierung. Alles finanziert. Alles dokumentiert. Alles ignoriert.
Dann sind da die Kalender. Am 6. Mai 2018, in einem einzigen Gebäude an einem einzigen Tag: Martin Nowak, Leiter des Harvard Program for Evolutionary Dynamics, um 9 Uhr. Eine Gruppe vom MIT einschliesslich des Open Agriculture-Forschers Caleb Harper um 11:30 Uhr. Joscha Bach, KI- und Bewusstseinsforscher, um 15 Uhr. Leonid Peschkin — Harvard-Forscher für Entwicklungsbiologie und Einzelzell-Genomik, spezialisiert auf embryonale Entwicklung — um 16 Uhr. Abendessen mit Larry Summers, ehemaliger US-Finanzminister, um 18 Uhr. Das gleiche Muster wiederholt sich im Oktober: Krebsgenetikerin vom Massachusetts General Hospital, erneut Joscha Bach, erneut Larry Summers. Epstein hatte eine persönliche Schlüsselkarte für das Institut. Als die Schlösser gewechselt wurden, schickte ihm das Personal neue Schlüssel nach Hause. Unbeaufsichtigter, dauerhafter Zugang zum Genetikforschungslabor einer der renommiertesten Universitäten der Welt.
Am 2. August 2018 findet ein Treffen statt, das im Kalender als «Designer Babies» vermerkt ist. Brian Bishop, Biohacker und CRISPR-Befürworter, präsentiert wenige Tage später schriftlich sein Ziel: Die erste Lebendgeburt eines menschlichen Designerbabys – und möglicherweise eines menschlichen Klons – innerhalb von fünf Jahren. Budget: 1,7 Millionen Dollar pro Jahr plus eine Million für den Laboraufbau. Epsteins Antwort lautet sinngemäss: Kein Problem mit der Investition – solange sein Name nicht daraufsteht. Bishop offeriert Anonymität und Abstreitbarkeit. Sechs Tage nach dem «Designer Babies»-Treffen: Ein Treffen mit den «Egg People», den Eizellenleuten. Elf Tage später wird eine Frau aus Manchester nach New York geflogen und an eine Fruchtbarkeitsklinik verwiesen.
Und dann ist da das Opfer, das in einem Rail-Fence-Cipher schreibt – einem Transpositionscode, bei dem abwechselnde Buchstaben auf zwei Zeilen verteilt werden. Das DOJ hatte Kryptoanalytiker, die es entschlüsselten, und fügte dem Dokument eine Klartext-Übersetzung bei – ohne zu erklären, dass es sich um Geheimschrift handelte, und ohne zu erwähnen, dass der Code mit «Tod» endet. Was die Entschlüsselung ergibt: «Ich bin nicht dein persönlicher Brutkasten. Wo ist mein Baby? Wo ist Jane?» Ein Opfer, das in Geheimschrift schreibt, impliziert Training. Eine Operation. Das Opfer beschreibt weiter: Selektion nach Haarfarbe und Augenfarbe. Die Überzeugungsversuche, dass dies richtig sei. «Überlegener Genpool.» Sie nennt es selbst: «Das fühlt sich sehr nazihaft an.»
Nun die Verbindung, die den gesamten Kreis schliesst. Anne Wojcicki, Gründerin von 23andMe – dem Unternehmen, das genetische Profile von Millionen Menschen gesammelt hat – war nachweislich mit Epstein verbunden. Ein Opfer traf sie auf Epsteins Insel. In den Akten findet sich eine E-Mail, in der Epstein unter der falschen Identität «Rashid Epstein» DNA-Kits für Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, den Herrscher von Dubai, registriert. 23 Kits, verschickt über JFK Terminal, Tür auf für Emirates-Flug 202 nach Dubai.
Was ergibt sich, wenn man diese Teile zusammenfügt? 23andMe liefert genetische Profile von Millionen Menschen – Trainingsdaten. Palantir liefert Mustererkennung über riesige Datensätze – Merkmalsselektion. Microsoft liefert Cloud-Computing und KI-Rechenleistung – das rechnerische Rückgrat zur Verarbeitung genomischer Daten. George Churchs Labor liefert CRISPR – das Editierwerkzeug. Sobald die KI identifiziert, was verändert werden soll, kann das Labor es verändern. Silicon Valley finanziert die Operation nicht. Silicon Valley ist die Operation.
Das ist keine Verschwörungstheorie. Das sind Dokumente mit EFTA-Nummern, überprüfbar, öffentlich zugänglich, von niemandem methodisch zusammengeführt – bis jetzt. Was Epstein aufbaute, war keine Perversionsfantasie eines narzisstischen Milliardärs. Es war Infrastruktur: Briefkastenfirmen, Fruchtbarkeitsärzte, Eizellentnahme, CRISPR-Finanzierung, KI-Förderung, internationale Transportrouten für Frauen aus der Ukraine, Russland und Belarus über Paris – und Harvards Genetiklabor mit einer Schlüsselkarte am Ende der Pipeline.
Drei Ebenen. Persönliche Vergehen – das ist, was vor Gericht kam. Erpressung durch Überwachung – das ist die Geheimdienstoperation. Und die Genetikpipeline – das ist das, worüber niemand spricht.
Der erste Film, der je gedreht wurde, 1896 auf der Pariser Weltausstellung, handelt vom Verkauf von Babys aus Kohlköpfen. Auf derselben Ausstellung wurden Babyinkubatoren präsentiert, modelliert nach Hühnerbrütern. Von 1854 bis 1929 wurden über 200’000 amerikanische Kinder auf «Orphan Trains» verladen — 72 Prozent von ihnen hatten mindestens ein lebendes Elternteil. Namen geändert, Unterlagen vernichtet, Identitäten ausgelöscht.
Dieselbe Operation. Anderes Jahrhundert. Die einzige Variable, die sich geändert hat, ist die Technologie.
44’000 Dokumente. Dreieinhalb Millionen Seiten. Eine Person. Eine Woche. Das war erst der Anfang.
Es ist eine dieser Szenen, die man nicht vergisst. Markus Lanz, Novemberabend 2021, Studio, Scheinwerfer, die übliche Talkshow-Besatzung: Virologin, Journalist, Ministerpräsident. Ein Gast bringt ein Schaubild mit. Die Zahlen darin beweisen eindeutig, dass die Impfung wirkt. Der Gast liest sie falsch. Die Virologin liest sie falsch. Der Journalist liest sie falsch. Millionen Zuschauer schauen zu. Und am nächsten Morgen wissen Millionen Deutsche: Die Impfung wirkt nicht. Herzlich willkommen in einer Gesellschaft, die kollektiv zahlenblind ist – und von Leuten regiert wird, die das nicht nur wissen, sondern aktiv nutzen.
Prof. Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz, nennt das den Kern des Problems: Ärzte, Richter, Journalisten und Politiker verstehen Risiken nicht. Sie können relative und absolute Risikoreduktion nicht auseinanderhalten, sie verwechseln Grundraten und sie lösen damit – ob bewusst oder nicht – genau das aus, was das Innenministerium im Frühjahr 2020 schriftlich als Ziel formulierte: Schockwirkung.
Das Strategiepapier aus dem Bundesinnenministerium, intern längst bekannt als «Panikpapier», enthält einen Satz, der in jede Lehrveranstaltung über Krisenmanagement gehört – als Negativbeispiel. Dort steht: «Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden.» Ende des Zitats. Keine Virologen haben das geschrieben. Keine Epidemiologen. Mitarbeiter eines Ministeriums. Und Gigerenzer wusste davon nichts. Der führende Experte für Risikokommunkation in Deutschland, der Mann, der den Begriff Risikokompetenz geprägt hat, wurde nicht gefragt.
Schockangst als Staatsräson
Gigerenzers Konzept der Schockangst erklärt, was danach geschah. Nach dem 11. September 2001 mieden Millionen Amerikaner das Fliegen und fuhren stattdessen Auto. Die Folge: In den zwölf Monaten danach kamen auf den Highways etwa 1600 Menschen mehr ums Leben als im Jahresdurchschnitt – mehr als in allen vier entführten Maschinen zusammen. Gigerenzer nennt das den «Zweitschlag der Terroristen». Der geht mithilfe der Angst der Betroffenen. Kein Sprengstoff nötig.
Das Innenministerium 2020 hatte das verstanden. Wer Menschen in Schockangst versetzt, verhindert rationale Entscheidungsfindung. Wer keine rationale Entscheidungsfindung mehr betreibt, folgt Anweisungen. Wer Anweisungen folgt, fragt nicht nach Zahlen. Das System funktioniert – solange die Schockwirkung anhält.
Dass genau dieselben Mechanismen, die Panik erzeugen, langfristig das Vertrauen in Institutionen zerstören, interessierte die Verfasser des Papiers offenbar nicht. Gigerenzer kennt das Muster: Als BSE-Krise, als Rinderwahnsinn. Der deutsche Landwirtschaftsminister und die Gesundheitsministerin verkündeten damals, Deutschland sei sicher, unsere Kühe seien in Ordnung. Dann wurde die erste infizierte Kuh gefunden. Beide Minister gingen. Die Gesundheitsministerin sagte später, man habe ihr gesagt, sie solle Sicherheit vermitteln. Als hätte das je funktioniert.
Nichts ist sicher. Die einzige Ausnahme ist der Tod – und die Steuern, wobei letztere für die Reichsten der Welt inzwischen auch nicht mehr zwingend gelten, wie Gigerenzer trocken anmerkt.
Die 728-mal gefährlichere Wahrheit
Wer die Verheerungen gezielter Risikomanipulation verstehen will, braucht nur das Wurstbeispiel. Die Weltgesundheitsorganisation meldete, dass 50 Gramm verarbeitetes Fleisch täglich das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent erhöhe. Klingt drastisch. Tatsächlich steigt das absolute Risiko von 5 auf 5,9 Prozent. Wer 0,9 als relatives Risiko kommuniziert, klingt zahm. Wer es als 18 Prozent verkauft, erzeugt Schlagzeilen. Das Vertrauen in die WHO, das dabei langfristig verspielt wird, steht in keiner Pressemitteilung.
Dieselbe Methode wurde bei der Impfkommunikation angewendet. 95 Prozent Wirksamkeit – ohne die Grundraten zu nennen, ohne die absoluten Zahlen, ohne den Hinweis, dass diese Zahl aus einer einzigen Studie des Herstellers stammte. Und dann, als Geimpfte sich trotzdem infizierten und ins Krankenhaus mussten, war das Vertrauen weg. Nicht weil die Impfung versagt hatte, sondern weil man Gewissheit versprochen hatte, wo keine war.
«Impfung ist sicher. Nebenwirkungsfrei.» Gigerenzer nennt das eine Lüge. Nicht aus Hysterie, sondern aus Präzision. Nichts ist sicher. Der Beipackzettel von Aspirin listet Hirnblutungsrisiken von bis zu eins in 10’000 auf – höher als die damalige AstraZeneca-Thrombose-Rate. Diesen Vergleich hätte man der Bevölkerung anbieten können. Man tat es nicht.
Das Nudging-Paradox
Gigerenzer hat eine schlichte These: Menschen sind nicht dumm. Sie spüren, wenn sie manipuliert werden. Nudging – das staatlich verordnete Schubsen in die «richtige» Richtung, entwickelt von Verhaltensarchitekten, die den Bürger als zu lenkendes Schaf begreifen – erzeugt kurzfristig Compliance und langfristig Widerstand. In Krankenhäusern, die Augenbilder über Waschbecken hängten, um Hygieneverhalten zu fördern, stieg die Compliance kurz an – dann sank sie unter den Ausgangswert. Ärzte fühlten sich nicht ernst genommen. Der Effekt kehrte sich um.
Keine Evidenz für die Wirksamkeit von Nudging nach Korrektur für Publication Bias – so lautet der Titel einer Studie, die in den einschlägigen Behörden kaum jemand gelesen hat. Oder lesen wollte. Risikokompetenz kann gelernt werden. Gigerenzer hat es mit Viertklässlern gezeigt, mit Bundesrichtern, mit 1000 Ärzten in der Fortbildung. Es braucht keine Hochmathematik. Es braucht den Unterschied zwischen relativem und absolutem Risiko, Grundraten und den Willen, Ungewissheit auszuhalten, statt wegzudelegieren.
Was Deutschland stattdessen bekam: Täglich neue Inzidenz-Zahlen ohne Testquoten, kumulierte Todeszahlen ohne Altersstruktur, Politikerauftritte mit dem Gestus von Gewissheit in einer Situation, in der niemand Gewissheit haben konnte. Das Vertrauen in Institutionen hat sich nicht erholt. Das war vorhersehbar. Gigerenzer hatte es vorher gesagt…
Es ist offiziell. Die Diagnose steht fest. Die westliche Diskursgesellschaft leidet an einem Zustand, der in keinem Lehrbuch steht, weil er jeden Arzt, der ihn beschreiben würde, sofort zum Faschisten erklären würde: Chronische Hyper-Vigilanz. Das Abwehrsystem hat sich verselbstständigt. Es bekämpft nicht mehr Feinde — es bekämpft Vokabeln.
Das Wort «Heimat» löst Warnstufe Purpur aus. «Tradition» riecht verdächtig nach Blut und Boden. «Brauchtum» ist für die einschlägig Betroffenen nur ein schlecht camouflierter Putschversuch. Wer «Zigeunerschnitzel» denkt – nicht sagt, denkt – sitzt bereits auf der Anklagebank des kollektiven Gewissens und wartet auf sein Urteil. Das wird nicht lange auf sich warten lassen.
Das Schöne an der Hyper-Vigilanz ist ihre unerschütterliche Selbstimmunität. Diagnosen werden ausschliesslich bei anderen gestellt. Man selbst ist die fleischgewordene Objektivität, der wandelnde Kompass der moralischen Reinheit, der einzig legitime Massstab aller Dinge. Wer so durch die Welt stapft, passt vor lauter moralischem Hochmut kaum noch durch die Tür – bemerkt das aber nicht, weil die Tür für ihn selbstverständlich immer weit aufsteht. Gott öffnet sie persönlich, mit einem devoten Lächeln.
Kein Begriff illustriert diesen Verfall schöner als der deutsche Lieblingsknüppel: «Nazi». Vor zwanzig Jahren war das Wort eine echte Warnung. Ein Signal, das bedeutete: Aufpassen, da ist jemand, der es ernst meint, der gefährlich ist, bei dem der Spass wirklich aufhört. Heute ist die emotionale Reaktion auf das Wort eine andere. Man hört «Nazi» und denkt: Interessant, den möchte ich kennenlernen. Neun von zehn Mal stellt sich heraus, dass die Person eine Meinung hat, die leicht vom Einheitsbrei abweicht, oder – Gott bewahre – das falsche Schnitzel bestellt hat.
Die Inflation ist vollständig. Ein Begriff, der einmal die dunkelste Seite der europäischen Geschichte markierte, wurde so hemmungslos als Schlagstock eingesetzt, dass er heute kaum noch Reaktionen ausser mildem Gähnen erzeugt. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist die Selbstzerstörung eines Warnsystems durch Überbenutzung. Wer jeden als Wolf bezeichnet, steht irgendwann allein auf der Weide, wenn der echte kommt.
Die Therapieversuche sind bekannt und gescheitert. Kontrollierte Dosen Kontext. Ansätze von Selbstironie. Tatsächliches Nachdenken vor dem Tippen. Die Probanden verweigern die Behandlung mit einer Konsequenz, die fast Respekt verdient. Die Komfortzone der Schnappatmung ist warm, sie ist gemeinschaftlich, und sie verlangt keinerlei Eigenleistung ausser dem rechtzeitigen Aufspringen auf den nächsten Empörungszug.
Die Prognose lautet: Stabil-dramatisch. Die Skandalisierung ist Volkssport geworden, niedrigschwellig und für jeden zugänglich. Man benötigt keine Argumente, keine Belege, keine Kenntnisse des Sachverhalts. Man braucht nur den richtigen Reflex und eine Tastatur. Wer nicht reflexartig mitschreit, gilt als «unzumutbar vernünftig» und wird vom Spielbetrieb ausgeschlossen — was angesichts des Spielbetriebs kein Nachteil ist.
Das eigentliche Problem: Die echten Probleme warten. Sie warten geduldig, während die Hyper-Vigilanten den zwanzigsten Schnitzel-Nazi des Monats jagen. Sie sind nicht beleidigt. Sie wachsen einfach.
Bleib wachsam – am besten gegen alles und jeden. Ausser gegen dich selbst. Das wäre unbequem…
Man muss Google wirklich bewundern. Nicht für das, was das Unternehmen tut — sondern für die Eleganz, mit der es tut, was es tut, während die Welt glaubt, es gehe um die Suche nach Kuchenrezepten. Neueste Meldung aus Mountain View: Google hat damit begonnen, die Fotos in Google Photos systematisch zu scannen – nicht nur zur automatischen Sortierung oder Gesichtserkennung wie bisher, sondern mittels fortschrittlicher KI-Modelle, um den gesamten Inhalt der Mediathek auf Verstösse gegen Richtlinien und sicherheitsrelevante Inhalte zu prüfen.
Die KI heisst Gemini, sie ist in alle Google-Dienste integriert, sie ist immer dabei – und sie schaut sich nun also auch deine Urlaubsfotos an. Deine Familienbilder. Deine Kinderfotos. Deine intimsten digitalen Momente. Offiziell dient die Massnahme der Sicherheit. Google stehe unter wachsendem Druck von Regulierungsbehörden weltweit, illegale Inhalte schneller zu identifizieren und zu melden. Sicherheit. Das Wort, das immer dann kommt, wenn jemand Zugriff auf etwas haben möchte, für das es eigentlich keinen Grund gibt.
Das Pikante dabei: Das Feature ist laut Forbes Opt-in und soll Gemini mehr persönlichen Kontext ohne manuelle Uploads geben. Opt-in. Freiwillig. Und wer hat schon je die Standardeinstellungen seines Smartphones geändert? Wer liest die AGB, die sich seit 2. April 2026 wieder einmal still aktualisiert haben? Niemand – und das wissen sie in Mountain View sehr genau.
