Chuck Berry im Alter von 90 Jahren gestorben

Elvis Presley wird für immer als der King of Rock & Roll bekannt sein, aber nur wenige würden Chuck Berrys Status als den wahren Paten des Rock’n’Roll bestreiten. „Wenn du Rock & Roll einen anderen Namen geben willst, nenn ihn einfach Chuck Berry“, meinte einst John Lennon über das grosse Vorbild der Beatles. Elvis mag die Krone getragen haben, Chuck Berry war Rock ’n’ Roll. Nun ist der US-Pionier des Rock’n’Roll am Samstag in seinem Haus, wie die Polizei in St. Charles County (US-Bundesstaat Missouri) mitteilte, im Alter von 90 Jahren gestorben.

Chuck Berry wurde am 18. Oktober 1926 in St. Louis als Charles Edward Berry geboren und war vor allem als Gitarrist für den Rock & Roll und die gesamte Rockmusik stilprägend. „Mit seiner Gitarre schuf er ein einzigartiges Rock-’n’-Roll-Vokabular“, schrieb einst der Rock-Publizist Ernst Hofacker, „mit seinem Spiel definierte er das kleine Einmaleins für jeden, der nach ihm die Gitarre in die Hand nahm, um damit zu rocken.“ Chuck Berry ist der Vater der Rockgitarre. Der Rhythm and Blues der 40er-Jahre war noch stark von Bläsern geprägt. Berry hat die Bläserriffs übersetzt, auf sein Instrument übertragen und etablierte damit die Gitarre als führendes Instrument der Pop- und Rockmusik. Dabei hat er die Gitarre wie im Chicago Blues als Rhythmus- und Solo-Instrument eingesetzt. Spielte rhythmische Figuren auf den tiefen Saiten, melodische Figuren als Antwort auf die Gesangsstimme (Call & Response) und schuf 1954 auf dem Song „Maybellene“ das erste grosse Gitarrensolo der Rockgeschichte.

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Chuck Berry - Maybellene

„Maybellene“ war eine Adaption des Country-Songs „Ida Red“ aus dem Jahr 1938, den Berry mit neuem Text in eine Rock-’n’-Roll-Nummer verwandelte und damit den nationalen Durchbruch schaffte. Der Song stürmte nicht nur Platz 1 der Rhythm and Blues Charts, sondern auch Platz 5 in der landesweiten US-Pop-Hitparade. Dies zu einer Zeit notabene, als ein weisser Jüngling namens Elvis Presley gerade seine ersten Gehversuche unternahm und „That’s All Right“ aufnahm. Chuck Berry war also nicht nur früher da als Elvis, er war auch der erste Afroamerikaner, der mit afroamerikanischer Musik auch die weissen Amerikaner erreichte. Er wurde zum Star, zu einem grossen Entertainer, der mit dem „Duckwalk“ ein Markenzeichen und Show-Element schuf, das etwa auch AC/DC-Gitarrist Angus Young in sein Programm aufnahm. Chuck Berry hat in der Folge mit Hits wie „Sweet Little Sixteen“, „Roll Over Beethoven“, „Back In The USA“, „Rock ’n’ Roll Music“ und vor allem „Johnny B. Good“ absolute Klassiker des Rock & Roll geschaffen.

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Chuck Berry - Johnny B. Goode

Chuck Berry war ein Kind des schwarzen Mittelstandes. Literatur, Theater und Bibelzitate gehörten zur geistigen Grundnahrung des Elternhauses. Seine Songlyrics sind denn auch gespickt mit Wortspielereien und erzählen vom Leben, spiegeln die Wirklichkeit und machen auch nicht vor sozialkritischen Inhalten Halt. Etwas, das im amerikanischen Pop der 50er-Jahre eine Rarität war. Insofern kann Chuck Berry sogar als ein Vorläufer von Bob Dylan, des Literatur-Nobelpreisträgers, gesehen werden. Elvis war ein genialer Interpret und Entertainer, der die Massen bewegen konnte. Aber im Gegensatz zu Chuck Berry war er weder Innovator noch Songschreiber. Aus musikalischer Sicht hat Chuck Berry den King um Längen überragt und ist mehr Rock ’n’ Roll als jeder andere. Rock’n’Roll war für Berry nicht nur eine Musikrichtung, sondern auch künstlerischer Ausdruck und zugleich der erste Schritt zu einer nicht mehr in Schwarz und Weiß getrennten Popkultur. In seiner Musik verschmolzen Elemente von Blues, Rockabilly und Jazz zu einigen der zeitlosen Songs Nordamerikas. Berry hatte grössten Einfluss auf fast jeden, der Rockstar-Ambitionen hatte, wie Keith Richards, Paul McCartney, John Lennon und Bruce Springsteen, um nur einige zu nennen. Sowohl die Beatles als auch die Rolling Stones und die Beach Boys coverten seine Songs. Von Bob Dylan wurde die Rocklegende einmal als „Shakespeare des Rock’n’Roll“ bezeichnet.

