Die Polykrise ist kein Betriebsunfall des globalen Kapitalismus. Sie ist das Werkzeug. Und wer das immer noch für eine Verschwörungstheorie hält, darf sich gerne fragen, warum die Vereinten Nationen (UNO) und das Weltwirtschaftsforum (WEF) schon im Juni 2019 eine formelle Partnerschaft unterzeichnet haben – exakt in dem Moment, als die Welt in die grösste Krisenserie seit dem Zweiten Weltkrieg zu schlittern begann.
Der schwedische Forscher, Autor und Musiker Jacob Nordangård hat sein Buch «The Digital World Brain» gerade in einer aktualisierten deutschen und englischen Ausgabe veröffentlicht. Im Interview mit Transition News legt er dar, wie sich Krise, Kontrolle und Weltregierung zu einem einzigen Projekt zusammenfügen – und warum das alles offen dokumentiert ist, wenn man nur bereit ist, die Originaldokumente der UNO zu lesen.
Von der Notfallplattform zum Dauerkrisenzustand
Die offizielle Formel lautet: «Leave No One Behind.» Klingt herzerwärmend. Bedeutet laut Nordangård: Niemand entkommt der Digitalisierung. Jeder muss Teil des Systems sein, also wird jeder überwacht. «Our Common Agenda» und der «Pakt für die Zukunft» seien keine Sozialpolitik, sondern Verhaltenssteuerung im industriellen Massstab – Behaviorismus, der Menschen als programmierbare Objekte behandelt, nicht als Subjekte. Die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele, die Pandemieprotokolle, die Klimarahmenverträge: Alles Instrumente, um Zustimmung für Massnahmen zu erzeugen, die man demokratisch niemals durchsetzen könnte.
Das Prinzip ist simpel. Eine Krise zeigt der Welt, dass sie unvorbereitet ist. Das erzeugt Zustimmung für neue Strukturen. 2024 scheiterte beim Pakt für die Zukunft die formelle Verankerung einer UN-Notfallplattform. Seither steckt die Welt in einem Dauerkrisenzustand, der genau diese Zustimmung erst erzeugt. Zufälle? Nordangård beruft sich ausschliesslich auf Originaldokumente der UNO und ihrer Partnerorganisationen.
Pseudowissenschaft als Staatsreligion
Das intellektuelle Fundament dieses Projekts ist ein wissenschaftsähnlicher Dogmatismus, der echte Wissenschaft verdrängt. Echte Wissenschaft, sagt Nordangård, bedeute, alles zu hinterfragen. Was die UN-Agenda betreibe, sei das Gegenteil: Computermodelle und Simulationen als unantastbare Wahrheit verkaufen, Abweichung als Ketzerei behandeln. Wer mitmacht, kommt ins Paradies. Wer nicht, ist ein Leugner.
Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gehört zu den Architekten dieser «planetaren Grenzen» – ein Erklärungsmodell, das definiert, was die Menschheit auf ihrem eigenen Planeten noch darf. Rockström sitzt regelmässig beim WEF auf dem Podium, berät Regierungen weltweit und gehört der Climate Governance Commission an, die empfohlen hat, die UN-Vollversammlung solle einen Klimanotstand ausrufen. Dann käme die Notfallplattform. Dann käme das Durchregieren ohne parlamentarische Umwege.
Nordangård kennt dieses Milieu aus eigener Anschauung. Er kam aus der Grünen Bewegung und erlebte den Schock, als seine Doktorarbeit enthüllte, dass Ölbarone wie die Rockefellers massgeblich die Finanzierung der Umweltbewegung gesteuert hatten. Dieselben, die Petroleum aus dem Boden pumpen, haben die politische Agenda ihrer vermeintlichen Kritiker gesponsert. Die einzige logische Schlussfolgerung: Es ging nie um Umweltschutz.
Wreck-It Trump und die saubere Abrissbirne
Trump? Kein Gegner des Systems. Dessen Abrisswerkzeug. Nordangård nennt ihn «Wreck-It Trump» – jemand, der die alten Strukturen so lange einreisst, bis das Neue nahtlos übernehmen kann. Wenn er fertig ist, wenn die UNO dysfunktional genug wirkt und die alte Weltordnung als gescheitert gilt, kommt der grosse Auftritt: Eine modernisierte, effiziente, regional organisierte UN 2.0 – begrüsst mit dem Applaus derer, die nach Ordnung lechzen.