Es wird lokale Speicherung der Fotos und Rückzug von der Cloud empfohlen, um KI-Nutzung privater Bilder zu vermeiden. Das empfehlen die wenigen, die noch wissen, was es bedeutet, digitale Souveränität zu besitzen. Die grosse Mehrheit lädt derweil weiter brav hoch – weil es so bequem ist, weil der Speicher auf dem Telefon voll ist, weil Google One so günstig wirkt, weil man sich nie vorgestellt hat, dass die Fotos des Kindergeburtstags irgendwann durch ein KI-System laufen, das entscheidet, ob sie richtlinienkonform sind.
Aber bleiben wir kurz bei dem, was Google eigentlich ist. Die Fassade lautet: Suchmaschine. Die Realität ist: Alphabet Inc., ein Konglomerat, dessen Tentakel in Bereiche reichen, die die meisten Nutzer von Google Photos noch nie in Zusammenhang gebracht haben.
Verily Life Sciences, Ende 2015 aus Google X hervorgegangen, hat sich zum Flaggschiff von Alphabet im Gesundheitsbereich entwickelt. Das Unternehmen ging Joint Ventures und Forschungspartnerschaften mit GSK, Sanofi, Novartis, Pfizer und Johnson & Johnson in den Bereichen Arzneimittelentwicklung, Bioelektronik und Diabetes-Management-Plattformen ein. Richtig gelesen. Google – genauer gesagt Alphabet – sitzt mit GSK, Pfizer, Sanofi und Novartis am selben Tisch. Entwickelt Produkte gemeinsam mit ihnen. Verdient Geld gemeinsam mit ihnen. Und betreibt gleichzeitig die historisch grösste Suchmaschinenzensur, wenn es um impfkritische Inhalte geht.
Tatsächlich zensiert Google gesundheitsbezogene Inhalte, darunter auch unbequeme Fakten über Impfstoffe, schon seit langem – lange vor Covid-19. Könnte das daran liegen, dass Alphabet selbst enge finanzielle Verbindungen zur Pharma- und Biotech-Industrie hat? Eine rhetorische Frage, auf die die Antwort so offensichtlich ist, dass man sich fragt, warum sie überhaupt noch als rhetorisch gilt.
Der Zusammenhang ist folgender: 2016 gründeten Verily und GlaxoSmithKline das Unternehmen Galvani Bioelectronics zur Entwicklung implantierbarer bioelektronischer Geräte. Den Vorstand übernahm der ehemalige GSK-Impfstoffchef Moncef Slaoui – derselbe, der später Boardmitglied bei Moderna wurde und die Operation Warp Speed unter Trump leitete. Die Welt ist klein, wenn man weiss, wo man schauen muss.
Und Verily blieb nicht dabei. Während der Pandemie entwickelte Verily auf Wunsch der Regierung gemeinsam mit Apple Tools zur Kontaktverfolgung, Apps für Screenings am Arbeitsplatz und zur Erfassung des Impfstatus. Das Unternehmen erhielt zudem einen 38-Millionen-Dollar-Auftrag der Centers for Disease Control and Prevention für die Überwachung von Viren im Abwasser. Suchen, Zensieren, Impfen, Tracken, Abwasser überwachen – alles aus einer Hand, alles unter dem Dach desselben Konzerns, der jetzt auch deine Familienfotos durch eine KI schickt.
Das Geschäftsmodell ist dabei von geradezu brutaler Konsistenz. Google sammelt Suchanfragen – und weiss damit, was du denkst. Google sammelt Standortdaten – und weiss, wo du bist. Google scannt E-Mails – und weiss, mit wem du sprichst und worüber. Und jetzt scannt Google Fotos – und weiss, wie dein Leben aussieht. Wer in deiner Familie ist. Wie deine Kinder aussehen. Wo du warst. Was du fotografiert hast, wann und warum.
Symptome, Suchverhalten, Medikationspläne sind Informationen, die weit über klassische Konsumdaten hinausgehen. Sie erlauben tiefe Einblicke in die Privatsphäre von Menschen. Dass ein werbefinanzierter Konzern wie Google in diese Prozesse eingebunden ist, verschärft die Problematik erheblich.
Man addiere nun Bilddaten aus Google Photos, Gesundheitsdaten aus Verily Me, Suchdaten aus der Google-Suche, Standortdaten aus Google Maps, Kommunikationsdaten aus Gmail – und man erhält ein Profil, das vollständiger ist als jedes, das ein Staat je über seine Bürger geführt hat. Vollständiger, aktueller, detaillierter. Und im Besitz eines Unternehmens, das gleichzeitig mit den grössten Impfstoffherstellern der Welt Geschäfte macht und Inhalte zensiert, die diesen Geschäften schaden könnten.
Das ist kein Interessenkonflikt. Das ist Interessenidentität. Wer das Datenprofil besitzt, besitzt den Menschen. Wer den Menschen besitzt, weiss, was er ihm verkaufen kann. Und wer zensiert, was diesen Verkauf stört, schliesst den Kreis vollständig.
Google Photos ist nicht kostenlos. Du bezahlst mit dem Einzigen, das du nicht zurückbekommst: Mit deinem Leben, Bild für Bild, hochgeladen in die Cloud eines Unternehmens, das dir gleichzeitig erklärt, was du über Gesundheit denken darfst…
Die CT-Untersuchung ist das Wundermittel der modernen Medizin. In Sekunden liefert sie dreidimensionale Bilder des Körperinneren – präzise, detailliert, diagnostisch unschätzbar. Kein Arzt zweifelt daran, dass die Computertomographie Leben rettet. Täglich. Millionenfach. Die Frage, die eine 2023 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie aufwirft, ist eine andere: Rettet sie auch jene Leben, die sie durch übermässigen Einsatz gefährdet? Die Antwort ist unbequem. Und sie kommt nicht von Querdenkern oder Gesundheitsaktivisten – sie kommt aus der Wissenschaft selbst.
Was die Studie zeigt
CT-Scans liefern erheblich höhere Strahlungsdosen als konventionelle Röntgenaufnahmen. Das ist bekannt, wird aber im klinischen Alltag oft unterschätzt. Eine einzelne Thorax-CT entspricht je nach Protokoll mehreren Hundert normalen Röntgenaufnahmen in Strahlungsäquivalenten.
Die JAMA-Studie geht weiter: Die Forscher schätzen, dass die Zahl der Krebserkrankungen, die möglicherweise durch CT-Strahlung verursacht werden, erheblich höher sein könnte als bisher angenommen. Besonders betroffen: Jüngere Patienten, die noch Jahrzehnte vor sich haben, in denen sich strahleninduzierte Schäden entwickeln können – und Patienten mit wiederholter Exposition, also jene, die aufgrund chronischer Erkrankungen regelmässig gescannt werden.
Konkret genannt werden erhöhte Risiken für Leukämie, Schilddrüsenkrebs und Brustkrebs. Die Forderung der Forscher ist klar: Kritischere Indikationsstellung. Nicht weniger Diagnostik, wo sie notwendig ist – sondern erheblich weniger dort, wo sie Routine, Absicherung oder wirtschaftlicher Reflex ist.
Die Ökonomie der Überdiagnostik
Hier liegt das eigentliche Problem. Nicht in der CT als Technologie, sondern im System, das sie einsetzt. Radiologische Abteilungen sind Umsatzzentren. CT-Geräte sind kapitalintensiv – ein modernes System kostet zwischen einer und drei Millionen Euro. Die Amortisation erfordert Auslastung. Auslastung erfordert Überweisungen. Überweisungen erfordern Ärzte, die – im Zweifel – lieber ein Bild zu viel als eines zu wenig anordnen.
Das nennt sich Defensive Medicine: Die Praxis, diagnostische Massnahmen nicht primär zum Wohl des Patienten anzuordnen, sondern zur Absicherung gegen Haftungsansprüche. «Wir hätten ja eine CT machen können» – dieser Satz vor Gericht wiegt schwer. Also macht man die CT.
Hinzu kommt das Abrechnungssystem. In vielen westlichen Gesundheitssystemen gilt: Mehr Leistungen, mehr Vergütung. Die CT ist teuer, gut vergütet und schnell durchgeführt. Klinisch-logisches Denken, das zum Schluss kommt «brauchen wir nicht», ist schlechter bezahlt als das Bild, das für alle Fälle gemacht wird.
Das Ergebnis: In Deutschland werden jährlich Millionen CT-Untersuchungen durchgeführt. Ein Teil davon rettet Leben. Ein Teil davon ist medizinisch unnötig – und hinterlässt eine Strahlungsdosis, die kumuliert über Jahre ein reales Risiko darstellt.
Besonders betroffen: Kinder und chronisch Kranke
Die Alarmglocke der JAMA-Studie gilt am lautesten für zwei Gruppen. Erstens: Kinder. Ihr sich entwickelndes Gewebe reagiert empfindlicher auf ionisierende Strahlung. Ein Kind, das mit zehn Jahren eine CT erhält, trägt das Risiko über Jahrzehnte. Pädiatrische Radiologie hat eigene Niedrigdosis-Protokolle entwickelt – aber die werden nicht überall konsequent angewendet. Zweitens: Patienten mit chronischen Erkrankungen, die regelmässig kontrolliert werden. Krebspatienten in Nachsorge. Entzündungspatienten mit abdominellen Beschwerden. Menschen mit neurologischen Erkrankungen. Sie alle sammeln Strahlungsdosen über Jahre – ohne dass je jemand die kumulative Gesamtbelastung berechnet und gegen den diagnostischen Nutzen aufgewogen hat.
Was verantwortungsvolle Medizin bedeutet
Die JAMA-Studie fordert keine Abschaffung der CT. Sie fordert das, was im Kern jeder medizinischen Entscheidung stehen sollte: Abwägung. Ist diese Untersuchung für diesen Patienten jetzt notwendig? Gibt es eine Alternative mit weniger Strahlenbelastung – Ultraschall, MRT, klinische Beobachtung? Hat der Patient schon Voraufnahmen, die verglichen werden könnten, statt neue Bilder zu erzeugen? Ist die Wahrscheinlichkeit eines relevanten Befundes hoch genug, um die Strahlungsdosis zu rechtfertigen? Diese Fragen sollten selbstverständlich sein. Sie sind es nicht – weil das System Anreize setzt, die in eine andere Richtung zeigen.
Was fehlt
Was in der öffentlichen Gesundheitsdebatte fehlt, ist die ehrliche Diskussion über den Unterschied zwischen medizinischem Fortschritt und medizinischer Überanwendung. CT-Scanner retten Leben. Das steht ausser Frage. Aber jedes Werkzeug hat eine Indikation – und eine Kontraindikation. Ein Skalpell, das überall eingesetzt wird, richtet mehr Schaden an als eines, das gezielt geführt wird. Die Wissenschaft sagt es. Die Studie ist publiziert. Die Forderung nach kritischerer Entscheidungsfindung liegt auf dem Tisch.
Das Bild ist gemacht.
Die Diagnose steht.
Die Frage, ob sie notwendig war, stellt niemand.
Die Strahlungsdosis bleibt trotzdem…
Es gibt eine besondere Form der Tragödie, die sich von der gewöhnlichen dadurch unterscheidet, dass sie vollständig vermeidbar gewesen wäre. Nicht durch Klugheit, nicht durch Weisheit, nicht durch historisches Lernen – die Messlatte liegt tiefer. Vermeidbar durch blosse Fähigkeit, eine Landkarte zu lesen und die letzten zwanzig Jahre eigener Militärgeschichte nicht zu verdrängen. Doch Washington hat auch das nicht geschafft. Und das Ergebnis ist das, was wir gerade beobachten: Eine Supermacht, die in Echtzeit begreift, dass sie nicht mehr die Supermacht ist, die sie zu sein glaubte.
Fangen wir mit dem Iran an. Der Irankrieg war die dümmste geostrategische Entscheidung in der Geschichte der USA – und die Konkurrenz ist brutal. Vietnam, Korea, Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen: Eine Parade von Niederlagen, die jeweils mit Luftüberlegenheit begann und mit demütigenden Abzügen endete, während die zerstörten Länder in den Händen jener verblieben, die man eigentlich besiegen wollte. Die Lektion: Keine Macht der Welt hat jemals einen Krieg ausschliesslich aus der Luft gewonnen. Jeder Krieg wurde mit Bodentruppen entschieden, denn das eroberte Gebiet muss auch gehalten werden. Das steht in jedem Militärgeschichtsbuch, das je geschrieben wurde.
Washington hat diese Bücher offenbar nicht gelesen. Oder gelesen und für irrelevant befunden, weil man ja diesmal Luftüberlegenheit hatte. Dabei hatte man die auch in Afghanistan. Und im Irak. Und in Syrien. Und in Libyen. Das Ergebnis war stets dasselbe: Keine wirkliche Kontrolle über die zerbombten Staaten, keine nachhaltige Ordnung, kein Sieg – nur Trümmer, Chaos und der nächste Krieg, der erklärt wird, während der vorherige noch nicht offiziell verloren ist.
Der Iran hat gewonnen. Nicht weil er die USA besiegt hat – sondern weil er nicht verloren hat. Das reicht. Um den Krieg zu gewinnen, braucht man bloss nicht zu verlieren. Die USA haben das Nordstream-Prinzip etabliert: Der vorsätzliche Angriff auf zivile Infrastruktur ist ab sofort eine anerkannte Kriegsoption. Was Washington dabei vergessen hatte – in einer Gedankenlosigkeit, die an Selbstmord grenzt – ist, dass die USA selbst militärische Infrastruktur und Erdölstruktur in der gesamten Golfregion besitzen. Und dass die Weltwirtschaft davon abhängig ist. Und dass sie selbst davon abhängig sind. Die strategische Logik dieser Entscheidung ist so beeindruckend leer, dass man sich fragt, ob sie überhaupt stattgefunden hat.
Parallel dazu: China. Die USA leben in dem Glauben, China sei technologisch noch nicht auf ihrem Niveau und das Zeitfenster für einen Krieg mit China schliesse sich schneller als erwartet. Das ist der grösste Irrtum, den eine Supermacht im 21. Jahrhundert begehen kann – und Washington begeht ihn täglich, mit der fröhlichen Selbstsicherheit von jemandem, der nicht weiss, was er nicht weiss. China hat seit 2014 begriffen, was gespielt wird. Der Ukrainekonflikt, der zum NATO-Krieg wurde, war der Versuch, den ersten Dominostein gegen Russland zu Fall zu bringen – und damit den engsten Verbündeten Chinas zu schwächen. Gleichzeitig sollte die Kontrolle über das Schwarze Meer erlangt werden, um die Türkei strategisch unter Druck zu setzen.
Der Dominostein Ukraine ist gefallen. In Richtung Russland. Der Druck auf die Türkei ist gescheitert. Der Iran-Krieg entwickelt sich zum geostrategischen Desaster. Und China schaut zu, lernt, rüstet und wartet. Das nennt man in der Diplomatie strategische Geduld. In Washington nennt man es vermutlich «Phase Eins».
Dann ist da noch Israel. Ein landgestützter US-Flugzeugträger, der zunehmend schwächelt und der die amerikanische politische Gesellschaft so vollständig infiltriert hat, dass Trump-Administration und demokratische Opposition in einer einzigen Frage einig sind: Israel. Immer. Ohne Bedingungen. Ohne Völkerrecht. Ohne Verhältnismässigkeit. Der Gaza-Völkermord – und es ist einer, ungeachtet der Euphemismen, die man dafür entwickelt hat – hat sprichwörtlich das Fass der Geduld mit den USA zum Überlaufen gebracht. Der gesamte islamische Kulturraum ist aufgewacht. Und das ist keine kurzfristige Stimmungslage, die sich nach einer Waffenruhe wieder beruhigt. Das ist eine historische Verschiebung.
Die Normalisierung der Gewalt läuft derweil im Hintergrund weiter, ruhig und methodisch. Staatlich angeordnete politische Morde werden geduldet. Völkermord wird zu Selbstverteidigung umdefiniert. Brutalste Zitate, in denen Menschen zu Tieren erklärt werden, finden im Feuilleton keine nennenswerte Empörung. Die EU-Charta, die Menschenrechte, das Völkerrecht: Textbausteine in Reden, Makulatur in der Praxis. Brüssel schweigt mit jener professionellen Würde, die grosses Schweigen von kleiner Feigheit zu unterscheiden versucht und damit regelmässig scheitert.
Deutschland beobachtet das Ganze mit der historischen Reflexionsfähigkeit eines Kollektivs, das aus den schwersten Verbrechen der Menschheitsgeschichte nicht das Naheliegendste gelernt hat, dass Aufrüstung, Überwachungsstaat und Einschränkung der Meinungsfreiheit keine Sicherheitsmassnahmen sind, sondern Symptome. Seit dem Patriot Act, seit Guantanamo, seit Abu Ghraib lebt die westliche Gesellschaft in einem Zustand chronischer Paranoia, in dem jeder neue Waffengang als Notwendigkeit geframed wird und jeder Kritiker als Gefahr. Das Überwachungssystem, das dagegen aufgebaut wird, richtet sich nicht gegen äussere Feinde – es richtet sich gegen die eigene Bevölkerung, die irgendwann aufhören könnte, mitzumachen.
Kriege sind das Teuerste, was ein Staat veranstalten kann. Sie fressen Ressourcen, Generationen und Gesellschaftsverträge. Die sozialen Konsequenzen kommen mit Verzögerung, aber sie kommen – und wer die Geschichte kennt, weiss, dass die Reaktion auf diese Konsequenzen nicht Reue ist, sondern Repression. Der Überwachungsstaat ist kein Begleitschaden der Sicherheitspolitik. Er ist ihre Absicht.
Israel wird am Ende von den USA fallen gelassen werden – oder der EU übergeben, so wie die Ukraine. Washington zieht sich aus dem Nahen Osten zurück, langsam und ohne es zuzugeben, Schritt für Schritt, Stützpunkt für Stützpunkt. Das Imperium retiriert. Nicht weil es bescheiden geworden wäre – sondern weil es sich verkalkuliert hat. Zu viele Dominosteine, zu wenig Geduld, zu viel Wunschdenken für Wirklichkeit gehalten.
