In der 4. Staffel „Vikings“ mussten die Fans von einem wichtigen Hauptcharakter Abschied nehmen. Ein Ausstieg, der für reichlich Kummer und auch Wut unter den Zuschauern sorgt. In der 15. Episode „Schlangengrube“ müssen sich die Fans von einer wichtigen Figur der Geschichte trennen. Ob nun einige Zuschauer ihren angekündigten Boykott umsetzen werden?

Dank „Game of Thrones“ sind wir gut darauf vorbereitet, wenn auch Hauptcharaktere einmal überraschend das Zeitliche segnet. Und um ehrlich zu sein, kann man nicht einmal sagen, dass es das in der 15. Episode „Schlangengrube“ tatsächlich eine Überraschung ist. Alleine der Titel verrät, was die Zuschauer erwartet, sofern sie mit der Saga um Ragnar Lothbrok vertraut sind und wissen, wie der legendäre Wikinger starb: Sein ewiger Feind König Aelle lässt ihn in eine Schlangengrube werfen, in der einer der wohl berühmtesten Krieger sein trauriges Ende findet. Wer dieses kleine Fragment aus der Geschichte kennt, weiss beim Titel der 15. Folge „Schlangengrube“ sofort: Jetzt ist es soweit! Ragnars Tod ist da. Leider passiert kein Wunder, die Serie schlägt nicht plötzlich eine andere Richtung ein oder ignoriert die historischen Fakten. Ja, Ragnar (Travis Fimmel) stirbt wirklich. Der Wikinger, den man vielleicht in den letzten vier Staffeln „Vikings“ nicht immer geliebt hat und manchmal sogar gehasst hat, erhält einen unwürdigen, tragischen Tod.

Ragnar hat mit seinem Leben abgeschlossen und freundet sich in der Gewalt von König Ecbert (Linus Roache) mit dem Gedanken an den eigenen Tod an. Vielleicht hat er das schon weitaus früher – immerhin haben wir in den letzten Episoden bereits erlebt, wie er versucht hat, sich zu erhängen. Ragnar wirkt resigniert. Da ist kein Wunsch und Wille mehr da, zu rebellieren oder zu fliehen. Er hat nur einen Wunsch: Sein Sohn Ivar (Alex Høgh Andersen) soll in Sicherheit sein und zurück nach Kattegat gebracht werden. Durch Ivars Behinderung stellt er in den Augen der Briten ohnehin keine Bedrohung dar. In einem letzten, rührenden Gespräch zwischen Vater und Sohn, appelliert Ragnar ein letztes Mal an Ivar. In ihm sieht er einen würdigen Nachfolger. Einen, der von seinen Feinden unterschätzt werden, aber sie alle bezwingen wird. Es ist nicht die letzte wichtige Rede von Ragnar in dieser besonderen Episode von „Vikings“ Staffel 4. Ecbert liefert Ragnar, weiterhin wie ein gefährliches Tier in einem Käfig, an König Aelle (Ivan Kaye) aus, der schon lange Zeit auf Rache sinnt. Der blinde Kutscher, der Ragnar zu Aelle bringt, weiss, selbst jetzt, wo Ragnar gefangen ist, haben die Männer um ihn herum Angst und fürchten ihn. Sein Ruf eilt ihm voraus. Ragnar, die Legende. Doch sein Untergang ist bitter und für eingefleischte Fans wohl nur schmerzlich zu ertragen.

Ragnar stirbt keinen heldenhaften Tod und doch ist er bis zur letzten Sekunde ein Held. Aelle lässt den Wikinger von den bewaffneten Soldaten misshandeln und foltern. Er selbst quält Ragnar und schlitzt ihm sogar ein Kreuz in die Stirn. Und Ragnar? Wie ein echter Wikinger erduldet er all die Schmerzen und knickt nicht ein. Am Ende, als er den Tod ins Auge blickt, spricht er ein letztes Mal zu den anwesenden Christen, die eine Grube mit Schlangen gefüllt haben. Er würde sich darauf freuen, zu Odins reich gedeckter Tafel zu kommen, ruft Ragnar, blutverschmiert, in die Welt hinaus. Und dort werde er auf seine Söhne warten, damit sie ihm ihre ruhmreichen Heldengeschichten erzählen werden. Travis Fimmel, der den Wikinger seit 2013 verkörpert hat, erinnert sich mit gemischten Gefühlen an die Dreharbeiten zu dieser Episode. Lange habe er mit „Vikings“-Schöpfer Michael Hirst diskutiert. „Ich hasse Reden“, verrät Travis im Interview mit „Entertainment Weekly“. „Es wurde so geschrieben, dass es eine grosse Sache ist, aber ich wollte nicht, dass er all das sagt.“ Hirst erinnert sich ebenfalls daran, wie Travis ihm immer wieder sagte: „Mein Charakter hält keine Reden.“ Am Ende verabschiedet sich Ragnar doch mit Worten über das schillernde Valhalla von den Zuschauern, bevor er in der Schlangengrube stirbt. Die Dreharbeiten zu dieser Episode liegen mittlerweile ein Jahr zurück.