1984 wurde Berry mit dem Grammy ausgezeichnet, zwei Jahre später wurde er das erste Mitglied der „Rock’n’Roll Hall of Fame“. Privat musste Berry immer wieder Dämpfer einstecken. Nach seinen ersten grossen Hits wurde er Anfang der 1960er-Jahre zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sexuellen Kontakt zu einer Minderjährigen hatte. Nach seiner Haft nahm er zwar weiter Musik auf, doch die Zeit der ganz grossen Erfolge war vorbei. 1979 folgte eine zweite Haft wegen Steuerhinterziehung. In den 1990er-Jahren gab es Vorwürfe von früheren Mitarbeiterinnen seines Restaurants, er habe sie heimlich gefilmt. „Alle 15 Jahre, so scheint es, mache ich einen grossen Fehler“, schrieb er in seinen Memoiren. Und auch im hohen Alter hatte Berry noch jede Menge zu erzählen: An seinem 90. Geburtstag im vergangenen Oktober kündigte er die Veröffentlichung seines ersten Albums seit fast vier Jahrzehnten an. Das Album mit dem schlichten Titel „Chuck“ hatte er in Studios rund um seinen Geburtsort St. Louis aufgenommen. Berry widmete das Album seiner Frau Themetta Berry, mit der er fast 69 Jahren verheiratet war. „Mein Schatz, ich werde alt! Ich habe an dieser Platte lange Zeit gearbeitet. Jetzt kann ich meine Schuhe an den Nagel hängen“, hatte der Musiker erklärt. Das Album soll im Laute des Jahres erscheinen.

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Chuck Berry "Back in the USA"

Seine Auftritte waren selten geworden. Doch den Abtritt von der Bühne hat er immer wieder dementiert. „Solange ich noch ein wenig sehe und höre, mich noch ein wenig bewegen kann, mache ich weiter“, liess er verlauten. Ein Rock ’n’ Roller gibt nicht auf! Danke Chuck, für all die inspirierende Musik, die du uns gegeben hat. Du hast Licht in unsere Teenager-Jahre gebracht. Deine Texte haben andere überstrahlt und ein merkwürdiges Licht auf den amerikanischen Traum geworfen. Chuck, du warst grossartig und deine Musik ist in uns für immer… Danke für alles! Und nun zeigs denen da oben! Go Chuck! Go, go, go!

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Chuck Berry - You Never Can Tell
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Chuck Berry - No Particular Place to Go.
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Chuck Berry - LITTLE QUEENIE - 1959 HQ!

Kunstvoll geschnitzter menschlicher Schädel

Wie die Künstlerin Künstler Rachel Lee für dieses Projekt zu einem menschlichen Schädel in einem guten Zustand gekommen ist, erklärt sie uns nicht. Aber diesen kunstvoll geschnitzten Schädel kann man für 2200 $ erwerben, um damit den Empfangsbereich des Büros oder die Junggesellenbude zu schmücken. Doch dies ist nur einer von vielen geschnitzten Schädel, die Rachel verkauft – meistens handelt es sich dabei aber um Schädel von Tieren, zu bewundern auf ihrem Instagram-Feed

Kunstvoll geschnitzter menschlicher Schädel

Leichen enthaaren ohne Rasierklingen

Zur Leichenenthaarung gab es 1912in New York einen bahnbrechenden Entwicklung: Das Post-Mortem Rasierpulver. Mache ich ja auch immer so mit meinen Leichen, Pulver drauf und ab gehts, ohne Acid und ohne „offensive Odor“. Tatsächlich gibt es noch ein bisschen Hintergrundinfo zur Leichenenthaarungsanzeige, anscheinend gab es damals jede Menge Firmen für Leichen-Enthaarung ohne Rasierklingen:

The magazine is Casket & Sunnyside for January 1912, and there are ample references to it in Charles Addams [Addams Family] and Jessica Mitford. The worry for the consideration of the cost of a shave (15 cents) for a dead person seems quite an inescapable weirdness and luxury. The weirdness of the name of the company nearly obscures it common nature–it isn’t exactly the Acme Corpse Company, but it is close to it, and it addresses just one small bit of minuatiae of deadness in the vast sea of Dead, Inc.