Stell dir vor, es ist Krieg – und alle machen mit, ausser die, die gewinnen…
Medikamente, die die Genexpression verändern, wie beispielsweise Ozempic- und GLP-1-Präparate, können aufgrund ihrer Wirkung auf das Bewusstsein schwerwiegende Nebenwirkungen haben, darunter Persönlichkeitsveränderungen, emotionale Verflachung und Verlust der Lebensfreude. Aufgrund dieser Wirkung wurde der Begriff «Ozempische Persönlichkeit» geprägt.
GLP-1-Medikamente sind Teil umfangreicher Forschungsarbeiten im Bereich der Genmedizin, deren Ergebnis unter anderem die Verschlechterung der genetischen Grundlagen eines gesunden Geistes und Körpers ist, erklärt Dr. Guy Hatchard. Die Entwicklung und Verschreibung von Gen-Editing-Medikamenten, einschliesslich mRNA-Covid-Impfstoffen, ist ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung.
Von Dr. Guy Hatchard, 25. April 2026
Dies ist einer der wichtigsten Artikel, die wir veröffentlicht haben, nicht nur weil er die gegenwärtige Flut an Polypharmazie, die uns aufgezwungen wird, infrage stellt, sondern auch weil er Forschungsergebnisse zitiert, die die Grenzen der gängigen Interpretationen der Genfunktion aufzeigen. DNA wurde bisher als alleinige Quelle des Lebens betrachtet.
Genetische Theorien entwerfen ein computerähnliches Modell des Lebens, in dem unsere DNA ein autarker Speicher komplexer, codierter Information ist. Dieses Modell blendet die exekutive Rolle des Bewusstseins aus, die aus alltäglicher Erfahrung jedem offensichtlich ist – unsere Entscheidungen beeinflussen die Ergebnisse . Wie das geschieht, ist eine Frage, die die Biotechnologie weitgehend vernachlässigt hat, was zu einem unvollständigen Verständnis der Rolle von Genen und ihrer Beziehung zu unserem Selbstverständnis geführt hat. Dieser Artikel untersucht Modelle, die das Bewusstsein in das Leben einbeziehen.
Wir besitzen etwa 25.000 Gene, die Millionen spezifischer Aufgaben erfüllen. Um dieses Multitasking zu ermöglichen, arbeiten die Gene zusammen. Stellen Sie sich dazu eine Klaviatur mit 88 Tasten vor. Beim Spielen können die Tasten in Kombinationen, Sequenzen, Geschwindigkeiten und mit unterschiedlichem Druck angeschlagen werden, wodurch eine unendliche Vielfalt an Musik entsteht. Einige dieser Kombinationen und Sequenzen sind in Notenblättern und Partituren festgehalten, die im Wesentlichen Baupläne für Kompositionen darstellen. Doch dies sind längst nicht alle möglichen Werke; täglich entstehen neue Werke, die dieselben 88 Tasten nutzen. Tatsächlich werden Musikstücke nicht von Klavieren erzeugt, sondern vom menschlichen Bewusstsein, das durch den gesamten Körper wirkt.
Wie Gene kooperativ funktionieren, ist noch weitgehend unerforscht. Dieser Artikel sollte in Verbindung mit unserem Substack-Artikel «Die heilige Zelle und bewusste Gene» gelesen werden, der die zugrundeliegende Quantenstruktur von Zellen auf feineren Zeit- und Raumskalen erklärt und letztlich die Existenz von Bewusstsein selbst offenbart. Zellen sind wach. Das bewusste Herz der Zellen koordiniert das Leben, so wie das Bewusstsein des Pianisten die unendliche Vielfalt und Freude der Musik erschafft.
Medikamente, die die Genexpression verändern
Ozempic und andere GLP-1-Präparate zählen derzeit zu den meistverkauften und profitabelsten Medikamenten. Innerhalb kürzester Zeit haben sie den gesamten Markt für Gewichtsreduktionsprodukte erobert. Schätzungsweise 12 % der Erwachsenen in den USA (40 Millionen) haben bereits verschiedene GLP-1-Präparate zur Gewichtsreduktion ausprobiert. Prognosen zufolge wird die weltweite Verbreitung in den 2030er-Jahren die 150-Millionen-Marke überschreiten, was einem Umsatz von 150 Milliarden US-Dollar entspricht.
Kürzlich wurde entdeckt, dass GLP-1-Medikamente den Appetit beeinflussen, indem sie die Genexpression direkt verändern. Genexpression ist der Prozess, bei dem in der DNA gespeicherte Informationen in funktionelle Produkte, vorwiegend Proteine oder RNA, umgesetzt werden. Bekanntermaßen besitzt jeder Mensch eine einzigartige genetische Signatur. Daher hat jedes Medikament, das die Genexpression beeinflusst, unterschiedliche Auswirkungen auf Personengruppen mit bestimmten genetischen Merkmalen. GLP-1-Medikamente beeinflussen die Genexpression in Leber und Bauchspeicheldrüse. Bei den meisten Menschen verlangsamen diese Veränderungen die Verdauung, bei manchen mit einem bestimmten genetischen Profil können sie jedoch zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen. Beispielsweise entwickeln manche Menschen mit bestimmten Gensequenzen eine Alkoholunverträglichkeit. Eine Frau aus Suffolk berichtete der «Mail on Sunday» unter einem Pseudonym:
Schon ein paar Gläser Weisswein können sie jetzt unerwartet niedergeschlagen und emotional labil machen und Reaktionen auslösen, die sie kaum wiedererkennt. Und zu ihrer Scham führen diese nun zu den unerwartetsten und heftigsten Streitereien mit ihrem Mann, mit dem sie früher eine sehr glückliche Beziehung geführt hatte.
Beachten Sie die Auswirkungen auf ihre Persönlichkeit, ihr Bewusstsein. Die Washington Post titelt: «Was ist eine ‚ozemische Persönlichkeit‘ und warum fühlt sich das Leben dadurch so leblos an?» und berichtet: «Ärzte und Patienten berichten in den sozialen Medien von einer Art emotionaler Abstumpfung unter der Einnahme von GLP-1-Medikamenten.» Dies beinhaltet den Verlust von Freude am Leben, nicht nur beim Essen, sondern auch bei anderen Dingen wie Lesen, Musikhören, Tanzen, Gärtnern – oder sogar Sex. Eine Art lähmende Apathie breitet sich im Leben aus.
Die Ursache für diese belastenden psychischen Auswirkungen von GLP-1-Medikamenten ist bisher nicht geklärt. Sie liegt in der Art und Weise, wie die Medikamente die Genexpression verändern, welche eng mit unserem psychischen Zustand verknüpft ist. Eine in Nature veröffentlichte Studie mit dem Titel «Genetische Prädiktoren für Gewichtsverlust und Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten» ergab, dass Menschen mit bestimmten genetischen Profilen spezifische Nebenwirkungen und/oder keine Gewichtsabnahme durch das Medikament erfahren können.
Tatsächlich sind GLP-1-Hemmer nur eine von vielen Arten von Gen-modifizierenden Medikamenten, die in diesem Jahrhundert entwickelt wurden. Die Veränderung der Genexpression ist mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen verbunden, die unmittelbar oder im Laufe der Zeit sehr schwerwiegend werden können. Beispielsweise wurde 2023 eine neue Klasse von Medikamenten zur Reduzierung von Amyloid-Plaques eingeführt und für Demenzpatienten verschrieben, darunter die Wirkstoffe Lecanemab (Leqembi), Donanemab (Kisunla) und Aducanumab (Aduhelm). Diese Medikamente verändern die Genexpression, indem sie ein «Transkriptionsprogramm» in den Mikroglia-Immunzellen des Gehirns auslösen. Studien haben nun gezeigt, dass 20 % der Patienten lebensbedrohliche Hirnschwellungen und Hirnblutungen erleiden. Obwohl die Medikamente die Konzentration von Amyloid-Plaques reduzieren, verstärken sie häufig die Verwirrtheitssymptome. Die Reaktionen sind so extrem, dass die Behörden in Großbritannien und den USA einen Entzug der Zulassung erwägen. Ob diese Effekte reversibel sind, ist noch nicht bekannt.
Im Fall des Osteoporose-Medikaments Prolia (auch bekannt als Denosumab), das postmenopausalen Frauen mit Osteoporose und hohem Frakturrisiko verschrieben wird, ist dies jedoch bekannt. Denosumab wirkt, indem es die Expression von Genen verändert, die für den Knochenstoffwechsel verantwortlich sind. Das Medikament wurde 2010 eingeführt. Bereits 2011 warnte die neuseeländische Gesundheitsjournalistin Gillian Sanson, dass das Medikament wahrscheinlich ungesunde Veränderungen der Knochenstruktur verursachen und das Krebsrisiko erhöhen würde. Eine 2024 veröffentlichte Studie mit dem Titel «Analyse der Nebenwirkungen von Denosumab (Prolia) bei Osteoporose auf Grundlage des FDA-Meldesystems für unerwünschte Ereignisse (FAERS)» hat eine sehr hohe Rate an Nebenwirkungen des Medikaments in sage und schreibe 27 Organsystemen festgestellt. Zu diesen Nebenwirkungen zählen unter anderem ein abnormal niedriger Kalziumspiegel im Blut, eine abnorme Knochendichte, Bindegewebsschwäche, Ekzeme, Störungen des Nervensystems, psychiatrische Erkrankungen, Wirbelsäulenverformungen, Immobilität, Wechseljahresbeschwerden, ein erhöhtes Infektionsrisiko, Herzerkrankungen und Stoffwechselstörungen. Die große Bandbreite schwerwiegender Nebenwirkungen im gesamten Körper ist charakteristisch für Medikamente, die die Genexpression verändern. Anders ausgedrückt: Die grundlegende Koordination und Effektivität der Genexpression kann beeinträchtigt werden. Tatsächlich wissen wir heute, dass ein Absetzen von Denosumab nach Beginn der Einnahme nicht ohne Weiteres oder sicher möglich ist, da es irreversible Veränderungen der Genexpression hervorruft, die die Fähigkeit des Körpers zur Knochenbruchheilung beeinträchtigen – genau das Gegenteil der ursprünglich erwarteten Wirkung des Medikaments.
mRNA-Injektionen sind Teil des Trends
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neue Medikamentenklassen, die die Genexpression verändern, entwickelt und weit verbreitet verschrieben werden. Diese Medikamente weisen sehr hohe Raten an kurz- und langfristigen physiologischen Nebenwirkungen auf, die oft mit schwerwiegenden psychischen Veränderungen einhergehen. Dies ist nicht nur eine besorgniserregende Entwicklung, sondern ein Trend in der Medizin, bei dem Medikamente mit ungewisser Wirksamkeit an der Öffentlichkeit „erprobt“ werden, ohne die Patienten über die hohen Gesundheitsrisiken aufzuklären. Die oben genannten Medikamente sind keine Einzelfälle; sie sind Teil eines umfassenden Forschungsfelds, das die Genmedizin vorantreibt und dessen Folgen, wie wir uns bewusst sein sollten, eine Verschlechterung der genetischen Grundlagen von Gesundheit und Leben insgesamt beinhalten.
mRNA-basierte COVID-Impfstoffe spielen eine wichtige Rolle in diesem Trend. Die in der Bevölkerung entstandene Skepsis gegenüber mRNA-Impfungen basiert auf persönlichen Erfahrungen und Forschungsergebnissen, die die mangelnde Wirksamkeit und Sicherheit dieser sogenannten «Impfstoffe» belegen. Wöchentlich werden immer mehr Studien veröffentlicht, die die Darstellung ihrer Sicherheit und Wirksamkeit infrage stellen. Beispiele hierfür sind die Studie «A Reanalysis of the FDA’s Benefit–Risk Assessment of Moderna’s mRNA-1273 COVID Vaccine Based on a Model Incorporating Benefits Derived from Prior COVID Infection» oder die Studie «Temporal patterns of all-cause mortality among US nursing home residents across COVID-19 vaccination strata, May 2022-June 2023«. Beide Studien zeigen, dass die anfänglichen Annahmen zur Sicherheit und die Analysemethoden zu deren Bewertung strukturell unzureichend waren, um die verfügbaren Datensätze zu analysieren und fundierte Schlussfolgerungen zu ziehen.
Ich kann die Bedeutung einer Überarbeitung unseres Paradigmas der Genfunktion gar nicht genug betonen. Die Vorstellung, dass die DNA das Geheimnis des Lebens vollständig kodiert, ist so tief im kollektiven Bewusstsein verankert, dass jegliche Abweichung von diesem Paradigma beinahe undenkbar geworden ist. Artikel in den großen Medienkonzernen berichten regelmäßig, dass Heilmittel für fast alle Krankheiten mit genetischer Grundlage unmittelbar bevorstehen. Dies ist realitätsfernes Denken, das nicht nur die Realität strenger wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern auch unsere eigene Alltagserfahrung ignoriert, dass Bewusstsein oder Wahrnehmung das Leben definiert. Wie die DNA die Ausdrucksfähigkeit des Bewusstseins ermöglicht, bleibt ein Rätsel, wodurch biotechnologische Experimente das größte Risiko für die Menschheit darstellen, dem sie je ausgesetzt war. In klassischen Darstellungen des Lebens wird der menschliche Körper als ein von fünf Pferden gezogener Wagen beschrieben, die unsere fünf Sinne symbolisieren. Der Geist ist der Wagenlenker. Die Veränderung der Genexpression in dieser Analogie gleicht einem Wegelagerer, der die Pferde kapert und den Körper in eine völlig unvorhersehbare Richtung lenkt, die den Zwecken des menschlichen Geistes nicht dient. Denken Sie darüber nach: Unser Geist ist das Wertvollste, was wir besitzen. Niemand will den Verstand verlieren.
Es besteht ein dringendes Bedürfnis, die grundlegenden Annahmen des genetischen Paradigmas zu hinterfragen. Wie der Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore in seiner bewegenden Allegorie „Ankunft“ warnte ( Auszug folgt):
Einer von uns beiden sagte: «Der König der Nacht kommt.»
Wir lachten nur und sagten: «Bis morgen früh kommt niemand mehr.»
Und als die Nacht noch dunkel war, erhob sich ein lautes, nahes Trommeln.
Jemand rief allen zu: «Aufwachen, aufwachen, keine Zeit mehr verlieren!»
Wir haben einen Punkt erreicht, an dem viele hochqualifizierte Wissenschaftler begonnen haben, Daten zu sammeln, Fragen zu stellen und ihre Meinung zu äußern. Jetzt ist es an der Zeit, aufzuwachen, zuzuhören und, wie Tagore sein Gedicht beendet, „nicht länger zu zögern“.
Guy Hatchard, PhD, ist ein Neuseeländer, der früher leitender Manager bei Genetic ID war, einem globalen Unternehmen für Lebensmittelprüfung und -sicherheit (heute bekannt als FoodChain ID).

(via Exposing The Darkness)
Es gibt Haustiere. Es gibt schwierige Haustiere. Und dann gibt es Lizzie Borhen – die einzige überlebende Henne einer Herde, die sie selbst dezimiert hat. Kaltblütig. Mit Vorsatz. Ohne erkennbare Reue.
Der Künstler Stonewall Slim hat dieser Kreatur einen Delta-Blues-Rap gewidmet und ihr dabei einen angemessenen mythologischen Rahmen gegeben: Das Appalachian Folk-Genre, das sich seit Jahrhunderten an der Schnittstelle zwischen puritanischer Höllenpredigt und übernatürlichem Volksglauben bewegt. Was auf den ersten Blick wie ein skurriles Musikprojekt wirkt, ist bei näherer Betrachtung die einzig legitime künstlerische Reaktion auf ein Tier, das offenbar die Gesetze der normalen Hühnerhaltung fundamental ignoriert.
Die Fakten sprechen für sich: Lizzie überlebte jeden Mitbewohner ihres Stalls. Auf Methoden, über die der Autor mit der dezenten Formulierung «in cold blood» hinweggehe. Sie terrorisiert Kinder so konsequent, dass Gartenbesuche nur noch mit ihrer vorherigen Inhaftierung möglich sind. Sie attackiert Füsse beim Grillieren – ein Verhalten, das man als Stellungnahme zum menschlichen Freizeitverhalten interpretieren könnte. Und sie hat mehr Nächte draussen überlebt, als die örtliche Kojotenpopulation ihr zugestanden hätte. Das ist kein Huhn. Das ist eine Prüfung.
Genau darin liegt die Eleganz des gewählten Genres. Die presbyterianischen Ulster-Schotten, die Appalachia besiedelten, brachten eine calvinistische Weltsicht mit, in der die Hölle nah und das Gericht nahe war. In Geschichten wie «How Bobtail Beat the Devil» ist das Übernatürliche nie weit. Und was wäre übernatürlicher als eine Henne, die sämtliche Artgenossinnen eliminiert, Raubtiere übersteht und dabei in wohlverdienter Pension in einem Schuppen residiert, als hätte sie schlicht beschlossen, für immer zu existieren?
Stonewall Slim, der im verregneten Frühling Neuenglands filmt, während die Bäume noch kahl sind und ein seltsames blaues Licht die Morgenstunden färbt, hat offensichtlich erkannt: Manche Tiere brauchen kein Tierarzt-Zeugnis — sie brauchen ein Evangelium. Lizzie Borhen hat ihres bekommen. Und sie wird das kaum beeindrucken. Sie wird weiterhin Füsse hacken, Kinder terrorisieren und Kojoten überleben. Der Rest von uns kann das nur dokumentieren – und beten, dass sie gnädig ist… :)
Es war ein schönes Narrativ. Anthropic, gegründet 2021 von OpenAI-Aussteigern, die das Mutterhaus als zu kommerziell und zu sorglos im Umgang mit Risiken empfanden, galt als das Gewissen der KI-Industrie. Die Guten. Die Vorsichtigen. Die Prinzipientreuen. Während OpenAI Werbung schaltet und Militärverträge unterschreibt, lehnte Anthropic im Februar einen exklusiven Deal mit dem US-Militär ab – mit der Begründung, Claude könnte für Massenüberwachung und automatische Militärschläge eingesetzt werden. Dafür sei KI nicht bereit. Grosses Kino. Viel Applaus. Sehr überzeugende Selbstinszenierung.
