Album Review: Unzucht – Rosenkreuzer

Spätestens mit der Veröffentlichung des Debütalbums „Todsünde 8“ im Herbst 2012 ging es mit der Karriere der hannoverschen Gothic-Industrial-Metal-Band „Unzucht“ stetig aufwärts. Angefeuert durch zahlreiche umjubelte Live-Auftritte auf Touren mit „Mono Inc.„, „Megaherz“ und „Lord Of The Lost“ sowie diversen Festivals (Dark End Festivals, WGT, M’era Luna usw.) ist die Erwartungshaltung an das neue Album gross. Am 20. September legen „Unzucht“ nach, dann erscheint ihr zweites Album mit dem Titel „Rosenkreuzer“ und um es schon mal vorweg zu nehmen: Die Erwartungen dürften auf jeden Fall erfüllt werden!

Unzucht - Rosenkreuzer

Den bisherigen Werdegang des niedersächsischen Rockquartetts „Unzucht“, das Einflüsse aus Gothic, Industrial und Metal in seinem Sound mit überaus melodischen Gesangslinien kombiniert, kann man durchaus als beeindruckend bezeichnen. Nicht zuletzt in den Web-TV-Folgen der bandeigenen Youtube-Serie „Das Gothic-Internat“ bekommt man einen bisweilen verstörenden Eindruck hinter die Kulissen der Unzucht. Was hat es mit ihrer ausgeprägten Sprache auf sich, die von den Fans bereitwillig angenommen wird? Wer oder was sind „Schrakk“ und „Schnizzle“? Warum wird „Schrakk“ bereits auf Buttons an unzähligen schwarzen Taschen durch die Strassen getragen? Fragen, die nicht ohne aufwendige Recherchen in der Historie der Unzucht beantwortet werden können. Es begab sich zu der Zeit um 2009, als in De Clercq, seines Zeichens unzüchtiger Gitarrist und Electro-Tüftler, ein Plan zu reifen begann. Unter einem nicht mehr zu rekonstruierenden Vorwand lockte er den halbspanischen Sänger Der Schulz, nur Minuten vor dessen endgültigem Umzug in seine alte Heimat Gallizien, auf ein nicht konkret benanntes Eiland in der friesischen Karibik, welches seitdem nur unter dem Namen „La Isla Muerta“ bekannt ist. Hier kamen irgendwie unter bisher nicht geklärten Umständen auch Blaschke und Fuhrmann ins Spiel. Die Inselchronik weist deutliche Lücken ob der Vorkommnisse auf, nur so viel ist sicher: Erste Demosongs wurden aufgenommen, der Grundstein der Unzucht war gelegt.

Unzucht Band

Mit ihrem zweiten Album “Rosenkreuzer” melden sich Deutschlands dunkelste Durchstarter zurück. Der Opener des Albums ist zugleich der Titelsong und stellt gleich mal klar: Auch wenn sich im Verlauf des Longplayers härtere und ruhigere Songs abwechseln und sich die Coverversionen des spanischen Rock-Klassikers „Entre Dos Tierras“ von Héroes Del Silencio findet – ist Unzucht weit davon entfernt, sich für eventuelle Charterfolge zu verbiegen oder softer zu werden. Die Textpassagen „es schlägt Dich hart und stumpf“ und „wir kommen mit Euch durchzudrehen“ aus dem titelgebenden „Rosenkreuzer“ geben die Marschrichtung des zweiten Unzucht-Albums wieder: Dunkler, härter, kompromissloser und dennoch immer melodisch präsentieren sich die 13 Songs. Unzucht haben es geschafft, sich weiter zu entwickeln, aber dennoch dem eigenen Stil treu zu bleiben und wiedererkannt zu werden. Weiterhin gehen Gitarren und Elektronik (mit unterschiedlicher Gewichtung) eine Allianz ein, mal wummernd und treibend, dann wieder ruhiger aber nicht weniger intensiv. Der stetige Wechsel in Tempo, Härte und Stimmung lässt keinerlei Langeweile aufkommen. Über allem liegt die markante und unverwechselbare Stimme vom Frontmann Daniel Schulz, die sich passend zu den Stimmungen und Arrangements der einzelnen Songs sehr variantenreich präsentiert und abwechselnd schreit, leidet, klagt, fordert oder auch mal klar daherkommt.