The sellers of the razorless post-mortem shave equipment didn’t receive a patent for their process–nor did anyone else, for that matter, at least so far as I can determine.

Leichen enthaaren ohne Rasierklingen

Bill Paxton ist tot

Bill Paxton hat in „Aliens“, „Titanic“ und „Apollo 13“ mitgespielt, sein Regiedebüt gab er 2001 mit „Dämonisch“ (Frailty), nun ist der amerikanische Schauspieler im Alter von 61 Jahren nach einer Herz-OP gestorben.

Paxton hat in tausend Klassikern mitgespielt und war spezialisiert auf Badasses und Irre, seine berühmtesten Genre-Auftritte waren wohl Private Hudson in Aliens und der blauhaarige Punk im Terminator. Kein Wunder, gehörte er doch zu den Lieblingsschauspielern von Regisseur James Cameron, der ihn immer wieder für seine grossen Projekte engagierte. Der gebürtige Texaner war für insgesamt drei Golden Globes nominiert, unter anderem für seine Darstellung in der Serie „Big Love“. 2001 gab er mit dem düsteren Film „Frailty“ sein Regiedebut, darin spielten er selbst und Matthew McConaughey die Hauptrollen.

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The Terminator - Terminator VS Punks (HD)

Paxton wurde in Fort Worth, Texas als Sohn von Mary Lou und John Lane Paxton geboren. Bereits mit 18 Jahren zog er nach Los Angeles, wo er sich als Dekorateur und Kulissenhilfe verdingte. Zwei Jahre später stand er 1975 im Film „Verrückte Mama“ (Crazy Mama) das erste Mal vor der Kamera. Wenig später zog er nach New York, wo er bei Stella Adler (Studio Of Acting in NYC) Schauspiel studierte. Während seiner Studienzeit fand er zahlreiche kleinere Engagements in Fernsehproduktionen, zudem schrieb und produzierte er Kurzfilme. Der eigentliche Durchbruch gelang ihm 1992 mit dem Film „One False Move“. 1994 war Paxton als windiger Autoverkäufer in „True Lies – Wahre Lügen“ zu sehen, 1995 als Astronaut in „Apollo 13“ an der Seite von Tom Hanks und Kevin Bacon. 1996 folgte unter der Regie von Jan de Bont der Katastrophenfilm „Twister“ an der Seite von Helen Hunt. 1997 verkörperte er die Rolle des Brock Lovett in James Camerons Oscar-prämiertem Erfolgsfilm „Titanic“. Besonders gut hat er mir in Filmen wie „Verflucht sei, was stark macht“, „Phantom-Kommando“, „Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“, „Trespass“ und „The Colony – Hell Freezes Over“ gefallen und auch in den „Geschichten aus der Gruft“ war er zu sehen.

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Aliens : Bishop's Knife Trick

Seit 1997 produzierte Bill Paxton auch selbst Filme, seinen Einstand als Produzent gab er mit „Traveller – Die Highway-Zocker“ mit Mark Wahlberg und Julianna Margulies. 2001 debütierte er mit „Dämonisch“ als Regisseur, 2005 folgte sein zweiter Film „Das grösste Spiel seines Lebens“. Bill Paxton lebte bis zu seinem Tod mit seiner Frau und zwei Kindern in Ojai, Kalifornien. „Seine Leidenschaft für die Kunst wurde von allen wahrgenommen, die in trafen und jeder erkannte seine warme und ausdauernde Energie“. Mit einem Schreiben hat die Familie des US-Schauspielers und Filmemachers den Tod des 61-Jährigen bestätigt. Paxton sei aufgrund von Komplikationen nach einer Operation gestorben, heisst es darin. „Ich hatte eine Karriere, die irgendwie unter dem Radar verlief, auch wenn das variierte. Ich war so gesegnet, dass ich dafür bezahlt wurde, das zu tun, was ich liebe“, soll Paxton einmal gesagt haben. Demnächst ist er nochmal im Kino in der Überwachungs-SciFi-Literaturverfilmung von Dave Eggers „The Circle“ mit Emma Watson zu sehen. Danke für die ganzen Badasses, R.I.P. Bill…

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(aliens) hudson best moments
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Goodbye Bill Paxton

Richard „Captain Apollo“ Hatch gestorben

Als Captain Apollo in der Sci-Fi-Serie „Kampfstern Galactica“ verdrehte Richard Hatch in den 70er Jahren reihenweise Frauen den Kopf. Auch im Reboot der Kultserie hatte er eine wiederkehrende Rolle. Nun ist Richard Hatch ist im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.