Dann entdeckte Alexander Hanff auf seinem MacBook eine Datei, die er nicht installiert hatte, deren Installation er nicht zugestimmt hatte und von der er schlicht nichts wusste. In einem Blogpost auf thatprivacyguy.com beschreibt der Datenschutzberater, was er vorfand: Ein «Native Messaging Manifest», installiert durch die Claude-Desktop-App, das als Software-Brücke zwischen Anthropics Browser-Erweiterung und einem ausführbaren Hilfsprogramm namens «chrome-native-host» fungiert — das seinerseits dieselben Privilegien wie der angemeldete User besitzt.
Was kann diese Brücke, wenn sie aktiviert wird? Claude erhält durch das ausgeführte Programm umfangreiche Agentenfähigkeiten: Die KI kann auf Websites zugreifen, bei denen der User angemeldet ist, Daten aus Websites extrahieren und lokal speichern, animierte GIF-Bilder von User-Interaktionen im Browser aufzeichnen und Workflows über mehrere Websites hinweg durchführen – ohne dass Nutzerinnen und Nutzer dem zugrundeliegenden Mechanismus ausdrücklich zugestimmt haben.
Standardmässig ist die Brücke inaktiv. Das ist das Beruhigungspflaster. Aber sie ist vorkonfiguriert und wartet auf definierte Bedingungen, die sie aktivieren. Und das Besondere: Die App hinterlegt die Datei in den Anwendungsverzeichnissen von sieben Chromium-basierten Browsern – Google Chrome, Microsoft Edge, Vivaldi, Brave, Arc, Chromium und Opera. Diese Browser müssen nicht einmal installiert sein. Die App erstellt die nötigen Verzeichnisse dann einfach selbst. Sollte der User einen der Browser in Zukunft installieren, ist die Brücke für Claude schon vorhanden.
Man liest das noch einmal. Das System installiert Verzeichnisse für Browser, die noch nicht existieren. Es bereitet die Infrastruktur für zukünftige Zugriffe vor – still, ungefragt, von Apple digital signiert und durch Apples Notarisierungsprozess verifiziert. Das bedeutet, Apples Sicherheitsprüfung hat das durchgelassen. Was beruhigend wäre, wenn es nicht gleichzeitig bedeutete, dass das gesamte Ökosystem der «sicheren» Software-Distribution hier als Legitimierungsfolie dient.
Andere Datenschützer bezweifeln zwar, dass das Verhalten strafrechtlich relevant ist – bestätigen aber Hanffs Entdeckungen. Nach Hanffs eigener Einschätzung verstösst die Brücke gegen die ePrivacy-Richtlinie. Anthropic hat sich bislang nicht geäussert.
Nicht geäussert. Das Unternehmen, das im Januar seinen CEO auf dem eigenen Blog vor den Gefahren von KI warnen liess, das medienwirksam Militärverträge ablehnte, das seine neueste KI Claude Mythos zurückhielt, weil sie zu gut darin ist, gefährliche IT-Schwachstellen zu entdecken – dieses Unternehmen findet keinen Weg, auf die Entdeckung einer ungefragten Spyware-Brücke in seiner eigenen Desktop-App zu reagieren.
Die offizielle Erklärung lautet: Wahrscheinlich Fahrlässigkeit. Mangelnde Kommunikation zwischen Entwickler- und Datenschutz-Team. Möglicherweise ein internes Test-Feature, das versehentlich im Release verblieb. Geplante Agenten-Funktionalitäten, bei denen man vergass, den User nach Zustimmung zu fragen.
Das ist entweder die Wahrheit – was bedeutet, dass das Unternehmen, das sich als verantwortungsvollster KI-Entwickler der Welt vermarktet, intern so chaotisch ist, dass Spyware-Brücken versehentlich in Produktionsreleases landen. Oder es ist nicht die Wahrheit – was bedeutet, dass das gesamte Ethik-Narrativ genau das ist, was Narrativ bedeutet: Eine Geschichte, keine Beschreibung.
Beides ist beunruhigend. Das Erste für alle, die Anthropic als kompetenten Akteur einschätzen wollten. Das Zweite für alle anderen.
Was bleibt, ist die strukturelle Frage, die dieser Vorfall aufwirft: Wer überwacht die Überwacher? Das Unternehmen, das warnt, KI könnte zur Massenüberwachung eingesetzt werden, installiert ungefragt Software-Infrastruktur auf fremden Rechnern, die bei Aktivierung Browsersitzungen aufzeichnen, Daten extrahieren und Workflows über mehrere Plattformen hinweg durchführen kann. Die Brücke existiert. Die Kapazitäten existieren. Die Zustimmung existiert nicht.
Das Vertrauen ist eine Variable, die noch zu bestimmen ist. Anthropic könnte es wiederherstellen. Durch Transparenz. Durch eine Stellungnahme. Durch das Eingeständnis, dass zwischen dem Selbstbild als verantwortungsvolles KI-Unternehmen und dem Verhalten der eigenen Software eine Lücke klafft, die Erklärung verdient. Oder durch weiteres Schweigen. Das wäre die klarste Aussage von allen…
Es gibt Veranstaltungen, über die keine Zeitung berichtet. Nicht weil nichts passiert. Sondern weil zu viel passiert – zu viel, das nicht in das Bild passt, das die Berichterstattung von sich selbst hat. Das WHO-Symposium vom 20. April 2024 in Zürich Altstätten war so eine Veranstaltung. Über 700 Gäste. Fünfzehn Referate. Ärzte, Juristen, Datenwissenschaftler, Investigativjournalisten, ehemalige Politiker, Impfgeschädigte. Und kein einziger Beitrag in den grossen Schweizer Tageszeitungen. Man könnte das Zufall nennen. Man könnte es auch System nennen.
Im Mittelpunkt des Abends stand Katharina König. Wer sie nicht kennt, sollte das ändern. Eine Frau, die nach ihrer zweiten Corona-Injektion einen Schlaganfall erlitt, erblindete, deren Organe versagten, die Milz und Darm verlor, die zwei Jahre lang nicht essen konnte und über eine Blutbahn ernährt wurde, die zehn Operationen überstand und heute 200 Kapseln täglich nimmt – und trotzdem auf Podien steht, redet, kämpft und anderen Impfgeschädigten kostenlos Behandlungspläne zur Verfügung stellt.
Das System hat sie zuerst als «Ungeimpfte» ausgeschlossen. Dann als «schwerkranke Patientin, die sowieso demnächst stirbt» abgetan. Freunde, die sich distanzierten. Ärzte, die schwiegen. Ein Staat, der wegschaute. Und Katharina König, die trotzdem lauter wurde. Ihr Befund über die Impfcharge, die sie erhielt – EX8679 – ist dabei von einer Präzision, die jeden nachdenklich stimmen sollte, der noch nachdenklich sein will: Dieselbe Charge wurde dokumentiert in Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Hamburg verabreicht. Geografisch verteilt. Strategisch gestreut. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Zufall ist, überlässt man dem geneigten Leser.
Kein Pathologe, so König, habe bisher den Mut gehabt, die Toten aus den Krankenhäusern systematisch auf Impfschäden zu untersuchen. Nicht weil es technisch unmöglich wäre – die Einschärbung ist, wie sie erklärt, eine einfache Untersuchung. Sondern weil niemand die Konsequenzen tragen will. Wer schweigt, macht mit. Das ist ihr Satz. Er sitzt.
Dann Heiko Schöning. Investigativjournalist, der Namen nennt, wo andere Kategorien verwenden. Er beschreibt, was nach Corona als Nächstes anläuft – und es läuft bereits: CARPX, die neue Plattform für ein Bakteriennarrativ, strukturell aufgebaut wie GAVI es für Impfstoffe war. Dieselbe Architektur. Dieselben Akteure. Dieselbe Logik: Private Geldgeber spenden Millionen, Staaten legen Milliarden drauf und am Ende sitzt eine Stiftung mit Immunität vor Strafverfolgung auf dem Geld und auf den Entscheidungen.
GAVI, für alle, die sich die Mühe sparen wollen, nachzuschauen: Eine Impfallianz mit Sitz in Genf, deren Gelände Schweizer Behörden nicht betreten dürfen und deren Mitarbeiter Immunität vor Festnahme geniessen. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Völkerrecht, spezifisch ausgehandelt, damit eine private Organisation staatliche Kontrolle nicht fürchten muss. Und die neue Firma «National Resilience»? Direktoren mit CIA-Hintergrund, Milliarden in der Kasse, bestehende Produktionsstätten aufgekauft, neue im Weltmassstab gebaut – für mRNA-Wirkstoffe. Noch vor dem nächsten Narrativ. Noch vor dem nächsten Ausbruch. Noch vor dem nächsten Notfallzulassungsverfahren.
Das alles, während der WHO-Pandemievertrag Ende Mai 2024 an der 77. Weltgesundheitsversammlung in Genf unterzeichnet werden sollte – ein Vertragswerk, das nationale Souveränität in Gesundheitsfragen an eine Organisation überträgt, die zu achtzig Prozent privat finanziert wird und deren grösster Einzelspender kein gewählter Repräsentant eines Landes ist, sondern eine Stiftung. Das Schweizer Parlament hatte, als Reaktion auf Druck aus der Bevölkerung und politischen Bewegungen wie dem Aktionsbündnis Freie Schweiz, immerhin beschlossen, den Vertrag zur Kenntnis nehmen zu müssen – was die Möglichkeit eines Referendums öffnete. Eine der wenigen direktdemokratischen Sicherungen, die in diesem Kontext noch funktionierten.
Professor Stefan Hockertz, Immunologe und seit Jahren unter Beschuss für seine öffentliche Kritik an der Corona-Politik, äusserte seine Wertschätzung für die Schweiz – für jene Schweiz, die noch Meinungsfreiheit ohne Berufsverbot kombinieren kann. Die Formulierung klingt nach Lob, ist aber ein stiller Befund über den Zustand anderer Länder, in denen Ärzte, die das Falsche sagen, ihre Zulassung verlieren.
Dieter Dehm, langjähriger Bundestagsabgeordneter, gab einen Ratschlag, den er aus Jahrzehnten politischer Erfahrung destilliert hatte. Laura Grazioli, ehemalige Grüne Landrätin in Basel-Landschaft, sprach unverblümt über das, was politische Arbeit von innen bedeutet und was sie nicht bedeutet. Thomas Grieder schilderte, was die Blauzungen-Impfung 2008 seinen Kühen angetan hatte – ein Vorbote, den damals niemand ernst nahm.
700 Menschen sassen in Zürich Altstätten und hörten zu. Nicht weil sie Verschwörungstheoretiker sind — ein Begriff, der inzwischen so überdehnt wurde, dass er nur noch die Unfähigkeit seines Verwenders beschreibt, mit dem Inhalt des Gesagten umzugehen. Sondern weil sie Fragen haben, die von den offiziellen Kanälen nicht beantwortet werden.
Katharina König schloss mit einem Satz, der keine Interpretation braucht: Niemand soll still sein.
700 Menschen applaudierten. Die Presse schwieg. Dieses Schweigen sagt alles…
Alle Vorträge des WHO-Symposium am 20.4.24 in Zürich-Altstetten – insgesamt 9 Stunden:
https://www.youtube.com/live/m8RpncTupAI
Einzelne Beiträge auf Youtube:
Katharina König: https://www.youtube.com/watch?v=m8RpncTupAI&t=1156s
Philipp Kruse:https://www.youtube.com/watch?v=8zF7lMKjyMA
Prof. Dr. Stefan Hockertz: https://www.youtube.com/watch?v=Pd_4tDufaEU
Dr. Heiko Schöning: https://www.youtube.com/watch?v=gWkVzfPj_NQ
Es gibt eine ungeschriebene Regel im deutschen Medienbetrieb, die selten so offen dokumentiert wird wie in diesem Fall. Die Regel lautet: Satire ist Kunst, wenn das richtige Milieu sie produziert. Satire ist Propaganda, wenn das falsche Milieu sie produziert. Die inhaltliche Qualität, die handwerkliche Präzision, die politische Treffsicherheit – all das ist zweitrangig. Entscheidend ist der Absender.
Willy Kramer, bekannt als Snicklink, Berliner Satiriker, ehemaliger Mitarbeiter von extra 3, mitverantwortlich für die ZDFneo-Cartoonserie «Deutsches Fleisch», also durchaus systemkompatibel einsozialisiert, produzierte einen KI-generierten Clip: Donald Trump singt «Blockade, Blockade» zur Melodie von «Voyage, Voyage». Föhnfrisur, Keyboard, grosse Geste, Achtzigerjahre-Albtraum-Ästhetik. Präzise, komisch, böse. Das, was man gemeinhin als gelungene Satire bezeichnet. Was folgte, war ein Lehrstück.
Internationale Medien griffen den Clip auf. Die iranische Botschaft in Südafrika teilte ihn. Und plötzlich war aus einem deutschen Satirestück ein «globaler Deutungsfall» geworden, wie es in der höflichen Umschreibung heisst. Weniger höflich formuliert: Deutsche Redaktionen schrieben über «Propaganda», mutmassten über «Geschäftsmodelle» und stellten – ohne belastbare Belege, das sei ausdrücklich betont – implizite Nähe zu fremden Interessenräumen her. Weil ein iranisches Botschaftsprofil das Video geteilt hatte.
Halten wir diesen Moment fest. Ein Berliner Satiriker macht einen Witz über Trump. Dieser Witz wird von einer iranischen Botschaft geteilt. Daraus wird – in der Logik des deutschen Qualitätsjournalismus – eine verdächtige Nähe des Satirikers zu iranischen Interessen. Mit derselben Methodik müsste man jeden deutschen Bäcker, dessen Brot je an einen Iraner verkauft wurde, auf Staatsfeindschaft prüfen.
Aber die Logik ist natürlich eine andere. Die Logik ist: Trump darf mit Satire angegriffen werden – das ist Konsens, das ist erwünscht, das gehört zur kulturellen Selbstverständigung des progressiven Milieus. Aber Trump darf nicht auf eine Art angegriffen werden, die zu viral, zu unkontrollierbar, zu grenzüberschreitend wird. Satire, die sich nicht an die Spielregeln des Systems hält – wer darf reden, wer wird eingeladen, wer bekommt die Fördermittel, wer erscheint in den richtigen Sendungen – wird zur Gefahr. Nicht weil sie falsch ist. Sondern weil sie unkontrollierbar ist.
Das Instrument zur Kontrolle ist bekannt: Demonetarisierung. Kramer verlor nach eigenen Angaben auf YouTube die Monetarisierung. Das klingt nach einem technischen Detail. Es ist ein struktureller Übergriff. Wer nicht mehr monetarisieren kann, verliert Reichweite. Wer Reichweite verliert, verliert Produktionsmittel. Wer Produktionsmittel verliert, verschwindet. Das ist kein Zufall, das ist Design. Die Algorithmen sind nicht neutral – sie sind politisch und ihre Politik bevorzugt das Systemkonforme.
Die Frage, die Snicklinks Fall aufwirft, ist deshalb keine Frage über einen einzelnen Clip. Sie ist eine Frage über die Bedingungen, unter denen Satire heute noch existieren kann. Wer darf lachen? Wer darf über Macht spotten? Die Antwort des Systems lautet: Prinzipiell alle – aber nur innerhalb eines Rahmens, der von denselben Institutionen definiert wird, über die man spotten soll. Satire, die diesen Rahmen verlässt, wird nicht verboten. Sie wird demonetarisiert, delegitimiert und mit Andeutungen vergiftet, bis der Urheber entweder verstummt oder marginalisiert ist.
Das Perverse daran: Die lautesten Verteidiger der Satirefreiheit — öffentlich-rechtliche Redaktionen, Kabarettpreiskomitees, Feuilletonisten mit Bundesverdienstkreuz — sind dieselben, die schweigen, wenn ein unabhängiger Satiriker die Ökonomie seiner Arbeit verliert. Weil er nicht aus dem richtigen Milieu kommt. Weil er nicht die richtigen Förderanträge gestellt hat. Weil sein Witz nicht in die erwartete politische Schublade passt.
Dabei ist die Schublade die eigentliche Geschichte. Extra 3 darf Erdogan verhöhnen und bekommt dafür Staatsgelder. Snicklink verhöhnt Trump und wird demonetarisiert. Der Unterschied ist nicht die Qualität der Satire. Der Unterschied ist, wer die Verteilung kontrolliert.
Kramer reagiert auf Gegenwind, indem er weitermacht. Sein neues Filmprojekt «Dies Das Ananas» — KI-gestützt, per Crowdfunding finanziert, ausserhalb jeder Senderlogik produziert – ist die praktische Antwort auf die strukturelle Frage: Wenn das System dich nicht lässt, bau dir dein eigenes System.
Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte. Nicht der Trump-Clip. Nicht die iranische Botschaft. Sondern die Tatsache, dass ein einzelner Mensch mit KI-Werkzeugen heute Dinge produzieren kann, für die früher Redaktionen, Fördergremien und Produktionsbudgets nötig waren. Das macht ihn unkontrollierbar. Und das macht ihn verdächtig.
Satire ist willkommen, solange sie kontrolliert werden kann. Sobald sie das nicht mehr ist, heisst sie Propaganda.
Das war schon immer so. Es wird nur gerade besonders sichtbar…
Man muss es festhalten, bevor die Amnesie wieder einsetzt, die in diesem Land mit einer Zuverlässigkeit wiederkehrt, die jede Zugverbindung beschämt: Es war kein Virus, das zwischen 2020 und 2023 die Gesellschaft in etwas verwandelte, das ihr selbst fremd geworden ist. Viren existieren seit Jahrmillionen. Sie kommen, sie gehen, sie töten die Schwachen, sie verschonen die Starken, sie mutieren ins Harmlose. Das ist ihre Biographie und sie weicht nicht ab. Was abwich, war der Mensch. Oder genauer jene kleine Gruppe von Menschen, die entschieden, dass dieser Virus anders behandelt werden musste als alle vorherigen – anders als die Spanische Grippe, anders als HIV, anders als SARS 1.0, anders als die Schweinegrippe, die 2009 bereits einmal als Generalprobe diente und damals immerhin noch mit einem kläglichen Aufwacheffekt endete, als die bestellten Impfstoffmengen in Lagern vor sich hin schimmelten. Diesmal klappte es besser. Diesmal gab es kein Aufwachen.