Das Drehbuch ist nicht neu. Genauso endete das britische Empire: Die Ressourcen wurden teuer, die Kontrolle noch teurer, und am Ende übergab man das Feld an einen neuen Hegemon. Diesmal soll kein Nationalstaat das Erbe antreten. Zbigniew Brzezinski, Mitgründer der Trilateral Commission, hatte das in «The Grand Chessboard» bereits skizziert: Die Regionen der Welt kooperieren unter dem Dach der Vereinten Nationen – einer modernisierten, effektiven Organisation, die global durchregiert.
Der Agentenstaat steht in Berlin und Kiew
2024 eröffnete das WEF das Global Government Technology Center in Berlin. Dessen Ziel: Governance-Systeme, die nicht von Menschen kontrolliert werden, sondern von autonomen KI-Agenten. Ein Whitepaper des Zentrums trägt den Titel «The Agentic State» – in Anlehnung an Stanley Milgrams Begriff für den Zustand, in dem jemand blind Befehlen folgt. Ein weiteres Zentrum betreibt das WEF in Kiew. Der Vorteil eines Kriegsgebiets: Neue Kontrollsysteme lassen sich dort schneller und unkomplizierter testen.
Das Zieldatum, das Nordangård nennt: 2045, hundert Jahre nach Gründung der Vereinten Nationen. Bis dahin soll die «Grosse Transition» abgeschlossen sein. 2030 ist nur eine Etappe auf dem Weg. Die Superklasse – einige tausend Individuen, verbunden über Trilateral Commission, Bilderberg Group und Council on Foreign Relations – plant das seit Jahrzehnten. Jeffrey Epstein war dabei nicht nur Sexualstraftäter, sondern Netzwerkknoten. Er befreundete sich mit WEF-Präsident Børge Brende und diskutierte mit ihm, wie das WEF die Rolle der UNO übernehmen könnte. Das steht in den Akten.
Wer Nordangård für einen Spinner hält, muss erklären, warum all das in offiziellen UNO-Dokumenten, WEF-Whitepapers und Autobiografien der Beteiligten steht – lesbar für jeden, der aufhört, wegzusehen! Und wer glaubt, das alles sei ohne Plan entstanden, darf sich fragen, warum jede Krise exakt jene Lösungen gebiert, die mehr Zentralisierung, mehr Überwachung und weniger Souveränität bedeuten! Die Menschheit ist nicht der Nutzniesser dieser Agenda – sie ist ihr Rohmaterial! Und die UNO wird 2045 ihr hundertjähriges Bestehen feiern und das, was einst Freiheit hiess, «sustainable governance» nennen!
Es war einmal eine Welt, in der man für Hollywood arbeiten wollte, musste man zumindest die Bereitschaft mitbringen, seinen Arsch in ein Flugzeug zu setzen. Sonnenbrand, Koks und Selbstüberschätzung inklusive. Diese Zeiten sind vorbei. Heute reicht ein Arbeitszimmer in Hamburg-Altona, eine KI-Software und ein kreativer Wille – und schon bist du mittendrin im Traumfabrik-Betrieb. Willkommen in der Zukunft des Kinos. Oder dem, was davon übrig bleibt.
Eike Swoboda, Absolvent der Hamburger Hochschule für Bildende Künste, hat den Anruf bekommen. Den Anruf. Hollywood meldete sich, weil er bei einer Ausschreibung der Firma NeoCinema eine Arbeitsprobe einreichte – und man fand gut, was er gemacht hatte. Man könnte jetzt zynisch fragen, warum eine Hollywood-Produktionsfirma nicht einfach auf die Besten der Besten zurückgreift, die bekanntlich dort sitzen und auf Arbeit warten. Aber Swoboda hat diese Frage selbst gestellt – und die ehrliche Antwort lautet vermutlich: Weil die KI ohnehin den Grossteil der Arbeit übernimmt und ein kreativer Kopf aus Altona genauso gut funktioniert wie einer aus Beverly Hills. Günstiger wahrscheinlich auch.