Wie US-Branchenmagazine übereinstimmend berichten und seine Familie sowie sein Manager mittlerweile bestätigt haben, ist Hatch am Dienstag, dem 7. Februar 2017, im Alter von 71 Jahren in seinem Haus im kalifornischen Santa Clarita gestorben. Für viele wird er als Captain Apollo, Raumpilot in der 70er-Jahre-Sci-Fi-Serie „Kampfstern Galactica“ für immer unsterblich bleiben. Hatch wurde kurz nach Kriegsende, im Mai 1945, in Kalifornien geboren. Im Alter von 25 Jahren begann er seine Schauspielerkarriere als Mitglied der TV-Seifenoper „All My Children“. Schon zu Beginn seiner vor allem von Fernsehrollen geprägten Karriere machte Hatch mit denkwürdigen Gastauftritten in Serienklassikern wie „Hawaii Fünf-Null“, „Denver Clan“, „Love Boat“ und „Die Waltons“ auf sich aufmerksam. In der letzten Staffel der Krimiserie „Die Strassen von San Francisco“ trat er als neuer Hauptdarsteller gar das schwere Erbe von Michael Douglas an, der ausgestiegen war, um sich auf seine Filmkarriere zu konzentrieren. Auch nach dem Durchbruch mit „Kampfstern Galactica“ schaute Hatch für kleinere Parts in beliebten Serien wie „T.J. Hooker“, „Mord ist ihr Hobby“, „MacGyver“ oder „Baywatch“ vorbei.

Nicht nur mit seiner Hauptrolle in „Kampfstern Galactica“ bewies Hatch seine Liebe für das Franchise und Sci-Fi im Allgemeinen. Er selbst verfasste Ende der 90er Jahre und Anfang des neuen Jahrtausends mehrere Romane, in denen er die Handlung der Serie weitererzählte. 1999 versuchte er Universal mit einem eigens gedrehten Trailer gar davon zu überzeugen, das Kultformat mit einer neuen Serie fortzusetzen, wofür er allerdings keinen Zuschlag bekam. Als Ronald D. Moore fünf Jahre später mit seiner Neuauflage „Battlestar Galactica“ mehr Erfolg hatte, bekam Hatch darin die Rolle des radikalen Politikers und früheren Terroristen Tom Zarek. Danach wurde es ruhiger um ihn. In jüngerer Vergangenheit machte Hatch ausserdem als grosser Unterstützer des noch immer in der Entwicklung befindlichen „Star Trek“-Fanfilmprojekts „Axanar“ von sich reden, für dessen Kurzfilm-Vorgeschichte „Prelude To Axanar“ er bereits als Klingonen-Commander Kharn vor der Kamera stand. Die Fanfiction, die über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert wurde, kann noch immer via Youtube abgerufen werden. Zuletzt moderierte Hatch Abendveranstaltungen auf Kreuzfahrtschiffen.

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Prelude to Axanar

Er spielte „Captain Apollo“ in der Battlestar Galactica-Serie und den daraus hervorgegangenen Filmen den Commander Apollo, eine der beiden Heldenfiguren neben Lieutenant Starbuck. Battlestar Galactica war damals im Fahrwasser von Star Wars unglaublich erfolgreich – wir hatten ja nix – und von Muffit habe ich heute noch Albträume. Danke für den ganzen SciFi-Spass und Ruhe in Frieden Richard „Captain Apollo“ Hatch!


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Apollo and Starbuck - You've Got a Friend in Me

Sir John Hurt mit 77 Jahren gestorben

Gerade noch feierten wir seinen Geburtstag, jetzt müssen wir uns von John Hurt verabschieden. „Der Elefantenmensch“, „1984“, „Alien“ oder „Dame, König, As, Spion“ – Hurt brillierte stets. Ein grossartiger Schauspieler, dessen stets melancholischer Gesichtsausdruck einen sofort in den Bann schlug. John Hurt fand in seiner experimentierfreudigen, inquisitiven Arbeit viele laute und stille, aber immer eindrucksvolle andere Wege, seinen Charakteren Ausdruck zu verleihen. Egal, wo Hurt auftauchte, er blieb im Gedächtnis, er war gross auch in den kleinen Rollen.