Was wir erlebten, war kein medizinisches Ereignis. Es war ein politisches Experiment mit medizinischer Kulisse. Lockdowns, die in keinem Pandemieplan je vorgesehen waren – das RKI hatte sie ausdrücklich als kontraproduktiv eingestuft, wie seine eigenen Protokolle belegen, die ein Whistleblower 2024 veröffentlichte, vier Jahre nach dem Schaden. Maskenpflicht für Kinder in Schulen, obwohl keine Evidenz für deren Wirksamkeit im Alltag existierte und internationale Studien das damals bereits zeigten. Ausgangssperren für Ehepaare nach 22 Uhr, obwohl sie die ganze Nacht nebeneinander schlafen durften. 2G, 3G, Impfpflicht für Pflegekräfte – und all das als Demokratie deklariert, als Solidarität, als Vernunft.
Wer das infrage stellte, war kein Bürger mehr. Er war ein Covidiot. Ein Schwurbler. Ein Gefährder. Und wenn er mit dem Grundgesetz auf die Strasse ging, konnte er sicher sein, dass Polizisten mit Schlagstöcken erschienen, während die Tagesthemen am selben Tag eine Anticoronademonstration als «Rechtsextremisten-Aufmarsch» rahmten — ungeachtet der Familien, Rentner und Ärzte, die dort standen.
Karl Lauterbach erklärte die Impfung für «nebenwirkungsfrei». Das war gelogen. Er wusste es, die EMA wusste es, Pfizer wusste es. Pfizer hatte nach der Zulassung, die auf Basis eines sauberen Verfahrens erteilt worden war, die Produktionsmethode geändert – billiger, schmutziger, profitabler. Die Verunreinigungen wurden intern in eigenen Studien festgestellt. Die Fehlgeburtenrate stieg um über tausend Prozent im Vergleich zur ursprünglichen Charge. Die EMA gab trotzdem den Stempel. «Notlage» war die Erklärung. In der Logik dieses Systems bedeutet Notlage: Die Spielregeln gelten nicht mehr für jene, die sie aufgestellt haben – nur noch für jene, an denen sie angewendet werden.
Und die Gewinner? Amazon verdoppelte seinen Börsenwert. Pfizer schrieb Rekordgewinne, gleichzeitig von der Haftung freigestellt. BlackRock und Vanguard bauten ihre Positionen in allen krisenrelevanten Sektoren aus. Das Weltwirtschaftsforum sprach von einem «Great Reset» und meinte damit keine Metapher. Bill Gates wurde in den Tagesthemen als Medizinexperte gehandelt – ein Mann ohne Medizinstudium, mit Milliarden in Biontech, mit einer Stiftung, die der WHO mehr Geld gibt als die meisten Mitgliedsstaaten und mit einer Familientradition in «Family Planning», die bis zu zwangssterilisierten Amerikanern reicht und zwar legal, bis in die 1960er.
Die EMA, gegründet nach dem Contergandrama um genau diese Form von Industrie-Aufwand-Optimierung auf Kosten der Patienten zu verhindern, kannte die Geschichte. Sie kannte das Muster. Und sie winkte durch.
Die Medien? Berichteten, was ihnen gesagt wurde, synchron, ohne Abweichung. Der Ethikrat? Formulierte, was die Regierung hören wollte. Die öffentlichrechtlichen Sender? Zeigten die Grafiken der Regierung, luden die Kritiker nicht ein und wenn doch, dann vier gegen einen, mit der klaren dramaturgischen Absicht, sie zu vernichten. Der Querdenker – einst Ehrentitel für Einstein, für Alfred Herrhausen, für jeden, der ausserhalb vorgegebener Strukturen dachte – wurde zum Schimpfwort. Zur Diagnose. Zur Begründung für Berufsverbote, Strafverfahren, soziale Ächtung.
Das ist das eigentliche Vermächtnis dieser Jahre. Nicht der Virus. Der Virus war Anlass. Das Vermächtnis ist die Infrastruktur, die jetzt existiert: die Präzedenz für Grundrechtsaussetzungen, die Normalisierung digitaler Ausschlussmechanismen, die installierte Überwachungsarchitektur, die Akzeptanz staatlicher Willkür als «Fürsorge», und — am giftigsten — die kollektive Amnesie, die jetzt einsetzt, alimentiert von einer Klasse von Politikern, die keinen Untersuchungsausschuss wollen, weil sie nicht vergessen hat, was sie getan hat. Sie wollen nur, dass alle anderen vergessen.
Das Erschütterndste ist nicht, dass das passierte. Erschütternd ist, dass es so leicht ging. Dass Millionen mitmachten. Dass die Nachbarn die Nachbarn meldeten. Dass Ärzte Kollegen denunzierten. Dass Eltern ihre Kinder mit Masken in die Schule schickten und es Fürsorge nannten.
Das Virus hat die Welt nicht verändert. Der Mensch hat sich selbst verändert – und zwar in eine Richtung, die schon einmal in der Geschichte sichtbar war, mit bekanntem Ausgang. Wer das nicht sehen will, hat sich entschieden, es nicht zu sehen. Das ist eine aktive Entscheidung. Und sie hat Konsequenzen…
2019 war Harald Lesch noch Aufklärer. Vor laufender Kamera, mit erhobenem Zeigefinger und professoralem Gestus, erklärte er der staunenden Öffentlichkeit, was jeder Rohstoffexperte seit Jahren wusste: Batterieautos sind eine Umweltkatastrophe. Lithiumabbau, Kobaltminen, Energiebilanz – Lesch lieferte, sachlich, korrekt, unbequem. Dann stimmte die Kohle ihn um.
Heute dreht Deutschlands beliebtester Wissenschaftspopularist eine Rolle rückwärts, die selbst geübten Zirkusakrobaten Respekt einflössen würde. 180 Grad. Vollständig. Ohne Erklärung, ohne Entschuldigung, ohne auch nur mit der Brillenfassung zu zucken. Das E-Auto? Plötzlich Zukunft. Die Batterie? Plötzlich vertretbar. Die Argumente von 2019? Offenbar im selben Schredder gelandet wie seine Unabhängigkeit.
Lesch ist damit kein Einzelfall – er ist Symptom. Der Wissenschaftsbetrieb hat längst gelernt, dass Fördergelder, Sendezeiten und Preise eine eigentümliche Wirkung auf intellektuelle Überzeugungen entfalten. Wer zahlt, schafft an. Wer anschafft, bekommt einen Professor, der erklärt, warum das alles ganz wunderbar ist. Der Zeigefinger bleibt erhoben. Er zeigt nur noch in die falsche Richtung…
Es gibt eine Situation, die das gesamte Narrativ der letzten Jahre in einem einzigen Moment zusammenfasst. Ein jüdischer Student betritt eine pro-israelische Veranstaltung an der Rutgers University, an der auch israelische Soldaten teilnehmen, organisiert von «Students Supporting Israel» — und sagt laut, was er denkt. Er macht auf die Tötung von Journalisten aufmerksam. Auf die Tötung von Kindern. Auf die Tötung von Gesundheitspersonal. Durch die israelische Armee. In Gaza. Er sagt, Israel werde dafür irgendwann zur Rechenschaft gezogen.
Jetzt kommt das Problem. Dieser Student ist Jude. Das bedeutet, der zuverlässigste Reflexhammer des öffentlichen Diskurses – der Vorwurf des Antisemitismus – greift nicht. Man kann ihn nicht als Judenhasser bezeichnen. Man kann ihn nicht als Holocaustleugner einordnen. Man kann ihn nicht wegdiffamieren mit dem Vokabular, das sonst jeden zum Verstummen bringt, der die dokumentierten Opferzahlen aus Gaza laut ausspricht.
Was bleibt? Er ist ein «schlechter Jude». Ein «self-hating Jew». Ein Verräter an der Gemeinschaft. Ein nützlicher Idiot feindlicher Kräfte. Das ist das Repertoire, wenn Dissens aus den eigenen Reihen kommt und die üblichen Werkzeuge versagen.
Dabei tut dieser Student nichts anderes als das, was jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, längst dokumentiert hat: Die israelische Armee hat mehr Journalisten getötet als jeder andere Konflikt der jüngeren Geschichte. Ärzte, Krankenpfleger, Sanitäter wurden beschossen. Kinder sterben in einer Zahl, die selbst UN-Organisationen – nicht bekannt für übermässige Israel-Kritik – als beispiellos bezeichnen.
Das sind keine Behauptungen. Das sind Zahlen. Dokumentiert, verifiziert, von internationalen Organisationen erfasst. Wer das ausspricht, ist kein Antisemit. Wer das ausspricht, ist jemand, der lesen kann. Dieser Student hat das getan, was Zivilcourage bedeutet: Er hat in einem Raum voller Gegenwind das Offensichtliche gesagt. Laut. Auf einer Veranstaltung, auf der israelische Soldaten sassen.
Er wird dafür einen Preis zahlen. Das ist sicher. Soziale Ächtung, institutioneller Druck, das volle Programm. Aber er hat gesprochen. Und das bleibt…
Hier ist die Botschaft, von einer Transfrau, Lennon genannt, die mit ausbeuterischen sozialen Medien aufgewachsen ist und schwer darunter gelitten hat: Lasst euch nicht von den grossen Technologiekonzernen hinter der Regenbogenflagge verstecken. Die Wahrheit ist: Queere Menschen sind diejenigen, die von diesen Plattformen als Erste im Stich gelassen und zuletzt geschützt werden.
Viele schwule, transsexuelle und queere Jugendliche haben keine unterstützenden Familien und keine Schule, die sie akzeptiert. Digitale Räume erscheinen ihnen oft wie ein Rettungsanker – ein Ort, an dem sie selbst sein können. Leider basieren diese digitalen Räume häufig auf derselben Logik, die einst mit Zigaretten auf Kinder abzielte: Maximale Nutzung, minimale Verantwortung und die Ausbeutung von Verletzlichkeit. Diese Plattformen wurden nicht entwickelt, um queere Menschen zu stärken, sondern um sie abhängig zu machen und zu halten.
Im kürzlich in Los Angeles abgeschlossenen Prozess um Social-Media-Sucht fragte der Anwalt der Kläger, Mark Lanier, den Whistleblower Arturo Béjar von Meta, wie die Facebook-Führung mit dem Problem der «Sucht» umgegangen sei. Béjar antwortete: «Sie haben den Namen geändert» – genauer gesagt, sie nannten es nicht mehr «Sucht», sondern «problematische Nutzung». Er fügte hinzu: «Man durfte nicht darüber sprechen.»
Mit 13 Jahren ist Lennon in die sozialen Medien eingestiegen, genau zu der Zeit, als das iPhone zum Mittelpunkt des Lebens von Jugendlichen wurde. Nach fünf Jahren an einer staatlichen Schule, wo sie wegen ihrer vermeintlichen Weiblichkeit gehänselt wurde, besuchte sie eine Schule für darstellende Künste. Sie wandte sich Instagram, Facebook, Snapchat und YouTube zu – Plattformen, die ihr Zugang zu einer Community ermöglichten, die sie zuvor nie gehabt hatte. Doch das hatte lebensbedrohliche Nebenwirkungen, die sie damals noch nicht absehen konnte.
Online fand Lennon Aufmerksamkeit – zuerst von Kommilitonen, dann von Fremden. Als sie anfing, professionell als Tänzerin zu arbeiten, verfolgten Hunderttausende von Followern jede ihrer Bewegungen. Was sich anfangs wie Bestätigung anfühlte, wurde schnell zum einzigen Bereich, in dem sie ihren Wert sah. Lennon war so sehr damit beschäftigt, wie sie wahrgenommen wurde, dass Authentizität keine Chance hatte.
Irgendwann war es ihr egal, ob die Kommentare lobend oder gemein waren – nur noch die Klicks zählten. Sie fing an, in Toiletten zwischen Vorlesungen und Proben die Kommentare zu aktualisieren, vor dem Schlafengehen zu scrollen und lernte, sich für Algorithmen zu tarnen, die sie nicht verstand. Das Verhalten war zwanghaft. Sie wusste nicht, dass man es «süchtig machendes Design» nennt – sie wusste nur, dass sie nicht aufhören konnte zu scrollen.
Die Jagd nach Bestätigung durch den Algorithmus war nicht das einzige Risiko. Die eigentliche Gefahr lauerte oft in ihren privaten Nachrichten. Erwachsene, die sie nicht kannte, kontaktierten sie mit anzüglichen Nachrichten und Nacktbildern. Sie war erst 13 und verstand noch nicht, was Grooming bedeutete. Ihr fehlten die Worte dafür – sie wusste nur, dass die Aufmerksamkeit, die sie offline nicht fand, online plötzlich da war.
Sie weiss jetzt, dass die Plattformen und ihre Algorithmen sie diesen räuberischen Fremden ausgeliefert und ihnen ihr Profil als Köder für Interaktionen präsentiert haben.
In der Klage in Los Angeles wurde auf interne Metadaten verwiesen, die belegen, dass die Instagram-Funktion «Konten, denen du folgen könntest» aktiv pädophile Erwachsene mit Minderjährigen in Kontakt bringt: «Im Jahr 2023 empfahl dieses Tool erwachsenen Pädophilen‚ fast 2 Millionen Minderjährige in den vergangenen 3 Monaten – und 22 Prozent dieser Empfehlungen führten zu einer Folgeanfrage.»
Die Angestellten warnten die Führungsebene. Diese lehnte eine Systemreform ab und behielt die Regelung bei, nach der Täter – einschliesslich Menschenhändler – erst nach 17 Verwarnungen ihre Konten gesperrt werden.
Die Architektur dieser Plattformen brachte Lennon in Kontakt mit Erwachsenen, die in einem einsamen queeren Kind eine Chance sahen. Da queere Kinder Online-Räume nutzen, um Identität zu finden und zu überleben, sind sie das ideale Produkt: Hoch engagiert, hoch verletzlich und hochprofitabel.
Die grossen Technologiekonzerne behaupten, die Rechte queerer Kinder und Jugendlicher zu verteidigen, indem sie sich gegen Regulierungen wie altersgerechtes Design und Beschränkungen süchtig machender Funktionen wehren. In Wirklichkeit missbrauchen sie uns als Schutzschild, um sich der Verantwortung zu entziehen. Sie instrumentalisieren unsere Abhängigkeit vom Internet, um zu behaupten, jede Schutzmassnahme sei «LGBTQ-feindlich». Sie warnen Gesetzgeber davor, dass der Schutz von Kindern queere Ausdrucksformen auslöschen würde. Das ist eine Lüge – und zwar eine strategische.
In Wirklichkeit schaffen Funktionen, die jungen Menschen schaden – endloses Scrollen, Autoplay, zwanghafte Wiedergabeschleifen, auf Überwachungsdaten basierende Empfehlungssysteme, Einstellungen, die Kinder böswilligen Erwachsenen aussetzen – keine queeren Gemeinschaften. Sie erzeugen Abhängigkeit. Sie begraben ihre Identität in Algorithmen, die auf Empörung, Objektifizierung und Profit optimiert sind.
Die grossen Technologiekonzerne behaupten, die Rechte queerer Jugendlicher zu verteidigen, indem sie sich gegen Regulierungen wie altersgerechtes Design und Beschränkungen süchtig machender Funktionen wehren. In Wirklichkeit benutzen sie uns als Schutzschild, um sich der Verantwortung zu entziehen.
Queere Jugendliche brauchen keine Online-Plattformen, die vorgeben, sie im Rahmen von Pride-Kampagnen zu feiern, sie aber gleichzeitig überproportional häufig ausbeuten und Belästigungen aussetzen. Queere Jugendliche brauchen Plattformen, die ihre Sicherheit und psychische Gesundheit an erste Stelle setzen.
Lennon weiss das, weil sie es selbst erlebt hat. Erst nach einem Jahrzehnt voller Angstzustände, Suchtverhalten, algorithmischer Schädigung, Grooming und Belästigung konnte sie sich endlich von den ausbeuterischen sozialen Medien lösen. Selbst dann schien die Entscheidung unmöglich. Ein Grossteil ihrer Kindheit spielte sich online ab. Die intimsten Momente ihres Lebens – ihre Geschlechtsangleichung, ihre geschlechtsangleichende Operation und ihr Coming-out – wurden zu Content-Quellen. Das ist die Grausamkeit dieser Plattformen: Sie lehren einen, Sichtbarkeit mit Sicherheit, Interaktion mit Zugehörigkeit und Ausbeutung mit Verbundenheit gleichzusetzen.
Regulierung ist keine Bedrohung für queere Ausdrucksformen, sondern eine Voraussetzung für queere Sicherheit. Sie wird nicht alle Probleme lösen, aber sie wird das Erste und Wichtigste bewirken: Sie wird die Unternehmen, die von der Aufmerksamkeit profitieren, dazu zwingen, endlich Verantwortung für den angerichteten Schaden zu übernehmen.

(via After Babel)
Es gibt Momente, in denen die politische Klasse so unverhohlen auftritt, dass selbst geübte Zyniker kurz innehalten müssen. Nicht aus Empörung – Empörung setzt eine gewisse Überraschung voraus, und die ist längst verbraucht. Sondern aus einer Art fassungsloser Bewunderung für die Chuzpe, mit der Menschen, die noch nie einen Franken selbst verdient haben, über die Ausgabe von Billionen anderer Leute Geld abstimmen.
Das EU-Parlament hat soeben über den mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 abgestimmt. Ursula von der Leyen hatte 1,8 Billionen Euro vorgeschlagen. 1,8 Billionen. Eine Zahl, bei der jeder normale Mensch einen Moment braucht, um die Nullen zu zählen. Das Parlament – jene Institution, die sich als direkte Interessenvertretung der europäischen Bürger versteht und damit eine der dreistesten Selbstbeschreibungen der politischen Geschichte liefert – fand das ungenügend.