Unzucht

Während textlich hauptsächlich schwere Themen wie Vergänglichkeit, Schmerz und Verlust verarbeitet werden, ist die Musik in jeglicher Hinsicht schwermütiger geworden als auf dem Debüt Album. Erneut gemeinsam produziert von der Unzucht persönlich, wurden alle Songs im Institut für Wohlklangforschung in Hannover mit Willi Dammeier (Apoptygma Berzerk, Dimmu Borgir) aufgenommen und gemixt. Es ist schwer Anspieltipps aus den 13 Songs herauszugreifen, da die Bandbreite zwischen ruhigen Songs wie „Kind von Traurigkeit“, „Nur die Ewigkeit“, „Zwischen den Welten“, „Das dunkle Tier“, „Der Versuch zu leben“, „Nymphonie“ und harten Tracks wie „Rosenkreuzer“, „Triebwerk“, „Feuersturm“, „Angst“, „Der Untergang“, „Mit oder ohne Dich“ äusserst gross ist. Je nach musikalischem Geschmack dürfte die eine oder die andere Richtung mehr gefallen, aber alle Songs schlagen eine Brücke zum jeweils anderen Lager, was ganz klar für die Qualität der Kompositionen spricht. Auf jeden Fall hervorzuheben ist der Song „Nur die Ewigkeit“, welcher als Single bereits im Vorfeld kostenlos erschien. Ohne sich dem Mainstream anzubiedern habe es die vier Jungs geschafft, einen Song mit Ohrwurmcharakter herauszubringen der auch schon auf dem M’era Luna live präsentiert wurde. Dort konnte er die Massen begeistern und seine Livequalität unter Beweis stellen.

Video Thumbnail
Unzucht - Nur die Ewigkeit (Official Video)

Eine Sonderstellung nimmt „Entre dos Tierras“ als einziger Coversong ein. Als Halbspanier ist Daniel Schulz prädestiniert diesen Song zu interpretieren. Der Band gelingt es, dem Song einerseits einen typischen Unzucht-Anstrich zu verpassen, ihn aber auch nicht völlig umzukrempeln. Der Stil der „Unzucht“ wird zwar gut eingefangen, erreicht allerdings nicht die Energie des Originals. Zum Schluss hin wird es mit „Nymphonie“ dann zunächst noch einmal richtig ruhig, fast schon sphärisch, um dann letztlich mit „Mit Dir oder ohne Dich“ noch einmal richtig zu punkten! „Rosenkreuzer“ bedient beide Lager, aus denen sich die Fangemeinde zusammensetzt. Da sind Songs, die vornehmlich auf die elektronische Seite hinzielen und den Gesang von Der Schulz klar in den Vordergrund bringen, da sind aber auch Songs, die ihr Hauptaugenmerk auf ein stampfendes, treibendes Gitarrenriffing legen. Hier zeigt sich, dass De Clercq nicht nur an den Saiten weiss, was er tut, sondern auch im Programming ein gutes Händchen hat.

Unzucht

Für das Album kann eine glasklare Empfehlung ausgesprochen werden. Der Sound ist satt und sauber, alle Instrumente und Details sind akzentuiert und differenziert. Es ist vielschichtig, facettenreich und wird mit Sicherheit sowohl die bestehenden Fans begeistern als auch neue gewinnen können. Das Quartett aus Hameln hat sich innerhalb sehr kurzer Zeit in der Elektro-Gothic-Metal-Szene einen richtig guten Namen machen können. Der Sound hat sich inzwischen stark gefestigt und man bekommt das Gefühl, dass die Band deutlich reifer geworden ist. Eine sehr gute Arbeit, die die Band da abliefert. Souveräne Fortsetzung von „Todsünde 8“ und Unzucht haben es geschafft, sich noch einmal ordentlich zu steigern.

Tracklist:

  1. Rosenkreuzer
  2. Kind von Traurigkeit
  3. Triebwerk
  4. Nur die Ewigkeit
  5. Feuersturm
  6. Zwischen den Welten
  7. Das dunkle Tier
  8. Der Versuch zu leben
  9. Angst
  10. Der Untergang
  11. Entre dos Tierras
  12. Nymphonie
  13. Mit Dir oder ohne Dich
Album Review: Unzucht - Rosenkreuzer
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Originalität7
Tempo7
Musikalische Fähigkeiten9
Gesang9
Songtexte9
Substanz8
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