Das Ergebnis: Blurred Horizon, eine KI-generierte Actionserie bringt mit Folge 1 «Ablauftag» 25 Minuten beste Unterhaltung. Kein Set. Keine Kamera. Keine Scheinwerfer. Kein Bühnenbau. Stattdessen: Prompts, Finetuning und jede Menge Entscheidungen darüber, wie Schlafsärge auszusehen haben und wo im Hintergrund etwas steht. Das ist, wie uns versichert wird, «ganz viel klassische Filmarbeit». Man möge den Regisseuren von einst verzeihen, dass sie das nicht wussten.
Die Hauptfigur Zara Vasquez – Mitte dreissig, dunkle Haare, selbstbewusst wirkend – wurde per KI-Prompt ins Leben gerufen. Ein Hin und Her mit der Software, bis das Bild stimmte. Immerhin: Ihre Stimme gehört einem echten Menschen. Rosa Salazar, bekannt aus «Alita: Battle Angel» und Amazons «Undone», spricht die Rolle. Weil, so Swoboda, KI-Stimmen zu kühl klingen. Da hat er recht. Es ist tatsächlich beruhigend zu wissen, dass die Maschine zumindest beim Sprechen noch Hilfe braucht. Vorerst.
BLURRED HORIZON Ep 1 - Expiration Day
Auch die Musik kommt vom Menschen – Synthesizer und Melotron, analog aufgenommen in Altona. Thirty Seconds to Mars und Jared Leto steuern ebenfalls Musik bei, was entweder ein Statement oder ein Zufall ist. Der Titelsong stammt von Photek. Das Ganze klingt nach einer Produktionsliste, die absichtlich darauf ausgelegt ist, Eindruck zu machen – ausführende Produzenten Trey Callaway (House of David), Jeff T. Thomas (Fubar), Produzent Kevin Tancharoen (Book of Boba Fett). Gut sortierte Namen für eine Serie, die im Grunde auf einem Laptop entstanden ist.
Folge zwei, Mindpods, wirft uns in eine düstere Zukunft, in der die Menschheit schlafwandelnd durch eine konzerngesteuerte Realität taumelt. Eine neue virtuelle Erfahrung namens MindPods bietet verlockende Flucht – und ihre intensivere Version, Neurorush, verspricht totale Immersion auf Kosten von psychischem Schaden, Gedächtnisverlust und dem vollständigen Verwischen der Grenze zwischen digital und real. Man fragt sich, ob das als Satire gemeint ist oder als Werbung. Dann schaut man sich an, wie die Serie entstanden ist und die Frage beantwortet sich von selbst.
Sei es wie es sei: Blurred Horizon existiert, sieht gut aus und ein Hamburger hat Hollywood davon überzeugt, dass sein Arbeitszimmer ein vollwertiges Studio ist. Das ist, bei allem Sarkasmus, nicht nichts. Die Traumfabrik hat sich neu erfunden – nur dass jetzt die Träume von Algorithmen gerendert werden…
BLURRED HORIZON Ep 2 - Mindpods. By Jeff Synthesized.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine bahnbrechende medizinische Erkenntnis gewonnen und sie lautet: Du bist krank. Nicht erkältet, nicht überarbeitet, sondern grundlegend pathologisch – und das allein deshalb, weil du als Mann geboren wurdest.
Verpackt wird diese Diagnose in ein ZDF-Format namens «Unbubble», das offiziell die putzige Titelfrage «Sollten Männer Feministen sein?» trägt. Wer aber in die Videobeschreibung hinunterscrollt, findet dort die eigentliche These der Veranstaltung, schwarz auf weiss und mit Gebührengeldern finanziert: «Sind alle Männer scheisse?» So viel zur ausgewogenen Meinungsbildung, zu der dieser Sender per Gesetz eigentlich verpflichtet wäre.