Ungenügend.
Die konservativ-sozialdemokratisch-liberal-grüne Einheitsmehrheit, also jenes muntere Kartell der scheinbaren Gegensätze, das sich bei grundlegenden Fragen stets zu einem einzigen, einheitlichen Ja zusammenfindet, votierte für 2 Billionen. Zehn Prozent mehr, als von der Leyen beantragt hatte. Zweihundert Milliarden obendrauf, weil 1,8 Billionen nun mal «die drängendsten Probleme unserer Zeit» nicht zu lösen vermögen.
Man muss das kurz sacken lassen. Dieselben Institutionen, dieselben Personen, dieselben politischen Familien, die Europa in den vergangenen zehn Jahren systematisch deindustrialisiert, die Energiepreise ins Unbezahlbare getrieben, die Inflation befeuert, den Mittelstand ruiniert und das Vertrauen der Bevölkerung in demokratische Institutionen auf historische Tiefstände gebracht haben – diese Leute erklären, dass sie für die Behebung der Folgen ihrer eigenen Fehlentscheidungen zusätzliche 200 Milliarden Euro benötigen.
Das ist nicht Ironie. Das ist ein Geschäftsmodell.
Wohin fliesst das Geld? Klima – jene Kategorie, unter der sich alles verstecken lässt, was keiner genaueren Begründung standhält. Ukraine – womit nicht die ukrainische Bevölkerung gemeint ist, sondern die Rüstungsindustrie, die von diesem Krieg profitiert und zufällig dieselben Lobbyisten beschäftigt, die in Brüsseler Korridoren Tee trinken. Und «Wettbewerbsfähigkeit» – das Wort, das in EU-Dokumenten immer dann auftaucht, wenn Grosskonzerne Subventionen erhalten sollen, die man dem Bürger gegenüber nicht direkt als das benennen kann, was sie sind.
Von der Leyen selbst ist in diesem Kontext eine Figur von fast literarischer Konsequenz. Ihre SMS-Korrespondenz mit Pfizer-CEO Albert Bourla über Impfstoffverträge im Wert von Milliarden wurde auf Anordnung des Europäischen Gerichtshofs als transparent offenlegungspflichtig erklärt — woraufhin die Kommission erklärte, die Nachrichten seien nicht mehr auffindbar. Verschwunden. Weg. Als hätte ein Handy nicht die Funktion der Datensicherung, die inzwischen selbst Grossmütter mit Smartphones nutzen.
Das EU-Gericht nannte das «rechtswidrig». Von der Leyen wurde dennoch wiedergewählt. Wer nach einer Begründung für diesen Widerspruch sucht, findet sie in der Grundstruktur des Systems: Wer die Milliarden verteilt, wird von jenen gewählt, die an der Verteilung teilhaben. Das ist kein Fehler im System. Das ist das System.
Woher kommen die 2 Billionen? Von den Steuerzahlern – direkt, durch Beiträge der Mitgliedsstaaten. Indirekt, durch Inflation, die das Geld entwertet, das der Bürger spart. Und durch Verzicht, wie es im Ausgangstext korrekt formuliert wird – denn jeder Euro, der in Brüssel ausgegeben wird, ist ein Euro, der für Schulen, Spitäler, Infrastruktur, Renten oder schlicht für das eigene Leben nicht zur Verfügung steht.
Das Politico-Magazin, Sprachrohr des transatlantischen Grosskapitals und von Axel Springer mitfinanziert, feierte das Votum in einem Podcast mit dem Satz: «We’re going to be spending those trillies, baby.» Auf Deutsch: Wir geben diese Billionen aus, Baby. Mit dem enthusiastischen Tonfall eines Influencers, der gerade auf Firmenkosten eine Reise nach Bali antritt.
Dieser Satz ist das ehrlichste Statement, das aus dem Brüsseler Milieu je über das EU-Budget gemacht wurde. Nicht weil er zynisch ist – Zynismus setzt eine gewisse Selbstwahrnehmung voraus. Sondern weil er vollständig authentisch ist. Diese Leute empfinden es tatsächlich als Freude, Billionen auszugeben. Und warum auch nicht? Es ist nicht ihr Geld. Es ist Deines.
Man könnte an dieser Stelle auf die Kontrollmechanismen hinweisen, die sicherstellen sollen, dass EU-Gelder zweckgemäss eingesetzt werden. Der Europäische Rechnungshof – jene Behörde, die seit Jahrzehnten jährlich Berichte vorlegt, in denen sie Milliardenmissbrauch dokumentiert, ohne dass irgendeine Konsequenz folgt. Die Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF, die Verfahren eröffnet, die sich über Jahre hinziehen, während die Beschuldigten weiter im Amt sind. Die Transparenzregister, in die Lobbyisten sich eintragen müssen und die so gestaltet sind, dass die Einträge so wenig aussagen wie möglich.
Das ist das Kontrollsystem. 2 Billionen Euro, überwacht von Institutionen, die strukturell nicht in der Lage oder nicht willens sind, wirksame Kontrolle auszuüben – und die von denselben politischen Mehrheiten mit Personal bestückt werden, die auch den Haushalt beschliessen.
Was tun? Die Frage stellt sich jedes Mal neu und die Antwort darauf ist jeweils unbefriedigender als die vorige. Nationalstaaten, die aus dem Mechanismus aussteigen wollen, werden unter wirtschaftlichen Druck gesetzt. Parteien, die das Modell grundsätzlich infrage stellen, werden als Populisten, Extremisten oder Putinversteher eingeordnet. Bürger, die protestieren, werden registriert.
Die spinnen, die EU-ler. Aber sie spinnen mit System, mit Kontinuität und mit deinem Geld.
Das Einzige, was sie wirklich fürchten, ist das Aufhören des Zahlens. Dafür gibt es noch keine Abstimmung…

(via Martin Sonneborn)
Es gibt Momente, die keine Erklärung brauchen. Einen davon lieferte eine namenlose Gebärdensprachdolmetscherin im ukrainischen Fernsehen, während Wolodymyr Selenskyj gerade wieder einmal über die wirtschaftlichen Erfolge seines Landes sprach. Wirtschaftliche Erfolge. Der Ukraine. Unter Selenskyj.
Während der Mann im olivgrünen Pullover also seine Erfolgsbilanz vortrug – in einem Land, in dem laut Transparency International die Korruption seit Jahren auf Weltklasseniveau operiert, in dem Oligarchenstrukturen unter Kriegsrecht munter weiter gedeihen, in dem Milliarden an westlicher Hilfe in Kanäle fliessen, die niemand so genau benennen möchte – formten sich die Hände der Dolmetscherin zu einem einzigen, klaren Begriff.
Lügner.
Dann hielt sie ein Blatt Papier in die Kamera. «Sie werden belogen.»
Nach wenigen Sekunden war sie aus dem Bild verschwunden. Schnitt. Weg. Als hätte sie nie existiert. Das ist, in seiner komprimierten Form, das vollständige politische Programm des Systems Selenskyj: Reden über Erfolge, Schweigen über Realitäten, Entfernen von Störenfrieden. Wiederholen.
Das Bemerkenswerte ist nicht, dass eine Frau den Mut hatte, das Offensichtliche zu sagen. Das Bemerkenswerte ist, dass sie es auf einem staatlichen Sender tat, in Echtzeit und die Reaktion des Systems – sofortiges Entfernen, kein weiterer Kommentar – so reflexhaft und geübt wirkte, als wäre das ein eingeübter Ablauf. Wer weiss, vielleicht ist er das.
Selenskyj, der Mann, dem der Westen Milliarden überweist, dem NATO-Generäle die Hand schütteln und für den Staatschefs Sondersitzungen einberufen, wird von einer Gebärdensprachdolmetscherin in drei Sekunden präziser charakterisiert als durch drei Jahre investigativen Journalismus westlicher Leitmedien.
Die Dolmetscherin hat ihren Job verloren. Selenskyj hat seinen behalten.
Das ist die Zusammenfassung des Zustands, in dem wir uns befinden: Die Ehrlichen verschwinden aus dem Bild. Die Lügner bleiben drin.
Und der Westen applaudiert weiter…
Man muss der Fedpol-Direktorin Eva Wildi-Cortés eines lassen, sie hat das Video-Statement mit bemerkenswerter Beherrschung aufgenommen. «Das macht ganz Fedpol und mich persönlich betroffen», erklärte sie in die Kamera, während im Hintergrund die Frage brannte, wie lange ein Beamter ihrer Behörde vertrauliche Daten an die organisierte Kriminalität verkauft hat, ohne dass irgendjemand es bemerkte. Betroffen. Das Wort der Stunde. Das Wort, das immer dann kommt, wenn jemand keine Antworten hat, aber trotzdem etwas sagen muss.
Die Fakten sind präzise und deshalb umso beunruhigender: Im Bundessicherheitsdienst des Bundesamts für Polizei – also in jener Abteilung, die sich um die Sicherheit von Bundesräten, Botschaften und sensiblen staatlichen Einrichtungen kümmert – sass ein Maulwurf. Nicht in der Poststelle. Nicht in der IT-Supportabteilung. Im Bundessicherheitsdienst. Er verkaufte vertrauliche Informationen. An die organisierte Kriminalität. Sechs Festnahmen total, zwölf Hausdurchsuchungen in Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Frankreich und Deutschland. Ein internationales Netzwerk, versorgt aus der Mitte des Schweizer Sicherheitsapparats.
«Erste Erkenntnisse deuten auf eine Zusammenarbeit mit der Organisierten Kriminalität hin», musste die Direktorin feststellen. Erste Erkenntnisse. Man fragt sich unwillkürlich, auf welche späteren Erkenntnisse man sich noch gefasst machen darf. Nun wäre das alles schon schlimm genug, wenn Fedpol eine Behörde wie jede andere wäre – zuständig für Jagdlizenzen oder Gewerbeanmeldungen. Ist es aber nicht. Fedpol verwaltet unter anderem Passdaten. Reiseausweise. Biometrische Informationen. Und – man erlaube an dieser Stelle einen kurzen Moment der stillen Betrachtung – Fedpol ist eine der Schlüsselbehörden für die Einführung der e-ID, jener digitalen Identität, die die Schweiz ihren Bürgerinnen und Bürgern als sicheres, modernes und vertrauenswürdiges Instrument der Zukunft verkauft.
Sicher. Modern. Vertrauenswürdig.
Ein Beamter, der Daten an die organisierte Kriminalität verkauft, hat in einer Behörde gesessen, der man in absehbarer Zeit die digitale Identität der gesamten Bevölkerung anvertrauen will. Das ist keine Pointe. Das ist der Sachverhalt.
Man kann sich vorstellen, welche Daten für organisierte Kriminelle besonders wertvoll sind: Reisepassnummern, die für gefälschte Dokumente gebraucht werden. Personendaten, die Identitätsdiebstahl ermöglichen. Bewegungsprofile, Sicherheitsprotokoll, Informationen über Schutzmassnahmen. All das liegt in jenem System, in das ein Mann mit Kriminellen im Rücken jahrelang – oder wochenlang, oder monatelang, das weiss man noch nicht – Einblick hatte.
Die offizielle Reaktion ist ein Lehrstück in institutioneller Schadensbegrenzung. Man ist betroffen. Man arbeitet eng mit der Bundesanwaltschaft zusammen. Man hat interne Massnahmen eingeleitet. Man wird Schlüsse ziehen. Man nimmt das sehr ernst. Das ist der Standardablauf. Er funktioniert in dem Sinne, dass die Schlagzeilen nach einigen Wochen verschwinden und das institutionelle Selbstbild unbeschädigt weiter existiert. Die Behörde macht weiter, der nächste Bericht wird veröffentlicht, die Parlamentsdebatte bleibt moderat und irgendwann wird die e-ID eingeführt – weil sie ja ohnehin kommen soll und weil ein einzelner Maulwurf kein Grund ist, das grosse Digitalisierungsprojekt zu hinterfragen.
Doch genau das ist die eigentliche Frage, die gestellt werden müsste, aber nicht gestellt wird: Wie kann eine Behörde, die sich als Hüterin sensibelster staatlicher Sicherheitsinfrastruktur versteht, einen Mitarbeiter im Bundessicherheitsdienst nicht bemerken, der für die organisierte Kriminalität arbeitet? Welche internen Kontrollmechanismen existieren und warum haben sie versagt? Wer führte die Sicherheitsüberprüfungen durch – und mit welchem Resultat? Und wie lange lief dieses Arrangement, bevor es auffiel?
Diese Fragen sind unbequem. Sie stellen nicht nur einen Einzeltäter infrage, sondern die Struktur, in der er tätig war. Und Strukturfragen sind in der Schweizer Behördenlogik traditionell unerwünschter als Personenfragen – denn eine Person kann man verhaften, eine Struktur muss man reformieren und Reformen sind mühsam, teuer und politisch unangenehm.
Währenddessen macht die Beamtenkorruption in der Schweiz Fortschritte, die man im internationalen Vergleich mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und düsterer Anerkennung betrachten muss. Die EU gilt seit Jahrzehnten als Mahnbild für bürokratische Selbstbedienung und institutionelle Porösität. Dass die Schweiz – das Land der stabilen Verhältnisse, des beamteten Anstands, des guten Haushalts und des geordneten Gemeinwesens – im Eilzugstempo aufzuholen scheint, ist nicht nur ein Nachrichtendetail. Es ist eine Zustandsbeschreibung.
Der gute Dorfpolizist, der mit Hausverstand und persönlicher Integrität seinen Dienst tat und dabei die Menschen kannte, deren Sicherheit er schützte – er ist nicht plötzlich verschwunden. Er wurde ersetzt. Durch Strukturen, die gross genug sind, dass der Einzelne darin unsichtbar wird. Durch Systeme, in denen Loyalität zur Institution nicht durch persönliche Bindung, sondern durch bürokratische Prozesse sichergestellt werden soll. Durch Apparate, die so komplex sind, dass niemand mehr den Überblick hat – und Komplexität bekanntlich der beste Freund jener ist, die im Verborgenen agieren.
Das Vertrauen in die Behörde ist weg. Nicht beschädigt – weg. Und Vertrauen ist wie Porzellan: Man kann es reparieren, aber die Bruchstellen bleiben sichtbar. Der Maulwurf hat nicht nur Daten verkauft. Er hat die Grundlage verkauft, auf der ein Rechtsstaat steht: Die Überzeugung, dass jene, denen man Macht und Zugang übergibt, dieses Vertrauen nicht missbrauchen.
Nun soll dieselbe Institution die e-ID verwalten. Die digitale Identität. Den Schlüssel zu allem. Betroffen. Das Wort reicht nicht…

(via Philipp Burkhardt)
Es war der 26. Dezember 2025. Während der Rest Europas das Weihnachtsessen verdaute und sich fragte, ob man wirklich noch ein Stück Zimtsterne braucht, war jemand anderes fleissiger. Ein unbefugter Akteur griff auf Eurails Netzwerk zu und transferierte Dateien aus den Systemen – zwei volle Monate, bis das Unternehmen überhaupt verstand, was in diesen Dateien steckte.k
Zwei Monate. Sechzig Tage. In dieser Zeit wurden die Daten analysiert, ausgewertet und zum Kauf angeboten. Und die betroffenen Kunden? Die sassen nichts ahnend zu Hause, buchten vielleicht den nächsten Interrail-Trip, freuten sich auf Europa – während ihre Passnummern, Geburtsdaten, Telefonnummern und Wohnsitzadressen im Darknet zum Verkauf standen und auf Telegram als Kostprobe zirkulierten. Eurail begann erst am 27. März 2026 damit, Betroffene zu informieren – drei Monate nach dem Einbruch, einen Monat nachdem die Daten bereits im Darknet aufgetaucht waren.
Die DSGVO schreibt eine Benachrichtigung innerhalb von 72 Stunden vor. Eurail benötigte 90 Tage. Man darf annehmen, dass die Rechtslage studiert, die Kommunikationsstrategie optimiert und der Schaden für das Unternehmensimage sorgfältig kalkuliert wurde. Die 308’777 betroffenen Personen kamen in dieser Rechnung offenbar etwas später dran.
Die Liste der gestohlenen Datentypen liest sich wie der Wunschzettel eines Identitätsbetrügers: Name, Geburtsdatum, Passnummer, Telefonnummer, Wohnsitzland – und in manchen Fällen auch Gesundheitsdaten, wobei Eurail bislang nicht erklärt hat, warum ein Zugticket-Anbieter überhaupt Gesundheitsdaten benötigt. Eine interessante Frage, auf die bisher keine befriedigende Antwort erfolgt ist.
Besonders pikant ist die Beteiligung des DiscoverEU-Programms der Europäischen Kommission – jenes Projekts, das 18-jährigen Europäern kostenlose Interrail-Pässe zum Kennenlernen des Kontinents schenkt. Seit 2018 wurden über 800’000 solcher Pässe verteilt und die Daten der Teilnehmer laufen durch Eurails Systeme. Junge Menschen, die der EU vertrauten, ihre Daten hinterlegt haben, Europa entdecken wollten – und deren Passnummern nun möglicherweise in kriminellen Kreisen kursieren. Ein schönes Willkommensgeschenk zum Erwachsenwerden.
Und hier beginnt die eigentliche Geschichte, die über einen Bahnticket-Anbieter weit hinausgeht.
Die Schweiz hat die e-ID eingeführt. Die digitale Identität, das elektronische Pendant zum physischen Pass, das grosse Versprechen der modernen Verwaltung: alles einfacher, alles schneller, alles vernetzt. Bankkonto, Steuererklärung, Arzttermin, Behördengänge – mit einem einzigen digitalen Schlüssel. Praktisch. Fortschrittlich. Unvermeidlich, wie man uns erklärt.