Geahnt haben es aufmerksame Fans aber schon lange. Der Cast der History-Serie ist auf Instagram aktiv. Immer wieder gibt es neue Bilder von den Dreharbeiten der 5. Staffel. Travis Fimmel fehlte auf den Schnappschüssen jedoch gänzlich. Zuletzt war die Befürchtung gross, dass auch Clive Standens Rollo die 4. Staffel „Vikings“ nicht überleben würde. Denn der fehlte nicht nur auf Bildern, sondern drehte nebenbei auch noch eine Action-Serie. Mittlerweile hat sich aber auch Clive mit einem Instagram-Foto zurück am Set der 5. Staffel gemeldet. Mit rührenden Flashback-Szenen konnten die Zuschauer – gemeinsam mit Ragnar – einen Blick in die Vergangenheit werfen. Damals, als alles noch anders, vielleicht sogar besser war. Ragnars Tochter Gyda lebte noch. Die Brüder Ragnar und Rollo waren nicht zerstritten. Die Liebe von Ragnar und Lagertha war ungetrübt. Die Freundschaft zu Floki stark. Und Athelstan war noch am Leben. Athelstan, ja, Athelstan. Er zieht sich selbst kurz vor Ragnars Tod weiterhin wie ein roter Faden durch die Geschichte. Jahrelang gab es Diskussionen unter den Fans: Liebt er nun Lagertha oder Aslaug? Einen liebte er definitiv, vielleicht manchmal mehr, als die Frauen, die ihm oftmals viele Nerven gekostet haben: Athelstan (George Bladgen). Kurz vor seinem Tod überreicht Ragnar das Kreuz, das er einst von seinem guten Freund bekommen hat und übergibt es Alfred, Athelstan Sohn. Es ist ein weiterer Abschied von einem Mann, der ihn zutiefst berührt hat. Nun sind sie im Tod vereint.

„Ragnar ist tot, aber Ragnar lebt weiter“, verkündet Michael Hirst, der, wie er ebenfalls im Interview verrät, bereits die Arbeiten an der 16. Episode von Staffel 5 beendet hat. Mit Ragnar ist eine Legende gestorben und ein Fan-Favorit der „Vikings“-Zuschauer. Er lebt in seinen Söhnen weiter. Optisch erinnert vor allem Ubbe (Jordan Patrick Smith) an den jungen Ragnar. Doch vor allem Ivar dürfte für die Zukunft der Serie wichtig sein und einen spannenden Charakter darstellen. Denn nachdem dieser nicht nur seine Mutter Aslaug (Alyssa Sutherland) verloren hat, sondern auch seinen Vater, sinnt er auf Rache. Sein Zorn, der ihn sein ganzes Leben lang begleitet hat, richtet sich nun auf König Ecbert und Aelle, sowie auf Ragnars erste Frau Lagertha (Katheryn Winnick), die Aslaug ermordet hat. Allzu schnell wird es in „Vikings“ also nicht langweilig werden. Im Gegenteil, Ragnar hinterlässt fünf kräftige, erwachsene Söhne, mit denen wir ganz neue Winkel und Geschichten der grausamen Wikinger erkunden können. Und in der 15. Episode hat sich ausserdem ein neuer, mysteriöser Charakter angekündigt. Ein Wikinger mit nur einem Auge, scheint Kattegat mit seinem Boot anzusteuern. Ob es sich bei ihm um einen Freund oder weiteren Feind handelt?

Auf Twitter, Facebook & Co teilten viele Fans ihre Eindrücke, während sie die 15. Folge „Die Schlangengrube“ sahen. Die Stimmung? Gemischt. Der Dank für Travis Fimmels Darstellung des Ragnars findet sich jedoch überall im Web. Während viele Zuschauer den Verlust von Ragnar betrauern, stehen einige Fans der Serie plötzlich kritisch gegenüber. „Gibt es für ‚Vikings‘ eigentlich noch eine Zukunft, wenn der Hauptcharakter tot ist?“, fragen viele Fans zwischen den Zeilen. Dass das geht, dürfte einst schon „Game of Thrones“ bewiesen haben. Wir haben einige Gedanken und Meinungen zur letzten Episode gesammelt.

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