Exzentriker und Ausgestossene, irre Autokraten und gequälte Widerständler: Der Schauspieler John Hurt versenkte sich mit Leib und Seele in die Abgründe menschlicher Natur. Kein anderer Darsteller seiner Generation verkörperte Schmerz und Verletzung so intensiv wie der 1940 geborene Brite. Hurt drängte mit seinem Spiel nie nach vorn, war nie ein Mann der ersten Reihe wie seine Freunde und Trink-Kumpanen Oliver Reed und Peter O’Toole und doch brannten sich seine besten Rollen tief ins kollektive Kinogedächtnis ein: Der „Elefantenmensch“ Joseph Merrick, Gay-Ikone Quentin Crisp, Winston Smith in „1984“ oder der römische Herrscher Caligula waren nur einige seiner Paraderollen, die er verkörperte. Die gesamte Palette menschlicher Schwäche und Zerbrechlichkeit konnte Hurt mit der Eindringlichkeit seines schon früh von Falten zerfurchten Gesichts und der sehnigen Drahtigkeit seines Physis verkörpern. In jede einzelne seiner Rollen versenkte er sich ganz und gar, egal wie tief die Abgründe schienen.

Als Sohn eines anglikanischen Vikars wuchs Hurt in frömmelnden Verhältnissen in der englischen Grafschaft Lincolnshire auf. Der Vater war distanziert, als jüngstes von drei Geschwistern hing Hurt am Rockzipfel seiner Mutter, trieb aber bereits als Ministrant im Gottesdienst allerlei Schabernack, als er die Weihrauchgefässe absichtlich überfüllte, um die Gemeinde einzunebeln und in Ohnmacht zu versetzen. An der kirchlichen Prep-School scheiterte er jedoch und wurde an eine öffentliche Schule geschickt. Ein Kulturschock, der Hurt tief beeindruckte: Die autoritäre Strenge der Lehrer, die Brutalität der Bullys auf dem Schulhof, das ständige Fluchen – Härten der Arbeiterklasse, die dem behüteten Pastorensohn bis dato unbekannt gewesen waren. Hurt zog sich in Fantasiewelten zurück und entwickelte, gehänselt und eingeschüchtert, sein Gespür für Underdogs. 1966 entdeckte Regisseur Fred Zinnemann den Bühnen- und Fernsehschauspieler und gab ihm eine Nebenrolle als Richard Rich in der Romanverfilmung „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“.

Seinen Durchbruch erlebte er nach vielen kleineren Rollen und mehreren Jahren als Ensemble-Mitglied an der Royal Shakespeare Company jedoch erst 1975 mit seiner Hauptrolle als Szenegrösse Quentin Crisp in dem TV-Biopic „The Naked Civil Servant“. Schwules Kino war in den Siebzigern noch dabei, sich abseits von Voyeurismus oder Didaktik zu etablieren, sodass Hurts furchtlose, zickig-flamboyante Darstellung der queeren Ikone für Aufsehen sorgte. Im Jahr darauf schockierte er das Fernsehpublikum erneut mit seinem rundheraus irren Caligula in „I, Claudius“, der zu seiner sterbenden Grossmutter ins Bett kroch und seiner schwangeren Schwester das ungeborene Kind aus dem Bauch schnitt. Drei Jahre später gewann Hurt mit seiner Darstellung des Häftlings Max in Alan Parkers Gefängnisschocker „Midnight Express“ einen Golden Globe als bester Nebendarsteller und eine Oscar-Nominierung. 1979 folgte einer von Hurts kürzesten, aber spektakulärsten Kino-Auftritte. In Ridley Scotts Weltraum-Thriller „Alien“ spielt er das bemitleidenswerte Crew-Mitglied Kane, dem nach einem gierig verzehrten Spaghetti-Dinner die erste Horror-Kreatur aus dem Brustkorb bricht. Der Schock auf Kanes Gesicht, in den sich Schmerz und Unglaube mischen, ist furchterregender als die grandiosen Spezialeffekte in dieser Szene.