Der Eurail-Hack demonstriert mit der Eleganz eines Vorschlaghammers, was das bedeutet: Wer die digitale Identität zentralisiert, schafft einen singulären Angriffspunkt. Wer alle Schlüssel auf einem Schlüsselbund vereint, riskiert, dass beim Diebstahl dieses Schlüsselbunds alle Türen gleichzeitig offenstehen. Ein gestohlener physischer Pass ist ein ernstes Problem – aber er öffnet eine Tür. Eine kompromittierte e-ID öffnet potenziell alle.
Der Angreifer hatte Zugriff auf AWS S3-Speicherbereiche, das Zendesk-Supportsystem und GitLab-Repositories — also nicht nur Kundendaten, sondern Quellcode, Infrastruktur-Zugangsdaten und interne Kommunikation. Das ist nicht der Hack einer einzelnen Datenbank. Das ist der Totalzugriff auf eine Infrastruktur. Genau das, was bei einer e-ID-Infrastruktur auf staatlicher Ebene noch ungleich verheerendere Konsequenzen hätte – weil dort nicht Zugtickets, sondern Existenzen hängen.
Der digitale Mensch der Zukunft hat keine Identität mehr in dem Sinne, den wir kennen. Er hat einen Datensatz. Dieser Datensatz existiert auf Servern, die von Unternehmen oder Behörden betrieben werden, die ihrerseits Dienstleister beauftragen, die wiederum Infrastruktur mieten. Jede dieser Schnittstellen ist ein potenzieller Eurail-Moment. Jedes Update, jede Migration, jede ungeschlossene Sicherheitslücke ist eine offene Flanke. Eurail ist kein Startup, das Ecken abschneidet – es ist kritische EU-gestützte Infrastruktur, die Passnummern neben Quellcode auf demselben Netzwerk gespeichert hatte, das ein Angreifer in einer einzigen Session plündern konnte.
Man stelle sich dieselbe Sorgfalt auf e-ID-Ebene vor. Passnummer, Steuernummer, Krankengeschichte, Bankverbindung, Wohnadresse, biometrische Daten – auf einem Schlüsselbund, verwaltet von einem Konsortium, entdeckt nach zwei Monaten, kommuniziert nach drei, während die Daten längst verkauft sind. Das ist keine Dystopie. Das ist die logische Extrapolation dessen, was bei Eurail bereits stattgefunden hat.
Die Antwort der Behörden auf solche Vorfälle ist stets dieselbe: Passwort ändern, Konten überwachen, vorsichtig bei verdächtigen E-Mails sein. Als ob die 308’777 betroffenen Interrail-Kunden ihre Passnummer zurückbekämen, wenn sie das Passwort ihrer Rail-Planner-App erneuern. Als ob Identitätsbetrug sich durch erhöhte Wachsamkeit beim E-Mail-Lesen verhindern liesse, wenn die eigene Passnummer bereits auf einem Darknet-Marktplatz für einige hundert Dollar angeboten wird.
Die eigentliche Frage, die niemand laut stellt, lautet: Warum sammeln digitale Systeme systematisch mehr Daten, als sie für ihre Kernfunktion benötigen? Warum benötigt ein Zugticket-Anbieter Gesundheitsdaten? Warum werden Passnummern von 18-Jährigen gespeichert, die lediglich ein Gratisticket bekommen haben? Und warum akzeptieren wir als Gesellschaft, dass die Antwort auf jeden Datendiebstahl lautet, man solle künftig noch mehr Daten an noch mehr zentrale Stellen übermitteln – weil die digitale Identität nun mal der Weg der Zukunft sei?
Der Weg der Zukunft. Eurails Kunden sind bereits angekommen.
Sie wurden nur leider nicht gefragt, ob sie mitfahren wollten…
Es braucht manchmal einen Eishockeytrainer, damit ein Land merkt, was es verloren hat. Patrick Fischer, Nationaltrainer der Schweizer Eishockeymannschaft, hat den Bannstrahl des Verbandes zu spüren bekommen. Sein Vergehen: Er hatte während der Pandemie nicht mitgemacht. Er hatte Nein gesagt. Er hatte, in der präzisen Sprache des zivilisierten Diskurses, zivilen Ungehorsam geübt. Und dafür wird er bis heute verfolgt – während jene, die den Druck aufgebaut haben, weiter vorgeben, als sei alles richtig gewesen.
BAG-Direktorin Levy meldete sich in unangemessener Schärfe zu dem Fall. Unangemessen ist das richtige Wort. Denn die Schärfe, mit der das Establishment auf Abweichler reagiert – damals wie heute – steht in einem grotesken Missverhältnis zur wissenschaftlichen Grundlage, auf die man sich dabei beruft.
Kommen wir zu den Fakten. Die mRNA-Präparate von Pfizer und Moderna wurden in einem stark verkürzten Notfallverfahren zugelassen. Ihre Wirksamkeit, Infektionen und Ausbrüche zu verhindern, haben sie weitgehend verfehlt. Das ist keine Randmeinung von Schwurblern – das ist die nüchterne Bilanz, die sich aus den Daten ergibt, die mittlerweile vorliegen. Wer das heute noch bestreitet, hat entweder keine Zeit gehabt, die RKI-Protokolle zu lesen oder er hat sich entschieden, sie nicht zu lesen, weil das Ergebnis unbequem wäre.
Stattdessen traten die Risiken ein, vor denen Kritiker gewarnt hatten: Ungeklärte Todesfälle nach der Injektion, teils schwere Nebenwirkungen, offene Fragen zu Langzeitfolgen. Und die Gesamtmortalität von Covid? Lag über alle Altersgruppen hinweg unter jener schwerer Grippewellen. Man darf das ruhig noch einmal langsam lesen. Die Massnahmen, die das gesellschaftliche Leben für Jahre zum Erliegen brachten, richteten sich gegen eine Erkrankung, deren Gesamtmortalität unter jener schwerer Grippewellen lag.
Auf dieser Grundlage wurde eine faktische Impfpflicht eingeführt. Lockdowns. Maskenpflicht. Die systematische Diskriminierung Ungeimpfter aus dem öffentlichen Leben – aus Restaurants, Kulturveranstaltungen, Arbeitsplätzen, sozialen Strukturen. Für junge, gesunde Menschen war all das nicht nur unverhältnismässig. Es war übergriffig. Es war ein politischer Eingriff ohne wissenschaftliche Evidenz, verkleidet als Bevölkerungsschutz.
Das moralische Erpressungsinstrument der Wahl lautete: «Du tötest Oma.» Ein Satz, der in seiner schlichten Brutalität seinesgleichen sucht. Junge Menschen, für die das Virus statistisch kaum eine Gefahr darstellte, wurden mit kollektiver Schuld beladen für den Tod von Risikogruppen – die man gleichzeitig isolierte, in Pflegeheimen einsperrte und von ihren Familien fernhielt. Die Logik dieser Konstruktion kann nicht verteidigt werden. Sie lässt sich nur wiederholen, laut und oft genug, bis die Wiederholung für Wahrheit gehalten wird.
Wer nicht mitmachte, wurde «Covidiot» genannt. «Schwurbler». «Querdenker». Die Diffamierung ersetzte die Auseinandersetzung. Das Etikett ersetzte das Argument. Und wer die Verhältnismässigkeit einforderte – Ärzte, Juristen, Epidemiologen, Wissenschaftler – wurde aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt, aus Talkshows ausgeladen, auf Wikipedia zum Randphänomen umgeschrieben. Die Maschinerie der sozialen Kontrolle lief reibungslos. Sie lief im Namen der Wissenschaft.
Die staatlichen Übergriffe, moralische Diffamierung Andersdenkender, selektiver Konformitätsdruck – alles im Namen der Wissenschaft, der Sicherheit, des Gemeinwohls. Das Muster ist bekannt. Es ist nicht neu. Die Geschichte liefert genug Beispiele dafür, wie gutmeinende Funktionäre im Namen schützenswerter Ziele die Verhältnismässigkeit aus dem Blick verlieren – und wie lange es dauert, bis eine Gesellschaft bereit ist, das zuzugeben.
Ziviler Ungehorsam war in dieser Situation nicht nur legitim. Er war moralisch geboten. Das ist kein nachträgliches Heldennarrativ – es ist die logische Schlussfolgerung aus dem, was damals geschah. Wenn der Staat Druck ausübt, der über das wissenschaftlich Begründbare hinausgeht, wenn er Bürger moralisch erpresst, sozial isoliert und beruflich bestraft – dann ist der Widerstand keine Pflichtwidrigkeit. Er ist Pflicht.
Dass Fischer dafür bis heute berufliche Konsequenzen trägt, ist kein Einzelfall. Es ist Symptom. Symptom einer Klasse von Funktionären und Institutionen, die unwillig sind, die Geschehnisse zu revidieren – weil Revision Eingeständnis bedeutet, und Eingeständnis Verantwortung. Und Verantwortung, das haben diese Jahre gezeigt, ist die seltenste aller institutionellen Ressourcen.
Die wirklich peinlichen Figuren dieser Geschichte sind nicht jene, die Nein sagten. Sie sind jene, die heute noch so tun, als sei alles richtig gewesen. Die weiter nach Bestrafung der Abweichler rufen. Die aus dieser Zeit die Lektion gezogen haben, man müsse es «nächstes Mal konsequenter machen.»
Das ist die eigentliche Gefahr. Nicht der Virus. Nicht die Ungeimpften. Nicht die Schwurbler. Sondern der vermeintlich gutmeinende Funktionär, der im Namen der Sicherheit die Verhältnismässigkeit verliert – und der aus einer Niederlage nicht Demut zieht, sondern Entschlossenheit zur Wiederholung.
Patrick Fischer hat Nein gesagt. Er trägt die Konsequenzen. Die Frage, die bleibt, lautet nicht, ob er falsch lag. Die Frage lautet: Wer zieht die Konsequenzen für die anderen? Bisher niemand…
Wir erinnern uns: Im vorangegangenen Artikel ging es um eine Theorie, die jeden Widerspruch als Beweis ihrer eigenen Richtigkeit umdeutet. Wer zustimmt, sieht. Wer zweifelt, schläft noch. Das Deutungssystem, das sich selbst immunisiert. Die neue Gnosis im Jungschen Gewand. Schön analysiert, befand man allgemein. Präzise seziert. Gut geschrieben. Jetzt kommt der nächste Text. Und man möchte kurz innehalten. Denn was hier vorliegt, ist nicht die Kritik an jenem geschlossenen Deutungssystem. Es ist seine Vollendung.
Wir erfahren: Vor sechs Jahren wurde der Menschheit ein Angebot gemacht. Ein mächtiges Bewusstseinsfeld der Kontrolle wollte die Menschheit in eine transhumanistische Richtung bewegen. Die richtigen Leute wurden in die richtigen Positionen gebracht. Es gab Planspiele, Generalproben, eine globale Inszenierung. Das Hauptziel war, Zugang zum menschlichen Körper zu bekommen. Die mRNA-Therapie war nicht Mittel, sondern Zweck. Und – hier erreicht der Text seine spirituelle Klimax – die Entscheidung für oder gegen das Experiment habe jeder bereits vor dieser Inkarnation getroffen. Man lese das noch einmal. Vor dieser Inkarnation.Die Zeitlinien hätten sich getrennt. Aufklärung mit Fakten sei deshalb sinnlos. Beide Wege seien in Ordnung. Das Ganze sei letztlich ein Katalysator des Erwachens gewesen.
Nun gut. Wo fängt man an? Fangen wir mit dem Handwerk an, denn das ist tadellos. Die Manipulation-Taxonomie, die der Text aufstellt, ist nicht falsch. Es stimmt, dass Angst ein bewährtes Werkzeug politischer Steuerung ist. Es stimmt, dass PCR-Tests methodisch umstritten waren. Es stimmt, dass Massnahmen teils ohne ausreichende Evidenzbasis eingeführt wurden. Es stimmt, dass enorme wirtschaftliche Verwerfungen stattfanden, die wenigen nützten und vielen schadeten. Diese Kritikpunkte sind legitim, dokumentiert und wichtig. Man hätte sie aufgearbeitet verdient.
Aber dieser Text hat anderes vor.
Er beginnt mit einem Bewusstseinsfeld der Kontrolle – eine Formulierung, die präzise genug klingt, um seriös zu wirken und vage genug, um nie falsifizierbar zu sein. Wer ist dieses Bewusstseinsfeld? Keine Namen. Keine Strukturen. Keine verifizierbaren Entscheidungsketten. Nur ein diffuses Machtzentrum, das plant, inszeniert und steuert – und dabei so geschickt vorgeht, dass es sechs Jahre nach dem Ereignis immer noch kein Gericht der Welt identifizieren konnte. Das ist nicht Analyse. Das ist Mythologie. Und Mythologie ist mächtiger als Analyse, weil sie das Bedürfnis nach Bedeutung befriedigt, das Fakten allein nie stillen können.
Dann die Struktur. Der Text erklärt uns, wie Massenmanipulation funktioniert: Gefahr benennen, Werte bedrohen, Angst erzeugen, die eigene Agenda als Rettung anbieten. Vier Schritte. Klar. Präzise. Man nickt. Und bemerkt dabei nicht, dass der Text selbst exakt diesen vier Schritten folgt. Die Gefahr: Ein Bewusstseinsfeld mit transhumanistischer Agenda. Das bedrohte Wertvolle: Die menschliche Freiheit, der Körper, die Seele. Die Angst: mRNA als Zweck, potenzielle Toxizität je nach Charge, dauerhafte Pharmakundschaft. Die Rettung: Das Erwachen, die getrennte Zeitlinie, die Gemeinschaft der Sehenden. Vier Schritte. Lehrbuchhaft.
Was im vorigen Text als geschlossenes Deutungssystem kritisiert wurde, erreicht hier seine elaborierteste Form. Dort war der Einwand noch durch psychologische Abwehrmechanismen erklärbar. Hier ist er bereits vorinkarnatorisch verankert. Wer der Theorie widerspricht, hat das bereits vor seiner Geburt so entschieden. Es gibt buchstäblich keine Ebene mehr, auf der ein Argument greifen könnte. Das ist nicht Offenheit des Geistes. Das ist seine hermetischste Schliessung, nur von innen tapeziert mit Erleuchtungsrhetorik. Und dann die abschliessende Grosszügigkeit: Beide Wege seien in Ordnung. Wer sich hat impfen lassen, hat eben eine andere Vorentscheidung getroffen. Man hegt keinen Groll. Man will nicht retten. Man ist drüber hinaus. Was für eine spirituelle Reife. Was für eine buddhistische Gelassenheit gegenüber den Milliarden, die nun – je nach Toxizität ihrer Charge – potenziell ertragreichere Pharma-Kunden seien.
Das ist die zynischste Formulierung im gesamten Text, verkleidet als seine mildeste. Denn entweder ist die Impfung das, was der Text behauptet – ein geplanter Zugriff auf den menschlichen Körper mit potenziell toxischen Folgen – dann ist Gleichmut gegenüber den Betroffenen keine spirituelle Reife, sondern Gleichgültigkeit von bemerkenswerter Kälte. Oder der Text übertreibt – dann ist die ganze Konstruktion eine Bedeutungsmaschine, die reale Missstände in eine Weltformel presst, die zufällig den Erzähler ins Zentrum der Sehenden stellt. Beides gleichzeitig geht nicht. Der Text wählt beides gleichzeitig.
Das eigentliche Lehrstück liegt nicht in dem, was über COVID gesagt wird. Es liegt in der Architektur des Denkens. Eine Analyse, die mit Transhumanismus-Bewusstseinsfeldern beginnt und mit vorinkarnatorischen Entscheidungen endet, hat den Bereich der Politik längst verlassen. Sie ist Theologie. Und Theologie ist immun gegen Widerspruch – das ist ihre Stärke und ihre grösste Gefahr. Der Katalysator des Erwachens, zu dem COVID erklärt wird, hat offenbar nicht alle gleich aufgeweckt. Manche hat er in einen Traum geführt, der sich nur wacher anfühlt als der vorherige.
Das ist die subtilste Form des Schlafs: Wenn man in ihm überzeugt ist, endlich zu sehen…
Es gibt einen Moment, den man sich merken sollte. 27. August 1998, irgendwo in einem Konferenzraum, sitzt William Henry Gates III vor Anwälten des amerikanischen Justizministeriums. Auf dem Tisch die Monopolklage gegen Microsoft. In der Luft die Erwartung, dass der angeblich intelligenteste Unternehmer seiner Generation zumindest erklären kann, wie seine eigene Software funktioniert und welche Entscheidungen er in seinem eigenen Unternehmen getroffen hat. Was folgt, ist kein Verhör eines Verdächtigen. Es ist eine Performance.
Gates wurde von einem Augenzeugen als «ausweichend und nicht kooperativ» beschrieben. Er stritt über die Definition von Wörtern wie «Wettbewerb», «besorgt» und «wir». Frühe Teile seiner Aussage provozierten Gelächter beim Richter, als sie im Gericht gezeigt wurden – und das «Ich erinnere mich nicht» kam so oft, dass sogar der Richter schmunzeln musste. Ein Mann, der mit angeblich fotografischem Gedächtnis gesegnet ist. Der Harvard-Codebücher auswendig lernte. Der ein globales Softwareimperium aufbaute. Und der sich vor Gericht, unter Eid, an praktisch nichts erinnern konnte, was in seinem eigenen Unternehmen vorgefallen war. Nicht an E-Mails, die er selbst geschrieben hatte. Nicht an Strategiemeetings, an denen er teilgenommen hatte. Nicht an Entscheidungen, die seinen Namen trugen.
Man könnte das Inkompetenz nennen. Man könnte es auch etwas anderes nennen. Das Faszinierende ist nicht die Aussage selbst — Wirtschaftsbosse, die unter Eid plötzlich an kollektivem Gedächtnisschwund leiden, sind ein amerikanisches Grundnahrungsmittel. Das Faszinierende ist, was danach kam. Denn dieser Mann, der sich 1998 nicht erinnern konnte, was Microsoft tat, verwandelte sich in den folgenden zwanzig Jahren in den selbsternannten Retter der Menschheit. Impfungen. Landwirtschaft. Klima. Pandemievorsorge. Sonne. Alles. Überall. Gleichzeitig. Ungefragt.