Die Debatte, die keine war
Das Konzept klingt im Ansatz nicht einmal verkehrt. Drei Leute auf der einen Seite, drei auf der anderen, dazwischen ein Schlagabtausch, an dessen Ende man aufeinander zu oder voneinander weg rückt. Brückenbau, sozusagen. In der Praxis standen sich jedoch sechs Menschen gegenüber, die einander allesamt dieselbe ideologische Klinke in die Hand drückten. Eine harmonische Bestätigungsrunde mit einem Differenzspektrum von ungefähr null Komma nichts. Die sogenannte Kontraseite, die laut Titel ja «Nein, Männer sollten keine Feministen sein» vertreten müsste, bediente am Ende exakt dieselben Denkmuster wie die Proseite. Das ist die viel gepriesene Pluralität des ÖRR: Man lädt sechs Personen aus demselben ideologischen Schlauchboot ein und verkauft das Ganze als gesellschaftlichen Diskurs.
Krank per Geburt
Den Vogel schoss ein Feuilletonist der Welt ab, der allen Ernstes von der «grundlegenden Pathologie des Mannes» sprach. Pathologie ist, für alle, die zuletzt vor langer Zeit ein Wörterbuch aufgeschlagen haben, der medizinische Fachbegriff für Krankheit. Nach dieser Logik ist also jeder Mann per se krank, und zwar unheilbar – denn selbst wer glaubt, das überwunden zu haben, irrt sich nach Auffassung des Herrn schlicht. Egal was du tust, du bleibst pathologisch. Erklärt man andernorts eine ganze Bevölkerungsgruppe aufgrund ihres Geschlechts zur Krankheit, nennt man das Diskriminierung. Beim ZDF nennt man es Dienstag.
Eine feministische Aktivistin assistierte und erhob das Konzept «all men» zur Naturkonstante: Jeder Mann sei frauenverachtend sozialisiert, basta, «Fakt, Punkt». Männer könnten zudem gar keine Feministen sein, weil sie ja die Macht innehätten – eine bemerkenswerte Volte, die die Titelfrage gleich selbst beantwortet. Wer strukturell als Täter gilt, darf sich logischerweise nicht zu den Guten zählen. Ein anderer Diskutant wiederum nahm junge Männer in Schutz mit dem Hinweis, sie hätten «noch» keine Gelegenheit gehabt, etwas Böses zu tun. Dieses kleine Wörtchen «noch» verrät die gesamte Weltanschauung: Der Mann wird nicht zum Täter, er ist es bereits, ihm fehlte bislang nur der passende Termin.
Wenn dieselbe Pauschale anderswo Rassismus heisst
Richtig erhellend wird es im Vergleich. Spricht in rechten Kreisen jemand pauschal über «die Migranten» und deren Gewalt, schreit der gesamte Apparat zu Recht auf: Pauschalisierend, menschenverachtend, man könne doch nicht Millionen für die Taten einzelner unter Generalverdacht stellen. Vollkommen korrekt. Tut aber jemand exakt dasselbe mit der Hälfte der Bevölkerung, feiert dieselbe Redaktion es als feministischen Akt der Befreiung. Der Generalverdacht bleibt identisch, getauscht wird bloss das Etikett. Erinnert sei an die kollektive Empörung, als ein Moderator Björn Höcke interviewte und angeblich zu wenig einordnete. Werden hingegen sämtliche Männer als grundlegend krank gebrandmarkt, kommt von der Moderation kein einziger Einwand, keine kritische Nachfrage, gar nichts. Zweierlei Mass, finanziert aus ein und demselben Topf.
Die Realität, die niemand sehen will
Das eigentlich Bittere: Es hätte Stoff für eine echte Debatte gegeben. Jungen verlassen die Schule deutlich häufiger ohne Abschluss, beim Abitur liegt der Frauenanteil bei über 54 Prozent, auf Förderschulen für emotionale und soziale Entwicklung stellen Jungen die Mehrheit und ADHS wird bei ihnen rund viermal so oft diagnostiziert wie bei Mädchen. Wenn ein Bildungssystem typisch männliches Verhalten fast nur noch als Störung brandmarkt, darf man zumindest die Frage stellen, ob nicht das System selbst Teil des Problems ist. Stattdessen erklärt man kurzerhand die Jungen zum Problem und reicht ihnen die geschlechtliche Erbsünde als Begrüssungsgeschenk. Und wundert sich anschliessend, warum junge Männer scharenweise nach rechts driften, während man ihnen von der Grundschule bis ins ZDF-Studio einredet, sie seien die Wurzel allen Übels.