Mit körperlicher Versehrtheit bekam es Hurt auch 1980 in David Lynchs „Der Elefantenmensch“ zu tun. Er spielte, praktisch unkenntlich unter monströsen Verformungen, den von der seltenen Lymphstörung Elefantiasis befallenen Briten Joseph Merrick (im Film John genannt). Sein Aufschrei am Ende des Films ging durch Mark und Bein: „I’m not an animal. I’m a human being!“ Die berührende, oft mit Boris Karloffs klassischer Frankenstein-Performance verglichene Darstellung brachte Hurt eine weitere Oscar-Nominierung ein. Unter der schweren Maske allein auf schmerzerfüllte, verängstigte oder verachtende Blicke und Gestik zurückgeworfen, entwarf Hurt eine so bemitleidenswerte wie würdevolle Figur. Mit gleicher Sensibilität machte Hurt auch das mit Poesie gegen das autoritäre „Big Brother“-Regime widerstrebende Individuum Winston Smith zum schauspielerischen Ereignis. Als Michael Radfords Verfilmung von George Orwells Gesellschaftsdystopie „1984“ im gleichen Jahr ins Kino kam, spiegelte sich das Leid und die Gebrechlichkeit seiner Filmcharaktere längst auch im Privatleben John Hurts: Seine langjährige Lebensgefährtin Marie-Lise Volpelière-Pierrot starb 1983 bei einem Reitunfall. Hurt verfiel dem Alkohol, dem er schon seit seinen Anfängen aus Unsicherheit zugetan war.

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Nineteen Eighty Four (1984) - Rats - Richard Burton - John Hurt

In späteren Karrierejahren brillierte Hurt als versierter und verlässlicher Nebendarsteller und Sprecher in Dutzenden von Rollen: Unvergessen bleiben seine minimalen, aber wirkungsvollen Einsätze als Zauberstabmacher Mr Ollivander in zwei Teilen der Harry-Potter-Reihe, aber auch prägnante Rollen in Lars von Triers „Melancholia“ und als Geheimdienstchef in der Le-Carré-Adaption „Dame, König, Ass, Spion“. Ehrgeiz, sagte er einmal dem „Guardian“, sei nie seine Sache gewesen. „Ich habe unheimlich ambitionierte Leute beobachtet: Im Moment des Erfolgs wissen sie genau, wo es lang geht, sie wissen, wie sie damit umgehen sollen und dann geht es richtig los für sie. Toll. Aber so funktioniere ich nicht.“ Im Juli 2015 wurde er von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. Religiös war der vierfach verheiratete, inzwischen seit vielen Jahren trockene Cricket-Fan trotz seiner Kindheitsprägung nie gewesen.

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V for Vendetta High Chancellor Scenes

John Hurt starb in der Nacht zu Samstag in London an den Folgen seiner Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung. Noch vor einem Jahr hatte er sich in der britischen Presse zuversichtlich gezeigt, den Krebs besiegen zu können. Ich kann gar nicht aufzählen, in wie vielen Genre-Filmen der Mann mitwirkte, am berühmtesten wurden bereits genannt, doch sind hier auch neben Kane in Ridley Scotts Alien, eine Rolle die er selbst nochmal in Mel Brooks Spaceballs verarschte, auch Sam Peckinpahs in „The Osterman Weekend“ genannt oder lieh er dem Hasen Hazel in „Watership Down“ seine Stimme und sprach Aragorn in Ralph Bakshis Zeichentrick-Hobbit. Hurt blieb SciFi und Fantasy immer treu, war der Anführer der Aufständischen in „Snowpiercer“ und natürlich der diabolische Great Chancellor in „V for Vendetta“. John Hurt war wahrlich eine Legende des Genre-Films. Ein ganz grosser Schauspieler verlässt die Bühne. Ruhe in Frieden. Thanks for all the Magic, John.

Cremation Design: Morbides Geschirr aus Menschenknochen

Für seinen verstorbenen Opa wollte ​Justin Crowe ein ganz besonderes Kunstwerk erschaffen und hat zu dessen Ehren 200 menschliche Knochen im Internet bestellt, um aus ihnen ein ganz sonderbares Kaffee-Service zu erstellen. Mittlerweile ist aus der obstrusen Idee tatsächlich ein Geschäftsmodell geworden. Nach vier Monaten Arbeit hat er das Ehren-Dinner für acht Personen gehalten. Und dann begannen die Anfragen, ob man das nicht auch bestellen könne? Wer tatsächlich seine Liebsten nach dem Tod in Form einer Tasse oder Vase bei sich haben möchte, schaut bei Cremation Designs vorbei…

With a background in ceramics, I knew that bone ash was a common ingredient in glaze so I developed a special recipe using typical ingredients like clay, silica, and feldspar, and added my freshly fired, crushed and powdered human bone ash.