Die Gates Foundation sitzt heute auf einem Stiftungskapital von 86 Milliarden Dollar und ist der grösste private Geldgeber der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das bedeutet: Ein einzelner Privatmann, demokratisch nicht legitimiert, keiner Wahl unterworfen, keiner institutionellen Kontrolle verpflichtet, finanziert massgeblich jene Organisation, die globale Gesundheitspolitik definiert. Das nennt sich Philanthropie. In anderen Kontexten nennt man sowas strukturellen Einfluss ohne Gegenkontrolle. Aber weiter.
Am 18. Oktober 2019 fand in New York eine Übung statt. Event 201 — eine Pandemiesimulation, mitorganisiert von der Gates Foundation, dem Johns Hopkins Center for Health Security und dem Weltwirtschaftsforum. Auf der Tagesordnung ein neuartiges Coronavirus. Geübt wurden Koordination, Kommunikation, Eindämmung. Zwei Monate später meldete China die ersten Fälle eines neuartigen Coronavirus. Dass das eine Simulation war und das andere Realität, ist korrekt. Dass die zeitliche Koinzidenz mindestens eine Augenbraue hochziehen darf, ist ebenfalls korrekt. Den Rest überlässt man gerne dem Leser.
Dann ist da noch Jeffrey Epstein. Alle dokumentierten Interaktionen zwischen Gates und Epstein fanden nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 statt. Nicht davor. Danach. Die DOJ-Unterlagen zeigen mehrere Treffen: Ein Abendessen im Dezember 2010, Begegnungen im April und Oktober 2011, ein Treffen in Norwegen im August 2012 und weitere Kontakte bis 2013. Gates selbst bezeichnete diese Kontakte als «schwerwiegenden Fehler im Urteilsvermögen» – eine Formulierung, die zumindest anerkennt, dass es einen Fehler gab.
Die DOJ-Unterlagen enthalten E-Mail-Korrespondenz zwischen Gates und Epstein über philanthropische Projekte, Kalendereinträge mit dokumentierten Treffen und Fotos von Gates bei Veranstaltungen, an denen auch Epstein teilnahm. Philanthropie also. Unter Philanthropen trifft man sich gerne bei Tee und Törtchen, auch wenn einer von beiden gerade wegen Sexualstraftaten verurteilt wurde. Man redet über globale Gesundheit. Das ist der Lauf der Dinge in diesen Kreisen. Die Gates Foundation hat mittlerweile eine externe Überprüfung der Verbindungen zu Epstein eingeleitet. Warren Buffett, langjähriger Unterstützer der Foundation, hat seinen Standpunkt auf «abwarten» gesetzt. Das sagt einiges.
Nun zu dem, was der Mann mit dem vergesslichen Gedächtnis heute tut: Gates ist der grösste private Landwirtschaftslandbesitzer der USA — über 270’000 Acres Ackerland, erworben über Scheinfirmen, jahrelang verschwiegen. Er finanziert Experimente zur Verdunkelung der Sonne, genannt Stratosphärisches Aerosol-Einspritzen, mit dem erklärten Ziel, die Sonneneinstrahlung zu reduzieren. Wer das für übertrieben hält, möge das SCoPEx-Projekt der Harvard University nachschlagen, mitfinanziert von – man ahnt es – Gates.
Kontrolle über globale Gesundheitspolitik. Kontrolle über Nahrungsmittelproduktion. Einfluss auf das Klima. Alles gleichzeitig. Alles unter dem Label Philanthropie. Alles von einem Mann, der 1998 unter Eid nicht erklären konnte, was in seiner eigenen Firma vorging.
Die wohltätigste Deutung: Bill Gates ist tatsächlich das, was er vorgibt zu sein – ein idealistischer Nerd, der zu viel Geld hat und die Welt verbessern will, dabei aber strukturell blind ist für die Macht, die er akkumuliert. Ein naiver Riese, der in Epstein einen Philanthropen sah, in der Sonne ein Problem und in Impfkampagnen die Lösung. Die weniger wohltätige Deutung überlässt man besser dem Leser. Der kann sich schliesslich selbst erinnern – auch ohne Eid.
Es gibt einen Satz, der alles erklärt. Eine israelische Touristin auf Koh Phangan wird gebeten, ihre Schuhe auszuziehen, bevor sie ein thailändisches Restaurant betritt – eine Selbstverständlichkeit, eine grundlegende Respektgeste gegenüber einer Jahrtausende alten Kultur. Ihre Antwort, die viral ging und seitdem auf Tausenden Bildschirmen in Thailand und weltweit zu sehen war: «My money built your country.» Kein Kommentar nötig. Der Satz kommentiert sich selbst.
«Save Koh Phangan» – wenn Einheimische um ihre Insel kämpfen
Was auf Koh Phangan geschieht, ist kein Missverständnis zwischen Kulturen. Es ist das Ergebnis eines jahrelangen, systematischen Prozesses, der inzwischen offizielle Untersuchungen ausgelöst hat. Der Tourismus auf Koh Phangan ist in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 200 Prozent gewachsen. 4030 israelische Staatsbürger befinden sich derzeit allein in der Provinz Surat Thani – 2548 auf Koh Phangan, 1279 auf Koh Samui.
Das wäre an sich kein Problem. Touristen kommen, Touristen gehen. Aber diese hier kommen und bleiben. Etwa 2000 israelische Staatsbürger leben derzeit auf Koh Phangan, rund 500 davon dauerhaft, viele im Immobilien-, Fahrzeugvermietungs- und Unternehmenssektor tätig. Lokale Einwohner haben eine Facebook-Seite namens «Save Koh Phangan» gegründet, weil sie befürchten, dass ihre Insel zu einem «zweiten Tel Aviv» wird. Das ist nicht Fremdenfeindlichkeit. Das ist die Verzweiflung von Menschen, die beobachten, wie ihr Lebensraum systematisch übernommen wird.
Die Methode ist dabei so simpel wie effektiv: Einige Israelis auf Koh Phangan betreiben Villen, Restaurants, Reiseunternehmen und andere Geschäfte, die überwiegend israelische Gäste bedienen – über thailändische Strohmänner, da Ausländer in Thailand kein Land besitzen dürfen. Man kauft Land, das man nicht kaufen darf. Man betreibt Firmen, die man nicht betreiben darf. Man beschäftigt burmesische Arbeiter ohne Genehmigung. Und man baut Luxusvillen im Nationalpark, begleitet von Berichten über illegale Bautätigkeiten, Abholzung und sogar Bestechung lokaler Beamter.
Kriegsstress als Freibrief
Nach dem 7. Oktober 2023 strömten israelische Touristen in Rekordzahlen nach Thailand. Zwischen Januar und September 2025 besuchten rund 300’000 israelische Touristen Thailand – ein Anstieg von 57 Prozent. Viele davon sind Militärreservisten, die nach dem Dienst im Gazastreifen Erholung suchen. Auf Koh Phangan entstanden «Heilungszentren», sechs Chabad-Häuser wurden eingerichtet, exklusive Gemeinschaften für Israelis, bei denen der Zugang für Nichtisraelis verweigert wird, angeblich aus Sicherheitsgründen.
Das klingt verständlich – PTBS ist real, Kriegserfahrungen sind traumatisch. Weniger verständlich ist, was gleichzeitig geschieht. Eine viral gegangene Aufnahme zeigt eine ausschliesslich israelische Party, die angeblich dem Stressabbau vom Krieg dienen sollte – und dabei erhebliche Schäden am Gebäude verursachte, die den Eigentümer zu Renovierungsarbeiten zwangen. Und dann gab es jene Gruppen, die öffentlich das Militärgeschehen in Gaza feierten – was bei Einheimischen und anderen Touristen auf Unverständnis und Abscheu stiess.
Kriegsstress als Freifahrtschein für Sachbeschädigung, Visaverstösse und Nichtbezahlen von Restaurantrechnungen: Das ist eine bemerkenswert elastische Definition von Erholung.
Die Strafverfolgung antwortet
Die thailändischen Behörden haben reagiert – mit der Entschlossenheit von Leuten, die zu lange zugeschaut haben. Zwischen 2023 und 2025 wurden 20 Fälle auf Koh Phangan registriert, darunter Arbeiten ohne Genehmigung, Visaverstösse, unerlaubter Geschäftsbetrieb, Diebstahl, Drogendelikte, Körperverletzung, Falschgeldnutzung und Amtsmissachtung.
In den vergangenen Monaten wurden mehr als 23 Israelis wegen illegaler Aktivitäten festgenommen. Eine Sonderkommission unter dem Gouverneur von Surat Thani untersucht Landbesitz, Geschäftstätigkeiten und Gesetzeseinhaltung. Die Polizei führte koordinierte Razzien durch, bei denen Strohmänner-Konstruktionen aufgedeckt wurden. Allein im Jahr 2025 wurden 3249 Visa von Ausländern widerrufen, die Straftaten begangen oder öffentliche Unruhe verursacht hatten.
In einem besonders surrealen Kapitel dieser Geschichte wandte sich der Koh-Phangan-Hotelverband an den lokalen Chabad-Rabbiner und bat ihn, Bekanntmachungen auf Hebräisch zu veröffentlichen, die israelische Besucher daran erinnern, sich respektvoll zu verhalten und die Gesetze einzuhalten.
Man ruft einen Rabbi, damit er seinen Leuten erklärt, dass man in fremden Ländern keine Schuhe in Restaurants trägt und Rechnungen bezahlt. Das ist der Punkt, an dem Deeskalation beginnt.
Das Muster, das sich wiederholt
Was in Thailand geschieht, ist kein Einzelfall. Israelische Touristen haben weltweit einen zweifelhaften Ruf, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. In Indien, besonders in Goa und Pushkar, sind Berichte über respektloses Verhalten, Drogenkonsum und Konflikte mit Einheimischen seit den 1990ern dokumentiert. In Nepal, in Südostasien, auf den griechischen Inseln – überall dasselbe Muster: Massenanwesenheit, Parallelstrukturen für die eigene Community, minimale Integration in lokale Gepflogenheiten.
Erstaunlich ist, dass man in Thailand Israelis und ihr Verhalten offen kritisieren darf. Das wäre in Europa vollkommen unmöglich. Damit ist ein strukturelles Problem benannt, das über Thailand hinausgeht. In Europa schützt die Antisemitismus-Keule jede Verhaltensweise vor Kritik. In Thailand, wo dieses Instrument nicht existiert, kann man einfach feststellen: Manche Gäste benehmen sich miserabel. Unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Religion, ihrem Trauma.
Respekt ist keine westliche Spezialität. Er ist auch keine Schwäche. Er ist die Grundvoraussetzung dafür, dass man in einem fremden Land willkommen ist.
«My money built your country.» Nein. Euer Geld hat Hotelzimmer bezahlt. Den Rest haben die Thais selbst gebaut. Seit Jahrtausenden…
Es regnet wieder im Iran. Nach jahrelanger historischer Dürre füllen sich Stauseen, Tigris und Euphrat führen wieder Wasser, Dämme in der Türkei und im Irak quellen über, Saudi-Arabien verzeichnet Starkregen. Die Klimatologen sprechen von einem «natürlichen Shift» durch veränderte Drucksysteme. Schön. Beruhigend. Die Natur macht einfach mal so einen Schwenk, mitten im laufenden Irankrieg, just in dem Moment, in dem iranische Vergeltungsschläge milliardenteure US-«Radaranlagen» in Westasien zerstört haben. Welch ein Zufall. Die Natur hat wirklich ein ausgeprägtes Gespür für Timing.
In sozialen Medien kursiert seit Tagen eine brisante These: Die starken Niederschläge, die Dämme in der Türkei, im Iran und Irak füllen und die Flüsse Tigris und Euphrat nach jahrelanger Dürre wieder zum Strömen bringen, sollen nicht natürlichen Ursprungs sein – sondern die Folge der Zerstörung eines angeblichen US-israelischen Wettermanipulationssystems in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Und während man das reflexartig als Verschwörungstheorie abtun möchte, stolpert man über die unbehaglich konkreten Fakten darunter.
In der Türkei führten schwere Frühjahrsregen zu einem Anstieg der Wasserkrafterzeugung um 96 Prozent. Im Irak meldete das Wasserressourcen-Ministerium erhöhte Zuflüsse in Tigris, Euphrat und Diyala. Im Iran, der jahrelang unter historischer Dürre litt, füllen sich Stauseen plötzlich wieder, Teheran und andere Provinzen verzeichnen Rekordniederschläge und Schnee. Alles gleichzeitig. Alle auf einmal. Alle in einer Region, in der gerade Krieg geführt wird.
Fangen wir mit dem an, was unbestreitbar ist. HAARP — High-frequency Active Auroral Research Program — ist ein reales US-Projekt in Alaska zur Untersuchung und Beeinflussung der Ionosphäre. Es wurde Jahrzehnte von der US Air Force betrieben. Keine Erfindung, kein Phantom, kein Spinnerei aus dem Keller. Ein offizielles staatliches Programm, finanziert vom Militär, mit dem erklärten Ziel, die Ionosphäre zu beeinflussen. In einem Bericht der US Air Force von 1996 heisst es: «Die Modifizierung der Ionosphäre ist ein Bereich mit vielen potenziellen Anwendungen, und es gibt wahrscheinlich auch Nebenanwendungen, die bisher nicht absehbar sind.» Nebenanwendungen, die bisher nicht absehbar sind. Was für eine charmante Formulierung für ein Militärprogramm zur atmosphärischen Manipulation.
In den VAE ist Cloud Seeding offizielle Politik. Die Emirate betreiben seit Jahren ein staatliches Programm mit Flugzeugen und bodengestützten Ionisierern. 2026 wurden allein 80 Einsätze gemeldet, um Grundwasser aufzufüllen. Studien aus 2010 bis 2014 belegen, dass Ionisierer Niederschlag um bis zu 30 bis 35 Prozent steigern können – unter geeigneten Bedingungen. Dreissig bis fünfunddreissig Prozent mehr Regen durch technische Eingriffe. In einer Region, in der Regen über Ernte, Trinkwasser und Überleben entscheidet. Und Saudi-Arabien hält dafür Patente. Man beachte: Patente. Auf Regen.
Die Frage, die sich aufdrängt und die niemand im Mainstream laut stellen möchte, lautet schlicht: Wem gehört der Himmel? Wer hat die Hoheit über Wetter und Niederschlag – und wer entscheidet darüber, welches Land Regen bekommt und welches verdorrt?
Iranische und arabische Quellen behaupten, die VAE hätten im Auftrag der USA und Israels solche Anlagen betrieben, um Regenwolken vom Iran «abzuziehen». Nach iranischen Vergeltungsschlägen während des laufenden Angriffskrieges seien diese Systeme beschädigt worden – und prompt kehrte der Regen zurück. Von allen Seiten wird bestätigt, dass die milliardenteuren Radaranlagen in den US-Stützpunkten in Westasien zerstört wurden. Korrelation ist keine Kausalität – das stimmt. Aber die zeitliche Übereinstimmung ist von jener Qualität, die einen vernünftigen Menschen zumindest innehalten lässt. Jahrelange Dürre. Krieg. Zerstörung der Anlagen. Regen.
Das ENMOD-Übereinkommen der UN verbietet militärische Wetterkriegsführung – aber was ist «zivil» und was «militärisch»? Das ist die eigentliche Frage. Wenn ein Staat im Auftrag eines anderen Staates Ionisierer betreibt, die nachweislich Niederschlag beeinflussen, und diese Beeinflussung anderen Staaten das Wasser entzieht – ist das Meteorologie oder ist das Kriegsführung? Wenn Dürre eingesetzt wird, um einen Staat zu destabilisieren, seine Landwirtschaft zu ruinieren, seine Bevölkerung zu zermürben – ist das Geopolitik oder ist das ein Verbrechen?
Der Iran klagte übrigens seit 2011 über «gestohlene Wolken». Fünfzehn Jahre lang. Man kann sich vorstellen, wie diese Klagen in westlichen Hauptstädten aufgenommen wurden. Mit jenem milden Lächeln, das man für Leute reserviert, die Dinge sehen, die offiziell nicht existieren.
Hier liegt das fundamentale Problem des Zeitalters, in dem wir leben: Technologien, die real sind und reale Auswirkungen auf Millionen Menschen haben, werden so lange als Fantasiegebilde behandelt, bis ein Krieg die Anlagen zerstört und prompt das Wetter umschwenkt. Dann spricht man von «natürlichem Shift». Die Klimatologen haben eine Erklärung. Sie haben immer eine Erklärung. Das ist ihr Beruf.
Dabei liegt die Frage offen vor aller Augen: Wenn die VAE offiziell 80 Cloud-Seeding-Einsätze pro Jahr fliegen und Ionisierer betreiben, die Niederschlag um ein Drittel steigern können – was macht dieselbe Technologie im grossen Massstab, mit militärischem Budget und strategischem Interesse? Wenn Saudi-Arabien Patente auf Regenproduktion hält – wer hält die Patente auf Regenentzug?
Das ENMOD-Abkommen existiert seit 1977. Es verbietet Wetterkriegsführung. Es hat – wie alle Abkommen, die mächtige Staaten beim Nichtstun erwischen würden – die Wirksamkeit eines gut gemeinten Briefes.
Der Himmel ist das letzte grosse Gemeingut. Das Letzte, das man noch nicht vollständig privatisiert, militarisiert und als Machtinstrument eingesetzt hat – zumindest offiziell. Inoffiziell läuft seit Jahrzehnten eine Debatte über Geoengineering, Chemtrails, Cloud Seeding und ionosphärische Manipulation, die von der Mehrheit der Medien mit demselben überlegenen Lächeln abgetan wird, mit dem man früher die Abhörprogramme der NSA abgetan hat. Bis Edward Snowden kam.
Es regnet wieder im Iran. Die Dämme füllen sich. Tigris und Euphrat fliessen. Die Klimatologen erklären es mit Drucksystemen. Vielleicht haben sie recht. Vielleicht ist es wirklich Natur. Vielleicht ist die Übereinstimmung tatsächlich Zufall… aber wer die Patente auf den Regen hält, interessiert sich nicht für Zufall!