Genau hier kippt das ganze Theater von der harmlosen Talkshow zur Ansage. Der Durchschnittsmann taucht im öffentlich finanzierten Kulturangebot kaum noch als Mensch mit eigenen Sehnsüchten und Problemen auf, sondern fast nur noch als Baustelle, als Täter, als das Pathologische, das man unbedingt überwinden müsse. Diese permanente Dämonisierung baut keine Brücken, sie zementiert Feindbilder.
Ein Feminismus, der die Hälfte der Bevölkerung wegignoriert und zur Krankheit erklärt, bekämpft das Patriarchat nicht, sondern kopiert es in seinen übelsten Zügen, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Dass eine Aktivistin Männerhass für Aufklärung hält, ist ihr gutes Recht und in erster Linie ihr Problem. Dass ein gebührenfinanzierter Sender diesen Hass als ausgewogenen Diskurs verkauft, ist Vertragsbruch am zahlenden Bürger. Und das Schönste daran: Du darfst die Diagnose «krank» nicht nur kommentarlos schlucken, du finanzierst per Zwangsgebühr auch noch die Klinik, die sie dir ausstellt!
Die Geschichte kennt diese Logik bereits: Man nehme eine Gruppe, erkläre sie qua Geburt für minderwertig oder krank und verkaufe das als wissenschaftliche Erkenntnis. Damals nannte man es Ideologie, heute nennt man es Aufklärung. Der einzige Fortschritt ist, dass wir die Diagnose inzwischen selbst bezahlen! Am Ende geht es gar nicht um Männer, Frauen oder Feminismus, sondern um einen Apparat, der seine gesetzliche Neutralitätspflicht aus dem Medienstaatsvertrag zur reinen Dekoration degradiert hat. Wer Pluralität schuldet und Monokultur liefert, betreibt keinen Rundfunk mehr, sondern Gesinnungspflege. Und die lassen wir uns Monat für Monat brav vom Konto abbuchen!
Es gibt eine Einsamkeit, die lauter ist als alle Stille. Sie wohnt nicht in verlassenen Zimmern oder menschenleeren Strassen. Sie wohnt mitten im Getümmel – in überfüllten Räumen, an gedeckten Tischen, inmitten von Lärm und Gelächter. Jonathan Hari hat sie präzise benannt: Einsamkeit ist nicht die physische Abwesenheit anderer Menschen, sondern das Gefühl, dass man mit niemandem etwas teilt, was wichtig ist. Das ist keine soziale Diagnose. Das ist eine spirituelle.
Das Schweigen hinter den Masken
In den Mysterientradtionen aller Kulturen existiert ein Konzept, das die Einsamkeit nicht als Zufall, sondern als Zustand des Bewusstseins beschreibt. Die Alten nannten es die «Nacht der Seele» – jenen Raum zwischen zwei Welten, in dem das Selbst sich von allem getrennt fühlt: Von anderen Menschen, vom Kosmos, von sich selbst. Es ist der Moment, in dem die Maske, die wir tragen, schwerer wird als das Gesicht darunter.
Diese Masken sind keine Lügen. Sie sind Überlebensstrategien. Wenn jemand in unserem innersten Raum mit schweren Stiefeln über unser zartestes Porzellan getrampelt ist, über das, was wir für schützenswert hielten, dann ist es kein Versagen, die Tür zu verriegeln. Es ist eine alte, tiefe Intelligenz des Herzens: Bewahre, was heilig ist.
Aber jede Tür, die zu lange geschlossen bleibt, wird zur Mauer. Und hinter Mauern wächst nichts.
Die Verletzlichkeit als okkultes Prinzip
In der hermetischen Philosophie gilt: Was sich nicht öffnet, empfängt kein Licht. Das Samenkorn muss seine Schale brechen, bevor es zur Pflanze werden kann. Die Chrysalis muss sich auflösen – vollständig, ohne Garantie – bevor der Schmetterling entstehen kann. Dieser Auflösungsprozess ist keine Schwäche. Er ist Transmutation.
Verletzlichkeit ist dasselbe Prinzip, angewandt auf die menschliche Seele.