Cremation Design: Morbides Geschirr aus Menschenknochen
Cremation Design: Morbides Geschirr aus Menschenknochen
Cremation Design: Morbides Geschirr aus Menschenknochen
Cremation Design: Morbides Geschirr aus Menschenknochen
Cremation Design: Morbides Geschirr aus Menschenknochen
Cremation Design: Morbides Geschirr aus Menschenknochen

Alle 2016 verstorbenen Künstler auf einem Foto

2016 hat sich da wirklich einiges genommen. Da sind wirklich einige Künstler dabei, die nicht gerade eine unwichtige Rolle in meinem Leben gespielt haben. 2017 wird besser – seien wir optimistisch und erhalten die positiven Erinnerungen an diese Künstler…


(via Consequence of Sound)

In Memoriam 2016

Geraint Hacking hat die ungemein hohe Dichte an Prominenztoden zum Anlass genommen, eine schöne kleine Hommage in Rotoscope-Manier zu schaffen. Vier Minuten Hoffnung auf ein besseres 2017…

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In Memoriam 2016 - Rotoscope Tribute by Geraint Hacking

Falls ihr nicht alle direkt erkannt haben solltet:
Gene Wilder – Charlie and the Chocolate Factory
Anton Yelchin – Star Trek
Tony Burton – Rocky
Burt Kwouk – The Pink Panther
David Huddleston – The Big Lebowski
Alan Rickman – Die Hard
Erik Bauersfeld & Kenny Baker – Star Wars
Andrew Sachs
Caroline Aherne
Paul Daniels
Frank Kelly
Robert Vaughn
Ronnie Corbett
Victoria Wood
Terry Wogan
Prince
Phife Dawg
David Bowie
Maurice White
Lemmy
Muhammad Ali
Leonard Cohen

Ruhe in Frieden, Carrie Fisher

Am 23. Dezember hat Carrie Fisher einen Herzinfarkt erlitten, denn sie leider nicht überlebt hat. Die Schauspielerin, die jeder als Prinzessin Leia aus der Star Wars Trilogie kannte, starb am 27. Dezember 2016 im Alter von 60 Jahren an den Folgen, wie „ein Sprecher ihrer Familie gegenüber US-Medien“ bestätigte. 2016 hat uns viele unserer Pop-Helden genommen…

„Die Welt hat sie geliebt“, heisst es in einem Statement ihrer Tochter Billie Lourd, die ebenfalls als Schauspielerin (Scream Queens) arbeitet. Fisher wurde als 19 Jährige durch ihre Rolle als Prinzessin Leia aus der „Star Wars“-Serie bekannt. Dort spielte sie die starke, kämpferische, elegante, geistreiche, überlegte, pragmatische Prinzessin Leia Organa. Eine Rolle, die ihr sowohl Ruhm als auch Anerkennung und Kummer bescheren sollte. In den Jahren nach der ursprünglichen Trilogie tat sich Fisher zunehmend schwer damit, an den gigantischen Erfolg der Sci-Fi-Saga anzuknüpfen, stand zwischendurch aber immer mal wieder für Genrefilme vor der Kamera. Wer erinnert sich nicht an ihren denkwürdigen und selbstrefferenziellen Gastauftritt in Wes Cravens Horror-Sequel „Scream 3“ oder die Verbindungsmutter Mrs. Crenshaw aus Sorority Row (Schön bis in den Tod)? Carrie war eben nicht nur die Prinzessin von Alderaan, sondern eine talentierte, komplizierte, unendlich lustige, erfolgreiche Frau in Hollywood, deren beeindruckende Karriere Ehre gebührt.

Die Tochter der Hollywood-Schauspielerin Debbie Reynolds und des Sängers Eddie Fisher (1928-2010) spielte auch in Filmen wie „Blues Brothers“, „Harry und Sally“ und „Lieblingsfeinde – Eine Seifenoper“ mit. Sie veröffentlichte acht Bücher, darunter erst kürzlich ihre Autobiografie „The Princess Diarist“. Darin enthüllt sie, dass sie am „Star Wars“-Set mit ihrem Kollegen Harrison Ford eine Affäre gehabt habe. Ihre Bücher habe ich leider nie gelesen, aber immer wieder fantastische Zitate entdeckt, die natürlich jetzt wieder überall gesharet werden. Ihre Arbeit als Skriptdoktor wurde seit Jahrzehnten hoch angesehen, auch wenn offiziell natürlich wenig bestätigt wurde. Ihre Talkshowauftritte waren ebenfalls unterhaltsam und ihr grandioser Auftritt bei der Verleihung des AFI Lifetime Achievement Awards an George Lucas aka The Roast of George Lucas war legendär. 2015 kehrte sie in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ in ihrer ikonischen Rolle als General Leia Organa ebenso lebhaft wie vor mehr als drei Jahrzehnten auf die Leinwand zurück und eben jene Trilogie sollte sie auch 2017 wieder auf die grosse Leinwand zurückführen.