Wer sich öffnet, riskiert den Schmerz. Das ist wahr. Aber in der tieferen Schau der mystischen Tradition ist dieser Schmerz kein Unfall – er ist der Preis der Initiation. Jede echte Verbindung zwischen zwei Menschen ist ein kleines Mysterium: Zwei Welten, die sich berühren, zwei Bewusstseins, die für einen Moment ihre Grenzen durchlässig machen. Das erfordert Mut. Nicht den Mut des Panzers, sondern den Mut der offenen Hand.
Der Verbund der Verwundbaren
Die keltischen Druiden lehrten, dass wahre Macht nicht im Einzelnen, sondern im Kreis entsteht. Der Kreis ist die älteste heilige Form – keine Ecken, kein Anfang, kein Ende, keine Hierarchie. Wenn Menschen sich in echter Verletzlichkeit begegnen, entsteht etwas, das grösser ist als die Summe seiner Teile. Eine Resonanz. Ein Feld. Die Alten nannten es unterschiedlich – Pneuma, Prana, das Wyrd-Gewebe der Nordischen Tradition.
Was wir heute «Verbindung» nennen, ist nichts anderes als das Erkennen: Du bist nicht allein mit dem, was du trägst. Und dieses Erkennen hat transformative Kraft – nicht als sentimentales Trostpflaster, sondern als metaphysische Tatsache.
Die Rückkehr aus der Stille
Einsamkeit ist kein Endpunkt. Sie ist ein Schwellenzustand – ein Korridor zwischen dem alten Selbst, das sich hinter verriegelten Türen schützte, und dem neuen Selbst, das gelernt hat, dass echte Sicherheit nicht aus Abschottung entsteht, sondern aus Verbindung.
Das Gegenteil von Einsamkeit ist nicht Gesellschaft. Es ist Resonanz.
Und Resonanz entsteht nur dort, wo etwas schwingt. Wo etwas sich bewegt. Wo etwas – trotz allem, was dagegen spricht – die Tür aufmacht. Mit mutig geöffneten Armen und Herzen zu erscheinen ist nicht die schwächste Form des Menschseins. Es ist die stärkste. Und vielleicht ist es auch die einzige, die uns wirklich aus der Einsamkeit herausführt – zurück in die Welt, zurück in den Kreis, zurück zu uns selbst.
Am 31. Mai erreicht der Mond um 10:45 Uhr seinen vollsten Stand im Schützen – zum zweiten Mal in diesem Monat. Ein Blauer Mond, der nicht blau ist. Über dem Schützen steht ein einziges Wort, scharf wie seine Pfeilspitze: Sehen.
Doch dieses Sehen meint nicht das Auge. Es meint die Einsicht – das plötzliche, tiefe Begreifen einer Lage, vor der man zuvor nur eine Mauer erkannte. Vollmonde enthüllen, was im Tageslicht verborgen bleibt. Und wer unter diesem hier steht, begegnet nicht den Sternen. Er begegnet seinem inneren Seher. Die Hexe und Astrologin Amanda Yates Garcia nennt es in ihrem Mond-Essay schlicht: Jeder von uns trägt die Fähigkeit in sich, ein Prophet zu sein.
Der Pfeil und das Herz
Sagittarius heisst auf Lateinisch nichts anderes als Bogenschütze, von sagitta, dem Pfeil. Am Himmel ist er ein Kentaur, halb Mensch, halb Pferd, der seinen Bogen gespannt hält. Sein Pfeil zielt seit Jahrtausenden auf einen einzigen Punkt: Antares, den roten Überriesen, das Herz des Skorpions. Die alte Sternenlehre liest diese Haltung als Warnschuss. Der Schütze hält die Grenze, er hält den Skorpion in Schach.
Das ist die erste Lektion dieses Mondes. Sehen ist gerichtet. Der Pfeil sucht nicht das Vage, er sucht das Herz. Wer wirklich sieht, blickt nicht überallhin – er blickt dorthin, wo es wehtut.
Die Wunde, die sehen lehrt
Hinter dem Bogenschützen steht Chiron, der weiseste aller Kentauren, Lehrer von Herakles, Jason und Achilleus, ein Heiler, wie es keinen zweiten gab. Und doch traf ihn eines Tages ein vergifteter Pfeil, abgeschossen von Herakles selbst. Chiron, der jede fremde Wunde schliessen konnte, vermochte die eigene nicht zu heilen. Unsterblich, wie er war, konnte er nicht einmal sterben. Am Ende gab er seine Unsterblichkeit fort, um Prometheus von den Ketten zu lösen. Zeus erhob ihn dafür unter die Sterne.