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Carrie Fisher Roasts George Lucas at AFI Life Achievement Award

Fisher erzählte in ihrem Buch „Wishful Drinking“ eine Geschichte, die zu dem Zitat führte, den sie in ihrem Nachruf wollte:

Anyway, George comes up to me the first day of filming and he takes one look at the dress and says, ‚You can’t wear a bra under that dress.‘

So, I say, ‚Okay, I’ll bite. Why?‘

And he says, ‚Because… there’s no underwear in space.‘

I promise you this is true, and he says it with such conviction too! Like he had been to space and looked around and he didn’t see any bras or panties or briefs anywhere.
Now, George came to my show when it was in Berkeley. He came backstage and explained why you can’t wear your brassiere in other galaxies, and I have a sense you will be going to outer space very soon, so here’s why you cannot wear your brassiere, per George. So, what happens is you go to space and you become weightless. So far so good, right? But then your body expands??? But your bra doesn’t- so you get strangled by your own bra. Now I think that this would make a fantastic obit- so I tell my younger friends that no matter how I go, I want it reported that I drowned in moonlight, strangled by my own bra.

Sie hatte es im Leben dank ihrer Krankheit oft nicht leicht, doch ihr lustiger und lockerer Umgang und Engagement als Fürsprecherin halfen. Nicht nur ihr. Auf Auftritt auf Twitter war stets lustig, ihre kreative Schreibweise seit Jahren ebenso kryptisch legendär. Wie keine Zweite prägte Carrie Fisher die Heldinnenfigur des Kinos. Sie war mal lieblich, mal schiessfreudig und bei allem, was sie tat, forderte sie ihr Publikum auf: Nehmt das Leben nicht zu ernst! An ihr müssen sich seit 40 Jahren alle Heldinnenfiguren des Kinos messen und sie werden es in Zukunft genauso müssen, denn an sie reicht keine in ihrem Facettenreichtum heran. In „Rogue One“, dem Film, der die Vorgeschichte von Episode IV erzählt und der gerade in den Kinos läuft, ist Fisher noch einmal dank digitalem Zauber für einige Sekunden als blutjunge Leia zu sehen und sie spricht ein einziges Wort: „Hoffnung“. Man könnte meinen, dass ihre Lebensmission in dieser Szene zusammengefasst ist, für immer jung zu sein und für immer Hoffnung zu spenden. Doch Carrie Fishers Leben zu würdigen, heisst, sie als fiktive und als reale Heldin, als junge Prinzessin und alte Rebellin in Erinnerung zu behalten. Danke, Carrie. Machs gut. May the Force be with you… always.

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Princess Leia - Carrie Fisher Tribute - BBC Orchestra

Handgefertigte Lederschädel aus Brooklyn

Menschliche Schädel als Dekogegenstände führen einem das Tabuthema Tod direkt vor Augen und für die Menschen hat die Endlichkeit des Lebens etwas mysterisches, was uns immer interessiert hat und interessieren wird. „Memento Mori“ nennt sich das neueste Designstück aus dem Hause Heavy Eyes, das eine lebensgrosse Schädelnachbildung aus Leder ist. Als Material diente kein harter Knochen, sondern hochwertig verarbeitetes Premiumleder. Die Einzelteile werden in einer Manufaktur in Brooklyn per Hand zusammengefügt, als Verbindungselemente dienen Metallschräubchen. In zwei Varianten sind die dekorativen „Memento Mori“-Schädel zu haben: Schwarzes Leder mit schwarzem Metall und Naturleder mit silberfarbenen Schrauben, der Stückpreis liegt bei 180 US-Dollar.

Handgefertigte Lederschädel aus Brooklyn
Handgefertigte Lederschädel aus Brooklyn
Handgefertigte Lederschädel aus Brooklyn
Handgefertigte Lederschädel aus Brooklyn
(via HighSnobiety)

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