Der verwundete Heiler steht nicht ohne Grund am Sehermond. Wer sieht, sieht durch die eigene Wunde. Einsicht entspringt nicht dem Triumph, sondern der Stelle, die niemals verheilt. Wer nie verletzt wurde, hat nichts zu erkennen.
Was das Sehen kostet
Die alten Mythen sind sich einig, dass die Gabe des Sehens niemals umsonst zu haben ist. Odin opferte ein Auge am Brunnen Mimirs, um aus dessen Tiefe zu trinken – ein halbes Augenlicht gegen das ganze Wissen. Teiresias, der grösste Seher der Antike, war blind. Erst als seine Augen nichts mehr sahen, begann er zu schauen.
Die Botschaft ist unbequem. Wahre Sicht verlangt, dass man etwas hergibt. Die Bequemlichkeit. Die Gewissheit. Die vertraute Mauer, vor der man so lange stand, dass sie zur Heimat wurde. Niemand entdeckt neue Meere, ohne den Mut, die vertraute Küste aus den Augen zu verlieren. Genau deshalb raten die Astrologen unter diesem Mond auch nicht zum Manifestieren neuer Wünsche, sondern zum Loslassen. Der Vollmond ist die Stunde des Abwerfens, nicht des Sammelns.
Das Theater der Gelegenheit
Astrologisch fällt dieser Vollmond auf rund zehn Grad im Schützen, gegenüber der Sonne im Zwilling, die eng bei Uranus steht – dem Erwecker, dem Blitz, dem plötzlichen Riss in der gewohnten Wahrnehmung. Das alte Sabian-Symbol für diesen Grad ist von verstörender Schärfe: Die theatralische Darstellung einer goldhaarigen Göttin der Gelegenheit.
Man lese es langsam. Nicht die Göttin. Ihre theatralische Darstellung. Nicht die Gelegenheit selbst, sondern etwas, das als Gelegenheit verkleidet auftritt. Das ist der Schatten des Schützen, den dieser Mond ins Licht zerrt: Die Aufblähung des Versprechens, die grosse Geste ohne Substanz dahinter, der blosse Anschein von Möglichkeit. Sehen heisst hier, durch die Aufführung hindurchzublicken. Zu unterscheiden, was glänzt, von dem, was trägt.
Der Mond, der nicht blau ist
Selbst der Name dieses Mondes ist eine kleine Lektion in Täuschung. Ein Blauer Mond färbt sich nicht blau. Er ist lediglich der zweite Vollmond innerhalb eines Kalendermonats – nach dem Blumenmond im Skorpion am ersten Mai. Ein Rechentrick des Kalenders, der nur alle zwei bis drei Jahre aufgeht. Daher die Redewendung: Einmal alle Jubeljahre, im Englischen «once in a blue moon».
Auch hier verlangt der Sehermond, dass man genauer hinblickt. Der Name verspricht Farbe und liefert Arithmetik. Das Theater steht überall, sogar am Himmel selbst.
Der innere Seher, dem wir unter diesem Mond begegnen, sitzt nicht in den Sternen. Er sitzt in uns. Die Konstellation zeigt nichts an, sie spiegelt nur, was ohnehin da ist. Dass der Weg, den wir suchen, längst vor uns liegt – wir haben ihn für eine Mauer gehalten. Dass das Sehen nichts kostet als alles, was uns lieb und bequem geworden ist. Und dass die meisten lieber im vertrauten Theater sitzen bleiben, als durch den Vorhang zu treten – auch wenn der Mond einmal alle Jubeljahre die Tür weit offen stehen lässt!
Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen.
Draven präsentiert Geschichten aus der Gruft mit allerlei Geheimnisvollem aus den unheimlichen Tiefen des Netzes und aus jeder Ecke der Welt. Seit dem Jahre 2007 wird Dir hier ein cooler Weblog-Mix aus Musik, Movies, Comics, Horror, Games, Kunst, Radio, Trash, Punk und Heavy Metal geboten – genau so wie es sein soll! Denn glaube mir, nichts ist trivial.
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